DE1514442C - Einrichtung zur Regelung von Kern reaktoren - Google Patents
Einrichtung zur Regelung von Kern reaktorenInfo
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Description
Zur Leistungsregelung von Kernreaktoren bedient man sich in fast allen Fällen neutronenabsorbierender
Stoffe, die in gesteuerter Weise in den Reaktorkern eingeführt werden. Meistens werden zu diesem
Zweck sogenannte Absorberstäbe verwendet. Diese wirken aber nur dann gleichmäßig absorbierend auf
den ganzen Reaktorkern, wenn sie vollständig eingefahren sind. Sind sie nur teilweise eingefahren, so
wirken sie einseitig.
Im Kern eines Reaktors ist aber von Natur aus die Neutronenflußdichte und damit die Wärmeerzeugung
in der Kernmitte am größten und fällt nach den Rändern hin ab. Aus thermischen und wirtschaftlichen
Gründen wäre eine über das ganze Kernvolunien gleichmäßige Wärmeerzeugung wünschenswert.
Dies wäre aber nur möglich, wenn die absorbierenden Stoffe sich in gesteuerter Weise in die
zentralen Zonen des Reaktorkernes einbringen ließen.
Aus der französischen Patentschrift 1 258 757 ist in diesem Zusammenhang eine Einrichtung bekanntgeworden,
nach der kugelförmige Absorberkörper über gesonderte Führungskanäle in den Reaktorkern
eingeführt werden. Dabei weisen diese Führungskanäle jedoch erst nach Durchführung durch den
Reaktorkern außerhalb des eigentlichen Druckbehälters Sperrvorrichtungen auf, durch die die Absorberkugeln
in den Kanälen festgehalten werden. Das bedeutet, daß nicht allein die kritischen Zonen
im Reaktorkern mit Absorbermaterial beaufschlagt weiden können, sondern daß der gesamte Kanal
auch unterhalb der Zonen stärksten Neutronenflusses mit Absorbermaterial gefüllt ist, so daß sich
auch hier eine unterschiedliche axiale Flußverteilung wie beim Einfahren von festen Steuerstäben ergibt.
Die gleichen Nachteile ergeben sich bei einer Regeleinrichtung, wie sie in der britischen Patentschrift
983 938 beschrieben ist, da diese Einrichtung im wesentlichen der oben beschriebenen entspricht.
Zur Vergleichmäßigung des Neutronenflusses ist ferner in der deutschen Auslegeschrift 1111 306 eine
Vorrichtung beschrieben, nach der die Rohre für das Absorbermedium als Rohrschlangen ausgebildet sind,
deren Schleifenäste und Krümmungsschenkel in verschiedenen Bereichen des Reaktorkerns unterschiedliche,
der Neutronenflußdichte in diesen Bereichen angepaßte Abstände voneinander haben. Mit dieser
Vorrichtung ist zwar auch eine gewisse Vergleichmäßigung zu erreichen, eine direkte Ansteuerung der
kritischen Zonen ist jedoch auch damit nicht zu erreichen. .
Der Erfindung liegt demgegenüber die Aufgabe zugrunde, eine Regeleinrichtung zu schaffen, mit der
allein die Zonen stärksten Neutronenflusses mit Absorbermaterial versorgt werden. Dabei wird ebenfalls
von einer Regeleinrichtung nach dem Neutronenabsorptionsprinzip Gebraucli gemacht, die durch
Schwerkraft pneumatisch oder hydraulisch in gesonderten Führungskanälen innerhalb des Reaktorkerns
bewegbare, kugelförmige Absorberkörper sowie eine Dosiereinrichtung für die Abstirberkörper oberhalb
des Reaktorkerns verwendet.
Die Erfindung bestellt dabei darin, daß innerhalb der aktiven Zone des Reaktorkerns au den Führungskanälen
Sperrvorriclituiigen angeordnet sind, die die
Absorberkörper in ilen Zonen stärksten Neutronenfhisscs
sammeln und die Abgabe lediglich einzelner Absnrbcrkürp.T umöt;lidicn. Durch clic Anzahl dor
Kugeln und damit auch durch die I.iinue der Ahsorberkugelschichtung
in der aktiven Zone des Reatorkerns wird die Reaktivität derart beeinflußt, daß eine gegenüber den bisherigen Verfahren bessere und
symmetrischere Flußverflachimg eintritt, wodurch eine möglichst gleichmäßige Wärmeentbindung in den
Kühlkanälen über das gesamte Volumen des Reaktors erreicht werden kann.
Die Sperrvorrichtungen für die Absorberkugeln weisen je zwei an den Enden eines mittig drehbar gelagerten
Kipphebels befestigte und in die jeweiligen. Führungskanal seitlich einfahrbare Schieber auf, die
zu keinem Zeitpunkt einen freien Durchgang der angesammelten Absorberkörper durch die Führungskanal
zulassen.
Zur besseren Beeinflussung des Neutronenffusses ist es ferner vorteilhaft, wenn die FührungskoniÜe
spiralig oder wendelförmig im Innern des Reaktorkerns angeordnet sind und daß die Ganghöhe und der
Durchmesser der einzelnen Windungen in Zonen höherer Neutronenflußdichte derart bemessen ist, daß
dort eine erhöhte Menge von Absorberkörpern untergebracht ist. Außerdem ist es möglich, daß die Führungskanäle
die einzelnen Kühlkanäle wendelförmig umgeben.
An Hand einer schematischen Zeichnung sind Aufbau und Wirkungsweise von Ausführungsbeispielen
nach der Erfindung näher erläutert. Dabei zeigt
F i g. 1 den Gesumföufbau einer Regeleinrichtung,
Fig. 2 die wendeiförmige Anordnung der Füh
rungskanäle und
Fig. 3 bis 6 verschiedene Ausführungsformen der Sperrvorrichtungen.
F i g. 1 zeigt schematisch eine mögliche Einrichtung zur Regelung. Die Regelkanäle 3 erstrecken sich
hierbei geradlinig vertikal durch den Reaktorkern 2. Der Einfachheit halber wurde nur ein Regelkanal
dargestellt. Die Reaktorkesselwandung selbst ist mit 1 versinnbildlicht. Die Bewegung der Absorberkugeln 4
erfolgt pneumatisch oder hydraulisch, wobei jedes beliebig geeignete Gas (z. B. He oder CO2) oder jede
beliebig geeignete Flüssigkeit (z. B. Wasser oder Schmelzen) verwendet werden kann, desgleichen die
Betätigung der Sperrvorrichtung 5 innerhalb des Reaktorkernes.
Der Ablauf des Verfahrens ist etwa folgender: Im Einfüllstutzen 8 befindet sich eine Anzahl von
Absorbcrkugeln 4, über ein Ventil 9 gelangt eine Anzahl von ihnen zunächst in eine Bereitschaftsstcllung
oberhalb des Reaktorkcssels 1. Diese wird ermöglicht durch die beiden elektromagnetisch betätigbaren
Schieber 23 und 24. Für das Einfüllen in den Reaktorkern wird zunächst der Schieber 23 geöffnet, so
daß eine begrenzte Zahl von Kugeln in den Zwischenraum zwischen Schieber 23 und 24 gelangen. Sodann
wird der Schieber 23 wieder geschlossen, der Schieber 24 geöffnet, so daß die im Zwischenraum befindlichen
Absorberkugeln in den Reaktorkern gelangen. Dort wird ihre [.agc durch das Absperrorgan 5 fixiert.
Dieses Absperrorgan 5, für dessen Konstruktion in den F i g. 3, 4, 5 und (i einige Beispiele gezeigt, sind,
besitzt ebenfalls zwei Sperrkörper 51 und 52, deren Betätigung mechanisch gegeneinander derart verriegelt
ist, daß in keinem Augenblick in dem Regelkanal 3 ein freier Durchgang für die Kugeln herrsch!.
fiin solcher Durchgang muß aus Sicherheitsgründen unbedingt vermieden werden, da eine plötzliche
I.cistimgsexkiiisioii des Reaktois zur Zerstörung des-
selben führen könnte. Zu Beginn des Reaktorbetriebes wird die Anzahl der Absorberkugeln im
Inneren des Reaktorkernes größer sein als nach dem eingespielten Betrieb, da zunächst eine Kompensation
der Überschußreaktivität des Reaktors bis zur Ausbildung der Gleichgewichtsvergiftung notwendig ist.
Der mit dem Aufbau dieser Vergiftung im Inneren des Reaktorkernes notwendige Abbau der Absorberinenge
im Regelkanal 3 erfolgt durch schrittweises Betätigen der Absperrvorrichtung 5, wobei ähnlich
wie bei uen elektromagnetisch betätigten Schiebern
23 und 24 jeweils die zwischen den Sperrkörpern 51 und 52 befindlichen Kugeln schrittweise aus dem
Reaktorkessel entlassen werden. Diese sammeln sich dann vor den elektromagnetischen Schiebern 18 und
19 an, von denen sie wiederum schrittweise in das Förderrohr 2L gelangen. In diesem werden sie von
dem aus dem Rohr 22 kommenden Gas- bzw. Flüssigkeitsstrom erfaßt und nach oben befördert, wo sie
über eine Weiche 10 wiederum in die .Vorratsposition oberhalb der elektromagnetischen Sperrglieder 23
und 24 gelangen. Der Förderstrom wird dabei durch das Gebläse bzw. die Pumpe 17 erzeugt. Die Weiche
10 ist für jenen Fall vorgesehen, daß radioaktiv gewordene Absorberkörper zunächst nicht weiterverwendet
werden sollen, sie werden dann über die Abklingstrecke 11, in der sie eine Zeitlang verbleiben,
über den ebenfalls elektromagnetischen Schieber 12 einem nicht dargestellten Sammelbehälter zugeführt.
Das Absperrorgan 5 ist in den F i g. 3 und 4 näher dargestellt, wobei in F i g. 3 der obere und in F i g. 4
der untere Sperrkörper in den Regelkanal eingefahren ist. Die Betätigung dieser Einrichtung 5 geschieht
nun mit Hilfe eines Druckstoßes. Zu diesem Zweck ist ein Druckkessel 14 vorgesehen, der über den
Kompressor 16 und die Leitung 20, die mit dem Regelkanal in Verbindung steht, aufgeladen wird.
Wird nun das Magnetventil 13 kurzzeitig betätigt, so gelangt ein Druckstoß auf die Vorratsabsorberkörper
4, pflanzt sich längs der Kugelsäule fort und gelangt gegen den Sperrkörper 51. Dieser stellt für
den Regelkanal eine starke Drosselstelle dar, so daß sich der Druckstoß ins Innere des Gehäuses 58 fortpflanzt
und dort gegen den drehkolbenartig eingebauten Flügel 54 wirkt. Damit wird gegen den Druck
der Feder 57 der untere Sperrkörper 52 vorgeschoben. Der obere bleibt jedoch noch an Ort und
Stelle, da er an dein drehbaren Arm 55 befestigt ist, der wiederum über eine Feder gelenkig gegenüber
dem drehkolbenartigen Bauteil angeordnet ist. Mit zunehmender Drehung dieses Bauteiles wird schließlich
der Arm 55 unter der Sperrklinke 51 nach unten gleiten können. In diesem Moment ist aber bereits der
Sperrkürper 52 in Sperrstellung angelangt. Diese Verzögerung der Bewegung des oberen Sperrkörpers 51
ist notwendig, damit der möglichst volle Strömungsdruck der Druckwelle auf dem Drehkolbeiiflügel 54
lastet, bis die Schaltung durchgeführt ist. Nach diesem Abgleiten der Kugeln 4 bis zum unteren Sperrkörper
52 dreht sich der drehkolbenartige Flügel 54 nach dem Abklingen des Druckstoßes infolge tier Wirkung
der Feder 57 wieder in die Ursprungslage zurück, wobei der Ann 55 an der Sperrklinke 53 vorbeigleitcn
kann, da diese z. B. ähnlich wie die Sperrklinke einer Tür ausgebildet ist. Dadurch werden die
beiden nach diesem Beispiel abgesunkenen Kugeln
(s. Fig. 4), freigegeben und können den Reaktorkern
verlassen. Hin erneuter Druckstoß würde eine Wiedurholung dieses Vorganges auslösen. Für den Fall, daß
die Vorratssäule der Absorberkugeln 4 oberhalb der magnetischen Absperrorgane 24 und 23 ein zu großes
Strömlingshindernis darstellen sollte bzw. der Druckstoß nicht so hoch wie für diesen Fall notwendig gemacht
werden kann, ist es zweckmäßig, eine geeignete Leitung 25 mit dem Ventil 15 vorzusehen, die unterhalb
dieser Vorratssäule von Ahsorberkugeln in den Regelkanal einmündet.
ίο An Stelle des geraden Regelkanals nach dieser
Figur kann aber auch beispielsweise ein schraubenförmiger Regelkanal bzw. eine Anzahl von schraubenförmigen
Regelkanälen entlang von Kühlkanälcn des Reaktorkernes gemäß Fig. 2 vorgesehen sein. Der
Regelkanal ist hier mit 31 bezeichnet, er ist um das Kühlkanalrohr 28 herumgewickelt, in dessen Inneren
sich Brennelemente 29 befinden. Je nach Konstruktion der Kühlkanalwandung kann selbstverständlich
auch dieser Regelkanal im inneren des Kühlkanals angeordnet sein. In diesem Falle wird es zweckmäßig
sein, den Querschnitt des Regelkanals zu verringern, da dadurch sein mechanischer Einbau sowie seine
Wirkung auf Grund der günstigeren Verteilbarkeit, über den Rcaktorquerschnitt gesehen, verbessert
werden kann. In der Mittelzone des Kühlrohres, also auch des Reaktorkernes ist die Ganghöhe bzw. die
Steigung der Regelkanals kleiner gehalten, so daß damit an Zonen stärkeren Neutronenflusses auch mehr
absorbierendes Material-zur Verfügung steht. Hier ist
es auch ohne Schwierigkeit möglich, die Absperrorgane für die Kugeln 5 außerhalb des Reaktorkernes
anzubringen, da durch die große Ganghöhe der Regelkanäle außerhalb der Zentralzone des Reaktorkernes
nur eine geringfügige Absorptionswirkung eintritt, deren Einseitigkeit — selbst wenn die Absorberkugeln
die Regelkanäle in der unteren Hälfte des Reaktorkernes ganz ausfüllen — jedoch praktisch
vernachlässigt werden dürfte bzw. auch durch eine entsprechende Ausbildung des Aufbaues des Reaktorkernes
von vornherein ausgeglichen werden kann. Da den Reaktorkern eine Vielzahl derartiger Regclkanäle
gemäß Fig. 1 oder Fig. 2 durchziehen und
der Reaktorkessel möglichst wenig durchbrochen werden sollte.ist es zweckmäßig, innerhalb des Reaktorkessels
eine Verteilereinrichtung z. B. in Gestalt eines mehrwegigen Ventils anzuordnen, mit deren
Hilfe es möglich ist, den jeweils ausgewählten Regelkanal mit zusätzlichen Absorberkugeln zu versorgen.
Nach dem Austritt der Regclkanäle aus dem Reaktorkern ist eine Zusammenführiing zum Austrittsrohr,
das zu den magnetischen Ventilen 18 und 19 führt, möglich. Zur Kühlung der Absoiberelemente kann
ein Bypaß zu Ventil 13 vorgesehen werden, der die Einstellung eines entsprechenden Kühlflusscs gestattet.
Die Fig. 5 zeigt eine Sperreinrichtung 6, die dieselbe Wirkung hat wie die in den F i g. 3 und 4 dargestellte.
Durch eine drehbare Wippe 65 sind die Sperrkörper 66 und 67 gelenkig verbunden. Der An-
6u trieb erfolgt pneumatisch oder hydraulisch über die
Leitungen 63 und 64, die an die Faltenbälge 61 und 62 angeschlossen sind. Die Faltcnbälge selbst sind
wiederum dicht mit den Sperrkörpern 66 bis 67 verbunden. Hin Druckstoß durch die Leitungen 64 bzw.
63 würde eine Ausdehnung der Faltenbälge 61 bzw. 62 bewirken und damit die Bewegung der Sperrkörper
66 bzw. 67 hervoi nifcii. Die Stellung dieser
l\örp.:i ist dann ebenfalls wieder so, daß in keinem
Claims (4)
1. Einrichtung zur Regelung von Kernreaktoren nach dem Neutronenabsorptionsprinzip mit
durch Schwerkraft, 'pneumatisch oder hydrau-
ao lisch in gesonderten Führungskanälen innerhalb des Reaktorkerns bewegbaren kugelförmigen Absorberkörpern
sowie mit einer Dosiereinrichtung für diese Absorberkörper oberhalb des Reaktorkerns,
dadurch gekennzeichnet, daß innerhalb der aktiven Zone des Reaktorkerns (2) an den Führungskanälen (3) Sperrvorrichtungen
(5) angeordnet sind, die die Absorberkörper (4) in den Zonen stärksten Neutronenflusses sammeln
und die Abgabe- lediglich einzelner Absorberkörper (4) ermöglichen.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Sperrvorrichtungen (S) je
zwei an den Enden eines mittig drehbar gelagerten Kipphebels (54; 65; 71) befestigt und
in die jeweiligen Führungskanäle seitlich einfahrbare Schieber (51, 52; 66, 67; 72, 73) aufweisen,
die zu keinem Zeitpunkt einen freien Durchgang der angesammelten Absorberkörper (4) durch die Führungskanäle (3) zulassen.
3. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Führungskanäle (3) spiralig
oder wendelförmig im Innern des Reaktorkerns (2) angeordnet sind und daß die Ganghöhe und
der Durchmesser der einzelnen Windungen in Zonen höherer Neutronenflußdichte derart bemessen
ist, daß dort eine erhöhte Menge von Absorberkörpern (4) untergebracht ist.
4. Einrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Führungskanäle (3) die
einzelnen Kühlkanäle (28) wendelförmig umgeben.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
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