DE19640722A1 - Verfahren und Vorrichtung zur Zell- und Gewebezerstörung durch Methylen Blau (MB+) in Verbindung mit polychromatischem Licht im roten Frequenzbereich - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur Zell- und Gewebezerstörung durch Methylen Blau (MB+) in Verbindung mit polychromatischem Licht im roten FrequenzbereichInfo
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- A61K41/0057—Photodynamic therapy with a photosensitizer, i.e. agent able to produce reactive oxygen species upon exposure to light or radiation, e.g. UV or visible light; photocleavage of nucleic acids with an agent
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Description
Der Farbstoff Methylen Blau (MB⁺) ist klinisch zugelassen und wird seit langer Zeit
zum Anfärben von Gewebe nach systemischer Applikation an Patienten genutzt, z. B.
um Tumorgewebe von normalem Gewebe zu differenzieren, oder um die
Verteilungsfunktion im Körper zu ermitteln. Andererseits werden fluoreszierende
Farbstoffe für die photodynamische Lasertherapie (PDT) als Sensibilisator
herangezogen. Diese Methode setzt voraus, daß das Sensibilisator-Molekül durch
Absorption von Licht angeregt werden kann, dadurch in einen angeregten
Singulettzustand übergeht und durch "inter system crossing" in einen langlebigeren
Triplettzustand verharrt. Die Energie dieses Zustands kann an ein Sauerstoffmolekül
übertragen werden, wodurch ein reaktives Singulett-Sauerstoff-Molekül entsteht (Typ
II Reaktion), das über weitere Reaktionen Zellen zerstört. Es ist auch möglich, daß
über Elektrontransfer Radikale entstehen, die ebenfalls reaktiv sind (Typ I
Mechanismus). Dieser phototoxische Effekt ist für Hämatoporphyrinderivate bekannt
(Handelsname: Photophrin, Photosan) aber auch für für eine Reihe anderer Farbstoffe
der 2. Generation, die weiter im roten Spektralbereich absorbieren (Phthalocyanine,
Bacteriopheophorbide, u. a.). Diese Substanzen reichern sich nach einer bestimmten
Wartezeit nach Applikation in - Tumorgewebe, entzündetem Gewebe oder in stark
proliferierendem Gewebe an. Durch Einstrahlen - von Licht kann über den
phototoxischen Effekt das Gewebe auf sehr schonende Weise zerstört werden, ohne
daß man operativ vorgehen muß.
Der Farbstoff Methylen Blau (MB⁺) kann erfindungsgemäß ebenfalls ein guter
Sensibilisator sein, wenn er nicht systemisch, sondern nur topisch angewandt wird.
Systemisch appliziert (z. B. in die Vene injiziert) wird der Farbstoff Methylen Blau sofort
reduziert und geht in eine leuko-Form über. Topisch (oberflächlich, äußerlich)
angewandt bleibt Methylen Blau in der oxygenierten Form (MB⁺) und wirkt in dieser
Form auch als Sensibilisator nach dem oben beschriebenen Prinzip.
Als beste Applikationsform hat sich die Beimengung von Methylen Blau in einer
Salbengrundlage, einem Gel oder in Lösung erwiesen. Die Konzentration von
Methylen Blau sollte dabei im Bereich 1 bis 20% sein, vorzugsweise aber 10%.
Oberflächlich auf befallene Haut (z. B. bei Psoriasis) aufgetragen, sollte Methylen Blau
mehrere Stunden, typisch zwischen 3 und 6 Stunden, einwirken, bevor die
Bestrahlung mit Licht bestimmter Wellenlänge erfolgt. Diese Zeit reicht aus, damit das
Methylen Blau in das Gewebe eindringen kann und sich dort in dem Gewebe, das
zerstört werden soll (z. B. Plaques bei Psoriasis) anreichert.
Für eine optimale Wirkung der Gewebezerstörung sollte die Bestrahlungsvorrichtung
erfindungsgemäß polychromatisches Licht abstrahlen im Spektralbereich von 600
nm bis 700 nm. Die Absorptionsbanden des Methylen Blau liegen bei 620 nm und
665 nm. Deshalb ist es wünschenswert, starke Intensitätsüberhöhungen in diesen
Maxima zu erreichen. Das läßt sich z. B. bei einer konventionellen Strahlenquelle durch
entsprechende Filtersets herbeiführen. Noch günstiger ist die Herstellung der
Strahlungsquelle in Kalottenform, mit Diodenlasern oder LED's alternierend auf der
kugeligen, konkaven Fläche bestückt, die Licht der Wellenlängenverteilung 615-625
nm bzw. 660-670 nm abstrahlen. In diesem Fall kann man auf Filter verzichten, die
elektrische Energie wird mit hohem Wirkungsgrad in die gewünschte Lichtabstrahlung
transformiert, so daß auch auf Kühlung verzichtet werden kann. Durch die
Kalottenform überlagern sich die Einzelstrahlen der Elemente (Diodenlaser, LED's) in
einer definierten Entfernung, so daß ein Areal von 8-10 cm im Durchmesser homogen
ausgeleuchtet ist.
Die integrale Bestrahlungsstärke an der Gewebeoberfläche, im definierten Abstand
der homogenen Ausleuchtung, sollte 30-150 mW/cm2 betragen. Die Bestrahlungszeit
ist so gewählt, daß die Bestrahlung 5 J/cm2 beträgt. Einen besonderen Effekt kann
man auch dadurch erreichen, daß die Intensität des applizierten Lichts in den beiden
Frequenzbändern unterschiedlich zu einander variiert werden kann. Damit läßt sich
die Tiefe der photodynamischen Reaktion in dem Gewebe anpassen und auch der
Effekt selbst optimieren. Dieser erfindungsgemäße Gebrauch der Bestrahlungs
vorrichtung gestattet es nämlich, auch während der Bestrahlung entstehende
Photoprodukte, die selbst wieder Sensibilisatoreigenschaft besitzen, für den
phototoxischen Effekt mit auszunutzen. Deshalb sollte mit zunehmender
Bestrahlungszeit das Intensitätsverhältnis der beiden Frequenzbanden um den Faktor
2-5 regelbar und mit der Zeit automatisch steuerbar sein.
Als ein Beispiel hat sich diese Methode bei der Beseitigung von Plaques bei Psoriasis
bestens bewährt und hat auch deutliche Vorteile gegenüber konventioneller
Vorgehensweise. Stand der Technik ist die PUVA-Methode, das heißt die Gabe von
Psoralen als Farbstoff und Bestrahlung mit UV-A. Diese ultraviolette Lichtquelle ist
nicht ungefährlich, sie kann Mutationen im Gewebe hervorrufen und damit auch Krebs
erzeugen. Bestrahlung im roten Frequenzbereich ist dagegen unschädlich. Alternativ
wurde PDT auch mit dem Sensibilisator Protoporphyrin IX, der sich in dem Gewebe
nach Gabe von ALA (δ-Aminolävulinsäure) bildet, bei Psoriasis durchgeführt. Hier
treten aber als Nebenerscheinung starke Schmerzen- bei der Photoreaktion auf. Die
Verwendung von Methylen Blau ist dagegen schmerzfrei und nach einem 3-monatigen
Follow up kommt es zu einem kompletten Verschwinden der Psoriasis Plaques.
Deshalb ist die topische Verwendung von Methylen Blau zur Zell- und
Gewebezerstörung in Verbindung mit polychromatischem Licht der beschriebenen
Wellenlängenbereiche und Vorrichtung bestens geeignet.
Claims (10)
1. Das Verfahren und eine entsprechende Vorrichtung dienen der
Proliferationshemmung bzw. Zerstörung von Zellen und Gewebeschichten
dadurch gekennzeichnet, daß die Zellen oder das Gewebe mit dem Farbstoff
Methylen Blau (MB⁺) inkubiert und mit polychromatischem Licht im roten
Spektralbereich bestrahlt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß Methylen Blau in Lösung auf das Gewebe aufgetragen wird und die
Farbstoffkonzentration je nach Bedarf zwischen 1% und 20%, typisch jedoch
10% beträgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß Methylen Blau einer Salbengrundlage beigemengt wird und in einer
Farbstoffkonzentration von 1% bis 20%, typisch jedoch 10%, auf das Gewebe
aufgetragen wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß nach Eindiffusion des Farbstoffs, typisch nach 3 bis 6 Stunden, das
angefärbte Areal mit polychromatischem Licht im roten Spektralbereich, speziell
bei den Wellenlängen 620±10 nm und 665±10 nm breitbandig bestrahlt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß die Bestrahlungsstärke 30-150 mW/cm2, typisch jedoch ca. 70 mW/cm2, und
die gesamte Bestrahlung typisch 5 J/cm2 betragen.
6. Vorrichtung zum Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
daß das Bestrahlungsgerät polychromatisches Licht abstrahlt, speziell die
wirksamen Frequenzbereiche 615-625 nm und 660-670 nm.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet,
daß die Bestrahlungseinheit in Form eines Kugelkalotten-Segments ausgeprägt
ist, in die einzelne Strahlungselemente, wechselweise für die beiden
Spektralbereiche eingelassen sind, so daß im Abstand des Radius ein homogen
ausgeleuchtetes Feld entsprechend der Strahldivergenz der Einzelstrahler
entsteht.
8. Vorrichtung nach Anspruch 6 und 7, dadurch gekennzeichnet,
daß die Bestrahlungselemente leistungsstarke Leuchtdioden bzw. Laserdioden
der geforderten Wellenlängenbereiche sind.
9. Vorrichtung nach Anspruch 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
daß die Bestrahlungsstärke der Frequenzbande um 620 nm relativ zur
Bestrahlungsstärke der Frequenzbande um 665 nm, typisch um den Faktor 2-5,
veränderbar ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet,
daß sich die Bestrahlungsstärke der beiden Frequenzbanden zeitlich
kontinuierlich und unabhängig von einander während des Bestrahlungsverlaufs,
entsprechend der Photoreaktion, variieren lassen.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1996140722 DE19640722A1 (de) | 1996-10-02 | 1996-10-02 | Verfahren und Vorrichtung zur Zell- und Gewebezerstörung durch Methylen Blau (MB+) in Verbindung mit polychromatischem Licht im roten Frequenzbereich |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1996140722 DE19640722A1 (de) | 1996-10-02 | 1996-10-02 | Verfahren und Vorrichtung zur Zell- und Gewebezerstörung durch Methylen Blau (MB+) in Verbindung mit polychromatischem Licht im roten Frequenzbereich |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19640722A1 true DE19640722A1 (de) | 1998-04-23 |
Family
ID=7807720
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1996140722 Withdrawn DE19640722A1 (de) | 1996-10-02 | 1996-10-02 | Verfahren und Vorrichtung zur Zell- und Gewebezerstörung durch Methylen Blau (MB+) in Verbindung mit polychromatischem Licht im roten Frequenzbereich |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19640722A1 (de) |
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| EP1100366A4 (de) * | 1998-07-09 | 2002-07-03 | Curelight Ltd | Vorrichtung und verfahren zur wirkungsvollen hochenergetischen photodynamischen therapie von akne vulgaris und seborrhoe |
| WO2005054217A1 (en) * | 2003-11-28 | 2005-06-16 | Photopharmica Limited | Developments in biologically active methylene blue derivatives (2) |
-
1996
- 1996-10-02 DE DE1996140722 patent/DE19640722A1/de not_active Withdrawn
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| EP1100366A4 (de) * | 1998-07-09 | 2002-07-03 | Curelight Ltd | Vorrichtung und verfahren zur wirkungsvollen hochenergetischen photodynamischen therapie von akne vulgaris und seborrhoe |
| WO2005054217A1 (en) * | 2003-11-28 | 2005-06-16 | Photopharmica Limited | Developments in biologically active methylene blue derivatives (2) |
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