DE16399C - Verfahren zur Verbindung von Stahl und Eisen durch eine veränderte Heizmethode - Google Patents
Verfahren zur Verbindung von Stahl und Eisen durch eine veränderte HeizmethodeInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 18: Eisenerzeugung.
Patentirt im Deutschen Reiche vom ao. November 1880 ab.
Der Gegenstand der vorliegenden Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren, Stahl und Eisen
irgend welcher Qualität derartig mit einander vereinigen, dafs der erzielte Körper nicht
zu g,
nur die unterscheidenden Eigenschaften beider Metalle beibehält, sondern gleichzeitig von einer
so vollständig homogenen Textur ist, dafs weder eine weitere Bearbeitung in einem Walzoder
Hammerwerk, noch die Unterwerfung desselben zu »irgend einer Gewaltprobe jemals die
Trennung der beiden Metalle an ihren ursprünglichen Berührungsflächen hervorbringen kann.
Das Verfahren, wodurch dieses Resultat erreicht wird, besteht hauptsächlich:
1. in der Herstellung eines Packetes aus Stahl und Eisen irgend welcher Qualität und
Gestalt in der Weise, dafs ersteres Metall von letzterem fest umgeben, der Zutritt der Luft
abgeschlossen und der Stahl verhindert wird, herauszufliefsen, wenn er sich ganz oder theilweise
in flüssigem Zustand befindet;
2. in der Unterwerfung des so hergestellten Packetes einer sehr mäfsigen, äufserst langsam
gesteigerten Wärme, bis der Stahlkern theilweise oder ganz geschmolzen ist;
3. in der darauf stattzufindenden rapiden Erhitzung der äufseren Eisenhülle bis zu einer intensiven
Schweifshitze und
4. in dem Zusammendrücken des so geheizten Packetes zwischen Walzen oder unter
einem Hammer.
Die Zubereitung der Packete vor ihrer Erhitzung kann auf verschiedene Arten bewirkt
werden, je nach der endgültigen Bestimmung der Metalle, vorausgesetzt, dafs die oben erwähnten
Bedingungen erfüllt werden; es sollen daher nur einige einfache und billige Methoden
beschrieben werden, ohne dafs es nöthig wäre, sich ausschliefslich auf dieselben zu beschränken.
Handelt es sich z. B. um die Erzeugung von Stahleisenplatten, d. s. Platten, welche in ihrer
Mitte eine harte Stahlschicht haben und zu beiden Seiten von einer Schicht weichen Eisens
geschützt und mit derselben innig verbunden sind, so nehme man Puddeleisen von gewünschter
Breite und schneide dasselbe zu passenden Längen für den Boden und den Deckel der
kastenförmigen Umhüllung des Packets. Die Seiten- und Endstücke derselben werden alsdann
aus zwei Stücken Puddeleisen hergestellt, von denen jedes eine etwas mehr als die
Summe der Länge und Breite des Packets betragende Länge und eine solche Breite hat,
dafs dieselbe mit der Dicke der Boden- und Deckplatte die gewünschte Höhe des Packets
ausmacht. Diese Puddeleisenstücke werden, sobald sie das Walzwerk verlassen, heifs geschnitten
und dann zweimal zu einem rechten Winkel über einen gufseisernen Formblock gebogen,
so dafs die zwischen den beiden Winkeln gelegenen Theile mit den Endstücken des Packetes, welches sie zu bilden haben, correspondiren.
Diese beiden Eisenstücke werden so auf die Bodenplatte gesetzt, dafs letztere überall ungefähr um 13 mm hervorsteht. Sie
bilden zusammen mit dieser Platte, also in drei Stücken, den Boden des Packets und deren
Seiten- und Endstücke. Dieses kastenförmige Packet wird darauf ganz mit Stahl angefüllt,
welcher aus einem oder mehreren Stücken bestehen und auch oxydirt sein kann, durch
Auflegen der Deckplatte geschlossen und schliefs-
lieh zum Zweck des Zusammenhaltens der einzelnen Theile während des Heizens mit
hinreichend starkem Bandeisen oder Draht umwickelt wird.
Behufs Herstellung von Packeten zu anderen Zwecken als Platten oder Blechen benutze man
auf gleiche Länge geschnittene Boden-, Deckel- und Seitenplatten und bilde die Enden durch
zweimal zu einem rechten oder anderen Winkel gebogene Eisenstücke, deren Höhe mit
der der Seitenplatten übereinstimmt und deren umgebogene Enden innerhalb oder zwischen den
letzteren zu liegen kommen.
In diesem Falle werden die Seiten und Enden mit den Kanten der Bodenplatte so ausgeglichen,
dafs der oben erwähnte, für Platten und Bleche erforderliche Vorsprung wegfällt.
Das Packet wird darauf mit Stahlstücken oder Platten angefüllt, welche für gewisse Zwecke
auch mit Eisenstücken oder Platten abwechseln können, durch Auflegen des Deckels geschlossen
und mit Draht oder Bandeisen zusammengebunden. Dasselbe kann alsdann dem Heizprocefs
unterworfen werden.
Auf solche Weise hergestellte Packete werden im Ofen hinreichend dicht, so dafs die Luft
abgehalten und der plastische oder flüssige Stahl verhindert wird, aus demselben herauszufliefsen.
Das Erwärmen der Packete, welches in einem guten Eisen-, Glüh- oder Schweifsofen
stattzufinden hat, mufs mit einer gelinden Wärme beginnen. Die Hitze darf nur sehr langsam
gesteigert werden, so dafs dieselbe genügend Zeit hat, Grad für Grad in den Stahlkern
zu dringen, bis endlich ein theilweises oder vollständiges Schmelzen desselben stattgefunden
hat. Nachdem dieser Punkt erreicht worden ist, wird die äufsere Eisenhülle einer schnellen
intensiven Hitze unterworfen, und sobald dieselbe in die erforderliche Schweifshitze gebracht
worden ist, wird das Packet zwischen Walzen oder unter einen Hammer gebracht und hier
zusammengedrückt.
Während dieses Heizverfahrens findet ein chemischer Vorgang in den beiden Metallen
statt, welcher darin besteht, dafs die geschmolzenen äufseren Stahlschichten an die sie berührenden
Eisentheilchen einen Theil ihres Kohlenstoffes abgeben.
Infolge dieser Reaction verschwindet die bisher bestehende Verschiedenheit in der Natur
der beiden Metalle in der Nähe der Berührungspunkte nach und nach; die sie berührenden
Stahl- und Eisentheilchen werden schliefslich dieselbe Natur und denselben Schmelzpunkt
erreichen und sich daher leicht vereinigen.
Da jedoch einerseits die sich berührenden Flächen der beiden Metalle nicht so nahe an
einander gebracht werden können, um jeden zwischenliegenden Raum vollständig auszuschliefsen,
und da andererseits das Eisen infolge seines festen Zustandes verhindert ist, nachzugeben,
so werden sich die betreffenden Stahl- und Eisentheilchen, indem sie sich ein wenig
ausdehnen, einander nähern. Der Zweck, dafs man die Eisenhülle in Schweifshitze bringt und
dann das Packet zusammendrückt, ist der, die· zwischen den Molecülen der beiden Metalle
hervorgerufene gegenseitige Attraction mechanisch zu unterstützen und so ihre innige Vereinigung
zu bewirken.
Chemische Analysen haben ergeben, dafs, obgleich die Packete im letzten Heizstadium
einer Hitze unterworfen werden, welche für nackten Stahl nicht ohne Einflufs sein würde,
dennoch der Kohlenstoffgehalt des letzteren, selbst nach wiederholten Manipulationen, um
nicht mehr als 0,01 differirt.
Ferner haben angestellte Spalt- und Bruchproben ergeben, dafs eine Trennung der nach
obigem Verfahren vereinigten Metalle niemals an der ursprünglichen Berührungsfläche, sondern
stets im schwächeren Metalle stattfindet, während eine derartige Trennung an der Berührungsfläche
sehr leicht ist, sobald die beiden Metalle auf gewöhnliche Weise sehr schnell erhitzt
werden, da im letzteren Fall eine chemische Reaction der äufseren Stahlschichten auf die
denselben am nächsten gelegenen Eisentheilchen bei der schnellen Steigerung der Hitze verhindert
wird, und das erzielte Resultat nur ein gewisses Zusammenhaften der beiden Metalle,
aber keine so vollständige Vereinigung wie im ersten Falle ist.
Der Charakter der zu benutzenden Metalle bildet ein sehr wichtiges Element. Ist z. B.
sehr grofse Dehnbarkeit in kaltem oder warmem Zustande, verbunden mit aufserordentlicher
Festigkeit oder Belastungsfähigkeit, erforderlich, so gebraucht man Puddeleisen bester Qualität
und reinen Stahl mit hohem Kohlenstoffgehalt. Man wird dann nach dem neuen Verfahren ein
Product erzielen, welches die besten Eigenschaften beider Metalle in sich vereinigt.
Ist eine sehr harte Abnutzfläche erforderlich, «wie z. B. bei Eisenbahnschienen, Radreifen für
Strafsenfuhrwerk, Hufeisen und dergleichen mehr, so benutzt man Eisen mit hohem Phosphorgehalt
und Stahl mit geringem Kohlenstoffgehalt und erzielt dadurch die gewünschte harte
Oberfläche und einen zähen Kern.
Dieses Product kann kalt und warm mit grofser Leichtigkeit bearbeitet werden und besitzt
grofe Härte, Belastungsfähigkeit und Zähigkeit. Es mufs hier bemerkt werden, dafs die
Qualität des zur Verwendung gekommenen Phosphoreisens bei der Behandlung nach dem
neuen Verfahren verbessert wird.
Diese, wie alle anderen nach dem neuen Verfahren hergestellten Producte können durch Hämmern,
Walzen oder auf andere Weise in irgend
eine gewünschte Form gebracht werden, genau so, als wenn sie aus reinem Schmiedeisen wären.
Es finden sich in dem vollendeten Fabrikate dieselben relativen Proportionen vor, welche
zwischen den beiden Metallen in dem Packet existiren, d. h. die äufsere Eisenhülle wird auf
der ganzen Länge des fertiggestellten Fabrikates überall dieselbe Stärke haben, vorausgesetzt
natürlich, dafs das Puddeleisen gleichmäfsig gewalzt war.
Hieraus erhellt, dafs bei passender Wahl der Stahl- und Eisenqualitäten und ihrer Quantitätsverhältnisse zu einander irgend eine erforderliche
Qualität zwischen der mittleren Dehnbarkeit und Tragfähigkeit des kohlenstoffhaltigen
Eisens bezw. kohlenstoffarmen Stahles und der hohen Dehnbarkeit (in kaltem Zustande) und
hohen Tragfähigkeit des kohlenstofffreien Eisens bezw. kohlenstoffreichsten Stahls erzielt werden
kann.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Das Heizverfahren, nach welchem Stahlstücke in einer dieselben kastenförmig dicht umschliefsenden Eisenhülle bei langsam gesteigerter Wärme theilweise oder ganz geschmolzen werden, worauf die Eisenhülle mit grofser Schnelligkeit in Schweifshitze gebracht wird.
Publications (1)
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