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Die Erfindung betrifft die Regulation
der humanen Endostatin-Expression.
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Endostatin ist ein ca. 20 kDa schweres
C-terminales Fragment des körpereigenen
Kollagen XVIII, von dem gezeigt werden konnte, daß es die
Angiogenese und Tumorwachstum in vivo spezifisch hemmen kann (siehe
O'Reilly et al., "Endostatin: An endogenous inhibitor of angiogenesis
and tumor growth", Cell 88: 277-285, 1997).
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Die Angiogenese oder Neovaskularisierung ist
ein Vorgang, bei dem unter physiologischen und pathophysiologischen
Bedingungen neue Blutgefäße aus dem
bestehenden Gefäßsystem
aussprossen. Im gesunden erwachsenen Gewebe findet, abgesehen von
der Wundheilung, chronischen Entzündungsprozessen oder bei der
Menstruation, bzw. Schwangerschaft, keine Angiogenese statt. Eine
pathologische Angiogense ist bspw. bei Psoriasis, diabetischen Retinopathien,
Arthritis zu finden. Ferner fördert
sie progressives Wachstum und Persistenz von Tumoren und deren Metastasen.
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Die pathologische Angiogenese ist
damit insbesondere in Verbindung mit Krebs, aber auch mit verschiedenen
ischämischen
und inflammatorischen Krankheiten von herausragender Bedeutung.
Die Ischämie
stellt eine Verminderung oder Unterbrechung der Durchblutung eines
Organs oder Gewebes infolge mangelnder arterieller Blutzufuhr dar.
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Insbesondere die Hypoxie, die als
Folge der Ischämie
eine verminderte Sauerstoffversorgung bestimmter Gewebe darstellt,
ist in zahlreichen Krankheiten ein starker Stimulus für die Angiogenese.
Zellen in Tumoren oder Wunden werden hypoxisch, wenn sie von den
umgebenden Gefäßen zu weit
entfernt sind.
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Ohne Anschluß an die Blutversorgung werden
Tumore nur wenige Millimeter groß. Erst wenn Blutgefäße ins Tumorgewebe
eindringen und die Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, wächst der
Tumor weiter. Der Sauerstoffmangel im Tumorgewebe löst die Bildung
von größeren Mengen
an VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) aus. VEGF ist ein Wachstumsfaktor,
den der Körper
verwendet, um das Wachstum von Gefäßen zu stimulieren.
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Durch diesen Faktor wird schließlich im
Tumorgewebe die Gefäßneubildung
ausgelöst.
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Da – wie erwähnt – Angiogense im erwachsenen
Körper
kaum stattfindet, können
Antagonisten der Angiogenese genützt
werden, um bspw. das Wachstum von malignen Tumoren zu beeinflussen. Hier
kommen neben natürlich
vorkommenden Substanzen wie z.B. Endostatin oder Angiostatin auch Substanzen
in Frage, die die Angiogenese stimulierenden Faktoren blockieren,
also bspw. Antikörper gegen
VEGF.
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Das Ausmaß der Angiogenese wird v.a. durch
die zelluläre
Adhäsion
von Endothelzellen bestimmt. Dhanabal et al., "Endostatin induces
endothelial cell apoptosis", J. Biol. Chem. 274: 11721-11726, (1999) wiesen
nach, daß durch
Endostatin Apoptose in Endothelien bewirkt werden kann. Yamaguchi
et al., "Endostatin inhibits VEGF-induced endothelial cell migration
and tumor growth independently of zinc binding", EMBO J. 18: 4414-4423, (1999),
konnten zeigen, daß Endostatin
in vitro die endotheliale Proliferation und Migration hemmt. Diese
Arbeitsgruppe konnte ferner nachweisen, daß Endostatin die durch VEGF
(vascular endothelial growth factor) induzierte Migration von Endothelien
inhibieren kann. Ferner wurde dargelegt, daß diese durch Endostatin vermittelte
Inhibierung durch Gaben von VEGF wiederum aufgehoben werden kann.
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Endostatin spielt demnach in der
Kontrolle der Gefäßneubildung
eine herausragende Rolle (siehe auch Moulton et al., "Angiogenesis
inhibitors endostatin or TNP-470 reduce intimal neovasculatization
and plaque growth in apolipoprotein Edeficient mice", Circulation
99: 1726-1732, (1999)).
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Die biologische Funktion von Endostatin
ist bis heute jedoch weitgehend ungeklärt. Boehm et al., "Antiangiogenic
therapy of experimental cancer does not induce acquired drug resistance",
Nature 390: 404-407, (1997), zeigten, daß die Fähigkeit von Endostatin, die
Neoangiogenese zu inhibieren, zumindest teilweise durch die Bindung
an Zn2+ und durch die Prozessierung von
Endostatin durch das Enzym Elastase verursacht wird (siehe Wen et
al., "The generation of endostatin is mediated by elastase", Cancer
Res. 59: 6052-6056, (1999)).
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Endostatin ist nicht toxisch und
verursacht auch keine Ausbildung von Chemoresistenzen. Boehm et
al., "Zinc-binding of endostatin is essential for its antiangiogenic
activity", Biochem. Biophys. Res. Commun. 252: 190-194, (1998),
schlugen daher vor, Endostatin als neues und vielversprechendes
Therapeutikum für
solide Neoplasien, also insbesondere für Tumoren, zu verwenden.
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Während
also bei Tumoren gezielt die Endostatin-Expression gefördert werden
soll, um eine Gefäßneubildung
zu verhindern, besteht andererseits bei vielen Krankheiten das Bedürfnis, die
Endostatin-Expression in den betroffenen Geweben zu inhibieren,
um dort dadurch eine Gefäßneubildung
vielmehr zuzulassen.
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Pro-angiogene Therapien sind insbesondere von
Interesse, um bspw. die Gefäßneubildung
zu fördern,
wenn verschlossene Gefäße umgangen
werden sollen, oder um bspw. das Abheilen von Wunden zu beschleunigen.
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So spielt die Angiogenese auch bei
nicht-neoplastischen Krankheiten eine Rolle, wie bspw. beim Schlaganfall,
der Alzheimer- Krankheit,
der vaskulären
Demenz, bei der plazentalen Insuffizienz usw.
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In den meisten Fällen wird dabei auf den Einsatz
von VEGF zurückgegriffen,
um das Wachstum neuer Gefäße zu stimulieren.
Die Gefäße, deren
Bildung durch VEGF stimuliert wird, sind jedoch oft durchlässig und
zerbrechlich. Darüber
hinaus ist nicht bekannt, ob eine gesteigerte systemische Verabreichung
von derartigen angiogenen Zytokinen nicht bisher ruhende Tumore
stimulieren und/oder die Arteriosklerose beschleunigen wird.
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Die Verabreichung von pro- oder anti-angiogenen
Substanzen, die mit den körpereigenen
identisch sind, ist darüber
hinaus nachteilig, da zum einen die Nebenwirkungen dieser Substanzen
noch nicht ganz aufgeklärt
sind und noch in Tierversuchen getestet werden müssen. Ferner ist die Herstellung
dieser Substanzen mit erheblichen Kosten verbunden.
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Vor diesem Hintergrund ist es daher
Aufgabe der vorliegenden Erfindung, Substanzen bereitzustellen,
mit denen der Endostatin-Pegel beeinflußt werden kann.
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Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch
die Verwendung von Modulatoren der Stickstoffmonooxid-Signalkaskade
zur Herstellung eines Arzneimittels zur Regulierung der Endostatin-Expression.
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Die der Erfindung zugrunde liegende
Aufgabe wird auf diese Weise vollkommen gelöst.
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Die Erfinder haben erkannt, daß es durch
die Modulation der Stickstoffmonooxid-Signalkaskade (im folgenden
"NO-Signalkaskade")
möglich
ist, direkt in den Geweben, in denen Endostatin exprimiert wird,
die Menge an produziertem Endostatin gezielt zu regulieren. Im Gegensatz
zum Stand der Technik wird damit erfindungsgemäß die Expression beeinflußt, so daß z.B. auf
die externe Zufuhr von Endostatin verzichtet werden kann.
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Unter "NO-Signalkaskade" werden hierbei alle
intra-, inter- und extrazellulären
Vorgänge
verstanden, an denen NO (Stickstoffmonooxid) beteiligt ist, wobei
NO enzymatisch (also durch die NO-Synthase) oder nicht-enzymatisch
(also NO-Synthaseunabhängig
mittels NO-Donoren) bereitgestellt werden kann.
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Der Begriff "Modulatoren" umfaßt alle
Substanzen oder Maßnahmen,
die geeignet sind, die NO-Signalkaskade zu beeinflussen, sei es
durch Hemmung oder Stimulierung der NO-Synthase oder durch Beeinflussung
der Lieferung von NO unter Umgehung der NO-Synthase.
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Aufgrund seiner Beteiligung an zahlreichen bioregulatorischen
Reaktionen hat NO in den vergangenen Jahren eine wachsende Aufmerksamkeit
erfahren. Das hoch reaktive Gas wird durch enzymatische Oxidation
von Arginin produziert, wobei diese Reaktion durch die NO-Synthase
(im folgenden: "NOS") katalysiert wird. Das menschliche Genom enthält drei
unterschiedliche für
die NOS kodierende Gene: nNOS, die in Neuronen gefunden wird, iNOS, die
in Makrophagen (aber auch vielen anderen Zellen) induziert werden
kann, und eNOS, die konstitutiv oder als Antwort auf spezifische
Signale in Endothelzellen exprimiert wird.
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Einmal gebildetes Stickstoffmonooxid
diffundiert nur lokal durch die Gewebe und ist mit einer Halbwertzeit
von 2 bis 30 Sekunden sehr instabil. NO ist ein gefäßerweiternder
Stoff und spielt eine herausragende Rolle in der Vermittlung vieler
lokaler zellulärer
Interaktionen, wie bspw. die lokale Kontrolle der Kontraktibilität der arteriellen
glatten Muskulatur. Neben den Gefäß-protektiven Funktionen ist
das Radikal NO zytotoxisch im Rahmen der Immunantwort.
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In eigenen Versuchen konnten die
Erfinder nun zeigen, daß es
möglich
ist, in den Geweben, in denen Endostatin nachgewiesen werden konnte, eine
Endostatin-Expression zu induzieren bzw. zu inhibieren und zwar
gezielt durch Gaben von Modulatoren der NO-Signalkaskade.
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Die Erfinder haben erkannt, daß es dadurch möglich ist,
auf externe Gaben von Endostatin zu verzichten und den Endostatin-Level erstmals direkt
im Körper
zu beeinflussen.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
werden als Modulatoren Hemmer der NO-Synthase eingesetzt.
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Durch eine Hemmung der NO-Synthase kann
die Produktion von NO reduziert bzw. inhibiert werden, wodurch auch
die Expression von Endostatin gehemmt wird, was die Erfinder in
eigenen Versuchen zeigen konnten.
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Durch die verminderte Expression
von Endostatin wirkt dieses Protein nicht mehr hemmend auf die Angiogenese,
weshalb eine verstärkte
bzw. normale Gefäßneubildung
ausgehend von denjeni gen Zellen stattfinden kann, in denen die Endostatin-Expression
gehemmt wird .
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In einer bevorzugten Ausführungsform
werden als Hemmer der NO-Synthase
Substanzen eingesetzt, die ausgewählt sind aus der Gruppe umfassend
Aminoguanidin, N(G)-Nitro-L-argininmethylester (L-NAME), N(G)-monomethyl-L-argininacetat (L-NNMA),
N(omega)-Nitro-L-arginin,
S-Methylisothioharnstoff, S-2-Aminoethylisothioharnstoff, S-Ethyliosthioharnstoff,
2-Amino-4-methylpyridin und L-N(6)-(1-Iminoethyl)lysin.
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Die Erfinder konnten in eigenen Versuchen zeigen,
daß es
mit einer bestimmten Menge bspw. von Aminoguanidin möglich ist,
gezielt die NO-Synthase zu inhibieren, und dadurch die Expression
von Endostatin zu regulieren. Hierzu wurde die Endostatin-Expression
und -Freisetzung in vier verschiedenen endothelialen Zellinien analysiert.
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Die Erfinder stimulierten mittels
H2O2 – einem Modell
der Sauerstoffradikalbelastung – in
verschiedenen Zelltypen die Endostatin-Expression und zeigten anschließend, daß es durch
Gaben von NO-Hemmern möglich
war, diese Induktion zu reduzieren.
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Aminoguanidin, L-NAME, N(G)-monomethyl-L-argininacetat
(L-NNMA), N(omega)-Nitro-L-arginin,
S-Methylisothioharnstoff, S-2-Aminoethyliso-thioharnstoff,
S-Ethyliosthioharnstoff, 2-Amino-4-methyl-pyridin
und L-N(6)-(1-Iminoethyl)lysin sind im medizinischen Fachgebiet
hinreichend bekannt und wurden in Tests eingehend geprüft. So wurde
z.B. Aminoguanidin bspw. zur Inhibierung der NO-Bildung in der glatten
Muskulatur und im Zusammenhang mit Diabetes zur Hemmung der Bildung von überzuckerten Proteinen,
den sogenannten Advanced-Glycation-Products (AGE), eingesetzt.
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Ein Einsatz dieser Substanzen zur
Regulation der Endostatin-Expression
ist bisher weder gezeigt noch vorgeschlagen worden.
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Ferner werden in einer bevorzugten
Ausführungsform
NO-Fängerreagenzien
als Modulatoren der NO-Signalkaskade eingesetzt.
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Derartige NO-Fängerreagenzien sind bspw. Enzyme
wie Zytochrom C Nitrit Reduktase, NADH: (flavo)rubredoxin Reduktase;
sie dienen dazu, das in Geweben produzierte NO abzufangen. Durch
diese Fängerreagenzien
wird der NO-Gehalt in den betreffenden Geweben reduziert, wodurch
eine Reduktion der Endostatin-Expression erzielt wird.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
erfolgt die Verwendung der Modulatoren bei degenerativen und/oder
infektiösen
Erkrankungen des zentralen Nervensystems (im folgenden: ZNS), und
insbesondere bei der Alzheimer-Krankheit, beim Schädel-Hirn-Trauma
und bei zerebraler Malaria.
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Die Erfinder konnten in eigenen Versuchen zeigen,
daß bei
degenerativen und infektiösen
Erkrankungen des zentralen Nervensystems (im folgenden "ZNS") Endostatin
von glialen, endothelialen, immunologischen und neuronalen Zellen
exprimiert, sezerniert und durch die NO-Signalkaskade moduliert
werden kann. Die Erfinder konnten zeigen, daß intrazelluläres und
extrazelluläres
Endostatin in diesem Zusammenhang nicht nur den Zelltod von Endothelien,
sondern auch den Zelltod von Gliazellen und Neuronen bewirkte.
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Durch den Einsatz von Hemmern der
NO-Signalkaskade bei infektiösen
Erkrankungen des ZNS wird die Expression von Endostatin inhibiert,
wodurch das Protein seine apoptotische Wirkung auf Endothelien nicht
ausüben
kann.
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Die Alzheimer-Krankheit ist eine
progressive Demenz mit Störungen
es Gedächtnisses,
der Merkfähigkeit
und der Orientierung. Eine fakultative neuropathologische Veränderung
im Zusammenhang mit dieser Erkrankung ist bspw. ein Neuronenverlust,
wobei der exakte Mechanismus des neuronalen Untergangs unklar bleibt.
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Bei Patienten, die an Morbus Alzheimer
erkrankt waren, konnte Endostatin in Zellen aller kortikaler Schichten
beobachtet werden. Ferner konnte Endostatin in Neuronen nachgewiesen,
aber auch extrazellulär
und in der direkten Umgebung von Blutgefäßen gefunden werden. Aus diesem
Grund kann durch die Gabe von Hemmern der NO-Signalkaskade erreicht
werden, daß die
Produktion von Endostatin und damit dessen Freisetzung in umgebende
Zellen gehindert werden kann. Durch diese Endostatin-Expressions-Inhibierung kann
der Zelltod von Neuronen verhindert werden.
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Im Zusammenhang mit dem Schädel-Hirn-Trauma
spielen primäre
Läsionen,
wie Zerreißungen,
Blutungen, Hirnödem,
Ischämien
etc. eine Rolle. Behandlungsstrategien für Schädel-Hirn-Traumata zielen auf
Revaskularisierungstherapien ab, mit dem Ziel, den Blutfluß in der
geschädigten
Region zu verbessern.
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Bei der zerebralen Malaria spielen
inflammatorische Zytokine eine maßgebliche Rolle. Sie zerstören die
endotheliale Integrität,
induzieren die Aktivierung von Astrozyten und verursachen eine Immunantwort.
Ein Ziel in der Therapie der pathogenen Phänomene der zerebraler Malaria
ist es, zerstörte interzelluläre Endothelverbindungen
und zerstörte gliale
Zellsubstanzen zu behandlen.
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In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform
werden als Modulatoren der NO-Signalkaskade NO-Donoren eingesetzt.
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Der Ausdruck "NO-Donor" impliziert
hierin, daß die
betreffende Verbindung den aktiven Botenstoff, nämlich NO, freisetzt.
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Die Erfinder haben in eigenen Versuchen
erkannt, daß durch
die Gabe von NO-Donoren die Expression von Endostatin stimuliert
werden kann. Eine gesteigerte Menge an Endostatin in den betreffenden Geweben
kann zu einer reduzierten, oder sogar inhibierten Gefäßneubildung
führen.
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Dabei ist bevorzugt, wenn als NO-Donoren Substanzen
eingesetzt werden, die ausgewählt
sind aus der Gruppe umfassend Sodium-Nitroprussid; Spermin; Sydnonimine,
insbesondere Molsidomin, 3-morpholino-sydnonimin
(SIN-l); und organische Nitrate, insbesondere Glyceroltrinitrat.
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Die oben genannten NO-Donoren sind
im Fachgebiet hinreichend bekannte Substanzen und werden seit längerem in
der Medizin eingesetzt. So findet Sodium-Nitroprussid als gefäßerweiternde Substanz
bspw. seine Anwendung als Antihypertonikum.
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Der Einsatz der genannten NO-Donoren
zur Regulation der Endostatin-Expression ist bisher im Stand der
Technik nicht bekannt und wird dort auch nicht vorgeschlagen.
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In eigenen Versuchen konnten die
Erfinder zeigen, daß bestimmte
Mengen an Spermin und an Sodium-Nitroprussid die Expression von
Endostatin induzierten. Auf diese Weise ist es möglich, durch die Gabe der genannten
NO-Donoren die Expression von Endostatin hochzuregulieren.
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Die Erfinder zeigten weiterhin, daß es möglich ist,
diese durch NO-Donoren induzierte Endostatin-Expression wiederum
durch andere Substanzen gezielt zu inhibieren.
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Ferner werden bei einer anderen Ausführungsform
Stimulatoren der NO-Synthase als Modulatoren der NO-Signalkaskade
eingesetzt.
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Die Induktion der NO-Synthasen gilt
gemeinhin als Reaktion auf einen pathologischen Stimulus, wozu bspw.
Hypoxie, Entzündung,
Neoplasie und Trauma zählen,
es sind aber auch biochemische (funktionelle) Stimulatoren zu erwähnen.
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Derartige Stimulatoren sind aus der
Literatur vielfältig
bekannt; sie induzieren die Expression der NO-Synthasen. Diese produzieren
vermehrt NO, wodurch die Endostatin-Expression in den betreffenden Geweben
induziert werden kann.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
erfolgt die Verwendung bei Tumoren, die vorzugsweise ausgewählt sind
aus der Gruppe umfassend Glioblastom, Astroblastom und Oligodendrogliom.
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Die Erfinder konnten in eigenen Versuchen zeigen,
daß in
Geweben aus Tumoren, wie bspw. dem Glioblastom, Astroblastom oder
Oligodendrogliom Endostatin exprimiert wird. In 7 verschiedenen Gliomzellinien
konnte durch Zugabe von NO-Donoren, wie bspw. Sodium-Nitroprussid,
die Expression von Endostatin induziert werden.
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Weiterhin werden in einer anderen
Ausführungsform
physikalische Maßnahmen
als Modulatoren der NO-Signalkaskade eingesetzt, um die Menge an
NO in den betreffenden Geweben zu steuern. Derartige physikalische
Maßnahmen
können
bspw. physikalische Gewebebelastungen sein. Über diese Steuerung des NO-Levels
wird die Endostatin-Expression reguliert.
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Die Erfindung betrifft ferner eine
pharmazeutische Zusammensetzung, die zumindest einen der Modulatoren
der NO-Signalkaskade enthält,
um in einer der neuen Verwendungen eingesetzt zu werden.
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Dabei ist nicht ausgeschlossen, daß die Zusammensetzung
mehrere der genannten Modulatoren enthält.
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Die Zusammensetzung kann darüber hinaus auch
weitere Zusatzstoffe und/oder Träger
enthalten, die üblicherweise
bei der Zubereitung einer zu verabreichenden pharmazeutischen Zusammensetzung verwendet
werden. Solche Inhaltsstoffe sind z.B. Verdünnungsmittel, Bindemittel,
Suspensionsmittel, Schmiermittel, Stabilisatoren usw. Dazu zählen, sind aber
nicht hierauf beschränkt,
z.B. Wasser, Salzlösungen,
Alkohole, pflanzliche Öle,
Polyethylenglykole, Monoglyceride, etc. Eine Übersicht über derartige Inhaltsstoffe
findet sich bspw. in A. Kibbe, "Handbook of pharmaceutical Excipients",
3. Ed. 2000, American Pharmaceutical Association and pharmaceutical press.
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Je nach Verabreichung der pharmazeutischen
Zusammensetzung, also oral oder parenteral, wird die Zusammensetzung
formuliert sein, also bspw, in Form von Kapseln, Tabletten oder
aber flüssigen
Zubereitungen. Die Verabreichung kann ferner, in Abhängigkeit
vom Patienten und der Erkrankung, systemisch oder lokal und zielgerichtet
vorgenommen werden.
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Ferner kann die Zusammensetzung weitere aktive
Inhaltsstoffe oder Arzneimittel aufweisen, wie bspw. Interferone
u.ä.
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Weitere Vorteile ergeben sich aus
den Figuren und den nachfolgenden Beispielen.
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Es versteht sich, daß die vorstehend
genannten und die nachstehend noch zu erläuternden Merkmale nicht nur
in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen
Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen
der vorliegenden Erfindung zu verlassen.
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Ausführungsbeispiele der Erfindung
werden in den nachfolgenden Figuren und in dem Beispiel näher erläutert.
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Es zeigen:
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1a Western-Blots
von LN-229-Gliomzell-Lysaten (oben) und -Überständen (unten) bezüglich des
Zeitverlaufs der Endostatin-Expression nach H2O2-Stimulation;
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1b Western-Blots
von LN-229-Gliomzell-Lysaten (oben) und -Überständen (unten) bezüglich der
Endostatin-Inhibition
durch Aminoguanidin (AG) und L-NAME und der Endostatin-Induktion durch
Sodium-Nitroprussid (SNP);
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2a Western-Blots
von SVHCEC-Endothelzell-Lysaten (oben) und -Überständen (unten) bezüglich des
Zeitverlaufs der Endostatin-Expression nach H2O2-Stimulation;
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2b Western-Blots
von SVHCEC-Endothelzell-Lysaten (oben) und -Überständen (unten) bezüglich der
Endostatin-Inhibition
durch Aminoguanidin (AG) und L-NAME und der Endostatin-Induktion durch
Sodium-Nitroprussid (SNP);
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2c durchflußzytometrische
Analysen der Endostatin-Inhibition
durch Aminoguanidin und L-NAME und die Endostatin-Induktion durch
Sodium-Nitroprussid in den endothelialen Zellinien MS1, SVR, YPEN-1;
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3a Western-Blots
von Jurkat-T-Zell-Lysaten (oben) und – Überständen (unten) bezüglich des
Zeitverlaufs der Endostatin-Expression nach H2O2-Stimulation;
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3b Western-Blots
von Jurkat-T-Zell-Lysaten (oben) und – Überständen (unten) bezüglich der
Endostatin-Inhibition
durch Aminoguanidin (AG) und L-NAME und der Endostatin-Induktion
durch Sodium-Nitroprussid (SNP);
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3c Western-Blots
von U937-Makrophagen-Lysaten (oben) und -Überständen (unten) bezüglich der
Endostatin-Inhibition
durch Aminoguanidin (AG) und L-NAME und der Endostatin-Induktion durch
Sodium-Nitroprussid (SNP);
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4a Western-Blots
von SKNSH-Neuronen-Lysaten (oben) und -Überständen (unten) bezüglich des
Zeitverlaufs der Endostatin-Expression nach H2O2-Stimulation;
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4b Western-Blots
von SKNSH-Neuronen-Lysaten (oben) und -Überständen (unten) bezüglich der
Endostatin-Inhibition
durch Aminoguanidin (AG) und L-NAME und der Endostatin-Induktion durch
Sodium-Nitroprussid (SNP);
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5 die
Propidium-Iodid-Aufnahme nach Endostatin-Transduktion in SKNSH-Neuronen.
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Beispiel
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Material und Methoden
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1. Patienten
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Für
die immunhistochemischen Experimente wurde die Expression von Endostatin
in 41 Glioblastompatienten, 42 Oligodendrogliompatienten sowie 7 Kontrollpatienten
ohne neuropathologische Veränderungen
durchgeführt,
ferner in 8 Patienten mit Morbus Alzheimer, 18 mit Schädel-Hirn-Trauma
und 7 mit zerebraler Malaria.
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2. Herstellung
von rekombinantem Endostatin und Antikörperproduktion
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Die cDNA des carboxyterminalen Endostatinfragments
von Kollagen XVIII wurde mit RT-PCR aus einer Mausleber-mRNA-Probe
kloniert und in einen pET-Expressionsvektor umkloniert (AGS, Heidelberg,
Deutschland). Rekombinantes Endostatin wurde in BL21(DE3) E.coli-Zellen
(AGS, Heidelberg, Deutschland) durch Induktion mit IPTG (Isopropyl-l-thio-β-D-galactosid)
für 4 Stunden
produziert und mittels Nickel-Chelat-Chromatographie aufgereinigt.
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Die Protein-Konzentration wurde nach
Bradford mit Rinderserum Albumin als Standard bestimmt (Bio-Rad,
München,
Deutschland). Die Endotoxin-Konzentration der Peptid-Lösung war < 10 pg/ml und wurde
mit einem chromogenen "Limulus Amoebocyte-Lysat-Assay" (Bio-Whittaker, Inc., Walkersville,
USA) bestimmt.
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Um monoklonale Antikörper herzustellen, wurden
Balb/c-Mäuse
mit 50 μg
rekombinantem Endostatin immunisiert und Hybridom-Zellinien nach Standardprozeduren
hergestellt. Die Zellüberstände wurden
mittels ELISA, Western-Blotting und Immunohistochemie auf ihre Spezifität hin geprüft und positive
Linien subkloniert.
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Die Spezifität der Antikörper wurde durch Blockierungsversuche
mit rekombinantem Endostatin und mit einem Kontrollpeptid durchgeführt. Anschließend wurden
die Antikörper
affinitätsgereinigt (BMA
Biomedicals, Augst, Schweiz), nochmals überprüft und in den unten dargestellten
Versuchen in den angezeigten Konzentrationen verwendet.
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Immunhistochemie
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Für
Markierungsversuche zum Nachweis von Endostatin wurden Objektträger, auf
die Schnitte von Gewebeblöcken
aus Patientenproben aufgebracht wurden, entparaffinisiert, in einem
Mikrowellenherd inkubiert, mit unspezifischem Schweineserum (Biochrom,
Berlin, Deutschland) inkubiert und mit dem monoklonalen Antikörper Maus-anti-Endostatin
(Herstellung: s.o.) bei einer Konzentration von 10 μg/ml über Nacht
bei 4°C
inkubiert. Nach einem Waschschritt wurden die Schnitte für 30 min
mit biotinyliertem Kaninchen-anti-Maus-IgG (DAKO, Hamburg, Deutschland)
inkubiert, anschließend
gewaschen und mit Streptavidin-AB-Komplex
(DAKO) für 30
min inkubiert. Nach einem weiteren Waschschritt erfolgte die Gegenfärbung (Harris
Hämalaun),
Dehydrierung und Versiegelung.
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Zur Charakterisierung der angefärbten Zellen
wurde zunächst
ein zellspezifisches Antigen gefärbt
und danach Endostatin visualisiert. Dazu wurden die Schnitte entparaffinisiert,
in einem Mikrowellenherd inkubiert und mit unspezifischem Schweineserum
(Biochrom, Berlin, Deutschland) inkubiert. Dann wurden differenzierende
Antikörper
gegen GFAP (glial fibrillary acidic protein, Boehringer, Mannheim,
Deutschland), LCA (Leucocyte common antigen, DAKO), HLA-DR, -DP,
DQ (DAKO), CD68 (Makrophagen, DAKO), CD3 (T-Zellen, DAKO), CD20
(B-Zellen, DAKO), CD31 (Endothelien, DAKO), von-Willebrandt-Faktor
(Endothelien, DAKO), Neurofilament (Neurone, DAKO), Neuronen spezifische
Enolase (Neurone, DAKO) , amyloid-β1
-40 (AB1-40 Sigma,
Deisenhofen, Deutschland) oder Tau Protein (DAKO) in einer Verdünnung von
10 – 100 μg/ml in 10
% BSA (bovines Serumalbumin)/TBS (Trisbalanced Saline) auf die Schnitte
gegeben und über
Nacht bei 4°C
inkubiert. Die gebundenen Antikörper
wurden mit biotinyliertem Kaninchen anti-Maus IgG (DAKO) inkubiert
und mit einem alkalische-Phosphatase-konjugiertem AB-Komplex (DAKO)
visualisiert. Anschließend
wurde mit "Fast-Blue-BB-Salz-Chromogen-Substrat-Lösung" entwickelt, was zu einem
blauen Präzipitat
an der Stelle gebundener Antikörper
führte.
Um Antikörper-Kreuzreaktivität in Doppelfärbeexperimenten
zu vermeiden, wurden die Schnitte wiederum in einer Mikrowelle inkubiert.
Dann wurde Endostatin wie oben beschrieben mit dem Antikörper Mausanti-Endostatin
(Herstellung: s.o.) visualisiert.
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Zellkultur und
Stimulation
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Die folgenden Zellinien wurden analysiert:
- – SVHCEC
Endothelzellinie, isoliert aus Kapillaren des Gehirns;
- – Maus
MS1, Maus SVR, Ratte YPEN-1 Endothelzellinien und die humane Neuroblastomzellinie SKNSH,
jeweils erworben von der American Type Culture Collection (ATCC,
Manassas, USA);
- – die
humanen glialen Zellinien LN229, U373MG, U251MG, U87MG, T98G, LN319
und W428, erhalten von der Neurologischen Klinik, Universität Tübingen (Weller
et al., "Anti-Fas/APO-1
anatibody-mediated apoptosis of cultured human glioma cells. Induction
and modulation of sensitivity by cytokines", J. Clin. Invest. 94:
954-964, (1994);
- – Jurkat
T Zellen, Raji B Zellen und die U937 Makrophagen-Zellinie, erworben von ATCC.
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Alle Zellinien wurden in RPMI 1640
Medium, unter Zusatz von Glutamax II (Gibco BRL, Paisley, Großbritannien),
10 % fetalem Kälberserum
(Gibco), 100 U/ml Penicillin und 100 μg/ml Streptomycin (Fluka, Buchs,
Schweiz) bei 37°C
und 5 % CO2 kultiviert.
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In Stimulationsexperimenten wurden
die Zellen zweimal mit PBS gewaschen und in serumfreiem Medium aufgenommen.
2 mM CoCl2 wurde für 24 Stunden zugegeben, ein
Modell zellulärer
Hypoxie, oder 20 mM H2O2 für 15 Minuten,
um die Belastung mit Sauerstoffradikalen zu stimulieren. Bei diesem Modell,
bzw. durch die Sauerstoffradikale, werden die Zellen zur Bildung
von Endostatin stimuliert. In Screening-Experimenten wurden die
Zellen danach für
24 Stunden in serumfreiem Medium inkubiert, in den zeitabhängigen Induktionsversuchen
jeweils für die
in den Figuren angegebene Zeitspanne. 2 mM Sodium-Nitroprussid (SNP,
Sigma), ein NO-Synthase-unabhängiger
NO-Donor, wurde den Zellen in serumfreiem Medium für 4 Stunden
zugegeben, um eine kausale Verbindung zwischen NO-Bildung und Endostatin-Expression
zu analysieren.
-
In den Inhibitionsexperimenten wurden
die Zellen zunächst
mit 5 mM Aminoguanidin (AG, Sigma) oder 1 mM N(G)-Nitro-Largininmethylester (L-NAME,
Sigma) für
24 Stunden vorinkubiert und dann anschließend mit 20 mM H2O2 wie bereits oben beschrieben stimuliert
und für
2 Stunden in serumfreiem Medium inkubiert.
-
Die Spezifität der erlangten Ergebnisse
wurde z.T, durch Inkubation der Zellen mit einer weitaus niedrigeren
SNP-Konzentration
von 0,2 μM
für die angegebene
Zeitspanne und durch Vorinkubation für 24 h mit dem löslichen
Guanylatzyklase-Inhibitor 1H-(1.2.4)Oxadiazolo(4,3-A)-quinoxalin-1-on
(ODQ, Sigma-Aldrich) bei einer Konzentration von 20 μM und anschließender 100 μM SNP-Inkubation überprüft. Darüber hinaus
wurden die Zellen in einzelnen Experimenten mit 400 U/ml Interferon-γ (Peprotech, Rocky
Hill, USA) für
4 h in serumfreien Medium inkubiert. Die Zellen wurden anschließend für weitere Analysen
trypsiniert, zentrifugiert und wie unten dargestellt weiterbehandelt.
-
Eine humane Buffy Coat Präparation
wurde aus einem Erythrocytenkonzentrat mittels Histopaque (Sigma)
Technik isoliert. Die Zellen wurden für 24 h in serumfreiem Medium
(Bio Whittaker, X-VIVOTM15) inkubiert, mit
H2O2 wie beschrieben
stimuliert und die Proteine der Zellen und des Überstandes wie unten angegeben
isoliert.
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Zerebelläre Körnerzellen wurden aus 8 Tage alten
Spraque-Dawley-Ratten
isoliert und in poly-L-Lysin-beschichtete Kulturplatten oder 24-Well-Platten
ausgesät.
Die Zellen wurden in einer Dichte von 2,1 × 105 Zellen/cm2 in basal modified Eagle's (BME) Medium
mit 10 % fetalem Kälberserum, 2
mM Glutamin und 20 μg/ml
Gentamycin inkubiert. Zellen in depolarisierendem Medium wurden
mit 20 mM KCl supplementiert, um eine Endkonzentration von 25 mM
K+ zu erreichen. Ara-C (10 μM) wurde dem
Kulturüberstand
nach 24 Stunden zugegeben, um das Wachstum nichtneuronaler Zellen
zu induzieren.
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Rekombinantes Endostatin und irrelevante Kontrollproteine
wurden in den angegebenen Konzentrationen zugegeben und für unterschiedliche Zeitspannen
inkubiert. In Experimenten mit Inkuba tionszeiten über 24 Stunden
wurde das Medium täglich
gewechselt.
-
Protein-Präparation
und Western Blotting
-
Konditionierter Überstand der Zellkulturen wurde
gesammelt, die darin enthaltenen Proteine mittels Azeton-Fällung für 15 min
bei –20°C isoliert und
in der Folge in 2x Proben-Puffer aufgelöst. Die Auftrennung der Proteine
erfolgte auf herkömmliche Weise
auf einem 12%-SDS-Polyacrylamid-Gel, geblottet wurde auf PVDF-Membranen
(Biorad, München).
Die Nachweise erfolgten mit primären
monoklonalen Antikörpern
gegen Endostatin, oder gegen iNOS, eNOS oder nNOS. Die Visualisierung
erfolgte mit einem HRP (Horse Raddisk Peroxidase)-konjugierten Zweitantikörper.
-
Durchflußzytometrie
-
Die Zellen wurden trypsiniert, zweimal
gewaschen und anschließend
mit Methanol für
15 Minuten bei 20°C
permeabilisiert oder unfixiert und unpermeabilisiert analysiert.
Die Zellen wurden mit einem monoklonalem Maus-anti-Endostatin und
polyklonalen Ziege-anti-iNOS, Ziege-anti-eNOS oder Ziege-anti-nNOS
(Santa Cruz Biotech, Santa Cruz, USA) für 1 Stunde bei 4°C inkubiert.
Die Visualisierung erfolgte durch die Zugabe von FITC-konjugiertem Affen-anti-Ziegen-
oder Kaninchen-anti-Maus-IgG (Serotech, Oxford, Großbritannien),
und zwar für
30 Minuten bei 4°C.
Anschließend
wurden die Zellen gewaschen und unter Verwendung eines FACScan-Zytometer (Becton
Dickinson, Überlingen,
Deutschland) und der CellQuest-Software analysiert. Kontrollen beinhalteten
das Weglassen des Primärantikörpers, sowie
die Verwendung von unspezifischen Primärantikörpern.
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RNA-Extraktion und reverse Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion
(RT-PCR) Hirntumorgewebe oder Zellinien wurden unfixiert gesammelt und
die gesamte RNA mit dem RNeasy® Minikit-Protokoll, wie
vom Hersteller beschrieben, extrahiert (Qiagen GmbH, Hilden, Deutschland).
cDNA wurde daraufhin mit Random Hexamers, RNAsin® Ribonucleaseinhibitor
und Moloney-Murine-Leukemia-Virus-Reverse-Transkriptase (Promega, Madison, USA)
hergestellt. Die Proben wurden für
30 Minuten bei 37°C
und 5 Minuten bei 95°C
inkubiert. Die cDNA-Konzentrationen wurden in allen Experimenten normalisiert,
um vergleichbare PCR-Produkte zu erhalten. Die Polymerasekettenreaktion
wurde anschließend
mit dem Thermus aquaticus-(Taq)-DNA-Polymerase-Minikit (Promega)
nach Angaben des Herstellers durchgeführt. Die Endostatin-spezifischen
Primer waren: 5'-ATCGTCAACCTCAAGGACGA-3' und 5'-TAGCACGATGTAGGCGTGAT-3'.
-
Es wurde eine einzelne Bande erhalten,
die einem 306-bp-Fragment
der humanen Endostatin-cDNA entsprach, wie durch anschließende Subklonierung
und Sequenzierung bestätigt
wurde. Die RNA-Integrität
der untersuchten Gewebe wurde mit β-Actin forward (5'-CCTTCCTGGGCATGGAGTCCT-3')
und reverse (5'-GGAGCARTGATCTTGATCTTC-3')-Primern
bestätigt,
die ein 150-bp-Fragment
der humanen (β-Actin-cDNA
ergaben. Die Reaktionsbedingungen waren: Denaturierung bei 94°C für 2 Minuten,
30 Zyklen mit Denaturierung bei 94°C für 1 Minute, Annealing bei 55°C für 30 Sekunden
und Elongation bei 72°C
für eine
Minute. Abschließend
wurde die Reaktion bei 72°C
für 10
Minuten inkubiert. Die resultierenden Reaktionsprodukte wurden auf
Agarose-Gelen analysiert, die mit 0,5 mg/ml Ethidiumbromid gefärbt waren.
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Adenovirale
Transduktion von Endostatin in Zellen des ZNS
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Zur Herstellung von einem adenoviralen
Endostatin-tragenden Vektor sowie Null und green fluorescent protein
(GFP)-tragenden Kontrollvektoren wurde die cDNA murinen Endostatins
von zwei Wochen alten C57BL/6-Mäuselebern
durch PCR isoliert. Zusätzlich
wurde die 18-Aminosäuren-lange E3/19K-Signalsequenz
(MRYMILGLLALAAVCSAA) oberhalb der Endostatin-Sequenz eingefügt, um die Signalsequenz-murines
Endostatin (ss-mEndo) Kassette zu bilden. Dieses Konstrukt wurde
in das adenovirale Shuttle-Plasmid
pAd/CMV.1 eingefügt
und mit E1-deletierter Ad5 DNA rekombiniert. Der das resultierende
Endostatin kodierende adenovirale Vektor wurde dann in 293 Zellen
(ATCC) amplifiziert. Eine ähnliche
Strategie wurde benutzt, um Kontrollviren mit GFP oder ohne Transgen
herzustellen. Die Zellen wurden mittels Plaque-bildendem Assay in 293
Zellen titriert.
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Für
die Transduktionen wurden adenovirale Vektor-Präparationen in Serum-reduziertem
Opti-MEM-Medium (Life Technologies, Eggenstein, Deutschland) verdünnt und
in multiplicity of infection (MOI)-Einheiten bis zu 1000 zu 3 × 105 Zellen pro 6-Well-Platte zugegeben. Die
Transduktion erfolgte bei 37°C
für 3 Stunden,
dann wurde das virenhaltige Medium aspiriert, die Zellen in frischem
Medium für 48
Stunden kultiviert und in der Folge analysiert wie beschrieben.
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3. Ergebnisse
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Zunächst wurde die Expression von
Endostatin in Erkrankungen des ZNS untersucht.
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Um die basale Expression von Endostatin
in Zellen der untersuchten Gewebe zu analysieren, wurden die Färbeexperimente
der verschiedenen Zellen ausgewertet.
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Expression von
Endostatin in glialen Neoplasien
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Sowohl in den untersuchten Astrozytomen als
auch in den Oligodendrogliomen fanden sich Endostatin-exprimierende
Makrophagen/Mikrogliazellen und Tumorzellen in Regionen soliden
Tumorwachstums.
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In Gehirnen von Patienten, die an
Morbus Alzheimer verstarben, konnte Endostatin in Zellen aller cortikaler
Schichten beobachtet werden.
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In Patienten, die nach Schädel-Hirn-Trauma (SHT)
starben, akkumulierten Endostatin-exprimierende Zellen in und in
der Nähe
von Arealen mit Gewebezerstörung.
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In Gehirnen von Patienten, die an
zerebraler Malaria verstarben, fand sich Endostatin-Expression hauptsächlich in
Makrophagen und Mikrogliazellen in Dürck'schen Granulomen.
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Mechanismen
der Endostatin-Regulation in glialen Zellen
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Durchflußzytometrie und Western-Blotting von
LN229-Lysaten und Überständen wurden
benutzt, um Endostatin-Expression und – Sekretion nach Vorinkubation
der Zellen mit den NOS-Inhibitoren Aminoguanidin und L-NAME und
nach Gabe des chemischen NO-Donors Sodium-Nitroprussid zu analysieren.
In allen analysierten Über ständen fand sich
hier die 20 kDa Endostatin-Bande, die in den Gliomzelllysaten schwächer war.
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Um Mechanismen der Endostatin-Induktion in
Gliomzellen zu identifizieren wurde die Endostatin-Expression und
-Sekretion nach H2O2-Stimulation,
einem Modell der Sauerstoffredikalbelastung, analysiert. Um detailliertere
Informationen über
die Endostatin Induktion zu zeigen, wurden eine sequentielle Durchflußzytometrie,
RT-PCR und Western Blotting von LN229 Lysaten und Überständen bis
4 h nach H2O2-Stimulation
durchgeführt.
In 1a sind die Ergebnisse
der Western-Blots bezüglich
des Zeitverlaufs der Endostatin-Expression in LN229-Lysaten (oben)
und LN229-Überständen (unten)
dargestellt. Es konnte hier eine schnelle Induktion der Endostatin-Sekrektion
nach 1 h und intrazelluläres
Endostatin 3 h nach H2O2-Stimulation
beobachtet werden. Die Western-Blotting-Ergebnisse der Lysate zeigten
nur schwach Endostatin-immunreaktive Banden.
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Für
die Analyse der Endostatin-Expression und -Sekretion wurden die
Zellen mit den NOS-Inhibitoren Aminoguanidin und L-NAME vorinkubiert
und der chemische NO-Donor Sodium-Nitroprussid hinzugegeben. In
Inhibitionsversuchen (also bei Gaben von Aminoguanidin und L-NAME)
wurden die Zellen 1 h nach H2O2-Stimulation geerntet
und analysiert.
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Die Ergebnisse dieser Studien sind
anhand der Western-Blots in 1b gezeigt.
Aminoguanidin ist mit AG, Sodium-Nitroprussid mit SNP abgekürzt. In
den Western-Blots ist klar zu sehen, daß in LN229-Überständen die Endostatin-Sekretion
hauptsächlich
durch Aminoguanidin reduziert werden und durch Sodium- Nitroprussid induziert
werden konnte. Nur schwach immunreaktive Banden wurden in LN299-Lysaten
beobachtet.
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Diese Daten zeigen sowohl den Einfluß der NO-Signalkaskade
auf die Endostatin-Expression und -Sekretion, als auch detaillierte
pharmakologische Daten zur Inhibition der Endostatin-Expression in
Gliomzellen.
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Mechanismen der Endostatin-Regulation
in verschiedenen Endothelzelliniens SVHCEC-, MS1-, SVR- und YPEN-1-Zellen
Zunächst
wurde untersucht, ob endotheliale Endostatin-Expression und -Sekretion in den verschiedenen
Endothelzellinien durch Zugabe von H2O2 induziert werden kann. Western-Blotting der Zelllysate
zeigte die Induktion von Endostatinimmunreaktiven Banden hauptsächlich in YPEN-1-Zellen.
In den Überständen konnte
die Induktion von Endostatin-immunreaktiven Banden hauptsächlich in
SVHCEC- und YPEN-1-Zellen beobachtet werden. Genauere Untersuchungen
der Endostatin-Expression und -Sekretion wurden dann mit der Endothelzellinie
SVHCEC durchgeführt.
In Western-Blots wurde der Zeitverlauf der Endostatin-Induktion nach H2O2-Gabe in Zelllysaten
und -überständen beobachtet.
Die Ergebnisse dieser Stimulation sind in den Western-Blots der 2a gezeigt. In den SVHCEC-Überständen (2a, unten) konnte eine deutliche
Endostatin-Induktion bis 4 h nach H2O2-Gabe nachgewiesen werden.
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In den nächsten Experimenten wurden
die Effekte von zwei NOS-Inhibitoren
und einem chemischen, NOS-unabhängigen
NO-Donor auf die Expression und Sekretion von Endostatin in der
Endothelzel linie SVHCEC mit Durchflußzytometrie, Western-Blotting
der Lysate und Überstände analysiert.
-
Dazu wurden SVHCEC-Zellen mit dem
Inhibitor der NOS-Induktion, Aminoguanidin, einem hauptsächlichen,
aber nicht kompletten Inhibitor von iNOS, und L-NAME, einem NOS-Inhibitor,
der alle drei NOS-Isoformen inhibiert, für 24 Stunden vor der H2O2-Gabe, und mit
Sodium-Nitroprussid, einem chemischen, NOS-unabhängigen NO-Donor, für 4 Stunden
inkubiert.
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Die Ergebnisse dieser Studie sind
in den Western-Blots der 2b gezeigt,
wobei hier wiederum Aminoguanidin mit "AG" und Sodium-Nitroprussid
mit "SNP" abgekürzt
wurde. Western-Blotting der SVHCEC-Lysate (2b, oben) zeigte sogar stärkere Endostatin-Banden
nach L-NAME-Gabe. In SVHCEC-Überständen ( 2b, unten) war eine Reduktion
von Endostatin durch L-NAME und eine Induktion von Endostatin durch
Sodium-Nitroprussid zu erkennen. Parallele Western-Blotting-Analysen
der SVHCEC-Lysate mit Antikörpern
gegen die drei NOS-Isoformen zeigte eine deutliche Reduktion der nNOS-Expression
durch Aminoguanidin und L-NAME
sowie eine schwächere
iNOS- und eNOS-Expression (2b,
Mitte).
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Um zu zeigen, daß die beschriebene Modulation
der Endostatin-Expression
nicht auf SVHCEC-Zellen beschränkt
ist, wurde mittels Durchflußzytometrie
die Endostatin-Expression nach Aminoguanidin und L-NAME-Vorinkubation
und nach Sodium-Nitroprussidgabe
in MS1-, SVR- und YPEN-1-Zellen analysiert. Die Ergebnisse dieser Versuchsreihen
sind in 2c gezeigt.
Aminoguanidin ist mit "AG", Sodium-Nitroprussid mit "SNP" abgekürzt, die
Endostatin-produzierenden Zellen sind im Fenster "R1" der Dot-Plots
dargestellt, deren relativer Prozentsatz jeweils unter den Dot-Plots.
Im Vergleich zu H2O2-stimulierten
Zellen konnte eine deutliche Reduktion der Endostatin-Expression in allen analysierten
Zellinien durch Aminoguanidin beobachtet werden (siehe 2c, 1.
Reihe Dot-Plots). L-NAME verursachte eine geringere Endostatin-Expression
in SVR- und YPEN-Zellen (siehe 2c, 2. Reihe Dot-Plots, Mitte und rechts).
-
Im Vergleich zu unstimulierten Endothelzellinien
fand sich eine deutliche Endostatin-Induktion durch Sodium-Nitroprussid
in SVR-Zellen (siehe 2c, 3. Reihe Dot-Plots, Mitte).
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In weiteren Versuchen wurden SVHCEC-Zellen
mit Interferon-γ,
einem weiteren NO-Donor, Spermin und niedrigeren Sodium-Nitroprussid-Konzentrationen
inkubiert. Im Vergleich zu unstimulierten SVHCEC-Zellen zeigte Western-Blotting von
SVHCEC-Lysaten und Überständen die
Induktion von Endostatin durch Interferon-γ, durch Spermin und durch 100 μM Sodium-Nitroprussid.
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In parallelen Versuchen wurden die
Zellen mit ODQ (siehe oben) vor der Sodium-Nitroprussid-Zugabe inkubiert,
was eine deutliche Reduktion der intrazellulären Expression und der extrazellulären Sekretion
von Endostatin verursachte. Durch ODQ kann die Guanylatzyklase inhibiert
werden, welche den intrazellulären
NO-Rezeptor darstellt. Dies zeigt, daß die Guanylatzyklase, der
intrazelluläre
NO-Rezeptor, die Endostatin-Expression und – Sekretion vermittelt.
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Mechanismen
der Endostatin-Regulation in Immunzellen
-
RT-PCR mit Endostatin-spezifischen
Oligonukleotiden zeigte eine Endostatin-mRNA-Expression in Jurkat-T-Zellen,
Raij-B-Zellen und U937 Makrophagen.
-
In weiteren Experimenten wurde analysiert, ob
die Expression und Sekretion in der humanen Buffy-Coat-Präparation
durch H2O2-Gabe induziert werden
kann. Es wurde eine sequentielle Analyse der Endostatin-Expression
nach H2O2-Gabe von
Jurkat-T-Zellen mittels Durchflußzytometrie und Western Blotting
der Lysate und Überstände durchgeführt. Western-Blotting
zeigte im Vergleich zu unstimulierten Präparationen stärkere Endostatinimmunreaktive
Banden in den Zelllysaten und eine Induktion der Endostatin-Sekretion
in den Überständen von Jurkat-T-Zellen
und U937-Makrophagen. Im Überstand
vn Raji-B-Zellen konnten mehrere schwerere Banden beobachtet werden.
-
Um ein genaueres Bild der Endostatin-Induktion
zu erlangen, erfolgte dann die sequentielle Analyse der Endostatin-Expression
nach H2O2-Gabe von Jurkat-T-Zellen
mittels Durchflußzytometrie
und Western-Blotting der Lysate und Überstände bis 4 h nach H2O2-Stimulation. Die Ergebnisse dieser Studien
sind in den Western-Blots des 3a gezeigt.
Interessanterweise fand sich die stärkste intrazelluläre Endostatin-Expression
nach 3 h (siehe 3a, oben)
und die stärkste
Endostatin-Sekretion nach 4 h (siehe 3a,
unten).
-
Um eine kausale Beziehung zwischen
Endostatin-Induktion und der NO-Signalkaskade zu beschreiben, wurden
Jurkat-T-Zellen und U937-Makrophagen mit den NOS-Inhibitoren Aminoguanidin
und L- NAME vor H2O2-Gabe und dem
NO-Donor Sodium-Nitroprussid inkubiert und dann mit der Durchflußzytometrie
und Western-Blotting der Lysate und der Überstände analysiert. Diese Ergebnisse
bezüglich
den Jurkat-T-Zellen sind in den Western-Blots der 3b gezeigt, in denen Aminoguanidin mit
"AG" und Sodium-Nitroprussid
mit "SNP" abgekürzt
wurde. In den Zelllysaten (3b,
oben) verursachten Aminoguanidin und L-NAME überraschenderweise sogar eine
stärkere
Expression einer Endostatinimmunreaktiven Bande. In den Überständen (siehe 3b, unten) fand sich interessanterweise
eine fast vollständige
Reduktion der Endostatin-Sekretion nach Amminoguanidin und eine
komplette Inhibition der Endostatin-Sekretion nach L-NAME-Vorbehandlung.
Nach Sodium-Nitroprussid-Gabe fand sich jedoch keine Endostatin-Sekretion.
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Die Durchflußzytometrie-Ergebnisse für U937-Makrophagen
zeigten eine deutliche Reduktion der Endostatin-Expression nach
Aminoguanidin und L-NAME-Vorinkubation und eine massive Induktion
durch Sodium-Nitroprussidgabe. Western-Blotting-Resultate sind in 3c dargestellt und zeigen hauptsächlich eine
massive Endostatin-Induktion in Zelllysaten nach Sodium-Nitroprussid-Gabe (3c, oben). In den Überständen fand
sich eine diskrete Reduktion der Endostatin-Sekretion nach L-NAME-Vorinkubation
und eine leichte Induktion nach Sodium-Nitroprussid-Gabe ( 3c, unten).
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Mechanismen
der Endostatin-Regulation in Neuronen
-
Um Mechanismen der neuronalen Endostatin-induktion
zu untersuchen, wurde die Neuroblastom-Zellinie SKNSH u.a. nach
H2O2-Stimulation analysiert.
Die Ergebnisse der Durchlfußzytometrie zeigten,
daß Endostatin
am stärksten
nach 3 h nach H2O2-Gabe
exprimiert wurde. Interessanterweise zeigten die Western-Blotting-Resultate
der SKNSH-Lysate (siehe 4a,
oben) eine schnelle Induktion einer 50 kDa schweren Endostatinimmunreaktiven
Bande nach 1 h, die sich bis 4 h nach H2O2-Gabe deutlich verringerte. In den Überständen zeigte
eine ungefähr
22 kDa und 25 kDa schwere Doppelbande denselben Verlauf (siehe, 4a, unten).
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In einer nächsten Versuchsreihe wurde
analysiert, ob die NO-Signalkaskade
eine Rolle bei der Endostatin-Induktion spielt. Dazu wurden SKNSH-Neurone
mit Aminoguanidin und L-NAME vorinkubiert und dann mit H2O2 stimuliert. Zusätzlich wurde
der Effekt des chemischen, NOS-unabhängigen NO-Donors Sodium-Nitroprussid
auf die Endostatin-Expression und -Sekretion analysiert. Die Ergebnisse
zu diesen Ansätzen
sind in den Western-Blots der 4b gezeigt.
Die Durchflußzytometrie
zeigte eine deutliche Reduktion der Endostatin-Expression nach Vorinkubation
mit beiden NOS-Inhibitoren (22,95 % für AG und 32, 98 % für L-NAME,
jeweils mit Bezug auf 59,81 % ohne Inihibitor) und eine diskrete
Induktion nach Sodium-Nitroprussidgabe. Western-Blotting von SKNSH-Lysaten
(siehe 4b, oben) und
SKNSH-Überständen (siehe 4b, unten) bestätigte im
Vergleich mit stimulierten Präparationen
diese Ergebnisse. Interessanterweise fand sich eine massive Endostatin-Sekretion
nach Sodium-Nitroprussid-Gabe.
-
Adenovirale
Endostatin-Transduktion
-
Adenovirale Endostatin-Transduktion
wurde dann benutzt, um mögliche
Veränderungen
in der Expression der NO-Synthasen und der PCNA (Proliferating-cell
nuclear antigen)-Expression durch zelluläre Endostatin-Expression zu
analysieren.
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Für
die Transduktionen wurde der unter "2. Adenovirale Transduktion
von Endostatin in Zellen des ZNS" beschriebene, Endostatin-tragende
Vektor (Ad-ss-mEndo) eingesetzt; die Transduktion wurde mit Mock-Transduktionen
kontrolliert. Die Endostatin-Transduktion führte zu einer Endostatin-Expression
und -Sekretion in allen Zellen. Die Endostatin-Transduktion bewirkte
darüber
hinaus eine retrograde Modulation der NO-Signalkaskade. Dies deutet darauf hin,
daß bei
einer erhöhten
Endostatin-Expression eine Feedback-Hemmung der Expression der intrazellulären NO-Synthasen
durch Endostatin stattfindet.
-
In 5 sind
ferner die Ergebnisse einer Propidium-Iodid-Anfärbung
für transduzierte
neuronale SKNSH-Zellen dargestellt.
-
Durch Anfärben der Zellkerne mit Propidium-Iodid,
das mit der DNA interkaliert, kann man zum einen unterscheiden,
in welcher Phase des Zellzyklus sich eine Zelle befindet. Andererseits
wird diese Methode auch verwendet, um Zellen, die der Apoptose unterliegen,
zu erfassen.
-
Die Färbeergebnisse zeigten, daß die Transduktion
der SKNSH-Zellen
mit dem Endostatin-tragenden Vektor zu einer vermehrten Propidium-Iodid-Aufnahme
führte
(siehe 5). Diese stärkere Aufnahme
von Propidium Iodid stellt ein Indiz für vermehrten Zelltod dar. Dieses
Ergebnis konnte auch in abgeschwächter
Form bei LN229-Gliomzellen beobachtet werden (nicht gezeigt).
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Mit einem selbst hergestellten Antikörper gegen
Endostatin gelang den Erfindern der Nachweis, daß Endostatin in Glioblastomen,
Astrozytomen, Oligodendrogliomen exprimiert wird, außerdem ferner
in Patienten mit Morbus Alzheimer, Schädel-Hirn-Trauma und zerebraler
Malaria, aber nur in geringem Maße in neuropathologisch unveränderten
Kontrollen in vivo. Mittels Durchflußzytometrie, RT-PCR und Western-Blotting
wurden die Mechanismen der Endostatin-Induktion und Modulation sowie
die Auswirkungen intrazellulärer Überexpression
und etrazellulärer
Akkumulation von Endostatin in 7 Gliom-Zellinien, 4 Endothel-Zellinien,
3 Immun-Zellinien und einer neuronalen Zellinie analysiert.
-
Endostatin-Expression und -Sekretion
wurde in unterschiedlicher Ausprägung
in allen untersuchten Zelltypen durch Stimulation mit H2O2 induziert. Diese Induktion konnte durch
die Inhibitoren der NO-Signalkaskade Aminoguanidin und L-NAME reduziert
werden.