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Verfahren zur selbständigen, kurzfristigen Umwandlung von ödland in
Humus-oder Kulturböden Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren, aus Ödland in
kürzester Frist unter geringstem Aufwand an Zeit und Arbeit Humus- oder Kulturböden
zu gewinnen.
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In der freien Natur findet ein solcher Umwandlungsprozeß ohne jedes
menschliche Zutun laufend statt. Die Dauer solcher Umwandlungsprozesse zieht sich
aber in der Regel über Jahrzehnte und Jahrhunderte hin, so daß sie von der menschlichen
Gesellschaft und insbesondere von der jeweils lebenden Generation im Hinblick auf
deren verhältnismäßig kurze Lebensdauer praktisch nicht wahrgenommen werden und
keine größere Bedeutung haben. Das gilt insbesondere für die Entstehung von Humusböden
aus zunächst unfruchtbarem Gestein und völlig unfruchtbaren Landflächen. Für diese
Prozesse sind dabei nicht nur das Klima und die täglich wechselnde Witterung sowie
gewisse Feuchtigkeitsmengen, sondern auch Flora und Fauna von wesentlicher Bedeutung;
Mikroben im Boden und in der Atmosphäre spielen dabei eine nicht unbedeutende Rolle,
um anorganische in organische Bestandteile umzuwandeln und umgekehrt.
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Solche Umwandlungsprozesse sind aber auch mit Resten pflanzlicher
oder tierischer Substanz, die als Industrie- oder Haushaltabfälle vielfach unbenutzt
beseitigt werden, zu erzielen. Bisher sind in der Regel solche Abfallstoffe unter
hohem Transportaufwand abseits menschlicher Siedlungen gebracht und in besonders
dafür angelegten Gruben aufgestapelt oder gar zur Auffüllung von Gelände verwendet
worden, wo diese wertvollen Abfallstoffe ungenutzt der Verrottung anheimfielen.
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Außer Abfallstoffen tierischer und pflanzlicher Herkunft, vorzugsweise
Unkrautmassen, kommen aber auch noch in Betracht Laubabfälle, Schilf- und Waldgrasrückstände,
Abfälle der Straßenreinigung usw.
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Es sind schon verschiedene Verfahren zur Behandlung landwirtschaftlicher
Kulturböden und Förderung des Kulturpflanzenwachstums bekanntgeworden. Ein solches
Verfahren verwendet zwar auch schon düngende, nährstoffhaltige Zusätze für den Boden,
indes auch solche zur Bekämpfung von Unkraut, Insekten, Pilzen usw. und benutzt
eine poröse Kunstharzschaumschicht über dem Boden, die in einigen Millimetern Dicke
auf zu schützende Landflächen versprüht und danach festgewalzt wird. Eine Änderung
vorhandener Wachstumsverhältnisse sowie der Bodenstruktur ist nicht beabsichtigt,
einer Bodenverkrustung soll vorgebeugt werden. Mit der Umwandlung von Ödland in
Humus- oder Kulturböden unter Beseitigung und Verwertung vorhandener Unkrautmassen,
hat dieses Verfahren nichts zu tun. Es kann damit allenfalls ein Sprossen neuer
Unkräuter beeinträchtigt werden. Ein anderes bekanntes Verfahren betrifft die Verteilung
und Vermischung von Klärschlamm, Torfmull, Stallmist usw. in vorher ausgehobenem,
etwa 50 cm tiefen Geländeboden und Vermischung mit diesem. Gegebenenfalls
soll noch eine Lehmschicht zur Abdichtung vorgesehen werden. Ein solches Verfahren
ist sehr aufwendig und hat ebenfalls mit der Gewinnung von Humus- oder Kulturböden
aus an Ort und Stelle anfallenden Unkrautpflanzen usw. nichts zu tun. Auch Verfahren
zur Verwendung von Nadelholzspreu für Saatbeete von Nadelholzpflanzen-Kulturen sind
bekannt, die mit Abdeckungen gegen Sonnenschein und regelmäßigem Besprühen mitWasser
arbeiten. Schließlich Verinischung mit diesem. Gegebenenfalls soll noch Walzen biegsam
gemachtem Torfmull bekannt, mit denen Pflanzenkulturen abgedeckt werden sollen.
An Stelle von Torfmullplatten sind auch schon Bahnen aus flüssiger Holzcellulose
über Jungpflanzen versprüht worden. Auch die Ausbreitung von Torfmassen in Haufen
von 20 bis 40 cm Dicke unter Zufügung von Mikroorganismen und Nährstoffen für diese
auf Feldflächen ist nicht mehr neu. Die bekannten Verfahren betreffen fast sämtlich
die Förderung des Wuchses von Kulturpflanzen und die Behinderung von Unkrautpflanzen.
Sie haben aber nicht die Gewinnung von Humusboden und gegebenenfalls gar die Förderung
von Unkrautpflanzenwuchs zum Ziel, aus dem sodann der Humusboden an Ort und Stelle
gewonnen wird.
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Gegenstand der Erfindung ist es, die genannten tierischen oder pflanzlichen
Abfallstoffe, insbesondere Unkrautmassen, nicht mehr ungenutzt der Verrottung
anheim
zu geben, sondern diese zur Gewinnung von Humus- und Kulturböden an Ort und Stelle
in kürzestmöglicher Zeit zu verwerten.
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Im einzelnen erreicht das die Erfindung dadurCh, daß an Ort und Stelle
vorhandene organische Abfallstoffe tierischer oder pflanzlicher Herkunft, insbesondere
Industrie-, Haushalts-, Gärtnereiabfälle oder Unkrautmassen, am Ort ihres Anfalles
gesammelt, in Schichten von etwa 30 bis 50 cm Dicke auf die unbearbeiteten
ödlandflächen abgelagert und dort nach Pressung durch einen Walzvorgang oder dergleichen
in Gegenwart geeigneter Feuchtigkeitsmengen einer selbsttätigen Verrottung zu Dauerhumusstoffen
überlassen werden.
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Durch das erfindungsgemäße Verfahren entstehen nur geringe Unkosten.
Die eigentliche chemische Umwandlungsarbeit erfolgt ohne jeden Bau von Anlagen und
sonstigen Aufwand und wird von den Mikroben zum wesentlichen Teil übernommen. Das
Verfahren arbeitet daher denkbar wirtschaftlich. Es bedarf lediglich nur noch der
Anfuhr oder Verbringung nicht an Ort und Stelle angefallener pflanzlicher oder tierischer
bzw. organischer Abfallstoffe auf geeignete Ödlandflächen.
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Der übliche Regen und Taubefall, ebenso wie Schnee und Nebel, reichen
in der Regel für die notwendige Feuchtigkeit zur zügigen Verrottung völlig aus,
ganz abgesehen von dem üblicherweise über längere Zeiträume im Sommer vorliegenden,
90 1/o übersteigenden Feuchtigkeitsgehalt der atmosphärischen Luft. Auch
diese Feuchtigkeit teilt sich den Abfallstoffen mit. Der zügigen Verrottung im Sinne
der vorliegenden Erfindung liegen dabei bestimmte klimatische Verhältnisse zugrunde,
wie sie nämlich in unseren Breitengraden naturgemäß gegeben sind. Fehlt eine gewisse
Mindestmenge an Feuchtigkeit von seiten der Natur, so muß auf künstlichem Wege für
entsprechende Befeuchtung gesorgt werden, wie dies insbesondere in regenarmen Zonen
vorgesehen werden müßte.
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Die Gefahr des Wegtragens gestapelter Unkrautmassen du-rch den Wind
ist nicht gegeben, zumal die auf dem ödland gestapelten Unkrautmassen oder dergleichen
gegenseitig verflochten sind und sich selbst halten. Um einem Wegtragen vorzubeugen,
aber auch um die nötigen Innentemperaturen der Verrottungsmasse und einen gewissen
Luftabschluß dieser zu gewährleisten, ist erfindungsgemäß vorgesehen, die
Ab-
fallschicht, beispielsweise mittels Walzen, einer zusätzlichen Pressung
zu unterziehen.
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Eine gelegentliche etwaige erneute Verunkrautung durch etwa durch
den Wind übertragene Samen der Unkräuter, die der Verrottung entgehen konnten, würde
nicht einmal schaden. Je mehr Unkraut auf dem ödland wächst, desto besser und schneller
kann die Bildung der gewünschten Humusschicht erfolgen. Die völlige Verrottung und
Umwandlung von ödland in bis dahin nicht genutzte Humus- oder Kulturböden ist ohnehin
nicht an einen festen Zeitpunkt gebunden, so daß auch im Falle eines ganzen, extrem
trockenen Jahres allenfalls eine leichte, nicht ins Gewicht fallende zeitliche Verschiebung
der Gesamtverrottung eintritt.
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Die erfindungsgemäß gewonnenen Humusstoffe enthalten alle benötigten
Nährsubstanzen für die späteren Kulturpflanzen in der erforderlichen aufgeschlossenen
Form nach Qualität, Quantität bzw. Mischungsverhältnis der Ausgangsstoffe. Ehemaliges
ödland wird in etwa ein bis zwei Jahren zu fruchtbarem Humus- oder Kulturboden umgewandelt.
In der Natur entwickelt sich beispielsweise ein reges Wachstum ohne jegliches Zutun
sonst etwa erst in acht bis zehn Jahren. Erfindungsgemäß wird auch dem bisher üblichen
Verbrennen von Unkraut und Rückständen von Kulturpflanzen usw. und Abfällen von
diesen auf Feldern und in Gärten, wie dies im Frühling , und Herbst alljährlich
wahrzunehmen ist, mit nützlicher Zweckbestimmung ein Ende gesetzt.
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Bisher unvermeidliche Transporte zur Abfallbeseitigung in volkswirtschaftlich
völlig bedeutungslosen Abfallgraben können eingespart werden.
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Zu der praktischen Handhabung bedarf es lediglich noch einer Abtrennung
von metallischen bzw. anorganischen und organischen Abfallstoffen im Haushalt und
in der Industrie.
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Zweckmäßig wird vor der erfindungsgemäßen Entfernung und Weiterverwertung
von Unkraut und pflanzlichen Abfällen und deren Abfuhr jeweils zu prüfen sein, ob
die Beseitigung unerwünschten Wachstums nicht auch an Ort und Stelle ohne jeden
Transportaufwand durch flaches Unterpflügen (Schälen oder Häufeln mittels Pflug)
erfolgen kann. Insbesondere wird das dann der Fall sein, wenn die allgemeine
Verunkrautung schon ziemlich fortgeschritten ist und sozusagen gleich an Ort und
Stelle das erfindungsgemäße Verfahren der Gewinnung von Humus- oder Kulturböden
angewendet werden kann.
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Nach einem weiteren Merkmal des Verfahrens der Erfindung kann der
Umwandlungsprozeß durch Zugabe von Mikroben beschleunigt werden, indem sofort nach
der Ablagerung der organischen Abfälle bzw. pflanzlicher Abfallstoffe die entsprechenden
Mikrobenkulturen zugeführt werden. Dabei kann es sich auch als zweckmäßig erweisen,
anorganische Nährstoffe zur beschleunigten Entwicklung der in den Unkrautmassen
oder Abfallstoffen selbst enthaltenen Mikrobenkulturen beizugeben. Nach einem weiteren
Merkmal des Verfahrens der Erfindung ist es schließlich auch noch angebracht, zur
sicheren Erzielung der erforderlichen Innenwärme und eines Luftabschlusses der Abfallschicht
gegenüber der Atmosphäre eine mehrmalige Pressung der Schicht durch einen Walzvorgang
oder dergleichen vorzunehmen.
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Der erfindungsgemäß gewonnene Humusboden wird am besten durch Unterpflügen
aufbereitet und ergibt dadurch die gewünschten Kulturböden. Es kann aber auch die
gebildete Humusschicht obenauf liegenbleiben, wodurch die, Schicht des gewonnenen
fruchtbaren Landes verhältnismäßig dünn bleibt.
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An Abfallausgangsstoffen zur Gewinnung von Kulturböden wurden versuchsweise
verwendet: 1. Unkräuter (Johanniskraut, Goldrate, Beifuß, Brennesseln, Disteln),
2. Abfallblumen und gärtnerische Staudenrückstände, 3. Kartoffelkraut, Quecken,
4. Rapsstroh.
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Die Versuche wurden auf völlig sterilem Boden (z. B. auch solchem
aus Baugruben und Bauabfallschutt) durchgeführt, z. B. im Kleinversuch in einer
unbenutzten Ecke eines Bauernhofes auf etwa 10 m2 und sodann auf einer
Feldfläche von 10 Morgen.
Die Abfallstoffe wurden zunächst
nur in 5 bis 15 cm Höhe gleichmäßig verteilt geschichtet.
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Angebaut wurden hierauf versuchsweise zunächst nur schnellwachsende
Kulturpflanzen, wie Senf und Raps.
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Bei Verwendung von Senfpflanzen ergab sich bereits eine Fruchtbarkeit
von normalen Böden nach durchschnittlich 1 bis 2 Jahren Liege- oder Verrottungszeit,
bei Rapsflanzen nach 2 bis 3 Jahren Liegezeit.
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Für anspruchsvollere Pflanzen und größere Humusschichtdicken ist in
1 bis 3 Jahren mit der Gewinnung normal gut ertragsreichen Mutterbodens
zu rechnen, der dann teilweise untergepflügt wurde.
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Die Dicke der sich bildenden Humusschicht ist stark abhängig von der
aufgetragenen Decke aus Ab-
fallstoffen und wird je nach der anzubauenden
Kulturpflanzenart dicker oder dünner gewählt.
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Die erfindungsgemäß angegebene Schichtdicke von 30 bis
50 cm an Abfallstoffen ergibt eine praktisch für alle Pflanzenarten ausreichend
hohe, fruchtbare Humusschicht in 1 bis 3 Jahren, in welcher Zeit die
Witterungsverhältnisse bezüglich Feuchtigkeit, Sonneneinwirkung, Temperatur von
starkem Einfluß sind.
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Die vorstehenden Angaben lassen bereits unter Durchführung systematischer
und methodischer Versuche erkennen, daß mit dem erfmdungsgemäßen Verfahren auf leichte
und einfache Weise ohne Zuführung von mineralischen oder natürlichen Düngemitteln
und dem damit verbundenen Kostenaufwand in kürzester Liegezeit (1 bis 2 Jahre
durchschnittlich) fast kostenlos fruchtbares Acker- bzw. Kulturland gewonnen wird.
Einjährig oder mehrjährig verrottet-und verunkrautete Großfeldflächen sind so wirtschaftlich
wieder ackerbaumäßig nutzbar zu machen, unter Einsparung der normalen Düngungskosten.