-
Die Erfindung betrifft ein Verfahren
zur Erfassung von optischen bzw. elektrischen Signalfolgen in einem
optischen oder elektrischen Übertragungssystem,
bei dem eine Vielzahl von aufeinander folgenden Signalen zu einem
Abtastzeitpunkt periodisch mit mindestens einem einstellbaren Schwellwert
abgetastet werden. Daneben betrifft die Erfindung noch einen Augenmonitor
zur Erzeugung eines Augendiagramms einer Signalfolge, mit mindestens
einem Schwellwertentscheider, mit mindestens einem Speicher und
mit einer Auswerteeinheit.
-
In der Nachrichtentechnik werden
Signale bzw. Signalfolgen über
optische oder über
elektrische Übertragungsstrecken übertragen.
Entsprechend wird von einem optischen oder einem elektrischen Übertragungssystem
gesprochen. Beiden Systemen ist gemeinsam, daß die Signalfolge auf ihrem
Weg vom Sender zum Empfänger
durch verschiedene Effekte beeinflußt, insbesondere gedämpft und
verzerrt wird, so daß das
Signal am Empfänger
nicht mehr vollständig
dem Signal am Sender entspricht. Um dennoch keine Fehler bei der Übertragung
von Signalfolgen zu haben, ist es notwendig das empfangene Signal
so aufzubereiten, daß im Empfänger die
richtige Signalfolge erkannt wird.
-
Seit einigen Jahren werden in der
Nachrichtentechnik verstärkt
Glasfasern zur Übertragung
hoher Datenraten über
große
Entfernungen verwendet. Dabei bestimmt neben der Dämpfung die
Dispersion der übertragenen
Signale die maximal mögliche
Datenrate und die maximale Länge
der Übertragungsstrecke
der optischen Übertragungssysteme.
Mit steigender Übertragungsrate
und steigender Übertragungslänge kommt
es zunehmend zu Verzerrungen der übertragenen Signale, so daß eine geeignete Signalverarbeitung
erforderlich ist, um aus den empfangenen Signalen die ursprüngliche
Signalfolge wiederzugewinnen, so daß keine Fehler bei der Übertragung
auftreten.
-
Die Kompensation der insbesondere
durch die Dispersion auftretenden Werzerrungen der Signale kann
dabei sowohl auf optischem als auch auf elektri schem Wege durch
eine Vorverzerrung im Sender oder eine Nachverzerrung im Empfänger geschehen.
Bei geringen Übertragungsraten
kann dies statisch erfolgen, beispielsweise durch Kaskadierung verschiedener
Typen von Glasfasern mit unterschiedlichen Dispersionskoeffizienten
bzw. durch Werwendung von dispersionskompensierenden Glasfasern
oder durch die einmalige Einstellung elektrischer oder optischer
Filter. Bei hohen Übertragungsfrequenzen
ist eine derartige statische Kompensation jedoch nicht mehr ausreichend,
da sich die Dispersionseffekte zeitlich verändern können. Insbesondere Temperaturänderungen,
Druck und Torsion bzw. Erschütterungen
der Glasfaser führen
dabei zu einer Änderung
der Dispersionseffekte, so daß eine dynamische
Kompensation der Dispersionseffekte erforderlich ist.
-
Durch die Dispersionseffekte, beispielsweise hervorgerufen
durch Polarisationsmodendispersion oder chromatische Dispersion,
tritt eine Verzerrung des Signals durch Überlappungen von Signalanteilen unterschiedlicher
Polarisation bzw. unterschiedlicher Wellenlänge auf. Die einzelnen Signalanteile
breiten sich dabei mit unterschiedlicher Geschwindigkeit in der
Glasfaser aus, so daß die
Signale zeitlich verschmiert im optischen Empfänger ankommen. Um die einzelnen
Signale, die aufgrund der Dispersionseffekte überlagert im Empfänger ankommen,
wieder zu trennen, ist somit eine dynamische Entzerrung der Signale
erforderlich, bei der die zur Entzerrung verwendeten optischen oder
elektronischen Filter dynamisch angepaßt werden müssen.
-
Zur dynamischen Anpassung der Filter
ist eine Entscheidung darüber
erforderlich, ob durch die Einstellung der Filter eine Signalverbesserung
oder eine Signalverschlechterung eingetreten ist. Dies kann durch
einen Vergleich der Ist-Daten mit den Soll-Daten geschehen, die
beispielsweise durch Fehlerkorrektur auch auf der Empfängerseite
gewonnen werden können.
-
Eingangs ist ausgeführt worden,
daß die
Erfindung ein Verfahren zur Erfassung von optischen bzw. elektrischen
Signalfolgen betrifft. Ob man von einer optischen oder einer elektrischen
Signalfolge spricht, hängt
davon ab, an welcher Stelle man die Signalfolge betrachtet. In der
Regel wird vom Sender eine elektrische Signalfolge erzeugt, die
zunächst
in eine optische Signalfolge umgewandelt wird und dann auf die Übertragungsstrecke,
d.h. die Glasfaser, gegeben wird. Zur Rückgewinnung der ursprünglichen
Signalfolge aus der ver zerrten und verrauschten Signalfolge, die über die
Glasfaser übertragen worden
ist, wird zunächst
das optische Signal in ein elektrisches Signal umgewandelt.
-
Die Datenregeneration erfolgt dann
in der Regel mit einem Takt- und Datenrückgewinnungsbaustein (Clock
and Data Recovery module, CDR), das zu einem "optimalen" Zeitpunkt die aufeinander folgenden
Signale abtastet und den Wert in einem digitalen Speicher bis zum
nächsten
Meßpunkt
bereitstellt. Als Ergebnis steht dann ein in Zeit und Amplitude
entrauschtes Datensignal zur Verfügung. Zur Ermittlung des optimalen
Zeitpunkts der Abtastung, d. h. des optimalen Meßpunktes, können zwei Takt- und Datenrückgewinnungsbausteine
bei unterschiedlichen Meßpunkten
betrieben werden, wobei das jeweils bessere Signal zum Empfang verwendet wird,
während
durch eine Verstellung des Meßpunktes,
d. h. des Abtastzeitpunktes des anderen Takt- und Datenrückgewinnungsbausteins,
mit dem zweiten Signal das Optimum gesucht wird. Dies ist jedoch nur
dann möglich,
wenn die empfangene Signalfolge noch insgesamt brauchbar ist, so
daß sichergestellt ist,
daß der
gewählte
Meßpunkt
in der Nähe
des optimalen Meßpunktes
liegt. Ist dagegen die empfangene Signalfolge stärker verzerrt, so ist zunächst eine Aussage über die
Qualität
der empfangenen Signalfolge erforderlich.
-
Eine direkte Messung der Qualität eines
optischen Ubertragungssystems bei einer digitalen Übertragung
erfolgt im Stand der Technik meist mit Hilfe der Messung des Augendiagramms
(eye diagramm). Das Augendiagramm ist ein sehr gutes Hilfsmittel,
um Fehler in den einzelnen Komponenten eines Ubertragungssystems
zu bestimmen, und eine qualitative Aussage über die Leistung des Systems treffen
zu können.
Das Augendiagramm entsteht durch die Überlagerung von gleichartigen "1" und "0" Folgen
der Signalfolge auf dem Schirm eines Oszilloskops.
-
Im Stand der Technik wird hierzu
in der Regel eine analoge Sample and Hold-Schaltung verwendet, der ein Analog/Digital-Wandler
nachgeschaltet ist. Ähnlich
einem Oszilloskop kann so ein Abbild des Signals in Form eines Augendiagramms
erzeugt werden. Die Sample and Hold-Schaltung ist deshalb erforderlich,
da der Analog/Digital-Wandler um Größenordnungen langsamer arbeitet
als das zu messende Signal und ein konstantes Eingangssignal voraus setzt.
Die Sample and Hold-Schaltung besteht aus einem Speicherelement,
in der Regel einem Kondensator, und einem elektrischen Schalter,
der für
ein extrem kurzes Zeitintervall geöffnet wird, so daß der Speicher
auf den Wert des momentan gemessenen Signals aufgeladen wird.
-
Mit steigender Übertragungsfrequenz wird die
Verwendung der Sample and Hold-Schaltung zunehmend problematisch.
Da das Zeitfenster für
die Erzeugung des Abtastwertes immer kleiner wird, muß bei einem
vorgegebenen maximalen Laststrom auch die Speicherkapazität des Kondensators
immer kleiner werden. Bei Übertragungsraten
von bis zu 10 Gbit/s und mehr, insbesondere bei einer Übertragungsrate
von 40 Gbit/s, müßte dann
die Speicherkapazität
des Kondensators einen Wert aufweisen, der geringer ist als die
parasitären
Kapazitäten
eines integrierten Transistors, so daß Rauschen, Leckströme und Übersprechen
die Genauigkeit der Messung stark beeinflussen oder eine Messung
unmöglich machen.
-
Der vorliegenden Erfindung liegt
daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Erfassung von optischen
bzw. elektrischen Signalfolgen in einem optischen Übertragungssystem
zur Verfügung
zu stellen, mit dem auch bei sehr hohen Übertragungsraten eine Aussage über die
Qualität
des empfangenem Signals möglich
ist, insbesondere ein Abbild der Signalfolge in Form eines Augendiagramms
erzeugt werden kann. Daneben betrifft die Erfindung noch einen Augenmonitor,
mit dem auch bei Übertragungsraten
von mehreren Gbit/s ein Augendiagramm einer Signalfolge möglichst
einfach, d.h. mit wenigen Bauteilen erzeugt werden kann.
-
Bei dem eingangs beschriebenen Verfahren ist
die zuvor genannte Aufgabe zunächst
und im wesentlichen dadurch gelöst,
daß die
Wahrscheinlichkeit dafür
ermittelt wird, daß der
Wert der Signalfolge zu einem Abtastzeitpunkt größer oder kleiner als der jeweilige
Schwellwert ist, daß nach
einer vorgegebenen Zeitdauer der Schwellwert verändert wird und die Wahrscheinlichkeit
dafür ermittelt
wird, daß der
Wert der Signalfolge zu dem neuen Abtastzeitpunkt größer oder
kleiner als der neue Schwellwert ist und daß die Wahrscheinlichkeit des
vorangegangenen Schwellwerts von der Wahrscheinlichkeit des aktuellen Schwellwerts
abgezogen wird.
-
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
werden die statistischen Eigenschaften der zu messenden Signalfolge
ausgewertet. Die Signalfolge besteht dabei in der Regel aus einer
Folge von elektrischen Signalen, d. h. Spannungen, die die digitalen
Werte "1" und "0" des übertragenen Datensignals repräsentieren.
Da die Maximalzahl von aufeinander folgenden identischen Bits, d.
h. "1" oder "0" Folgen durch Kodierungsmechanismen
begrenzt ist, weist das Augendiagramm zu unterschiedlichen Zeitpunkten
aufgenommen immer die gleiche Form auf.
-
Unter der Wahrscheinlichkeit, daß der Wert der
Signalfolge zu einem Abtastzeitpunkt größer als ein bestimmter Schwellwert
ist, wird das Verhältnis der
Anzahl der Werte der Signalfolge, die größer als der Schwellwert sind
zur Gesamtanzahl der abgetasteten Werte der Signalfolge verstanden.
Bei einer Signalfolge, deren minimaler Wert größer als Null ist, wäre somit
die Wahrscheinlichkeit dafür,
daß der Wert
der Signalfolge zu einem Abtastzeitpunkt größer als ein Schwellwert mit
dem Wert Null ist, einhundert Prozent. Entsprechend wäre bei einer
Signalfolge, deren Maximalwert kleiner als Eins ist, die Wahrscheinlichkeit
dafür,
daß der
Wert der Signalfolge zu einem Abtastzeitpunkt größer als der Schwellwert mit dem
Wert Eins ist, gleich Null Prozent.
-
Durch das erfindungsgemäße Verfahren werden
somit die einzelnen Wahrscheinlichkeiten dafür ermittelt, daß die Signalfolge
zu einem bestimmten Abtastzeitpunkt einen Wert aufweist, der innerhalb
bestimmter Schwellwertbereiche liegt. Die einzelnen Schwellwertbereiche
bestimmen sich dabei jeweils durch den Wert zweier aufeinanderfolgender Schwellwerte.
Somit wird durch das erfindungsgemäße Verfahren die Wahrscheinlichkeitsverteilung
für das
Auftreten einzelner Amplituden der Signalfolge zu einem bestimmten
Abtastzeitpunkt ermittelt. Hat der erste Schwellwert den Wert 0
und der zweite Schwellwert den Wert 0,1, so würde im ersten Schritt die Wahrscheinlichkeit
dafür ermittelt
werden, daß der
Wert der Signalfolge zwischen dem Wert 0 und dem Wert 0,1 liegt.
In einem weiteren Schritt würde dann
als neuer Schwellwert mit dem Wert 0,2 eingestellt und so die Wahrscheinlichkeit
dafür ermittelt werden,
daß der
Wert der Signalfolge zwischen dem Wert 0,1 und dem Wert 0,2 liegt.
Wenn die einzelnen Schwellwerte – wie zuvor angegeben – fortlaufend
erhöht
werden, wird bei der Differenzbildung der Wahrscheinlichkeit des
vorangegangenen Schwellwertes von der Wahrscheinlichkeit des aktuellen
Schwellwert eine Betragsbildung vorgenommen.
-
Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung des
erfindungsgemäßen Verfahrens
wird der Abtastzeitpunkt, zu dem die aufeinanderfolgenden Signale mit
einem einstellbaren Schwellwert abgetastet werden, nach einer vorgegebenen
bzw. einstellbaren Zeitdauer geändert.
-
Dabei wird gemäß einer ersten Alternative zunächst nacheinander
die Wahrscheinlichkeit aller Schwellwerte zu einem ersten Abtastzeitpunkt
ermittelt, anschließend
der Abtastzeitpunkt verändert
und werden anschließend
für den
neuen Abtastzeitpunkt wiederum nacheinander die Wahrscheinlichkeiten
aller Schwellwerte ermittelt. Bei einer alternativen Ausgestaltung
der Erfindung werden zunächst
die Wahrscheinlichkeiten für
den ersten Schwellwert bei allen Abtastzeitpunkten ermittelt, anschließend wird
der Schwellwert verändert
und es werden dann für
den neuen Schwellwert wiederum nacheinander die Wahrscheinlichkeiten
bei allen Abtastzeitpunkten ermittelt.
-
Mit beiden Alternativen läßt sich
die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Amplitude der Signalfolge
nicht nur zu einem bestimmten Abtastzeitpunkt sondern über eine
beliebige Zeitdauer ermitteln. Wird das Verfahren über mindestens
eine Periodenlänge der
Signalfolge durchgeführt,
so läßt sich
mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
das Augendiagramm des übertragenen
Signals vollständig
rekonstruieren. Bei der ersten Alternative werden dabei nacheinander
mehrere vertikaler Schnitte durch das Augendiagramm gemacht, während bei
der zweiten Alternative nacheinander mehrere horizontale Schnitte
durch das Augendiagramm gemacht werden.
-
Das erfindungsgemäße Verfahren läßt sich dabei
vollständig
ohne die Verwendung einer Sample and Hold-Schaltung und eines Analog/Digital-Wandlers realisieren,
so daß die
eingangs beschriebenen Nachteile vermieden werden und die Messung
eines Augendiagramms auch bei Übertragungsraten
von 10 Gbit/s und mehr möglich
ist.
-
Besonders einfach läßt sich
das erfindungsgemäße Verfahren
realisieren, wenn die einzelnen Signale der Signalfolge einem Schwellwertentscheider zugeführt werden,
die Ergebnisse des Schwellwertentscheiders in einem Ereigniszähler gezählt werden
und das Ergebnis des Ereigniszählers
einem Speicher zugeführt
wird. Wird ein größerer Wert
auf die Schnelligkeit des Verfahrens gelegt, so können die
einzelnen Signale der Signalfolge gleichzeitig auch mehrere Schwellwertentscheidern
zugeführt werden,
die jeweils einen unterschiedlichen Schwellwert aufweisen, so daß der Bereich
zwischen dem größten und
dem kleinsten zu erwartenden Wert in eine der Anzahl der Schwellwertentscheider
entsprechende Anzahl von Teilbereichen unterteilt wird.
-
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
wird vorteilhafterweise der erste Schwellwert entweder auf einen
Wert größer als
der größte erwartete
Wert der Signalfolge oder auf einen Wert kleiner als der kleinste
erwartete Wert der Signalfolge eingestellt. In beiden Fällen kann
die erste Messung gleichzeitig zur Kontrolle herangezogen werden,
da im ersten Fall die Wahrscheinlichkeit dafür, daß der Wert der Signalfolge
größer als
der Schwellwert ist gleich 0 % sein muß; entsprechend muß die Wahrscheinlichkeit im
zweiten Fall gleich 100 % sein. Nach einer bestimmten Anzahl von
Messungen bzw. einer bestimmten Zeitdauer wird dann – im ersten
Fall – der Schwellwert
verringert bzw. – im
zweiten Fall – der Schwellwert
erhöht.
Dies wird dann jeweils so oft wiederholt, bis der Schwellwert – im ersten
Fall – kleiner als
der kleinste erwartete Wert bzw. – im zweiten Fall – größer als
der größte erwartete
Wert der Signalfolge ist.
-
Bei dem Eingangs beschriebenen Augenmonitor
zur Erzeugung eines Augendiagramms einer Signalfolge ist die zuvor
hergeleitete Aufgabe dadurch gelöst,
daß mindestens
ein Zähler
vorgesehen ist, daß die
Signalfolge einem Eingang des Schwellwertentscheiders zugeführt ist
und daß der
Ausgang des Schwellwertentscheiders mit dem Zähler verbunden ist.
-
Der erfindungsgemäße Augenmonitor zeichnet sich
somit ebenfalls dadurch aus, daß weder
eine Sample and Hold-Schaltung noch ein Analog/Digital-Wandler erforderlich
ist.
-
Als Schwellwertentscheider und/oder
als Zähler
kann dabei ein einfaches Flip Flop verwendet werden. Bei dem erfindungsgemäßen Augenmonitor ist
somit keine aufwendige Messung des jeweiligen Wertes bzw. der jeweiligen
Am plitude des Signals erforderlich, sondern es wird lediglich mit
Hilfe des Schwellwertentscheiders der jeweilige Wert des Signals
mit einem vorgegebenen Schwellwert verglichen und das Ergebnis des
Schwellwertentscheiders in dem Zähler
gezählt.
-
Das erfindungsgemäße Verfahren bzw. der erfindungsgemäße Augenmonitor
haben darüber
hinaus den Vorteil, daß eine
Aussage über
die Qualität der Übertragungsstrecke
und eine Kompensation von Verzerrungen auch dann möglich ist,
wenn die Übertragungsfrequenz
nicht oder nicht genau bekannt ist. Es ist somit nicht zwingend
erforderlich, daß der
Takt der Abtastung mit der Übertragungsfrequenz
synchron ist; vielmehr ist auch eine asynchrone Messung möglich, da
in jedem Fall eine Wahrscheinlichkeitsverteilung gemessen, d.h.
ein Amplitudenhistogramm ermittelt werden kann. Aufgrund der gemessenen
Wahrscheinlichkeitsverteilung läßt sich bereits
eine Aussage über
Qualität
des Augendiagramms und damit über
die Qualität
der Übertragungsstrecke
machen. Bei einer asynchronen Messung läßt sich beispielsweise die Übertragungsfrequenz
selber auch dadurch ermitteln, daß – wie zuvor beschrieben – ein vertikaler
Schnitt durch das Augendiagramm gemacht wird, aus dessen periodischen Amplitudenhistogramm
bei bekannten Abtasttakt die Periodenlänge der Signalfolge ermittelt
werden kann.
-
Im einzelnen gibt es nun eine Vielzahl
von Möglichkeiten,
daß erfindungsgemäße Verfahren
zur Erfassung von optischen bzw. elektrischen Signalfolgen bzw.
den Augenmonitor zur Erzeugung eines Augendiagramms einer Signalfolge
auszugestalten und weiterzubilden. Hierzu wird verwiesen einerseits
auf die den Patentansprüchen
1 und 9 nachgeordneten Patentansprüchen, andererseits auf die
Beschreibung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels in Verbindung
mit der Zeichnung. In der Zeichnung zeigen
-
1 das
Augendiagramm einer Signalfolge S,
-
2 die
Wahrscheinlichkeitsverteilung der Signalfolge S zu einem ersten
Abtastzeitpunkt T1 und zu einem zweiten
Abtastzeitpunkt T2 und
-
3 ein
Blockschaltbild eines Augenmonitors zur Erzeugung eines Augendiagramms
einer Signalfolge S.
-
1 zeigt
ein Augendiagramm 1 einer Signalfolge S, das mit Hilfe
des erfindungsgemäßen Verfahrens
bzw. mit Hilfe des erfindungsgemäßen Augenmonitors
ermittelt und dargestellt werden soll. Ein Augendiagramm 1 ist
die übereinander
gelagerte Darstellung aller Bits einer Signalfolge, wobei die Bits,
die einer logischen "1" entsprechen, mit
einem positiven, verrundeten Rechteck erscheinen, während die
Bits, die einer logischen "0" entsprechen, durch
ein negatives, verrundetes Rechteck dargestellt werden. Durch die Überlagerung
der Bits ergibt sich eine Darstellung, die an die Form eines Auges erinnert.
Dabei zeigt die Augendarstellung aufgrund der Überlagerung der Vielzahl einzelner
Bits sowie aufgrund der vorhandenen Überschwinger ein unscharfes
Bild.
-
Anhand eines solchen Augendiagramms 1 kann
der Fachmann eine qualitative Aussage über das Übertragungssystem bzw. über die
Qualität
der empfangenen Signalfolge S treffen. Störungen in der Übertragungsstrecke,
beispielsweise durch Dispersion auftretende Verzerrungen der Signalfolge
S, führen
beim Augendiagramm 1 zu einem "Schließen" des Auges. Da die Augenhöhe H dem
Abstand der Bits, die einer logischen "1" entsprechen,
zu den Bits, die einer logischen "0" entsprechen,
angibt, kann die Messung der Augenhöhe H zur Optimierung der Ubertragungsstrecke
herangezogen werden. Je geringer die Augenhöhe H ist, um so schwieriger
lassen sich die beiden Zustände
der Signalfolge S – logisch "1" und logisch "0" – unterscheiden.
-
Erfindungsgemäß wird das in 1 dargestellte Augendiagramm 1 nun
dadurch ermittelt, daß die
Wahrscheinlichkeitsverteilung 2 der Signalfolge S zu einem
Abtastzeitpunkt T, ermittelt wird. Hierzu wird die Wahrscheinlichkeit
W(SW1) dafür ermittelt, daß der Wert
der Signalfolge S zu einem Abtastzeitpunkt T, größer oder kleiner als der jeweilige
Schwellwert SW1 ist. Nach einer vorgegebenen
Zeitdauer ts, die die Länge der Abtastphase festlegt,
wird der Schwellwert SW1 verändert und
die Wahrscheinlichkeit W(SW2) dafür ermittelt,
daß der
Wert der Signalfolge S zum Abtastzeitpunkt T1 größer oder
kleiner als der neue Schwellwert SW2 ist.
Anschließend
wird der Wahrscheinlichkeitswert W(SW1)
des ersten Schwellwertes SW1 vom Wahrscheinlich keitswert
W(SW2) des zweiten Schwellwertes SW2 abgezogen. Dadurch wird dann die Wahrscheinlichkeit
W(ΔSW) dafür berechnet,
daß der
Wert der Signalfolge S zum Abtastzeitpunkt T1 zwischen
den beiden Schwellwerten SW1 und SWn liegt.
-
Wird als erster Schwellwert SW1 ein Wert gewählt, der größer als der größte erwartete
Wert der Signalfolge S ist, so wird das zuvor beschriebene Verfahren
so oft wiederholt, bis der Schwellwert SWn einen
Wert erreicht hat, der kleiner als der kleinste erwartete Wert der
Signalfolge S ist. Entsprechend wird dann, wenn als erster Schwellwert
SW1 ein Wert gewählt wird, der kleiner als der
kleinste erwartete Wert der Signalfolge S ist, das zuvor beschriebene
Verfahren so oft wiederholt, bis der Schwellwert SWn einen Wert
größer als
der größte erwartete
Wert der Signalfolge aufweist. Als Ergebnis hält man dann die in 2a dargestellte Wahrscheinlichkeitsverteilung
zu einem ersten Abtastzeitpunkt T1
-
Die 2a und 2b zeigen die Wahrscheinlichkeitsverteilungen 2 zu
zwei verschiedenen Abtastzeitpunkten T1 und
T2. Auf der waagerechten Achse sind dabei
die einzelnen Schwellwerte SW angegeben, während auf der senkrechten Achse
die Wahrscheinlichkeit W (SW) für
das Auftreten von Abtastwerten größer einem bestimmten Schwellwert SW
dargestellt ist. Man erkennt bei der Wahrscheinlichkeitsverteilungen 2 gemäß 2a, daß die Wahrscheinlichkeitsverteilungen 2 dann,
wenn der Abtastzeitpunkt T1 in etwa in der
Mitte des Augendiagramms 1 liegt, zwei relativ stark ausgeprägte Maxima
aufweist. Die beiden Maxima entsprechen dabei den beiden logischen
Werten "0" und "1". Befindet sich Abtastzeitpunkt T2 jedoch deutlich außerhalb der Mitte des Augendiagramms 1,
so weist die Wahrscheinlichkeitsverteilungen 2 gemäß 2b mehrere Maxima auf. Eine
eindeutige Zuordnung einzelner Maxima zu den beiden logischen Werten "0" und "1" ist
hier nicht mehr möglich.
-
Wird die Wahrscheinlichkeitsverteilung 2 lediglich
zu einem Abtastzeitpunkt T1 bestimmt, so kann
dadurch nur die Augenhöhe
H zu diesem Abtastzeitpunkt T1 ermittelt
werden. Da ein Rückschluß auf die
Qualität
der Übertragungsstrecke
aufgrund der ermittelten Augenhöhe
H nur dann möglich
ist, wenn der Abtastzeitpunkt T1 "richtig" gewählt ist,
d.h. die Abtastung in der Mitte des Auges erfolgt, ist eine Aussage über die
Qualität
der Übertragungs strecke und
damit eine Kompensation von Verzerrungen der Signalfolge S allein
aufgrund der Augenhöhe
H nur eingeschränkt
möglich.
-
Vorteilhafterweise wird daher das
erfindungsgemäße Verfahren
nicht nur zu einem Abtastzeitpunkt T1 sondern
zu einer Vielzahl von Abtastzeitpunkten Tn durchgeführt, so
daß durch
eine Auswertung der einzelnen Wahrscheinlichkeitsverteilungen 2 eine
vollständige
Rekonstruktion des Augendiagramms 1 möglich ist. Die Auflösung des
Augendiagramms 1 läßt sich
dabei einfach durch die Wahl der Abtastzeitpunkte Tn sowie
die jeweilige Zeitdauer ts der Abtastphase
einstellen.
-
3 zeigt
ein Blockschaltbild eines erfindungsgemäßen Augenmonitor; zur Erzeugung
eines Augendiagramms 1 mit Hilfe des zuvor beschriebenen
Verfahrens. Der Augenmonitor weist einen Schwellwertentscheider 3,
einen Speicher 4 und eine zwischen den Schwellwertentscheider 3 und
den Speicher 4 angeordnete Auswerteeinheit 5 auf.
Erfindungsgemäß ist der
Augenmonitor nun dadurch besonders einfach aufgebaut und trotzdem
auch für
Signalfolgen S mit sehr großer
Ubertragungsrate einsetzbar, daß ein
Zähler 6 vorgesehen
ist, wobei der Zähler 6 zwischen
dem Schwellwertentscheider 3 und der Auswerteeinheit 5 angeordnet
ist. Der Schwellwertentscheider 3 weist einen Eingang 7 für eine Signalfolge
und einen Ausgang 8 auf, der mit dem Eingang 9 des
Zählers 6 verbunden.
-
Bei dem in 3 dargestellten Ausführungsbeispiel ist darüber hinaus
noch ein Addierer 10, ein Phasenschieber 11 und
ein zweiter Zähler 12 vorgesehen.
Der Addierer 10 ist dabei vor dem Eingang 7 des
Schwellwertentscheiders 3 angeordnet, so daß am Eingang 7 des
Schwellwertentscheiders 3 nicht direkt die Signalfolge
S sondern die Summe der Signalfolge S und einer einstellbaren Gleichspannung 0 anliegt.
Durch die Anordnung des Addierers 10 vor dem Schwellwertentscheider 3 kann
die Einstellung der einzelnen Schwellwerte SW durch eine Veränderung
der Gleichspannung O erfolgen. Der Addierer 10 kann
beispielsweise durch einen stromgespeisten Emitterfolger und einen
dazu in Reihe geschalteten Widerstand realisiert werden. Wird der
Schwellwert nicht direkt am Schwellwertentscheider 3 verändert, sondern
indirekt durch eine Veränderung
der Gleichspannung O, die zur Signalfolge S addiert wird,
so kann der Schwellwertentscheider 3 eine feste Schwelle
auf weisen. Der Schwellwertentscheider 3 kann dann einfach
durch ein schnelles Flip Flop realisiert werden.
-
Durch die Anordnung des Phasenschiebers 11 zwischen
Taktsignal C und dem Eingang 13 des Schwellwertentscheiders 3 kann
die Erfassung der Wahrscheinlichkeitsverteilung 2 der Signalfolge
S zu verschiedenen Abtastzeitpunkten Tn einfach
realisiert werden. Auf den Phasenschieber 11 wird als Eingangsignal
ein Taktsignal C gegeben, wobei die Frequenz des Taktsignals C in
der Regel so gewählt wird,
daß die Übertragungsfrequenz
ein ganzzahliges Vielfaches der Taktfrequenz ist. Bei einer Übertragungsrate
von z. B. 40 Gbit/s kann somit die Taktfrequenz C beispielsweise
1,25 GHz oder 2,5 GHz betragen.
-
Der zweite Zähler 12 dient zur
Ermittlung der insgesamt gemessenen bzw. erfaßten Takte, so daß das Ergebnis
des ersten Zählers 6 zum
Wert des zweiten Zählers 12 in
Verhältnis
gesetzt werden kann. Ein Eingang des zweiten Zählers 12 ist daher mit
dem Phasenschieber 11 verbunden. Über den zweiten Eingang des
ersten Zählers 6 und
des zweiten Zählers 12 erfolgt
eine Rücksetzung
des ersten Zählers 6 bzw.
des zweiten Zählers 12 durch
die Auswerteeinheit und somit auch eine Einstellung der Zeitdauer
ts.
-
Im einzelnen gibt es eine Vielzahl
von Anwendungsmöglichkeit
für das
erfindungsgemäße Verfahren
bzw. den erfindungsgemäßen Augenmonitor.
Neben der eingangs beschriebenen Entzerrung von Signalfolgen kann
das Verfahren auch zu sogenannten "Quality of Service" Messungen eingesetzt werden, bei denen
die Übertragungsqualität einer Übertragungsstrecke
gemessen oder überprüft wird. Der
erfindungsgemäße Augenmonitor
kann beispielsweise in portablen Meßgeräten eingesetzt werden, mit
denen das Augendiagramm einer Signalfolge angezeigt werden kann
und so die Qualität
der Übertragungsstrecke
beurteilt werden kann.