DE19532022A1 - Hybrid-Gasgenerator - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Befüllen einer Rückhaltevorrich
tung, insbesondere eines Prallkissens (Airbag) zum Schutz für die Insassen ei
nes Kraftfahrzeugs, wobei die Rückhaltevorrichtung mittels eines in einem
Druckbehälter gespeicherten inerten Gases oder Gasgemisches befüllt wird.
Hybrid-Gasgeneratoren, die ein gespeichertes Kaltgas zum Befüllen eines
Prallkissens in einem Kraftfahrzeug abgestuft abgeben können, sind bei
spielsweise aus den Patentschriften US 5,031,932 oder EP 0 455 435 A2 be
kannt. Die darin beschriebenen Hybrid-Gasgeneratoren weisen zumindest
den Nachteil auf, daß der zur Auslösung notwendige Pyrotechnikbehälter in
den Druckgasbehälter eingebunden ist. Diese Bauweise läßt nur eine geringe
konstruktive Anpassungsfähigkeit an die meist vorgegebene Struktur eines
Kraftfahrzeugs zu. Zudem erschwert sie die Montage und Prüfung der ein
zelnen Komponenten des Hybrid-Gasgenerators, so daß z. B. eine Prüfung des
Hochdruckbehälters nur mit erheblichem Aufwand durchgeführt werden
kann.
Es ist deshalb Aufgabe der Erfindung, einen Hybrid-Gasgenerator der ein
gangs genannten Art anzugeben, mit dem die vorgenannten Nachteile ver
mieden werden.
Gelöst wird diese Aufgabe durch eine Vorrichtung, die eine Rückhaltevor
richtung, insbesondere ein Prallkissen zum Schutz für die Insassen eines
Kraftfahrzeugs mit einem inerten Gas oder Gasgemisch befüllt, bei der der
mit inertem Gas oder Gasgemisch befüllte Druckbehälter wenigstens zwei,
jeweils mit einer berstbaren Membrane verschlossene Austrittsöffnungen
aufweist, wobei jeder Austrittsöffnung ein Modul zum Öffnen zugeordnet
ist, deren Auslösung unabhängig voneinander erfolgt.
Die Vorteile der Erfindung liegen neben dem modularen Aufbau des Hy
brid-Gasgenerators insbesondere darin, daß das Gas bei einer Auslösung ab
gestuft in ein Prallkissen geblasen werden kann. Die modulare Bauweise er
möglicht eine gute Anpassung an die Struktur eines Kraftfahrzeugs und läßt
eine Prüfung der einzelnen Komponenten des Hybrid-Gasgenerator zu.
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist nachstehend ausführlich erläu
tert und anhand einer Figur dargestellt.
Die Figur zeigt einen Hybrid-Gasgenerator 1, bestehend aus einem ersten
pyrotechnischen Modul 100, einem zweiten pyrotechnischen Modul 200 und
einem Druckgasbehälter 300. Mittels einer formschlüssigen Verbindung 16
bzw. 26 werden beide pyrotechnischen Module 100 bzw. 200, die gleichzei
tig oder zu verschiedenen Zeitpunkten ausgelöst werden können, mit dem
Druckgasbehälter 300 zusammengehalten.
Jedes pyrotechnische Modul 100 bzw. 200 ist als Einschub in einem Filterge
häuse 2 bzw. 3 mit Ausblasöffnungen 15 bzw. 25 angeordnet und besteht im
wesentlichen aus einer Anzündeinheit 110 bzw. 216 und einer Brennkam
mereinheit 120 bzw. 220. Der Druckgasbehälter 300 weist zwei Auslaßdüsen
310 und 320 auf, die jeweils mittels einer Membrane 311 bzw. 321 verschlos
sen sind.
Jede Anzündeinheit 110 bzw. 210 enthält einen elektrisch Anzünder 112
bzw. 212 mit einem elektrischen Anschluß 111 bzw. 211, der vorzugsweise
als Steckereinheit ausgeführt ist. Um den Hybrid-Gasgenerator 1 auszulösen,
wird dem elektrischen Anzünder 112 bzw. 212 ein hoher Zündstrom zuge
führt. Dadurch schmilzt ein im Innern des elektrischen Anzünders 112 bzw.
212 angeordneter Schmelzdraht und zündet eine Primärladung 113 bzw.
213. Dies hat zur Folge, daß sich eine als Verstärker dienende Sekundärla
dung 114 bzw. 214 entzündet, deren Abbrandprodukte durch Düsen 116
bzw. 216 in die Brennkammereinheit 120 bzw. 220 einströmen.
In der Brennkammereinheit 120 bzw. 220 ist ein in Ring- oder Tablettenform
gepreßter Festtreibstoff 121 bzw. 221 angeordnet. Volumenausgleichsmittel
122 bzw. 222 sorgen für einen sicheren Halt des Festtreibstoffs 121 bzw. 221
und verhindern eine Geräuschentwicklung während des Fahrbetriebs. Durch
den Abbrand der Sekundärladung 114 bzw. 214 wird der Festtreibstoff 121
bzw. 221 entzündet und dadurch ein Heißgas freigesetzt, das durch Düsen
bohrungen 123 bzw. 223 aus der Brennkammereinheit 120 bzw. 220 ent
weicht.
Die Düsenbohrungen 123 bzw. 223 sind mit einer Dichtfolie 124 bzw. 224 ver
schlossen, um den meist feuchtigkeitsempfindlichen Festtreibstoff 121 bzw.
221 daran zu hindern, Feuchtigkeit aufzunehmen, was zu einer Verringerung
der Abbrandgeschwindigkeit des Festtreibstoffs 121 bzw. 221 führt. Außer
dem kann mit Hilfe der Dichtfolie 124 bzw. 224, bei der es sich meistens um
eine Aluminiumfolie handelt, der Druck bestimmt werden, der bei einer Aus
lösung durch den Abbrand des Festtreibstoffs 121 bzw. 221 entsteht. Je län
ger die Dichtfolie 124 bzw. 224 dem sich aufbauenden Druck widersteht, um
so höher steigt der Druck in der Brennkammereinheit 120 bzw. 220.
Die Düsenbohrungen 123 bzw. 223 sind derart angeordnet, daß das aus der
Brennkammereinheit 120 bzw. 220 austretende Heißgas auf die Membrane
311 bzw. 321 auftrifft, um sie aufzuschweißen. Der Durchmesser der Düsen
bohrungen 123 bzw. 223 muß danach bemessen werden, wieviel Heißgas
durch sie hindurchströmen muß, um in kürzester Zelt ein Durchbrennen der
Membrane 311 bzw. 321 zu erreichen, so daß das im Druckgasbehälter 300
gespeicherte Kaltgas austreten kann.
Es gibt weitere Möglichkeiten, den Druckgasbehälter 300 zu öffnen. Ein sol
cher Öffnungsmechanismus kann aus einem Dorn bestehen, der mechanisch,
magnetisch, pyrotechnisch oder mittels einer Kombination hieraus angetrie
ben wird und die Membrane 311 bzw. 321 im Fall einer Auslösung durch
stößt.
In einer um die Brennkammereinheit 120 bzw. 320 angeordneten Mischkam
mer 13 bzw. 23 vermischt sich das aus dem Druckgasbehälter 300 austreten
de Kaltgas mit dem in der Brennkammereinheit 120 bzw. 220 erzeugten
Heißgas zu einem Gasgemisch mit definierter Temperatur, die niedrig genug
ist, um das Prallkissen nicht zu beschädigen. Da der weitaus größte Anteil aus
dem sehr reinen Kaltgas besteht, entsteht in der Mischkammer 13 bzw. 23
ein kühles und sauberes Gasgemisch; ein aufwendiges mehrstufiges Filtersystem
zum Kühlen und Reinigen des Gasstroms ist daher nicht notwendig. Vor
den Ausblasöffnungen 15 bzw. 25 ist lediglich eine als Feinfilter wirkende Fil
terlage 14 bzw. 24 angeordnet, die aus feinmaschigem Filtermaterial be
steht und kleine Abbrandprodukte aus dem Heißgas ausfiltert.
Der Hybrid-Gasgenerator 1 kann einen symmetrischen Aufbau aufweisen,
d. h. alle konstruktiven Merkmale des ersten pyrotechnischen Moduls 100
sind identisch mit den konstruktiven Merkmalen des zweiten pyrotechni
schen Moduls 200, zudem entspricht die Auslaßdüse 310 in ihrem Aufbau der
Auslaßdüse 320 und die Membrane 311 der Membrane 321.
Durch zeitlich versetztes Zünden der Anzündeinheiten 110 und 210 und in
Folge dessen durch zeitlich versetztes öffnen der Membranen 311 und 321
sind bei einem derartigen, symmetrischen Hybrid-Gasgenerator 1 drei Abstu
fungen möglich, nämlich:
- - nur Auslösung des Moduls 100 oder 200,
- - zuerst Auslösung des Moduls 100, anschließend Auslösung des Moduls 200 (oder umgekehrt) und
- - gleichzeitige Auslösung der Module 100 und 200.
Um aber im Fall einer Auslösung das Befüllen des Prallkissens optimal an die
Unfallschwere anpassen zu können, muß der Hybrid-Gasgenerator 1 in mög
lichst vielen Abstufungen befüllt werden können. Hierzu eignet sich ein un
symmetrischer Aufbau des Hybrid-Gasgenerators 1, wobei sich die pyrotech
nischen Module 100 und 200, die Auslaßdüsen 310 und 320 und die Membra
nen 311 und 321 voneinander unterscheiden und dadurch unterschiedliche
Gasmengen pro Zeiteinheit hervorbringen.
Ein denkbarer unsymmetrischer Aufbau, der fertigungstechnisch einfach
herzustellen ist, besteht darin, daß die Auslaßdüsen 310 und 320, die Mem
branen 311 und 321 und die pyrotechnischen Module 100 und 200 in allen
konstruktiven Details übereinstimmen und daß sich ausschließlich die pyro
technischen Komponenten, also die Primärladungen 113 und 213, die Sekun
därladungen 114 und 214 und die (Fest-)Treibstoffe 121 und 221 nur in der
Art, nur in der Menge oder in Art und Menge voneinander unterscheiden.
Im vorliegenden Ausführungsbeispiel sind bei einer Auslösung des Prallkis
sens durch zeitlich versetztes Zünden der Anzündeinheiten 110 und 210 und
in Folge dessen durch zeitlich versetztes Öffnen der Membranen 311 und
321 fünf Abstufungen möglich, die im folgenden aufgeführt sind:
- - nur Auslösung des Moduls 100,
- - nur Auslösung des Moduls 200,
- - gleichzeitige Auslösung der Module 100 und 200,
- - zuerst Auslösung des Moduls 100, anschließend Auslösung des Moduls 200 und
- - zuerst Auslösung des Moduls 200, anschließend Auslösung des Moduls 100.
Um abhängig von der Schwere eines detektierten Auffahrunfalls oder Auf
pralls das Prallkissen in noch mehr Abstufungen befüllen zu können, kann
entweder der Druckgasbehälter 300 mehr als zwei Auslaßöffnungen mit je
weils einem Modul zum Öffnen aufweisen oder kann ein anderer, hauptsäch
lich mechanischer Öffnungsmechanismus verwendet werden, so daß unab
hängig von der Auslösung eines pyrotechnischen Moduls ein oder mehrere
Öffnungen des Druckgasbehälters 300 gleichzeitig oder nacheinander geöff
net werden können.
In jedem Fall müssen die Bedingungen erfüllt sein, daß zum einen durch das
einströmende Gasgemisch das Prallkissen nicht beschädigt und daß zum an
dern das Prallkissen aber soweit gefüllt wird, daß es seine Schutzfunktion er
füllen kann.
Durch den modularen Aufbau ergibt sich eine einfache und kostengünstige
Bauweise des Hybrid-Gasgenerators. Die einzelnen Module und der Druckgas
behälter können getrennt vormontiert und überprüft werden, bevor bei
der Endmontage alle Baugruppen miteinander verbunden werden.
Claims (12)
1. Vorrichtung zum Befüllen einer Rückhaltevorrichtung, insbesondere eines
Prallkissens zum Schutz für die Insassen eines Kraftfahrzeugs, wobei die
Rückhaltevorrichtung mittels eines in einem Druckbehälter (300) gespeicher
ten inerten Gases oder Gasgemisches befüllt wird, gekennzeichnet durch
folgende Merkmale:
- a) Der Druckbehälter (300) weist wenigstens zwei Austrittsöffnungen (310, 320) auf;
- b) die Austrittsöffnung (310, 320) sind jeweils mit einer berstbaren Mem brane (311, 321) verschlossen;
- c) jeder Austrittsöffnung (310, 320) ist ein Modul (100, 200) zum Öffnen der jeweiligen Membrane (311, 321) zugeordnet und
- d) die Auslösung der Module (100, 200) erfolgt unabhängig voneinander.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Druck
behälter (300) im Bereich der Austrittsöffnungen (310, 320) flaschenförmig
ausgebildet ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß jedes Modul
(100, 200) die jeweilige flaschenförmig ausgebildete Austrittsöffnung (310,
320) im Randbereich umschließt.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß jedes Modul
(100, 200) eine Anzündeinheit (110, 210), eine Brennkammereinheit (120, 220)
und eine Mischkammer (13, 23) aufweist, die jeweils in einem Filtergehäuse
(2, 3) mit Ausblasöffnungen (15, 25) angeordnet sind.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß zur Bildung
der Mischkammer (13, 23) das Filtergehäuse (2, 3) die jeweilige Brennkam
mereinheit (120, 220) umgibt.
6. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß jede An
zündeinheit (110, 210) jeweils eine Anzünderhülse (115, 215) aufweist, in der
ein elektrischer Anschluß (111, 211), ein elektrischer Anzünder (112, 212), eine
Primärladung (113, 213) und eine Sekundärladung (114, 214) angeordnet
sind.
7. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß jede Brenn
kammereinheit (120, 220) einen Treibstoff (121, 221) zum Erzeugen eines
Heißgases enthält.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei
dem Treibstoff (121, 221) um einen tabletten- oder ringförmigen Festtreib
stoff handelt.
9. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß in der
Mischkammer (13, 23) jeweils eine Filterlage (14, 24) als Feinfilter angeordnet
ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die berst
baren Membranen (311, 321) im Fall einer Auslösung durch das in der Brenn
kammereinheit (120, 220) erzeugte Heißgas aufgeschweißt werden.
11. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch ge
kennzeichnet, daß die Membranen (311, 321) im Fall einer Auslösung mit ei
nem Dorn durchstoßen werden.
12. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß der Dorn
mechanisch, magnetisch, pyrotechnisch oder mittels einer Kombination
hieraus angetrieben wird.
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