DE12227C - Apparat zur schnellen Erzeugung hoher Wärmegrade und dessen verschiedene Anwendungen - Google Patents
Apparat zur schnellen Erzeugung hoher Wärmegrade und dessen verschiedene AnwendungenInfo
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Description
1880.
Klasse 42.
MICHAEL FLÜRSCHEIM in GAGGENAU (Baden). Apparat zur schnellen Erzeugung hoher Wärmegrade und dessen verschiedene Anwendungen.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 24. April 1880 ab.
Meine Erfindung besteht in einem System von Apparaten zur Erzeugung hoher Wärmegrade,
die für die verschiedenen Zwecke der Wissenschaft und Industrie benutzt werden.
Diese hohen Wärmegrade werden erreicht, indem unter Druck ein Gemisch von Luft und
brennbaren Dämpfen als heizende Flamme angewendet wird.
Dieses System von Apparaten hat verschiedene Anwendungen, so z. B. für Löthgebläse, Kochherde,
Brennmarken, Castrireisen, Löthkolben, Bügeleisen, Cauterisirinstrumente, heizende und
leuchtende Lampen, Oefen, Dampfkesselheizung, Motoren etc.
Die Apparate bestehen:
1. aus einem Reservoir, das die brennbare Flüssigkeit enthält;
2. aus einem oder mehreren Bunsenbrennern mit oder ohne Platinaherd;
3. aus einer die Zuströmung der Flüssigkeit regulirenden Vorrichtung.
Man kann sich dieses Systems auf zwei Arten bedienen:
1. allein aus obigen Organen bestehend, die directe Wirkung der Flamme benutzend, wie z. B.
bei der Löthfiamme;
2. indem man solche in Verbindung mit einem anderen Organ bringt und dieses durch
die Flamme erhitzt, wie z. B. beim Löthkolben, der Brennmarke etc.
In letzterem Falle benutzt man die Flamme nur indirect, indem man sich des durch sie
erhitzten Organes bedient.
Fig. i, 2 und 3 stellen eine Brennmarke dar. Fig. 1 im Längenschnitt. Fig. 2 in Frontansicht.
Fig. 3 stellt die eigentliche Brennmarke im Grundrifs dar.
Fig. 5 bis 8 stellen einen Löthkolben dar, der sowohl als gerader Kolben, wie als Winkelkolben
verwendbar ist. Fig. 5 im Längenschnitt. , Fig. 6 in Frontansicht. Fig· 7 stellt
den Querschnitt des Theiles dar, der das Lötheisen trägt, durch die Linie r-s von Fig. 5 genommen.
Fig. 8 ist ein Querschnitt durch die Linie o-f von Fig. 6.
Fig. 9 und 10 stellen ein Bügeleisen dar.
Fig. 9 im Längenschnitt. Fig. 10 im Querschnitt, ungefähr in der Mitte des Apparates
genommen.
Fig. 11 und 12 stellen die Frontansicht einer
Lampe zum Kochen und Leuchten dar, die in Fig. 11 zum Kochen, in Fig. 12 zum Heizen
eines Kessels oder Ofens benutzt wird.
Fig. 4 stellt den Platinaherd dar.
In den verschiedenen Figuren ist:
α die Handhabe.
b das Reservoir, welches die brennbare Flüssigkeit
enthält. In Fig. 1 und 5 ist es gerade, aus einem Stück, in Fig. 9 winklig und aus zwei
Theilen, wovon einer innerhalb des Handgriffes.
c eine Oeffnung mit hermetischem Schlufs zum -Eingufs der Flüssigkeit. In Fig. 1 ist sie
seitlich, in Fig. 5 und 9 am äufseren Ende des Griffes angebracht.
d ein Rohr, das innen und aufsen mit Docht versehen ist; es ist in der Mitte des Reservoirs
an der dem Brenner zunächst liegenden Seite befestigt. An seinem freien Ende sind der
innere und äufsere Docht in Berührung.
e ein Bunsenbrenner. Er ist mit Asbest oder anderen porösen oder capillaren, unverbrennlichen
Materialien, die . man noch mit einem Metallgewebe umgeben hat (welches jedoch nicht unbedingt nothwendig ist), gefüllt. Dieser.
Brenner wird an einem Metallstück befestigt, das das Reservoir b abschliefst, und ist in directer
oder indirecter Verbindung mit dem Rohr d, direct in Fig. 1 und 5, wo er in das Innere
des Rohres d eindringt, indirect durch einen Verbindungskanal in Fig. 9.
f der Kamin des Bunsenbrenners mit Luftlöchern, in Fig. 9 hat der Bunsenbrenner winklige
Form.
g das Umhüllungsrohr des Bunsenbrenners, ebenfalls mit Luftlöchern. In Fig. 1 und 6
bildet es die Fortsetzung des Reservoirs. Im Bügeleisen wird es durch die Wände desselben
gebildet.
g1 ein drehbarer Ring zum Reguliren der
Luftöffnungen von g.
h, Fig. i, ein Zwischenrohr zwischen /und g.
i der Platinaherd. In Fig. 1 und 5 quer im Rohr g befestigt. Wie in Fig. 4 ersichtlich,
aus kreuzweise gespannten Piatinadrähten bestehend, die ein Stückchen Piatinagewebe in der
Mitte tragen. In Fig. 11 und 12 besteht er aus
einem Platinadrahtkegel, der auf den Brennerkamin aufgesetzt ist.
k der Regulator. Eine Stange, die am äufseren Ende einen Griff, am inneren Ende einen
Konus hat. In Fig. ι und 5 geht sie durch das ganze Reservoir, in Fig. 9 nur durch den
verticalen Theil desselben. Sie hat Führung mit Mikrometergewinde im Deckel des Reservoirs
und aufserdem noch in einer Stopfbüchse, die ein Entweichen der Flüssigkeit und der Dämpfe
an der Durchgangsstelle hindert. Sie geht durch den Hohlraum des inneren Dochtes des Rohres d
hindurch und mündet mit ihrem Konus in den inneren Theil des Brenners e ein.
/, Fig. ι und 2, eine Büchse, in die die
Flamme des Brenners eindringt und auf deren äufserer Fläche die Brennmarke befestigt ist.
;//, Fig. 5, 6 und 7, ein Stück Kupfer zum
Löthen, das winklig eingesteckt werden kann und mit Querstift befestigt wird. Zu beiden
Seiten dieses Kupferstückes bleiben Oeffnungen, durch die die Flamme hindurchschlagen kann.
n, Fig. 12, gewundene ^Kanäle, durch die die
Flamme bezw. deren Gase dringen um Luft oder Wasser zu heizen. Diese Apparate functioniren
auf folgende Weise:
Man fülle das Reservoir b mit irgend einem flüchtigen Kohlenwasserstoff, z. B. Gasolin,
Naphtha etc. oder auch mit Alkohol, Holzgeist, Aether etc. (doch werden die flüchtigen Bestandtheile
des Petroleums vorgezogen, da Weingeist nicht gut ohne Docht functionirt) durch die Oeffhung c, die man dann hermetisch verschliefst,
öffne den Regulator k durch eine leichte Drehung des Griffes, so dafs der Brenner
in Verbindung mit dem Reservoir kommt. Hierauf erhitze man das Reservoir oder den Brenner,
oder beide mittelst einer Flamme. Diese Flamme wird am bequemsten erzeugt, indem man einige
Tropfen der zum Füllen des Reservoirs verwendeten Flüssigkeit in einen hierzu geeigneten
Raum des Apparates giefst und entzündet; bei der Marke z. B. in die Büchse, beim Löthkolben
in den Raum zwischen e und g, bei dem Bügeleisen in den inneren Raum desselben.
Es entwickeln sich hierdurch Gase bezw. brennbare Dämpfe, die unter Druck aus dem
Brenner entweichen und sich an der vorwärmenden Flamme entzünden. Dieselben haben grofse
Heizkraft, da sie durch die Oeffnungen des Kamines/Luft auffangen und mit blauer Flamme
verbrennen. Durch die Hitze, die letztere entwickelt, die sich theilweise nach dem Reservoir
fortpflanzt, erzeugt sie ihr eigenes Gas bezw. brennbaren Dampf.
Mittelst des Regulators kann man die Flamme nach Belieben reguliren oder ganz auslöschen.
Der Piatinaherd i hat folgende Zwecke:
i. bewirkt er eine leichtere und vollkommenere Verbrennung der Gase bezw. Dämpfe;
.2. hält er einen Theil der Wärme der Flamme auf und leitet denselben mittelst des Kamines/
nach dem Reservoir zu dessen Erwärmung;
3. bewirkt er ein Wiederanzünden der Flamme, wenn dieselbe durch einen Windstofs erlischt
oder mittelst des Regulators temporär abgestellt wird;
4. dient er in gewissen Fällen, z. B. in dem in Fig. 11 bezeichneten, zur Beleuchtung.
Der Piatinaherd ist nicht unbedingt nothwendig zum guten Functioniren des Apparates,
doch mufs bei Abwesenheit desselben dafür gesorgt werden, dafs die aus dem Brenner austretenden
Dämpfe in Berührung mit einer erhitzten Oberfläche kommen. Dieselbe kann aus der
inneren Wandung des Rohres bezw. Kamines bestehen, oder aus der Oberfläche irgend eines
anderen Organes, gegen welches man diese Dämpfe strömen läfst.
Claims (2)
- Patent-An Sprüche:
i. Die Verbindung der drei folgenden Organe:a) eines Reservoirs, das eine brennbare Flüssigkeit enthält;b) eines Bunsenbrenners, der aus diesem Reservoir die Flüssigkeit erhält, die ihn nährt, und zwar durch ein System von Kanälen und Rohren derart, dafs die Flüssigkeit ihm durch Capillarität zukommt, welches auch die Position des Reservoirs sein möge;c) eines Regulators, der gestattet, die Oeffnung, die den Brenner mit dem Reservoir verbindet, nach Belieben zu vergröfsern und zu verkleinern.Diese Verbindung, aus welcher ein System von Heizapparaten bezw. Heiz- und Leuchtapparaten gebildet wird, das, nachdem es in Function ist, ohne Zuthun einer fremden Wärmequelle eine beständige Flamme von grofser Stärke producirt, welche einen Theil ihrer Hitze zur Erzeugung der sie nährenden Gase bezw. Dämpfe abgiebt, so dafs der Apparat durch Verstopfung der Ausströmungsöffnungen nicht explodiren kann. - 2. Die Verbindung eines mittelst durch seine eigene Hitze erzeugter Gase bezw. Dämpfe genährten Brenners mit einem Herde aus Piatina oder ähnlichem Metall, zur gleichzeitigen oder gesonderten Erzeugung folgender vier Wirkungen:a) die Verbrennung der durch den Apparat erzeugten Gase und Dämpfe vollkommener zu machen;b) die Gase und Dämpfe wieder zu entzünden, wenn sie erloschen;c) den Brenner zu erhitzen;d) Licht zu erzeugen.Hierzu I Blatt Zeichnungen.
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