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Verfahren zum elektrolytischen Ätzen von Aluminiumoberflächen Die
vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum elektrolytischen Ätzen von Aluminiumoberflächen,
insbesondere von Elektroden für Elektrolytkondensatoren. Durch das Ätzen wird die
aktive Oberfläche der Elektroden und damit die Kapazität im Kondensator vergrößert.
Es sind Verfahren bekannt, bei denen ein pulsierender Gleichstrom angewandt wird,
wobei eine größere Aufrauhung erzielt wird als mit einem konstanten Gleichstrom.
Nach der britischen Patentschrift 715 525 kommen für den Strom-Zeit-Verlauf des
pulsierenden Gleichstromes verschiedene Wellen- und Rechteckformen in Betracht.
Das Pulsierungsausmaß soll jedoch zwischen 50 und 250 % oder noch höher liegen.
Unter Pulsierungsausmaß wird dabei die Gesamtstromänderung in Prozent des Strommittelwertes
verstanden. Der pulsierende Gleichstrom kann auf verschiedene Weise erzeugt werden.
Die Verwendung von ungeglättetem, gleichgerichtetem Zweiphasen-oder Einphasenwechselstrom,
der auf einfache Weise zu erzeugen wäre, sei jedoch nicht brauchbar, da dieser ein
zu kleines Pulsierungsausmaß aufweise.
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Neben dem Pulsierungsausmaß sind auch noch andere Ätzbedingungen,
wie Stromdichte, Elektrolytkomzentration und Temperatur, von Einfluß auf die Erzielung
einer optimalen Oberflächenvergrößerung. In der britischen Patentschrift 715 525
werden diesbezüglich verlangt eine hohe Stromdichte, z. B. 50 bis 60 A/dm2, und
eine möglichst niedrige Elektrolytkonzentration von nicht wesentlich über 0,2 normal.
Als Elektrolyte werden verschiedene Säuren und Salze, insbesondere Halogenverbindungen
verwendet.
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Es wurde nun gefunden, daß durch eine besondere Kombination von verschiedenen
Ätzbedingungen noch höhere Oberflächenvergrößerungen erzielt werden können. Erfindungsgemäß
werden zum Ätzen ein Pulsierungsausmaß, ausgedrückt als Gesamtstromänderung in Prozent
des Strommittelwertes von unter 50 %, eine mittlere Stromdichte von über 50 A/dm2,
eine Elektrolytkonzentration von 3 Mol pro Liter bis zur Sättigung und eine Elektrolyttemperatur
von 70° C bis zum Siedepunkt angewendet. Diese Bedingungen ergeben insbesondere
an Elektroden für Niedervoltkondensatoren, d. h. an Elektroden, die im Bereich bis
zu ungefähr 100 Volt formiert werden, die höchste Oberflächenvergrößerung.
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Die erfindungsgemäß anzuwenden Ätzbedingungen müssen in Kombination
angewandt werden, um die höchste Aufrauhung zu erzielen. Wird nur eine Bedingung
geändert, z. B. das Pulsierungsausmaß über 50 % oder die Stromdichte unter 50 A/dm2
gewählt, so sinkt die Oberflächenvergrößerung stark ab. Hingegen kann die Frequenz
des pulsierenden Gleichstromes in weiten Bereichen gewählt werden, z. B. von 50
bis 2000 Hz oder noch höher. Änderungen der Frequenz über 200 Hz haben kaum einen
Einfluß auf die Größe der Aufrauhung.
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Das gegenüber dem bekannten Verfahren niedrige Pulsierungsausmaß bringt
den weiteren Vorteil, daß auch ein ungeglätteter, gleichgerichteter Zweiphasen-oder
Einphasenwechselstrom verwendet und dieser auf einfache Weise erzeugt werden kann.
Die Strom-Zeit-Kurve des pulsierenden Gleichstromes kann aber auch andere Formen
aufweisen.
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Als Elektrolyte kommen die Chloride, Jodide. Bromide und Chlorate
der Alkalimetalle, insbesondere Natriumchlorid, in wässeriger Lösung in Frage. Die
Konzentration soll über 3 Mol pro Liter sein. Natriumchlorid hat bei der Sättigung
eine Konzentration von ungefähr 5 Mol pro Liter, die etwas von der Temperatur abhängig
ist. Als günstig hat sich ein Zusatz von 1 bis 5 % Salzsäure erwiesen. Der Zusatz
darf aber nicht zu groß sein, damit das Aluminium nicht schon im stromlosen Zustand
angegriffen wird.
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Die Stromdichte ist nach oben begrenzt durch die höchstmögliche elektrische
Belastbarkeit der Folie, bis eine zu starke Erwärmung der Folie auftritt und diese
eventuell durchschmilzt.
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Die Erfindung wird an Hand von drei Beispielen beschrieben.
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Fig. 1 bis 3 zeigen die den Beispielen zugehörigen Strom-Zeit-Kurven
und Fig.4 bis 6 die entsprechenden Schaltschemata.
In den Fig. 4
bis 6 'bedeutet 1 die zu ätzende Folie, 2 der Ätzelektrolyt und 3 der als Kathode
geschaltete Elektrolytbehälter.
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1. Eine Aluminiumfolie von 99,991/o Reinheit wurde nach Entfettung
und Beizung im Durchlaufverfahren während 80 Sekunden elektrolytisch geätzt in einer
5molaren, wässerigen Lösung von Natriumchlorid (29o/oig) bei einer Temperatur von
80° C mit einer mittleren Stromdichte von 80 A/dm2. Als pulsierender Gleichstrom
würde ein ungeglätteter, gleichgerichteter Dreiphasenwechselstrom verwendet mit
einer Strom-Zeit-Kurve. gemäß Fig.@ 1. Dessen Welligkeit war so hoch; daß sich ein
Pulsierungsausmaß von 201/o ergab. Zur Erzeugung dieses Stromes wurde eine Schaltung
gemäß Fig.4 verwendet mit einem Dreiphasengleichrichter 4.
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Die Oberflächenvergrößerung wurde gemessen als Vergleich der Kapazitätswerte
einer geätzten und einer ungeätzten Folie nach einer Formierung bei 6 Volt in einem
Borsäureelektrolyten. Sie betrug das 45- bis 50fache der ungeätzten Folie.
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2. Eine Aluminiumfolie von 99,85 % Reinheit wurde in einer 5molaren
Lösung von Natriumchlorid mit 5 % Salzsäure geätzt. Temperatur 90° C. Der Ätzstrom
wurde einem Gleichstromgeneratur entnommen, geglättet und mit so viel Wechselstrom
überlagert, daß das Pulsierungsausmaß 20% betrug. Die Strom-Zeit-Kurve ist in Fig.
2 dargestellt und das Schaltschema in Fig. 5. In letzterem bedeutet 5 den Gleichstromgenerator,
6 eine im Gleichstromkreis liegende Drossel, die den Wechselstrom abriegelt, 7 den
Wechselstromgenerator und 8 einen Kondensator im Wechselstromkreis, der einen Gleichstromfluß
durch den Wechselstromgenerator vermeidet. Die mittlere Stromdichte betrug 100 A/dm2.
Nach 75 Sekunden Ätzzeit wurde eine etwa 40fache Oberflächenvergrößerung erhalten.
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3. Zwei Aluminiumfolien von 99,5 % Reinheit wurden in zwei Ätzbädern
mit 5molarer Natriumchloridlösung bei Siedetemperatur geätzt mit einer Schaltung
gemäß Fig: 5. Mittels des Umschalters 9 wird Gleichstrom abwechselnd an das eine
und das andere Bad geführt, so daß beide von einem pulsierenden Gleichstrom durchflossen
werden. Die Widerstände 10 a und 10 b sorgen dafür, daß zusätzlich
ein dauernder Gleichstrom durch beide Bäder fließt. Es ergibt sich ein Stromfluß
gemäß Fig. 3. Die mittlere Stromdichte betrug 100 A/dm2, Ätzzeit 100 Sekunden. Es
wurde eine 40- bis 45fache Oberflächenvergrößerung erzielt.
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Wird die Folie mit einem gleichgerichteten Wechselstrom, dessen Pulsierungsausmaß
über 50% beträgt, unter sonst gleichen Bedingungen geätzt, so wird eine nur ungefähr
30fache Oberflächenvergrößerung erzielt. Auch mit niedrigeren Stromdichten und/oder
Elektrolytkonzentrationen bei sonst gleichen Ätzbedingungen wird nicht die hohe
Oberflächenvergrößerung wie nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erzielt.
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Natürlich kann das erfindungsgemäße Verfahren nicht nur als Standätzung,
sondern auch als Durchlaufverfahren ausgeführt werden.