DE19500879C1 - Verfahren und Einrichtung zum Oberflächenhärten von Werkstücken mittels Elektronenstrahlen - Google Patents
Verfahren und Einrichtung zum Oberflächenhärten von Werkstücken mittels ElektronenstrahlenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Oberflächenhärten metallischer
Werkstücke mit Elektronenstrahlen, vorzugsweise
für solche Anwendungen, bei denen die Wärmekapazität des Werkstücks
eine Durchführung der kompletten Härteaufgabe in mehreren
Schritten mit zwischenzeitlicher Werkstückabkühlung erfordert. Ein typisches An
wendungsgebiet der Erfindung ist das Oberflächenhärten von Teilen des Maschi
nenbaus, wie z. B. die Mehrseitenhärtung von Führungsleisten.
Die Oberflächenhärtung mittels Elektronenstrahlen
ist allgemein bekannt. Es
wird in bekannter Weise die Oberfläche mit dem Elektronenstrahl gehärtet. Die
eingebrachte Energie wird dabei in Wärme umgewandelt und führt zur Austeniti
sierung des Werkstoffs in einer an die Oberfläche angrenzenden Randschicht.
Durch Wärmeleitung wird die Wärme vom Einstrahlungsort in das Werkstückinne
re abgeleitet. Die dadurch bewirkte Abkühlung der erwärmten Randschicht führt
nach Beendigung des Energieeintrags zur Umwandlung des gebildeten Austenits
in Martensit und damit zur Härtung der Randschicht. Diese Art der Abschreckung
durch Wärmeleitung wird auch als Selbstabschreckung bezeichnet.
Es ist bekannt, daß nach der Einwirkung des Elektronenstrahls auf die Oberfläche
des Werkstückes die dadurch gespeicherte Eigenwärme zu Anlaßeffekten führt,
wenn das Werkstückvolumen gering ist (Neue Hütte 32 (1987) 4, S. 127-134).
Durch diese Eigenwärme, insbesondere bei höheren Einhärtetiefen, kann eine
martensitische Umwandlung nicht mehr erfolgen. Durch verfahrenstechnische und
wärmebehandlungstechnische Maßnahmen wurde versucht, diesen Mangel zu
beseitigen, indem die Werkstücke gekühlt werden. Diese Kühlung erfordert je
doch relativ hohe Zeiten. Der Nachteil kommt besonders dann zur Auswirkung,
wenn an einem Werkstück mehrere Teilflächen zu härten sind, da jeweils vor dem
nächsten Härteschritt die Ausgangstemperatur erreicht sein muß.
Für die Qualität der gehärteten Randschicht spielt sowohl die Abkühlgeschwin
digkeit, insbesondere bis zum Erreichen einer Temperatur von etwa 500°C, als
auch die Temperatur, die sich nach Wärmeausgleich im Werkstück einstellt, eine
Rolle. Ist erstere zu gering und/oder letztere zu hoch, kann durch die Bildung von
Zwischenstufengefüge und/oder durch Selbstanlaßeffekt die Qualität der Härte
schicht leiden. Beide Effekte können sich überlagern, da eine zu hohe Aus
gleichstemperatur des Werkstücks gleichzeitig eine verminderte Abkühlge
schwindigkeit zur Folge hat. Werden Werkstücke bei Ausführung der Mehrseiten
härtung überhitzt, so ist es notwendig und üblich, die Werkstücke nach Härtung
einer oder mehrerer Flächen aus der Anlage zum Oberflächenhärten
mittels Elektronenstrahlen (Elektronenstrahlanlage) zu entnehmen und erst nach
hinreichender Abkühlung die Werkstücke erneut in die Elektronenstrahlanlage einzubringen,
um die Mehrseitenhärtung, d. h. die Härtung einer weiteren Seite, fort
zusetzen. Das gleiche gilt für den verfahrensbedingt, erwärmten Werkstückträger.
Bei sofortiger Neubestückung mit Werkstücken führt die Erwärmung der Werk
stücke durch den Werkstückträger zur Verminderung der für die Selbstabschreckung
erforderlichen Temperaturdifferenz und damit zur negativen Beeinflussung
der Oberflächenhärtung.
Bei der üblichen Abkühlung der Werkstücke von 100°C-300°C auf etwa Raum
temperatur beträgt die erforderliche Zeitdauer oft ein Mehrfaches der Zykluszeit
der Elektronenstrahlanlage, welche sich aus den Zeiten für den Werkstückwechsel,
der Evakuierung, der Prozeßdurchführung und des Belüftens ergibt.
Insbesondere bei der Härtung von Kleinserienteilen kann durch diese zeitauf
wendige Verfahrensweise die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens belastet bzw. in
Frage gestellt werden.
Der am Beispiel des Oberflächenhärtens erläuterte Stand der Technik kann auch
für andere Aufgaben der thermischen Oberflächenmodifikation mit Energiestrah
len eine Rolle spielen.
Es ist bekannt, daß Werkstücke im Rahmen von Wärmebehandlungen zum Errei
chen einer hohen Härte forciert abgeschreckt werden. Als Kühlmittel werden dazu
Fluids und/oder Gase verwendet, die auf das zu härtende Werkstück durch Sprü
hen oder Spritzen aufgebracht werden (DE-OS 38 09 645 A1). Bei der Verwen
dung dieses Abschreckverfahrens in der beschriebenen Art und Weise zur Zwi
schenabkühlung elektronenstrahlgehärteter Werkstücke besteht die Gefahr, daß
die Werkstücke nach der Zwischenabkühlung mit Kühlmittelresten behaftet sind.
Weiterhin ist bekannt, daß Werkstücke in Vakuumöfen erwärmt und anschließend
in Kühlkammern abgeschreckt werden (DE-OS 33 44 768). Dieses Verfahren
besitzt den Nachteil, daß es einen hohen gerätetechnischen Aufwand, z. B. für
Kühlkammern, Schleuse und Werkstücktransport erfordert.
Ein weiterer Nachteil bekannter Abschreckverfahren liegt darin, daß sie nicht
schnell genug auf den Bereich der Raumtemperatur abschrecken, sondern nur bis
in einen Temperaturbereich führen, in dem keine weiteren wesentlichen Gefüge
änderungen stattfinden. Die Abschreckung wird also nur bis in einen zur Raum
temperatur deutlich erhöhten Temperaturbereich durchgeführt. Es wird die beim
Härten mit Energiestrahlen erforderliche Abkühlung der Werkstücke auf etwa
Raumtemperatur nicht erreicht.
Andere Abschreckverfahren, die bis Raumtemperatur geführt werden, haben den
Nachteil, daß dazu Fluids verwendet werden, die in Resten auf der Werkstücko
berfläche verbleiben können, was einer unverzüglichen Weiterbehandlung im
Elektronenstrahlprozeß im Wege steht. Desweiteren kann es beim Abschrecken mit
Wasser zu Korrosionsschäden kommen, wenn die Werkstücke nach Beenden der
Abkühlung eine nasse Oberfläche besitzen. Soll diese Gefahr ausgeschlossen
werden, müssen die Werkstücke zusätzliche Trocknungsstationen durchlaufen.
Dadurch wird der technologische Aufwand in unerwünschtem Maße weiter erhöht.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Einrichtung zu
schaffen, die es gestatten, Werkstücke, die einer Oberflächenhärtung
mit Elektronenstrahlen, in mehren Schrit
ten zu unterziehen sind und den Werkstückträger, in kurzer Zeit auf etwa Raum
temperatur abzukühlen, ohne das den Werkstücken und dem Werkstückträger
Kühlmittelrückstände anhaften und ohne daß eine zusätzliche Trocknung der
Werkstücke und des Werkstückträgers erforderlich wird. Die Lösung der Aufgabe
soll insbesondere auch mit Chargenanlagen zur Oberflächenhärtung
mit Elektronenstrahlen kompatibel sein und eine Werkstückabkühlung in
nerhalb einer Zykluszeit der Elektronenstrahlanlage ermöglichen.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe nach den Merkmalen des Patentanspruchs 1
gelöst. Weitere Ausgestaltungen sind in den Ansprüchen 2 bis 8 aufgeführt.
Das erfindungsgemäße Verfahren hat den Vorteil, daß die Werkstücke und der
Werkstückträger nach der Wärmebehandlung einer oder mehrerer Fläche des
Werkstücks mit Elektronenstrahlen, in einer Zeitspanne, die gleich oder kürzer
der Zykluszeit ist, für die Weiterführung der Wärmebehandlung der nächsten Flä
che zur Verfügung stehen. Der Einsatz von gasförmigen und flüssigen Kühlmitteln
bedingt ein deutliches Herabsetzen der Kühlzeit gegenüber reiner Gaskühlung.
Als Kühlmittel dienen vorzugsweise Luft und Wasser. Das Wasser wird dabei
zerstäubt und intervallweise in den Luftstrom eingebracht, mit dem die Werkstücke
in der Kühlstation beaufschlagt werden. Durch ein Verlängern der Intervallpau
sen für die Zuführung des flüssigen Kühlmediums ab einer bestimmten Tempera
tur wird ein Abtrocknen der Werkstücke und des Werkstückträgers bis zum Ende
des Kühlprozesses bewirkt.
Die Art und Weise des Kühlmitteleinsatzes ermöglicht eine schnelle Kühlung oh
ne Gefügeumwandlungen, bei der Verwendung von Wasser, ohne die oben be
schriebenen Nachteile.
An einem Ausführungsbeispiel wird die Erfindung näher erläutert. Die zugehöri
gen Zeichnungen zeigen in
Fig. 1 einen Grundriß einer Anlage zum Härten von Werkstücken, bestehend aus
Elektronenstrahlanlage und Kühlstation,
Fig. 2 einen Schnitt durch eine Kühlstation.
Neben der in Fig. 1 dargestellten Elektronenstrahlanlage 1 befindet sich eine Kühl
station 2, welche über eine Transporteinrichtung 3 verbunden sind. An der Trans
porteinrichtung 3 ist eine Beschickungsstation 4 angeschlossen.
Die in der Elektronenstrahlanlage 1 in bekannter Weise mit dem Elektronenstrahl
gehärteten Werkstücke 5 werden, nachdem sie auf einer Fläche gehärtet wurden,
auf einem Werkstückträger 6 über die Transporteinrichtung 3 in die Kühlstation 2
eingebracht. Gleichzeitig werden in der Elektronenstrahlanlage 1 die nächsten
Werkstücke 5 gehärtet. Nach erfolgter Abkühlung auf Temperaturen 40°C wer
den die Werkstücke 5 wieder über die Transporteinrichtung 3 in die Elektronen
strahlanlage
1 zum Härten der nächsten Flächen eingebracht, nachdem die gera
de gehärteten Werkstücke 5 auf einem Werkstückträger 6 aus der Elektronenstrahl
anlage 1 zur Kühlstation 2 gebracht wurden. Die Beschickungsstation 4 dient dem
Bestücken der Werkstückträger 6 nach erfolgter Wärmebehandlung und zur Be
reitstellung der nächsten Werkstücke 5.
In Fig. 2 ist die Kühlstation 2 dargestellt. Ein Gebläse 7 ist darin so angeordnet,
daß der von ihm erzeugte Kühlgasstrom 8 (Luft) das Werkstück 5 und den Werk
stückträger 6 beaufschlagt. Die Kühlluft kann durch eine Öffnung 9 entweichen.
Desweiteren ist eine Zuführung 10 für zerstäubtes Wasser so angebracht, daß es
das Werkstück 5 und den Werkstückträger 6 beaufschlagt. Die an der Öffnung 9
für den Austritt der Kühlluft und der Eintrittsöffnung 11 für die Kühlluft angeordne
ten Sensoren 12 und 13 dienen der Ermittlung des Dampfdrucks.
Die intervallweise Zufuhr des zerstäubten Wassers erfolgt nach Maßgabe der
Dampfdruckdifferenz der der Kühlstation 2 zu- und abgeführten Luft. Die Zufuhr
des zerstäubten Wassers wird mittels der Steuereinrichtung 14 geregelt. Die
Wasserzuführung wird ganz unterbrochen, wenn die Abkühlung auf eine bestimm
te Temperatur, z. B. 60°C, fortgeschritten ist. Als Maß für die Abkühlung wird dabei
auf die Temperaturdifferenz zwischen Zu- und Abführung der Luft zurückgegriffen.
Claims (8)
1. Verfahren zum Oberflächenhärten von Werkstücken mittels Elektronen
strahlen, bei denen mindestens zwei Teilflächen gehärtet werden, dadurch
gekennzeichnet, daß die Werkstücke nach dem Erwärmen und Selbstab
schrecken innerhalb der erforderlichen Härtezeit einer Teilfläche dem Re
zipienten entnommen werden, zunächst durch die Kombination eines Kühl
gasstromes mit einem zerstäubten Fluid abgekühlt, danach mit Hilfe des
Kühlgasstromes getrocknet und schließlich zur Härtung der nächsten
Teilfläche in den Rezipienten zurückgeführt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Kühlgas
Luft verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Fluid Was
ser verwendet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Men
ge der Fluidzufuhr und/oder die Länge der Zeitintervalle der Fluidzufuhr
nach Maßgabe der Dampfdruckdifferenz des Fluids zwischen Kühlgaszu-
und -abfuhrstrom der Kühlstation geregelt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die In
tervallpausen mit zunehmender Temperaturabnahme der Werkstücke ver
größert werden.
6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die In
tensität von Kühlgasstrom und Fluidzufuhr nach Maßgabe der abzuführen
den Wärmemenge und verfügbaren Kühlzeit gewählt wird.
7. Einrichtung zum Oberflächenhärten von Werkstücken
mittels Elektronenstrahlen, bestehend aus
einer Elektronenstrahlanlage, die über eine Transporteinrichtung mit einer
Kühlstation verbunden ist, nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß in der Kühlstation (2) ein Gebläse (7) und eine Zuführung (10) zur
Zerstäubung und Beimischung eines Fluids in den auf die Werkstücke (5)
gerichteten Kühlgasstrom (8) angeordnet sind und daß die Kühlstation (2)
bis auf die Eintrittsöffnung (11) für das Kühlgas und die Öffnung (9) für den
Austritt des Kühlgases geschlossen ist.
8. Einrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß in der Ein
trittsöffnung (11) und der Öffnung (9) Sensoren (12; 13) zur Bestimmung
des Dampfdrucks des Kühlgases angeordnet sind, die ihrerseits mit einer
Steuereinrichtung (14) für das Gebläse (8) und die Zuführung (10) verbun
den sind.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1995100879 DE19500879C1 (de) | 1995-01-13 | 1995-01-13 | Verfahren und Einrichtung zum Oberflächenhärten von Werkstücken mittels Elektronenstrahlen |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1995100879 DE19500879C1 (de) | 1995-01-13 | 1995-01-13 | Verfahren und Einrichtung zum Oberflächenhärten von Werkstücken mittels Elektronenstrahlen |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19500879C1 true DE19500879C1 (de) | 1996-08-29 |
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Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1995100879 Expired - Fee Related DE19500879C1 (de) | 1995-01-13 | 1995-01-13 | Verfahren und Einrichtung zum Oberflächenhärten von Werkstücken mittels Elektronenstrahlen |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19500879C1 (de) |
-
1995
- 1995-01-13 DE DE1995100879 patent/DE19500879C1/de not_active Expired - Fee Related
Non-Patent Citations (2)
| Title |
|---|
| Metallurgical Plant and Technology 5/1984, S. 74-80 * |
| VDI-Z 122(1980), Nr. 22, S. 1021-1028 * |
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