DE1694338A1 - Kunstharz-Formmasse und Verfahren zu ihrer Herstellung - Google Patents
Kunstharz-Formmasse und Verfahren zu ihrer HerstellungInfo
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Description
Me Erfindung betrifft die Herstellung von Kunstharzen mit verbesserten Eigenschaften zum Pressen und Spritzen, insbesondere
zum Spritzgießen "bei verhältnismäßig hohen Temperaturen.
Polyvinylchlorid ist typisch für die Kunstharze, die gemäß der Erfindung zu ausgezeichneten Spritzgußmassen
verbessert werden können.
Polyvinylchlorid ist ein in großem Umfange verwendetes Kunstharz. Es kann geknetet und geformt, gelöst und zu Folien
gegossen sowie stranggepresst oder zu starren Formen gepresst werden. Bei den Verfahren zur Formung von Kunstharzen liegt
das Polymere im allgemeinen in irgendeiner Phase des Verfahrens im Schmelzfluss vor. Trotz seiner Beliebtheit bei den
Harzverarbeitern hat Polyvinylchlorid von Natur aus eine hohe Schmelzviskosität bei normalen Verarbeitungstemperaturen
(150 bis 2000C) in Verbindung mit verhältnismäßig
schlechter Wärmebeständigkeit. Die Arbeitsgänge bei Verfahren zur Herstellung von Gegenständen aus Polyvinylchlorid pflegen
daher langsamer vonstatten zu gehen, als dies erwünscht ist.
Gelegentlich ist je nach der Dicke und Gestalt des hergestellten Gegenstandes ein ausreichender Schmelzfluss des
Harzes beim Spritzgießen unmöglich zu erreichen, ohne daß
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einige der grundlegend günstigen Eigenschaften des Harzes verschlechtert werden. Polyvinylchlorid von normalem Molekulargewicht,
d.h. ein Harz mit einem aus dem Gewicht ermittelten mittleren Molekulargewicht von mehr als 10O4OOC^
kann nicht durch Spritzgießen verarbeitet werden, ohne daß extreme Bedingungen angewendet werden, bei denen das Harz
abgebaut wird. In der Praxis werden zum Spritzgießen Harze von niedrigerem Molekulargewicht verwendet. Bei dieser
Praxis werden thermische Stabilität, Zugfestigkeit und andere Eigenschaften der hergestellten Gegenstände aufgegeben»
Es ist festgestellt worden, daß verbesserte Preß- und Spritzeigenschaften erzielt werden können, wenn erreicht
werden kann, daß das Harz als Einzelteilchen und nicht als geschlossene viskose Masse fließt. Die Teilchen können dann
in einer späten Phase beim Formgebungsvorgang zu einer einzigen Masse verschmolzen werden. Dieses Konsept führte zu
den sog. Spezialpressharzen, die verbesserte Verarbeitbarkeit gegenüber den Standardtypen von Polyvinylchloriden aufweisen.
Es wird angenommen, daß auch diese sog, Spezialpressharze, die auf harten, kugelförmigen Teilchen basieren und niedrigere
Schmelzflussviskositäten haben als die Standardtypen der Polyvinylchloridharze, die auf porösen, schmelzbaren
Teilchen basieren, die unter den Pressbedingungen honigartige Massen bilden, eine Matrix bilden, in der die Teilchen sich
bewegen. Diese Matrix wird durch teilweises Schmelzen der Oberfläche der Teilchen gebildet. Wenn die Harzteilchen
ausschließlich aus Polyvinylchlorid bestehen, besteht auch die Matrix aus Polyvinylchlorid. Während somit die Teilchen
sich In einer viskosen Polyvinylchloridmatrix bewegen, haben sie nicht die optimalen Verarbeitungseigenschaften· Bei den
hohen Temperaturen, die beim Spritzgießen angewendet werden, gehen salbet die Spezialpressharze in den viskosen Schmelzfluss
über, und die Harsse sind in der Spritzgußmasohine
unbrauchbar·
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Gegenstand der Erfindung sind Polyvinylchloridharze mit verbesserten Schmelzfluss- und Press- und Spritzeigenschaften.
GemäÄ der Erfindung werden die Harzteilchen so
modifiziert, daß geregeltes Schmelzen möglich ist. Die erfindungsgemäßen modifizierten Polymeren werden durch
wahres Teilchenf ließen verarbeitet, und sie werden in einer
späten Phase des Press- und Spritzvorgangs durch Anwendung zusätzlicher Wärme geschmolzen. Das mit diesen neuen Harzen
mögliche Strangpressen von Pulvergemischen hat im Vergleich zu den Pressverfahren unter Verwendung von granulierten
Harzen die Vorteile einer besseren Wärmebeständigkeit, eines geringeren Abfalls, einer leichten Aufarbeitung von Abfällen
und einer besseren Produktqualität. Die Anwendung der Schmelzwärme erst spät beim Pressvorgang führt zu einer
geringeren Wärmebeanspruchung des Polymeren, als dies sonst möglich ist. Geregelte Schmelzbarkeit wird erreicht durch
Umhüllen der Harzteilchen mit ausgewählten Polymerüberzügen. Die chemische Natur dieses Polymerüberzuges wird so gewählt,
daß er mit dem Polyvinylchlorid, das die Hauptmasse des Teilchens ausmacht, unverträglich ist.
Die bevorzugten Materialien für die Verwendung als Überzugspolymere
für die Zwecke der Erfindung sind polymere Harae, die Fluorsubstituentengruppen enthalten. Fluorkohlenstoffpolymere
pflegen mit den meisten anderen Kunstharzen unverträglich zu sein und ergeben die größte Grenzflächenspannung
zwischen den Überzugspolymeren und dem Polyvinylchloridkern. Die fluorhaltigen Polymeren haben ausgezeichnete Schmiereigenschaften.
Sie stellen somit ausgezeichnete Überzugsmaterialien für Harzteilohen dar und bilden extrem dünne
Filme um die betreffenden leuchen und gewährleisten gute
Gleiteigenschaften zwischen den überzogenen Teilchen, während diese Teilchen unter dem Einfluß von Wärme und Druck in
irgendeine Gestalt in einer Form gepresst werden. Poly(tetra- £lttoräthylen), Poly(chlortrifluoräthylen), Poly(difluoräthy-
len), Polyivinyldichlordifluoroyclobutan) und Polyfluorkohlen-
109830/1517 bad original
stoffacrylate und -methacrylate der Formel
R 0
t it .
OH2 = C - C - 0 - CH2(CF2CF2)n H
in der R für Wasserstoff oder einen Methylrest steht und
η eine ganze Zahl von 2-6 ist, sind ausgezeichnete Materialien für die Zwecke der Erfindung, jedoch können auch "beliebige
polymerisierbar Fluorkohlenstoffe verwendet werden* Diese Polyfluoralkylacrylate und -methacrylate können leicht
durch Umsetzung von Acrylsäure, Methacrylsäure, ihren Halogeniden oder Anhydriden mit einem Tetrafluoräthylen/Methanol-Telomeren
der Formel
H(CE2CF2)n CH2OH
in der η eine ganze Zahl von 2 bis 6 ist, hergestellt werden,
wie in den U.S.A«-PatentSchriften 2 559 628 und 2 628 958
beschrieben. Die Verträglichkeit des als Überzug verwendeten Polymeren mit dem Polyvinylchlorid läßt sich leicht einstellen
durch Herstellung deö Überzugspolymeren aus einem Gemisch von Monomeren, von denen das eine ein Homopolymeres ergibt,
das mit Polyvinylchlorid unverträglich ist (typisch sind Fluorkohlenstoffe oder fluorhaltige Monomere), und das
zweite oder verträgllGhmaohende Monomere ein Homopolymeres ergibt, das mit Polyvinylchlorid verträglich ist. Der Grad
der Verträglichkeit kann somit variiert werden durch Einstellung der relativen Konzentration des wahren Monomeren
in dem zur Herstellung des Überzugspolymeren verwendeten Polymerisationsgemisches.
Es ist möglich, Copolymere dieser vorstehend genannten •fluorhaltigen Materialien mit einem oder mehreren verschiedenen
anderen, damit copolymerisierbaren Vinylmonomeren zu verwenden. Für die Zwecke der Erfindung können als Comonomere
Vinylmonomere verwendet werden,$ie eine Gruppe der
Formel CH2 = C^ enthalten· Monomere dieser Art sind Vinyl-
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Chlorid, Vinylbromid, Vinylidenchlorid u*dgl., die Vinylester,
z.B. Vinylacetat, Vinylbenzoat, Isopropenylacetat u.dgl., die Acrylat- und Methacrylatester, z.B. Methylacrylat,
Ithylacrylat, die Octylacrylate, Phenylacrylat, Cyelohexylacrylat
und die entsprechenden Methacrylate, die Maleinsäure- und Fumarsäureester, z.B. Diäthylmaleat, iDimethylfumarat
u.dgl., die vinylaitoaatischen Monomeren, wie Styrol, Vinyltoluole,
Vinylxylole, Vinylnaphthalin u.dgl., die Monoolefine,
z.B. Äthylen, Propylen, Gyclohexen u.dgl., die Vinyläther, z.B. Vinylmethyläther, Vinylbenzyläther u.dgl., die Allylester
und -äther, z.B. Allylacetat, Allyläthyläther u.dgl., Vinylcyanide, z.B. Acrylnitril, Methacrylnitril u.dgl., und
andere.
Zu den im Rahmen der Erfindung in Frage kommenden Polyvinylchloridharzen
gehören die Homopolymeren von Vinylchlorid und die Copolymeren und Interpolymeren von wenigstens
70 Gew»-$ Vinylchlorid und bis zu 30 Gew.-$ eines oder
märerer verschiedener anderer Vinylmonomerer, die mit Vinylchlorid
copolymerisierbar sind, einschließlich der verschiedenen Vinylmonomeren, die vorstehend als Comonomere für die
Fluoralkylacrylate genannt wurden.
Am meisten bevorzugt als G-rundpolymere für die Zwecke der
Erfindung werden die Homopolymerharze von Polyvinylchlorid. Vinylchloridhomopolymere und -copolymerharze sind in großem
Umfange auf dem Markt erhältlich, Sie sind Thermoplasten und haben spezifische Gewichte von etwa 1,35 bis 1,40 bei
Raumtemperatur. Sie können Weichmacher, Stabilisatoren, Gleitmittel, färbende Mittel und Füllstoffe als Zusätze enthalten.
Das Prinzip der Harzmodifikation gemäß der Erfindung ist
auch auf andere Harze als Polyvinylchloride anwendbar. Ein Überzug aus unverträglichem Polyfluorkohlenstoff kann naoh
den gleichen Methoden auf Polymethylmethacrylat, Polyalkylaorylate
einschließlich A*thylaorylatpolymer·, Propylaorylat-
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polymere und Butylacrylatpolymere, Polystyrol, α-Methylstyrolpolymere,
Polyacrylnitril u.dgl. aufgebracht werden.
Der Grad der Verträglichkeit zwischen dem Polyvinylchloridharz und dem Überzugspolymeren läßt sich einfach durch
Veränderung des Verhältnisses der Comonomeren im System variieren. Poly-1,1-dihydroperfluorpropylmethacrylat ist
mit Polyvinylchlorid nicht verträglich, jedoch ist PoIymethylmethacrylat
damit verträglich, und Copolymere von 1,1-Dihydroperfluorpropylmethacrylat und Poly(methylmethacrylat)
sind je nach der relativen Zusammensetzung des Copolymeren in unterschiedlichem Maße mit Polyvinylchlorid
verträglich. Weniger verträgliche Überzüge sind wichtig, wenn die Polymeren nach Verfahren, wie Spritzgießen,
verarbeitet werden, bei denen eine hohe Scherbeanspruchung auftritt, während verträglichere überzüge bei
Verarbeitung mit niedriger Seherbeanspruchung, z.B. beim
Strangpressen von Rohren, vorzuziehen sind.
Die Erfindung erfordert, kurz gesagt, die Überpolymerisation eines billigen Grundharzes, das ziemlich schlechte Verarbeitungseigenschaften
hat, mit einer sehr geringen Menge eines zur Zeit teureren Materials, das mit dem Grundharz
unverträglich ist. Die hohe Grenzflächenspannung zwischen dem Überpolymeren und dem Polyvinylchlorid hält die Polyvinylchloridharzteilchen
getrennt als innere Phase und verhindert während der frühen Phasen der Verarbeitung ihre
Verschmelzung zu einer einzigen geschmolzenen Masse. Umkehrung oder Schmelzen des Überpolymeren, das bei ziemlich
hohen Temperaturen stattfindet, wird biß in die späten Phasen des Verarbeitungszyklus verzögert und durch
kurzzeitige Anwendung zusätzlicher Wärme erreicht. Bei dieser Umkehrung wird das Polyvinylchlorid zur äußeren
Phase, und dem Aussehen nach besteht der Gegenstand dann ausschließlich aus Polyvinylchlorid. Nur durch chemische
Analyse ist das fluorhmltige Material nachzuweisen.
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Durch physikalische Prüfung ist es nicht feststellbar*
Durch die Erfindung wird es möglich, PolyvinylChlorid mit
normalem Molekulargewicht (aus dem Gewicht ermitteltes mittleres Molekulargewicht über 100.000) durch Spritzgießen
zu verarbeiten und Polyvinylchlorid und andere formbare Harze schneller strangzupressen, als dies bei den heutigen
Verfahren möglich ist.
Die Wahl der Überpolymeren ist entscheidend wichtig, da bestimmten Anforderungen hinsichtlich Verträglichkeit,
Oberflächenspannung der Schmelze und Schmelzvikosität entsprochen werden muß. Je verträglicher das Überpolymere mit
Polyvinylchlorid ist, d.h. je niedriger die Grenzflächenspannung zwischen den beiden Polymerschmelzen ist, um so
leichter ist es, sämtliche Poly-vinylehloridteilchen durch
Druck, mechanische Bearbeitung oder erhöhte (Temperatur zu einer einzigen viskosen Masse zu verschmelzen« Die Größe
der Scherbeanspruchungen, die bei der Verarbeitung auftreten, bestimmt den erforderlichen Verträglichkeitsgrad zwischen
den Überpolymeren und dem als Grundpolymeres dienenden Polyvinylchlorid.
Verfahren, bei denen hohe Scherbeansprttohungen
auftreten, wie es beispielsweise beim Spritzgießen oder Strangpressen mit hoher Geschwindigkeit, beim Umspritzen
von Draht u.dgl. der Jail ist, erfordern maximale ünverträglichkeit
bei der Verarbeitungstemperatur, um den £eilchenfluss
aufrecht zu erhalten.
Fluoralkylacrylate und -methacrylate lassen sioh leicht auf
Polyvinylohloridharze überpolymerisieren. Ein freie Radikale
bildender Katalysator zur Auslösung der Polymerisation wird im Fluoralkylaorylat oder im Gemisch aus KLuoralkylacrylat
und Comonomerem gelöst und in das Reaktionsgefäß gegeben·
Das PolyTinylohloridharz wird unter Inertgas zugesetzt« Mit
fortschreitender Bewegung wird die Lösung aus Monomeren! und
Iftitiator aa Polyrlayleklorid absorbiert, und des bildet sioh
•in· treoken· *ttlY«raass»· Als Wärmeübertragungsmedium wird
109830/1517 ^
Wasser zugesetzt, und die Charge wird 16 Stunden bei 750C
bewegt. Eine freifließende Aufschlämmung wird erhalten. Die Aufschlämmung wird filtriert, mit Wasser und dann mit
Methanol gewaschen und abschließend bei 5O0C unter vermindertem
Druck getrocknet. Ein typischer Überpolymerisationsansatz
hat folgende Zusammensetzung:
Bestandteile Gewichtsteile
| Wasser | 300 | 15 |
| Polyvinylchlorid | 150 | 5 |
| Fluoralkylacrylat | 5 - | - 1,0 |
| Comonomeres (mit Fluorverbindung) | 0 - | |
| Initiator | 0,1 | |
Zum Vergleich mit den erfindungsgemäßen überzogenen Polyvinylchloriden
können Polymere und Copolymere der polymerisierbaren Fluorkohlenstoffe hergestellt und mit Polyvinylchlorid
gemischt werden.
Copolymere von Fluoralkylacrylaten und Pluoralkylmethacrylaten
lassen sich leicht .mit den verschiedensten polymerisierbaren
Vinylmonomeren herstellen. Die Polymerisation wird durch freie Radikale ausgelöst. Als typische Initiatoren
seien Peroxyde, Azoverbindungen und Redoxkatalysatoren genannt. Zu den bevorzugten Initiatoren gehören Benzoylperoxyd,
chloriertes Benzosäperoxyd, Dlcumylhydroperoxyd, Caprylylperoxyd,
Diisopropylpercarbonat, Azoisobutyronitril, Kaliumpersulfat u.dgl. Der freie Radikale bildende Initiator wird
in einer Menge von etwa 0,01 bis 1,0 Teilen pro 100 Teile
Monomeres verwendet. Die Polymerisationen werden vorzugsweise in inerter, sauerstofffreier Atmosphäre bei etwa 750C durchgeführt.
. '
Ein typischer Polymerisationeansatz für die Reaktion hat
folgende Zusammensetzung:
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• Beatanateile Gewichtsteile
Wasser 300
Fluoralkylaorylat 25-50
Oomonomeres 0-30
Initiator 0,01-1,0
Natriumstearat 1,0-1,5
Das Wasser, das als Initiator dienende Peroxyd, Natriumstearat
und die Monomeren werden unter Stickstoff eingesetzt. Das Gefäß wird dann 15 bis 20 Stunden bei einer
Temperatur von etwa 750O bewegt. Der Latex wird mit Calcium- %
chlorid koaguliert, filtriert, mit Wasser gewaschen und
in Tetrahydrofuran gelöst, um sicherzustellen, daß er homogen ist. Das Polymere wird mit Methanol ausgefällt, filtriert,
mit Wasser gewaschen und bei 500O getrocknet. Aus diesen
Polymeren lassen sich Pollen pressen, die durch Infrarotspektrographie leicht analysiert werden können.
Polymere, die während der Entwicklungsarbeiten im Rahmen der Erfindung hergestellt wurden, wurden mit Hilfe einer
Laboratoriums-Testvorriohtung bewertet, die im wesentlichen ein Rheometer ist, das eine konstante Kraft ausübt. Sie
besteht im wesentlichen aus einem Zylinder, der mit Einrichtungen versehen 1st, durch die ein konstanter Druok und I
eine konstante Temperatur aufrecht erhalten werden, und in
das.
den/zu, einer Pille vorgeformte Probenmaterial eingelegt
den/zu, einer Pille vorgeformte Probenmaterial eingelegt
wird, einem Kolben von bekannter Hache, auf den eine konstante
Belastung oder Schubkraft ausgeübt wird, und einer Auatrittsdüse, duroh die das Polymere als geformtes Extrudat
ausgepresst wird« Bei einem Test wird das Extrudat in bestimmten
Zeitabständen abgeschnitten· Das Materialgewicht, das sioh bei jedem Schnitt angesammelt hat, läßt eich in das
pro Zeiteinheit ausgepresste Materialgewicht umrechnen. Der
Strang wird zur Ermittlung der prozentualen Quellung gesessen
und auf fehlerfreie Oberfläche und Glätte geprüft·
109130/
Je höher der Schub, der angewendet werden kann, ohne daß die Oberfläche des Stranges rauh wird, als um so besser
gilt die Verarbeitung durch Strangpressen.
In den folgenden Beispielen sind die Teile Gewichtsteile.
Ein handelsübliches Standard-Polyvinylchloridharz, das ein hohes Molekulargewicht (etwa 120.000), eine Grenzviskosität
von 1,10 bis 1,20 in Cyelohexan bei 250C, eine spezifische
Viskosität von 0,56 und eine Porosität von 280 hat, wird im nachstehenden Ansatz mit verschiedenen Fluoralkylacrylaten
und Fluoralkylmethacrylaten und deren Copolymeren überpolymerisiert.
Benzoylperoxyd wird im Monomerensystem gelöst
und dem trockenen Polyvinylchlorid zugesetzt. Das Gemisch wird unter Stickstoff geschüttelt, bis das Harz trocken
aussieht. Nach Zusatz von Wasser wird die Flasche unter Stickstoff verschlossen, Die Flasche wird 15t5 Stunden in
einem bei konstanter Temperatur von 750C gehaltenen Bad
ge dreh*. Die Produktauf schlämmung en werden gefiltert, mit Wasser und dann mit Methanol gewaschen und bei 50 C unter
vermindertem Druck getrocknet. Alle Polymeren haben das physikalische Aussehen des Polyvinylchloridharzes.
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| A | B | _σ | ν_ | - | E | 7,4 |
| 300 | 300 | 300 | 300 | — | 300 | 7,6 |
| 150 | 150 | 150 | 150 | 11,0 | 150 | |
| 15 | - | , - | 4,0 | - | ||
| - | - | 15 | - | |||
| - | - | - | ||||
| - | 15 | - |
Wasser
Polyvinylchlorid
PlunDpropylacrylat
Fluorpentylacrylat
Fluornonylacrylat
Fluornonyl»ethaerylat
Benz oy Ip er oxy d ,0,1 0,1 0,1 0,1 0,1
-* Prüfwerte
o
o
Üo T1(Einfriertemperatur),0C
ο T0 (scheinbare Strang-ζ
ά preBstemperatttr*),0C
!ΐ Qaellong (Belastung 454 kg,
ZL 1700C, 2 Min.Torheizen) 0,072 0,077 0,073 0,073 0,073 0,075
(Hheometer mit konstanter
Kraft, Bezugsprobe Polyvinylchlorid als 1,0)
Kraft, Bezugsprobe Polyvinylchlorid als 1,0)
Belastung 680,4 kg 1,0 23,0 50 21 26 24
♦ Polyvinylchlorid und das überzogene Polyvinylchlorid haben im wesentlichen die gleiche
Schmelztemperatur, jedoch lassen sich die modifizierten Harze"auf Grund des Unterschiedes _v
im mechanischen Verhalten des Überpolymeren tatsächlich bei niedrigerer Temperatur als OD
das als Vergleichsprobe dienende Polyvinylchlorid verarbeiten oder strangpressen, obwohl cd
die linfriertemperatur im wesentlichen unverändert bleibt. j>
| PVO- Kontrolle |
92 | 94 | 92 | 90 | ' 91 |
| 98 | 116 | 113 | 108 | 110 | 107 |
| 158 | |||||
Die Überpolymerisation wird auf die in Beispiel 1 "beschriebene
Weise am gleichen Polyvinylchloridharz durchgeführt. Verschiedene polymerisierbar Monomere werden mit einem Fluoralkylacrylat
oder lluoralkylmethacrylat zum Überpolymeren kombiniert.
1 09830/1 517
| JL | 6 | G | 6 | H | I | J | K | L |
| 300 | 300 | 300 | 300 | 300 | 300 | 300 | ||
| 150 | 150 | 150 | 150 | 150 | 150 | 150 | ||
| 2, | 2, | — | — | _ | ||||
Bestandteile .
Yasser
Yasser
Polyvinylchlorid
Styrol
Styrol
Methylaethacrylat - - 3,7 3,1 2,5
Acrylnitril - - - - _ 1 f 5 _
Vinylchlorid - - - - - 2,7
fluorpentylacrylat - - 11,3 — - - 12,3
Flaorheptylacrylat - - - 11,9- _ _
iluoraonylacrylat 15,4- - - - 12,5 13,5
_»KLuornonylmethacrylat - 12,4- - - - ^Benzoylperoxyd
0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1
S Prüfwerte PVC-
ο Kontrolle
_»T.· ( Einfriertempe-
m Ί ratur^C 98 82 91 91 91 92 91 89
press temp. *2, 0C 158 101 118 110 108 106 95 105
Quellung, Belastung
454 kg,1700C,
2 Min.Vorheizen 0,072 0,076 0,075 0,071 0,069 0,071 0,080 0,072
Strangpressgeschwindigkeit
yüieometer mit konstanter
Kraft, Bezugs- _i probe,Polyvinylchlorid cn
als 0,1) cd Belastung 680,4 kg 1,0 >100 24 23 50 72 51 44 ·*"
♦Dies ist eine scheinbare Schmelztemperatur.!Tatsächlich bleibt die Schmelztemperatur des ω
Polyvinylchlorids praktisch unverändert.Das Überpolymere schmilzt jedoch bei einer niedrigeren ω
femperatur als das Polyvinylchlorid, und dieser geschmolzene Überzug, wirkt als Gleitmittel und °°
ermöglicht das Strangpressen oder die Verarbeitung des festen Polyvinylchlorids so, als wenn
es selbst geschmolzen wäre. Die höchsten Geschwindigkeiten entsprechen dem unverträglichsten
Überpolymeren.
16S4338 -H-
BelBpiel 3
Physikalische Gemische oder Legierungen des in Beispiel 1 verwendeten Polyvinylchloridharzes mit verschiedenen Fluoralkylacrylat-
und -methacrylathomopolymeren und -copolymeren werden hergestellt, indem die einzelnen Gemisohe 5 Minuten
bei 1770C auf dem Mischwalzwerk durchgearbeitet werden. Die
folgenden Mischungsbestandteile werden verwendet:
Bestandteil
| M | JL | _0 | P |
| 100 | 100 | 100 | 100 |
| 10 | — | _ |
Polyvinylchlorid
Fluorpropylacrylat/Styrol (50:50)
I1Iuorpentylacrylat/Styrol (60s40) - 10
Fluorpropylmethacrylat/Styrol
(80:20) 10
Fluornonylmethacrylat/Styrol
(80i20) - - - 10
Butylzinnmercaptid 3 3 3 3
Wenn diese Mischungen dem Test im Eheometer unterworfen werden,
lassen sich alle Materialien bei etwa 1,0, dem Wert der aus IOO56 Polyvinylchloridharz bestehenden Vergleichsprobe, verarbeiten.
Durch die beim Mischen auf dem Mischwalzwerk ausgeübte Scherwirkung sind die Fluoracrylat- und Fluormethacrylatcopolymeren
in die innere Phase gepresst worden. Sie treten nicht mehr als Einzelmaterialien in Erscheinung. Die Gemische
haben das gleiohe Verhalten wie reines Polyvinylchlorid.
Dieser Versuch wird wiederholt. Gemische von Polyvinylchlorid und Methylmethaorylat/Fluoralkylacrylaten und Methylmethacrylat/Fluoralkylmethacrylaten,
Vinylchlorid/Fluoralkylacrylaten und Vinylchlorid/Fluoralkylmethacrylaten sowie Acrylnitril/
Fluoralkylacrylaten und Aorylnitril/Fluoralkylmethacrylaten werden hergestellt. In jedem Fall bewirkt das Mischen auf
dem Walzenmischer eine so wirksame Verteilung des zugesetzten Polymeren im Polyvinylchlorid, daß die Masse aioh so verhält,
als ob sie zu 100$ aus Polyvinylchlorid besteht und das zugesetzte
unverträgliche Polymere keine messbare Wirkung auf die
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Strangpresseigenschaften des Polyvinylchlorids hat.
Das in Beispiel 1 genannte Polyvinylchlorid wird mit dem
Homopolymeren und mit Copolymeren von 1-Vinyl-2,2~dichior-3,3-difluorcyclobutan
in den folgenden Mischungen überpolymerisiert. Benzoylperoxyd wird im Monomerensystem gelöst und
zum trockenen Polyvinylchlorid gegeben. Das Gemisch wird kräftig unter Stickstoff geschüttelt, bis das Harz trocken
erscheint. Nach Zusatz von Wasser wird der Reaktor unter Stickstoff verschlossen. Die Polymerisation wird 15,5 Stunden
bei 75°O durchgeführt. Die Aufschlämmungen des Produkts
werden gefiltert, mit Wasser und mit Methanol gewaschen und unter vermindertem Druck bei 500C getrocknet. Alle Polymeren
sehen bei Betrachtung mit dem blossen Auge und unter dem Stereomikroskop von niedriger Leistung wie Polyvinylchloridharz
aus.
Die gebildeten Überpolymeren werden in dem mit konstanter Kraft arbeitenden Rheometer bewertet. Die genannten Zahlenwerte basieren auf dem Wert von 1,0 für das Polyvinylchloridharz
allein·
Bestandteil Polyvinylchlorid Benzoylperoxyd Wasser Vinyldichlordifluorcyclobutan
Styrol Me thylacrylat .Überpolymeres, theoretisch, #
Überpolymeres, gemessen, ^ Rheometer-Wert
| J3L· | R | -SL |
| 150 | 150 | 150 |
| 0,3 | 0,3 | 0,3 |
| 300 | 300 | 300 |
| 15 | 9,6 | 10,2 |
| 5,4 | - | |
| - | - | 4,8 |
| 9,1 | 9,1 | 9,1 |
| 8,55 | 6,84 | 7,41 |
| 11.3 | 10,4 | 16,8 |
109830/1517
Copolymere --on 1-Vinyl-2,2-dichlor-3,3-difluorcyclolDutan mit
Styrol und Methylmethacrylat werden hergestellt, indem die Monomeren und der Katalysator unter Stickstoff eingesetzt
und die verschlossenen Polymerisationsgefäße 69 Stunden "bei 500C gewälzt werden»
Wasser 250 250
Natriumstearat 1»0 1,0
Benzoylperoxyd 0,2 0,2>
Cyclobutan 50 50
Styrol-Methylmethacrylat 50 -
Methylmethacrylat - 50
Diese Copolymeren werden mit dem in Beispiel 4 verwendeten Polyvinylchloridharz bei 1660C auf einem 10 cm-Walzenmischer
gemischt. Die Gemische werden 5 Minuten geknetet.
Polyvinylchlorid 50 50
Cyclobutan-Styrol-Copolymeres 5 -
Cyclobutan-Methylmethacrylat-Copolymeres - 5
Rheometer-Wert ' 2,2 0,5
Durch mechanisches Mischen hergestellte Gemische von Fluorkohtenstoffcopolymeren
und Polyvinylchlorid zeigen keine Verbesserung der Strangpresseigenschaften gegenüber reinem Polyvinylchlorid,
Ein Vergleich der Werte dieses Beispiels mit den Werten von Beispiel 4, wo das Fluorkohlenstoffpolymere
auf dem Polyvinylchlorid überpolymerisiert wird, zeigt, daß durch die Überpolymerisation gemäß der Erfindung die Strangpresseigenschaften
von Polyvinylchlorid um ein Vielfaches verbessert werden.
109830/1517
Claims (4)
1) Formmasse, enthaltend Teilchen aus Kunstharzpolymerisaten aus der Gruppe Polyvinylchlorid, Polymethylmethacrylat,
Polyalkylacrylaten, Polystyrol und Polyacrylnitril, wobei
die einzelnen Teilchen des Kunstharzes mit einer Schicht eines Fluor enthaltenden Polymerisats überzogen sind.
2) Formmasse nach Anspruch 1, enthaltend Polyvinylchlorid, dessen einzelne Teilchen mit Fluorkohlenstoffpolymeren
überzogen sind.
3) Formmasse nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet,
daß das Fluor enthaltende Polymere ausgewählt ist aus der Gruppe, bestehend aus Poly-(tetrafluoräthylen), PoIy-(Chlortrifluoräthylen),
Poly-(l-vinyl-2,2-difluor,-3,3-dichlorcyclobutan),
Poly-(fluorkohlenstoffacrylaten) und Poly-(fluorkohlenstoffmethacrylaten), wobei die PoIy-(fluorkohlenstoffacrylate)
und die Poly-(fluorkohlenstoffmethacrylate
solche der allgemeinen Formel
R O
f It
CH2-G-C - CH222n
sind, worin der Rest R ein Wasserstoffatom oder ein Methylrest bedeutet und η eine ganze Zahl von 2 bis
einschließlich 6 darstellt.
4) Verfahren zur Verbesserung der Formpress- und Strangpresseigenschaften
von Polyvinylchloridharzen, dadurch gekennzeichnet, daß man das Harz in ein polymerisierbares
Fluorkohlenstoffmonomere einträgt und das Monomere so polymerisiert, daß auf den Harzteilchen ein Überzug aus
Fluorkohlenstoffpolymeren gebildet wird.
109830/T5I7
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