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Optische Einrichtung zur Ermittlung der Ergebnisse von Schießübungen
auf ein gegenüber dem echten Ziel versetztes Phantomziel Die Erfindung bezieht sich
auf eine optische Einrichtung zur Ermittlung der Ergebnisse von Schießübungen auf
ein gegenüber dem echten Ziel versetztes Phantomziel, wobei mit der um eine Achse
schwenkbaren Einrichtung ein optischer Vergleich des das echte Ziel enthaltenden
Bildes und des die Einschußstelle am Phantomziel enthaltendes Bildes vorgenommen
wird.
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Eine solche Einrichtung ist aus dem sogenannten Spiegelbildschießen
bekannt, wie es hauptsächlich beim Übungsschießen gegen Luftziele angewendet wird.
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Beim Übungsschießen gegen ein gespiegeltes Ziel rrluß bei einem entsprechenden
Schießgerät das verhältnismäßig umständliche Spiegelgesetz angewendet werden. Außerdem
bereitet das Nachführen der Beobachtungseinrichtung wegen des vorhandenen Spiegelbildes
des echten Zieles unter Umständen Schwierigkeiten, weil einerseits die Schwenkbewegungen
in der entgegengesetzten Richtung ausgeführt werden müssen und andererseits das
echte Ziel sich nicht unmittelbar vor dem Betrachter befindet, sondern schräg hinter
ihm.
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Die Ermittlung der Ergebnisse von Schießübungen wird überraschend
vereinfacht bei einer Einrichtung der eingangs genannten Art, bei der erfindungsgemäß
ein - aus der Vermessungstechnik - an sich bekanntes Aggregat aus zwei fest miteinander
verbundenen und um eine gemeinsame Achse schwenkbaren Beobachtungsgeräten vorgesehen
ist, deren optische Achsen um einen festgelegten Winkel gegeneinander um die Schwenkachse
versetzt sind, wobei dieser Winkel gleich dem Versetzungswinkel des Schießgerätes
gegenüber dem echten Ziel ist.
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Vorteilhaft sind die beiden Beobachtungsgeräte des Aggregats um 60°
gegeneinander versetzt. Die Gesetzmäßigkeiten des gleichseitigen Dreiecks sind nämlich
wesentlich dafür, daß bei der Beobachtung von zwei Seekampfschiffen aus das Phantomziel
in der gleichen Entfernung wie das echte Ziel liegt. Damit ergibt sich bei Theodolithaufnahmen,
wenn sie von beiden Schiffen aus gleichzeitig vorgenommen werden, die Möglichkeit,
nicht nur die Seitenablage, sondern auch die Tiefenablage der Einschußstelle gegenüber
dem Phantomziel zu bestimmen.
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Eine Ausführungsform der Erfindung besteht darin, daß die beiden Beoachtungsgeräte
auf ein gemeinsames Okularsystem oder auf eine gemeinsame Fotokamera zur Erzeugung
eines überlagerungsbildes der beiden Gesichtsfelder optisch kombiniert sind.
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Eine Einrichtung nach der Erfindung kann auch so getroffen werden,
daß die beiden Beobachtungsgeräte auf zwei Okularsysteme oder auf zwei Fotokameras,
die jedoch gemeinsam auslösbar sind, wirken und daß in beide Gesichtsfelder gleiche
Fadenkreuze einblendbar sind. Vorzugsweise werden als Fotokameras einäugige Spiegelreflexkameras
vorgesehen.
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Im einfachsten Fall kann das Vermessungsgerät als Doppelfeldstecher
mit gegeneinander um 60° verdrehten Objektivachsen und einem Doppelokular zur Überlagerung
der beiden Objektivgesichtsfelder und einer Promilleskala ausgebildet sein.
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Der besondere Vorteil dieser Maßnahmen ergibt sich bei der Anwendung
derartiger Einrichtungen zur Durchführung von Artillerie-Übungsschießen mit paarweise
zusammen übenden Schiffen.
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Bisher wurden Marine-Übungsschießen auf bewegte Seeziele in der Weise
durchgeführt, daß ein von einem Schleppschiff geschlepptes Zielschiff beschossen
wurde.
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Unter Verwendung der erfindungsgemäßen Einrichtung, insbesondere bei
Verwendung gleich zweier solcher Aggregate, ist ein wesentlich vorteilhafteres Vorgehen
zur Durchführung von Marine-Schießübungen auf Seeziele möglich. E ist dazu vorgesehen,
daß je zwei Schiffe paarweie Übungen durchführen. Beide sind mit Einrichtungen der
erläuterten Art auszurüsten, und mindestens eines der beiden Schiffe muß mit Mitteln
zur Bestimmung der Schießelemente für seine Artillerie in bezug auf das Partnerschiff
als
gedachtes Ziel und zusätzlichen Mitteln zur Versetzung des effektiven
Zielpunktes in der Horizontebene um einen festen Seitenwinkelzusatz von 60° ausgerüstet
sein. Es wird also ein um diesen Seitenwinkelzusatz versetzter, in gleicher Entfernung
wie das Partnerschiff abliegender Phantomzielpunkt beschossen, und auf diesen Phantomzielpunkt
sind je die Richtachsen der -einen Beobachtungsgeräte der beiden Einrichtungen gerichtet,
falls die Richtachsen der anderen Geräte -auf das Partnerschiff gerichtet sind.
Weil die Entfernung zwichen den beiden Partnerschiffen ohne Schwierigkeiten zu bestimmen
und die Winkelablagen der Treffpunkte vom Phantomzielpunkt beobachtbar sind, z.
B. photographiert werden können, lassen sich die effektiven Zielfehler schnell und-gut
ermitteln.-. Grundsätzlich. können beide Schiffe, die abwechslungsweise schieen,.
beliebige Kurse und Geschwindigkeiten fahren,- so daß taktische Situationen entsprechend
den möglichen Ernstfallkonstellationen herbeigeführt werden können.
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Ausführungsbeispiele erfindungsgemäßer Einrichtungen und Situationebilder
bei. der Anwendung derartiger Einrichtungen zum Übungsschießen mit Marineeinheiten
sind in der Zeichnung dargestellt. Es zeigt F i g.1. -einen Grundrij .einer .erfindungsgemäßen
-optischen- Einrichtung,-F i g. 2 - eine Seitenansicht des einen der beiden Beobachtungsgeräte,
F i g. 3 eine Seitenansicht einer Einrichtung nach F i g.1 und 2 im Gebrauch; F
i g. 4 eine Plansituation für zwei mit Einrichtungen nach F i g:.1 --bis 3- ausgerüstete
Seekampfschiffe bei der Durchführung eines Übungsschießens, F i g. 5 a und 5 b Beispiele
von zusammengehörigen Fotografien, die mit den beiden Kameras einer Einrichtung
nach F i g. 1 bis 3 gewonnen werden können, F i g. 6 ein BeispieX -einer Situation,
die aus der Überlagerung der Gesichtsfelder der beiden Ver-Inessungsgeräte im Okular
.der Einrichtung bzw. in einer beiden Verrnessüngsgeräten gemeinsamen Kamera entsteht.
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Mit 1R bzw. 1L (in .F i g. 2 und 3 nur mit dem allgemeinen Bezugszeichen
l bezeichnet) sind zwei Fototheodolithsysteme als optische Beobachtungsgeräte an
sich bekannter Bauart dargestellt, die, ein Aggregat bildend, auf einer stabilisierten
Horizontplattform 2 (F i g. 2, 3) so aufgebaut sind, daß ihre optischen Achsen 10R
bzw. 10L (in F i g. 2 und 3 allgemein mit 10 bezeichnet) untereinander in
jeder Lage stets einen fsten Seitenwinkel von 60° und mit der Ebene der Horizontplattform
stets gleiche Höhenwinkel einschließen. bzw. dazu parallel sind. Es kann sich beispielsweise
um Spiegelref(exkamerasysteme 11 mit rückseitig angebauten Filmkassetten 12 nach
dem unter dem Handelsnamen »Polaroid« bekannten System handeln. Durch -ein Okularsystem
13 kann ein Beobachter B (F i g. 3) die aus der Überlagerung der Gesichtsfelder
der _ beiden Objektive entstehende Bildsituation erkennen: Nicht dargestellte- Mittel,
die bei Fototheodolithen bekannt sind, gestatten das Mitfotografieren eines Fadenkreuzes
mit o/oö Maßstab, einer Anzeige der verwendeten Fokuslänge (z. B. »F 600«) bei auswechselbaren
Teleobjektiven 14 und der Bezeichnung L bzw. R als Angabe, aus welchem System das
erzeugte Bild stammt. Ebenso ist es in bekannter Weise möglich, eine Bildnummer
und Entfernungswerte (z. B. »D 9000«) in das Bild einzuspiegeln. Eine auf beide
Kameras einwirkende Schnellaufzug- und Auslösevorrichtung ist dazu bestimmt, beide
Kamerasysteme miteinander aufzuziehen und miteinander auszulösen.
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Gemäß F i g. 3 ist auf dem Deck 3 eines Schiffes eine Tragsäule
30 mit einem Beobachtersitz montiert. Eine auf der Tragsäule 30 montierte
Kreiseleinheit 31 dient dazu, über ein in einem Balggehäuse 32 eingeschlossenes
Kardansystem die Plattform 2 unabhängig von den Bewegungen des Schiffsdeckes 3 stets
in der Horizontebene zu halten. Gemeinsame Höhen-und Seitenwinkelverstellungen kann
der Beobachter B am Handgriff 33 einsteuern. Es braucht auch nur eine einzige Kamera
zur Herstellung von Bildern aus der Überlagerung der Gesichtsfelder der beiden Theodolithsysteme
1R und 1L vorgesehen zu werden.
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Gemäß F i g. 4 führen zwei zusammen übende Schiffe S1 und S2 eine
Artillerie-Schießübung auf Gegenseitigkeit durch. Sie verhalten sich genau wie in
einer wirklichen Kampfsituation, d. h., sie fahren freie Kurse k1, k2 mit von ihnen.
gewählten Geschwindigkeiten. Sie ermitteln mit bekannten Feuerleitanlagen die Schießelemente,
die zum Treffen des Partnerschiffes mit der eigenen Artillerie führen würden. Die
Geschütze werden aber automatisch um einen Zusatz-Seitenwinkel von ± 60° vom Ziel
weggerichtet, so daß sie auf ein Phantomziel P gerichtet sind, das - wegen der Gesetzmäßigkeiten
des gleichseitigen Dreiecks (Dreieck mit Dreieckswinkeln von 60°) - in gleicher
Entfernung wie das Partnerschiff erscheint. Das Phantomziel P und die beiden Schiffe
S1 und S2 bilden somit -das in- der See-Ebene liegende gleichseitige Dreieck S,-S.-P.
Die Schiffe feuern abwechslungsweise. Jedes der beiden Schiffe ist mit einer Einrichtung
nach F i g.1 bis 3 ausgerüstet, wobei jeweils die Richtachse des einen Beobachtungsgerätes,
d. h. das betreffende Fadenkreuz vom Beobachter B auf das Partnerschiff gerichtet
ist. Die Richtachsen des anderen Fototheodolithen der Einrichtung sind dann auf
das Phantomziel gerichtet. Der Beobachter sieht nach dem Auslösen des Feuers in
seinem Okular 13 die Situation nach F i g. 6, die aus der Überlagerung der beiden
Theodolithbilder entsteht und der Ernstfallsituation entspricht. Beim Sichtbarwerden
der Wassersäulen T, welche die Treffpunkte der Geschosse anzeigen, löst er den Kameraverschluß
aus und macht die Kamera wieder aufnahmebereit. Bei Verwendung von »Polaroid«-Kameras
können schon nach 10 Sekunden die fertigen Bilder nach F ig. 5 a und 5 b entnommen
werden. Sie tragen die gleiche Bildnummer und die Angabe der Fokuslänge des verwendeten
Objektivs sowie mit Vorteil die Angabe der Entfernung. Auf der Seitenwinkel-oloo-Skala
lassen sich die Ablagewinkel d a des Objektes S bzw. der Treffer vom Bildzentrum
ablesen. Nach bekannten Rechenregeln lassen sich aus den abgelesenen Werten die
Fehlerkomponenten der Trefferlagen gegenüber dem Phantomtreffpunkt ermitteln.