Aufgabe der vorliegenden Erfindung
war es, durch ein spezielles Rigg die Verwendung von feststehenden
asymmetrischen Flügelprofilen
und Flugdrachen für
den Vortrieb von Wasser-/und Landfahrzeugen im allgemeinen, und
Yachten bzw. Booten im speziellen zu ermöglichen.
Das "Drachenrigg" wird dieser Vorgabe mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 und ff. gerecht, indem es
- – ein asymmetrisches
Profilsegel beim Wenden und Halsen umdreht, so dass die Oberseite
(Segelkopf) zur Unterseite (Segelhals) wird und umgekehrt, während die
Luvseite des Segels konstant in Luv bleibt, und die Leeseite in
Lee, und
- – die
Verwendung eines asymmetrischen Profilsegels als Flugdrachen ermöglicht.
Es bietet in seiner Grundform eine
technisch unkomplizierte und daher zuverlässig funktionierende Lösung der
Aufgabe und geht mit den sich aus der Konstruktion ergebenden Merkmalen
und praktischen Handhabungseigenschaften über die o.g. Aufgabenstellung
hinaus, denn:
- – Da ein Drachensegel auf jeder
Seite seines Drehpunktes im Masttop gleichviel Segelfläche besitzt,
dreht es sich von selbst in die optimale Richtung zum Wind. Während beim
konventionellen Yachtrigg im Moment des Wendens bzw. Halsens mindestens
zwei Schoten auf einer Schiffsseite gelöst und zwei weitere auf der
anderen Schiffsseite eingeholt werden müssen, sowie gleichzeitig den
von einer zur anderen Schiffsseite schlagenden Segeln und dem Kurs
des Schiffes Aufmerksamkeit geschenkt werden muss, braucht beim
Drachenrigg zum Wenden bzw. Halsen nur der Kurs geändert zu
werden, während das
Segel von einer zur anderen Schiffsseite dreht (nicht schlägt). Ein
Backhalten des Vorsegels beim Wenden und Dichtholen des Grossegels
beim Halsen (wie beim konventionellen Yachtrigg) entfällt vollständig. Die
(einzige) Segelschot beim Drachenrigg kann während dieser Manöver unverändert belegt
bleiben. Sie braucht nur bei Kursänderungen von Vorwindkursen
auf Amwindkurse (bei denen das Segel ohnehin auf der gleichen Schiffsseite
bleibt) von der vorderen auf die achtere Travellerschiene bzw. in
umgekehrter Richtung verholt zu werden. Diese Auflösung der Arbeitsabläufe ermöglicht einfachere
und damit schnellere und sicherere Wende-/und Halsemanöver und
macht daher Drachenrigggetakelte Yachten besonders wendig.
- – Das
Drachensegel berührt
beim Wenden und Halsen keine Riggteile wie z.B. das Vorsegel eines
Yachtriggs Kutterstag und Salinge, und das Grosssegel Backstagen
und Salinge, was die Verwendungsdauer eines Segels erheblich reduzieren
kann.
- – Es
vereint die Vorteile der vorgenannten konventionellen Riggarten
in sich, indem die Segelstellung auf Amwindkursen der beim Lateinerrigg entspricht
(1), die auf Vorwindkursen der beim Rahsegelrigg (2),
und die auf Hartamwindkursen dem Yachtrigg, da hier das Flügelprofil
eines (zweiwandigen = bilateralen) Drachensegels voll zum Tragen
kommt.
- – Beim
Halsen entfällt
das gefährliche
Umschlagen des Grosssegels samt Grossbaum von einer Schiffsseite
zur anderen wie z.B. beim konventionellen Yachtrigg.
- – Das
Drachenrigg ist mit seiner tragenden Grundkonstruktion aus 3 Masten
(Dreifuss) und einer auf Druck ausgelegten Statik wesentlich solider
als ein konventionelles Rigg mit verstagtem Mast und auf Zug ausgelegter
Statik.
- – Die
Herstellung des stehenden Gutes ist kostengünstiger als bei einem konventionellen
Rigg, da Stagen und Wanten vollständig entfallen, und die Festigkeitsanforderungen
an das Baumaterial für die
Masten geringer sind als bei einem statisch auf Zug ausgelegtem
Rigg. Daher ist auch der Einsatz von recycleten Kunststoffen beim
Bau der Masten realisierbar, wobei hierbei aus relativ niederwertigen
Stoffen hochwertige Produkte hergestellt werden können, d.h.
ein „up"-cyclen stattfindet.
- – Das
Niederlegen und Aufrichten des Mastendreifusses lässt sich
leicht von einer Person und ohne Kran bewerkstelligen und zählt zu den
gängigen
Manövern
bei der Verwendung des Drachensegels als Flugdrachen. Damit eignet
sich das Drachenrigg besonders auch für Binnenreviere mit Brücken-/und
Kanaldurchfahrten, sowie für über Land
zu transportierende Yachten (per LKW oder PKW Anhänger). Für seegehende
Yachten bedeutet Biss eine erhebliche Reviererweiterung, für Handelsschiffe
mit Flussrevieren, Binnenschiffe etc. eröffnet dies überhaupt erst die Möglichkeit eines
Segelantriebes.
- – Durch
seine Kompaktheit in demontiertem und zusammengelegtem Zustand (4 gebündelte Rohre)
lässt sich
das Drachenrigg platzsparend und leicht transportieren und eignet
sich daher auch zur Verwendung als Ersatzrigg auf Hochseesegelyachten
im Falle eines Mastbruches, sowie als Hilfsbesegelung für Motoryachten
und motorisierte Boote jedweder anderen Art. Ein orangefarbener,
mit Radarreflektoren ausgerüsteter
Drachen kann dabei als Notsignal dienen.
- – Die
Masten des Drachenriggs bilden in ihrer Form als Dreifuss einen
mechanischen Schutz für die
in Cockpit und Aufbau befindliche Besatzung der Yacht. Durch Verkabelung
der Masten lässt sich
ein Faraday'scher
Käfig und
damit Schutz vor Blitzen herstellen.
- – An
den zwei mittschiffs befindlichen Lateralmasten können Segel
gesetzt werden, die die Profilwirkung des Drachensegels bei entsprechender Anstellung
noch erhöhen.
- – Für den Betrieb
eines Drachenriggs ist prinzipiell weniger Gewichtsstabilität der Yacht
ertorderlich als bei einem konventionellen Rigg, da der Zugpunkt
nach Aufsteigen des Drachensegels bis auf Decksniveau abgesenkt
werden kann, also ein geringeres krängendes Moment entsteht.
- – Das
Aufentern der schräg
angestellten Transversalmasten über
Maststufen ist einfacher und sicherer als bei einem konventionellen,
vertikal aufragendem Mast.
- – Ein
Drachenrigg lässt
sich auf jeder beliebigen Segelyacht an den für die Takelage ohnehin bereits
vorhandenen Montagepunkten (Püttings) montieren,
im übrigen
an der durch ihre Abwinklung ohnehin besonders stabilen Decks-/Rumpfverbindung.
- – Das
Drachenrigg ist in der nachstehend beschriebenen Form universell
für den
Vortrieb von Wasser-/und Landfahrzeugen, sowie auch für den Betrieb
als stationäre
Einheit einsetzbar.
B/Beispielbeschreibung
einer Patentanmeldung
Das Drachenrigg besteht im wesentlichen aus
drei Hauptbauteilen:
- 1. Ein am Heck montierter,
in Längsschiffsrichtung schwenkbarer
und schräg
nach vorne aufragender (Telskop-) Mast (3).
- 2. Eine im 90°-
Winkel am Top des achteren (Teleskop-) Mastes montierte Spiere (4)
mit rundem oder profiliertem Querschnitt (17–20),
die in einem Lager (8) im Top des Mastendreifusses 360° um die Achse
des achteren (Teleskop-) Mastes gedreht werden kann. An dieser Spiere
wird das Segel gesetzt.
- 3. Zwei mittschiffs montierte, A-förmig angeordnete, absenkbare
und in Längsschiffsrichtung schwenkbare
Lateralmasten (5).
Erklärungen und Alternativen
- zu 1. Sofern als Teleskopmast ausgeführt, ist
der achtere Mast im Grundzustand (bei gesetztem Segel) etwas ausgefahren,
so dass er bei vertikalem Einfalten der Lateralmasten für den Flugdrachenbetrieb
weit genug eingefahren werden kann, um die Lateralmasten nicht nach
vorne zu verkippen und damit den Zugpunkt des Drachens nach vome
zu verlagern (6). Sollte es allerdings erwünscht sein,
den Zugpunkt (z. B. zum Zweck der Steuerung des Bootes per Drachen)
nach vorne zu verholen, so kann der Teleskopmast auch bis zum Bug
des Bootes weiter ausgefahren werden (siehe hierzu auch Kapitel "Flugdrachenbetrieb", S. 9). Zur Überbrückung von
Aufbauten wird der Unterteil des Teleskopmastes (wo er nur aus einem
Innenrohr besteht) entsprechend gewölbt ausgeführt, oder der Fusspunkt des
Teleskopmastes und/oder der Lateralmasten zur Erhöhung auf
ein Podest montiert.
Die Drehung des Teleskopmastes um seine
eigene Achse regelt sich vorwiegend selbsttätig durch den Windeinfallswinkel
und die Segeleinstellung per Schot, kann aber zusätzlich durch
an den Spierenenden austretende Belegleinen (48) unterstützt werden,
die über
Umlenkrollen am Bug zum Cockpit geführt werden (Diese Belegleinen können zur
Stabilisierung der Spiere auch direkt zum Fusspunkt des achteren
Mastes geführt
werden – s.
a. S. 11). Mit zunehmender Grösse
des Riggs wären
auch mechanische, hydraulische oder elektrische Hilfsvorrichtungen
zur Kontrolle der Spierendrehung angezeigt
- zu 2. Durch ein zweigeteiltes Kardangelenk im Top des Teleskopmastes,
dessen Querachse zur Spiere sich unterhalb des 360°- Lagers
im Masttop befindet (10) (scheibenförmige Drehung der Spiere bleibt
so erhalten), und dessen Parallelachse zur Spiere sich oberhalb
des 360°-
Lagers im Masttop befindet (11) ergeben sich folgende Möglichkeiten:
– Vergrösserung
der maximal setzbaren Segelfläche
durch Abwinkeln des Teleskopmasttops über die Querachse (70)
nach vorne und Erhöhung
der Lateralmasten. Die Segelschotführung verlagert sich bei dieser
Einstellung auf Amwindkursen weiter nach achtem ggfls. bis auf einen
Heckspriet Bei Verwendung eines formfesten Segelprofils kann das
Schothorn alternativ hierzu auch auf einer Achterliekschiene am
Segel verholbar ausgeführt
werden.
– Verkleinerung
der Segelfläche
bzw. Absenken des Segelschwerpunktes (z.B. beim Reffen) durch Abwinkeln
des Teleskopmasttops über
die Querachse (10) nach achtem und entsprechendes Einfahren/Absenken
der Lateralmasten.
– Vollständige Absenkung
des gesamten Riggs (r.B. zwecks Flugdrachenbetrieb, Setzen und Bergen
von Segeln, Durchfahrt unter Brücken,
Winterlagerung, Montagearbeiten am Rigg, Bootstransport) durch vollständiges Abwinkeln
des Teleskopmasttops über
die Querachse (10) nach achtem (Spiere parallel zu Teleskopmast)
und vollständiges
Absenken der Lateralmasten.
– Dezentrierung der Spiere
ausserhalb der Telekopmastachse zur Erweiterung des Schwenkbereichs
für starre
asymmetrische Profilsegel durch Abwinkeln des Teleskopmasttops über die
Parallelachse am oberen Kardangelenk (11).
Die Einstellung
des unteren Kardangelenkes (10), und damit die Winkeleinstellung
des Spierenlagers (8) in Längsschiffrichtung zur Horizontalen erfolgt
in seiner technisch unaufwendigsten Form über eine mechanische, hydraulische
oder elekirische Ansteuerung des Lagers zwischen den Lateralmasten
(9), kann jedoch auch z.B. durch eine Hydraulik am Kardangelenk
selbst (10) erfolgen.
Die Einstellung des oberen Kardangelenkes
(11), und damit die Dezentrierung der Spiere ausserhalb
der Telekopmastachse erfolgt mechanisch, hydraulisch oder elektrisch
direkt am oberen Kardangelenk.
Die Sicherung der Kardangelenke
in gestreckter, geradliniger Position kann durch zwei auf dem Teleskopmast
verschiebbare Hülsen
erzielt werden, indem diese über
die Gelenke geschoben werden.
Alternativ (in Teilbereichen)
zum o.g. zweigeteilten Kardangelenk kann
– ein Rohrwinkelstück im Top
des Teleskopmastes unterhalb des Spierenlagers bei Abwinklung nach vom
(12) zur Vergrösserung,
bei Abwinklung nach achtem zur Verkleinerung der maximalen Segelfläche dienen,
– sowie
ein Rohrwinkelstück
mit seitlicher Abwinklung (13) oberhalb des Spierenlagers
im Masttop zur Dezentrierung der Spiere zwecks Erweiterung des Schwenkbereichs
für starre
asymmetrische Profilsegel.
- zu 3. Die Steuerung des Einfaltvorgangs der beiden Lateralmasten
(14) erfolgt im Beispiel über eine Talje, die auf etwa
halber Masthöhe
horizontal zwischen den Masten angebracht ist (wie Querbalken im
A), ggfls. auch hydraulisch oder elektrisch. Das Schwenken der Lateralmasten nach
vom und achtem kann über
das Aus-/und Einfahren des Teleskopmastes reguliert werden, sowie
auch z.B. mittels Taljen zwischen Lateralmasttops und Bug bzw. Heck,
ggfls. auch hydraulisch oder elektrisch.
Alternativ zu zwei
geradlinigen Lateralmasten können
sich die beiden Lateralmasten in ihrem unteren Bereich auch querschiffs
kreuzen (X-förmig)
und im oberen Bereich ein Dreieck bilden, um so in gefaltetem Zustand
weniger weit über
die Schiffsseiten hinauszuragen (15), sofern sie querschiffs
einfahrbar sind. Für
diesen Fall wäre
ausser der o.g. horizontalen Talje zwischen den mittleren Gelenken
der Masten je eine vertikale Talje an der Aussenseite zwischen mittlerem
und unterem Gelenk (an Deck) eines jeden Masten zur Stabilisierung
der Faltkonstruktion vorgesehen (16).
Alternativ können die
Lateralmasten auch in Längsschiffrichtung
eingefaltet werden, durch Verschieben ihrer Fusspunkte in Längsschiffrichtung
flachgelegt werden, als Teleskopmasten ausgeführt sein, oder durch einen
mittschiffs stehenden Teleskopmast ersetzt werden, der in diesem Fall
durch Wanten oder gleichwertige Lateralstützen fixiert werden muss.
Segel und
Reffsysteme
Das Drachensegel (1, 2,17)
hat die Form eines gleichseitigen Dreiecks, wird mit seiner Grundseite
(ungleiche Seite) an einer Spiere mit profiliertem Querschnitt (Flügelprofil
mit Reffkammer) gesetzt und besitzt in seiner Ausführung als
unilaterales Drachensegel (17) je nach Grösse und
Erfordernis zwei, drei oder mehr Bindereffs, die durch parallel
zur Grundseite (horizontal) in das Segel einschiebbare Refflatten
(21) festgelegt sind. Bei Verwendung des Drachensegels
als fest angeschlagenes Segel befinden sich diese Refflatten für den Fall
der Notwendigkeit zum Reffen üblicherweise
im Segel, zur Verwendung als Flugdrachen können sie herausgezogen werden.
Der eingereffte Teil des Segeltuchs wird zur Verminderung des Luftwiderstandes
von den an der Spiere austretenden Reffleinen (22) in einer
Reffkammer an der Achterkante der profilierten Spiere gehalten (23).
Sofern die Spiere über ein
Kardangelenkstück
(10) mit dem Teleskopmast verbunden ist, kann das Rigg
samt Spiere zusätzlich
(zum Reffvorgang) abgesenkt werden, um den Segelschwerpunkt abzusenken
und damit die Krängung
werter zu vermindern.
Konstant angeschlagene Segel, die
nicht für den
Flugdrachenbetrieb vorgesehen sind, können mit automatischen Rollreffanlagen
ausgerüstet
werden, wobei für
unilaterale Segel (18) eine Rollreffanlage (24)
in der Spiere vorgesehen ist, und für bilaterale Segel (19)
zwei Rollreffanlagen (25), die sich unabhängig voneinander
betreiben lassen, wodurch das sich aus den zwei Segeln zusammensetzende Profil
dem Anströmungswinkel
des Windes optimal angepasst werden kann.
Zur gleichzeitigen Verwendung als
Segel und Flugdrachen eignen sich ausser dem o.g. unilateralen Drachensegel
vor allem auch geschlossene (aufblasbare) oder partiell geschlossene
Luftkammersegel (20), daneben auch vollständig offene (luftdurchströmte) Luftkammersegel,
sofern sie durch daran angebrachte Auftriebskörper wie z.B. Spant-/oder Kiellatten
(siehe Kapitel Flugdrachen) schwimmfähig ausgeführt sind.
Sturmbeseglung
Bei Windstärken, die eine Verwendung des Drachensegels
auch in maximal gerefftern Zustand nicht mehr zulassen, kann ein
Sturmsegel am unteren Teil der Spiere gesetzt werden (27).
Gleichzeitig oder ersatzweise kann je ein Sturmsegel an den beiden
Lateralmasten gesetzt werden (28).
Lateralbeseglung
Bei gleichzeitigem Setzen von „Lateralsegeln" (28) an
den Lateralmasten (wie Sturmsegel, jedoch in grösserer Ausführung) zusammen mit dem Drachensegel
lässt sich:
- – auf
Amwindkursen durch Erzeugung eines Düseneffekts zwischen den Segeln
die Profilwirkung des Drachensegels erhöhen,
- – auf
Kursen vor dem Wind die Lateralfläche der Beseglung erhöhen.
Zum Belegen der Lateralsegelschoten,
sowie auch zur Erweiterung der Trimmmöglichkeiten des Drachensegels
befindet sich an jeder Schiffsseite achterlich der Lateralmasten
je eine Travellerschiene (29).
Halsen
Auf Vorwindkursen steht das Drachensegel (Flügelprofil)
wie ein Rahsegel im und (2). Mit Hilfe (nur) einer Schot,
deren Zugpunkt über
eine Travellerschiene vor dem Mast (30) von einer Schiffsseite zur
anderen verholt werden kann, wird es dabei optimal getrimmt. Bei
einer Halse muss also allenfalls der Schotzugpunkt über den
(ggfls. vom Cockpit aus verholbaren) Travellerschlitten verschoben
werden, während
die Spiere samt Drachensegel eine relativ geringfügige Schwenkung
bzw. Drehung um den Teleskopmast ausführt. Gleichwohl kann der Schotzugpunkt
während
einer Halse zunächst
auch mittschiffs belassen werden, um zu einem späteren Zeitpunkt genauer eingestellt
zu werden.
Wenden
Auf Amwindkursen steht das Drachensegel ähnlich wie
ein Lateinersegel im Wind (1). Die Schot verläuft dabei über eine
Travellerschiene am Heck (31). Bei einer Wende schwenkt
das Drachensegel über
das Heck auf die andere Schiffsseite herum (32, 33, 34),
so dass auch hier allenfalls der Schotzugpunkt über den Travellerschlitten
verschoben werden muss. Wie bei der Halse kann der Schotzugpunkt während einer
Wende zunächst
auch mittschiffs belassen werden, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt genauer
einzustellen.
Flugdrachenbetrieb
Zur Verwendung des Drachensegels
(Flügelprofil)
als Flugdrachen werden je nach Segelschnitt und Windverhältnissen
ggfls. die Refflatten (21) aus dem Segel gezogen und eine
vertikale, also im 90°-Winkel
zur Spiere stehende Kiellatte (44) in das Segel eingeschoben,
die mittels einer Sehne wie ein Bogen gespannt werden kann, um so
zusammen mit einer an der Grundseite des Drachensegels befindlichen
Spantlatte (46) die Profilierung des Drachensegels für den Flug
zu optimieren. Kiel-/und Spantlatte sind z.B. in Kompositbauweise
aus Kohlefaser und Balsaholz bzw. Hartschaumplatten gefertigt, um
den Drachen nach einer Wasserung schwimmfähig zu halten. Um dem Drachensegel
z.B. im oberen Bereich mehr Profil zu geben als im unteren, kann
die Kiellatte im oberen Bereich dünner ausgeführt werden als im unteren.
Wird die Spantlatte zu ihren Enden hin oder im mittleren Bereich
dünner
ausgeführt, bildet
sie analog entweder an ihren Enden oder in der Mitte mehr Profil.
Ausser dem Drachensegel eignen sich
(wie bereits in Kapitel „Segel
und Reffsysteme" beschrieben)
besonders auch Luftkammersegel (20, 50) für den Betrieb
als Flugdrachen. Das Drachenrigg kann hierzu mit einer fast beliebigen
Anzahl von Zug-/Steuer-/und
Trimmleinen ausgestattet werden kann. Die Zeichnungen im Beispiel
(35–43)
zeigen ein Drachenrigg mit 2 Zugleinen und 2 Steuerleinen. Durch
Hinzufügung
oder Weglassung von Spulen auf der Windentrommel (35, 39)
kann die Anzahl der Zug-/und Steuerleinen erhöht oder vermindert werden.
Durch Führung über Steuerhebel
(35, 40), die bei Betätigung über eine Zugwegverlängerung
die Verkürzung
der entsprechenden Leine verursachen und damit die Lenkung des Drachens
in die erwünschte
Richtung bewirken, werden Zugleinen zu Steuerleinen. Die Anzahl
der über
die Steuerhebel geführten
Steuerleinen ist variabel, wobei auch die Zugwegverlängerung
und damit die Steuerwirkung jeder einzelnen Steuerleine durch Veränderung
der Distanz zwischen (verschiebbaren) Umlenkrollen (37, 41)
und Hebelachse (33, 42) individuell justiert werden
kann. Durch Betätigung
der Hebelbremsen (43) lässt
sich die Stellung der Steuerhebel und damit die Flugrichtung des
Drachens konstant einstellen. Die Bedienung der Bremse erfolgt im
Beispiel über eine
Verdrehung des Steuerhebelgriffs (43).
Anstatt über mehrere längsschiffs
angeordnete Steuerhebel kann die Steuerung des Drachens auch über eine
in Querschiffsrichtung angeordnete Steuerwippe nach dem Prinzip
der Ruderpinne eines Bootes erfolgen, die je nach Ausschlagsrichtung (Steuerbord
oder Backbord) den Zugweg sämtlicher Steuerleinen
je einer Seite (Steuerbord oder Backbord) individuell verlängert.
In ihrer technisiertesten Form erfolgt
die Steuerung des Drachens über
einen Joystick durch elektronische Regelung individueller Winden
für die Zug-/und
Steuerleinen.
Grundversionen des Riggs für Flugdrachenbetrieb
- – Austritt
der Drachenleinen an der Spiere (49, 50)
Die
Drachenwinde (35, 39) ist in diesem Fall am Teleskopmast
montiert und dreht beim Wenden und Halsen mit der Spiere mit, da
das Drachensegel auch bei Segelbetrieb mit Zugleinen und Steuerleinen
(47) an der Spiere befestigt ist.
Zum Starten des
Drachens wird in diesem Fall die Trimmleine (45) zunächst per
Holeleine (52) vom Teleskopmasttop (Spierenmitte) zur vorderen
Travellerschiene (30) herabgeholt und am Ende der Segelschot
bzw. direkt am Schothorn befestigt. Bei ausreichender Distanz des
Drachens zum Boot, wenn also der parallele Abstand zwischen Steuerleinen
und Trimmleine nicht mehr von Belang ist, wird die Holeleine (52)
gefiert und der Zugpunkt der Trimmleine somit wieder zum Teleskopmasttop
zurückgeführt. Ab
diesem Zeitpunkt ist die Spiere dann samt aller daran austretenden Drachenleinen
frei um 360° drehbar.
Loopingflug ohne Überkreuzung
der Drachenleinen ist nun möglich.
Wenn das Rigg abgesenkt werden soll, kann die Trimmleine permanent über die
vordere Travellerschiene geführt
bleiben.
- – Austritt
der Drachenleinen an einer Rah (51)
Alternativ zu
einer Spantlatte kann die Spiere selbst bei entsprechend leichter
Ausführung
als Querversteifung des Drachens dienen. In diesem Fall ist diese
bei Segelbetrieb per Klammermechanismus und die Drachenleinen an
einer kurzen Rah am Teleskopmast fixiert. Die Rah übernimmt anstatt
der Spiere sämtliche
Dreh-/und Kippfunktionen am Teleskopmast. Die kurze Rah kann auch
ohne Gelenk unterhalb des Spierenlagers (10) in Längsschiffstellung
relativ weit mit dem Rigg abgesenkt werden und steht in Querschiffsrichtung
bei vollständig
abgesenktem Rigg nicht bzw. kaum über die Schiffsseiten heraus.
Sofern
der Teleskopmast mit einem Gelenk unterhalb des Spierenlagers (10)
ausgestattet ist, ist mit dieser Version auch das Aufheben und Ablegen
der Spiere längsschiff
an Deck möglich,
d.h. es können
verschiedene Spieren mit unterschiedlichen Segeln und Drachen selbstständig auf
See ausgetauscht werden.
- – Austritt
der Drachenleinen an Deck (53)
Die Drachenwinde ist
in diesem Fall an Deck bzw. im Cockpit montiert. Bei dieser Version
ist das Drachensegel bei Segelbetrieb mit den Belegleinen (48)
an der Spiere befestigt, die mit ihrem achteren Ende durch den achteren
Mast bis zum Cockpit verlaufen und von dort aus gefiert und eingehievt
werden können.
Die Drachenzug-/und Steuerleinen
werden erst an der Spantlatte des Drachensegels angeschlagen, wenn
dieses zum Flugdrachen umfunktioniert werden soll. Hierbei werden
sie über
Umlenkblöcke
an den Austrittspunkten der Belegleinen aus der Spiere geführt. Dann
wird die Verbindung zwischen Belegleinen und Spiere gelöst, so dass
das Segel nur noch mit den Drachenzugleinen über die Umlenkblöcke an der
Spiere befestigt ist. Sobald auch die Trimmleine über den
vorderen Travellerschlitten (30) am Schothorn belegt ist,
kann der Drachen gestartet werden. Wenn der Drachen wert genug vom Rigg entfernt
ist und eine stabile Fluglage eingenommen hat, wird der Zugpunkt
der Zug-/und Steuerleinen mittels der Belegleinen wieder auf Decksniveau
abgesenkt (54).
Diese Ausführung des Riggs braucht bei Flugdrachenbetrieb
nicht abgesenkt zu werden, da sich der Zugpunkt sämtlicher
Drachenleinen bei Flugbetrieb bereits an Deck befindet. Aus diesem Grund
braucht auch der achtere Mast nicht als Teleskopmast ausgeführt zu sein
und auch nicht mit einem Gelenk unterhalb des Spierenlagers (10,
ausgestattet zu sein. Diese Riggversion kann auch mit einer Rah
statt einer Spiere ausgestattet sein.
Bei normalem Drachenflugbetrieb (kein Kunstflug)
zum Vortrieb eines Wasser-/oder Landfahrzeuges braucht die Spiere
nicht 360° um
die Achse des achteren Mastes gedreht zu werden. In diesem Fall
können
die an der Spiere austretenden vorderen Enden der Belegleinen (48)
zum Fusspunkt des achteren Mastes geführt werden. Durch diese Verstagung
wird der Zugpunkt des Drachens von der Spiere aus zum Fusspunkt
des achteren Mastes an Deck verlagert, wodurch die Spiere stabilisiert
und ggfls. in ihrer Bauart leichter ausgeführt werden kann. Auf diese
Art kann die Spiere ggfls. auch bei Segelbetrieb verstagt werden.
Zum Lenken des Flugdrachens
- – die
Steuerbord Steuerleine dichtholen, um den Drachen nach Steuerbord
zu lenken
- – die
Backbord Steuerleine dichtholen, um den Drachen nach Backbord zu
lenken
- – die
Trimmleine dichtholen/fieren, um den Drachen aufsteigen/absinken
zu lassen
Beim Flugbetrieb von Luftkammersegeln (50)
und Drachensegeln mit zweiteinigern Steuersystem entfällt die
Trimmleine.
Der Drachen kann über den Bug oder eine Schiffsseite
gestartet werden. Soll für
die Startphase zwecks Erzeugung von Fahrtwind der Bootsmotor zuhilfe
genommen werden, so kann der Drachen auch über das Heck gestartet werden.
In diesem Fall wird die Trimmleine zunächst über den achteren Travellerschlitten
(31) geführt
und nach Erreichen der stabilen Fluglage auf den vorderen (30)
verholt.
Der achtere Mast (3) bildet
zusammen mit den beiden Transversalmasten (5) einen stabilen Dreifuss,
dessen Vereinigungspunkt im Top der Masten für den Betrieb des Profilsegels
als Flugdrachen abgesenkt und nach vorne verholt werden kann (6).
- – Durch
Verholen des Zugpunktes nach vorne kann der Kurs des Bootes ohne
Betätigung
seines Ruders und alleine durch die Flugrichtung des Drachens bestimmt
werden.
- – Durch
Beibehaltung des Zugpunktes mittschiffs kann das Boot mit Hilfe
seines Ruders hoch an den Wind gesteuert werden.
Weitere Vorteile und Einsatzmöglichkeiten
- – Ein
solcherart geriggtes Drachensegel (siehe Zeichnung) dreht sich bei
Kursänderungen
von selbst in die optimale Richtung zum Wind. Dies ermöglicht einfachere
und damit schnellere und sicherere Wende-/und Halsemanöver und
macht somit Drachenrigg-getakelte Yachten besonders wendig.
- – Das
Drachenrigg ist mit seiner tragenden Grundkonstruktion aus 3 Masten
(Dreifuss) und einer auf Druck ausgelegten Statik wesentlich solider
und kostengünstiger
herzustellen als ein konventionelles Rigg mit verstagtem Mast und
auf Zug ausgelegter Statik.
- – Das
Niederlegen und Aufrichten des Mastendreifusses lässt sich
leicht bewerkstelligen. Damit eröffnet
das Drachenrigg seegehenden Yachten und Schiffen auch Binnenreviere
mit Brücken-/und
Kanaldurchfahrten.
- – Für den Betrieb
eines Drachenriggs ist prinzipiell weniger Gewichtsstabilität der Yacht
erforderlich als bei einem konventionellen Rigg, da der Zugpunkt
nach Aufsteigen des Drachensegels bis auf Decksniveau abgesenkt
werden kann, also ein geringeres krängendes Moment entsteht.
- – Ein
Drachenrigg lässt
sich auf jeder beliebigen Segelyacht an den für die Takelage ohnehin bereits
vorhandenen Montagepunkten (Püttings) montieren.
- – Durch
seine Solidität,
kostengünstige
Herstellung und einfache und sichere Handhabung ist das Drachenrigg
besonders auch für
Handelsschiffe attraktiv.
- – Das
Drachenrigg ist universell für
den Vortrieb von Wasser-/und Landfahrzeugen, sowie auch für den Betrieb
als stationäre
Einheit einsetzbar.