DE1626095C - Feststoffraketentriebwerk mit einem Hilfsgas zur Stabilisierung der Verbrennung - Google Patents
Feststoffraketentriebwerk mit einem Hilfsgas zur Stabilisierung der VerbrennungInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Feststoffraketentriebwerk mit einem Hilfsgas zur Stabilisierung der Verbrennung,
welches Hilfsgas zusammen mit dem in der Brennkammer verbrannten Treibmittel der
Schuberzeugung dient.
Zu diesem Zweck sind bei einem bekannten Feststofftriebwerk
dem Treibmittel Zusatzstoffe wie Kohle, Aluminium und Aluminiumoxyd zugesetzt worden, welche Stoffe bei der Verbrennung stabilisierend
einwirken.
Unregelmäßigkeiten in der Abbrenngeschwindigkeit von festen Raketentreibmitteln, wie sie auch
beim bekannten Triebwerk nicht auszuschließen sind, verursachen Änderungen des Betriebsdrucks der
Raketen. Diese Änderungen machen gewöhnlich ± 5% vom vorgesehenen Betriebsdruck aus. Jedoch
können unter extremen Bedingungen sogar Drücke auftreten, die weit höher liegen als der vorgesehene
Betriebsdruck.
Die genannten Unregelmäßigkeiten im Abbrandverhalten haben im allgemeinen zwei Formen der
Oszillation zufolge, nämlich eine longitudinale und eine kreisförmige Oszillation, welche beide von Wirbeln
begleitet sind. Die Ausbildung eines Wirbels hat bei Feststoffraketentriebwerken oftmals wegen des
damit verbundenen unregelmäßigen Abbrands des Treibmittels den Bruch des Raketengehäuses zur
Folge. Weiterhin kann die Ausbildung eines solchen Wirbels die Richtungsstabilität der Rakete nachteilig
beeinflussen. Schließlich können die mit den Oszillationen verbundeneriVibrationen Einrichtungen stören,
die am Kopfende der Rakete angeordnet sind.
Es sind bereits Resonanzstäbe zur Stabilisierung der Verbrennung bekannt, aber ein Nachteil dieser
Maßnahme wird darin gesehen, daß die Resonanzstäbe das Gewicht des Raketentriebwerks erhöhen.
Als weiterer Nachteil bei Raketenantrieben mit festen Treibmitteln muß angesehen werden, daß die Resonanzstäbe
bei der Stabilisierung der Verbrennung in dem Maße weniger wirksam werden, als der zentrale
Gaskanal durch das Treibmittel während der Verbrennung größer wird. Jedoch bezieht sich die Erfindung
nicht auf Raketentriebwerke mit Resonanzstäben zur Stabilisierung der Verbrennung.
Aufgabe der Erfindung ist es, bei dem eingangs genannten Feststoffraketentriebwerk Maßnahmen zu
treffen, durch welche unter Verwendung eines Hilfsgases die Verhältnisse in Bezug auf die Stabilität der
Verbrennung, also zur Vermeidung der geschilderten Nachteile, verbessert werden. ,
Zur Lösung dieser Aufgabe gelangt das Hilfsgas durch eine gerade Anzahl von Paaren von Einströmöffnungen
in die Brennkammer, wobei die Einströmöffnungen in gleichem Abstand voneinander in ein und
derselben Radialebene der Brennkammer unmittelbar an deren stromaufwärtigem Ende auf einem Kreis
angeordnet sind, dessen Mittelpunkt auf der Längsachse der Brennkammer liegt; hierbei sind die beiden
Einströmöffnungen eines jeden Paares voneinander weg gerichtet, wobei die Einströmrichtung des HiI fsgases
in die Brennkammer durch die Tangente an dem genannten Kreis bestimmt ist.
Durch diese Maßnahmen wird eine dem unregelmäßigen Abbrennen entgegengerichtete Wirkung hervorgerufen.
Vermutlich wird dies dadurch erreicht, daß die Hilfsgasströme die Stabilität der stehenden
Tangcntialwelle der Druck- und Geschwindigkeitsoszillationen in der Brennkammer in bezug auf die
laufende Tangentialwelle vergrößern, d. h., die stehende Welle vergrößert sich auf Kosten der laufenden
Welle. Als Folge davon wird die unerwünschte Wirbelbildung und das hiervon herrührende unregelmäßige
Abbrennen, das mit der laufenden Welle verknüpft ist, beträchtlich herabgesetzt.
Vorzugsweise sind die Einströmöffnungen nahe der inneren Umfangswand der Brennkammer angeordnet,
z. B. zwei oder vier Paare von Einströmöffnungen, es kann aber auch eine größere, jedoch gerade Anzahl
von Paaren verwendet werden. Die Anordnung bei einer Ausführungsform mit zwei Paaren von Einströmöffnungen
ist derart, daß vier Hilfsgasströme gebildet werden und aufeinanderfolgende Hilfsgasströme
sich in entgegengesetzter Richtung entlang des entsprechenden Teilumfangs der Brennkammer bewegen.
Die Anzahl der Umkehrungen von Hilfsgasströmen ist bei Anordnungen, bei denen mehr als
zwei Einströmöffnungspaare verwendet werden, natürlich größer. Das Ergebnis ist, daß eine Vielzahl
von Wirbelbewegungen des durch die Einströmöffnungen eingeführten Hilfsgases stromaufwärts der
Brennkammer erzeugt werden.
Der Mengenanteil des Hilfsgasstromes liegt vorzugsweise innerhalb eines Betrages von 1 bis 5°/o,
z. B. 2 bis 40Zo, bezogen auf den Gesamtgasfluß aus
dem Raketentriebwerk.
Die Hilfsgasströme können aus verschiedenen Quellen kommen. Diese können vom Treibmittel
vollständig getrennt sein. Bei einer ersten Ausführungsform werden die Gaseinströmöffnungen an der
Raketenkopfplatte befestigt und mit Gas, das aus der in einem eigenen Generator vorgenommenen Verbrennung
eines Hilfsgastreibmittels stammt, gespeist, welches Hilfsgastreibmittel an der dem Raketentreibmittel
gegenüberliegenden Seite der Kopfplatte angeordnet ist. Bei einer anderen Ausführungsform
bildet ein Gasvorrat von Stickstoff oder Sauerstoff das Hilfsgas. Ein Vorteil der Ausführungsform unter
Verwendung gesonderter Gasquellen besteht darin, daß der Gasausstoß aus diesen Quellen das Verbrennungsgas
ergänzt, das nämlich durch die Verbrennung des in diesem Fall als Haupttreibmittel anzusehenden
eigentlichen Raketentreibstoffs erzeugt wird. Bei einer dritten Ausführungsform dient ein Teil der
aus dem Raketentreibmittel erzeugten Verbrennungsgase als Hilfsgas.
In zweckmäßiger Weise werden die Hilfsgasströme erst nach Zündung des Treibmittels wirksam, da die
Einführung von Hilfsgas vor der Zündung die Funktion des Zünders stören könnte. Es ist also zweckmäßig,
den das Hilfsgas liefernden Generator unmittelbar nach Zündung des Treibmittels in Betrieb
zu setzen, um eine maximale Stabilisierungswirkung in bezug auf die Verbrennung zu erzielen.
Eine bevorzugte Ausführungsform der erfindungsgemäßen Feststoffrakete bzw. ein Versuchsraketentriebwerk
zur Verdeutlichung der Wirkungsweise der Hilfsgasströme bei der Feststoffrakete werden an
Hand der Zeichnungen näher erläutert. Es zeigt
F i g. 1 schematisch ein Versuchsraketentriebwerk, das mit einer gesonderten Gasquelle für Hilfsgasströme
ausgerüstet ist,
F i g. 2 einen schematischen Querschnitt durch die Hilfsgasdüsen des Triebwerks gemäß Fig. 1,
Fig. 3 einen Längsschnitt durch ein Feststoff
raketentriebwerk mit Einrichtungen zur Stabilisierung
der Verbrennung durch Hilfsgas,
Fig. 4 einen Querschnitt entlang der Linie IV-IV
in Fig. 3,
Fig. 5 bis 8 Druck-Zeitdiagramme zur Verdeutlichung der mit dem Hilfsgas zu erzielenden, die Verbrennung
stabilisierenden Wirkung.
F i g. 1 zeigt schematisch ein Versuchsraketentriebwerk 10, das mit zwei Paaren von Gaseinströmöffnungen
ausgerüstet ist, die an einem T-förmigen Aufbau als Düsen 11 ausgebildet sind, durch deren öffnungen
16 das Hilfsgas in die Brennkammer einströmt. An jedem Ende des horizontalen Teils des
T-förmigen Aufbaus ist eine solche Düse angeordnet. Ein Stickstoffzylinder 12 ist mit den Düsen 11 über
Leitungen 13 und 14 und einem Solenoidventil 15 verbunden. Der Stickstoffdruck wird während des
Betriebs der Rakete auf 140 at gehalten. Der als Hilfsgas dienende Stickstoff macht mengenmäßig 4 0Zo
der gesamten Strömung aus dem Raketentriebwerk 10 aus. F i g. 2 zeigt mit Hilfe von Pfeillinien den Weg
an, welchen die Hilfsgasströme nach dem Austritt aus den Düsen 11 nehmen.
h Zwar stellt die an Hand der Fig. 1 und 2 beschrie-"
bene Ausführungsform ein Versuchsraketentriebwerk dar, aber es ist selbstverständlich, daß bei einer für
den Flugeinsatz bestimmten Rakete eine Stickstoffquelle und die damit verbundenen Zuführrohre und
das Ventil innerhalb des Bereichs des Kopfendes der Rakete angeordnet sein können. An Stelle von Stickstoff
kann auch Sauerstoff als Hilfsgas verwendet werden.
Eine weitere Ausführungsform, die in F i g. 3 und 4 dargestellt ist, besitzt eine Brennkammer 17 mit einer
Austrittsdüse 18. Die Brennkammer 17 enthält ein festes Treibmittel 19 als Innenbrenner mit einem zentralen
Kanal 20. Eine Kopfplatte 21 ist mit einer gasdichten Passung am stromaufwärtigen Ende der
Brennkammer 17 befestigt. Ein Kopfgehäuse 22, das ein Treibmittel 23 für die Hilfsgaserzeugung enthält,
ist an der Kopfplatte 21 ebenfalls in gasdichter Passung angebracht. Ein Schwarzpulverzünder 24 für die
Zündung des Treibmittels 19 ist an der diesem Treibmittel 19 gegenüberliegenden Seite der Kopfplatte 21
angebracht. An der anderen Seite der Kopfplatte 21 ist für die Zündung des gaserzeugenden Hilfstreibmittels
23 ein Zünder 25, zweckmäßig ebenfalls aus Schwarzpulver, angebracht. Andere Zündvorrichtungen,
wie z. B. pyrogene oder hypergolische, sind gleich gut verwendbar. Jede von zwei Öffnungen 26
in der Kopfplatte 21 steht mit zwei Einströmöffnungen 28 in Verbindung, die am T-förmigen Aufbau 27
angeordnet sind, so daß die Hilfsgasströme durch die öffnungen 28 an jedem Ende des horizontalen
T-Teils in die Brennkammer 17 einströmen können. Zum Betrieb wird das im vorliegenden Fall als
Haupttreibmittel anzusehende Treibmittel 19 und das der Hilfsgaserzeugung dienende Treibmittel 23 mit
Hilfe der genannten Zünder 24 und 25 gezündet. Das Hilfsgas tritt unter Druck aus dem Kopfgehäuse 22
durch die Öffnungen 26 und durch jede der Einströmöffnungen 28 in die Brennkammer 17 in einem Bereich
stromaufwärts des Haupttreibmittels 19 ein,
wo es eine Vielzahl von Wirbeln erzeugt und jeglicher Neigung zu einem unregelmäßigen Abbrennen des
Haupttreibmittels entgegenwirkt. Der gesamte Hilfsgasfluß durch die öffnungen 28 beträgt ungefähr 4η,Ό
des Gesamtgasfhisses durch die Austrittsdüse 18.
Die F i g. 5 bis 8 zeigen Druck-Zeitdiagramme, bei denen für ein Versuchsraketentriebwerk mit einem
Durchmesser von 15,2 cm der Betriebsdruck in Einheiten von 0,07 at auf der Ordinate und die Zeit in
Sekunden auf der Abszisse aufgetragen sind. Dieses Triebwerk weist zwei am stromaufwärtigen Ende der
Brennkammer angeordnete Paare von Hilfsgasdüsen auf. Nach Bedarf wurde Stickstoff aus den Hilfsgasdüsen
in die Brennkammer eingeleitet, der mengenmäßig ungefähr 4% der gesamten, die Rakete verlassenden
Gasmenge ausmacht. Der in der Brennkammer herrschende Betriebsdruck ist als durchgezogene
Linie und der Stickstoffdruck als gestrichelte Linie aufgetragen; eine strichpunktierte Linie ist dann
verwendet, wenn die durchgezogene Linie und die gestrichelte Linie zusammenfallen.
Fig. 5 zeigt ein typisches Niederfrequenzdruckdiagramm des Brennkammerdrucks ohne Stickstoffeinführung
durch die T-förmigen Hilfsgasdüsen. Durch Film aufgenommene Messungen der radialen
Druckverteilung haben gezeigt, daß die starken Druckspitzen der Bildung von einzelnen Wirbeln im
Raketentriebwerk zuzuordnen sind. Fig. 6 zeigt die Wirkung des Beginns der Einführung von Stickstoff
als Hilfsgas durch die T-förmigen Düsen in die Brennkammer unmittelbar nach der Zündung bei ungefähr
1000 Druckeinheiten (wie oben definiert). Das Niederfrequenzdruckdiagramm zeigt, daß ein unregelmäßiges
Abbrennen vollständig verhindert wurde (mit Ausnahme einer kleinen Druckspitze beim Einschalten
der Düsen).
Diese Ergebnisse wurden durch viele Versuche be-■
stätigt. Es hat sich als notwendig erwiesen, den Stickstoff nach der Zündung der Hauptantriebsladung einzuschalten,
da die Einführung von Stickstoff vor der Zündung den Zünder für das Haupt.treibmittel durch
die Düse hinausblasen würde.
Wenn die Stickstoffzufuhr nach der halben Brennzeit unterbrochen wird, dann kehrt die Rakete zu
ihrem unregelmäßigen Brennverhalten zurück, wie es durch Fig. 7 gezeigt ist. Ein einziger Wirbel ist für
das unregelmäßige Brennen verantwortlich.
F i g. 8 zeigt die Wirkung einer verzögerten Stickstoffeinführung,
die erst zu einem Zeitpunkt erfolgt, in dem sich eine Instabilität bereits eingestellt hat.
Es ist ersichtlich, daß das unregelmäßige Abbrennen auf diese Weise nicht so wirksam stabilisiert werden
kann. Deshalb ist es zur Erzielung guter Ergebnisse wichtig, die Stickstoffzufuhr einzuschalten, be\or die
. Verbrennung instabil wird.
Es wurde in anderen Versuchen festgestellt, daß Sauerstoff bei der Stabilisierung der Verbrennung
genauso wirksam ist wie Stickstoff.
Claims (8)
- Patentansprüche:J. Feststoffraketentriebwerk mit einem Hilfsgas zur Stabilisierung der Verbrennung, welches Hilfsgas zusammen mit dem in der Brennkammer verbrannten Treibmittel der Schuberzeugung dient, dadurch gekennzeichnet, daß das Hilfsgas durch eine gerade Anzahl von Paaren von Einströmöffnungen (28) in die Brennkammer gelangt, wobei die Einströmöffnungen (28) in gleichem Abstand voneinander in ein und derselben Radialebene der Brennkammer unmittclbar an deren stromaufwärtigem Ende auf einem Kreis angeordnet sind, dessen Mittelpunkt auf der Längsachse der Brennkammer liegt, und daß die beiden ninströmölTnungen(28) eines jeden Paaresvoneinander weg gerichtet sind, wobei die Einströmrichtung des Hilfsgases in die Brennkammer durch die Tangente an dem genannten Kreis be- . stimmt ist.
- 2. Raketentriebwerk nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Einströmöffnungen (28) nahe der inneren Umfangswand der Brennkammer angeordnet sind.
- 3. Raketentriebwerk nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Hilfsgas in einem eigenen Generator (22, 23) erzeugt wird.
- 4. Raketentriebwerk nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Hilfsgas Stickstoff oder Sauerstoff ist.
- 5. Raketentriebwerk nach Anspruch 1 oder 2,dadurch gekennzeichnet, daß ein Teil der aus dem Treibmittel erzeugten Verbrennungsgase als Hilfsgas dient.
- 6. Raketentriebwerk nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß zwei oder vier Paare von Einströmöffnungen (28) vorhanden sind.
- 7. Raketentriebwerk nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Mengenanteil des Hilfsgases an der das Triebwerk Verlassenden gesamten Gasmenge 1 bis 5% beträgt.
- 8. Raketentriebwerk nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Generator (22,23) unmittelbar nach Zündung des Treibmittels in Betrieb gesetzt wird.Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
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