DE19501145A1 - Verwendung von Alkylpolyglycosiden als Reibungsminderer - Google Patents
Verwendung von Alkylpolyglycosiden als ReibungsmindererInfo
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Description
Die Erfindung betrifft die Verwendung von Alkylpolyglycosiden als Rei
bungsminderer (Strömungsbeschleuniger oder Widerstandsverminderer) für
turbulent strömende wässerige Systeme.
Durch Verwendung reibungsmindernder Additive können der Druckverlust und
damit die erforderliche Pumpenergie in Strömungskreisläufen gesenkt oder
bei vorgegebenem Druckgefälle der durchgesetzte Volumenstrom erhöht wer
den. Letzteres gilt auch für offene Strömungskanäle wie z. B. Abwasserka
näle, in denen durch Einsatz solcher Additive der Volumenstrom z. B. zur
Beseitigung von Engpässen bei starkem Regenfall erhöht werden kann. Ei
nerseits kann es somit zur Einsparung von Pumpenergie kommen, anderer
seits kann zur Beseitigung von Engpässen auf eine aufwendige Neuinvesti
tion für größere Rohrsysteme verzichtet werden.
Bekannte Reibungsminderer sind wasserlösliche, langkettige bzw. hochmole
kulare Polymere (DE 28 07 709 A1) oder kationische Tenside (EP 0 097 926
B2) oder nichtionische Tenside vom Typ der ethoxylierten Fettalkohole
(US-PS 3 961 639).
Polymere unterliegen aber einer durch mechanische und thermische Bean
spruchung bedingten irreversiblen Degradation, d. h. Kettenabbau. Sie
verlieren dadurch schnell ihre reibungsmindernde Wirkung und sind deshalb
vor allem für den Einsatz in geschlossenen Systemen nicht geeignet.
Kationische Tenside, die eine Reibungsminderung bewirken, sind quarternä
re Ammoniumverbindungen. Ihr Einsatz ist im Hinblick auf deren ökologi
sche Eigenschaften (biologische Abbaubarkeit, Toxizität gegenüber Wasser
organismen) umstritten und führte in Schweden sogar zu einem Verwendungs
verbot [Tenside Surf. Det. 30 (1993) 3, 174].
Die klassischen anionischen Tenside (ethoxylierte Fettalkohole) zeigen
nur bei relativ hohen Einsatzkonzentrationen von über 5 000 wppm (weight
parts per million) bei gleichzeitig hohen Elektrolytkonzentrationen um
1 Gew.-% eine reibungsmindernde Wirkung (US-PS 3 961 639).
Es bestand also die Aufgabe, ökologisch unbedenkliche Additive zu finden,
die bei niedrigen Konzentrationen einen reibungsmindernden Effekt in
wässerigen Systemen bewirken.
Überraschenderweise wurde gefunden, daß Alkylpolyglycoside (APG) bei
relativ niedrigen Konzentrationen eine Reibungsminderung in wässerigen
Systemen bewirken. Gegenstand der Erfindung ist daher die Verwendung von
nichtionischen Tensiden als Reibungsminderer in wässerigen Systemen, da
durch gekennzeichnet, daß Alkylpolyglycoside als nichtionische Tenside
eingesetzt werden.
Alkylpolyglycoside sind Tenside, die ausschließlich aus nachwachsenden
Rohstoffen (Stärke bzw. Zucker und pflanzliche Öle) hergestellt werden.
Eine genauere Beschreibung zur Herstellung und Charakterisierung von Al
kylpolyglycosiden findet man z. B. in DE-OS 19 43 689 oder
US-PS 3 839 318.
Alkylpolyglycoside gelten als hervorragend biologisch abbaubar [Tenside
Surf. Det. 30 (1993) 2, 116]. Ihre Toxizitätsdaten sind weitaus unbedenk
licher als die vieler anderer Tenside. Da sie vollständig aus nachwach
senden Rohstoffen hergestellt werden, zeichnen sie sich insgesamt durch
ein hervorragendes Umweltverhalten aus.
Die Alkylglycoside folgen der Formel I
R-O-(G)D.P.-H (I),
in der R für einen aliphatischen, linearen oder verzweigten Alkyl- und/oder
Alkenylrest mit 8 bis 18 Kohlenstoffatomen,
(G) für eine Glycose-Einheit mit 5 oder 6 Kohlenstoffatomen und
D.P. für eine Zahl von 1 bis 5 steht.
Die Glycose-Einheit kann sich von Aldosen bzw. Ketosen ableiten. Wegen
der besseren Reaktionsfähigkeit werden vorzugsweise die reduzierend
wirkenden Saccharide, die Aldosen, verwendet. Wegen ihrer leichten Ver
fügbarkeit wird davon insbesondere wiederum die Glucose bevorzugt.
Als geeignet für eine Reibungsminderung kommen insbesondere Alkylpolygly
coside mit hydrophoben Ketten mit 8 bis 16 Kohlenstoffatomen, besonders
bevorzugt 12 bis 14 Kohlenstoffatomen in frage. Der Glycosidierungsgrad
D.P. (Degree of Polymerization) kann vorzugsweise 1.1 bis 3, besonders
bevorzugt 1.1 bis 1.5, betragen.
Es wurde überraschend gefunden, daß bereits ab relativ geringen Konzen
trationen von 300 wppm (weight parts per million), also 0.03 Gew.-% eine
reibungsmindernde Wirkung in wässerigen Systemen auftritt. Somit liegt
die für eine Reibungsminderung erforderliche Mindestkonzentration deut
lich niedriger als bei den klassischen nichtionischen Tensiden, bei denen
mindestens 0.5 Gew. -% mit gleichzeitig hohem Elektrolytgehalt erforder
lich sind. Bei den Untersuchungen wurden in der Regel Konzentrationen von
500 bis 2 000 wppm (0,2 Gew.-%) eingestellt. Höhere Konzentrationen bis
z. B. 10 000 wppm bewirken zwar auch eine Reibungsminderung, sind aber im
allgemeinen aus ökonomischen Gründen nur in Sonderfällen vertretbar.
Es wurde weiterhin gefunden, daß im Gegensatz zu den ethoxylierten Fett
alkoholen keine Zugabe an Elektrolyten in das Wasser erforderlich ist, um
mit Alkylpolyglycosiden einen reibungsmindernden Effekt zu erhalten, bzw.
daß die Wirkung sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Elektrolytgehal
ten auftritt. Eine Wirkung tritt auf sowohl in fast vollständig entsalz
tem Wasser (elektrische Leitfähigkeit ca. 100 µS/cm) als auch in Salz
wasser mit 3 Gew.-% Natriumchlorid.
Die Temperatur der wässerigen Systeme kann 5 bis 60°C betragen. Vorzugs
weise sollte die Temperatur in einem Bereich von 10 bis 40°C liegen. Der
pH-Wert der Lösung kann 3 bis 13, vorzugsweise 4 bis 10, besonders bevor
zugt 5 bis 8 betragen.
Abb. 1 zeigt Widerstandscharakteristiken von Wasser (allgemein von
Newtonschen Flüssigkeiten) und von Wasser mit 500 und 2 000 wppm APG-
1.4/12. Die erste Zahl gibt den (mittleren) Glycosidierungsgrad, die
zweite Zahl die (mittlere) Alkylkettenlänge an. Die Messungen wurden in
einer Rohrapparatur (Innendurchmesser 8 Millimeter, Rohrlänge 2 Meter)
bei 30°C durchgeführt. Es werden Widerstandsminderungen von bis zu 70%
erreicht, d. h. der Druckverlust beträgt nur noch 30% des Wertes für die
additivfreie Wasserströmung.
Abb. 2 zeigt Widerstandscharakteristiken für eine Konzentration von
1 000 wppm bei verschiedenen Temperaturen.
Die in den Abb. 1 und 2 angedeuteten Wirkungsverluste bei hohen
Strömungsgeschwindigkeiten und/oder hohen Temperaturen sind reversibel.
Bei einer entsprechend belasteten Lösung setzt nach Rücknahme der Be
lastung, d. h. Verminderung der Strömungsgeschwindigkeit und/oder Er
niedrigung der Temperatur die reibungsmindernde Wirkung wieder ein, wie
es auch für die kationischen reibungsmindernden Tenside gefunden wurde
(EP 0 097 926 B2).
Claims (10)
1. Verwendung von nichtionischen Tensiden als Reibungsminderer in tur
bulent strömenden wässerigen Systemen,
dadurch gekennzeichnet,
daß als nichtionische Tenside Alkylpolyglycoside eingesetzt werden.
2. Verwendung von nichtionischen Tensiden nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß Alkylpolyglycoside mit Kettenlängen mit 8 bis 16 Kohlenstoffato
men in der Alkylkette verwendet werden.
3. Verwendung von nichtionischen Tensiden nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß Alkylpolyglycoside mit Kettenlängen mit 12 bis 14 Kohlenstoff
atomen in der Alkylkette verwendet werden.
4. Verwendung von nichtionischen Tensiden nach mindestens einem der
Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Alkylpolyglycosid einen Glycosiderungsgrad von 1.1 bis 3 hat.
5. Verwendung von nichtionischen Tensiden nach mindestens einem der
Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Alkylpolyglycosid einen Glycosiderungsgrad von 1.1 bis 1.5
hat.
6. Verwendung von nichtionischen Tensiden nach mindestens einem der An
sprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Alkylpolyglycosid ein Alkylpolyglucosid ist.
7. Verwendung von nichtionischen Tensiden nach mindestens einem der An
sprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Konzentration des Alkylpolyglycsids 300 bis 10 000 wppm
(0.03 bis 1 Gew.-%) beträgt.
8. Verwendung von nichtionischen Tensiden nach mindestens einem der An
sprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Konzentration des Alkylpolyglycosids 500 bis 2 000 wppm (0.05
bis 0,2 Gew.-%) beträgt.
9. Verwendung von nichtionischen Tensiden nach mindestens einem der
Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Temperatur 5 bis 60°C beträgt.
10. Verwendung von nichtionischen Tensiden nach mindestens einem der
Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Temperatur 10 bis 40°C beträgt.
Priority Applications (3)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19501145A DE19501145A1 (de) | 1995-01-17 | 1995-01-17 | Verwendung von Alkylpolyglycosiden als Reibungsminderer |
| GB9600659A GB2297139A (en) | 1995-01-17 | 1996-01-12 | Use of nonionic surfactants as antifricion agents |
| NO960187A NO960187L (no) | 1995-01-17 | 1996-01-16 | Anvendelse av alkylpolyglykosider til å redusere friksjon |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19501145A DE19501145A1 (de) | 1995-01-17 | 1995-01-17 | Verwendung von Alkylpolyglycosiden als Reibungsminderer |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19501145A1 true DE19501145A1 (de) | 1996-07-18 |
Family
ID=7751619
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE19501145A Withdrawn DE19501145A1 (de) | 1995-01-17 | 1995-01-17 | Verwendung von Alkylpolyglycosiden als Reibungsminderer |
Country Status (3)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19501145A1 (de) |
| GB (1) | GB2297139A (de) |
| NO (1) | NO960187L (de) |
Family Cites Families (8)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| CA919736A (en) * | 1969-12-08 | 1973-01-23 | Moye Wicks, Iii | Method of transporting high concentrations of solid materials in a conduit |
| US3961639A (en) * | 1973-09-10 | 1976-06-08 | The Curators Of The University Of Missouri | Methods and compositions for reducing the frictional resistance to flow of aqueous liquids |
| US4073983A (en) * | 1975-04-25 | 1978-02-14 | United Chemical Corporation | Method and composition for decreasing water resistance to movement |
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| DE59103727D1 (de) * | 1990-08-22 | 1995-01-12 | Henkel Kgaa | Flüssiges waschmittel mit erhöhter viskosität. |
| DE4306899A1 (de) * | 1993-03-05 | 1994-09-08 | Henkel Kgaa | Fußbodenreinigungsmittel |
-
1995
- 1995-01-17 DE DE19501145A patent/DE19501145A1/de not_active Withdrawn
-
1996
- 1996-01-12 GB GB9600659A patent/GB2297139A/en not_active Withdrawn
- 1996-01-16 NO NO960187A patent/NO960187L/no unknown
Also Published As
| Publication number | Publication date |
|---|---|
| GB9600659D0 (en) | 1996-03-13 |
| GB2297139A (en) | 1996-07-24 |
| NO960187D0 (no) | 1996-01-16 |
| NO960187L (no) | 1996-07-18 |
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|---|---|---|---|
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