DE19538457A1 - Mehrkammerprofil - Google Patents
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Description
Die Erfindung bezieht sich auf ein Mehrkammerprofil zur Bildung eines seitlichen
Längsträgers eines Kraftfahrzeuges.
Den seitlichen Längsträgern eines Fahrzeugaufbaus kommen mehrere Funktionen
zu: Zum einen wird die Steifigkeit des Fahrzeugaufbaus gegenüber Biege- und
Torsionsbeanspruchung wesentlich von der Ausbildung der seitlichen Längsträger
bestimmt. Andererseits werden über die Längsträger große Anteile der bei einem
Fahrzeugcrash auftretenden Kräfte eingeleitet. Darüber hinaus dienen die Längs
träger auch zur Aufnahme der etwa vertikal angeordneten Pfosten, die den
Türausschnitt oder die Türausschnitte begrenzen.
Nachteilig bei bekannten seitlichen Rahmenstrukturen von Kraftfahrzeugen ist, daß
die Längsträger in der Regel aus mehreren Teilen zusammengesetzt sind, damit
der Längsträger abschnittsweise seine entsprechende Funktion erfüllen kann.
Hierdurch ergibt sich ein unstetiger Steifigkeitsverlauf. Außerdem ist der Ferti
gungsaufwand durch die große Anzahl von Fügestellen entsprechend hoch, wo
durch die Herstellkosten steigen.
Aufgabe der Erfindung ist es, für ein Kraftfahrzeug mit einer aus Profilen aufgebau
ten Rahmenstruktur einen Längsträger bereitzustellen, der bei hoher Biege- und
Crashsteifigkeit mit geringem Herstellaufwand zu fertigen ist.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
Kerngedanke ist es dabei, zur Bildung des Längsträgers ein Mehrkammerprofil zu
verwenden, das mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllt. Als Mehrkammerprofile
werden im Zusammenhang mit der vorliegenden Erfindung solche langgestreckten
Bauteile bezeichnet, die wenigstens zwei aneinandergrenzende Kammern aufwei
sen. Die Profile bestehen in der Regel aus Leichtmetall und werden bevorzugt im
Strangpreßverfahren hergestellt. Das erfindungsgemäße Mehrkammerprofil er
streckt sich über nahezu die gesamte Länge des Fahrzeuges und weist minde
stens eine Tragkammer auf, die so dimensioniert ist, daß sie dem Längsträger eine
ausreichende Steifigkeit und Festigkeit hinsichtlich der Biege- und Crashbeanspru
chung aufweist. Zusätzlich besitzt das Mehrkammerprofil eine Aufnahmekammer,
über die wenigstens ein etwa vertikal verlaufender Pfosten oder beispielsweise ein
etwa in Querrichtung des Fahrzeugs verlaufender Träger angebunden ist. Diese
Aufnahmekammer ist für die Festigkeit und Steifigkeit des Längsträgers nicht er
forderlich. Sie ist als "Opferkammer" ausgebildet und dient ausschließlich der An
bindung des Pfostens oder des Trägers.
Daraus ergibt sich eine Reihe von Vorteilen: Durch die zusätzliche Aufnahmekam
mer entfällt für die Tragkammer die Funktion der Anbindung eines Pfostens
und/oder Trägers. Damit wird die Tragkammer weder durch Schweißnähte noch
durch Ausnehmungen geschwächt. Im Bereich der Anbindungsstellen mit dem
Pfosten oder Träger sind somit keine innenliegenden Schottwände zur Erhöhung
der Festigkeit erforderlich. Für die Bildung des Längsträgers genügt ein einziges
Bauteil, das mehrere Funktionen wahrnimmt. Durch die Opferkammer entsteht
zwar zusätzliches Gewicht; da die Aufnahmekammer jedoch relativ klein dimen
sioniert werden kann, überwiegt der erzielte Vorteil gegenüber einer Vielzahl von
Fügestellen bei mehrteiligen Längsträgern. In der Gesamtbetrachtung ergibt sich
mit dem erfindungsgemäßen Mehrkammerprofil ein deutlicher Vorteil gegenüber
der konventionellen Bauweise.
Durch die Ausgestaltung der Erfindung nach Anspruch 2 wird mit dem Einstecken
des Pfosten und/oder des Trägers ein Formschluß erzeugt, mit Vorteilen bei der
anschließenden stoffschlüssigen Verbindung (Verschweißung, Verklebung). Durch
den Formschluß wird die Kraftübertragung verbessert, was sich vorteilhaft bei
einem Seitencrash auswirkt. Außerdem kann durch den Formschluß ein Toleranz
ausgleich in Längsrichtung des Pfostens oder des Trägers erfolgen.
Gemäß Anspruch 3 wird die Aufnahmekammer in den Bereichen, in denen ihr
keine Funktion zukommt, entfernt. Dies ist bei Fahrzeugen mit einem Türaus
schnitt, der von zwei Pfosten gebildet wird, beispielsweise außerhalb des Türberei
ches der Fall. Durch das abschnittsweise Entfernen kann das Gewicht des Längs
trägers reduziert werden. Auch wird zusätzlicher Bauraum geschaffen. Der durch
das abschnittsweise Entfernen der Aufnahmekammer entstehende Aufwand ist in
der Regel deutlich niedriger als der durch das konventionelle Anbringen von
Pfosten oder Trägern entstehende Aufwand. Außerdem ergeben sich bei der erfin
dungsgemäßen Lösung Vorteile hinsichtlich des Kraftflusses.
Zwar ist aus der EP 0 561 840 B1 ein Mehrkammerprofil bekannt, dessen Kam
mern abschnittsweise entfernt werden. Das bekannte Profil bildet eine Mittelsäule
eines Kraftfahrzeuges, mit dem Ziel, einen konischen Verlaufes und eine abge
stuften Festigkeit zu erreichen. Eine Anbindung weiterer Rahmenteile ist nicht vor
gesehen. Die EP-B 1 befaßt sich lediglich mit der Formgebung der Mittelsäule
selbst.
Gemäß Anspruch 4 ist der seitliche Längsträger als Schweller ausgebildet, vor
zugsweise in Baueinheit oder Fortsetzung des vorderen und hinteren Längsträ
gers. Insbesondere bei oben offenen Fahrzeugen hat der Schweller hohe Kräfte
hinsichtlich Biegung aufzunehmen. Auch bei einem Fahrzeugcrash wird ein Groß
teil der Kräfte über den Schweller eingeleitet.
Abweichend von Anspruch 4 kann auch ein oberhalb des Schwellers in Längsrich
tung des Fahrzeuges verlaufender Träger von einem erfindungsgemäßen Mehr
kammerprofil gebildet werden. Als Beispiel kommt hier das seitliche Dachprofil oder
ein sogenannter "Brüstungsträger", in Frage, der etwa in Brüstungshöhe verläuft
und beispielsweise bei einem oben offenen Fahrzeug die horizontale Fahrzeugbe
grenzung darstellt.
Zwar ist aus der EP 0 303 431 B1 ein Profil bekannt, dessen obere und untere
Kammer über Stege miteinander verbunden sind. Die Stege werden abschnitts
weise zur Bildung von Öffnungen, beispielsweise für den Kühllufteintritt oder die
Türausschnitte, entfernt. Durch Auseinanderbiegen von oberer und unterer Kam
mer im Bereich der Öffnungen wird deren Abstand vergrößert, wodurch entspre
chend große Öffnungen gebildet werden. Im Bereich der seitlichen Rahmenstruktur
entsteht hierdurch unterseitig ein Schweller und oberseitig ein seitlicher Dachrah
men des Kraftfahrzeuges. Die genannte Schrift enthält jedoch keinerlei Angaben,
wie etwa senkrecht zum Mehrkammerprofil verlaufende Pfosten und/oder Träger
an das Mehrkammerprofil angebunden werden.
Anspruch 5 bringt einen weiteren Aspekt des "Integrationsgedankens" von erfin
dungsgemäßen Mehrkammerprofilen zum Ausdruck. Einerseits ist für die Ver
schweißung des Pfosten und/oder der Träger mit der Aufnahmekammer des Mehr
kammerprofils von Bedeutung, daß ein nur geringer Unterschied in den Wandstär
ken der einzelnen Bauteile vorliegt. Andererseits sind für die Gewährleistung einer
ausreichenden Festigkeit und Steifigkeit des gesamten Profils entsprechend
höhere Wandstärken an anderer Stelle erforderlich. Durch die Ausbildung der
Erfindung nach Anspruch 5 ist es daher möglich, unterschiedliche Wandstärken in
einem Profil zu vereinen und einen entsprechend stark dimensionierten, durchlau
fenden Gurt in Form zumindest einer ausreichend dick bemessenen Begren
zungswand bereitzustellen.
Durch die beiden vertikal zueinander beabstandeten dickwandigen Begrenzungs
wände des Mehrkammerprofils gemäß Anspruch 6 wird ein hohes Flächenmoment
gegen Biegung erzeugt. Bei entsprechender Höhe der Tragkammer ergibt sich ein
großer Randfaserabstand, wodurch insgesamt ein großes Biegewiderstands
moment des Mehrkammerprofils erzielt wird.
Durch die Weiterbildung der Erfindung nach Anspruch 7 wird eine erhöhte Belast
barkeit des Längsträgers erreicht. Außerdem ist eine größere Gesamtprofilhöhe
erzielbar mit entsprechend höherem Biegewiderstandsmoment.
Gemäß Anspruch 8 bildet die seitliche Kammer des Mehrkammerprofils einen Teil
der Außenhaut. Damit wird das Mehrkammerprofil unmittelbar als Element der zur
stilistischen Gestaltung des Fahrzeuges eingesetzt, wie dies an sich aus der
DE 43 30 014 A1 bekannt ist. Gemäß Anspruch 9 kann die seitliche Kammer auch
abschnittsweise entfernt oder verkleidet werden.
Der Weiterbildung der Erfindung nach Anspruch 10 liegt derselbe Kerngedanke
zugrunde wie bei der Ausbildung von ausschließlich für die Anbindung von Profilen
oder Trägern vorgesehenen Aufnahmekammern nach Anspruch 1. Durch die Flan
sche gemäß Anspruch 10 können weitere Profile, Zusatzbauteile im Türbereich wie
beispielsweise Scharniere oder Schlösser, Verkleidungsteile, etc. befestigt werden.
Der Flansch kann auch abschnittsweise entfernt werden.
Ein mögliches Ausführungsbeispiel der Erfindung wird nachfolgend anhand der
Zeichnung näher dargestellt und erläutert. Es zeigt:
Fig. 1 eine seitliche Rahmenstruktur eines Kraftfahrzeuges in perspektivischer
Seitenansicht,
Fig. 2 einen Querschnitt durch das Mehrkammerprofil der Rahmenstruktur von
Fig. 1 entsprechend der Schnittverlaufslinie II-II,
Fig. 3 eine der Fig. 2 entsprechende Schnittdarstellung entlang der Schnitt
verlaufslinie III-III in Fig. 1 und
Fig. 4 eine der Fig. 2 entsprechende Schnittdarstellung entlang der Schnitt
verlaufslinie IV-IV in Fig. 1.
Fig. 1 zeigt einen Ausschnitt der seitlichen Rahmenstruktur eines Kraftfahrzeu
ges. Die Rahmenstruktur weist einen sich über die gesamte Fahrzeuglänge er
streckenden Schweller 1, einen oberhalb des Schwellers 1 verlaufenden Brü
stungsträger 2 sowie einen vorderen und einen hinteren Pfosten 3 bzw. 4 auf, die
den Schweller 1 und den Brüstungsträger 2 miteinander verbinden. In Fig. 1 ist
der Schweller 1 in drei Bereich A, B und C unterteilt, die jeweils einen unterschied
lichen Querschnitt des Schwellers 1 aufweisen.
Die Fig. 2 bis 4 zeigen die einzelnen Abschnitte des Schwellers 1 im Quer
schnitt, wobei das Mehrkammerprofil nur im Bereich A vollständig ausgebildet ist.
Der Schweller 1 besteht aus einer oberseitigen Aufnahmekammer 5 sowie einer
oberen und einer unteren Tragkammer 6 bzw. 7. Seitlich an die beiden Tragkam
mern 6 und 7 schließt sich eine seitliche Kammer 8 an. Darüber hinaus steht von
der Aufnahmekammer 5 etwa senkrecht nach oben ein Flansch 9 ab.
Die Aufnahmekammer 5 wird von einer oberseitigen, gewölbten Begrenzungswand
10 einerseits begrenzt. Nach unten ist die Aufnahmekammer 5 durch die Trenn
wand 11 von der oberen Tragkammer 6 getrennt. Die beiden Tragkammern 6 und
7 sind durch Begrenzungswände 11 bis 14 begrenzt. Zwischen den beiden Trag
kammern 6 und 7 ist eine weitere Trennwand 15 vorgesehen.
Die Wandstärke d₁ der für die Verbindung mit den Pfosten 3 und 4 vorgesehenen
Begrenzungswand 10 der Aufnahmekammer 5 ist kleiner als die Wandstärke d₂
der Begrenzungswände 11 bis 14.
Fig. 3 zeigt das Mehrkammerprofil im Bereich B, in dem die Aufnahmekammer 5
sowie der Flansch 9 entfernt sind.
Fig. 4 (Bereich C) zeigt den Schweller 1 mit der entfernten seitlichen Kammer 8
und dem in die Aufnahmekammer 5 eingesetzten hinteren Pfosten 4. Der Pfosten
4 ist über eine Einstecköffnung 16 formschlüssig in die Aufnahmekammer 5 einge
setzt und mit dieser über Schweißnähte 17 stoffschlüssig verbunden. Darüber hin
aus liegt der Pfosten 3 auch am Flansch 9 an und ist mit einer höhenversetzten
Schweißnaht 18 außenseitig zusätzlich verschweißt.
Neben den Pfosten 3, 4 können selbstverständlich auch weitere Profile, wie bei
spielsweise die in Fig. 1 mit 19 und 20 bezeichneten Querträger, über eine eigene
Aufnahmekammer (nicht dargestellt) an den Schweller 1 angebunden
werden.
Claims (10)
1. Mehrkammerprofil zur Bildung eines seitlichen Längsträgers (1) eines Kraft
fahrzeuges, mit wenigstens einer durchgehenden Tragkammer (6, 7) sowie
wenigstens einer Aufnahmekammer (5) zur Verbindung mit mindestens
einem etwa senkrecht zum Längsträger (1) verlaufenden Pfosten (3, 4)
und/oder Träger (19).
2. Mehrkammerprofil nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß die Aufnahmekammer (5) wenigstens eine
Ausnehmung (16) zur Aufnahme des Pfostens (3, 4) und/oder des Trägers
aufweist.
3. Mehrkammerprofil nach Anspruch 1 und/oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die Aufnahmekammer (5) außerhalb des Ver
bindungsbereiches mit dem Pfosten (3, 4) und/oder des Trägers zumindest
teilweise entfernt ist.
4. Mehrkammerprofil nach einem der vorgenannten Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß der seitliche Längsträger als Schweller (1)
ausgebildet ist.
5. Mehrkammerprofil nach einem der vorgenannten Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß der Pfosten (3, 4) und/oder der Träger mit dem
Längsträger (1) verschweißt ist, wobei wenigstens eine Begrenzungswand
(11 bis 14) der Tragkammer (6, 7) eine größere Wandstärke (d₂) aufweist als
die Wandstärke (d₁) der zur Verschweißung herangezogenen Begrenzungs
wand (10) der Aufnahmekammer (5).
6. Mehrkammerprofil nach einem der vorgenannten Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Wandstärke (d₂) der oberen und der unte
ren Begrenzungswand (11, 13) der Tragkammer (6, 7) größer ist als die
Wandstärke (d₁) der zur Verschweißung herangezogenen Begrenzungswand
(10) der Aufnahmekammer (5).
7. Mehrkammerprofil nach einem der vorgenannten Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß wenigstens zwei übereinanderliegende Trag
kammern (6, 7) vorgesehen sind.
8. Mehrkammerprofil nach einem der vorgenannten Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das Mehrkammerprofil wenigstens eine seitli
che Kammer (8) aufweist, die von außerhalb des Kraftfahrzeugs sichtbar ist.
9. Mehrkammerprofil nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, daß die seitliche Kammer (8) auf einem Teil der
Länge des Mehrkammerprofils entfernt ist.
10. Mehrkammerprofil nach einem der vorgenannten Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß vom Mehrkammerprofil wenigstens ein steg
förmiger Flansch (9) absteht.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1995138457 DE19538457A1 (de) | 1995-10-16 | 1995-10-16 | Mehrkammerprofil |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1995138457 DE19538457A1 (de) | 1995-10-16 | 1995-10-16 | Mehrkammerprofil |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19538457A1 true DE19538457A1 (de) | 1997-04-17 |
Family
ID=7774965
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1995138457 Withdrawn DE19538457A1 (de) | 1995-10-16 | 1995-10-16 | Mehrkammerprofil |
Country Status (1)
| Country | Link |
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