Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Holzfaserplatten, ins
besondere Holzfaserdämmplatten, sowie eine nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren hergestellte neuartige Holzfaserplatte.
Bei der Herstellung von Faserplatten unterscheidet man grundsätzlich zwi
schen Papierfaser- bzw. Zellulosefaser-, Mineralfaser- und Holzfaser-Aus
gangsmaterialien.
Holzfaserplatten werden zur Zeit nach zwei grundsätzlich verschiedenen Ver
fahren hergestellt. Dabei handelt es sich zum einen um das sogenannte Naß
verfahren, nach welchem Holzweichfaserplatten und Holzhartfaserplatten
(HDF) hergestellt werden, zum anderen um ein Holzfasertrockenverfahren,
nach welchem sogenannte MDF- bzw. HDF-Platten gefertigt werden.
Gemeinsam ist den Holzfaserplattenherstellungsverfahren die Herstellung der
Holzfasern. Dies erfolgt üblicherweise derart, daß zunächst Holzhackschnitzel
mit einer Zerfaserungsanlage zu Holzfasern zerfasert werden. Man spricht von
thermisch-mechanischem Aufschluß, wobei nach thermischem Aufschluß eine
mechanische Zerfaserung der Holzhackschnitzel unter Druck unter Tempera
tureinwirkung erfolgt. In einem sogenannten Refiner werden die gekochten
bzw. gedämpften Hackschnitzel über eine Schnecke einem Mahlscheibenpaar
zugeführt und nach dem Zerfasern ausgebracht. Üblicherweise erfolgt in ei
nem Zyklon die Trennung von Dampf und Holzfasern, die aufgrund des ther
misch-mechanischen Aufschlusses als Mischung aus dem Refiner heraustre
ten.
Bei dem inzwischen klassischen Naßverfahren werden die Holzfasern mit
Flüssigkeit, üblicherweise Wasser, Leim und dergleichen zu einem Brei ver
mengt. Dieser Brei wird in Formstationen, üblicherweise mit einer Lang
siebentwässerungsvorrichtung, ausgebracht, geformt und in einer Presse ver
dichtet und getrocknet. Bei der Herstellung von Holzweichfaserplatten wird
das Wasser mit Mangelwalzen teilweise ausgepreßt und das restliche Wasser
mit Überström- oder Düsentrocknern verdunstet. Die Presse für das Herstellen
von Holzhartfaserplatten weist zumindest in einer der Pressenflächen siebar
tige Öffnungen für den Dampfaustritt auf. Somit kann die in dem Naßfaserbrei
befindliche Feuchtigkeit über die Oberfläche und die Kanten entweichen. Zu
diesem Zweck muß das zu trocknende Faservlies selbstverständlich eine ge
wisse Zeit in der Presse verweilen, so daß das Herstellungsverfahren langwie
rig wird. Die Verweildauer in den bei der Holzweichfaserplattenherstellung
verwendeten Trocknern ist aufgrund der geringen Wärmeübergänge in die
Platte sehr hoch. Durch den Zusatz von Flüssigkeit, dem Erfordernis der Auf
bringung von sehr viel Energie zum Ausdampfen der Flüssigkeit und der lan
gen Verweildauer in der Trocknungsphase werden die Naßherstellungsverfah
ren für Holzfaserplatten vergleichsweise unwirtschaftlich.
Aus diesem Grunde wurde, zumindest um den Zeitfaktor beträchtlich zu redu
zieren und ein kontinuierliches Plattenherstellungsverfahren bereitzustellen,
das Trockenverfahren entwickelt. Dieses unterscheidet sich von den Naßver
fahren dadurch, daß die Fasern vor der Ausbringung zur Formung beleimt und
getrocknet werden. Nach der Trocknung werden die Fasern ausgestreut und
nach der Formung in einer Presse ausgehärtet, die nun nicht mehr die Aus
dampföffnungen in der Pressenfläche aufweisen muß. Die Ausdampfung der
geringen Restfeuchte erfolgt hier über die Seitenkanten. Die Verweildauer des
Fasermaterials in der Trocknungspresse ist folglich erheblich kürzer. Somit re
duziert sich die Produktionszeit ab dem Ausstreuen beträchtlich. Jedoch ist
die Vortrocknung der Fasern vor dem Aushärten nach wie vor erforderlich.
Ein Nachteil beider beschriebener Verfahren besteht in dem großen erforderli
chen Energieaufwand zur Fasertrocknung, sei es im Trockenverfahren nach
dem Zerfasern oder im Naßverfahren nach dem Formen. Ein weiterer Nachteil
ist der ungünstige Wasserhaushalt, insbesondere beim Naßverfahren. Durch
die breiige Konsistenz ergibt sich beim Naßverfahren zwangsläufig eine untere
Grenze für die Rohdichte, die nicht unterschreitbar ist. Darüber hinaus ergibt
sich eine obere Grenze hinsichtlich der Dicke der im Naßverfahren hergestell
ten Platten, da die Wärmezufuhr nur über die Oberflächen der Platten erfolgt
und ab einer bestimmten Dicke somit, zumindest bei vernünftigem Energie
aufwand, keine vollständige Durchtrocknung mehr möglich wäre. Aufgrund
der Randbedingungen ist die Wärmeleitfähigkeit auch begrenzt, das heißt es
ergeben sich λ-Werte ≧ 0,045 W/mK. Bei den nach dem Trockenverfahren
hergestellten Platten muß der Feuchtegrad sehr exakt eingestellt werden, da
ansonsten bedingt durch das Trocknungsverfahren Reißer oder Platzer an der
Platte auftreten. Die Entfeuchtung kann nur durch Verdampfen erfolgen, so
daß das in der Platte befindliche Wasser durch die hohe Temperatur und den
hohen Druck bis auf eine über der Siedetemperatur bei atmosphärischem
Druck liegende Temperatur erhitzt wird. Ein weiterer Nachteil der im Trocken
verfahren hergestellten Platten besteht in der ungünstigen Bindemittelvertei
lung, die üblicherweise nach einer Blasrohrbeleimung erfolgen muß, da an
sonsten ein ausreichender Plattenverbund nicht mehr gewährleistet werden
kann. Darüber hinaus können bei beiden Verfahren nur wasserlösliche Bin
demittel verwendet werden.
Ausgehend von diesem Stand der Technik liegt der vorliegenden Erfindung die
Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung von Holzfaserplatten
anzugeben, welches hinsichtlich der Parameter Energieaufwand, Wasserver
brauch und Zeitsteuerung bei der Herstellung wirtschaftlich und hinsichtlich
der Dichte und der sich daraus ergebenden technischen Eigenschaften wie
Wärmedämmung, Druckbelastbarkeit und dergleichen sehr genau einstellbar
ist. Darüber hinaus sollen auch nicht wasserlösliche Bindemittel verwendet
werden können.
Zur technischen Lösung dieser Aufgabe wird mit der Erfindung ein
Verfahren zur Herstellung von Holzfaserplatten angegeben, wobei nach einem
einen Zerfaserungsprozeß abschließenden Refiner-Verfahren hinsichtlich des
Feuchtigkeitsgehalts unveränderte Holzfasern mit einem Bindemittel vermischt,
mit einer Streuvorrichtung auf einer Formstation ausgebracht, hinsichtlich
Breite und des Flächengewichtes geformt und nach Aktivierung des Bindemit
tels zur Bildung einer Platte in der Dicke geformt und ausgehärtet werden.
Es hat sich überraschend herausgestellt, daß bei Anpassung anderer Verfah
rensschritte weder eine Faserbefeuchtung zur Einstellung eines Naßverfahrens
noch eine Fasertrocknung nach der Dampftrennphase im Anschluß an das Re
finer-Verfahren erforderlich sind. Die wie aus dem Refiner erhaltenen Fasern,
wobei sich von selbst versteht, daß diese vom Dampf getrennt sind, können
nach Mischung mit einem Bindemittel ausgestreut, geformt und getrocknet
werden. Der Wasserhaushalt wird praktisch nicht belastet, da keine weitere
Feuchtigkeit zugeführt werden muß. Unter dem Energiegesichtspunkt muß
weder ein künstlich zugeführtes Feuchtigkeitsniveau getrocknet werden, noch
muß die in den Fasern enthaltene Restfeuchte vor dem Aushärten ausgetrock
net werden. Unter dem Gesichtspunkt der Zeitsteuerung bei der Fertigung er
geben sich erhebliche Vorteile gegenüber den Naßverfahren, die nahe an den
Bereich der Trockenverfahren heran reichen, so daß kontinuierliche Fertigungen
möglich sind.
Daß die Fasern hinsichtlich des Feuchtigkeitsgehalts unverändert sind, heißt
im Sinne der vorliegenden Erfindung, daß keine aktiven Maßnahmen zur Ein
stellung eines bestimmten Feuchtigkeitsniveaus durchgeführt werden müssen.
Sofern die Fasern nach der Zerfaserung gelagert oder sonstwie bereitgehalten
werden, und dabei geringfügige Feuchtigkeitsgehaltsveränderungen auftreten,
ist das für die Durchführung des Verfahrens ohne Bedeutung.
Mit Vorteil wird vorgeschlagen, daß die Bindemittel mit den Fasern trocken
vermischt werden. Hierdurch ergibt sich eine sehr gute Verteilung. Alternativ
ist es auch möglich, feuchte Bindemittel einzubringen und zu verteilen. Mit
ganz besonderem Vorteil wird unter ökologischen Gesichtspunkten vorge
schlagen, natürliche bzw. naturnahe Bindemittel zu verwenden. Das Verfahren
läßt sich sehr exakt steuern und erheblich beschleunigen, wenn gemäß einem
vorteilhaften Vorschlag der Erfindung dampfaktivierbare Bindemittel verwendet
werden.
Während des Formvorgangs nach dem Ausstreuen des Faser-/Bin
demittelgemisches können Vorpressungen erfolgen, um in großer Exaktheit
die gewünschten Dichteverhältnisse einzustellen.
Die Aktivierung der Bindemittel erfolgt in vorteilhafter Weise mittels Dampf,
der den ausgestreuten Fasermaterialstrang durchströmt. Diese Durchströmung
gewährleistet eine vollständige Bindemittelaktivierung.
Bezüglich der Aushärtung bzw. Trocknung wird mit der Erfindung in beson
ders vorteilhafter Weise vorgeschlagen, daß das ausgestreute und vorge
formte Fasermaterial von einem Trocknungsmedium durchströmt wird. Mit
Vorteil wird vorgeschlagen, Heißluft quer zu den Hauptoberflächen des vorge
formten Materials durchströmen zu lassen. Mit Vorteil kann während des
Durchströmens ein Preßvorgang erfolgen, der der Kalibrierung der Holzfaser
platte dient.
Mit der Erfindung wird ein einfaches, wirtschaftliches und hinsichtlich der Er
langung technologischer Eigenschaften sehr exakt steuerbares Verfahren be
reitgestellt, mit welchem Dämmplatten mit Dichten weit unter 150 kg/m3 her
stellbar sind, das heißt bis um 60 kg/m3. Darüber hinaus lassen sich geradezu
beliebige Dicken erstellen, wenn eine Durchströmtrocknung erfolgt. Die Platte
kann mit natürlichen bzw. naturnahen Bindemitteln wie Lignin, Damarharzen
und dergleichen hergestellt werden, so daß auch wasserunlösliche Bindemittel
verwendbar sind. Es lassen sich Wärmeleitfähigkeiten (λ) unter 0,040 W/mK
einstellen. Die Druckbelastbarkeiten können sehr hoch gesetzt werden, so daß
die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Platten auch zur
Dämmung begehbarer oder sonstwie lasttragender Bereiche eingesetzt werden
können.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, während unterschiedlicher Verfah
rensstufen Additive einzumischen, um beispielsweise Brandklassenerforder
nisse erfüllen zu können.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist gegenüber den herkömmlich bekannten
Holzfaserplatten-Herstellungsverfahren äußerst wirtschaftlich, ermöglicht die
Herstellung eines hinsichtlich Dicke, Dichte und technologischer Eigenschaften
völlig neuen Plattentyps und läßt sich unter ökologischen Gesichtspunkten
variieren.
Die Erfindung betrifft auch eine nach dem erfindungsgemäßen Verfahren her
gestellte Holzfaserplatte, welche sich von bisher bekannten Holzfaserplatten
erheblich unterscheidet. Diese Platte kann hinsichtlich der Dichte stark variiert
werden und auch sehr geringe Dichten annehmen. Darüber hinaus können
sehr große Dicken eingestellt werden. Die Dämmeigenschaften lassen sich
sehr exakt einstellen, ebenso wie die Druckbelastbarkeitseigenschaften.
Weitere Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der folgenden
Beschreibung anhand der Figuren. Dabei zeigen:
Fig. 1 ein Flußdiagramm zur Erläuterung eines Ausführungsbeispieles des
Herstellungsverfahrens.
Holzhackschnitzel 1 werden in an sich bekannter Weise einer Zerfaserung 2
unterworfen, wobei nach thermischen Aufschluß eine mechanische Zerfase
rung der Holzhackschnitzel 1 unter Druck und Temperatureinwirkung erfolgt.
In dem sogenannten Refiner 2 werden die Hackschnitzel 1 über eine Schnecke
einem Mahlscheibenpaar zugeführt und nach dem Zerfasern ausgebracht. An
schließend erfolgt der Dampfaustrag in der Station 3, was üblicherweise durch
einen Zyklon erfolgen kann, in welchen die Trennung von Dampf und Holzfa
sern erfolgt. Die Fasern werden dann in einem Faserspeicher 4 bevorratet.
Es ist wichtig, festzustellen, daß weder eine Fasertrocknung noch eine An
feuchtung erfolgt. Die Fasern werden gelagert und weiterverarbeitet, wie sie
aus dem Refiner kommen, ohne daß Maßnahmen zur Veränderung oder Beein
flussung des Feuchtegehalts erfolgen.
Mittels einer Bandwaage 5 werden die erforderlichen Holzfasermengen erfaßt,
die vom Faserspeicher 4 einem Mischer 11 zugeführt werden. Gleichzeitig
werden aus den Vorräten 6, 7 und 8 die Bindemittel A, B und C zugeführt. Die
Bindemittelmengen werden mittels Bandwaagen 9 erfaßt, ggf. können einzelne
Bindemittel auch weiterverarbeitet werden, beispielsweise innerhalb einer
Feinmühle 10. Die Angabe der Anzahl von Bindemitteln und der Art der Wei
terverarbeitung erfolgt nur beispielhaft und kann beliebig bedarfsgemäß vari
iert werden. Auch weitere Additive können an dieser Stelle beigemischt wer
den.
In dem Mischer 11 erfolgt die Mischung der refinerfeuchten Holzfasern mit
den erforderlichen Bindemitteln.
In einer Streu- und Formstation 12 erfolgt die Materialstreuung und -formung.
Unter Formung versteht sich unter anderem eine Seitenkantenbildung, eine
gleichförmige Ausbreitung und ggf. eine Vorpressung.
In einer darauffolgenden Stufe 13, beispielsweise einem Dämpfer, erfolgt die
Bindemittelaktivierung mittels Dampf, Heißluft oder sonstigen Aktivierungs
medien. Dies geschieht vorzugsweise mittels Durchströmung.
In der Trocknerzone 14 erfolgt eine Vorpressung und eine Druchtrocknung der
gebildeten Platten. Dies kann beispielsweise mittels Heißluftdurchströmung
erfolgen, wozu beispielsweise an dieser Stelle eine Presse verwandt werden
kann, die wenigstens eine der Preßoberflächen in Form eines Siebes aufweist.
Die fertiggetrocknete Platte wird anschließend in einer Station 15 formatiert
bzw. konfektioniert.
Bezugszeichenliste
1
Hackschnitzel
2
Zerfaserung, Refiner
3
Dampfaustrag
4
Faserspeicher
5
Bandwaage Holzfasern
6
Bindemittel A
7
Bindemittel B
8
Bindemittel C
9
Bandwaagen
10
Feinmühle
11
Mischer
12
Materialstreuung und -formung
13
Dämpfer
14
Trocknerzone
15
Plattenformatierung