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Die Erfindung betrifft ein Verfahren
zur Herstellung eines kartenförmigen
tragbaren Datenträgers,
insbesondere einer Chipkarte, und eines dafür geeigneten Halbzeugs sowie
ein entsprechendes Halbzeug und einen ein solches Halbzeug enthaltenden
Datenträger.
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Aus der
EP 0 481557 A1 ist ein Verfahren
zur Herstellung eines kartenförmigen
Datenträgers
bekannt, bei dem ein Spritzgußkörper an
eine graphische Elemente tragende Basisfolie angespritzt wird. Zu
diesem Zweck wird die Basisfolie in einen Hohlraum eines Spritzgießwerkzeugs
eingebracht und dort mit Hilfe von Unterdruck fixiert. Um im Spritzgüßkörper eine
Kavität
zum Einsetzen eines Chipmoduls zu schaffen, ragt ein Dorn in den
Hoh1-raum des Spritzgießwerkzeugs
als Platzhalter für
das später
in den Spritzgußkörper einzusetzende
Chipmodul.
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Die Fixierung der Basisfolie in dem
Hohlraum des Spritzgießwerkzeugs
mittels Unterdruck ist jedoch unzuverlässig. Es kann während des
Einspritzvorgangs zu Verzögen
und Deformationen der Basisfolie kommen, die das optische Erscheinungsbild
des fertigen Formteils beeinträchtigen.
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Aufgabe der vorliegenden Erfindung
ist es daher, ein Verfahren zur Herstellung eines kartenförmigen Datenträgers bzw.
eines Datenträgerhalbzeugs
und einen entsprechenden Datenträger
bzw. ein Datenträgerhalbzeug
vorzuschlagen, das es erlaubt, eine zuverlässige Fixierung der Basisfolie
im Hohlraum des Spritzgießkörpers und
damit ein optimales Erscheinungsbild des fertigen Datenträgers bzw.
des dafür
verwendeten Datenträgerhalbzeugs zu
erzielten.
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Diese Aufgabe wird durch die Verfahren
zur Herstellung eines kartenförmigen
Datenträgers
und eines Datenträgerhalbzeugs
sowie durch einen entsprechenden Datenträger bzw. ein Datenträgerhalbzeug
mit den Merkmalen der nebengeordneten Patentansprüche gelöst. In davon
abhängigen
Ansprüchen
sind vorteilhafte Weiterbildungen und Ausgestaltungen der Erfindung
angegeben.
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Erfindungsgemäß wird die in den Hohlraum der
Spritzgießform
eingelegte Basisfolie mittels eines den Hohlraum durchdringenden
Stempels gegen die Innenwand der Spritzgießform niedergedrückt. Diese Fixierung
zusätzlich
zur Unterdruckfixierung erhöht die
Zuverlässigkeit
der Positionierung der Basisfolie innerhalb der Spritzgießform. Bisweilen
kann auf die Unterdruckfixierung auch völlig verzichtet werden, wodurch
die Komplexität
des Spritzgießwerkzeugs wesentlich
verringert werden kann. Auf die Unterdruckfixierung kann beispielsweise
verzichtet werden, wenn die Basisfolie zwischen den beiden Formhälften des
Spritzgießwerkzeugs
festgeklemmt wird.
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Der Stempel kann ein unbeweglicher
Bestandteil einer der beiden Formhälften des Spritzgießwerkzeugs
sein. Die Fixierung durch den Stempel erfolgt dann gleichzeitig
mit dem Schließen
des Spritzgießwerkzeugs.
In diesem Falle ist es sinnvoll, eine Fixierung mittels Unterdruck
zumindest solange vorzusehen, bis das Spritzgießwerkzeug geschlossen ist.
Gemäß einer
besonderen Ausgestaltung der Erfindung ist der Stempel aber beweglich.
Dann kann die in das Spritzgießwerkzeug
eingebrachte Basisfolie zunächst
mittels des beweglichen Stempels gegen die Innenwand der gegenüberliegenden
Formhälfte
niedergehalten und anschließend
die Spritzgießform
geschlossen werden. In diesem Falle kann auf eine zusätzliche
Unterdruckfixierung verzichtet werden.
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Als vorteilhaft bei diesem Verfahren
hat sich herausgestellt, daß mittels
des Stempels beliebig große
und vergleichsweise tiefe Kavitäten
für komplexe
Bauelemente herstellbar sind. Die nach dem Verfahren hergestellten
Kartenhalbzeuge eignen sich in besonderem Maße für Multifurilctionskarten mit
diversen integrierten Funktionssystemen, wie beispielsweise Batterie,
Solarzelle, Touch-Panel, Biometriesensor, Displayanzeige oder Kombinationsmodulen
bestehend aus mehreren solcher Funktionssysteme, zusätzlich zu
dem üblichen
Kartenchip. Solche komplexen Funktionssysteme erfordern nicht nur großflächige sondern
auch vergleichsweise tiefe Kavitäten,
die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren herstellbar
sind. Die maximale Dicke der Funktionssysteme wird lediglich beschränkt durch
die maximale Normdicke einer Karte von bis zu 0,76 mm gemäß ISO 7816
und im übrigen
durch die Dicke der Basisfolie, welche die Dünnstwandstärke der Kavität bildet.
Damit ist es möglich,
auch bei großflächigen Kavitäten Bodenwandstärken im
Bereich von 100 um zu realisieren, was mit herkömmlichen Folienlaminat-Technologien oder
im Spritzgießverfahren
nicht erreicht wurde, ohne dabei die Kartenoberflächen auf der
Rückseite
der Kavität
optisch zu beeinträchtigen.
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Mittels des in das Spritzgießwerkzeug
integrierten Stempels lassen sich filigrane, komplex strukturierte
Kavitäten
erzeugen, in die die Furiktionssysteme im späteren Kartenherstellungsprozeß paßgenau eingefügt werden
können – je nach
Funktionszweck mit definiertem Spiel oder als Klemmsitz oder auch
in Kombination mit anderen Funktionssystemen.
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Das Verfahren kann in verschiedenen
abgewandelten Ausführungsformen
durchgeführt
werden.
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Beispielsweise kann die Innenwandung,
gegen die der Stempel die Basisfolie niederhält, im Stempelbereich Oberflächenstrukturen
aufweisen, welche sich in die Basisfolie einprägen. Auf diese Weise kann ein
Linsenraster in die Basisfolie geprägt werden, um in Kombination
mit einem darunter angebrachten Muster einen optisch variablen Effekt
zu erzeugen. Aber auch Logos oder andere Zeichen und Muster lassen
sich auf diese Weise einprägen.
Die Prägung
kann dadurch unterstützt
werden, daß der betreffende
Bereich der Innenwand seinerseits durch einen beweglichen Prägestempel
gebildet wird.
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Die Innenwand kann im Stempelbereich auch
eine Vertiefung besitzen, in welche die Basisfolie mittels des Stempels
hineingezogen wird. Auf diese Weise läßt sich eine stegartige Umlaufkontur,
ein Wannenprofil oder ein anderes Höhenprofil in der Basisfolie
erzeugen. Falls die Basisfolie innerhalb des Stempelbereichs eine
Aussparung besitzt, wird lediglich der verbleibende, in den Stempelbereich
ragende Teil der Basisfolie mittels des Stempels in die Vertiefung
hineingezogen und aufgebördelt,
so daß sich ein
Kragen ausformt. In diesem Zusammenhang sieht eine bevorzugte Ausführungsform
vor, daß die Basisfolie
auf ihrer hohlraumseitigen Oberfläche Leiterbahnen mit Kontaktanschlüssen im
Bereich des Kragens besitzt, welche durch das Aufbördeln der Basisfolie
nach außen
umgebogen werden.
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Es ist auch möglich, in einem zweiten Schließvorgang
des Spritzgießwerkzeugs
zwischen die Basisfolie und den Stempel ein Transferprägeband mit
leitfähigen
Strukturen einzubringen, welche mittels des Stempels auf die Basisfolie übertragen werden,
noch während
sich das Spritzgußteil
in dem Spritzgießwerkzeug
befindet. Weiter ist es möglich, leitfähige Strukturen
auf eine Oberfläche
des fertig gespritzten Halbzeugs aufzubringen. Dazu wird das Spritzgießwerkzeug
geöffnet,
ein Transferprägeband mit
leitfähigen
Strukturen eingebracht und mittels eines in das Werkzeug integrierten
be weglichen Stempels in einem Prägevorgang
vom Transferprägeband auf
die Oberfläche
des Halbzeugs übertragen. Selbstverständlich lassen
sich auch andere Elemente auf diese Weise auf die Oberfläche übertragen.
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Das so hergestellte Kartenhalbzeug
mit einer oder mehreren Kavitäten
kann anschließend
mit einem entsprechend hergestellten Kartenhalbzeug oder mit einer
einfachen Deckfolie abgedeckt werden, nachdem die elektronischen
Bauelemente in die Kavitäten
eingesetzt und gegebenenfalls miteinander und/ oder mit in dem Kartenhalbzeug
integrierten Leiterbahnstrukturen kontaktiert worden sind. Insbesondere
kann eine mit elektronischen Bauteilen bestückte Leiterbahnfolie zwischen
zwei erfindungsgemäße Kartenhalbzeuge
eingelegt werden.
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Zur Verbindung der übereinanderliegenden Schichten
mit den in die Kavitäten
eingesetzten und kontaktierten elektronischen Bauelementen bzw.
mit der dazwischen eingelegten mit elektronischen Bauteilen bestückten Leiterbahnfolie
erfolgt gemäß einer bevorzugten
Ausgestaltung der Erfindung mittels einer Transferklebstoffolie.
Die Transferklebstoffolie wird in das Spritzgießwerkzeug eingebracht, noch während sich
das Spritzgußformteil
darin befindet, und die Übertragung
des Klebstoffs von der Transferfolie auf die Oberfläche des
Spritzgußteils
erfolgt, indem das Spritzgießwerkzeug
erneut geschlossen wird.
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In diesem Zusammenhang ist die Verwendung
eines thermoplastischen Heißschmelzklebers mit
einer aktivierbaren Vernetzungskomponente von Vorteil, beispielsweise
ein Polyurethan-Heißschmelzkleber
mit verkapselten Isocyanaten als Vernetzungskomponente. Die Übertragung
des Klebstoffs kann dann bei niedrigen Transfertemperaturen erfolgen,
bei denen das Material noch rein thermoplastische Eigenschaften
besitzt und nicht vernetzt.
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Erst im späteren Fügeprozeß des Halbzeugs mit einer Deckfolie
oder einem anderen, entsprechend aufgebauten Halbzeug läßt sich
bei kurzzeitig hoher Fügetemperatur
eine Aktivierung der Vernetzungskomponente und dadurch ein duroplastischer Verbund
erzielen.
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Die vorgenannte Fügetechnik ist besonders geeignet,
die Datenträger
in einem kontinuierlichen Verfahren ausgehend vom Spritzgießautomaten „Inline" zu realisieren,
um so eine besonders rationelle Gesamtfertigung zu erhalten.
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Nachfolgend wird die Erfindung beispielhaft anhand
der anhängenden
Zeichnungen erläutert. Darin
zeigen:
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1 eine
perspektivische Ansicht eines an eine Basisfolie angespritzten Spritzgußkörpers,
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2 einen
Querschnitt durch ein Spritzgießwerkzeug
mit eingebrachter Basisfolie,
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3,4 Querschnitte durch Spritzgießwerkzeuge
mit profiliertem Gegenstempel,
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5 einen
Querschnitt durch ein Spritzgießwerkzeug
mit Kavität
zum Tiefziehen der Basisfolie,
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6a, 6b ein Spritzgießwerkzeug
mit eingebrachter Basisfolie mit Loch und Leiterbahnen vor und nach
dem Tiefziehen,
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7a, 7b einen Querschnitt durch
eine Basisfolie,
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8 einen
Querschnitt durch ein Kartenhalbzeug,
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9 einen
Querschnitt durch ein Kartenhalbzeug gemäß einer komplexen Ausführungsform,
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10 eine
Aufsicht auf ein Kartenhalbzeug mit im Fertigformat angespritztem
Spritzgußkörper,
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11 eine
Aufsicht auf ein Kartenhalbzeug mit angespritztem Spritzgußkörper mit Überstand,
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12 eine
Aufsicht auf eine Basisfolie mit mehreren angespritzten Spritzgußkörpern als
Mehrnutzen-Halbzeug,
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13 eine
Aufsicht auf eine Basisfolie mit mehreren angespritzten Spritzgußkörpern als
Endloshalbzeug,
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14 einen
Querschnitt durch ein zum Transferprägen eingerichtetes Spritzgießwerkzeug,
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15a,15b den Ablauf eines Transferprägevorgangs,
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16A bis 16E Varianten zum Herstellen eines
tragbaren Datenträgers
unter Verwendung eines Kartenhalbzeugs, und
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17 einen
Inline-Herstellungsprozeß zur Herstellung
tragbarer Datenträger.
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1 zeigt
eine perspektivische Ansicht eines Kartenhalbzeugs 1, das
eine Basisfolie 2 mit angespritztem Spritzgußkörper 3 aufweist.
In dem Spritzgußkörper 3 sind
Ausnehmungen 4 vorgesehen, die sich durch den Spritzgußkörper 3 hindurch bis
zur Basisfolie 2 erstrecken. In diese Ausnehmungen 4 werden
im Laufe des weiteren Herstellungsverfahrens zu vollständigen tragbaren
Datenträgern elektronische
Bauelemente eingefügt.
Die Ausnehmungen 4 sind je nach Funktionszweck so dimensioniert,
daß das
Einsetzen der elektronischen Bauelemente mit definiertem Spielraum
oder im Klemmsitz möglich
ist. Ferner ist es denkbar, die elektronischen Bauelemente in die
Ausnehmungen 4 einzukleben oder auf sonstige Weise in den
Ausnehmungen 4 anzuordnen. In dem Spritzgußkörper 3 können auch
die notwendigen Strukturen für
Zuleitungen und Kontaktierungsstellen erzeugt werden, wie nachfolgend noch
erläutert
wird.
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Das in 1 dargestellte
Kartenhalbzeug 1 läßt sich
mit dem in 2 dargestellten
Spritzgießwerkzeug 5 anfertigen.
Das Spritzgießwerkzeug 5 verfügt über zwei
Formhälften 6, 7,
von denen die obere Formhälfte 7 zum
Schließen
des Spritzgießwerkzeugs 5 in
Richtung des Pfeils 10 beweglich ist. In den durch die
beiden Formhälften 6, 7 gebildeten Hohlraum 8 ragt
ein Stempel 9 hinein. Eine Basisfolie 2 wird zwischen
die beiden Formhälften 6, 7 so
eingelegt, daß sie
beim Schließen
des Spritzgießwerkzeugs 5 zwischen
den Formhälften 6, 7 eingeklemmt wird
und flach an der Innenwand der unteren Formhälfte 6 anliegt. Das
Andrücken
der Basisfolie 2 an die Innenwand der Formhälfte 6 wird
durch den Stempel 9, der auf der Basisfolie 2 aufliegt,
unterstützt.
Durch den Stempel 9 wird die Basisfolie 2 innerhalb
des Hohlraums 8 während
des Spritzgießvorgangs
fixiert, so daß keinerlei
Verzöge
oder Deformationen der Basisfolie in diesem Bereich auftreten können. Die
Spritzgußmasse
wird dann durch den Angußkana111
in den Hohlraum 8 eingespritzt.
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Der Stempel 9 ist in 2 als von der oberen Formhälfte getrenntes
Bauteil dargestellt, welches unabhängig von der oberen Formhälfte bewegbar
ist. Diese separate Beweglichkeit des Stempels 9 ist nicht
zwingend notwendig, jedoch sinnvoll zur Vorfixierung der Basisfolie 2 innerhalb
des Hohlraums 8, bevor das Spritzgießwerkzeug 5 geschlossen
wird.
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Das Spritzgießwerkzeug 5 gemäß 2 kann auf verschiedene
Weise adaptiert werden. So zeigt 3 ein
Ausführungsbeispiel,
in dem die Innenfläche
der Formhälfte 6,
gegen den der hier von unten eingefahrene Stempel 9 die
Basisfolie 2 andrückt,
eine Reliefoberfläche
besitzt, welche dazu dient, eine Strukturprägung 13 in Form eines
Linsenrasters in die Oberfläche
der Basisfolie 2 einzuprägen. Der betreffende Bereich
der Innenwand der Formhälfte 6 ist
seinerseits als eine Art Gegenstempel oder Prägestempel 12 ausgeführt. Damit
ist es möglich,
den zum Prägen
der Basisfolie 2 notwendigen zusätzlichen Druck auf die Basisfolie 2 aufzubringen.
Auch ein Logo oder andere Prägestrukturen können auf
diese Weise in die Basisfolie 2 eingeprägt werden. Die Strukturprägung 131iegt
nach Fertigstellung der Karte . auf der Kartenaußenseite.
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In 4 ist
eine andere Ausführungsvariante
des Spritzgießwerkzeugs 5 dargestellt.
Die Oberfläche
des Stempels 9, mit der der Stempel 9 auf der Basisfolie 2 aufliegt,
weist hier eine Höhenprofilierung
auf, beispielsweise eine umlaufende Kontur 14. Die Innenwandung
besitzt eine entsprechende Vertiefung in Form einer umlaufenden
Nut 15, in welche die Basisfolie 2 beim Absenken
des Stempels 9 hineingezogen wird. Auf diese Weise läßt sich
die Basisfolie 2 gleichzeitig tiefziehen.
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Ein anderes Ausführungsbeispiel zum Tiefziehen
der Basisfolie 2 ist in 5 dargestellt.
Dabei bildet die Vertiefung 16 ein Wannenprofil 17 zur
Aufnahme des in diesem Fall unprofilierten Endes des Stempels 9.
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Mit einem entsprechend der 5 ausgebildeten Spritzgießwerkzeug 5 lassen
sich auch Aufbördelungen
an einer vorgestanzten Basisfolie 2 herstellen. Dies wird
anhand der 6a und 6b erläutert. Zunächst wird in das Spritzgießwerkzeug 5 zwischen die
Formhälften 6, 7 eine
Basisfolie 2 mit einer Aussparung so eingelegt, daß die Aussparung
der Basisfolie 2 über
der. Vertiefung 16 liegt. Durch Absenken des Stempels 9 wird
die Basisfolie 2 mit ihrem über die Vertiefung 16 hinausragenden
Teil hineingezogen. Dabei werden gleichzeitig die auf der Oberfläche der
Basisfolie 2 befindlichen Leiterbahnen 18 umgebogen.
Beim anschließenden
Einspritzen von Spritzgußmaterial
in den Hohlraum 8 werden Teilbereiche der Leiterbahnen 18 durch
die Gegenwart des Stempels 9 freigehalten. Diese Teilbereiche
der Leiterbahnen 18 dienen bei der weiteren Kartenfertigung
als Anschlusskontakte für
elektronische Bauelemente.
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Die Basisfolie 2 kann aus
transparentem oder opakem Kartenmaterial bestehen, beispielsweise
aus den typischen Kartenmaterialien PVC, ABS oder PET, die sich
problemlos im Laminierverfahren miteinander verbiriden lassen und
aufgrund ihrer thermoplastischen Eigenschaften zum Anspritzen von
Kunststoffmaterial geeignet sind. Daneben kommen auch duroplastische
Leiterbahnfolien in Frage. Die Folien können mit graphischen Aufdrucken
oder, wie erläutert,
mit Leiterbahnstrukturen und anderen Applikationen versehen sein.
Außerdem
kann die Basisfolie in verschiedener Weise vorkonfektioniert sein,
beispielsweise Prägungen,
Ausstanzungen oder Leiterbahn-Aufprägungen besitzen.
In 7a ist beispielsweise
eine Basisfolie 2 mit einer Ausstanzung 20 dargestellt,
die einseitig mit über
die Ausstanzung 20 ragenden Leiterbahnen 19 ausgerüstet ist.
Die freien Enden der Leiterbahnen 19 können entweder durch den Stempel 9,
wie in Bezug auf 6a, 6b beschrieben, oder nach
dem SpritzgießProzeß in einem
separaten Arbeitsschritt nach außen umgeformt werden, um auf
diese Weise äußere Kontaktflächen zu
schaffen, wie in 7b gezeigt.
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In 8 ist
ein fertiges und auf Format gestanztes Kartenhalbzeug 1 dargestellt,
wie es mit einem Spritzgießwerkzeug
gemäß 2 herstellbar ist. Man erkennt
die großflächige Ausnehmung
4 im Spritzgußkörper 3,
die nach außen
nur durch die dünne
Basisfolie 2 begrenzt ist.
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9 zeigt
ein komplexeres Kartenhalbzeug 1 mit einer Basisfolie 2,
die von vornherein mit Leiterbahnen 19, 21 und
einer Ausstanzung 20 vorkonfektioniert wurde, bevor sie
in das Spritzgießwerkzeug eingebracht
wurde. Mittels eines ersten, gestuften Stempels wurde in der Basisfolie 2 ein Wannenprofi122
ausgebildet, um die abgestufte Ausnehmung 4 zu erzeugen.
Mittels eines weiteren Stempels wurde die Ausstanzung 20 und
die darüber ragenden
Enden der Leiterbahnen 19 von Vergußmaterial freigehalten. Weitere
Leiterbahnen 24 wurden anschließend, wie nachfolgend beschrieben,
auf die Oberfläche 23 des
Spritzgußkörpers 3 aufgebracht,
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10 zeigt
eine Aufsicht auf das Kartenhalbzeug 1, nachdem es der Spritzgießform entnommen
wurde. Die Außenkontur
des Spritzgußkörpers 3 entspricht
Kartennormmaßen,
beispielsweise nach ISO 7816. Um einen normgerechten Kartenkörper zu erhalten,
genügt
es daher bei dem in 10 dargestellten
Ausführungsbeispiel,
die Basisfolie 2 des Kartenhalbzeugs 1 entlang
dem Spritzgußkörper 3 abzutrennen.
Stattdessen kann der Spritzgußkörper 3 zunächst auch
mit größeren Abmessungen
gefertigt werden, wie in 11 dargestellt.
Um einen den Normmaßen
entsprechenden Kar tenkörper
zu erhalten, wird das in 11 dargestellte
Kartenhalbzeug 1 entlang einer Stanzkontur 25 ausgestanzt.
Dadurch ergibt sich ein glatter Übergang
der Seitenkanten zwischen dem Spritzgußkörper 3 und der Basisfolie 2.
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Bei den in den 10 und 11 dargestellten Ausführungsbeispielen
wurde die Basisfolie 2 als Einzelnutzen in das Spritzgießwerkzeug 5 eingeführt. Zur
Handhabung der Kartenhalbzeuge 1 im Einzelnutzen-Format
sind in der Basisfolie 2 jeweils zwei Löcher 26 vorgesehen.
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Daneben ist es möglich, die Basisfolie 2 als Mehrnutzen-Bogenformat
mit einer Mehrzahl von Spritzgußkörpern 3 zu
versehen. In 12 ist
eine Aufsicht auf eine im Mehrnutzen-Bogenformat in den Spritzgießvorgang
eingeführte
Basisfolie 2 dargestellt, wobei die für die Spritzgußkörper 3 vorgesehenen
Bereiche durch Strich-Punkt-Linien angedeutet sind. Auch der Einsatz
einer Basisfolie 2 als Endlosfolie ist möglich, wie
in 13 dargestellt. In
diesem Falle wird die Basisfolie 2 von einer Rolle abgewickelt.
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In den beiden in 10 und 11 dargestellten Fällen kann
die Basisfolie sogenannte Klappbögen bilden,
die aus passergenauen Seitenpaaren bestehen. Dies bietet den Vorteil,
daß sich
Kartenvorderseiten 27 und Kartenrückseiten 28, wie in 13 gezeigt, in einem Spritzgußprozeß herstellen
lassen und nur noch aufeinander geklappt zu werden brauchen, um
eine fertige Karte zu bilden, wie nachfolgend noch genauer erläutert wird.
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14 zeigt
einen Querschnitt durch ein Spritzgießwerkzeug 29 zur Herstellung
eines komplexeren Kartenhalbzeugs. In diesem Falle werden Leiterbahnstrukturen 31, 24 von
einem Transfer-Prägeband 30 auf
die Basisfolie 2 und auf den Spritzgußkörper 3 übertragen.
Dazu wird zunächst
der Spritz- Bußkörper 3 an
die Basisfolie 2 bei abgesenktem Stempel 9 gespritzt.
Anschließend
wird der Stempel 9 aus dem Spritzgußkörper 3 herausgefahren,
und auch ein zweiter Stempel 32, der zunächst einen
Teil der Innenwand der oberen Formhälfte 7 bildete, wird
zurückgefahren.
Zwischen die zurückgefahrenen
Stempel 9 und 32 wird nun das Transfer-Prägeband 30 mit
den Leiterbahnstrukturen 24, 31 eingeführt. Durch
nachfolgendes Absenken werden die Leiterbahnenstrukturen 24, 31 schließlich einerseits
auf die Basisfolie 2 und andererseits auf die Oberfläche des
Spritzgußkörpers 3 übertragen.
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15a,15b zeigen eine Variante
zur Herstellung eines Kartenhalbzeugs. Die Basisfolie 2 wird hier
nicht zwischen den oberen und unteren Formhälften 6, 7 festgeklemmt
sondern lediglich in den Hohlraum 8 eingelegt. Zunächst dienen
Saugkanäle 34 zum
Ansaugen der Basisfolie 2 an die Innenwand der unteren
Formhälfte 6.
Dann wird das Spritzgießwerkzeug
durch Absenken der beweglichen oberen Formhälfte 7 geschlossen
und die Spritzgußfolie 2 durch
weiteres Absenken des innerhalb der oberen Formhälfte 7 beweglich gelagerten
Stempels 9 auf die Basisfolie 2 zusätzlich fixiert,
um Verzüge
oder Deformationen im Bereich der mittels dem Stempel 9 zu
erzeugenden Kavität
während
des Spritzgießvorgangs
zu verhindern. Das Spritzgußmaterial
wird schließlich
durch die Angußkanäle 11 in
den Hohlraum 8 an die Basisfolie 2 angespritzt,
um den Spritzgußkörper 3 zu
bilden.
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Anschließend wird die obere Formhälfte 7 des
Spritzgießwerkzeugs 33 geöffnet, um
ein Transferprägeband
mit Leiterbahnstrukturen 35 zwischen die beiden Formhälften 6, 7 einführen und
auf die vorbeschriebene Weise Leiterbahnen von dem Transfer-Prägeband auf
die Oberfläche
des Spritzgußkörpers 3 übertragen
zu können.
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Je nach Ausführung und Kombination von Basisfolie 2 und
daran angespritztem Spritzgußkörper 3 können unterschiedlichste
Kartenaufbauten hergestellt werden. Verschiedene Varianten sind
in den 16A bis 16E im Querschnitt und im
noch nicht zusammengefügten
Zustand schematisch gezeigt.
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Das in 16A dargestellte
Ausführungsbeispiel
einer Karte 36 setzt sich aus zwei Kartenhalbzeugen 1 zusammen,
wobei entlang einer Fügeebene 37 eine
mit elektronischen Bauteilen 39 bestückte Leiterbahnfolie 38 eingesetzt
wird.
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Auch das in 16B dargestellte Ausführungsbeispiel der Karte 36 setzt
sich aus zwei Kartenhalbzeugen 1 zusammen. In diesem Fall
befinden sich die elektronischen Bauelemente 39 jedoch
nicht auf einer Leiterbahnfolie 38, sondern sind an Leiterbahnen 24 auf
der Oberfläche
des unteren Spritzgußkörpers 3 angeschlossen,
beispielsweise mittels eines elektrisch leitfähigen Klebers. Dabei können auch
mehrere elektronische Bauelemente auf einer Leiterplatte 40 zu
einer Baueinheit zusammengefaßt sein..
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Bei dem in 16C dargestellten Ausführungsbeispiel
der Karte 36 sind die elektronischen Bauelemente 39 an
Kontakte 31 angeschlossen, mit denen die Basisfolie 2 vorkonfektioniert
war, bevor der Spritzgußkörper 3 an
die Basisfolie 2 angespritzt wurde.
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Anstatt die Karte 36 aus
zwei Kartenhalbzeugen 1 zusammenzusetzen, kann sie auch
aus einem Kartenhalbzeug 1 und einer Deckfolie 41 hergestellt werden,
wie in 16D gezeigt ist.
Im übrigen
unterscheidet sich das Ausführungsbeispiel
nach 16D nicht von dem
Ausführungsbeispiel
gemäß 16C.
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Es besteht auch die Möglichkeit,
wie in 16E gezeigt,
die elektronischen Bauelemente 39 an Leiterbahnen 42 der
Abdeckfolie 41 anzuschließen und die Abdeckfolie 41 mit
den daran angeschlossenen Bauelementen 39 paßgenau auf
das Kartenhalbzeug aufzusetzen.
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Die Kartenhalbzeuge 1 können auf
verschiedene Weise zu Karten 36 verarbeitet werden.
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Zum einen können die Kartenhalbzeuge 1 zunächst positioniert
und die elektronischen Bauelemente 39 in die Kartenhalbzeuge 1 eingebracht
und kontaktiert werden. Nach dem Zusammenfügen der Kartenhalbzeuge 1 oder
nach dem Abdecken des einzelnen Kartenhalbzeugs 1 mit einer
Abdeckfolie 41 erfolgt gegebenenfalls ein Stanzvorgang,
durch den die fertige Karte 36 auf Normgröße gebracht wird.
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Daneben ist es möglich, die Herstellung der Karten 36 in
einer kontinuierlichen Produktionslinie „inline" zu organisieren. Ein Beispiel für eine derartige
Produktionslinie ist in 17 schematisch
dargestellt. Die Produktionslinie 43 geht von einem Spritzgießautomaten 44 aus,
durch das Spritzgießwerkzeug 5 angedeutet
ist. Das abgebildete Spritzgießwerkzeug 5 weist
passergenaue Seitenpaare 45 zur Herstellung von Vorder-
und Rückseiten
der zu fertigenden Karte 36 auf. Die vom Spritzgießautomaten 44 erzeugten
Kartenhalbzeuge 1 werden mit Hilfe einer geeigneten, nicht
dargestellten Handhabungsvorrichtung in einem Transfervorgang 46 in
ein Werkstückträgersystem 47 überführt. Das
Werkstückträgersystem 47 transportiert
die Kartenhalbzeuge 1 in einen Bestückungsautomaten 48.
Dort werden die Kartenhalbzeuge 1 mit den elektronischen
Bauelementen 39 bestückt.
In einem daran anschließenden Klebstoffautomaten 49 wird
der zum Zusammenfügen der
Kartenhalbzeuge 1 erforderliche Klebstoff 50 zumindest
auf eines der jeweils passergenauen Seitenpaare 45 aufgebracht.
Anschließend
werden die Kartenhalbzeuge 1 in einer Fügevorrichtung 51 zusammengefügt, beispielsweise
zusammengeklappt. In einer Stanzvorrichtung 42 werden die
zusammengefügten
Kartenhalbzeuge 1 zur Erzeugung der fertigen Karte 36 auf
Normmaß gestanzt.
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Die Station des Klebstoffautomaten 49 kann entfallen,
wenn bereits innerhalb des Spritzgießvorgangs ein Klebstoffsystem
auf eines der Kartenhalbzeuge appliziert und das so vorbereitete
Kartenhalbzeug dem nachfolgenden Fügevorgang zugeführt wird.
Das Aufbringen des Klebstoffs im SpritzgießProzeß kann dadurch erfolgen, daß nach dem
SpritzgießProzeß das Spritzgießwerkzeug
geöffnet,
eine Transferklebstofffolie eingeführt und der Transfer-Prozeß durch
einen zweiten Schließvorgang
des Spritzgießwerkzeugs
durchgeführt
wird. Als Klebstoffsystem kann vorteilhaft ein Polyurethan-Heißschmelzkleber
mit verkapselten Isocyanaten als Vernetzungskomponente zum Einsatz
kommen. Dieses System behält
bei niedrigen Transfertemperaturen seinen thermoplastischen Zustand
bei und geht erst im späteren
Fügevorgang
bei einer kurzzeitig höheren
Fügetemperatur
einen duroplastischen Verbund ein.
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- 1
- Kartenhalbzeug
- 2
- Basisfolie
- 3
- Spritzgußkörper
- 4
- Ausnehmung
- 5
- Spritzgießwerkzeug
- 6
- Formhälfte
- 7
- bewegliche
Formhälfte
- 8
- Hohlraum
- 9
- Stempel
- 10
- Bewegungsrichtung
- 11
- Angußkanal
- 12
- Prägestempel
- 13
- Strukturprägung
- 14
- Höhenprofil
- 15
- Vertiefung,
Nut
- 16
- Vertiefung
- 17
- Wannenprofil
- 18
- Leiterbahn
- 19
- Leiterbahn
- 20
- Ausstanzung
- 21
- Leiterbahn
- 22
- Wannenprofil
- 23
- Oberfläche
- 24
- Leiterbahn
- 25
- Stanzkontur
- 26
- Loch
- 27
- Kartenvorderseite
- 28
- Kartenrückseite
- 29
- Spritzgießwerkzeug
- 30
- Transfer-Prägeband
- 31
- Leiterbahn
- 32
- Stempel
- 33
- Spritzgießwerkzeug
- 34
- Saugkanal
- 35
- Leiterbahnstruktur
- 36
- Karte
- 37
- Fügeebene
- 38
- Leiterbahnfolie
- 39
- elektronisches
Bauelement
- 40
- Leiterplatte
- 41
- Abdeckfolie
- 42
- Leiterbahn
- 43
- Produktionslinie
- 44
- Spritzgießautomat
- 45
- Seitenpaare
- 46
- Transfervorgang
- 47
- Werkstückträgersystem
- 48
- Bestückungsautomat
- 49
- Klebstoffautomat
- 50
- Klebstoff
- 51
- Fügevorrichtung
- 52
- Stanzvorrichtung