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Die vorliegende Erfindung betrifft
mit Nukleinsäure-Sonden
dotierte Chips, die dazu geeignet sind, den Verlauf von Bioprozessen
zu überwachen
sowie die Verwendung entsprechender Sonden auf solchen Chips, beziehungsweise
Verfahren und Verwendungsmöglichkeiten,
die auf derartigen Chips beruhen.
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Bei der technischen Nutzung biologischer
Prozesse stellt sich das sehr grundlegende Problem, deren Verlauf
zu überwachen,
um zum gewünschten
Ergebnis zu gelangen, um Ressourcen zu schonen und/oder um in einer
gegebenen Zeit ein optimales Ergebnis zu erzielen. Unter biologischen
Prozessen sind beispielsweise die Kultur von Mikroorganismen auf
einer Agarplatte oder in Schüttelkultur
zu verstehen, insbesondere aber deren Fermentation, beziehungsweise
die Gewinnung von Rohstoffen über
die Fermentation von Mikroorganismen. Hierzu gibt es einen reichhaltigen
Stand der Technik, sowohl was einzellige Eukaryonten wie Hefen oder
Streptomyceten, als auch was gramnegative oder grampositive Bakterien
angeht.
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Die Überwachung derartiger Prozesse
geschieht einerseits durch die Beobachtung der sich im Laufe des
Prozesses wandelnden Eigenschaften und Anforderungen der betrachteten
Organismen, was sich beispielsweise in der optischen Dichte und
Viskosität
des Mediums, in aufgenommenen oder abgegebenen Gasen, in Änderungen
des pH-Werts oder sich wandelnden Nährstoffbedürfnissen niederschlägt.
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Andererseits sind in den letzten
Jahren verschiedene Techniken entwickelt worden, um die Stoffwechselprozesse
der betreffenden Organismen auf der Ebene der Genexpression zu verfolgen.
Eine gängige
Methode hierfür
ist die Verwendung von Genen für
leicht nachzuweisende Proteine als Indikatoren für die Aktivität der Promotoren
für die
eigentlich interessierenden Gene (Promotor-Analyse, Genexpressions-Analyse).
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Hierfür sind auch entsprechende Apparaturen
(sogenannte (Bio-)Sensoren) entwickelt worden, um ein möglichst
zeitnahes Ergebnis zu erhalten. Einen Überblick über die Anwendung der Sensor-Technologie
auf biologische Fragen bietet beispielsweise der Aufsatz „Biosensor
Microsystems" von
G.Urban (2001) in Sensors Update, 8, S. 189–214.
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Beispielsweise in der Arbeit „On-line
monitoring of gene expression" (I.Biran
et al., 1999, Microbiology, 145, S. 2129–2133) wird ein elektrochemischer
Sensor zur On-line-Analyse von E. coli-Kulturen beschrieben. Demnach
kann das lacZ-Gen unter die Kontrolle des Promotors des RpoS-abhängigen Gens
osmY gebracht werden, welches bei Übergang einer Kultur in die
stationäre
Wachstumsphase exprimiert wird. Die hiervon abgeleitete, im Kulturmedium
auftretende β-Galactosidase-Aktivität kann über einen
elektrochemischen Sensor ermittelt werden. Das hierüber erhaltene
Signal zeigt somit das Ende der exponentiellen Wachstumsphase der betreffenden
Kultur an.
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Andere Techniken befassen sich mit
dem Nachweis der interessierenden mRNA, beziehungsweise der abgeleiteten
Proteine selbst. Hierzu gehören
(1.) die Proteom-Analyse, d.h. die Betrachtung der Veränderung
der Ausstattung der betreffenden Zellen mit Proteinen, welche zumeist über 2-dimensionale
Gelelektrophorese der Zellysate erfolgt, (2.) die Analyse der gebildeten
mRNA (Transkriptom) über
ein in analoger Weise erstelltes „genomisches DNA-Array" und (3.) die Chip-Technologie.
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Letztere befindet sich in einem vergleichsweise
frühen
Entwicklungsstadium. Während
die beiden zuerst genannten Methoden letzlich auf quantitativen
Isolierungen und zeitaufwendingen Analysen der betreffenden Makromoleküle beruhen,
liegt der Chip-Technologie das Prinzip zugrunde, auf physikalisch
auslesbaren Trägern
(Chips) Sonden für
Proteine oder für
Nukleinsäuren
anzubringen, die unmittelbar auf das Vorhandensein der betreffenden
Proteine, beziehungsweise Nukleinsäuren ansprechen. Gegenüber den
beiden zuerst genannten Technologien verspricht man sich von derartigen
Chips eine zum betrachteten Prozeß zeitnahe Analyse (At line-Analyse).
Ein weiterer Vorteil ist der Bedarf an vergleichsweise kleinen Probenmengen.
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Das Prinzip von Chip-basierten Messungen
wird beispielsweise in dem Artikel „Real-time electrochemical
monitoring: toward green analytical chemistry" von J. Wang (Acc. Chem. Res.; ISSN
0001-4842; Rec. Sept. 12, 2001, S. A-F) schematisch in 2 vorgestellt. Demnach wird die zu analysierende
Probe mit einer Erkennungsschicht (biorecognition layer) in Kontakt
gebracht, bei der es sich beispielsweise um Enzym, Antikörper, Rezeptor
oder DNA handeln kann; das hierüber
empfangene Signal wird über
einen Umwandler (Transducer), beispielsweise eine amperometrische
oder potentiometrische Elektrode, über einen Verstärker (amplification/processing)
als elektrische Spannung oder als elektrisches Potential ausgegeben.
In der betreffenden Arbeit werden auch optische Systeme angesprochen,
denen gegenüber
die elektronisch auswertbaren Systeme hinsichtlich der Miniaturisierbarkeit
und anderer Vorteile dem Autor günstiger
erschienen.
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Der Stand der Technik ist bezüglich des
Aufbaus und der Funktionsweise derartiger Chips also breit aufgefächert: grundsätzlich wird
zwischen Protein-bindenden und Nukleinsäuren, d.h. insbesondere mRNA
erkennenden Chips unterschieden. Aufgrund der vorliegenden Erfindung
können
die Protein-spezifischen außer Betracht
bleiben. mRNA erkennende Chips sind i.d.R. mit komplementären DNA-Molekülen dotiert.
Unter den DNA-Chip-Analysen gibt es solche mit einer PCR-Amplifikation
der Zielsequenz und solche ohne Amplifikation. Ferner gibt es solche
mit optischer Auswertung der auf die Erkennung zurückzuführenden
Signale und solche mit elektrischer Auswertung.
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Die optischen Detektionsmethoden
erfordern zum Teil einen Verstärkungsmechanismus
der Signale. Hierfür
werden zum Beispiel Fluorophore, Acridiniumester oder eine indirekte
Detektion über
sekundäre
Bindungsvorgänge,
zum Beispiel über
Biotin, Avidin/Streptavidin oder Digoxigenin beschrieben. Im letzteren
Falle werden zum optischen Nachweis Digoxigenin-spezifische Antikörper eingesetzt,
die mit einem Enzym markiert werden. Dabei wird die Enzymaktivität entweder
kolorimetrisch oder über
Lumineszenz nachgewiesen. Nach Westin et al. (2000), Nature Biotechnol.,
18, S. 199–204,
kann die Hybridisierung mit einer PCR auf dem DNA-Chip gekoppelt
werden, um so die gesamte Nachweisreaktion auf einem Chip durchführen zu
können („Lab-on-a-Chip-Konzept").
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Weitere Arbeiten beschrieben die
Entwicklung von DNA-Chips, die das Prinzip der Kapillarelektrophorese
zur DNA-Sequenzierung, beziehungsweise Trennung miniaturisieren
(Woolley und Mathies (1994), Proc. Natl. Acad. Sci., 91, S. 11348–11352;
Liu et al. (2000), Proc. Natl. Acad. Sci., 97, S. 5369–5374).
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Elektrisch auslesbare DNA-Chips sind
in einigen Publikationen prinzipiell bereits vorgestellt worden (Hoheisel
(1999), DECHEMA Jahresbericht 1999., S.8–11; Hintsche et al. (1997),
EXS, 80, S. 267–283). Wright
et al. (2000; Anal. Biochem., 282, S. 70–79) nutzten einen „Ion-Channel-Sensor" (ICS) zur DNA-Detektion,
wie er erstmalig von Cornell et al. (1997; Nature, 387, S. 580–583) beschrieben
wurde. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem die Leitfähigkeit
molekularer Ionenkanäle
durch eine Bindungsreaktion detektiert wird. Im wesentlichen stellt
der Sensor ein Impedanz-Element dar. Cheng et al. (1998; Nat. Biotechnol., 16,
S. 541–546)
zufolge können
elektrische Impulse zu einer Verstärkung der Hybridisierungsreaktion
auf optischen DNA-Chips genutzt werden. Fritsche et al. (2002; Laborwelt
II) schlugen ein elektrisches Chip-System vor, das mit metallischen
Nanopartikeln arbeitet, die zum Beispiel an Oligonukleotide gebunden
sind. Bei diesem System wird durch eine sogenannte „metallische
Verstärkung" während der
Hybridisierungsreaktion ein Abfall des elektrischen Widerstandes
an der Elektrode ausgelöst,
der dann als Signal meßbar
ist.
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Ein weiterer Ansatz basiert auf einem
elektrischen Detektionsprinzip, in dem DNA-Sonden verwendet werden,
die durch die Markierung mit einem geeigneten Enzym (zum Beispiel
alkalische Phosphatase) nach der Hybridisierung zu einem elektrisch
aktiven Substrat führen,
das dann durch eine Redox-Reaktion an der Elektrode detektierbar
ist (Hintsche et al. (1997), EXS, 80, S. 267–283).
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Wenn man sich dazu entscheidet, einen
bestimmten Chip-Typus, beispielsweise einen auf Nukleinsäuren ansprechenden
Chip zur Überwachung
von Bioprozessen einzusetzen, so stellt sich das konkretere Problem,
welche Genaktivitäten
beobachtet werden sollen. Für
die Anfertigung und den Gebrauch des entsprechend hergestellten
Chips kann dann wieder auf den Stand der Technik zurückgegriffen
werden.
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In der Zahl der mit einem Nukleinsäure-Chip
gleichzeitig analysierbaren Gene bestehen technisch bedingte Grenzen.
So sind optisch auslesbare Chips, was die Zahl der Sonden, die auf
dem Chip aufgebracht werden können,
den elektrisch auswertbaren derzeit überlegen. Deren Grenzen werden
durch die Miniaturisierbarkeit der elektronischen Meßeinheiten
gesetzt.
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Es stellt sich somit das biologische
Problem, welche Genaktivitäten
den betrachteten Prozeß,
abbilden. Hierzu gehört
auch die Überwachung
der Produktbildung, wenn es sich beispielsweise um eine fermentative
Produktherstellung handelt. Gleichzeitig sollten aber auch Kontrollgene
eingeschlossen werden, die anzeigen, wenn der Prozeß sich in
eine Richtung entwickelt, die nicht beabsichtigt ist. Im Zuge dieses
Monitoring sollte aus Praktikabilitätsgründen einerseits eine nicht
zu hohe Zahl an verschiedenen Genen beobachtet werden. Andererseits
ist die Erfassung eines breiten Spektrums an Genaktivitäten mit
ein und demselben Chip wünschenswert,
beispielsweise um eine Vielzahl von möglichen Szenarien zu erkennen,
beispielsweise aber auch wenn parallel mehrere Organismenstämme beobachtet
oder derselbe Wirt zur Bildung verschiedener Produkte genutzt werden
soll, damit nicht jedesmal ein neuer Chip entwickelt werden muß.
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Von besonderem technischen Interesse
sind biotechnologische Prozesse mit gram-positiven Bakterien. Denn
diese werden besonders aufgrund ihrer Fähigkeit zur Sekretion zur industriellen
Herstellung von Wertstoffen eingesetzt. Hierunter haben solche der
Gattung Bacillus und hierunter, wiederum, die Spezies B. subtilis,
B. amyloliquefaciens, B. agaradherens, B. licheniformis, B. lentus
und B. globigii derzeit die wirtschaftlich größte Bedeutung.
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Mit der simultanen Beobachtung der
Aktivität
mehrerer Gene in Bakterien (multiparametrische Erfassung) befassen
sich beispielsweise die im folgenden vorgestellten und anschließend in
Tabelle 1 zusammengefaßten
Arbeiten.
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In dem Artikel „Monitoring of genes that
respond to process-related stress in large-scale bioprocesses" von Schweder et
al. (1999), Biotech. Bioeng., 65, S. 151–159, wird die Veränderung
der mRNA-Spiegel verschiedener durch Streß-Faktoren induzierbarer Gene,
nämlich
clpB, dnaK (induziert bei Hitzeschock), uspA (Glucose-Mangel), proU
(osmotischer Streß),
pfl und frd (O2-Mangel) und ackA (Glucose-Überschuß) im Verlauf
einer Fermentation von E. coli und in der nachfolgenden Konzentrierungsphase
beschrieben. Sie wurden über
eine PCR-basierte,
auf herkömmliche
Weise durchgeführte
Methode erfaßt.
Hierbei wurden unterschiedliche Expressionsraten bereits an verschiedenen
Stellen des Reaktors und sekundenschnelle Reaktionen auf veränderte Bedingungen
festgestellt. Die Gene proU und ackA waren während des Wachstums sehr aktiv,
bei Glucose-Mangel aber deutlich weniger. Die Gene clpB, dnaK, pfl
und frd blieben dagegen während
des Wachstums konstant und zeigten bei Glucose-Überschuß und (damit verbunden) bei
O2-Mangel eine erhöhte Expression. uspA blieb
sowohl bei Wachstum als auch bei Glucose-Mangel vergleichsweise
konstant. Ausgangspunkt dieser Arbeit war die Überlegung, die genannten Gene
als Indikatoren für
das Monitoring eines Bioprozesses einzusetzen; für uspA, zumindest, wurde diese
Hoffnung jedoch enttäuscht.
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Eine weitere Fermentation von E.
coli wird in der Arbeit „Monitoring
of genes that respond to overproduction of an insoluble recombinant
protein in Escherichia coli glucose-limited fed-batch fermentations" von Jürgen et al. (2000), Biotech.
Bioeng., 70, S. 217–224,
beschrieben. Hierin wird die Expression der Gene Ion, dnaK, ibpB,
htrA, ppiB, groEL, tig, s6, I9 und dps, teilweise auf mRNA-, teilweise
auf Proteinebene, teilweise auf beiden Ebenen betrachtet. Dabei
erfolgte die Untersuchung über
2D-PAGE, beziehungsweise die DNA-array-Technik. Angesichts der Ergebnisse,
die in der vorliegenden Anmeldung in Tabelle 1 zusammengestellt sind,
wird vorgeschlagen, rekombinante Bioprozesse wie die heterologe
Protein-Herstellung über
(unmittelbar) Prozeß-relevante
Proteine und Reporter-Gene wie ibpB zu verfolgen.
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Mit einer weiteren Beobachtung des
Fermentationsverlaufs bei Expression eines rekombinanten Proteins
durch E. coli befaßt
sich die Arbeit „Genomic
analysis of high-cell-density recombinant Escherichia coli fermentation
and "cell conditioning" for improved recombinant
protein yield" von
R.T.Gill et al. (2001; Biotech. Bioeng., 72, S. 85–95). Hierin
wird beschrieben, daß die
Streß-Gene
degP, uvrB, alpA, mltB, recA, ftsH, ibpA, aceA und groEL unter den
genannten Bedingungen bei hoher Zelldichte gegenüber niedriger Zelldichte verstärkt exprimiert
werden. Der Stärke
der Reaktion nach gruppierten sie sich untereinander zu gewissen
Clustern. Dies wurde über
einen auf RT-PCR und DNA-Microarray beruhenden und durch Dot-blot- Analyse ergänzten Ansatz
ermittelt, der auf Proben von zwei Zeitpunkten der Fermentation
angewendet wurde, eben zu Beginn bei niedriger Zelldichte und gegen
Ende bei hoher Zelldichte. Hieraus wurden „Cell Conditioning"-Ansätze entwickelt,
um die Streß-Antwort
der Zellen herabzusetzen.
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Grundsätzliche Unterschiede in den
Expressionsmustern gram-positiver Organismen gegenüber denen
von gram-negativen Bakterien werden mit der Arbeit „Proteome
and transcriptome based analysis of Bacillus subtilis cells overproducing
an insoluble heterologous protein" von Jürgen et al. (2001), Appl. Microbiol. Biotechnol.,
55, S. 326–332
aufgedeckt. Darin wird die Expression u.a. der Gene dnaK, groEL,
grpE, clpP, clpC, clpX, rpsB und rplJ in B. subtilis beschrieben,
wie sie über
die DNA-macro-array-Technik, beziehungsweise über zweidimensionale Polyacrylgelelektrophorese
ermittelt werden können.
Hiernach werden in gram-positiven zur Überexpression eingesetzten
Bakterien die Gene für
die Purin- und die Pyrimidin-Synthese sowie die bestimmter ribosomaler
Proteine stärker
exprimiert, als aufgrund der Erkenntnisse an gram-negativen Bakterien
zu erwarten war. Ein weiterer Unterschied betrifft die Proteasen
Lon und Clp.
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Tab. 1: Gene, deren Expressionsänderung
bei Fermentationen in den genannten Dokumenten beschrieben worden
ist
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Abk.: Glc: Glucose; σ: jeweiliger
Transkriptionsfaktor gram-negativer Bakterien; +: erhöhtes mRNA-Niveau; –: verringertes
mRNA-Niveau;
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Es ist jeweils vermerkt, wenn nur
auf verändertes
Protein-Niveau getestet worden ist.
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Prinzipiell könnten alle diese Gene im Verlaufe
eines biologischen Prozesses wie der Bakterienkultur oder der Fermentation
beobachtet werden und gäben
damit jeweils eine ganz spezielle Aussage über den jeweiligen physiologischen
Aspekt der betreffenden Kultur. Prinzipiell könnten damit alle dazu genutzt
werden, um einen solchen Prozeß zu überwachen.
Andererseits stellt sich angesichts des Aufwands die Frage, auf
welche dieser Indikator-Gene ein entsprechendes Monitoring eingeschränkt werden
kann, ohne daß wesentliche Aspekte übersehen
werden. Denn je weniger Gene beobachtet werden müssen, desto einfacher sind
die betreffenden Sensoren herstellbar und desto geringer wird der
technische Aufwand für
das gewählte
Detektionssystem.
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Während
praktisch alle diese Gene jeweils für sich oder in Gruppen im Stand
der Technik charakterisiert und teilweise als Indikatoren für den physiologischen
Zustand der betreffenden Zellen diskutiert worden sind, geht die
für die
vorliegende Erfindung getroffene Auswahl an Genen für eine Kontrolle
biologischer Prozesse, insbesondere Fermentationen von gram-positiven Bakterien
nicht aus dem Stand der Technik hervor.
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Es stellte sich somit die Aufgabe,
Gene zu identifizieren, vorzugsweise einen repräsentativen Querschnitt von
Genen zu identifizieren, die geeignet sind, um über Änderungen von Stoffwechselaktivitäten anzuzeigen,
wie ein beobachteter Bioprozeß verläuft. Insbesondere
sollte hier auf Fermentationen, besonders solche Fermentationen
geachtet werden, die der Herstellung von biologischen Wertstoffen
dienen. Dementsprechend sollten solche physiologischen Zustände erkennbar
werden, die anzeigen, daß die
betreffenden Zellen den Weg des optimalen Wachstumsverlaufs verlassen.
Hierzu gehören
beispielsweise Hungerzustände
gegenüber
verschiedenen Nährstoffen
oder Streßsituationen
wie beispielsweise Hitze- oder Kälteschock,
Scherstreß,
oxidativer Streß oder
Sauerstofflimitation.
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Ziel war es, Sonden für diese
Gene zu entwickeln, um sie für
die Überwachung
(Monitoring) entsprechender Bioprozesse einsetzen zu können.
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Eine weitere Aufgabe bestand darin,
einen mit Sonden auf eine repräsentative
Auswahl von Markergenen dotierten Sensor zu entwickeln, der geeignet
ist, bei der Überwachung
eines auf Mikroorganismen, insbesondere grampositiven oder gramnegativen
Bakterien beruhenden Bioprozesses Änderungen der diesen Prozeß kennzeichnenden
Stoffwechselaktivitäten
schneller als nach herkömmlichen,
insbesondere auf Gelelektrophoresen beruhende Methoden anzuzeigen.
Hiermit sollte sich der Vorteil ergeben, mit möglichst kurzer Zeitverzögerung in
den betreffenden Prozeß eingreifen
zu können.
Denn durch die Möglichkeit
zu zeitnahen Regulationen sollte sich ein Bioprozeß effizienter
durchführen
lassen.
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Solch ein Sensor sollte für mehrere
miteinander vergleichbare Prozesse einsetzbar und mit vergleichsweise
geringfügigen
Variationen an spezifische Einsatzmöglichkeiten anzupassen sein.
Vorzugsweise sollte er auf Bioprozesse auf der Grundlage von Bacillus-Spezies,
insbesondere B. subtilis, B. amyloliquefaciens, B. lentus, B globigii,
und ganz besonders auf B. licheniformis ausgerichtet sein. Unter
Bioprozessen standen Fermentationen, insbesondere die technische
Herstellung von Produkten, ganz besonders von überexprimierten Proteinen im
Vordergrund.
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Ferner sollte solch ein Sensor entsprechende
Verfahren zur Messung des physiologischen Zustands der betrachteten
Zellen sowie entsprechende Verwendungsmöglichkeiten zur Überwachung
der betrachteten biologischen Prozesse ermöglichen.
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Der erste Teil dieser Aufgabe wird
durch Identifizierung der folgenen Gene gelöst: acoA, ahpC, ahpF, citB,
clpC, clpP, codY, cspA, cspB, des, dnaK, eno, glnR, groEL, groL,
gsiB, ibpA, ibpB, katA, katE, lctP, ldh, opuAB, phoA, phoD, pstS,
purC, purN, pyrB, pyrP, sigB, tnrA, trxA und ydjF.
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Die weitergefaßte Aufgabe wird durch einen
Chip gelöst,
der mit Sonden für
mindestens eines der folgenden Gene: acoA, ahpC, ahpF, citB, clpC,
clpP, codY, cspA, cspB, des, dnaK, eno, glnR, groEL, groL, gsiB, ibpA,
ibpB, katA, katE, lctP, ldh, opuAB, phoA, phoD, pstS, purC, purN,
pyrB, pyrP, sigB, tnrA, trxA und ydjF, beziehungsweise für im betrachteten
Organismus gleich regulierte Gene aus den jeweils durch diese Gene
gekennzeichneten Stoffwechselwegen dotiert ist.
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Diese erfindungsgemäß zur Bioprozeßkontrolle
einsetzbaren Gene werden zusammen mit den Funktionen der jeweils
abgeleiteten Proteine und dem physiologischen Signal, für welches
sie stehen, in folgender Tabelle 2 zusammengestellt, sofern letzteres
aus der Funktion nicht eindeutig ersichtlich ist. Zusammenfassend
handelt es sich um Gene, deren Genprodukte in folgenden Stoffwechselzusammenhängen aktiv
werden: Zellwandsynthese, DNA-Replikation, Membrantransportmechanismen
C-Metabolismus (Kohlenstoffhaushalt), Citratcyclus (Tricarbonsäurezyklus;
TCA), Atmungskette, N-Metabolismus (Stickstoffhaushalt), P-Metabolismus
(Phophathaushalt), Aminosäuresynthese,
Purin-, und Pyrimidinsynthese, Translation, einschließlich ribosomaler
Gene, Sekretion, Anaerobiosis und Sporulation, sofern die betreffenden
Organismen dazu in der Lage sind.
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Zusätzlich wird in Tabelle 2 auf
die zugehörigen
DNA- und Aminosäuresequenzen
verwiesen, die beispielsweise aus Bacillus subtilis und/oder Escherichia
coli erhalten werden können
und dieser Tabelle entsprechend im Sequenzprotokoll zur vorliegenden
Anmeldung unter den Nummern SEQ ID NO. 1 bis SEQ ID NO. 82 angegeben
sind.
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Tab.
2: Erfindungsgemäß zur Bioprozeßkontrolle
einsetzbare Gene, die Funktionen der jeweils abgeleiteten Proteine
und die damit verbundenen Signale und Verweis auf die aus den entsprechenden
Organismen identifizierten Sequenzen, wie sie im Sequenzprotokoll
zur vorliegenden Anmeldung angegeben sind.
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Im Sequenzprotokoll umfassen die
betreffenden DNA-Sequenzen die für
das jeweilige Protein codierenden Bereiche sowie jeweils ca. 200
bp stromauf- und stromabwärts
davon, ungeachtet dessen, ob diese Bereiche die jeweils vollständigen nichtcodierenden
Bereiche des Gens erfassen oder in Bereiche hineinragen, die bereits
die Nachbargene betreffen.
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All diese Gene sind jeweils für sich im
Stand der Technik beschrieben. Sie können für die verschiedenen Organismen
aus allgemein zugänglichen
Datenbanken entnommen werden. Dies trifft insbesondere auf die gut
charakterisierten Spezies B. subtilis und E. coli zu, die allgemein
als Modellorganismen der grampositiven, beziehungsweise gramnegativen
Bakterien angesehen werden. Die beispielsweise im Sequenzprotokoll angegebenen
Sequenzen wurden aus den Datenbanken des Institut Pasteur, 25,28
rue du Docteur Roux, 75724 Paris CEDEX 15, Frankreich, entnommen,
welche über
die Internet-Adressen http://genolist.pasteur.fr/Colibri/ (für E. coli),
beziehungsweise http://genolist.pasteur.fr/SubtiList/ (für B. subtilis)
zugänglich
sind (Stand: 16.8.2002).
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In bevorzugten Ausführungsformen
sind erfindungegmäße Chips
mit zunehmend bevorzugt mindestens 2, 4, 6, 8, 10, 12, 14, 16, 18,
20, 22, 24, 26 28, 30, 32 oder 34 der genannten Sonden dotiert,
um ein möglichst
breites Spektrum an Stoffwechselsituationen zu erfassen.
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Von den aufgeführten Genen sind die meisten
sowohl in grampositiven als auch in gramnegativen Bakterien bekannt.
Einzelne dieser Gene sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt lediglich
aus einzelnen Organismengruppen wie etwa gramnegativen oder grampositiven
Bakterien bekannt. Sollten hierzu in Zukunft homologe, d.h. über Hybridisierung
erkennbare Vertreter in anderen Gruppen gefunden werden, so werden
sie entsprechend in den Anspruchsbereich eingeschlossen. Denn erfindungsgemäß kommt
es nicht darauf an, die exakte Nukleotidabfolge zu ermitteln sondern über Hybridisierung
ein zutreffendes Signal zu erhalten. So kann beispielsweise das
Gen groEL aus einem grampositiven Organismus wie B. subtilis über homologe
Hybridisierung mit einer Sonde für
das Gen groL aus E. coli identifiziert werden. Da die zugehörigen Genprodukte
in beiden Organismenklassen dieselbe Funktion ausüben, nämlich die
eines Chaperons, kann aus der Detektion dieses Signals auf eine
Streßsituation
des betrachteten Organismus geschlossen werden, bei der eine Vielzahl fehlgefalteter
Proteine auftreten. Dieselbe Sonde ist analog auch auf andere Spezies
anwendbar, die ein groL-ähnliches
Chaperon bilden.
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Andere Gene, die im betrachteten
Organismus gleich reguliert sind und auf den jeweils durch diese Gene
gekennzeichneten Stoffwechselwegen liegen, können als gleichwertige Indikatoren
dienen. So kann die beispielsweise die Wahl der für den Purin-Stoffwechsel
charakterisitischen Gene purC oder purN in gewisser Hinsicht als
willkürlich
angesehen werden. In alternativen Ausführungsformen der vorliegenden
Erfindung werden ein oder mehrere andere Gene ausgewählt, die
ebenfalls für
die Purin-Synthese benötigt
werden, sofern sie für
das selbe Signal stehen wie purC und/oder purN. Das gleiche gilt
auch für
die Gene der übrigen
betrachteten Stoffwechselleistungen: Zellwandsynthese, DNA-Replikation,
Membrantransportmechanismen C-Metabolismus (Kohlenstoffhaushalt),
Citratcyclus (Tricarbonsäurezyklus;
TCA), Atmungskette, N-Metabolismus (Stickstoffhaushalt), P-Metabolismus
(Phophathaushalt), Aminosäuresynthese,
Pyrimidinsynthese, Translation, einschließlich ribosomaler Gene, Sekretion,
Anaerobiosis und ggf. Sporulation.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
ist der Chip auf grampositive Bakterien, insbesondere B. subtilis
ausgerichtet. Hierfür
empfiehlt es sich, ihn mit Sonden zu dotieren, die aus der Gruppe
der Gene acoA, ahpC, ahpF, citB, clpC, clpP, codY, cspB, des, dnaK,
eno, glnR, groEL, gsiB, katA, katE, lctP, ldh, opuAB, phoA, phoD,
pstS, purC, purN, pyrB, pyrP, sigB, tnrA, trxA und ydjF, beziehungsweise
für im
betrachteten Organismus gleich regulierte Gene aus den jeweils durch
diese Gene gekennzeichneten Stoffwechselwegen ausgewählt sind.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
ist der Chip auf gramnegative Bakterien, insbesondere E. coli ausgerichtet.
Hierfür
empfiehlt es sich, ihn mit Sonden zu dotieren, die aus der Gruppe
der Gene clpP, cspA, cspB, dnaK, groL, ibpA, ibpB, katE, phoA, pstS,
und trxA, beziehungsweise für
im betrachteten Organismus gleich regulierte Gene aus den jeweils
durch diese Gene gekennzeichneten Stoffwechselwegen ausgewählt sind.
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Entsprechend den oben gemachten Ausführungen
können
von einzelnen Stoffwechselwegen jeweils einzelne Vertreter ausreichend
sein, um ein entsprechendes Signal zu ergeben. Inbesondere bei elektronisch auswertbaren
Chips ist es zudem notwendig, die Gesamtzahl der Sonden auf einem
Chip gering zu halten. Chips bevorzugter Ausführungsformen sind deshalb dadurch
gekennzeichnet, daß von
folgenden Genpaaren jeweils nur eines oder ein anderes im betrachteten
Organismus gleich reguliertes Gen aus dem jeweils durch eines dieser
Gene gekennzeichneten Stoffwechselweg vorhanden ist: ahpC oder ahpF;
clpC oder clpP; cspA oder cspB; ibpA oder ibpB; lctP oder ldh; phoA
oder phoD; purC oder purN; pyrB oder pyrP.
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Für
bestimmte biologische Prozesse, insbesondere die Bildung gewerblich
relevanter Verbindungen durch Mikroorganismen werden in der Regel
nicht die Wildtyp-Stämme
eingesetzt, sondern solche, die auf den betreffenden Prozeß ausgerichtet
sind. Hierzu gehört
neben der Transformaton mit den für die eigentliche Produktherstellung
verantwortlichen Genen das Versehen mit Selektionsmarkern oder weitere
Anpassungen des Stoffwechsels, bis hin zu Auxotrophien. Derartige
Stämme
besitzen ein besonderes Anforderungsprofil an die Wachstumsbedingungen
und besitzen z.T. Stoffwechselgene, die gegenüber den Wildtypgenen mutiert
sind. Da erfiundungsgemäße Chips
vorteilhafterweise auf eben diese Stämme, ganz besonders den betrachteten Bioprozeß ausgerichtet
sein sollen, müssen
diese Stammspezifischen Eigenheiten berücksichtigt werden und können sich
in der Wahl der betreffenden Sonden widerspiegeln. Das gilt insbesondere
dann, wenn als Sonden nicht die kompletten Gensequenzen sondern
nur Teile hiervon eingesetzt werden.
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In bevorzugten Ausführungsformen
handelt es sich also um Chips die dadurch gekennzeichnet sind, daß es sich
um Sonden handelt, die auf die betreffenden Gene aus dem für den Bioprozeß gewählten Organismus
ansprechen.
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Dies gilt besonders dann, wenn es
sich bei dem für
den Bioprozeß ausgewählten Organismus
um einen Vertreter einzelliger Eukaryonten, grampositiver oder gramnegativer
Bakterien handelt.
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Abhängig von der Art des gewünschten
Produkts werden verschiedene Organismen gewählt. Hierunter sind im Sinne
der Erfindung nicht allein die produktionsstämme zu verstehen sondern auch
alle dem Produktionsprozeß vorgeschalteten
Organismen, beispielsweise zur Klonierung entsprechender Gene oder
zur Auswahl geeigneter Expressionsvektoren.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
handelt es sich bei den einzelligen Eukaryonten um Protozoen oder
um Pilze, hierunter insbesondere Hefe, ganz besonders Sacharomyces
oder Schizosaccharomyces. Denn diese werden als Wirtszellen insbesondere
für die
Genprodukte von Eukaryonten eingesetzt, besonders wenn diese spezielle,
nur durch diese Stämme
durchführbare
Modifikationen erfahren sollen. Hierzu gehören beispielsweise Glykosylierungen.
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Aber auch die Ausrichtung erfindungsgemäßer Chips
auf die Überwachung
des Verlaufs, insbesondere des Wachstums von Zellkulturen höherer Eukaryonten,
etwa von Nagetieren oder von Menschen werden umfaßt.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
handelt es sich bei den grampositiven Bakterien um Coryneforme Bakterien
oder solche der Gattung Bacillus, hierunter inbesondere B. subtilis,
B. amyloliquefaciens, B. licheniformis, B. agaradherens, B. stearothermophilus,
B. lentus oder B. globigii. Denn dies sind technisch besonders wichtige
Produktionsstämme.
Sie werden insbesondere zur Produktion niedermolekularer chemischer Verbindungen,
etwa von Vitaminen oder von Antibiotika oder zur Produktion von
Proteinen, insbesondere Enzymen eingesetzt. Hierbei sind besonders
Amylasen, Cellulasen, Lipasen, Oxidoreduktasen und Proteasen besonders
hervorzuheben.
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In einer nicht minder bevorzugten
Ausführungsform
handelt es sich um gramnegative Bakterien, insbesondere um solche
der Gattungen Escherichia coli oder Klebsiella. Diese dienen sowohl
im Labormaßstab beispielsweise
der Klonierung und Expressionsanalyse als auch im großtechnischen
Maßstab
der Herstellung biologischer Wertstoffe.
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Mit der vorliegenden Anmeldung werden
nicht nur die oben beschriebenen Gene als interessante Kandidaten
für die
Prozeßüberwachung
dargestellt sondern auch entsprechende Sequenzen zur Verfügung gestellt.
Diese sind im Sequenzprotokoll aufgeführt, wobei die ungeradzahligen
Sequenznummern jeweils die Gene und die geradzahligen Sequenznummern
die abgeleiteten Genprodukte bezeichnen.
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In bevorzugten Ausführungsformen
sind erfindungsgemäße Chips
somit dadurch gekennzeichnet, daß mindestens eine, zunehmend
bevorzugt mehrere Sonden von den Sequenzen abgeleitet sind, die
im Sequenzprotokoll unter den Nummern SEQ ID NO. 1, 3, 5, 7, 9,
11, 13, 15, 17, 19, 21, 23, 25, 27, 29, 31, 33, 35, 37, 39, 41,
43, 45, 47, 49, 51, 53, 55, 57, 59, 61, 63, 65, 67, 69, 71, 73,
75, 77, 79 und 81 aufgeführt
sind.
-
Wie oben ausgeführt dienen die beobachteten
Prozesse einem technischen Interesse, das mit weiteren spezifischen
Genen verbunden ist. Hierbei handelt es sich beispielsweise in dem
Fall, daß ein
Protein hergestellt werden soll, um das Gen für dieses Protein und in dem
Fall, daß eine
niedermolekulare Verbindung hergestellt werden soll, um ein oder
mehrere Genprodukte, die auf dem Syntheseweg der betreffenden Verbindung
liegen. Es können
auch andere zelleigene Gene betroffen sein, etwa Stoffwechselgene,
die im Zuge der Produktherstellung verstärkt gebildet werden müssen, beispielsweise
eine zelleigene Oxidoreduktase, wenn das Produkt aus einem Edukt
oder einem Zwischenprodukt über
Oxidation oder Reduktion erhalten werden soll.
-
In einer bevorzugten Ausführungsform
handelt es sich somit um Chips, die zusätzlich mit mindestens einer
Sonde für
ein zusätzliches
Gen dotiert sind, insbesonderen einem solchen, das in einem Stoffwechsel-bedingten
Zusammenhang zu dem oder den prozeßbedingt zusätzlich exprimierten
Genen) steht, ganz besonders für
eines von diesen oder dieses selbst.
-
In den Fällen, daß ein gebildetes Polypeptid
selbst von Interesse ist oder eine endogene Aktivität verändert ist,
handelt es sich in bevorzugten Ausführungsforme um Chips, die dadurch
gekennzeichnet sind, daß es
sich bei dem prozeßbedingt
zusätzlich
exprimierten Gen um das für
ein gewerblich einsetzbares Protein handelt, insbesondere um eine
Amylase, Cellulase, Lipase, Oxidoreduktase oder Protease, oder um
eines, das auf einem Syntheseweg für eine niedermolekulare chemische
Verbindung liegt oder diesen wenigstens zum Teil reguliert.
-
Aus dem einleitend dargestellten
Stand der Technik ist die Gestaltung von Chips bekannt, die mit
Nukleinsäuren
dotiert sind. Sie basieren auf dem Prinzip der Nukleinsäure-Hybridisierung
der zu detektierenden mRNA mit der auf dem Chip vorgelegten Sonde.
Je nach System zur Auswertung des durch die Hybridisierung ausgelösten Signals
wird zwischen Chips mit einem optischen und mit einem elektrischen
Analysesystems unterschieden. Erfindungsgemäß sind prinzipiell beide Systeme
anwendbar.
-
Solche Chips werden folgendermaßen zur
Kontrolle (Monitoring) des jeweils betrachteten Bioprozesses eingesetzt:
Aus dem Prozeß wird
zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Probe mit dem zu analysierenden biologischem
Material entnommen; aus diesem wird, nach an sich bekannten Methoden,
beispielsweise unter Zellaufschluß und Verwendung einen denaturierenden
Puffers RNA, insbesondere mRNA isoliert. Diese wird markiert vorteilhafterweise
in einem Puffer über/durch
den Chip geleitet. Bei Hybridisierung (Sandwich-Markierung) einer
präparierten
RNA mit der homologen auf dem Chip bereitgestellten Sonde (Target-Nukleinsäure, beispielsweise
Target-DNA oder Target-Nukleinsäureanalog)
ergibt sich ein entsprechendes optisch oder elektronisch auswertbares
Signal. Dieses beruht beispielsweise auf der Hybridisierung mit
einer zweiten Sonde oder auf einer sekundären Nachweisreaktion, etwa über eine
RT-PCR.
-
Da von derselben Sonde in der Regel
jeweils mehrere Moleküle
an den Chip gebunden sind, ist die Stärke des Hybridisierungssignal über einen
gewissen – im
Einzelfall ggf. zu optimierenden – Bereich proportional zur
Zahl der zum Zeitpunkt der Probennahme in der Probe vorhandenen
spezifischen mRNA. Auf diese Weise ist die Stärke des Signals ein direktes
Maß für die Aktivität des betreffenden
Gens zu dem Zeitpunkt der Probennahme.
-
Die Zeitspanne zwischen Probennahme
und Messung sollte dabei so kurz wie möglich gehalten werden, beispielsweise über eine
weitgehend automatisierte Probennahme, deren Aufarbeitung und Leitung über/durch
den Sensor.
-
Limitierend für die Brauchbarkeit einer Sonde
ist also jeweils das Maß der
Homologie zwischen der bereitgestellten Sonde und der mRNA, die über Hybridisierung
erkannt werden soll. Letztlich entscheidet das Maß an Hybridisierung
der Sonde mit der zu detektierenden mRNA (siehe oben) über deren
Brauchbarkeit als Sonde und muß im
Einzelfall experimentell optimiert und/oder über Anpassung der Signalauswertung
berücksichtigt
werden. Es muß unter
den durch den Aufbau der Meßapparatur,
und sonstigen Einflüssen
vorgegebenen Bedingungen eine Hybridisierung erfolgen, die spezifisch
nur auf das interessierende Gen zurückgeführt werden kann, ausreichend
stark ist, um ein positives Signal zu ergeben, und andererseits
nicht zu stark ist, als daß die
mRNA nach Erzeugung des Signals wieder abdiffundiert, um die Bindungsstelle
für das
nächste
Molekül
freizumachen, beziehungsweise ein Abklingen des Signals zu ermöglichen.
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Allerdings ist es nötig, vor
Verwendung erfindungsgemäßer Chips
für einen
interessierenden Organismus das Maß der Homologie zwischen den
betreffenden Genen abzuschätzen,
bei nicht ausreichender Affinität
der zu detektierenden mRNAs zu den voregelegten Sonden solche über dieselben
erfindungsgemäßen Gene
aus näher
verwandten Spezies auf dem Chip zu verankern und Kalibrierungsmessungen
durchzuführen, um
verläßliche Aussagen
darüber
zu erhalten, welche Signalstärke
welcher Konzentration an spezieller mRNA entspricht.
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Um eine optimale Hybridisierung zu
erreichen, sind Chips bevorzugter Ausführungsformen dadurch gekennzeichnet,
daß eine,
bevorzugt mehrere Sonden einzelsträngig, in Form des codogenen
Strangs bereitgestellt werden. Denn dieser hybridisiert mit dem
codierenden Strang der DNA, beziehungsweise mit der entsprechenden
mRNA.
-
Erfindungsgemäße Chips sollten vorteilhafterweise
mehrmals verwendbar sein, insbesondere während eines einzelnen beobachteten
Prozesses, in dessen Verlauf eine ständige Überwachung erstrebenswert ist.
Um hierfür
die Haltbarkeit erfindungsgemäßer Chips,
insbesondere gegenüber
Nukleinsäure-hydrolysierenden
Enzymen zu erhöhen,
sind erfindungsgemäße Chip
dadurch gekennzeichnet, daß eine,
bevorzugt mehrere Sonden in Form einer DNA, vorzugsweise eines Nukleinsäureanalogs
zur Verfügung
gestellt werden. Eine DNA ist an sich weniger hydrolyseempfindlich
als etwa eine RNA. Schwerhydrolysierbare Analoga, in denen beispielsweise
das Phosphat des Zucker-Phosphatsrückgrats ersetzt ist, sind demgegenüber jedoch
bevorzugt. Derartige Verbindungen sind im Stand der Technik bekannt.
Die betreffenden Sonden wären,
etwa nach dem Vorbild des mit dieser Anmeldung verbundenen Sequenzprotokolls
entsprechend zu synthetisieren.
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Zum Nachweis einer mRNA ist oft keine
Hybridisierung über
die ganze Seqzuenzlänge
erforderlich. Die spezifischen Sonden brauchen deshalb weniger den
Bereich des Gens zu umfassen, der in mRNA umgeschrieben wird, als
den, der tatsächlich
als mRNA nachzuweisen ist. Vorteilhaft ist hierfür eine Auswahl eines Bereichs,
der nahe dem 5'-Ende
der mRNA liegt, da dieser zuerst in mRNA transkribiert wird und
somit nach Aktivitierung des Gens als erstes nachweisbar ist. Dies
kommt einem zeitnahen Nachweis entgegen.
-
In einer bevorzugten Ausführungsform
sind erfindungsgemäße Chips
somit dadurch gekennzeichnet, daß eine, bevorzugt mehrere Sonden
Genbereiche umfassen, die von dem zu untersuchenden Organismus in mRNA
umgeschrieben werden, insbesondere die Genbereiche, die nahe dem
5'-Ende der mRNA
liegen.
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mRNA-Moleküle liegen oft in einer Sekundärstruktur
vor, die auf Hybridisierung einzelner mRNA-Bereiche mit eigenen,
anderen Bereichen beruht. So kommt es beispielsweise zu Loop- oder
Stem-loop-Strukturen. Solche Bereiche hybridisieren in der Regel
jedoch weniger leicht mit anderen Nukleinsäuremolekülen, auch wenn diese homolog
sind.
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In bevorzugten Ausführungsformen
sind erfindungsgemäße Chips
deshalb dadurch gekennzeichnet, daß eine, bevorzugt mehrere Sonden
auf Fragmente der betreffenden Nukleinsäuren ansprechen, insbesondere
auf solche, die in der betreffenden mRNA, bezogen auf die jeweilige
Gesamt-mRNA ein geringes Maß an Sekundärfaltung
aufweisen.
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Die für die Nachweisreaktion eingesetzten
Sonden brauchen nur Teile der zu detektierenden mRNA zu umfassen,
sofern das über
sie erhältliche
Signal noch spezifisch genug ist. Diese Spezifität setzt die untere Grenze für die Länge der
betreffenden Sonden.
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Vorzugsweise ist also ein erfindungsgemäßer Chip
dadurch gekennzeichnet, daß eine,
bevorzugt mehrere Sonden eine Länge
von weniger als 200 Nukleotiden, und zunehmend bevorzugt von weniger
als 150, 120, 100, 80, beziehungsweise von 20 bis 60, 30 bis 50
und besonders bevorzugt von 45 bis 55 Nukleotiden aufweisen.
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Erfindungsgemäße Chips sind vorzugsweise
dadurch gekennzeichnet, daß durch
die Bindung der mRNA an die betreffende Sonde ein elektrisches Signal
ausgelöst
wird.
-
In dem bereits erwähnten Artikel
J. Wang (Acc. Chem. Res.; ISSN 0001-4842; Rec. Sept. 12, 2001, S. A-F)
werden die Vorteile eines elektrisch auswertbaren Systems gegenüber einem
optischen System diskutiert. Ferner wird auf verschiedene im Stand
der Technik entwickelte Ausführungsformen
solcher Sensoren verwiesen.
-
So beträgt zum gegenwärtigen Zeitpunkt
die Zeitspanne von der Probennahme bis zum Messen des Signals für optisch
auswertbare Chips ungefähr
24 h. Mithilfe eines elektrischen Systems liegt der Zeitbedarf momentan
bei ca. 2h. Demgegenüber
ist die Zahl der gleichzeitig analysierbaren Proben bei elektrisch
auswertbaren Chips derzeit auf maximal 12 Sonden beschränkt, wobei
jedoch eine rasche Entwicklung dafür spricht, daß in Kürze auf
einem Chip mehr Analyseplätze
zur Verfügung
gesdtellt werden können.
Limitierend hierfür
sind die elektronischen Auswerte-Einheiten für die verschiedenen Signale.
-
Die Herstellung entsprechender elektronisch
auswertbarer Chips wird beispielsweise in den Patentanmeldungen
WO 00/62048 A2, WO 00/67026 A1 und WO 02/41992 beschrieben, deren
Offenbarungsgehalt vollständig
in die vorliegende Anmeldung einbezogen wird.
-
Die Funktionsweise elektrisch auslesbarer
Chips einer besonders bevorzugten Ausführungsform kann wie folgt beschrieben
werden: Die genspezifischen Sonden sind auf an sich bekannte Weise
kovalent an magnetische Beads gebunden, die sich in hierfür vorgesehenen
Kammern der Chips befinden. Die spezifische Hybridisierung der entsprechenden
mRNA an die jeweiligen Beads erfolgt in dieser Hybridisierungskammer, die
temperierbar ist und von den betreffenden Lösungen durchspült werden
kann. Die Beads werden in dieser Kammer durch einen Magneten festgehalten.
Nach der Hybridisierung der RNA-Proben an die Beads-gebundenen DNA-Sonden
erfolgt ein Waschschritt zur Beseitigung der nicht-gebundenen RNA,
so daß in
der Inkubationskammer nur noch spezifische Hybride vorhanden sind,
undzwar gebunden an den magetischen Beads.
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Nach dem Waschen wird eine Detektionssonde
in die Inkubationskammer eingeleitet, die über eine Biotin-Extravidin-gebundene
alkalische Phosphatase markiert ist. Diese Sonde bindet an eine
zweite freie Region der hybridisierten mRNA. Dieses Hybrid wird
anschließend
erneut gewaschen und mit dem Substrat der alkalischen Phosphatase
Para-Aminophenolphosphat (pAPP) inkubiert. Die enzymatische Reaktion
in der Inkubationskammer führt
zur Freisetzung des redoxaktiven Produkts para-Aminophenol (pAP).
Dieses wird nun über
den Red/Ox-Elektrode
auf dem elektrischen Chip geleitet und das Signal zu einem Potentiostaten
gesendet.
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Eine System-spezifische Software
(zum Beispiel MCDDE32) liest die erhaltenen Daten und die Ergebnisse
können
mit Hilfe eines weiteren Programms (zum Beispiel Origin) auf einem
Computer ausgewertet und dargestellt werden.
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Selbstverständlich ist dieser Prozeß sowohl
hinsichtlich der technischen Gestaltung der Chips als auch der Auswertung
variierbar. So kann beispielsweise die Nachweisreaktion auch durch
eine andere, wegen des elektrischen Meßprinzips vorzugsweise jedoch
eine Redoxreaktion erfolgen.
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Eine Leistung der vorliegenden Erfindung
besteht darin, prozeßkritische
Gene identifiziert und der Analyse über entsprechend gestaltete
Biochips zugänglich
gemacht zu haben. Der Vorteil von Chips gegenüber konventionellen Nachweismethoden
besteht neben dem Zeitgewinn darin, daß mit der Bereitstellung mehrerer
Sonden auf einem Träger
gleichzeitig in derselben Probe die Aktivitäten von mehreren verschiedenen Genen
nachgewiesen werden können.
-
So wird mit der vorliegenden Erfindung
die Verwendung entsprechender Sonden zur Verfügung gestellt, die so ausgewählt sind,
daß sie
ein für
die meisten Fermentationsverläufe
repräsentatives
Bild über
verschiedene physiologische Zustände
der betreffenden gramnegativen und grampositiven ergeben. Dies gilt
insbesondere für
die der Spezies E. coli (vgl. Beispiel 1 und 1), B. subtilis (vgl. Beispiel 2 und 2) und B. licheniformis
(vgl. Beispiel 3 und 3).
Die hierin beschriebenen Sonden, die spezifisch für die Gene
ibpB, dnaK, acoA und sigB sind, können nun auf an sich bekannte
Weise an entsprechende Chips gebunden und zur Analyse von Bioprozessen
eingesetzt werden.
-
Ein eigener Erfindungsgegenstand
ist somit die Verwendung einer Sonde für mindestens eines der folgenden
Gene: acoA, ahpC, ahpF, citB, clpC, clpP, codY, cspA, cspB, des,
dnaK, eno, glnR, groEL, groL, gsiB, ibpA, ibpB, katA, katE, lctP,
ldh, opuAB, phoA, phoD, pstS, purC, purN, pyrB, pyrP, sigB, tnrA,
trxA und ydjF, beziehungsweise für
im betrachteten Organismus gleich regulierte Gene aus den jeweils
durch diese Gene gekennzeichneten Stoffwechselwegen, gebunden an
einen zuvor beschriebenen Chip zur Bestimmung des physiologischen
Zustands eines einen biologischen Prozeß durchlaufenden Organismus.
-
Bevorzugte Ausführungsformen dieses Gegenstands
ergeben sich aus den oben gemachten Ausführungen zu den erfindungsgemäßen Chips.
-
Einen weiteren eigenen Erfindungsgegenstand
bilden entsprechend dem oben Gesagten Verfahren zur Bestimmung des
physiologischen Zustands eines einen biologischen Prozeß durchlaufenden
Organismus durch Einsatz eines oben beschriebenen, erfindungsgemäßen Chips.
-
Vorzugsweise ist ein erfindungsgemäßes Verfahren
dadurch gekennzeichnet, daß es
sich bei dem für den
Bioprozeß ausgewählten Organismus
um einen Vertreter einzelliger Eukaryonten, grampositiver oder gramnegativer
Bakterien handelt.
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Vorzugsweise ist ein erfindungsgemäßes Verfahren
dadurch gekennzeichnet, daß es
sich bei den einzelligen Eukaryonten um Protozoen oder um Pilze
handelt, hierunter insbesondere Hefe, ganz besonders Sacharomyces
oder Schizosaccharomyces.
-
Vorzugsweise ist ein erfindungsgemäßes Verfahren
dadurch gekennzeichnet, daß es
sich bei den grampositiven Bakterien um Coryneforme Bakterien oder
solche der Gattung Bacillus handelt, hierunter inbesondere B. subtilis,
B. amyloliquefaciens, B. licheniformis, B. agaradherens, B. stearothermophilus,
B. lentus oder B. globigii.
-
Vorzugsweise ist ein erfindungsgemäßes Verfahren
dadurch gekennzeichnet, daß es
sich bei den gramnegativen Bakterien um solche der Gattungen Escherichia
coli oder Klebsiella handelt.
-
Vorzugsweise ist ein erfindungsgemäßes Verfahren
dadurch gekennzeichnet, daß die
Bestimmung des physiologischen Zustands zu verschiedenen Zeitpunkten
desselben Prozesses durchgeführt
wird, optional unter Einsatz mehrerer baugleicher Chips.
-
Vorzugsweise ist ein erfindungsgemäßes Verfahren
dadurch gekennzeichnet, daß es
sich bei dem Prozeß um
eine Fermentation, insbesondere um die fermentative Herstellung
eines gewerblich einsetzbaren Produkts, besonders bevorzugt um die
Herstellung eines Proteins oder einer niedermolekularen chemischen Verbindung
handelt.
-
Einen eigenen Erfindungsgegenstand
stellt die Verwendung eines erfindungsgemäßen Chips zur Bestimmung des
physiologischen Zustands eines einen biologischen Prozeß durchlaufenden
Organismus dar.
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Bevorzugte Ausführungsformen solcher Verwendungen
wie auch der Verwendung der in der vorliegendnen Erfindung definierten
Gensonden ergeben sich aus den bisher gemachten Auführungen.
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Vorzugsweise ist eine erfindungsgemäße Verwendung
dadurch gekennzeichnet, daß es
sich bei dem für
den Bioprozeß ausgewählten Organismus
um einen Vertreter einzelliger Eukaryonten, grampositiver oder gramnegativer
Bakterien handelt.
-
Vorzugsweise ist eine erfindungsgemäße Verwendung
dadurch gekennzeichnet, daß es
sich bei den einzelligen Eukaryonten um Protozoen oder um Pilze
handelt, hierunter insbesondere Hefe, ganz besonders Sacharomyces
oder Schizosaccharomyces.
-
Vorzugsweise ist eine erfindungsgemäße Verwendung
dadurch gekennzeichnet, daß es
sich bei den grampositiven Bakterien um Coryneforme Bakterien oder
solche der Gattung Bacillus handelt, hierunter inbesondere B. subtilis,
B. amyloliquefaciens, B. licheniformis, B. agaradherens, B. stearothermophilus,
B. lentus oder B. globigii.
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Vorzugsweise ist eine erfindungsgemäße Vewendung
dadurch gekennzeichnet, daß es
sich bei den gramnegativen Bakterien um solche der Gattungen Escherichia
coli oder Klebsiella handelt.
-
Vorzugsweise ist eine erfindungsgemäße Vewendung
dadurch gekennzeichnet, daß die
Bestimmung des physiologischen Zustands zu verschiedenen Zeitpunkten
desselben Prozesses durchgeführt
wird, optional unter Einsatz mehrerer baugleicher Chips.
-
Vorzugsweise ist eine erfindungsgemäße Vewendung
dadurch gekennzeichnet, daß es
sich bei dem Prozeß um
eine Fermentation, insbesondere um die fermentative Herstellung
eines gewerblich einsetzbaren Produkts, besonders bevorzugt um die
Herstellung eines Proteins oder einer niedermolekularen chemischen Verbindung
handelt.
-
Beispiele
-
Alle molekularbiologischen Arbeitsschritte
folgen Standardmethoden, wie sie beispielsweise in dem Handbuch
von Fritsch, Sambrook und Maniatis „Molecular cloning: a laboratory
manual", Cold Spring
Harbour Laboratory Press, New York, 1989, oder vergleichbaren einschlägigen Werken
angegeben sind. Enzyme und Baukästen
(Kits) wurden nach den Angaben der jeweiligen Hersteller eingesetzt.
-
Beispiel 1
-
Analyse der Expression
der Gene ibpB und dnaK des gramnegativen Bakteriums Escherichia
coli
-
Für
die Bestimmung der ibpB- und dnaK-mRNA-Level vor und nach Überproduktion
eines unlöslichen Modellproteins
(α-Glycosidase
von Saccharomyces cerevisiae) in Escherichia coli wurde die Slot-blot-Analyse verwendet.
Der E. coli Stamm RB791 [F–, IN(rmD – rmE)1, λ–,
laclqL8] wurde für die Experimente
verwendet. Dieser Stamm enthält
das Plasmid pKK177glucC mit dem Gen der α-Glucosidase, dessen Expression
durch den tac-promoter und die Zugabe von Isopropyl-β-D-thiogalactopyranosid
(IPTG) induziert wird. Weiterhin trägt dieser Stamm das Plasmid
pUBS520, das eine minor-argU-tRNA konstitituiv exprimiert (Brinkmann
et al., 1989).
-
Die Kultivierung wurde als Fed-batch-Fermentation
in einem 6 l-Biostat ED Fermentor (Fa. B. Braun Biotech. Int., Melsungen)
durchgeführt.
Alle Fermentationen erfolgten in einem Glukose-Ammonium basierten Mineralsalzmedium
bei einer Temperatur von 35°C
wie bei Teich et al. (1998; J. Biotechnol., Bd. 8, S. 197–210) beschrieben.
Die Induktion erfolgte durch die Zugabe von 1 mM IPTG.
-
Für
die mRNA-Analyse wurden die Zellen in 400μl (1:1 (v/v)) Killing-Puffer
(20mM Tris-HCl pH 7.5, 20 mM NaN
3, 5 mM
MgCl
2) aufgenommen und zentrifugiert. Der Überstand
wurde verworfen und das Pellet bei –80°C bis zur weiteren Analyse gelagert.
Gesamt-RNA wurde mit dem High Pure-RNA Isolation Kit (Fa. Roche Diagnostics)
isoliert. Definierte Mengen der isolierten RNA wurden mit 10 × SSC (1.5
M NaCl, 0.15 M Na-Citrat, pH 7) verdünnt und auf eine positiv geladene
Nylonmembran aufgetragen. Anschließend erfolgte die Hybridisierung
mit einer Digoxigenin-markierten spezifischen RNA-Sonde entsprechend
der Vorgaben des Handbuchs von Roche Diagnostics. Die RNA-Sonden
wurden in vitro mit der T7 RNA Polymerase von einem PCR-Produkt
synthetisiert, das eine T7-Promotorsequenz enthielt. Die folgenden
Primer wurden für
die Synthese der entsprechenden PCR-Produkte verwendet:
-
Die Hybridisierungssignale auf dem
Filter wurden mit dem Lumi-Imager von der Firma Roche Diagnostics
quantifiziert (1).
-
Man erkennt, daß 1 h nach Induktion des Expressionssystems
und damit verbundener Bildung von Proteinaggregaten (inclusion bodies)
sowohl ibpB als auch dnaK maximal exprimiert werden. Beide Chaperone
werden offensichtlich zu diesem Zeitpunkt benötigt. Umgekehrt können beide
Gene als Marker für
diesen speziellen physiologischen Zustand von E. coli angesehen
werden.
-
Beispiel 2
-
Analyse der Expression
des Gens acoA des grampositiven Bakteriums Bacilllus subtilis
-
Für
die Analyse der acoA-mRNA-Level vor und nach Glukoselimitaton wurden
die Northernblot-Analyse sowie die realtime-RT-PCR mit Hilfe des
LightCyclers (Fa. Roche Diagnostics) verwendet. Die PCR-Primer für diese
Analyse sollten zueinander ähnliche
Eigenschaften (GC-Gehalt,
Schmelzpunkt etc.) besitzen. Die Größe des entsprechenden PCR-Produkts
sollte zwischen 300 und 750 bp (optimal: 500 bp) liegen. Zum Ableiten
der Primersequenzen wurde das Computerprogramm „Primer 3" verwendet. Diese Programm ist unter
http://wwwgenome.wi.mit.edu/cgi-bin/primer/primer3.cgi, beziehungsweise
http://wwwgenome.wi.mit.edu/cgi-bin/primer/primer3_www.cgi im Internet
frei verfügbar
(Stand 9.9.2002).
-
Der Stamm, der für diesen Versuch verwendet
wurde, ist Bacillus subtilis 168. Die Zellen wurden in Minimalmedium
(Stülke
et al., 1993; J. Gen. Microbiol., Bd. 139, S. 2041–2045) kultiviert.
Die Hauptkultur wurde mit einer Übernachtkultur
so beimpft, dass eine Anfangs-OD540 nm von 0,05 erreicht wurde. Die Kultur
wurde in einem kleinen Fermentor (500 ml Arbeitsvolumen) bei 37°C inkubiert.
Die erste Probenahme für
die RNA-Analyse erfolgte bei einer OD von 0,4 (entspricht Nullprobe
in der exponentiellen Wachstumsphase, beziehungs weise vor dem Streß). Das
Probenvolumen wird dabei genau auf OD 16 eingestellt ( zum Beispiel OD500 = 0,4 → 16:0,4 = 40 ml ernten). Die
zweite Probe für
die RNA-Isolation erfolgte 30 min, 1 h sowie 2 h nach dem Übergang
in die stationäre
Wachstumsphase.
-
Der Aufschluß der Zellen erfolgte mit dem
Gerät RiboLyser
(Fa. ThermoLifeSciences) durch eine mechanische Zerstörung der
Zellen durch die im Reaktionsgefäß vorhandenen
Glaskügelchen
(Glasperlen 0,1–0,11
mm ⌀,
Fa. B. Braun Biotech) hervorgerufen durch die Drehbewegungen des
RiboLysers. Um RNAse-Aktivität
zu vermeiden, wird dem Reaktionsansatz saures Phenol zugesetzt.
Nach dem Zellaufschluß werden
die Reaktionsgefäße auf Eis
gestellt, um sie etwas abkühlen
zulassen.
-
Die RNA-Isolation und Reinigung erfolgte
mit dem KingFisher (Fa. ThermoLifeSciences). Der KingFisher ist
ein Pipettierautomat. Es werden an Magnetpartikel gebundene biologische
Substanzen mittels Stabmagneten in verschiedene Reaktionsgefäße überführt. Zur
Isolation der gesamten RNA aus den aus lysierten Zellen wird der
KingFisher in Kombination mit dem MagNA Pure LC RNA Isolation Kit
I (Fa. Roche Diagnostics) genutzt. Das Gerät wird bei 4°C betrieben.
-
Die Analyse der acoA-mRNA Mengen
vor und nach dem Streß erfolgte
mit Hilfe der Northern-blot-Analysen
nach Standard-Protokollen. Das Ergebnis ist in 2 dargestellt.
-
Tabelle
3: Über
Quantifizierung der Signale der Northern-blot-Analyse von Figur
2 ermittelte Expressionsniveaus des Gens acoA zu verschiedenen Zeitpunkten
während
das Wachstums von B. subtilis.
-
Man erkennt, daß das Gen acoA in der frühen stationären Phase
maximal exprimiert wird, daß hier also
im vorliegenden Beispiel Glucose-Limation aufgetreten ist. Dieses
Gen kann also als Markergen für
diesen speziellen physiologischen Zustand von B. subtilis angesehen
werden, beziehungsweise eine erfindungsgemäße Sonde für dieses Gen sollte diesen
Zustand anzeigen können.
-
Beispiel 3
-
Analyse mRNA-Niveaus
der Gene dnaK und sigB des grampositiven Bakteriums Bacillus licheniformis
bei Hitzeschock
-
Die Bestimmung der dnaK- und gsiB-mRNA-Mengen
von B. licheniformis-Zellen während
eines Hitzeschocks wurde mittels Northern-blot-Analyse durchgeführt. Zu
diesem Zweck wurden Zellen des Stammes B. licheniformis DSM16 in
LB-Medium bei 37°C
kultiviert. Mit einer Vorkultur im logarithmischen Wachstumszustand
wurde die Fermenterkultur so beimpft, daß eine OD500 von
ca. 0,05 erreicht wurde. Bei einer OD von 0,4 wurde die erste Probe
für die
RNA-Isolation genommen. Diese Probe stellt die Kontrolle dar. Der
Hitzestreß erfolgte
für 10
Minuten bei 54°C.
Im Anschluß daran
wurde wiederum eine Zellprobe für
die RNA-Isolation entnommen.
-
Die Zellen beider Proben (Kontrolle,
Streß)
wurden wiederum mittels des Geräts
RiboLyser (siehe oben) aufgeschlossen. Aus dem Lysat wurde mit Hilfe
des Geräts
KingFisher (siehe oben) und des MagNA Pure LC RNA Isolation Kit
I (siehe oben) die Gesamt-RNA isoliert.
-
Definierte Mengen der isolierten
RNA wurden wiederum nach Standardmethoden über Gelelektrophorese aufgetrennt
und wie oben mit einer Digoxigenin-markierten spezifischen DNA-Sonde
nach Herstellerangaben hybridisiert. Die Sonden zur Detektion der
jeweiligen mRNA wurden nach Standard-Methoden mit der T7 RNA Polymerase
von PCR-Produkten dieser Gene synthetisiert, die jeweils in Vektoren
mit T7-Promotor kloniert worden waren. Das Ergebnis der Hybridisierungen
mit der dnaK- und der sigB-spezifischen Sonde ist in 3A, beziehungsweise B dargestellt.
-
Man erkennt, daß beide Sonden für die Hitzeschocksituation
ein Signal ergeben, das über
dem der Kontrolle liegt, wobei die dnaK-Sonde gegenüber der
Kontrolle ein besonders klares Ergebnis liefert.
-
Beschreibung
der Figuren
-
1:
ibpB und dnaK als Markergene des gram-negativen Bakteriums Escherichia
coli für
die Bildung von Proteinaggregaten (inclusion bodies; vgl. Beispiel
1); Induktion des Expressionssystems bei 0h; ab diesem Zeitpunkt
entstehen Proteinaggregate.
-
A: Expression des Gens ibpB; bestimmt über Isolierung
der mRNA zum betreffenden Zeitpunkt, Bindung an einer Nylon-Membran
und Hybridisierung mit einer ibpB-spezifischen Digoxigenin-markierten
Sonde.
-
B: Expression des Gens dnaK; bestimmt
ananlog A.
-
2:
Das Gen acoA als Markergen des gram-positiven Bakteriums Bacillus
subtilis für
Glukoselimitation und Acetoinanwesenheit, bestimmt über Northern-blot-Analyse
mit einer acoA-Sonde (vgl. Beispiel 2).
-
A: RNA-Gel mit folgender Bahnenbelegung:
- 1. frühe
logarithmische Phase (OD500 = 0,4)
- 2. Transient-Phase (Übergang
von der exponentiellen zur stationären Phase)
- 3. frühe
stationäre
Phase (45 min nach Ende der logarithmischen Phase)
- 4. späte
stationäre
Phase (180 min nach Ende der logarithmischen Phase)
- 5. Erholung nach Zugabe von Glucose
-
B: Northernblot des unter A gezeigten
Gels mit einer acoA-Sonde
-
3:
Die Gene dnaK und sigB als Markergene des gram-positiven Bakteriums
Bacillus licheniformis für
Hitzeschock, bestimmt über
Northern-blot-Analyse mit dnaK-, beziehungsweise sigB-Sonden (vgl.
Beispiel 3).
-
A: Northernblot, getestet mit der
dnaK Sonde; mit der folgender Bahnenbelegung:
M Marker
Co
Kontrolle
54°C
Nach dem Hitzeschock von 54°C
Co
Kontrolle
54°C
Nach dem Hitzeschock von 54°C
-
B: Northernblot, getestet mit der
sigB-Sonde; Bahnenbelegung wie in A.