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Technisches Anwendungsgebiet
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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung von verunreinigten,
wasserhaltigen Kühl-
und Schmiertoffen, bei dem der Kühl-
und Schmierstoff oder eine daraus erhaltene Fraktion ein flüssiges Medium bildet,
das zur Reduzierung von enthaltenen Keimen erhitzt wird.
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Kühl- und
Schmierstoffe werden unter anderem in der spanenden Fertigung (z.B.
Drehen, Fräsen, Schleifen),
der Metallurformtechnik (z.B. Schmieden), der Metallumformtechnik
(z.B. Biegen, Ziehen, Walzen, Dehnen, Drücken) oder in anderen Bereichen
von industriellen Fertigungsprozessen eingesetzt, in denen kühlende und
schmierende Eigenschaften von Hilfsstoffen gefordert werden. Bei
diesem Einsatz werden die Kühl- und Schmierstoffe
im Laufe der Gebrauchsphase mit Feststoffen oder Flüssigkeiten,
wie beispielsweise Abrieb, Schneidzusätze, Abrasivmittel oder Fremdöle, und
mit Keimen verunreinigt. Unter wasserhaltigen Kühl- und Schmierstoffen werden in der vorliegenden
Beschreibung unter anderem wasserlösliche, wassermischbare, wassergemischte
oder andere Kühl-
und Schmierstoffmischungen verstanden, die Wasser im Bereich > 5 % bis nahezu 100
% beinhalten. Im Folgenden wird als Sammelbezeichnung für derartige
verunreinigte, wasserhaltige Stoffe der Ausdruck „wassermischbare
Kühlschmierstoffe" oder kurz „KSS" verwendet.
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Die
in der Industrie am häufigsten
eingesetzten wassermischbaren Kühlschmierstoffe
sind komplexe Emulsionen auf Basis von KSS-Konzentraten, die im
Verhältnis
von etwa 1:10 bis 1:25 in Wasser eingemischt und emulgiert werden.
Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft einige spezifische Stoffklassen,
die in wassermischbaren Kühlschmierstoffen
enthalten sein können,
und gibt die maximal enthaltene Konzentration der Stoffklassen in
den handelsüblichen
Konzentraten an.
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Es
ist ersichtlich, dass KSS-Konzentrate komplex zusammengesetzt sind.
Neben Emulgatoren, die feindisperse Öl- oder Wassertröpfchen in
der Emulsion stabilisieren, enthalten die Rezepturen Korrosionsschutzmittel,
schneidaktive Zusätze
wie Extreme-Pressure-Additives,
Lösungsvermittler
und, im Falle von vorkonservierten Konzentraten, auch Biozide.
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Kühlschmierstoffe
können
neben den flüssigen
Komponenten auch feste Stoffe in Form feinster Partikel, Späne und Schleifmittel
enthalten. Diese Partikel werden in vielen Anwendungen durch das
bearbeitete Material (z.B. Metall, Kohlenstoff) und das zerspanende
Material (z.B. Schneid- oder Schleifpartikel aus Siliziumkarbid,
Diamant, Hartmetall u.a.) dominiert. Darüber hinaus können Fremdöle in den
Kühlschmierstoff
gelangen und die Eigenschaften des KSS verändern. Besonders problematisch
ist jedoch, dass es in den KSS zu einem Verkeimen durch Mikroorganismen
kommen kann, v.a. durch aerobe, anaerobe und/oder sporenbildende
Bakterien sowie Hefen und Schimmelpilze. Durch die Verkeimung von
KSS können
sich deren Gebrauchseigenschaften massiv verändern. Weiterhin kann es zu
gesundheitlichen Problemen bei den Mitarbeitern der Betriebe kommen,
die mit verkeimten KSS arbeiten. Die Kühlschmierstoffe werden bei
zu starker Verunreinigung, bei zu hohem Fremdölgehalt oder bei zu hoher Verkeimung
als Sonderabfall beseitigt.
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In
Metallbearbeitungsprozessen können
bei unkontrolliertem Wachstum von Mikroorganismen in KSS die folgenden
Probleme auftreten:
- – Konzentrationsrückgang wichtiger
KSS-Inhaltsstoffe;
- – Zunahme
des Korrosionsrisikos;
- – Verlust
von Kühl-
und/oder Schmierwirkung des KSS;
- – Verstopfungen
von Rohrleitungen durch Biomasse;
- – Mikrobiell
bedingte Hautschäden
und Infektionsrisiken für
das Personal;
- – Bildung
toxischer mikrobieller Stoffwechselprodukte;
- – Vermehrung
pathogener Keime;
- – Erhöhtes Risiko
der Bildung von kanzerogenen Nitrosaminen infolge mikrobieller Reduktion
von Nitrat zu Nitrit;
- – allergenes
Potential.
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Diese
Probleme haben alle zur Folge, dass die Standzeit des KSS verkürzt wird
und große
Massen an KSS beseitigt werden müssen.
Dies erhöht
die Kosten der spanenden Fertigung.
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Stand der Technik
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Zur
Beseitigung von gebrauchten KSS werden von den Sonderabfallbeseitigungsunternehmen
chemisch/physikalische Verfahren eingesetzt. Bei diesen Verfahren
erfolgt eine Emulsionsspaltung und eine Trennung von Öl und Wasser.
Das Öl
wird überwiegend
thermisch verwertet, die Wasserfraktion muss vor der Einleitung
in das Abwassersystem biologisch nachbehandelt werden. Bei hohen
Gehalten an Bioziden im Kühlschmierstoff
kann es dabei zu Störungen
in der biologischen Abwasserreinigungsanlage kommen.
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Vor
der Beseitigung der gebrauchten KSS kann eine dezentrale Aufkonzentrierung
mittels Ultrafiltration oder Eindampfung vorgenommen werden. Dabei
wird die ölhaltige
Phase aufkonzentriert, so dass eine geringere Masse zu beseitigen
ist. Die abgetrennte Wasserphase kann entweder innerbetrieblich
wieder eingesetzt werden oder wird der betrieblichen Abwasserreinigung
zugeführt.
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Das
Hauptproblem beim Einsatz der beschriebenen KSS ist die Anfälligkeit
der Emulsionen gegenüber
mikrobiellem Befall. Die Temperatur von KSS in Metallbearbeitungsmaschinen
liegt i.a. zwischen 20 und 50°C.
Neben diesen günstigen
Wachstumstemperaturen bilden sie ein gutes Nährmedium für viele Bakterien, Pilze und
Hefen durch die enthaltenen organischen Verbindungen. KSS enthalten
alle für
das Wachstum dieser Mikroorganismen erforderlichen Elemente wie
Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel und Phosphor
sowie Wasser.
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Zum
sicheren Betrieb der spanenden Fertigung sollte eine erhöhte Keimbelastung
grundsätzlich
vermieden werden. Die maximale mikrobiologische Belastung in KSS
sollte Keimzahlen von 106 KBE/ml (KBE: koloniebildende
Einheiten als Maß für die Keimbelastung)
nicht übersteigen.
Dies wird bislang in weiten Bereichen der Industrie durch die Zugabe
von Bioziden erreicht. Der Einsatz dieser Verbindungen ist ökologisch nicht
unumstritten, da gesundheitsbeeinträchtigende Effekte auf die Beschäftigten
nicht völlig
auszuschließen sind.
Nachteilig am Biozideinsatz ist ferner, dass sich Resistenzen gegen
die Biozide entwickeln können,
so dass entweder die Konzentrationen stark erhöht, die Biozide häufig gewechselt
oder komplexe Biozidgemische eingesetzt werden müssen. Aus diesen Gründen wird
mit der aktuellen EU-Biozidrichtlinie
(Richtlinie 98/8/EG vom 16.02.1998 über das Inverkehrbringen von
Biozid-Produkten) eine deutliche Reduktion des Biozideinsatzes angestrebt.
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Zur
Verlängerung
der Emulsions-Standzeiten sind Anlagen bekannt, die an den KSS-Kreislauf
von Bearbeitungsmaschinen angeschlossen werden können und auf unterschiedlichen
Verfahrenskonzepten basieren. Die meisten Aufbereitungsanlagen enthalten
eine mechanische Abtrennung der festen und flüssigen Verunreinigung aus den
KSS, wie sie z.B. in der
DE
298 16 019 U1 oder der
DE 195 15 710 A1 dargestellt sind. Zur Keimreduktion
wird in diesen Druckschriften zusätzlich eine UV-Bestrahlung durchgeführt. Auch
das Verfahren der
DE
199 58 021 A1 nutzt die keimabtötende Wirkung von UV-Strahlung. UV-Strahlung
im Wellenlängenbereich
von ca. 254 nm hat eine hervorragende keimreduzierende Wirkung in
transparenten Medien wie Luft oder klarem Wasser durch Schädigung der
DNA der Mikroorganismen. Wesentlich für eine effektive UV-Behandlung
ist, dass die zu behandelnde Schichtdicke möglichst klein ist, da die Eindringtiefe
dieser Strahlung in Emulsionen äußerst gering
ist. Die UV-Behandlung ist ein etabliertes Entkeimungsverfahren
für klares Wasser
und Oberflächen
von Verpackungen. Problematisch gestaltet sich die Keimreduktion
jedoch, wenn die zu behandelnde Flüssigkeit trüb ist und/oder, wie bei KSS,
eine Mischung oder Emulsion. Die Schichtdicken, in denen das Fluid
entkeimt werden kann, werden mit zunehmender Verschmutzung immer
geringer. Dadurch verringert sich bei bestehenden Bestrahlungsvorrichtungen
der zu entkeimende Volumenstrom immer weiter. Die UV-Behandlung ist demnach
für trübe Flüssigkeiten
wie Emulsionen nicht geeignet. Besonders bei verunreinigten KSS
ist die Eindringtiefe der UV-Strahlen dafür zu gering.
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Aus
der
DE 33 32 561 C2 ist
ein Verfahren bekannt, bei dem bakterizid wirkende Kupferionen elektrolytisch
in den KSS eingebracht werden. Der Vorteil dieses Verfahrens ist
die einfache Bedienung. Die elektrolytische Behandlung von KSS-Emulsionen
mit Kupferanoden hat aber den Nachteil, dass Kupfer nicht nur gute bakterizide
Eigenschaften aufweist, sondern auch toxisch für den Menschen ist. Dieses
Verfahren hat somit keinen Vorteil gegenüber der Verwendung von Bioziden
zur Konservierung von KSS.
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Aus
der Wasseraufbereitung sind Verfahren zur chemischen Reduktion der
Keime durch Halogenierung (Zugabe von z.B. Chlor, Brom, Jod), Ozonierung
oder Zugabe von biozid wirkenden Substanzen wie Silber, Kupfer und
weiteren handelsüblichen
Bioziden bekannt (siehe z.B.: http://www.bayern.de/wwa-ab/technik/Wv/
Waufbereit/aufbereit.htm#sonst). Nicht alle der beschriebenen Chemikalien
und Verfahren sind jedoch für
KSS sinnvoll einsetzbar. Viele chemische Verfahren sind nachteilig,
da sie auf die komplexe Struktur der KSS Einfluß nehmen können. Ein Überschuß an Halogenen oder Ozon im
KSS würde
die verschiedenen organischen Verbindungen, die im Kühlschmierstoff
enthalten sind, teilweise oder vollständig oxidieren.
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Weiterhin
ist ein Verfahren bekannt, bei dem Wasser elektrolytisch gespalten
wird (Firmeninfo: Mall Neutra). Die elektrolytische Spaltung des
Wassers in Sauerstoff und Wasserstoff ist nicht unproblematisch.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Emulsion durch die
stattfindende Reaktion gespalten werden kann. Außerdem ist die Bildung von
Knallgas sicherheitstechnisch bedenklich. Ein merklicher Effekt
hinsichtlich der Keimabtötung
ist für
dieses Verfahren darüber
hinaus aber nicht beschrieben.
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Die
DE 101 38 113 A1 beschreibt
ein Verfahren zur Erhöhung
der Verwendungszeit von Kühlschmierstoffen,
bei dem durch Erhitzung des Kühlschmierstoffes
darin enthaltene Keime inaktiviert werden. Die Erhitzung erfolgt
unter Einsatz eines Wärmetauschers,
wobei auch ein zusätzlicher
Wärmetauscher
zur Wärmerückführung aus
dem bereits erhitzten Kühlschmierstoff
eingesetzt wird. Auch bei einem weiteren Verfahren, wie es bspw.
von der Fa. D.A. Stuart bekannt ist, wird der KSS in einem Wärmetauscher
erhitzt und dadurch von den Keimen befreit. Der Nachteil der Erhitzung
von thermisch labilen Emulsionen in konventionellen Wärmetauschern
besteht allerdings darin, dass zum Erreichen der gewünschten
Medium-Endtemperatur stets Übertemperaturen
an den Wärmetauscherflächen erforderlich
sind. Die Übertemperaturen
der Wärmetauscherflächen gegenüber der
angestrebten Medium-Endtemperatur liegen in der Regel zwischen 10
und 50 K und verursachen eine Reihe von unerwünschten Effekten. Zum einen
entstehen an den Wärmetauscherflächen Überhitzungen,
an denen bestimmte Salze wie zum Beispiel Karbonate ausfallen können. Derartige
Ausfällungen
können
zu Verkrustungen an den Wärmetauscherflächen führen, dem
sogenannten Scaling. Die Wärmetauscherflächen müssen von
diesen Verkrustungen in regelmäßigen Zeitabständen gereinigt
werden, was Kosten verursacht. Darüber hinaus können an
den heißen
Wärmetauscherflächen auch
Fouling-Effekte auftreten, wodurch weiche Beläge entstehen. Weiche Beläge können bei
Emulsionen durch Anlagerungen von freien Ölen und durch Ablagerungen
von anderen Substanzen der KSS wie z.B. von Emulgatoren oder von anderen
Additiven hervorgerufen werden. Die Übertemperaturen können zudem
eine thermische Schädigung des
eingesetzten KSS bewirken. Eine der Ursachen dafür ist, das die Wandtemperaturen
mindestens 10 Kelvin heißer
sein müssen
als die erforderliche Entkeimungstemperatur. Wenn z.B. eine Temperatur
von 75 °C
benötigt
wird, um den KSS zuverlässig
zu entkeimen, sollte die Wandtemperatur der Wärmetauscher mindestens 85 °C betragen.
In der Praxis werden noch höhere Übertemperaturen
realisiert, um mit kleinen Wärmetauschern
auszukommen. Bei Temperaturen von 85 °C oder höher können aber schon nach kurzer
Behandlungsdauer deutliche Produktschädigungen auftreten. Die KSS
können
dann bereits nach wenigen Entkeimungs- und Reinigungszyklen ihre
Gebrauchseigenschaften verlieren.
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Aus
der
DE 37 10 156 A1 ist
eine Vorrichtung zur Behandlung von in Krankenhäusern anfallendem Infektionsmüll mit Hilfe
von Mikrowellen bekannt. Aus dieser Druckschrift, die allerdings
ein vollständig
anderes Anwendungsgebiet als das des vorliegenden Verfahrens betrifft,
kann die grundsätzliche
Möglichkeit
einer Entkeimung durch Mikrowelleneinstrahlung entnommen werden.
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Die
Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein wirtschaftliches
Verfahren zur Verfügung
zu stellen, mit dem die Verkeimung von gebrauchten und verunreinigten
KSS auch ohne den Einsatz von Bioziden effizient reduziert werden
kann. Das Verfahren sollte die KSS schonend behandeln, Scaling und
Fouling weitgehend vermeiden und stabile Prozeßeigenschaften gewähren.
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Darstellung der Erfindung
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Die
Aufgabe wird mit dem Verfahren gemäß Patentanspruch 1 gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen des Verfahrens sind Gegenstand der Unteransprüche oder
lassen sich aus der nachfolgenden Beschreibung sowie den Ausführungsbeispielen
entnehmen.
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Bei
dem vorliegenden Verfahren wird der Kühl- und Schmierstoff oder eine
daraus erhaltene Fraktion durch Bestrahlung mit elektromagnetischer
Strahlung erhitzt, die vom flüssigen
Medium absorbiert und in Wärme
umgesetzt wird. Die Wärme
wird durch die Absorption der Strahlung direkt im flüssigen Medium,
d.h. dem Kühl- und Schmierstoff
oder der daraus erhaltenen Fraktion, erzeugt. Geeignet sind beispielsweise
Mikrowellen-(MW), Infrarot-(IR-) oder Hochfrequenz-(HF-) Erhitzung.
Dem Fachmann sind die für
diese technischen Anwendungen benötigten Wellenlängen- und
Frequenzbereiche bekannt. Die Erhitzung erfolgt dabei bis auf die
Entkeimungstemperatur, bei die Anzahl der im flüssigen Medium enthaltenen Keime
reduziert wird. Durch eine gezielte Vorbehandlung des flüssigen Mediums
werden eine Verteilung von Partikelgrößen und/oder eine Partikelkonzentration
und/oder eine Materialzusammensetzung der Partikel im flüssigen Medium
erhalten, die zur Steigerung der Wärmeerzeugung und/oder des Wärmeüberganges
zwischen dem flüssigen
Medium vor der Erhitzung und dem bereits erhitzten flüssigen Medium
beitragen.
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Unter
flüssigem
Medium werden in der vorliegenden Patentanmeldung selbstverständlich auch
zähflüssige Medien,
wie bspw. schlammige Substanzen, die sehr viele Feststoffpartikel
enthalten können,
verstanden.
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Ein
Vorteil des eingesetzten Erhitzungsverfahrens ist, dass die Wärme durch
Energieumwandlung direkt im zu erwärmenden Produkt – in diesem
Falle direkt im KSS – erzeugt
wird. Übertemperaturen
an heißen Wärmetauscherflächen sind
dabei nicht erforderlich, da die maximale Temperatur des Prozesses
direkt im KSS erzeugt wird. Probleme mit Produktschädigungen,
Belägen
und Verkrustungen wie bei bekannten thermischen Verfahren können somit
auf ein Mindestmaß reduziert
werden.
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In
einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung des Verfahrens wird
die Energie durch ein Mikrowellenfeld in den KSS eingebracht, wobei
das Mikrowellenfeld durch ein oder durch mehrere Mikrowellen-Magnetrons
erzeugt werden kann. Der KSS kann batch-weise in einem geeigneten
Gefäß im Mikrowellenfeld
erhitzt werden. Es ist auch möglich
den KSS im Mikrowellenfeld in einem Durchflußsystem, bspw. in einem offenen
Kanal oder in einem geeigneten Strömungsvolumen oder Durchlaufbehältnis (z.B.
Rohr, Schlauch), zu erhitzen. Weitere Vorteile können erreicht werden, wenn
die Geometrien der offenen Strömungskanäle, Durchlauferhitzer
oder der Batch-Gefäße an die
Eigenschaften, Energiedichten und Geometrien des Mikrowellenfeldes
spezifisch angepaßt
werden. Variiert werden können
dabei das Volumen und die geometrische Form des Gefäßes (z.B.
Quader, Kugel, Torso, Zylinder, Kegel, ... oder Kombinationen aus
verschiedenen Teilen derartiger Formen). Weiterhin können die
durchströmten
Querschnitte optimiert und an die Eindringtiefe des Mikrowellenfeldes
angepaßt
werden. Weitere komplexere Geometrien zur Optimierung des Energieeintrages
sind selbstverständlich
möglich.
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Als
besonders vorteilhaft erwiesen hat sich die Nutzung einer Mikrowellenanlage
in Verbindung mit einer Vorwärmung
des KSS durch den erhitzten KSS zur Wärmerückgewinnung in einem Wärmetauscher.
Dabei können
alle handelsüblichen
Wärmetauscherbauarten
zum Einsatz kommen. Die Kombination Vorerwärmung/Wärmerückgewinnung mit der Enderwärmung durch
eine MW-Anlage verbessert die Energieausbeute und vermeidet gleichzeitig
die hohen Übertemperaturen
einer rein konventionellen Erwärmung.
Die maximalen Wandtemperaturen des Vorwärmungs-Wärmetauschers sind bei dieser
Vorgehensweise immer niedriger, als die maximale Temperatur des
KSS, die für
die Entkeimung im Mikrowellenfeld direkt im KSS erzeugt wird. Insbesondere
lassen sich bei dieser Ausgestaltung schon MW-Anlagen kleiner Leistung
für die
Entkeimung großer
Durchflussmengen an KSS einsetzen.
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Anwendung
findet die KSS-schonende durchdringende Erhitzung des KSS im Temperaturbereich
von 45 bis 140°C,
insbesondere im Temperaturbereich von 70°C – 90°C.
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In
einer weiteren besonders vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung
werden die Feinstpartikel aus Metallspänen, Kohlenstoffpartikel, Schneidkorn
und weitere feste Verunreinigungen, die kleiner als 1 mm im Durchmesser
sind, vorteilhafterweise < 200 μm, besonders
vorteilhaft < 100 μm, nicht
vor der thermischen Behandlung aus dem KSS abgetrennt. Überraschenderweise
hat sich hierbei gezeigt, dass die Mikrowellenabsorption im Mikrowellenfeld
bei verunreinigten KSS, die die genannten Partikel enthalten, bis
zu 20 % höher ist
als die Mikrowellenabsorption in sauberen KSS. Dieser Umstand wird
in einer Ausgestaltung des Verfahrens genutzt, bei der die Fremdöle und die
groben festen Verunreinigungen, z. B. große Späne > 1 mm Länge, weitere Abfälle wie
Zigarettenkippen, Glas, Metall, Kunststoff u.a., vor der Behandlung
aus dem verunreinigten KSS durch ein mechanisches Trennverfahren
abgetrennt werden und die feinen Verunreinigungen mit Abmessungen < 1 mm, besser < 200 μm, am besten < 100 μm, gezielt
im KSS belassen werden, um die Mikrowellenabsorption im MW-Feld
zu optimieren. Damit kann je nach verarbeitetem Material und der
erhaltenen Spangröße und je
nach verwendetem zerspanendem Material wie Schneid/Schleifkorn oder
Hartmetall ein Optimum aus Partikelgröße und Partikelkonzentration
eingestellt werden, um die Mikrowellenabsorption und damit die pro
Flächeneinheit übertragbare
Energiemenge zu optimieren. In einem der Ausführungsbeispiele ist dargestellt,
wie sich verschiedene Materialien und Materialkonzentrationen auf
die Energieausbeute in einem Mikrowellenfeld auswirken können.
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In
einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung des Verfahrens werden – wie es
aus der Technologie der Wirbelschicht-Wärmetauscher bekannt ist – Form,
Größe und Material
der Partikel, die nach einer mechanischen Vorreinigung im KSS belassen
werden, an die Strömungsverhältnisse
des Wärmetauschers
angepaßt, der
zur Wärmerückgewinnung
genutzt wird. Dabei hat sich gezeigt, dass feststoffhaltige KSS
im Wärmetauscher
eine Verbesserung des Wärmeübergangs
bewirken können.
Dies kann durch gezielte Einstellung von Partikelgrößenverteilung,
Materialauswahl und Partikelkonzentration vor der Vorwärmung erreicht
werden. Zur Einstellung der geeigneten Parameter (Partikelgröße, -material,
-konzentration, usw.) bedient sich der Fachmann verfahrenstechnischer
Trenntechniken nach dem Stand der Technik. So bieten sich diverse
Fest-Flüssig-Trennverfahren an,
um Partikelgrößen gezielt
anzureichern. Klassiertechniken, Schwimm-Sink-Verfahren oder z.B.
magnetische Trennverfahren können
helfen, verschiedene Materialfraktionen voneinander zu trennen.
Derartige Verfahrensgestaltungen sind dem Fachmann bekannt.
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In
einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung des Verfahrens werden
Form, Größe und Material
der Partikel, die nach einer mechanischen Vorreinigung im KSS verbleiben,
zunächst
auf die Vorwärmung
optimiert und danach auf die Mikrowellenerwärmung angepaßt. So kann
bspw. zunächst
eine mechanische Vorbehandlung durchgeführt werden, die v.a. Partikel
im KSS beläßt, die
besonders gute Eigenschaften im Mikrowellenfeld und im Wärmetauscher
aufweisen. Nach der Vorwärmung
werden dann die Partikel abgetrennt, die im Wärmetauscher von Vorteil sind,
und es werden nur die Partikel im KSS belassen, die für die Optimierung des
Mikrowelleneintrags erforderlich sind.
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Einige
Mikroorganismen sind in der Lage, Sporen zu bilden, die sehr hitzeresistent
sind. Nach dem ersten Erhitzen können
die Sporen auskeimen und den KSS erneut verkeimen. In einer Ausgestaltung
des Verfahrens wird dieser Effekt genutzt. Dabei wird in einem ersten
Verfahrensschritt mit dem eingesetzten Erhitzungsverfahren eine
Aktivierung der Sporen bewirkt. Keime, die keine Sporen bilden können, werden
dabei abgetötet.
Nach Einstellung geeigneter Bedingungen zur Auskeimung der Sporen
(Temperatur-Zeit-Fenster) wird der KSS erneut mit dem eingesetzten
Erhitzungsverfahren erhitzt. Ausgekeimte Sporen werden in diesem zweiten
Schritt abgetötet.
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Der
KSS kann direkt oder – durch
einen zweiten Wasserkreislauf indirekt – auch zur Kühlung eines oder
mehrerer wassergekühlter
Magnetrons verwendet werden und dabei vorgewärmt werden. Es ist auch möglich, ein
oder mehrere luftgekühlte
Magnetrons zu verwenden und die erwärmte Luft zur Vorwärmung des KSS
zu nutzen. Ähnliche
Möglichkeiten
zur Vorwärmung
des KSS ergeben sich auch bei der Nutzung von Abwärmequellen
bei Infrarot- oder HF-Anlagen.
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Das
erfindungsgemäße Verfahren
kann so eingesetzt werden, dass der KSS erhitzt und der keimreduzierte
KSS in abgekühltem
Zustand oder noch heiß in
einen gereinigten Behälter
gegeben wird. Auf diese Weise ist die Gefahr der Rückverkeimung
am geringsten.
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Weiterhin
ist möglich,
den KSS nach der Erhitzung noch in heißem Zustand durch die noch
verunreinigten Rohrleitungen der Maschine und in den Auffangbehälter zurück zu fördern. Dabei
können
auch die Rohrleitungen, die Maschine und der KSS-Behälter entkeimt
werden. Es ist auch möglich,
das erfindungsgemäße Verfahren
in einen KSS-Kreislauf in einem großen Bearbeitungsbetrieb zu
integrieren. Dies kann über einen
Bypass-Betrieb realisiert werden, wobei immer nur ein Teilstrom
entkeimt wird. Sinnvollerweise sollte jedoch immer der gesamte KSS-Strom
behandelt werden, da sonst die Effekte der Rückverkeimung dominieren.
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Eine
weitere besonders geeignete Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens
sieht vor, KSS-Konzentrate herzustellen oder KSS gezielt mit Stoffen
zu versetzen, die zu einer erhöhten
Absorption der MW-Energie im KSS führen. Ggf. können Aktivkohle,
Metallspäne,
organische oder anorganische Salze, SiC-Partikel oder ähnliche
Partikel, Kolloidale Stoffe oder in KSS lösliche Stoffe zugegeben werden.
Salze verändern
die Leitfähigkeit
des Wassers und die dielektrischen Eigenschaften der Konzentrate
und damit auch der wasserhaltigen KSS.
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Eine
zur Durchführung
des vorliegenden Verfahrens ausgebildete Vorrichtung umfasst zumindest
eine Erhitzungseinrichtung mit einer Bestrahlungseinheit zur Erhitzung
des Kühl-und
Schmierstoffes durch Strahlungsabsorption, eine vor der Erhitzungseinrichtung
angeordnete Fraktioniereinrichtung zur mechanischen Fraktionierung
von partikulären
Verunreinigungen aus dem zugeführten
Kühl- und
Schmierstoff, eine Pumpeinrichtung für den Transport des Kühl-und Schmierstoffes
durch die Erhitzungseinrichtung, eine Temperatur-Messeinrichtung
zur Messung der Temperatur des aus der Erhitzungseinrichtung austretenden,
erhitzten Kühl-
und Schmierstoffes, eine Temperatur-Regelungseinrichtung zur Regelung der
Temperatur des aus der Erhitzungseinrichtung austretenden, erhitzten
Kühl- und
Schmierstoffes durch Steuerung einer Pumpleistung der Pumpeinrichtung
in Abhängigkeit
von der gemessenen Temperatur, und einen Wärmetauscher zur Vorwärmung des
Kühl- und
Schmierstoffes mit dem aus der Erhitzungseinrichtung austretenden,
erhitzten Kühl-
und Schmierstoff.
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Besonders
vorteilhaft ist die Kombination aus mechanischer Vorbehandlung zur
Fraktionierung und/oder Größe/Dichte-Trennung
der Partikel mit anschließender
Vorwärmung
mit konventionellem Wärmetauscher
und anschließender
MW-Erwärmung.
Die Mikrowelle kann ein handelsüblicher
MW-Durchlauferhitzer sein oder ein Mikrowellenofen, in dem sich
ein Schlauch, ein Rohr oder ein. anderer geometrischer Körper befindet,
der mit dem gebrauchten, verunreinigten KSS durchströmt wird.
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Kurze Beschreibung der
Zeichnungen
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Das
vorliegende Verfahren sowie die zugehörige Vorrichtung werden nachfolgend
anhand von Ausführungsbeispielen
in Verbindung mit den Zeichnungen nochmals kurz beschrieben. Hierbei
zeigen:
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1 die Änderung
der Mikrowellenabsorption bzw. des Energieeintrages von unterschiedlich
verunreinigten KSS im Vergleich zu reinem KSS; und
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2 ein
Schema einer beispielhaften Vorrichtung zur Keimreduktion auf Basis
einer MW-Erwärmung.
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Wege zur Ausführung der
Erfindung
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In
einem ersten Beispiel werden zum Nachweis der Keimreduktion mit
dem vorliegenden Verfahren 12 Liter eines verkeimten KSS mit einer
aeroben Gesamtkeimzahl von 107 KBE/ml mittels
einer Schlauchquetschpumpe durch einen handelsüblichen Mikrowellenofen (max.
Leistungsaufnahme 1.300 W) gefördert.
Die maximale Temperatur nach der MW-Erwärmung lag bei 83,5 °C, die mittlere
Verweilzeit bei dieser Temperatur lag bei 30 Sekunden. Mittels Plattenwärmetauscher
konnte eine Wärmerückgewinnung
erreicht werden. Im behandelten KSS waren anschließend keine
Keime mehr nachweisbar (<10
KBE/ml).
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Ein
zweites Beispiel zeigt die Steigerung der Mikrowellenabsoption durch
Feststoffpartikel im KSS. Es wurden 9 Probenchargen hergestellt.
Jede Probencharge bestand aus 10 Einzelproben mit jeweils 100 ml
eines frisch zubereiteten wassermischbaren Kühlschmierstoffes. Alle Proben
der ersten Probencharge wurden für
jeweils 40 Sekunden bei voller Leistungsaufnahme des Mikrowellenofens
(1300 W) in einem handelsüblichen
Mikrowellenofen erwärmt.
Die Temperaturerhöhung
jeder Probe wurde bestimmt und aus allen Proben wurde der arithmetische
Mittelwert gebildet. Dieser Wert wurde als Bezugsgröße definiert
(100 % Energieeintrag). Die anderen Probenchargen wurden mit Partikeln
aus Aktivkohle (Ak), Siliziumkarbid (SiC) bzw. Eisen (Fe) zwischen
0,2 % und 10 % verunreinigt. Die Partikel hatten eine Größenverteilung
von 5 μm
bis 200 μm. Die
Erwärmung
der verunreinigten Probenchargen erfolgte analog zur ersten Charge.
Der erreichte Energieeintrag in den verunreinigten KSS Proben ist
im Vergleich zu dem Energieeintrag im reinen KSS in der 1 dargestellt.
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Es
fällt auf,
dass eine Verunreinigung des KSS mit höheren Konzentrationen an SiC,
Ak und Fe eine Verbesserung des Energieeintrags bzw. eine bessere
MW-Absorption in
den Proben um bis zu 20 % erreicht werden kann. Selbst Konzentrationen
von nur 0,2 % bewirken je nach Stoff bereits eine Steigerung des
Energieeintrages von bis zu 2 %. Es erscheint daher besonders zweckmäßig, Feinstpartikel,
die in gebrauchten KSS immer enthalten sind, nicht vollständig vor
der Mikrowellenerwärmung
aus dem KSS abzutrennen, sondern vielmehr eine möglichst hohe Konzentration
im KSS zu belassen. Nur die größeren Partikel,
die zu Verstopfungen führen
können,
sollten vor der Erwärmung
abgetrennt werden.
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2 zeigt
schematisch ein Beispiel für
die vorliegende Vorrichtung zur Mikrowellen-Entkeimung mit vorgeschalteter
Partikelfraktionierung und Wärmerückgewinnung.
Der verunreinigte KSS wird aus dem Vorlagebehälter 1 zunächst durch
eine Fraktioniereinrichtung 8 zur mechanischen Fraktionierung
von partikulären Verunreinigungen
geleitet, in der er durch mechanische Fraktionierung von groben
Verunreinigungen befreit wird. Der KSS durchläuft dann einen Wärmetauscher 2 zur
Vorwärmung/Wärmerückgewinnung
durch bzw. aus dem bereits erhitzten KSS. Nach dem Wärmetauscher 2 gelangt
der nun vorgewärmte
KSS in das Mikrowellenfeld eines Mikrowellenofens 3, in
dem er auf Entkeimungstemperatur erhitzt wird. Der KSS verweilt
eine gewisse Zeit auf dieser Temperatur und gelangt schließlich wieder
durch den Wärmetauscher 2 in
das Auffangbehältnis 4 für entkeimten
KSS. Alternativ kann der KSS auch wieder in den Vorlagebehälter 1 zurück befördert werden.
Die Endtemperatur nach der MW-Erwärmung wird mit einer Temperaturmesseinrichtung 5 überwacht. Eine
Temperaturregelung 6 regelt diese Temperatur durch Ansteuerung
der Pumpe 7 über
die Durchflußmenge
des KSS durch den Mikrowellenofen 3.
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