DE1142041B - Vorrichtung in der Druckschale eines Kernreaktors zur Verminderung des beim Platzen eines Teiles des Primaerkreises entstehenden Dampfdruckes - Google Patents
Vorrichtung in der Druckschale eines Kernreaktors zur Verminderung des beim Platzen eines Teiles des Primaerkreises entstehenden DampfdruckesInfo
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Description
DEUTSCHES
PATENTAMT
L 34773 VIHc/21g
ANMELDETAG: 24. NOVEMBER 1959
BEKANNTMACHUNG
DER ANMELDUNG
UND AUSGABE DER
AUSLEGESCHRIFT:
3. JANUAR 1963
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Verminderung des beim Platzen eines in einem Druckbehälter
befindlichen Teiles des Primärkühlkreises eines Kernreaktors entstehenden Dampfdrucks, welche
innerhalb des Druckbehälters angeordnet ist und den entstehenden Dampf zur Kondensation durch
kaltes Wasser leitet.
Wassergekühlte Reaktoren werden aus Sicherheitsgründen mit einer Drackschale umgeben, die so ausgelegt
ist, daß beim Platzen eines Teiles des primären Kühlkreises der bei der Verdampfung des Wassers
entstehende Druck aufgenommen werden kann. Aus verschiedenen Gründen bemüht man sich, die Anlage
möglichst kompakt zu bauen, d. h. mit kleinen Abmessungen für die Druckschale auszukommen. Dabei
wird allerdings der Auslegungsdruck der Druckschale höher als bei einer großen Druckschale. Die Folge ist,
daß unter anderem die Einsparung an Baukosten durch Verringerung der Abmessungen durch Vergrößerung
der Wandstärken der Druckschale wieder verlorengeht.
Es ist bereits bekannt, den sich in einer Druckschale einstellenden Druck nach Platzen eines Teiles
des Primärkreises dadurch gering zu halten, daß man durch geeignete Einbauten den entstehenden Dampf
zwingt, durch ein kommunizierendes System zu strömen, das mit kaltem Wasser gefüllt ist. Wenn der
Dampf durch das kalte Wasser strömt, wird er zum Teil kondensieren, das Wasser wird aufgewärmt, und
der sich insgesamt einstellende Druck in der Druckschale ist wesentlich geringer. Große Schwierigkeiten
in der konstruktiven Auslegung einer derartigen Anlage bestehen darin, daß sichergestellt werden muß,
daß der Dampf wirklich durch das Wasser perlt und daß während des Durchtritts des Dampfes eine ausreichende
Herabsetzung seines Druckes bzw. eine ausreichende Kondensation eintritt. Nach den bekannten
Vorschlägen drückt bei einem Reißen des Primärkievses.
der in der Umgebung des Druckgefäßes oder der geplatzten Primärleitung entstehende Dampf auf
den Wasserspiegel des einen Schenkels des kommunizierenden Systems. Infolge des Dampfdrucks wird
dieser Wasserspiegel gesenkt, bis der tiefste Punkt des kommunizierenden Systems erreicht ist. Der Dampf
kann dann auf der anderen Seite nach oben strömen, wobei er durch das Wasser hindurchperlt. Der Nachteil
einer derartigen Anordnung besteht darin, daß zur Beschleunigung der Wassersäule im kommunizierenden
System zuviel Zeit benötigt wird, so daß in der Zwischenzeit der Druck so hoch ansteigt, daß
das System explodiert. Die Zeiten, in denen der Dampf beim Platzen des Reaktordruckgefäßes aus
Vorrichtung
in der Druckschale eines Kernreaktors
zur Verminderung des beim Platzen
eines Teiles des Primärkreises
entstehenden Dampfdruckes
Anmelder:
Licentia Patent-Verwaltungs-G.m.b.H.,
Frankfurt/M., Theodor-Stern-Kai 1
Frankfurt/M., Theodor-Stern-Kai 1
Dr.-Ing. Heinz Kornbichler, Walldorf (Bez. Lagen), ist als Erfinder genannt worden
diesem freigesetzt wird, liegen weit unter einer Sekunde. Ein zweiter Nachteil besteht darin, daß der
Dampf um die Unterkante des kommunizierenden Systems herum unter Umständen einen durchgehenden
Dampfschlauch bildet, der an einer einzigen Stelle des zweiten Schenkels hochschießt, so daß nicht
genügend Zeit und keine ausreichende Möglichkeit zur Kondensation vorhanden ist.
Den bisher bekannten Vorrichtungen zur Druckunterdrückung liegt die Annahme zugrunde, daß es
sich um relativ kleine Unfälle handelt, bei denen sich
der Druck im Reaktordruckgefäß langsam aufbaut. Bei diesen bekannten Vorrichtungen wird die Annahme
gemacht, daß der größte Unfall darin besteht, daß der größte Stutzen des Druckgefäßes reißt. Für
einen solchen Unfall läßt sich mit Hilfe des Ausflußgesetzes die aus dem Primärkreis austretende Dampfmenge
berechnen und es läßt sich eine der bekannten Vorrichtungen zur Druckunterdrückung, ζ. Β. ein
Röhrensystem, das den Dampf in kaltes Wasser leitet, so auslegen, daß ein bestimmter Druck in der Druckschale
nicht überschritten wird. Die entscheidende Frage ist aber, welche einschränkende Annahme für
den Verlauf eines Unfalls gemacht werden darf, ohne daß ein gewisses Risiko eingegangen wird. Die Annahme,
daß der größte praktisch denkbare Unfall durch ein Reißen des größten Anschlußstutzens gegeben
ist, kann nicht als absolut sicher angesehen werden.
Macht man hinsichtlich des Unfalls an Reaktordruckgefäßen aber keinerlei Einschränkungen mehr,
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d. h., läßt man auch ζ. Β. das Platzen einer Längsnaht
zu, so vollzieht sich das Ausströmen des Inhalts des Primärkreises innerhalb weniger Millisekunden.
Einem derartigen Unfall ist keines der bis heute bekanntgewordenen Konzepte der Druckunterdrückung
gewachsen, denn bis diese Systeme infolge Verdrängung des Wassers zum Arbeiten kommen, ist in der
Druckschale ein Druck aufgebaut, der praktisch dem Gleichgewichtsdruck ohne Vorhandensein der Druckunterdrückungsvorrichtungen
entspricht.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die genannten Nachteile zu vermeiden. Die Lösung dieser
Aufgabe besteht darin, daß bei einer Vorrichtung zur Verminderung des beim Platzen eines in einem Druckbehälter
befindlichen Teiles des Primärkühlkreises eines Kernreaktors entstehenden Dampfdruckes,
welche innerhalb des Druckbehälters angeordnet ist und den entstehenden Dampf zur Kondensation durch
kaltes Wasser leitet, oberhalb des Kernreaktors eine horizontale Trennwand angeordnet ist, welche den
Druckbehälter in zwei Räume abtrennt, daß auf dieser Trennwand eine Schicht kalten Wassers mit
einer freien Wasseroberfläche liegt und daß in der Trennwand öffnungen vorgesehen sind, deren Verschlüsse
bei einem durch Platzen des Primärkühlkreislaufes plötzlich auftretenden großen Überdruck
aufreißen, so daß der Dampf die Wasserschicht von unten nach oben durchströmt.
Die Erfindung ermöglicht die Druckunterdrückung in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit, indem
eine Wasserschicht von unter einem Meter Dicke nur um wenige Zentimeter bewegt wird, um bereits eine
große intensiv durchwirbelte Oberfläche von kaltem Wasser zur Kondensation des Dampfes zu schaffen.
Die Öffnungen sind nur für eine Druckdifferenz ausgelegt, die dem Gewicht des darauf ruhenden Wassers
entspricht. Im Unfallsfalle wirken jedoch Differenzdrücke von einigen Atmosphären und der Mechanimus
der Öffnung ist nicht mehr durch die Festigkeitseigenschaften der Verschlüsse, sondern nur noch
durch die Massenträgheit des darüberliegenden Wassers bestimmt. Der Öffnungsvorgang kann sich
daher an den verschiedenen Verschlüssen nur geringfügig unterscheiden. Dies ist von Vorteil, weil auf
diese Weise die Oberfläche des kalten Wassers noch mehr aufgerissen wird. Der besondere durch die Erfindung
erzielte Vorteil liegt darin, daß der Dampf nicht erst Wasser in einem Schenkel eines kommunizierenden
Gefäßes verdrängen muß, sondern durch den Eintritt von unten in die zu durchperlende
Wasserschicht ohne Umweg und Zeitverlust direkt in die Wasserschicht eindringt, in der die Kondensation
erfolgt. Dies wird durch eine Vorrichtung ermöglicht,
bei der der Raum, in dem sich der Primärkreis befindet, von dem übrigen Raum in der Druckschale
durch eine Zwischenwand getrennt ist, und bei der in dieser Zwischenwand eine Vielzahl von Bohrungen
vorgesehen sind, die z. B. durch Platzscheiben verschlossen sind. Die zu durchperlende Wasserschicht
befindet sich über diesen Bohrungen, so daß beim Entstehen eines Überdrucks im Räume des Primärkreises
der entstehende Dampf direkt von unten und ohne Umweg in die zu durchperlende Wasserschicht
eintritt.
Die Erfindung soll an Hand zweier Ausführungsbeispiele näher erläutert werden.
Fig. 1 zeigt die Reaktordruckschale 1, in der sich der Siedewasserkondensator 2 und der Wärmetauscher
3 befindet. Wenn das Druckgefäß des Reaktors 2, der Wärmetauscher 3 oder die Leitungen 4
des Primärkreises aus irgendeinem Grund platzen sollten, dann verdampft ein großer Teil des im Primärkreis
vorhandenen Wassers, das vorher unter Druck von etwa 70 ata stand. Der Raum 6 ist von
dem Raum 5 durch eine Zwischenwand 7 getrennt. Die Zwischenwand 7 besitzt eine sehr große Anzahl
von Öffnungen 8, die durch Platzscheiben od. dgl. verschlossen sind. Diese Zwischenwand kann beispielsweise
wie der Rohrboden eines Wärmetauschers gebohrt werden, so daß nur relativ schmale Stege
stehen bleiben. Auf jeder der Bohrungen befindet sich ein dünnes Blechplättchen. Die gesamte Anordnung
ist durch einen Überzug mit einem geeigneten Lack oder einer geeigneten Kunststoffolie abgedichtet.
Wenn sich im Primärkreis ein Unfall ereignet und die
großen Dampfmassen nach oben schießen, treffen sie auf die Zwischenwand 7. Infolge des Überdrucks werden
die Öffnungen freigemacht — im gewählten Beispiel würden die Plättchen losgerissen werden — und
der Dampf wird durch viele Öffnungen eindringen und die Wasserschicht 9 durchperlen. Der Dampf
kann auf der gesamten Unterfläche der Wasserschicht angreifen. Die Zwischenwand 7 selbst bietet dem
hochschießenden Dampfstrom nur relativ geringen Widerstand, da die Stege sehr dünn gehalten werden
und überdies gegebenenfalls durch senkrecht stehende Streben, die an der Unterkante angeschweißt sind,
noch verstärkt werden können.
Ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel zeigt Fig. 2. In der Druckschale 1 befindet sich der Reaktor 2, der
von einem Betonpanzer 11 umgeben ist. Der Raum 6 ist durch die Zwischenwände 7 und den Deckel 12
von dem Raum 6 getrennt. Beim Platzen des Reaktordruckgefäßes 2 nimmt der Betonpanzer 11 und der
Deckel einen Teil der Wirkung der ersten Druckwelle auf. Der entstehende Wasserdampf muß — wie an
Hand der Fig. 1 erläutert wurde — die Wasserschicht 9 von unten her durchdringen. Hierbei findet
die gewünschte Kondensation des Wassers statt.
Claims (1)
- PATENTANSPRUCH:Vorrichtung zur Verminderung des beim Platzen eines in einem Druckbehälter befindlichen Teiles des Primärkühlkreises eines Kernreaktors entstehenden Dampfdruckes, welche innerhalb des Druckbehälters angeordnet ist und den entstehenden Dampf zur Kondensation durch kaltes Wasser leitet, dadurch gekennzeichnet, daß oberhalb des Kernreaktors (2) eine horizontale Trennwand (7) angeordnet ist, welche den Druckbehälter (1) in zwei Räume (S und 6) abtrennt, daß auf dieser Trennwand (7) eine Schicht kalten Wassers (9) mit einer freien Wasseroberfläche liegt und daß in der Trennwand (7) Öffnungen (8) vorgesehen sind, deren Verschlüsse bei einem durch Platzen des Primärkühlkreislaufes plötzlich auftretenden großen Überdruck aufreißen, so daß der Dampf die Wasserschicht von unten nach oben durchströmt.In Betracht gezogene Druckschriften: »Power«, September 1955, S. 75 bis 79.Hierzu 1 Blatt Zeichnungen© 209 750/142 12.62
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