DE19632092A1 - Maschinenstickverfahren - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum maschinellen Ver
sehen eines Artikels mit einer Reliefstickerei durch Auf
legen einer Unterlage auf diesen Artikel vor dem Sticken.
Es ist seit langem bekannt, Artikel aus textilem Gewebe,
Leder, Kunststoff und dergleichen maschinell mit einem
gestickten Motiv zu versehen. Das gestickte Motiv ist nur
wenig erhaben über die Fläche des Artikels. Soll das Motiv
besonders prägnant aus der Fläche des Artikels hervortreten,
verwendet man hingegen ein Reliefstickverfahren.
Ein deutlich erhabenes, also reliefartig aus der Ebene des
Artikels hervortretenden Motiv erhält man nach einem bekann
ten Verfahren dadurch, daß man auf den Artikel vor dem
Sticken eine flächige Unterlage geeigneter Dicke, häufig
einen dünnen Schaumstoff, auflegt. Beim anschließenden
Sticken wird zumindest längs der Konturen des Motivs die
Folge der Stickstiche (entweder bereits während des Stickens
oder in einem letzten Stickgang ohne Stickgarn) so eng ge
wählt, daß das über die Motivkonturen überstehende Unter
lagsmaterial sich wegen seiner starken Perforierung anschließend
leicht abtrennen läßt. Dieses bekannte Ver
fahren zur Erzeugung einer Reliefstickerei ist jedoch zeit
aufwendig, vor allem bei komplexen Motiven mit zahlreichen
Konturen, denn das überstehende Unterlagsmaterial muß von
Hand entfernt werden und fällt dabei auch in Form von klei
nen und kleinsten Fragmenten an, dies jedoch bei der Serien
produktion solcher Reliefstickereien in großen Mengen, die
zum Teil auch Entsorgungsprobleme bereiten.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der
einleitend angegebenen Gattung zu schaffen, das zeitsparen
der und kostengünstiger als das bisher bekannte Reliefstick
verfahren ist.
Diese Aufgabe ist erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß als
Unterlage ein Material verwendet wird, das in einem den
Artikel und das Stickgarn nicht angreifenden Lösungsmittel
dispergierbar oder löslich ist, daß nach dem Sticken das
Unterlagsmaterial mittels des Lösungsmittels aufgelöst und
ausgespült wird, und daß das Lösungsmittel aus dem Artikel
entfernt wird.
Bei dem mit der Erfindung vorgeschlagenen Verfahren entfällt
also das zeitaufwendige und daher teuere manuelle Entfernen
des Unterlagsmaterials. Deshalb ist es nun auch möglich, na
hezu beliebig komplizierte Motive mit zahlreichen kleinen,
jedoch reliefartig hervortretenden Motivelementen zu sticken.
Ein weiterer Vorteil des vorgeschlagenen Verfahrens be
steht darin, daß sich unter der fertigen Reliefstickerei
keinerlei Unterlagsmaterial mehr befindet, während bei dem
bisher bekannten Verfahren das Unterlagsmaterial, gewöhnlich
also ein Schaumstoff, unter der Reliefstickerei verblieb und
sich im Laufe des Gebrauches des Artikels z. B. beim Waschen
oder chemischen Reinigen zersetzen und in Form von kleinen
Partikeln die Flotte oder auch den Artikel selbst verschmut
zen konnte.
Das Auflösen des Unterlagsmaterials läßt sich gemäß An
spruch 2 dadurch beschleunigen, daß das Lösungsmittel
erwärmt und/oder in Bewegung versetzt wird.
Ein noch rascheres Auf- und Herauslösen des Unterlagsmaterials
läßt sich gemäß Anspruch 3 durch Ausnutzung der dis
pergierenden Wirkung von Ultraschall erreichen.
Gemäß Anspruch 4 werden die Beschleunigungseffekte einer
seits einer Erwärmung des Lösungsmittels, andererseits einer
Unterstützung mittels Ultraschall am besten in der Form
miteinander kombiniert, daß das Auflösen und Ausspülen des
Unterlagsmaterial in einem beheizbaren Ultraschall-Reini
gungsbad vorgenommen wird.
Bevorzugt wird gemäß Anspruch 5 Wasser als preiswertes und
unproblematisches Lösungsmittel verwendet. Voraussetzung ist
selbstverständlich, daß das Unterlagsmaterial wasserlöslich
oder in Wasser dispergierbar ist.
Als derartiges Unterlagsmaterial hat sich gemäß Anspruch 6
Papier oder Pappe bewehrt; dieses Unterlagsmaterial ist
seinerseits preiswert, in allen erforderlichen Stärken
verfügbar und auch in in dem Lösungsmittel dispergierter
oder suspendierter Form einfach zu entsorgen.
Als besonders leicht und daher rasch auf lösbares Papier hat
sich das im Anspruch 7 angegebene Reispapier bewehrt.
Z. B. dann, wenn mit einem geschlossenen Lösungsmittelkreis
lauf gearbeitet wird, kommen auch andere Lösungsmittel als
Wasser in Betracht, z. B. flüssige Kohlenwasserstoffe, wie im
Anspruch 8 angegeben; auch hier muß das Unterlagsmaterial
in dem betreffenden Kohlenwasserstoff löslich oder zumindest
auf lösbar sein.
Als geeignete Unterlagsmaterialien kommen gemäß Anspruch 9
auch lösliche oder auf lösbare Folien, insbesondere Kunststoffolien,
in Betracht.
Das Verfahren nach der Erfindung wird nachfolgend anhand der
Zeichnung näher erläutert, die in schematisierter Form ein
nicht beschränkendes Ausführungsbeispiel veranschaulicht. Es
zeigt:
Fig. 1 eine Aufsicht auf ein Stoffstück mit einem
in konventioneller Technik gestickten Motiv,
Fig. 2 dasselbe Stoffstück, jedoch mit auf einen
Teil des Motivs aufgelegtem Unterlags
material,
Fig. 3 dasselbe Stoffstück, jedoch nach dem Auf
sticken des Buchstabens "D" im Bereich des
Unterlagsmaterials,
Fig. 4 das in ein Ultraschallbad verbrachte Stoff
stück,
Fig. 5 eine im Bereich der Reliefstickerei ge
schnittene, stark vergrößerte und verein
fachte Seitenansicht des Stoffstücks,
Fig. 6 eine geschnittene Seitenansicht eines nicht
stickfesten Gewebes vor der Erzeugung der
Reliefstickerei und
Fig. 7 dieselbe Seitenansicht wie Fig. 6, jedoch
nach dem Erzeugen der Reliefstickerei.
Fig. 1 zeigt einen Artikel in Form eines stickfesten Stoff
stücks 1, auf das maschinell ein aus einem quadratischen
Rahmen und der Ziffer "3" bestehendes Motiv in konventionel
ler, "planer" Sticktechnik aufgestickt wurde.
Um dieses Motiv mit einem reliefartig hervortretenden Buch
staben "D" zu ergänzen, wird gemäß Fig. 2 auf den entspre
chenden Flächenbereich ein Unterlagsmaterial 2 aufgelegt.
Das Unterlagsmaterial kann aus Reispapier bestehen. In der
Regel sind mehrere Lagen Reispapier erforderlich, um der
Reliefstickerei die gewünschte Erhabenheit zu geben. Ver
suche haben ergeben, daß mit bis zu dreißig Lagen gearbeitet
werden kann, wenn das Reliefmotiv z. B. um knapp einen Milli
meter aus der Fläche des Artikels hervortreten soll. Mit an
deren Unterlagsmaterialien wird analog verfahren.
Anschließend wird an der vorgegebenen Stelle der Buchstabe
"D" gestickt. Die Sticktechnik ist als solche bekannt. In
der Regel wird mit entsprechend verringerter Spannung des
Oberfadens gearbeitet. Übliche Stickmaschinen erlauben dann
eine Erhabenheit bis zu rund einem Millimeter.
Der fertige Artikel, in diesem Fall das Stoffstück 1, wird
in ein Wasserbad verbracht. Das Wasser löst das geeignet
gewählte Unterlagsmaterial auf. Dieser Vorgang kann er
heblich unterstützt und beschleunigt werden, in dem man in
dem Wasserbad eine Strömung, vorzugsweise eine turbulente
Strömung, erzeugt. Besonders bewährt hat sich ein beheiz
bares und mit Ultraschall beaufschlagbares Wasserbad 5 wie
in Fig. 4 angedeutet. Der Artikel verbleibt in dem Lösungs
mittel so lange, bis das Unterlagsmaterial 2 vollständig
aufgelöst und in Suspension gegangen ist. Die Badtemperatur
richtet sich nach der Temperaturbeständigkeit des Artikels,
die Behandlungsdauer wird am besten durch Versuch festge
stellt und wehrt am besten so lange, bis das Unterlagsmate
rial, zum Beispiel das Reispapier, vollständig aus dem Ar
tikel herausgelöst ist. Anschließend wird der Artikel ge
trocknet, z. B. zunächst geschleudert und dann an der Luft
getrocknet.
Wie bereits erwähnt, muß der Artikel nicht notwendigerweise
aus einem Gewebe bestehen. Vielmehr kommen alle zum Besticken
geeigneten Trägermaterialien in Betracht. Zu unterschei
den ist lediglich, ob es sich um einen stickfesten Artikel
handelt oder ob die Festigkeit des Trägermaterials zum Be
sticken nicht ausreicht. Im ersteren Fall kann der Artikel
unmittelbar bestickt werden. Es ergibt sich dann der in
Fig. 5 ganz schematisch in einer vergrößerten Seitenan
sicht dargestellte Schlingenverlauf. Im Bereich der Relief
stickerei bildet der Oberfaden "stehende" Schlingen 6.
Handelt es sich hingegen um einen nichtstickfesten Artikel,
z. B. ein Trägermaterial aus sehr dünnem und/oder weichem
Gewebe, so wird der zu bestickende Bereich zunächst durch
eine vollflächige Stickerei, z. B. in dem in Fig. 6 schema
tisch dargestellten sogenannten Tatamistich 7, verfestigt.
Erst dann wird die Reliefstickerei aufgebracht, wie anhand
der Fig. 2 bis 4 erläutert. Fig. 7 zeigt wiederum sche
matisch und in stark vergrößerter Darstellung den Schlin
genverlauf mit den Tatamistichen 7 und den stehenden Schlin
gen 6 der Reliefstickerei.
Claims (9)
1. Verfahren zum maschinellen Versehen eines Artikels mit
einer Reliefstickerei durch Auflegen einer Unterlage
auf diesen Artikel vor dem Sticken, dadurch gekenn
zeichnet, daß als Unterlage ein Material verwendet
wird, das in einem den Artikel und das Stickgarn nicht
angreifenden Lösungsmittel dispergierbar, löslich oder
auf lösbar ist, daß nach dem Sticken das Unterlags
material mittels des Lösungsmittels aufgelöst und aus
gespült wird und das das Lösungsmittel aus dem Artikel
entfernt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß das Lösungsmittel erwärmt und/oder in Bewegung
versetzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeich
net, daß das Auflösen des Unterlagsmaterials mittels
Ultraschall unterstützt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch
gekennzeichnet, daß das Auflösen und Ausspülen des
Unterlagsmaterials in einem beheizbaren Ultraschall
reinigungsbad vorgenommen wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß das Lösungsmittel Wasser ist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch
gekennzeichnet, daß das Unterlagsmaterial aus Papier
oder Pappe besteht.
7. Verfahren nach Anspruche 6, dadurch gekennzeichnet,
daß das Papier Reispapier ist.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß das Lösungsmittel ein flüssiger
Kohlenwasserstoff ist.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5 und 8,
dadurch gekennzeichnet, daß das Unterlagsmaterial aus
einer löslichen oder auf lösbaren Folie besteht.
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