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Die Erfindung betrifft ein Verfahren
zum Ermitteln von auf ein fahrendes Fahrzeug wirkenden Kräften und
Drehmomenten.
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Dazu wird der Fahrzeugaufbau als
starrer Körper
modelliert. Dessen Bewegung im Raum wird mit Hilfe von Beschleunigungs- und Drehratensensoren
erfasst. Die Massengeometrie des Fahrzeugs wird als ausreichend
bekannt vorausgesetzt und kann mit Hilfe von Identifikationsverfahren
genauer ermittelt werden. Damit können auf Basis der Sensorsignale
die Gesamtkraft F und das Gesamtdrehmoment T
A bezüglich, eines
fahrzeugfesten Aufpunkts A, die die erfasste Bewegung verursachen,
rekonstruiert werden (Gleichungen 3 und 4). Bezogen auf ein im Punkt
A angebrachtes fahrzeugfestes Koordinatensystem nach DIN 70000 werden FF und T
A in die Komponenten Längskraft Fx,
Querkraft Fy, Vertikalkraft Fz,
Wankdrehmoment TAx, Nickdrehmoment TAy und Gierdrehmoment TAz zerlegt.
Die auf ein Fahrzeug wirkende Gesamtkraft und das Gesamtdrehmoment werden
im normalen Fahrbetrieb (ohne Anhänger oder Ähnliches) von den Radkräften d.h.
den im Kontakt von Reifen und Fahrbahn übertragenen Kontaktkräften und
von aerodynamischen Kräften
und Drehmomenten verursacht. Die Angriffspunkte der Radkräfte sind
näherungsweise
(bis auf Einfederungsbewegungen, die entweder vernachlässigt, geschätzt oder
gemessen werden können)
bekannt, die im einzelnen Reifenlatsch übertragenen Drehmomente um
die Hochachse können
im Fahrbetrieb vernachlässigt
werden. Dies ergibt 9 Kontaktkraftkomponenten {Fvlx,
Fvly, Fvlz, Fvrx, Fvry, Fvrz, Fhlx, Fhly, Fhlz, Fhrx, Fhry, Fhrz}. Die aerodynamischen Kraftwirkungen können durch
eine aerodynamische Längskraft
Fax und ein aerodynamisches Nickmoment Tay modelliert
werden. Bei einer Berücksichtigung
von aerodynamischen Fahrzeugunsymmetrien und/oder Seitenwind und/oder einer
Anhängerlast
kommen weitere Größen hinzu.
Diese 11 (oder mehr) Größen stehen
mit den 6 Gesamtkraft- und Drehmomentgrößen in einer mathematischen
Relation. Ohne Zusatzinformationen sind die entsprechenden Gleichungen
daher nicht nach den einzelnen Kontaktkraftkomponenten und aerodynamischen Kraft/Drehmomentgrößen auflösbar. Als
Zusatzinformationen kommen beispielsweise die Rad-Einfederwege in Frage.
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Die ermittelten Kraft- beziehungsweise
Drehmomentgrößen finden
in Fahrdynamikregelsystemen Verwendung. Solche Systeme haben die
Aufgabe, die Bewegung eines Fahrzeugs im Sinne einer besseren Beherrschbarkeit
durch den Fahrer positiv zu beeinflussen. Die Bewältigung
dieser Aufgabe wird durch die Kenntnis der Kontaktkräfte entscheidend
vereinfacht.
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In einigen fahrdynamischen Fragestellungen
ist die Kenntnis der Gesamtheit der aufgeführten Kraft- und Drehmomentenkomponenten
jedoch gar nicht erforderlich. Je nach Fragestellung genügen ausgewählte Summen
von Kraftkomponenten. Beispielsweise haben die beiden Querkräfte der
Räder einer
Achse die gleiche Wirkungslinie.
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Daher treten sie in den Bewegungsgleichungen
des Gesamtfahrzeugs nur in Summe auf. Gleiches gilt bei vorn und
hinten identischer Spurweite für
die Längskräfte jeder
Fahrzeugseite. Entsprechend reduziert sich die Anzahl der zu betrachtenden
Variablen. Außerdem
müssen
nicht für
jede fahrdynamische Fragestellung die vollständigen dreidimensionalen Bewegungsgleichungen
betrachtet werden. So kann beispielsweise in einer besonders vorteilhaften
Ausgestaltung beziehungsweise Weiterbildung der Erfindung die Frage
nach einer Kippgefährdung
des betrachteten Fahrzeugs ohne die Notwendigkeit von Zusatzinformationen
beantwortet werden. Dazu reicht es aus, die jeweiligen Summen der
Aufstandskräfte
F
lz = F
vlz + F
hlz und F
rz = F
vrz + F
hrz einer Fahrzeugseite
zu ermitteln. Eine Gefahr des Umkippens des Fahrzeugs zur Seite
besteht genau dann, wenn die Summe der Aufstandskräfte auf
einer Fahrzeugseite gegen Null geht. Die Kippgefährdung um die Längsachse
des Fahrzeugs kann somit durch eine Bestimmung der jeweiligen Summen
der rechten und linken Aufstandskräfte direkt ermittelt werden.
Bisher wurde vorgeschlagen, die vier Aufstandskräfte direkt zu messen. Kraftsensoren
sind jedoch technisch aufwändig
(
DE 196 23 595 A1 =
P 8708 CT) und teuer, daher als Kraftfahrzeug-Serienausstattung für kleinere. Fahrzeuge im Markt
nur schwer durchsetzbar. Eine weitere bekannte Lösung besteht in der Schätzung der
Aufstandskräfte
aus den Rad-Einfederwegen.
Diese ist jedoch nur für stationäre Einfederungen
möglich,
weil im Gegensatz zu der von der gut modellierbaren Feder ausgeübten Kraft
die vom Fahrwerksdämpfer
bei dynamischen Ein- und Ausfederungsvorgängen ausgeübte Kraft im Hinblick auf Änderungen
der Dämpferparameter
mit der Temperatur, Alterung, Querkrafteinflüssen etc. nicht hinreichend
genau aus den Einfederungssignalen berechenbar ist.
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Der Erfindung liegt daher die Aufgabe
zugrunde, die Radkräfte
oder zumindest ausgewählte
Summen von Komponenten dieser Radkräfte, wie zum Beispiel die jeweiligen
Summen der Aufstandskräfte
der beiden Fahrzeugseiten, mit kostengünstigen, seriengeeigneten Sensoren
indirekt zu ermitteln.
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Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch
gelöst,
dass ein gattungsgemäßes Verfahren
so durchgeführt
wird, dass Messsignale von Beschleunigungssensoren ausgewertet werden,
die an einem oder mehreren ausgewählten fahrzeugfesten Punkten
des Fahrzeugs, vorzugsweise in Längs-
Quer- und vertikaler Ausrichtung angebracht sind und dass weitere
Signale ausgewertet werden, die die räumliche Winkelgeschwindigkeit
des Fahrzeugs sowie deren Zeitableitung, insbesondere die Roll-,
Nick- und/oder Gierwinkelgeschwindigkeit sowie Roll-, Nick- und/oder
Gierwinkelbeschleunigung, oder zumindest einige dieser Größen repräsentieren
und dass ein mathematisches Modell des Fahrzeugs vorhanden ist,
in welchem aus den Sensorsignalen auf das Fahrzeug wirkende Kräfte und
Drehmomente oder zumindest ausgewählte Komponenten dieser Kräfte und
Drehmomente ermittelt werden. Hierzu wird vorteilhaft eine Bestimmung
zum Beispiel der Kippgefährdung mit
herkömmlichen
Sensoren möglich.
Im diesem Fall, wenn nur ein Teil der Kraftinformation benötigt wird, kann
auf einige der Fahrzeugbewegungssensoren verzichtet werden.
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Vorteilhaft sind weitere Sensoren,
die mindestens die Rollwinkelgeschwindigkeit bzw. Rollwinkelbeschleunigung
ermitteln, so ausgebildet, dass zumindest eines der weiteren Signale
das Messsignal eines fahrzeugfest angebrachten Drehratensensors
ist.
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Ferner ist vorteilhaft, dass zumindest
eines der weiteren Signale aus einer modellbasierten Verknüpfung der
Messsignale mehrerer Beschleunigungssensoren besteht, die an wenigstens
zwei unterschiedlichen fahrzeugfesten Punkten des Fahrzeugs angebracht
sind.
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Weiterhin ist es vorteilhaft, dass
aus den ermittelten, auf das Fahrzeug wirkenden Kräften und
Drehmomenten, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme weiterer Informationen über den
fahrdynamischen Zustand des Fahrzeugs, Radkräfte oder wenigstens ausgewählte Komponenten
der Radkräfte
oder wenigstens ausgewählte
Summen von Radkraftkomponenten berechnet werden. Dabei werden zur
Verringerung der Anzahl der Rechenschritte Radkraftkomponenten beziehungsweise
Summen von Radkraftkomponenten direkt aus den Messsignalen berechnet,
wobei der vorstehend beschriebene Zusammenhang der Radkraftkomponenten
mit den Fahrzeugkräften
und Fahrzeugdrehmomenten zugrunde gelegt wird.
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Darüber hinaus ist es vorteilhaft,
dass zur Ermittlung einer Kippgefährdung des Fahrzeugs wenigstens ein
Querbeschleunigungssignal, ein Vertikalbeschleunigungssignal und
ein Rollwinkelgeschwindigkeitssignal in dem mathematischen Fahrzeugmodell
verarbeitet werden.
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Es ist zweckmäßig, dass wenigstens eine Aufstandskräftesumme
für die
linke und eine weitere Aufstandskräftesumme für die rechte Seite des Fahrzeugs
ermittelt wird. Dabei kann das Verfahren so durchgeführt werden,
dass die Beschleunigungssensoren uz, uy die Vertikal- und Querbeschleunigung und
weitere Sensoren Größen messen,
die direkt oder modellbasiert die Rollwinkelgeschwindigkeit und
die Rollwinkelbeschleunigung wiedergeben und dass ein Modell vorhanden
ist, in welchem aus den Messsignalen die linken und die rechten
Aufstandskräftesummen
einer Fahrzeugseite ermittelt werden.
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Das Verfahren ist vorteilhaft zum
Erkennen von Überrollvorgängen bei
Fahrzeugen mit vier Rädern vorgesehen
und verwendet die Merkmale nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei ein Überrollen
des Fahrzeugs erkannt oder prognostiziert wird, wenn die Summe der
Aufstandskräfte
einer Fahrzeugseite zum aktuellen Zeitpunkt oder in einer zeitlichen
Extrapolation des ermittelten Kräftesummensignalverlaufs
eine Schwelle unterschreiten.
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Weitere Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens
werden am Beispiel der Ermittlung der Kippgefährdung näher erläutert.
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Bei der Kippgefährdung können Kontaktkräfte zwischen
Rad und Fahrbahn oder zumindest ausgewählte Summen von Komponenten
dieser Kontaktkräfte,
insbesondere die für
die Beurteilung der Kippgefährdung
relevanten seitenweisen Aufstandskräftesummen, mit kostengünstigen, seriengeeigneten
Sensoren indirekt ermittelt werden. Dabei wird die Bewegung des
Fahrzeugaufbaus erfasst und anhand vereinfachter Bewegungsgleichungen
für das
Fahrzeug werden die am Fahrzeug angreifenden Kräfte und Drehmomente ermittelt,
die für
diese Bewegung verantwortlich sind. Vorteilhaft sind die weiteren
Sensoren, die die Größen Rollwinkelgeschwindigkeit
bzw. Rollwinkelbeschleunigung ermitteln, als Drehratensensoren ausgebildet.
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In dem Modell wird erfindungsgemäß aus den
gemessenen Beschleunigungen, Winkelgeschwindigkeiten und Winkelbeschleunigungen
ermittelt, welche am Fahrzeugaufbau angreifende Kräfte und
Drehmomente die erfasste Fahrzeugbewegung verursachen. Aus diesen
Größen werden
die gesuchten Aufstandskraftkomponenten beziehungsweise deren Summen
berechnet. Selbstverständlich
kann man den Zwischenschritt der Berechnung von Gesamtkraft und
Gesamtdrehmoment aus der Berechnungsprozedur mathematisch eliminieren,
um die Berechnungsprozeduren kompakter zu gestalten. Werden wie
im vorliegenden Fall lediglich die seitenweisen Summen der Aufstandskräfte benötigt, reicht
es aus, von den räumlichen
Größen Gesamtkraft
und Gesamtdrehmoment
lediglich die Komponenten
F
y, F
Z und T
Ax zu ermitteln.
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Mit Kenntnis der Kräfte und
Drehmomente können Überrollvorgänge bei
Fahrzeugen mit vier Rädern ermittelt
werden, wobei ein Überrollen
des Fahrzeugs erkannt oder prognostiziert wird, wenn die ermittelte
Aufstandskraftsumme einer Fahrzeugseite eine Schwelle unterschreit
oder in naher Zukunft unterschreiten wird.
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Das Verfahren stellt für alle Fahrdynamik-
Regeleingriffe – sei
es im Rahmen von ABS, TCS oder ESP und insbesondere Regeleingriffe,
die ein Umkippen des Fahrzeugs im Fahrbetrieb verhindern sollen – mit den ermittelten
Aufstandskräften
und den horizontal in die Fahrbahn eingeleiteten Kräften, wichtige
Zustandsinformationen zur Verfügung.
Kraftsensoren werden dazu nicht benötigt.
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Ein Ausführungsbeispiel ist in der Zeichnung
dargestellt und wird im Folgenden näher beschrieben.
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1 zeigt
eine schematische Darstellung der Kräfteverhältnisse eines Fahrzeugs während einer
Kurvenfahrt. Der seitliche Versatz des Schwerpunktes S aus der Fahrzeugmitte
ist mit sy bezeichnet, die Höhe des Schwerpunkts über der
Fahrbahn mit h.
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Zur Ermittlung der Aufstandskräftesummen
Flz und Frz und
der Querkraftsumme Fy wird das Fahrzeug in
einem vereinfachten, zweidimensionalen Modell als starrer Körper betrachtet,
auf den außer
der Schwerkraft nur die Kontaktkräfte zwischen Reifenlatsch und
Fahrbahn wirken. Aerodynamische Kräfte und die Bewegung von Fahrzeugteilen
relativ zu einem mit dem Fahrzeugaufbau mitbewegten fahrzeugfesten
Koordinatensystem {x, y, z}, wie beispielsweise das Rotieren und
Einfedern der Fahrzeugräder,
können
in diesem Zusammenhang vernachlässigt
werden. Ein starrer Körper
bewegt sich unter dem Einfluss eingeprägter Kräfte und Momente entsprechend
allgemein bekannter Gesetzmäßigkeiten – nämlich Schwerpunktsatz
und Drallsatz, wobei letzterer in seiner Formulierung speziell für starre
Körper
auch Eulersche Kreiselgleichung genannt wird. Wenn man den Bewegungszustand
des starren Körpers
ermittelt hat, kann man unter Verwendung dieser Bewegungsgleichungen
Rückschlüsse auf
die angreifenden Kräfte
und Momente ziehen. Es werden die gesuchten rechten und linken Aufstandskraftsummen
Flz, Frz aus dem
Fahrzeugbewegungszustand berechnet.
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Bei einer vereinfachten, auf die
zur Fahrzeuglängsrichtung
normale Ebene reduzierten Modellierung des Fahrzeugs zeigt sich,
dass an Messsignalen Vertikalbeschleunigung u
z und
Querbeschleunigung u
y, sowie Rollwinkelgeschwindigkeit
und Rollwinkelbeschleunigung
ausreichen, um die gesuchten
linken und rechten Aufstandskräfte
zu ermitteln. Zusätzlich
erhält
man noch die Summe F
Y der von der Fahrbahn
auf die Reifen ausgeübten
Querkräfte.
Gemessen wird der Bewegungszustand im fahrzeugfesten System. Die
Sensoren sind dazu im Fahrzeug fest zu montieren – also nicht
etwa mittels einer kreiselstabilisierten Plattform in einer zeitlich
konstanten räumlichen
Ausrichtung zu halten. Anstelle der genannten Sensorsignale kann
natürlich jede
andere Sensorkonfiguration gewählt
werden, aus deren Signalen die oben genannten Signale berechenbar
sind – insbesondere
können
Messort und Ausrichtung der Sensoren relativ frei gewählt werden,
sie müssen
nur fahrzeugfest sein und Bewegungen in allen zur Berechnung benötigten Raumrichtungen
erfassen. Auch können
anstelle der Winkelgeschwindigkeitssensoren beispielsweise weitere
Beschleunigungssensoren verwendet werden. In diesem Fall müssen die
Sensoren jedoch auf mindestens zwei in ihrer Projektion auf die Modellierungsebene
möglicht
weit auseinanderliegende fahrzeugfeste Messorte verteilt werden.
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In die Berechnung der Kräfte zur
Beurteilung der Kippgefährdung
aus den Sensorsignalen geht zum einen die Geometrie der Sensoranordnung
ein, die durch die Lage der Sensoren im Fahrzeug festgelegt wird und
zum anderen Radstand und Spurweite b, die ebenfalls als bekannt
vorausgesetzt werden können
und schließlich
die Masseparameter des Fahrzeugs bestehend aus Gesamtmasse M, Lage
des Schwerpunkts S und Massenträgheitstensor
A. Die Masseparameter können sich im Vergleich zu den
Variablen des betrachteten Systems wie Sensordaten und Kräfte abgesehen
von sprunghaften Änderungen – beispielsweise
durch ein Verrutschen von Ladung – nur langsam ändern. Daher
sind sie zwar nicht vorab bekannt, aber einer Identifikation zugänglich,
für die
neben den sowieso verfügbaren
Beschleunigungsdaten auch Kräfte
benötigt
werden. Zu dieser Identifikation genügen aber – im Gegensatz zur eingangs
angesprochenen direkten Ermittlung der momentanen Kippgefährdung anhand
hochdynamischer Kraft-Messsignale – geschätzte Kraftwerte,
die während
quasistationärer
Bewegungsphasen des Fahrzeugs aus den Einfederwegen ermittelt werden
können.
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Auf die Masse als Parameter kann
verzichtet werden, wenn man die Kräfte beispielsweise auf die
Gewichtskraft des Fahrzeugs normiert. Die Fahrzeugmasse M kürzt sich
dadurch aus den Gleichungen heraus und die Massengeometrie geht
nur noch in Form von Schwerpunktlage, den Trägheitsradien und der Lage des Trägheitsellipsoids
im fahrzeugfesten Koordinatensystem ein.
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Selbstverständlich kann mit der hier beschriebenen
Methode nicht jede einzelne am Körper
angreifende Kraft berechnet werden, da Kräfte, die entlang ein- und derselben
Wirkungslinie angreifen in den Bewegungsgleichungen nur in Summe
auftreten und folglich auch nur deren Summe ermittelt werden kann.
So kann beispielsweise aus einer für die Vorderräder ermittelten
Summe der Querkräfte
anhand des Fahrzeug- Bewegungszustands nicht auf die einzelnen Querkräfte an linkem
und rechtem Vorderrad geschlossen werden.
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Das vorgeschlagene Verfahren ermöglicht bei
der im Folgenden beschriebenen zweidimensionalen Modellierung des
Fahrzeugs die hochdynamische Ermittlung der linken und rechten Aufstandskraftsummen sowie
der Summe der Querkräfte
auf das Fahrzeug. Dies erlaubt auch die zeitliche Extrapolation
der ermittelten Kraftsignale und die Vorausberechnung des Zeitpunkts,
bei dem eine Fahrzeugseite abhebt. Die Kenntnis der Bewegungsgleichungen
und des Bewegungszustands des Fahrzeugmodells ermöglicht darüber hinaus optimale
Regeleingriffe zur Kippvermeidung in Form von Brems- und Lenkeingriffen.
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Bei vollständiger dreidimensionaler Modellierung
des Fahrzeugs können
weitere Beschleunigungssignale sowie ein Nick- und ein Gierwinkelgeschwindigkeitssignal
verwendet werden.
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1 zeigt
das vereinfachte zweidimensionale Modell des Fahrzeugs zur Ermittlung
der Aufstandskräfte
und der Querkraft in der y-z-Ebene. Zur Herleitung der erfindungsgemäßen Berechnungsvorschrift
kann man wie folgt vorgehen:
3D-Impulssatz:
3D-Drallsatz(verallgemeinerte
Eulersche Kreiselgleichung)
Kinematik starrer Körper
Reduktion auf zwei Dimensionen
(2D):
Einsetzen von 8, 9, 10 in
3, 4 ergibt:
Beschleunigungssensoren messen
nicht a , sondern a -g . Daher Umformung von 11, 12, und 13 zu
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Eine in der Fahrzeugmitte in der
Höhe h
(das heißt
im Schwerpunkt S) angebrachte und in den Koordinatenrichtungen y
und z ausgerichtete Beschleunigungssensorkombination stellt die
folgenden Sensorsignale zur Verfügung:
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Zu bemerken ist an dieser Stelle,
dass die Beschleunigungssensoren nicht notwendigerweise in der Fahrzeugmitte
und erst recht nicht im Fahrzeugschwerpunkt angebracht werden müssen. Die
hier getroffene Annnahme eines Messorts (Aufpunkt A) in der Fahrzeugmitte
führt jedoch
zu besonders einfachen Formeln. Dem Fachmann ist bekannt, wie die
Sensorsignale von anderen Einbauorten und auch von den Koordinatenachsen
abweichenden Orientierungen auf die hier verwendeten Signale umzurechnen
sind.
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Einsetzen von 17, 18 in 14, 15, 16
ergibt
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Auflösen dieses linearen Gleichungssystems
nach den Kontaktkräften
ergibt
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Zusammenfassung:
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Die Aufstandskräfte F
lz und
F
rz, sowie die Summe der im Kontakt mit
der Fahrbahn übertragenen
Querkräfte
F
y lassen sich aus den Beschleunigungssensorsignalen
u
z, u
y und dem Rollwinkelgeschwindigkeitssignal
bestimmen, wobei auch
die Rollwinkelbeschleunigung
verwendet wird. Alternativ
können
anstelle der direkt erfassten Rollwinkelgeschwindigkeit andere Sensorsignale
verwenden, aus denen die benötigte
Winkelgeschwindigkeitsinformation beispielsweise modellbasiert bestimmbar
ist.
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Die Gleichungen 22, 23 und 24 können zu
dem linearen Gleichungssystem
zusammengefasst werden, wobei
die zeitlich konstante Messmatrix K
i,j von
der Sensorposition, den Schwerpunktkoordinaten, der Fahrzeugmasse
und dem Massenträgheitsmoment
abhängt.
Diese Matrix vermittelt den Zusammenhang zwischen den gesuchten
Kraftgrößen F
lz, F
rz und Fy und
den direkt oder indirekt messbaren Bewegungsgrößen
u
y und
u
z.
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Formelzeichen:
e
x,e
y,e
z fahrzeugfeste,
mithin zeitlich veränderliche
Einheitsvektoren in x, y und z-Richtung
A Aufpunkt (Fahrzeugmitte)
S
Schwerpunkt des Fahrzeugs
a Ortsvektor Koordinatenursprung – Aufpunkt
s Lagevektor
Aufpunkt – Schwerpunkt
g Erdbeschleunigung
F Summe
der am Fahrzeug angreifenden Kräfte
Fx, Fy, Fz x-,
y, und z-Komponente von F
T→A Summe der am Fahrzeug angreifenden Drehmomente
bezüglich
des Aufpunkts A
TAx, TAy,
TAZ x-, y, und z-Komponente von T
A
Fvlx x-Komponente
der Radkraft vorn links
Fv
ly y-Komponente
der Radkraft vorn links
Fvlz z-Komponente
der Radkraft vorn links
Fvrx x-Komponente
der Radkraft vorn rechts
Fvry y-Komponente
der Radkraft vorn rechts
Fvrz z-Komponente
der Radkraft vorn rechts
Fhlx x-Komponente
der Radkraft hinten links
Fhly y-Komponente
der Radkraft hinten links
Fhlz z-Komponente
der Radkraft hinten links
Fhrx x-Komponente
der Radkraft hinten rechts
Fhry y-Komponente
der Radkraft hinten rechts
Fhrz z-Komponente
der Radkraft hinten rechts
Fax Aerodynamische
Längskraft
Tay Aerodynamisches Nickmoment
M Masse
des Fahrzeugs
A Massenträgheitsmomententensor
des Fahrzeugs bezüglich
des Aufpunkts A
Winkelgeschwindigkeitsvektor des Fahrzeugs
φ Rollwinkel
φ Rollwinkelgeschwindigkeit
φ Rollwinkelbeschleunigung
x
Kreuzprodukt
• Punktprodukt
Flz = Flvz + Flhz Aufstandskraftsumme links
Frz = Frvz + Frhz Aufstandskraftsumme rechts
FY = Flvy + Flhy + Frvy + Frhy Querkraftsumme
ϑ Massenträgheitsmoment
für des
Fahrzeugs bei Rollbewegung bezüglich
des Aufpunkts A
SY x-Komponente der
Schwerpunktlage relativ zum Aufpunkt A
Sz z-Komponente
der Schwerpunktlage relativ zum Aufpunkt A
gY x-Komponente
der Erdbeschleunigung
gz z-Komponente
der Erdbeschleunigung
b halbe Spurweite des Fahrzeugs
uy Sensorsignal Querbeschleunigungssensor
uz Sensorsignal Vertikalbeschleunigungssensor