DE19635603C2 - Verfahren zur Beheizung eines Einzelkammer-Verkokungssystems - Google Patents
Verfahren zur Beheizung eines Einzelkammer-VerkokungssystemsInfo
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Classifications
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- C10—PETROLEUM, GAS OR COKE INDUSTRIES; TECHNICAL GASES CONTAINING CARBON MONOXIDE; FUELS; LUBRICANTS; PEAT
- C10B—DESTRUCTIVE DISTILLATION OF CARBONACEOUS MATERIALS FOR PRODUCTION OF GAS, COKE, TAR, OR SIMILAR MATERIALS
- C10B21/00—Heating of coke ovens with combustible gases
- C10B21/20—Methods of heating ovens of the chamber oven type
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- C10B5/02—Coke ovens with horizontal chambers with vertical heating flues
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfah
ren zur Beheizung eines Einzelkam
merverkokungssystems.
Die Einzelkammerverkokungssysteme
sind in der DE-PS 36 43 919 und US
49 90 220 beschrieben.
Einzelkammerverkokungssysteme sind gegenüber Viel
kammerverkokungssystemen dadurch gekennzeichnet, daß
die von oben beschickten und horizontal gedrückten Kam
mern/Reaktoren einzeln und unabhängig voneinander be
treibbar sind. Das wird dadurch ermöglicht, daß die Einzel
kammer/Reaktor aus zwei zusammengehörigen Heizwän
den gebildet wird, die durch wärmedämmende starre Seiten
wände eingespannt werden. Besonders vorteilhaft sind Sei
teneinspannungen aus Stahl. In diesem Sinne haben sich
T-Träger bewährt. Zu dem Reaktor gehören wie bei der
Kammer des Vielkammersystems noch Sohle, Decken und
Ofentüren.
Einzelkammerverkokungsreaktoren sind leicht daran zu
erkennen, daß zwei zusammengehörige, die Verkokungs
kammer/Reaktor bildende Heizwände jeweils nur eine
Charge beheizen, das dazu führt, daß sie als Baumodule eine
eigene selbständige Einheit bilden, die einzeln und unab
hängig betrieben werden können. Demgegenüber wird bei
Vielkammerverkokungssystemen jede Heizwand zwei ne
beneinander liegende und durch die Heizwand voneinander
getrennte Kammerhälften beheizt und damit nur batterie
weise (bis zu 70 Kammern) betrieben und gesteuert werden
kann. Gleichwohl lassen sich Einzelkammern/Reaktoren
batterieweise zusammenfassen. Die Unabhängigkeit der
Einzelkammern wird dadurch nicht beeinträchtigt.
Die besondere Funktion der Einzelkammerverkokungssy
steme schließt nicht aus, daß die verschiedenen Einzelkam
mern/Reaktoren in Reihen nebeneinander angeordnet wer
den, wie das für Vielkammerverkokungssysteme üblich ist.
Beim Vielkammerverkokungssystem wird die Stabilität
der Heizwand durch die Breite der Heizzüge und die Dec
kenauflast erreicht. Aufgrund des hohen Schlankheitsgrades
der Heizwand und der begrenzten Deckenauflast ist die Sta
bilität der Heizwand gegen seitlich wirkenden Verkokungs
druck relativ gering. Wegen dieses konstruktiven Nachteils
und wegen der Wärmeabgabe der Heizwand nach beiden
Seiten ist eine Abstimmung des Druckrhythmus zwingend
erforderlich.
Bewährt haben sich die Druckrhythmen 1, 3, 5/2, 4, 6 und
1, 6, 11/3, 8,1 3/5, 10, 15/2, 7, 12/14, 9,14. Hierdurch wird
vermieden, daß
- a) während einer Treibdruckspitze ein benachbarter Koksofen ausgedrückt werden muß und
- b) eine zu starke Wärmeentspeicherung einer Hei zwand einsetzt, wenn zwei benachbarte Koksöfen in zu kurzen Zeitabständen chargiert werden.
Die notwendige Einhaltung eines bestimmten Druck
rhythmus macht das Vielkammerverkokungssystem unflexi
bel und störungsanfällig denn in manchen Fällen muß ge
gen die Regel verstoßen werden, um betrieblichen Erforder
nissen - z. B. Reparaturfüllen - gerecht werden zu können.
Bei dem Einzelkammerverkokungssystem sind in Batte
riebauweise zwischen je zwei benachbarten Reaktoren in ei
ner bekannten Ausfürungsform zwei Seitenwände vorgese
hen. D. h. jedem Reaktor ist eine separate Seitenwand zuge
ordnet. Ferner sind beide Seitenwände - beispielsweise
durch T-Träger - so versteift, daß trotz schlanker Bauweise
im Feuerfestbereich eine beliebig vorzugebende Steifigkeit
gegeben ist, um beide Reaktoren unabhängig voneinander
betreiben zu können. Dies erlaubt folgende für Vielkammer
verkokungssysteme nicht durchführbare Reparaturmaß
nahme an einzelnen Reaktoren: Stillsetzen, Erneuern.
Das Einzelkammerverkokungssystem erlaubt auch eine
von der Deckenauflast unabhängige Konstruktion der Heiz
züge zur Optimierung der Flammenführung und der Ver
brennung.
Das Einzelkammerverkokungssystem gibt eine extrem
große Unabhängigkeit gegenüber der Kohlegrundlage bei
gleichzeitig hohem Koksausbringen durch den Einsatz nie
derflüchtiger Kohle. Die Verwendung vorerhitzter Kohle in
Kombination mit Kokstrockenkühlung und programmge
steuerter Beheizung fuhren zu einer beträchtlichen Steige
rung des energetischen Wirkungsgrades.
Seit Anfang der industriellen Kokserzeugung in Horizon
talkammeröfen, d. h. seit mehr als 100 Jahren, ist die Be
herrschung des Treibdruckes eine besondere Aufgabe für
die rohstoffliche und betriebliche Steuerung des Verko
kungsprozesses. Durch geeignete Wahl bzw Mischung un
terschiedlich kokender Kohlen einerseits sowie durch An
wendung bestimmter Druckrhythmen (z. B. 5/2 Turnus) an
dererseits wird der Beherrschung des Treibdruckes von der
rohstofflichen bzw von der betrieblichen Seite her Rech
nung getragen.
Eine Mißachtung der Treibgefahr hat beim Ffst-Mauer
werk einer Koksofenbatterie schwerwiegende Beschädigun
gen bzw sogar die totale Zerstörung zur Folge.
Interessantenweise sind Kokse aus gut kokenden Kohlen
in der Regel von höherer Qualität. Gut kokende Kohlen ha
ben zwangsläufig aber auch die Eigenschaft, einen gewissen
Treibdruck zu erzeigen. Um den Qualitätsansprüchen der
Stahlindustrie zu genügen, sehen sich die Koksproduzenten
immer wieder veranlaßt, treibneigende oder gar treibgefähr
liche Kohlen zur Kokserzeugung einzusetzen. Dies gilt vor
allem für den modernen Hüttenbetrieb mit leistungsfähigen
Hochöfen und hohen Austausch-Reduktionsmittelraten (Öl
oder Kohle). Bei den heute erreichbaren Koksraten von z. B.
300 bis herunter zu 250 kg/t RE hat die Koksqualität ent
scheidenden Einfluß auf den Hochofengang. Aus diesen Er
fahrungen abgeleitet, erfordert eine leistungsfähige Rohei
senproduktion eine weit überdurchschnittliche chemo-me
chanische Resistenz der Koksschichten zwischen dem Möl
ler.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, den Treib
druck zu verringern. Das wird dadurch erreicht, daß vor der
Teernahtbildung in der Kammer die Wärmezufuhr über die
Heizzüge gedrosselt wird. Durch die Drosselung wird die
Treibdruckspitze abgebaut. In der Regel erfordert das eine
Drosselung 1 bis 2 Stunden vor der Teernahtbildung. Die
Wärmezufuhr wird vorzugsweise auf 20%, sogar wahlweise
bis auf 0 gedrosselt.
Wahlweise ist zur Beheizungsdrosselung ein Druck-,
Kraft oder Dehnungssensor an der Seitenverankerung des
Einzelkammerverkokungssystems vorgesehen, der bei
Überschreiten eines Grenzwertes die Wärmezufuhr drosselt.
Dieser Sensor kann zur Optimierung der Drosselung einge
setzt werden oder aber auch als Notschalter zur Vermeidung
übermäßiger Treibdrücke dienen. Der Treibdruck kann un
mittelbar als der auf diese Verankerung wirkende Druck
bzw. Kraft oder in Form der Dehnung/Biegung der Seiten
verankerung gemessen werden.
Vorzugsweise orientiert sich dieser Grenzwert: an der zu
lässigen Beanspruchung der Seitenverankerung nach rund
25% der Garungszeit.
In der Zeichnung ist der Verlauf des Treibdruckes bei herkömmlicher Beheizung und bei
erfindungsgemäßer Beheizung schematisch dargestellt.
Bei herkömmlicher Beheizung, die mit durchgehender Linie (a) dargestellt ist, ergibt sich eine
charakteristische Treibdruckspitze. Unmittelbar nach dem Chargieren setzt die Entwicklung
des Treibdruckes mit schwach steigender Tendenz ein.
Nach rund 2/3 der Garungszeit kommt es zu einem spontanen Anstieg des Treibdruckes.
Zwischen 2/3 und 4/5 der Garungszeit wird ein ausgeprägtes Maximum durchlaufen. Diese
Treibdruckspitze geht einher mit der Teernahtbildung.
In diesem kritischen Zeitraum hilft das erfindungsgemäße Verfahren. Die Treibdruckspitze
wird durch entsprechend verzögerte Beheizung verhindert. Dabei ergibt sich
überraschenderweise, daß die Treibdruckspitze durch Rücknahme der
Verkokungsgeschwindigkeit unterdrückt wird.
Durch die erfindungsgemäße Beheizungssteuerung wird der gestrichelt dargestellte
Treibdruckverlauf (b) erreicht. Das ausgeprägte Treibdruckmaximum tritt nicht in Erscheinung.
Die Drosselung setzt dabei 1 bis 2 Stunden vor der Teernahtbildung ein.
Nach Überwindung der Treibdruckspitze durch erfin
dungsgemäße Beheizungssteuerung kann die Beheizung in
der ursprünglichen oder besser noch in verstärkter Form
fortgeführt werden.
Die vorgeschlagenen Steuerungsmechanismen empfehlen
sich bei bekannter Kohlengrundlage, d. h. bei Kenntnis der
Treibgefahr.
Vielfach kommt es in der Kokereiindustrie aber such zu
überraschend und unerwartet auftretender Treibgefahr. Bei
spielsweise durch Mischungsfehler bei der Zusammenstel
lung der Kokereieinsatzmischung oder durch Ausfall von
Misch- und Mahlaggregaten. Menschliches Versagen kann
dabei ebenso ein Auslöser sein, wie Fehlfunktionen bei Do
sierungseinrichtungen und Ausfall von Maschinen.
In einer derartigen Situation kann ein geeigneter Sensor
(Druck, Kraft oder Dehnungsaufnehmer) rechtzeitig - d. h.
nach Ablauf von rd. 25% der Garungszeit - die Gefahr eines
sich unzulässig hoch entwickelnden Treibdruckes durch
ständigen Abgleich von Istwert und Sollwert erkennen.
Durch sofortige erfindungsgemäße Verlangsamung des Ver
kokungsprozesses (Beheizungssteuerung) wird die Treibge
fahr behoben.
Die technisch-wirtschaftliche Höhe des Erfindungsgedan
kens resultiert aus der Sicherung eines sehr kostenintensiven
Anlagenteils der industriellen Kokserzeugung, der Verbrei
terung der Kokskohlenbasis in Richtung gutkokender und
treibgefährlicher Kohlen zur Erzeugung eines qualitativ
hochwertigen Kokses sowie der Schaffung der verfahrens
technischen Voraussetzungen für einen leistungsfähigen
Hochofenbetrieb.
Claims (5)
1. Verfahren zur Beheizung eines Einzelkammerverkokungssystems
mit einem von oben beschickten und horizontal ge
drückten Reaktor, der aus beheizten Seitenwänden,
Decke und Sohle sowie zwei Ofentüren besteht, wobei
die Seitenwände eine wärmegedämmte seitliche Ein
spannung aufweisen, dadurch gekennzeichnet, daß
vor Teernahtbildung die Wärmezufuhr über die Heiz
züge gedrosselt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeich
net, daß die Drosselung mindestens eine Stunde vor der
Teernahtbildung nach rd. 25% der Garungszeit
gedrosselt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeich
net, daß die Wärmezufuhr mindestens auf 20% gedros
selt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, gekennzeichnet durch
eine Drosselung auf 0.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, da
durch gekennzeichnet, daß ein Druck-, Kraft- oder
Dehnungssensor an der Seitenverankerung bei Über
schreitung eines Grenzwertes die Wärmezufuhr dros
selt.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1996135603 DE19635603C2 (de) | 1996-09-02 | 1996-09-02 | Verfahren zur Beheizung eines Einzelkammer-Verkokungssystems |
Applications Claiming Priority (1)
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Publications (2)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19635603A1 DE19635603A1 (de) | 1998-04-16 |
| DE19635603C2 true DE19635603C2 (de) | 1999-09-23 |
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ID=7804419
Family Applications (1)
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| DE1996135603 Expired - Fee Related DE19635603C2 (de) | 1996-09-02 | 1996-09-02 | Verfahren zur Beheizung eines Einzelkammer-Verkokungssystems |
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| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19635603C2 (de) |
Citations (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE3643519C2 (de) * | 1986-12-19 | 1990-02-01 | Friedrich Grohe Armaturenfabrik Gmbh & Co, 5870 Hemer, De | |
| US4990220A (en) * | 1986-12-22 | 1991-02-05 | Bergwerksverband Gmbh | Coking reactor |
-
1996
- 1996-09-02 DE DE1996135603 patent/DE19635603C2/de not_active Expired - Fee Related
Patent Citations (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE3643519C2 (de) * | 1986-12-19 | 1990-02-01 | Friedrich Grohe Armaturenfabrik Gmbh & Co, 5870 Hemer, De | |
| US4990220A (en) * | 1986-12-22 | 1991-02-05 | Bergwerksverband Gmbh | Coking reactor |
Also Published As
| Publication number | Publication date |
|---|---|
| DE19635603A1 (de) | 1998-04-16 |
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