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Einrichtung zum Reffen und Entreffen von Fallschirmen Die Erfindung
betrifft eine Einrichtung zum Reffen und Entreffen von Fallschirmen, bestehend aus
einer Reffleine, die nahe dem Rand der Fallschirmkappe angeordnet und um diese herumgeführt
ist, und aus einer Auslösevorrichtung, die an den Enden der Reffleine angreift und
innerhalb eines zylindrischen Gehäuses eine Feder enthält, welche auf eine bestimmte
Last eingestellt ist und die Entreffung verursacht, wenn ihre Belastung unter den
eingestellten Wert sinkt.
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Eine Einrichtung dieser Gattung ist bereits bekannt, und zwar erfolgt
dabei die Auslösung der Reffleine in Abhängigkeit von der Spannung einer bestimmten
Fangleine, in die eine Vorrichtung eingeschaltet ist, die die Fangleinenspannung
kontrolliert. Beim Auftreten bestimmter Spannungswerte in der Fangleine wird die
Reffleine von der Vorrichtung entsprechend nachgelassen. Der in dieser Hinsicht
wirksame Teil der Reffleine verläuft rechtwinklig zu der die Vorrichtung enthaltenden
Fangleine und hat keinen Einfluß auf die die Fangleinenspannung messende Feder im
Innern der Vorrichtung.
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Die bekannte Einrichtung weist den Nachteil auf, daß der Auslösevorgang
der Reffleine von Kräften abhängig ist, die in den Fangleinen auftreten. Diese Kräfte
sind in ihrer Größe und in der Art ihres Wirksamwerdens verschieden von den Kräften,
die in der Reffleine selbst vorkommen. In den Fangleinen wirken oftmals ruckartige,
schüttelnde Kräfte, die eine Auslösevorrichtung zu einer »stotternden« Arbeitsweise
veranlassen. Die Folge davon ist ein höchst ungleichmäßiges Entreffen der Fallschirmkappe,
außerdem eine ungünstige Beanspruchung der Oberfläche der Reffleine.
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Bei einer anderen bekannten Einrichtung zum Reffen und Entreffen von
Fallschirmen wird ebenfalls der Auslösevorgang ohne Rücksicht auf die Reffleinenspannung
eingeleitet, und zwar durch die Entfaltung der Schirmkappe. Durch den damit verbundenen
Stoß wird ein Zeitwerk, und zwar ein Brennsatz von bestimmter Abbrenndauer, in Gang
gesetzt, welches nach Verstreichen der vorbestimmten Zeit die Reffleine durchschneidet
und dadurch die Entreffung erfolgen läßt. Bei dieser bekannten Entreffungseinrichtung
ist also der Augenblick der Entreffung vollkommen unabhängig von der tatsächlichen
Notwendigkeit des Entreffens, vielmehr findet die Entreffung zu einem Zeitpunkt
statt, der schon lange vorher beim Verpacken des Fallschirms in seinen Verpackungssack
festgelegt worden ist, und zwar durch die Zahl der in die Einrichtung eingelegten
Verzögerungsbrennsätze. Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, den Augenblick
des Entreffens genau den jeweiligen Erfordernissen während der Schirmbenutzung anzupassen.
Dies ist nicht nur für einen Fallschirmspringer von Bedeutung, sondern auch bei
solchen Fallschirmen; die zum Abbremsen von Flugzeugen bei der Landung oder zum
Abwerfen von Lasten und Ausrüstungsgegenständen verwendet werden. Die Lösung der
Aufgabe geschieht nach der Erfindung durch eine Einrichtung der eingangs genannten
Gattung, welche dadurch gekennzeichnet ist, daß die Auslösevorrichtung in Abhängigkeit
von der Spannung der Reffleine betätigt wird. Auf diese Weise läßt sich der Augenblick
der Entreffung den Verhältnissen individuell anpassen, und die Entreffung geschieht
nicht nach Verstreichen einer vorher festgelegten Anzahl von Sekunden im Anschluß
an die Schirmentfaltung, sondern je nachdem früher oder später, wie stark gerade
der Zug in der Fallschirmkappe und damit der Zug in der Reffleine ist. Hierin liegt
ein wesentlicher Fortschritt gegenüber den bekannten Entreffungseinrichtungen, bei
denen der Zeitpunkt der Entreffung von vorgangsfremden Kräften bestimmt wird bzw.
schon vorher festliegt, so daß keine Rücksicht auf Geschwindigkeit, positive oder
negative Beschleunigung, Luftdichte, Windverhältnisse usw. genommen werden kann.
Weitere
Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der Beschreibung zweier Ausführungsbeispiele,
die in der Zeichnung dargestellt sind. Es zeigt F i g. 1 eine schematische Darstellung
einer teilweise entfalteten Fallschirmkappe in gerefftem Zustand, F i g. 2 die gleiche
Fallschirmkappe in entrefftem Zustand, F i g. 3 eine Längsschnittansicht einer Auslösevorrichtung,
die auf die Reffleinenspannung reagiert, in gerefftem Zustand, F i g. 4 die gleiche
Vorrichtung wie F i g. 3 in ausgerefftem Zustand, F i g. 5 eine Längsschnittansicht
einer anderen Auslösevorrichtung für die Reffleine, die auf die Reffleinenspannung
reagiert, in gerefftem Zustand, F i g. 6 die Vorrichtung nach F i g. 5 in ausgerefftem
Zustand.
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Gemäß F i g. 1 und 2 hat die Fallschirmkappe A Fangleinen B, die auf
irgendeine geeignete Weise an der abzuwerfenden Last oder am Flugzeug, das durch
einen Schirm abgebremst werden soll, befestigt sind. Eine Reffleine 10 ist
gleitbar in flexiblen Schlaufen oder Rohren 11 angebracht, die um den Kreisumfang
der Kappenbasis herum befestigt sind; die Enden der Leine 10 werden mit dem
Gerät C verbunden, das die Reffleine und die Kappe in gerefftem Zustand festhält,
bis es sie infolge des Abfalls der Leinenspannung auf einen vorbestimmten Wert freigibt
und damit das Entfalten der Kappe auf ihre volle Widerstandsfläche ermöglicht.
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Gemäß F i g. 3 und 4 enthält das Gerät C einen Zylinder 13 mit einem
geschlossenen Ende 14, an dem ein Ende der Reffleine 10 a ständig befestigt
ist. Ein Kolben 15 mit einer Kolbenstange 16 befindet sich im Zylinder 13 und ist
gleitbeweglich; die Kolbenstange 16 geht durch eine Trennwand 17 hindurch, die am
Zylinder 13 befestigt ist. Eine Feder 18 ist in der Zylinderkammer um die Kolbenstange
16 herum angebracht; ihre entsprechenden Enden schlagen an die Trennwand 17 und
an den Kolben 15 an: die Feder ist vorgespannt und hat ständig die Tendenz, den
Kolben 15 in die der Wand 17 entgegengesetzte Richtung zu treiben.
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Das freie Ende der Kolbenstange 16 ist gegabelt. An ihm ist bei Punkt
19 ein L-förmiges Verriegelungsglied 20 drehbar gelagert, das an @ einem Ende einen
Haken hat, der auslösbar in das geschlaufte Ende 10b der Reffleine
10 eingreift. Das querliegende Ende des Verriegelungsgliedes 20 liegt gegen
die Innenwand des Zylinders 13 an und weist eine Öffnung 21 für einen Verschlußstift
22 auf, der durch eine Öffnung 24 in der Zylinderwand hindurchgeht und die Verriegelungsvorrichtung
20 festhält, wenn der Fallschirm nicht in Gebrauch ist. Beim Gebrauch wird
der Stift 22 mit einer Fangleine der Kappe verbunden, so daß beim Entfaltungsvorgang
der Kappe der Stift 22 herausgezogen und die Vorrichtung in Tätigkeit gesetzt wird.
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Eine oder mehrere Durchlaß- oder Dämpfungsöffnungen, wie 26 in Kolben
15, können vorgesehen sein, so daß die Luft im Zylinderraum 27 nur sehr langsam
entweichen kann und damit jede plötzliche Bewegung des Kolbens im Zylinder verhindert,
die durch unvermitteltes Nachlassen der Spannung der t Reffleine 10 während
des Entfaltungsvorgangs der Kappe verursacht werden könnte. Ein größerer Dämpfungsgrad
kann durch Füllen des Zylinderraumes zu beiden Seiten vom Kolben 15 mit einer Flüssigkeit
erreicht werden.
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Bei anfänglicher Entfaltung der Kappe auf ihren gerefften Zustand
(F i g. 1) ist die Reffleinenspannung größer als die Kraft der Feder 18. Daher bleibt
nach dem Herausziehen des Stiftes 22 das Hakenende des Verriegelungsgliedes 20 in
der Stellung gemäß F i g. 3, wobei das Ende 10 b der Reffleine
10 vom Haken gehalten wird. Wenn infolge der Abbremsung der Last die Spannung
der Leine 10 auf einen Wert abfällt, der unter der Kraft der Feder 18 liegt, wird
der Kolben 15 in den Zylinder 13 getrieben und zieht dabei das Verriegelungsglied
20 mit, bis es mit seinem oberen Schenkel einen Schlitz 30 in der Wand des Zylinders
13 erreicht. Damit wird es zum Schwenken in die entriegelte Stellung freigegeben
(F i g. 4), wodurch das geschlaufte Ende 10 b der Leine 10 vom Haken abgleitet
und eine Entfaltung der Kappe auf die volle Widerstandsfläche ermöglicht wird.
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In F i g. 5 und 6 ist eine andere Reffsteuerung C gezeigt. Sie enthält
einen Zylinder 35, der an einem Ende durch eine Wand 36 geschlossen ist. Die Wand
36 hat eine querlaufende öffnung 37 zum Befestigen des geschlauften Endes 10c der
Reffleine. Die Wand 36 ist am Zylinder 35 befestigt und weist einen Schlitz 38 für
eine Messerklinge 40 auf. Ein verbreiterter Teil 41 des Zylinders 35 enthält
eine gleitbewegliche Scheibe 42, die gegen Rotation durch ein Gleitstück
44 des Zylinderteiles 41 abgesichert ist. Die Scheibe 42 besitzt
als Verlängerungsstück die Messerklinge 40; ein Scherstift oder ein Draht
43 hält die Scheibe 42 mit der Schnittkante der Klinge 40
zurück, und
zwar so. daß sie mit dem Strang der Schlaufe 10 c, der durch die Öffnung 37 geht,
nicht in Berührung kommt, bis die Vorrichtung in Tätigkeit gesetzt wird. Im Zylinder
35 befindet sich ein Kolben 50, dessen Kolbenstange 51 durch das äußere Ende des
Zylinders herausragt, und an der das andere Ende 10 d der Reffleine befestigt
ist. Eine Gewindekappe 52a schließt dieses Ende des Zylinders 35 ab. Eine starke
Druckfeder 52 liegt zwischen Endkappe 52a und Kolben 50 und hat ständig die Tendenz,
den Kolben 50 gegen die Scheibe 42 zu treiben.
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Ein Sperrglied 55 mit einem Flanschende ist so angebracht, daß es
in Querrichtung aus der Wand des Zylinders 35 hinein- und herausbewegt werden kann.
Der Sperrbolzen 55 wird beweglich von einer Blattfeder 56 getragen, die bei Punkt
57 am Zylinderteil 41 befestigt ist. Diese Feder hat ständig die Tendenz, den Sperrbolzen
55 aus dem Zylinder 35 herauszuheben. Der Kolben 50 ist jedoch in seinem Vorderteil
so geformt. daß das Flanschende des Sperrbolzens 55 dort hintergreift, so daß, wenn
die Druckfeder 52 unter Belastung ist, der Sperrbolzen 55 jede Bewegung des Kolbens
50 gegen die Wand 36 verhindert, bis starker Leinenzug die Feder 52 anzieht und
der Blattfeder 56 ermöglicht, den Sperrbolzen 55 aus dem Weg des Kolbens 50 herauszuziehen.
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Eine leichtere Druckfeder 60 liegt zwischen Kolbenstange 51 und Scheibe
42, um den Druck beim Durchschneiden der Leine zu verstärken.
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Wenn sich die Fallschirmkappe entfaltet, besteht zwischen den Enden
10c und 10d der Reffleine eine starke Spannung. Diese Spannung wirkt
zusammenpressend auf die Druckfeder 52 und entfernt die Belastung vom Sperrbolzen
55, der dann durch die
Blattfeder 56 aus dem Weg des Kolbens 50
herausgezogen wird (F i g. 6). Wenn die gereffte Fallschirmkappe dann ihre Last
abbremst, wird die Spannung reduziert, und die Hauptfeder 52 dehnt sich aus. Durch
diese Ausdehnung wird Feder 60 unter Druck gesetzt und gegen die Wand 36 bewegt,
bis der Druck auf die Scheibe 42 ausreicht, um den Stift 43 durchzuscheren. Durch
die Tätigkeit der Feder 60
schnellt die Scheibe 42 mit dem Messer 40 nach
vorn und schneidet das geschlaufte Ende 10 c der Reffleine durch. Dadurch kann sich
die Kappe voll entfalten.
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Die Feder 60 kann auch wegfallen, obgleich dann das Messer
40 die Reffleinenschlaufe 10 c nur langsam mit der Ausdehnung der Feder 52 durchschneidet
und nicht plötzlich und scharf, wie mit eingebauter Feder gemäß F i g. 5 und 6.
Es ist ebenfalls möglich, eine Dämpfungsvorrichtung anzubringen, um ungewollte Bewegungen
des Kolbens 50 bei der Anfangsentfaltung der Kappe zu verhindern. Eine solche Vorrichtung
wäre ähnlich der eingebauten Vorrichtung, die in F i g. 3 und 4 gezeigt ist (Bohrung
26).