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"Edelmetall-Edelmetallverbindungs-Elektroden und Verfahren zu ihrer
Herstellung" Die Erfindung betrifft Edelmetall-Edelmetallverbihdungs Elektroden
mit guter Potentialkonstanz in Temperatur- und/ oder Konzentrationsschwankungen
unterworfenen Elektrolyten hoher Beständigkeit gegen korrodierende Elektrolyten
und guten mechanischen Eigenschaften, insbesondere hoher Beständigkeit gegen Erosion
durch strömende Iiedien, sowie ein Verfahren zur herstellung solcher Elektroden.
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Elektroden mit den vorstehend aufgeführten Eigenschaften werden beispielsweise
von den bekannten Mess- und/oder Regelsystemen zur Überwachung oder Steuerung des
Korrosionsschutzes von mit korrodierenden Elektrolyten in Berührung stehenden Metallkörpern
durch anodische Passivierung benötigt, bei denen als Parameter der Korrosionsanfälligkeit
des zu schützenden Metallkörpers dessen Potential gegen eine mit dem gleichen Elektrolyten
in elektrolytischleitender Verbindung stehende Normalelektrode gemessen wird. als
Normal- bzw. Bezugselektroden wurden für diesen Zweck häufig Kalomel-Elektroden
eingesetzt, die zwar relativ dauerhaft und vielseitig einsetzbar sind und eine verhältnismäßig
gute Potentialkonstanz besitzen, jedoch in anderer Beziehung mit einer Reihe von
Nachteilen behaftet sirn.
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Diese Nachteile sind hauptsächlich dadurch bedingt, daß es sich um
eine Flüssigkeitselektrode handelt. Um eine Verunreinigung der Elektrode zu verhindern,
muß daher als elektrisch leitfähige Verbindung zwischen dein korrodierenden Elektrolyten
und der Kalomelekek trode eine geeignete elktrochemische Elektrolytbrücke angeordnet
werden. Derartige Elektrolytbrücken für Normalelektroden sind schwierig zu installieren
und werfen außerdem das Problem der Verunreinigung des Elektrolyten durchdie Salzlösung
der Elektrolytbrücke auf. Außerdem muß die Elektrolytbrücke eine beträchtliche Zwänge
besitzen, wenn große Tanks voll korrodierender elektrolytischer Chemikalien geschützt
werden sollen. Sie ist zudem wenig bruchsicher und daher, insbesondere in heftig
bewegten Elektrolyten, mechanisch störanfällig. Weiterhin muß in Lagerbehältern
für korrodierende Elektrolyten, welche unter Druck gehalten werden, dafiir gesorgt
sein, daß ein Druckausgleich zur Salzlösung der Elektrolytbrücke vorhanden ist.
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Außer diesen Problemen, die auf der Notwendigkeit der Verwendung einer
Elektrolytbrücke beruhen, sind bei Ealomel-Elektroden noch weitere Nachteile gegeben.
Hierzu zählt die Abhängigkeit des Potentials der Kslomelelektrodevon der Temperatur.
Für Systeme bei denen die emperatur des korrodierenden Elektrolyten innerhalb eines
großen Bereichs schwankt, bedingt dies eine erhebliche Einschränkung der Einsatzfähigkeit.
Außerdem besteht eine gewisse Neigung zur Potentialänderung, wenn die Kalomelelektrode
in Elektrolyten zum Einsatz kommt, deren Konzentration sich beträchtlich ändert.
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Es wurden daher in anodischen Korrosionsschutzsystemen auch schon
andere Normalelektroden, und Der Silber-Silberchlorid-Llektroden benutzt, die zur
Klasse der reversiblen Edemetall-Edelmetallverbindungs-Elektorden gehören und als
Feststoffelektroden die grundsätzlich unerwünschte anwendung von Elektrolytbrücken
überflüssig machen, da sie direkt mit dem korrodierenäen
Eicktrolyten
in Berührung gebracht werden können. Auch diese Eleitroden sind jedoch nicht frei
von nachteilen.
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Silber-Silberchlorid-Normalelektroden sind nämlich ziemlich schwierig
herzustellen und bereiten wegen ihrer geringen Härte bei der anbringung einige Schwierigkeiten.
Die schwerwiegensten Mängel dieser Elektroden sind jedoch ihre Löslichkeit in Oleum,
das bei derartigen Korrosionscchutzsystemen häufig als Elektrolyt vorkommt, sowie
ihre Anfälligkeit für schwere Erosionen in stark bewegten ssytemen.
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Die verstehenden Ausführungen lassen erkennen, daß die gegenwärtig
gebräuchlichen Normslelektroden in verschiedener Einsicht den Anforderungen nicht
genügen, die bei einer Verwendung zur Bestimmung der Korrosionsanfälligkeit in korrosionsschutzsystemen
auf Grundlage der anodischen Polarisation an sie gestellt werden. Die Eigenschaften
einer idealen Normalelektrode fiir diesen Zweck lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
(a) Unlöslichkeit in Elektrolyten möglichst jeder in Betracht kommender Art und
Konzentration; (b) ausbildung eines elektrischen Potentials, das praktisch unbhängig
von der Elektrolytkonzentratien und der Temperatur ist; (c) eine Elektrolytbrücke
muß überflüssig sein; (d) die Elektroden müssen haltbar, d.h. insbesondere gegenüber
Erosion, Verschleiß und Stoß widerstandsfähig sein.
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Der Erfinding liegt daher die Aufgabe zugrunde Elektroden mit den
vorstehenden Eigenschaften zu schaffen, die den genannten bislang als Normalelektroden
eingesetzten bekannten Elektroden, insbesodnere silber-Silberchlorid-Elektroden
überlegen sind. Es wurde gefunden, daß Platin-Platinoxyd-Elektroden und Rhodium-Rhodiumoxyd-Elektroden
die gewünschten Eigenschaften besitzen.
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Gegenstand de rErfindung sind daher Edelmetall-Edelmetallverbindungs-Elektroden,
die gekennzeichnet sind durch einen Platin-Platinoxyd- oder einen Rhodium-rhodiumoxyd-Elektrodenkörper.
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Die neuen Elektroden der Erfindung besitzen eine Reihe von fortschrittlichen
Eigenschaften.
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So können@sie beispielsweise unmittelbar als-Normalelektroden mit
korrodierenden Elektrolyten in Berührung gebracht werden, deren Temperatur oder
Konzentration veränderlich sein kann, und die außerdem mit einem Metall in Berührung
stehen, dessen Korrosionsanfälligkeit be-stimmt werden soll. Änderungen der dabei
zwischen Metall und Nermalelektrode gemessenen Potentialdifferenz zeigen in diesem
Fall zuverlässig und genau Verånderungen der Passivierung des Metalls gegenüber
Kerrosionsangriff durch den Elektrolyten an, da das Potential der Bezugselektrode
sich in allen Fällen gegenüber dem Elekrolyten als praktisch konstant erwiesen hat.
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Die erfindungsgemäßen Elektroden besitzen also gegenüber der Kalomelelektrode
den Vorteil, daß sie mit dem korrodierenden Elektrolyten in unmittelbare Beruhrung
gebracht werden können und somit keine Elektrolytbrücke erforderlich ist. Außerdem
sind die Elektroden unter veränderlichen Temperaturbedingungen stabiler als die
Kalomelelektrode.
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Gegenüber den bekannten Silber-Silberchlorid-Elektroden weisen die
Elektroden der Erfindung außer einer-hervorragenden Potentialkonstanz bei Elektrelyttemperatur-
und -konzentrationsänderungen insbesondere den Vorteil einer ausgezeichneten Erosionsbeständigkeit
in bewegten Elektrode lyten, sowie einer außerordentlich geringen Löslichkeit in
praktisch allen in Betracht kommenden Elektriyten, auf.
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Wie bereits erwähnt, betrifft die Erfindung weiterhin ein Verfahren
zur Herstellung der vorstehend angegebenen neuen Edelmetall-Edelmetallverbindungs-Elektroden.
Das Verfahren der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß man metallisches Platin
oder Hhodium in einer Alkalinitrat-oder -chloratschmelze oberflächlich oxydiert.
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Platin-Platinoxyd-Elektroden lassen sich auf verschiedene weise herstellen,
wenn anstelle des monoxyds das Dioxyd des metalls entstehen soll. Es wurden auch
einige Platinmonoxyd-Elektroden hergestellt und geprüft, die sich sowohl in eisenfreier
als such in eisenhaltiger 67 %iger Schwefelsäure zufriedenstellend verhielten. Bei
einem herstellungsversuch wurde ein mit Platinschwarz überzogener Platinstab in
eine Kaliumchloratschmelze getaucht und dann in einen elektrischen Stromkreis geschaltet,
der durch die Salzschmelze hindurch zum Platinstab als Anode verlief. die Stromdichte
betrug auf der platinanode 92, mA/cm2.
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Nach etwa 3 Stunden ar auf den Platinstab ein dunkelgrauer Uberzug
entstanden, der sich bei der Untersuchung durch Elektrode nenstrahlbeugung als amorph
erwies. Der graue amorphe Überzug wurde indirekt durch die Unlöslichkeit der Elektrode
in Königswasser als platindioxyd identifiziert. Die übrigen Oxyde des Platins sind
zwar gleichfalls in Königswasser unlöslich, jedoch kristallin und nicht amorph.
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Nacn einem anderen Verfahren wurden Platin-Platindioxyd-Elektroden
dadurch hergestellt, daß ein Platinstab in einer Kaliumnitratsclimelze als Anode
in einem elektrischen Stromkreis geschaltet und mit einer stromdichte von 9,2 mA/cm2
behandelt wurde. In dem Fall zeigte der entstan amorphe Überzug auf dem Platin eine
leicht braune Farbe. Die Elektroenstrahlbeugung und die Unlöslichkeit in Königswasser
ließen jedoch auch bier erkennen, daß es sich um das fletalldioxyd und nicht um
das Monoxyd handelte.
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Vorzugsweise erfolgt die Darstellung de rplatin-Platindioxyd-Elektrode
jedoch in der Weis,e daß ein Platinstab in eine 400° C heiße Kaliumnitratschmelze
eingetaucht und droit mindestens 12 und vorzugsweise 24 Stunden belassen wird. Bei
den so hergestellten Elektroden war der amorphe Überzug glanzols und ohnc merkliche
Färbung. Auch hicr deuteten die Analysenergebnisse auf das Vorhandensein von Platindioxyd
im Überzug hin.
die spektralfotometrische Untersuchung der Oxydfilme
auf den Platin-Platinoxyd-Elektroden orgab, daß oder Film im Durchschnitt aus einem
Gemisch von PtO und PtO2 im Verhältnis von etwa 6 : 1 bestand. De Filmidke schwankte-zwischen
etwe 15 und 157 Atomlagen je nach herselungsmethode und weniger in Abhängigkeit
von der Reaktionsdauer bei der oxydativen Behandlung.
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Alle nach den beschriebenen Verfahren hergestellten Platin-Platinoxyd-Elektroden
ergaben in den verschiedenen Elektrolyten bei der Prüfung praktisch die gleichen
Potentialwerte.
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Aus diesem Grunde wurde die nach dem zuletzt geschlilderten verfahren
hergestellte Platin-Platinoxyd-Elektrode in den ei stern Tests verwendet, da sie
im Verglcich zu den anderen Platiin-Platinoxyd-Elektroden relativ leicht hergestellt
werden kants Soweit bekannt, wurden Platiin-Platindioxyd-Elektroden bisher noch
nicht hergestellt.
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In analogie zur Platin-Platinoxyd-Elektrode, wurde auch eine rhodium-rhodiumopxyd-Elektrode
hergestellt, indem ein Streifen rhodiummetall mindestens 12 Stunden lang und vorzugsweise
20 Stunden in eine 400° C heiße Kaliumnitratschmelze eingetaucht wurde. Die Art
des so entstandenen oxyds wurde nicht bestimmt, jedoch ist anzunehmen, daß es sich
hier um das erste Verfahren zur herstellung einer Rhodium-Rhodiumoxyd-Eletkrode
handelt.
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Bed der Prüfung der Rhodium-Rhodiumoxyd-Elektrode in Schwefelsäuren
unterschiedlicher Konzentration und temperatur ergaben sich Eigenschaften, die im
wesentlichen mit denen der Platinplatinoxyd-Elektrode identisch waren. Die Temperaturstabilitat
der Elektrode war sehr gut. Sowohl bei der Rhodium-Rhodiumoxyd-Elektrode als auch
bei der platin-Platinoxyd-Elektrode blieb das Potential im Bereich der verdünnten
schwefelsäure zwar praktisch konstant, änderte sich jedoch dann bei einer Säurekonzentration
von etwa 96 % sprunghaft und blicb nunmehr bei Konzentrationen von etwa 102 % bis
115 % Schwefelsäure stebil. Diese Versuche zur ermtitlung de rPotentialstabilität
gegenüber Schwefelsäure zeigen, daß asich Rhodium-rhodiumoxyd-Elektroden und Platin-Platinoxyd-
Elektroden
hervorragend zur Verwendung in korrodierender Schwefelsäure mit einem Gehalt von
weniger als 96 % H2SO4 oder mehr als 102 %t xCleum) eignen. Zwischen diesen beiden
Konzentratinsbereichen muß jedoch ein Kompensationsfaktor für die Änderung des Elektrodenpotentials
mit der Säurekonzentration berücksichtigt werden. Die besondere Eignung dieser Elektroden
liegt daher bei Oleum und bei Schwefelsäurekonzentrationen von weniger als 96 %.
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Die Eigenschaften der einzelnen Elektroden in unterschiedlichen Systenen
und die Natur der anodischen Korrosionsschutzsysteme, vl welchen erfindungsgemäße
Edelmetall-Edelmetalloxyd-Elektorden vorzugsweise eingesetzt werden, werden anhang
der Zeichnung und den graphischen Darstellungen im folgenden erörtert.
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Fig. 1 zeigt ein tisches Korrosionsschutzsystem auf Basis der anodischen
Solarisation mit einem Metallkessel 10 oder einem sonstigen Metallgegenstand, der
gegen Kerrosionseinflüsse eines damit in Beruhrung stehenden Elektrolyten 12 geschützt
werden soll. Das anodische Polarisationssystem selbst enthält eine Inertelektrode
14, die in den Elektrolyten 12 eintaucht und als Kathode gegenüber dem Metallkessel
10 wirkt, der seinerseits als Anode in einem elektrischen Stromkreis geschaltet
ist. Der Stromkreis wird aus einer Gleich. stromquelle 16 über elektriscne Leitungen
18 und 20 gespeist, wobei ein Schalter 22 zum Öffnen und Schließen des Strom kreises
vorgesehen ist.
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Das Öffnen und Schließen des Schalters 22 und damit der Stromdurchgang
wird mittels einer Normalekektrode 24 und einer geeigneten Regeleinrichtung 26 bewirkt.
Normalelektroden bekannter art erforderten im allgemeinen die Verwendung einer elektrolytisch
leitenden Verbindung bzw. einer Elektrolytbrücke 28, um die Normalelektrode leitend
mit der im metallkessel 10 befindlichen Elektrolytflüssigkeit zu verbinden.
ändert
sich die Korrosionsanfälligkeit des Metallkessels 10 gegenüber dem Elektrolyten
12, so ändert sich auch'das Potential des Metallkessels 10 gegenüber der Normal-elektrode
24 in definierter Weise. Eine Aussage über den Passivierungszustand des metallkessels
10 läßt sich daher durch Beobachtung der Veränderungen der Potentialdifferenz zwischen
Normalelektrode 24 und Metallkessel 10 gewinnen. Da das Potential einer zuverlässig
arbeitenden Normaleketrode praktisch konstant bleibt, deuten Änderungen der Potentialdifferenz
zwischen der Normalelektrode 24 und dem Metallkessel 10 auf eine Potentialänderung
des Metallkessels hin und damit auf eine Änderung seiner Korrosionsanfälligkeit.
Die Regeleinrichtung 26 setzt diese Änderung der Potentialdifferenz in Steuersignale
um, die den schalter 22 so betätigen, daß Strom durch den Elektrolyten fließt, wenn
dies zur Erhaltung oder Wiederherstellung des passivierten Zustandes des Metallkessels
10 erforderlich ist.
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Fig. 2 zeigt eine typische anodische Polarisationskurve.
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Diese Kurve ist für jeden Einzelfall charakteristisch und hängt in
ihrem Verlauf von dem speziellen Netallkörper bzw. -kessel, dem Elektrolyten und
sonstigen Bedingungen ab. Im passiven Zustand ist der zur Erhaltung dieses Zustands
erforderliche Strom sehr gering. Um andererseits aber 'aus dem Potentielbereich,
welcher den aktivierten Zustand des Metallkessels erkennen läßt, in den passivierten
Zustandsbereich zu kommen, muß eine relativ große Strommenge aufgewandt werden.
Wie in Fig. 2 gezeigt, besitzen die meisten elektrolytischen Systeme, welche einen
Korrosionsschutz erfordern, bemerkenswerterweise einen relativ großen Potentialbereich,
innerhalb dessen das Netallkesselmaterial dem Elektrolyten gegenüber passiviert
oder relativ inert ist. Aus diesem Grunde ist häufig eine isotherme Potential abweichung
von + Nillivolt für die Normalelektrode zulässig, ohne daß Fehler bei der zeitlichen
und mengenmäßigen Stromzufuhr entstehen.
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Wesentliche Aufgabe der vorliegenden Erfindung war Ca, wie gesagt,
neue Elektroden zu schaffen, die den in Korrosionsschutzsystemen des in Fig. 1 wiedergegebenen
Typs als Normalelektroden bisher verwendeten Kalomel-und Silber-silberchlorid-elektroden
überlegen sind.
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Zur Ermittlung der Eignung als Normalelektrede wurden die Elektroden
der Erfindung daher in vielen korrodierenden Elektrolyten getestet, darunter solchen,
bei deren Lagerung der Korrosionsschutz besonders wichtig ist. Dabei wurden als
Elektrolyten Schwefelsäure, Oleum, Phosphorsäure, Polyphosphorsäure, saure Eis'ensulfatlösung,
Natriumhydroxyd und Chromsäure verwendet. Bei allen diesen Elektrolyten kamen unterschiedliche
Konzentrationen und Temperaturen zur Anwendung. Außerdem wurden bei einigen Versuchen
gewisse Mengen Eisen in den Elektrolyten gelöst, um gegebenenfalls den Einfluß festzustellen,
den es auf die Elektrodenkonstanz ausübt. Der Zusatz beträchtlicher -Eisenmengen
zum Elektrolyten hatte den Zweck, den echten Bedingungen anodischer Polarisationssysteme,
die zu Korrosionsschutz eisenhaltiger Metalle benutzt werden, möglichst nahe zu
kommen.
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Zur genauen Ermittlung der Potentialänderungen der auf ihre Eignung
als Normalelektroden geprüften Elektroden der Erfindung wurde eine Versuchsanordnung
gewählt, die schematisch in Fig. 3 dargestellt ist. Bei früheren Versuchen hatte
es sich gezeigt, daß durch die Verschlechterung einer zwischen einen korrodierenden
Elektrolyten und eine Kalomel-Normalelektrode geschalteten Agarsalzbrücke eine fortlaufende
Änderung der zwischen dem Material und der Kalomel-Elektorde gemessenen EMK auftritt.
Der In Fig. 3 gezeigte Apaprat schließt die früher vorgekommenc Vermischung der
Lösung aus der Salzbrücke mit dem korrodierenden Elektrolyten bei der Prüfung des
Elektrodemmaterials aus.
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Fig. 3 zeigt ein Gefäß 30 aus Glas oder sonstigem Inertmaterial, das
den korrodierenden Elektrolyten für den
Test aufnimmt. Dieses Gefäß
ist mit einem Stopfen 32 verschlossen, durch welchen ein Thermometer 34 und das
zu prüfende Miektrodenmaterial 36 hindurchgeführt ist und im Innern des Gefäßes
30 in eine Elektrolytlösung 71 ein taucht. Das Gefäß 30 wird durch eine regelbare
lleizplattß 38 thermostatisiert. In einem weiteren Gefäß 46 befindet sich eine gesättigte
Kaliumchloridlösung 44, in die eine Kalomelelektrode 40 eintaucht. Die korrodierende
Elektrolytlösung 31 ist mit der gesättigten Kaliumchloridlösung 44 über seitlich
angebrachte Leitungen 48 bzw. 50 leitend verbunden. Dabei ist ein drittes Gefäß
54 vorgesehen, das gleichfalls mit gesättigter Kaliumchloridlösung 52 gefüllt ist.
Der Durchfluß des Elektrolyten 31 durch die seitliche Leitung 48 wird mittels Hähnen
56 und' 58 und durch eine Belüftungsleitung 60 -geregelt, welche mit der seitlichen
Leitung 48 verbunden und mit einem Hahn 62 ausgerüstet ist. Zur Regelung des Durchflusses
der gesättigten Kaliumchloridlösung durch die seitliche Leitung 50 ist ein Hahn
64 vorgesehen. Alle Hähne werden frei von Fett gehalten. Die kalomel-Normalelektrode
40 wird auf einer temperatur ovn etwa 25° C gehalten und die Potentialdifferenz
zwischen de rTestelektrode und der kalomel-Normalelektrode mit einem Gleichstrrom-Voltmeterf
einem Elektrometer oder einem sonstigen geeigneten Meßinstrument gemessen.
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Außer den erfindungsgemäßen Platin-Platinoxyd- und Rhodium-Rhodiumoxyd-Elektroden
wurde eine Reihe weiterer reversibler Metall-metlaloxyd-Elektroden untersucht, die
sich jedoch entweder wegen ihrer Löslichkeit in den verwendeten korrodierenden Elektrolytlösungen
oder wegen ihrer mangelhaften Potentialstabilität bezüglich Temperatur oder Konzentration
des Elektrolyten fiir eine Verwendung in Korrosionsschutzsystemen als ungeeignet
erwiesen.
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In Fig. 4 sind die ergebnisse der Potentialstabilitätsprüfung einer
Platin-Platinoxyd-elektrode in 67 %iger Schwefelsäure mti einem Gehalt von 54 TpH
Eisen graphisch dargestellt.
Die Temperaturstabilität dieser Elektrode
ist vergleichbar mit der der Kalomel-Elektrode. Uber einen Temperaturbereich von
100° C hinweg bewegt sich das gemessene Potential im Bereich von etwa 390-mV bis
490 mV. Ungeachtet dieser leichten Temepraturinstabilität der Platin-Platinoxyd-Elektrode
in eisenhaltiger Schwefelsäure bedingen die zahlreichen sonstigen Vorzüge ihre vielseitige
Eignung in anodischen Korrosionsschutzsystemen. So läßt Fig. 5 erkennen, daß die
Platin-Platinoxyd-Elektrode in einem stark eisenhaltigen Schwefelsäureelektrolyten
gut arbeitet.
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Ihre mittlere Potentialstabilität ist in 20 iger Natronlauge ebenfalls
hervorragend wie aus Fig. 6 hervorgeht.
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Die Temperaturstabilität der Platin-Platinoxyd-Elektrode ist in eisenfreier
85 %iger Phosphorsäure zwar befriedigend, jedoch nicht so gut wie in anderen Elektrolyten.
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Die Meßergebnisse in Phosphorsäure als Elektrolyt sind in der graphischen
Darstellung von Fig. 7 wiedergegeben.
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Wie ersichtlich, sind die Meßwerte von Fig. 7 einem Temperat'urbereich
von etwa 22 bis 1300 C zugeordnet.
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Zur Ermittlung der Langzeitbeständigkeit des Potentials der Platin-fl'binoxyd-Elektrode
wurden Versuche in eisenfreier 67 %iger Schwefelsäure bei 1000 C bzw. 250 C durchgeführt.
Die dabei erzielten Versuchsergebnisse sind in Fig. 8, die Ergebnisse eines weiteren
Langzeitversuchs in eisenfreier 85 %iger Phosphorsäure bei 250 C in Fig. 9 wiedergegeben.
In allen Fällen war die P.otentialstabilität dieser Elektrode über lange Zeiträume
hinweg hervorrangend, und in jedem Fall ebensogut oder besser als das Langzeitverhalten
der Kalomelelektrode.
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Weiterhin wurde die Platin-Platinoxyd-Elektrode zur Ermittelung ihrer
Potential stabilität in Phosphorsäurelösungen unterschiedlicher Konzentration getestet.
Die Ergebnisse der EMK-Messungen (gegen eine gesättigte Kalomelelektrode von 250
C) sind in nab. I wiedergegeben. Die PlatAin-Platinoxyd-Elektrede ist diesen Werter
zufolge gegenüber Konzentrationsänderungen der Phosphorsäure relativ
unempfindlich,
was auch dann gilt, wenn Polyphosphorsäure mit Gehalt an freies Phosphorpentoxyd
als Elektrolyt ein gesetzt wird.
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Tabelle I % H3PO4 EMK (mV) 85,9 365 96,3 340 115 340 Ein weiterer
Versuch zur Bestimmung der Potentialstabilität einer Platin-Platinoxyd-Elektrode
wurde in einem Chromsauregemisch durchgeführt, das aus 92 Gew.-Teilen Natriumbichromat-dihydrat,
458 Gef.-Teilen dest. Wasser und 800 Vol-Teilen konzentrierter Schwefelsäure (96
%) bestand. Es wurde die Zeit bestimmt, die zur Stabilisierung des Elektrodenpotentials
in dieser Chromschwefelsäure erforderlich war. Die Ergebisse finden sich in Tab.
II.
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Tabelle II Zeit (miin) # EMK (mV) 0 1250 5 1300 22 1380 30 1370 4-2
1370-102 1370 255 1370 Wie ersichtlich, erreichte die Paltin-Platinoxyd-Elektrode
rasch einen stabilen EMK-Wert, der über einen langen Zeitraum erhalten blieb. Diea
bestätigt die gute Langzeitstabilität dieser Eektrode, die bereits in Schwefelsaure
(vgl. fig. 8) festgestellt worden war.
dus den vorstehenden Yersuchsergebnissen
ist zu ersehen, daß sich die Elektroden der Erfindung hervorragend zur Verwendung
als Normalelektroden in Korrosionsschutzsysteinen auf Grundlage der anodischen Polarisation
eignen. Ihre Verwendbarkeit ist jedoch nicht nur auf diesen Zweck beschränkt. Sie
können vielmehr aufgrund ihres Aufbaus insbesondere überall dort mit Erfolg eingesetzt
werden ; wo es entscheidend auf mechanische Festigkeit und. leichte Installierbarkeit
ankommt. Außerdem ergibt sich aus der hervorragenden Temperatur und Konzentrationsbeständigkeit
der erfindungsgemäßen Elektroden ihre Eignung für ver-8chiedenartige analytische
Zwecke, bei denen Normalelektroden mit guter Potentialkonstanz benötigt werden.
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Die Elektroden der Erfindung scheinen ihre günstigen Sigenschaften
in sauren wie in basischen Elektrolyten unterschiedlicher Konzentration und Art
zu behalten.
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Die Verwendbarkeit der erfindungsgemäßen Elektroden für andere Aufgaben
als den in erster Linie behandelten Korrosionsschutzsystemenbesteht selbstverständlich,
so beispielsweise auf analytischem oder meßtechnischem Gebiet.