DE19632865A1 - Verfahren zur Herstellung von Papiermasse - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von PapiermasseInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Papiermasse, die
Fasern von Einjahrespflanzen oder von aus ihnen erzeugten Sekundärroh
stoffen enthält, wobei die Fasern gebleicht, gekürzt und in weiteren Verar
beitungsschritten zu einer homogenen Papiermasse verarbeitet werden. Die
Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zur Herstellung von gekürzten Fa
sern von Einjahrespflanzen oder von aus Einjahrespflanzen erzeugten Se
kundärrohstoffen.
Aus umweltpolitischen Gründen wird erwogen, Einjahrespflanzen, wie
Hanf, Flachs etc., künftig speziell für die Papierproduktion anzubauen und
zu verwenden, um die Abholzung der Wälder zumindest für diesen Indu
striezweig zu verringern oder gar vollständig zu verhindern.
Derzeit werden Papiere aus Fasern pflanzlicher Herkunft, wie Baumwolle,
Linters, Hanf etc. hauptsächlich für hochwertige Papiere, wie Aktien, Wert
dokumente, Banknoten etc. verwendet, da die Rohstoffe teuer und die
Stoffaufbereitung pflanzlicher Fasern sehr aufwendig ist. Die relativ langen
Fasern lassen sich im Wasser nicht vereinzeln, d. h. es bilden sich Faseran
häufungen, die sich wiederum zu größeren Klumpen aglomerieren. Durch
das Einbringen von Rotationsbewegungen, wie sie beim Rühren oder Pum
pen entstehen, neigen die obengenannten Faseranhäufungen zu Verspin
nungen, die sich schnell zu meterlangen Zöpfen entwickeln. Es mußte daher
ein spezielles Verfahren für die Stoffaufbereitung von pflanzlichen Fasern
entwickelt werden.
Bei diesem Verfahren werden die Fasern in einem ersten Schritt in sogenann
te "Kuchen" gepreßt und mehrere dieser Kuchen in einen Bleichkessel ein
gehängt. Unter Zuhilfenahme von Bleichchemikalien, Druck und Tempera
tur oxidiert der Faserstoff zur gewünschten Weiße. Noch während die Ku
chen in dem Bleichkessel verweilen, werden sie mit Wasser gespült, um die
Bleichchemikalien zu entfernen. Der gesamte Bleichprozeß nimmt mehrere
Stunden in Anspruch. Anschließend werden die Kuchen herausgenommen,
zerschlagen und langsam einem mit Wasser gefüllten Holländer zugeführt.
Hier werden die Fasern ebenfalls in einem mehrstündigen Prozeß gekürzt.
In einem weiteren Verfahrensschritt wird die nun mit herkömmlichen
Pumpsystemen förderbare Fasersuspension weiter gekürzt und fibrilliert bis
sie - mit den für die Papierherstellung notwendigen Zusätzen versehen - zur
Papiermaschine gelangt.
Da die Papiermaschine kontinuierlich arbeitet und daher ständig neue Pa
piermasse zugeführt werden muß, andererseits jedoch die Stoffaufbereitung
der Fasern nur diskontinuierlich und in zeitintensiven Einzelprozessen er
folgt, ist es notwendig, mehrere Bleichkessel und Holländer parallel einzu
setzen. Dieses Verfahren ist somit sehr aufwendig und bedarf vieler einzel
ner separater Verfahrensschritte.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur
Stoffaufbereitung von natürlichen Faserstoffen, insbesondere Fasern von
Einjahrespflanzen vorzuschlagen, welches eine Vereinfachung des Produk
tionsablaufs sowie eine kontinuierliche Verarbeitung der Fasern ermöglicht.
Diese Aufgabe wird durch die in den unabhängigen Ansprüchen angegebe
nen Merkmale gelöst. Weiterbildungen sind Gegenstand der Unteransprü
che.
Die Erfindung beruht auf dem Grundgedanken, die Fasern von Einjah
respflanzen in einem ersten Verfahrensschritt auf eine Länge zu kürzen, die
es erlaubt, eine homogene, pumpbare Suspension herzustellen und erst an
schließend zu bleichen. Denn unterhalb einer bestimmten Faserlänge lassen
sich die Fasern homogen in Wasser suspendieren und neigen nicht länger zu
Verklumpungen oder Verspinnungen. Auf diese Weise können bestehende
kontinuierliche Technologien aus der holzverarbeitenden Papierindustrie für
den Bleichvorgang eingesetzt werden, da keine Förderprobleme, z. B. beim
Pumpen, auftreten. Neben Einjahrespflanzen können auch aus diesen herge
stellte Halb- und Fertigprodukte, wie versponnene Fäden oder gewobene
Textilien, sprich Fadenreste oder Hadern, als Sekundärrohstoffe eingesetzt
und nach dem erfindungsgemäßen Verfahren verarbeitet werden. Diese
Halb- und Fertigprodukte werden im folgenden Sekundärrohstoffe genannt.
Einjahrespflanzen bezeichnen in diesem Zusammenhang alle Pflanzenarten,
die jährlich geerntet bzw. eingesammelt und für den mechanisch-chemischen
Aufschluß als Faserstoff für die Papierherstellung verwendbar sind, bei
spielsweise Baumwolle, Flachs, Stroh, Bagasse, Bananenstauden, Linters,
Hanf etc.
Für die Kürzung der Fasern werden die Fasern zeitgleich mit Wasser in eine
Mischvorrichtung eingebracht und sofort beschleunigt, so daß ein Volumen
strom mit einem Feststoffgehalt, der sogenannten Stoffdichte, von weniger
als 10% erzeugt wird. Durch das sofortige Abziehen der Fasersuspension
entstehen keine wiederkehrenden Strömungen oder Verspinnungen, die den
weiteren Transport der Suspension behindern könnten. Die Fasersuspension
kann daher in einem üblichen Refiner gekürzt werden.
Direkt im Anschluß an die Kürzung wird die Fasermasse entwässert, mit
Bleichchemikalien gemischt und in einem Bleichturm für gewisse Zeit gela
gert, um den Fasern die gewünschte Weiße zu verleihen. Im Anschluß an
einen oder mehrere Waschvorgänge wird die Fasermasse schließlich der üb
lichen weiteren Mahlung in einer Zyklieranlage zugeführt.
Weitere Vorteile und Ausführungsformen werden anhand der Figur erläu
tert. Es wird darauf hingewiesen, daß die Figur lediglich schematisch die
wesentlichen Verfahrensschritte der Erfindung zeigt und daher keinen An
spruch auf Vollständigkeit erhebt.
Das Fasermaterial wird meist in Form von dicht gepackten Ballen 1 geliefert
und muß daher in einem ersten Schritt mit Hilfe einer Fräse 2 zerkleinert
und aufgelockert werden. In erster Linie werden Baumwollfasern verwen
det, aber auch Fasern anderer Einjahrespflanzen, wie Hanf, Flachs etc. und
aus ihnen gesponnene oder gewobene Produkte (Sekundärrohstoffe), lassen
sich gut zu Papierprodukten verarbeiten.
Die Fasern 1 werden gewogen und in einem bestimmten Verhältnis gleich
zeitig mit Wasser 3 in eine Mischvorrichtung 4 eingebracht, kurz beschleu
nigt und einem Refiner 5 zugeführt. Hierbei handelt es sich bevorzugt um
einen Kegelrefiner. Denkbar sind jedoch auch andere Refinerformen, wie z. B.
ein Scheibenrefiner. Da die Fasersuspension quasi durch das gleichzeitige
Einbringen von Wasser und Fasern entsteht und diese sofort weitertrans
portiert wird, erhalten die Fasern keine Gelegenheit, Klumpen oder Faser
zöpfe zu bilden. Sie gelangen vielmehr gleichmäßig verteilt in den Refiner 5.
Dies beruht zum Teil darauf, daß die Fasersuspension lediglich eine Stoff
dichte von maximal 10% aufweist. Dort werden die Fasern gemahlen und
dabei gekürzt und fibrilliert. In der nachfolgend angeordneten Doppelsieb
bandpresse 6 werden die Fasern bis zu einem Trockenanteil von ca. 40%
entwässert. Hierbei entsteht eine Fasermatte, die in einem Zerkleine
rungsaggregat zu Krümelstoff zerrissen wird. Der Krümelstoff wird in ei
nem Hochkonsistenzmischer 7 mit den Bleichchemikalien gemischt und im
nächsten Schritt einem Bleichturm 8 zugeführt. Dort können die Chemikali
en einwirken und je nach dem gewünschten Grad der Weiße bis zu zwei
Stunden lagern. Im Anschluß an den Bleichvorgang werden die Fasern ge
waschen, um die Restchemikalien zu entfernen und den weiteren üblichen
Prozeßschritten der Papierproduktion zugeführt, wie durch den Pfeil 9 an
gedeutet.
Alle Prozeßschritte laufen kontinuierlich ab. Das bedeutet, Vorrichtungen, in
welchen länger andauernde Prozesse ablaufen, wie z. B. das Bleichen, müssen
in ihrem Fassungsvermögen so ausgelegt sein, daß trotz der langen Verweil
zeit eine kontinuierliche Beschickung sowie ein kontinuierliches Verlassen
der Vorrichtung möglich ist.
Aufgrund des kontinuierlichen Prozeßablaufs entfällt auch der Nachteil des
bisherigen Verfahrens, daß mehrere parallel arbeitende Vorrichtungen in der
Produktionslinie vorgesehen werden müssen. Auf diese Weise wird der
Produktionsablauf bezogen auf Personal-, Energie- und Chemikalienkosten
erheblich kostengünstiger.
Claims (12)
1. Verfahren zur Herstellung von Papiermasse, die Fasern von Einjah
respflanzen oder von aus ihnen erzeugten Sekundärrohstoffen enthält, wo
bei die Fasern gebleicht, gekürzt und in weiteren Verarbeitungsschritten zu
einer homogenen Papiermasse verarbeitet werden, dadurch gekennzeich
net, daß das Kürzen der Fasern vor dem Bleichen erfolgt und daß die Fasern
hierbei auf eine Länge gekürzt werden, die es ermöglicht, eine homogene,
pumpbare Suspension der gekürzten Fasern herzustellen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß für das Kür
zen Wasser und Fasern gleichzeitig in eine Mischvorrichtung eingebracht
werden, und die Fasersuspension im Anschluß an die Mischvorrichtung
kurz beschleunigt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Fa
sersuspension eine Stoffdichte von weniger als 10% aufweist.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Fa
sersuspension einem Refiner zugeführt und die Fasern dort gekürzt werden.
5. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch ge
kennzeichnet daß die gekürzten Fasern von dem Wasser getrennt werden,
insbesondere bis zu einem Trockenanteil von 40%.
6. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch ge
kennzeichnet, daß die gekürzten Fasern in einem Hochkonsistenzmischer
mit dem Bleichchemikalien gemischt und anschließend in einem Bleichturm
gelagert werden.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Fasern ca.
2 Stunden im Bleichturm verweilen.
8. Verfahren zur Herstellung von gekürzten Fasern von Einjahrespflanzen
oder von aus ihnen erzeugten Sekundärrohstoffen, gekennzeichnet durch
folgende Schritte:
- - gleichzeitiges Einbringen von Wasser und Fasern in einen Mischer,
- - kurzes Beschleunigen der Fasersuspension,
- - Kürzen der Fasern in einem Refiner.
9. Verfahren zur Herstellung von gekürzten und gebleichten Fasern von
Einjahrespflanzen oder von aus ihnen erzeugten Sekundärrohstoffen, da
durch gekennzeichnet, daß das Kürzen der Fasern vor dem Bleichen erfolgt
und daß die Fasern hierbei auf eine Länge gekürzt werden, die es ermög
licht, eine Suspension der gekürzten Fasern mit herkömmlichen Pumpen zu
verarbeiten.
10. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch ge
kennzeichnet, daß als Einjahrespflanzen Baumwolle, Linters, Flachs etc.
verwendet werden.
11. Verwendung der nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 7 herge
stellten Papiermasse für die Herstellung von Sicherheitspapier.
12. Verwendung der nach Anspruch 8 oder 9 hergestellten Fasern für die
Herstellung von Sicherheitspapier.
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