-
Die Erfindung betrifft Targetmaterialien
zur plasma-basierten Erzeugung von Röntgenstrahlung gemäß dem Oberbegriff
von Anspruch 1, und Verfahren und Röntgenquellen zur plasma-basierten
Erzeugung von Röntgenstrahlung.
-
Es ist bekannt, Röntgenstrahlung als Bremsstrahlung
mit einem kontinuierlichen Spektrum oder als Röntgenfluoreszenzstrahlung mit
einem Linienspektrum zu erzeugen. Die Bremsstrahlung entsteht durch
Energieumwandlung beim Aufprall von Elektronen auf Materie. Die
Röntgenfluoreszenzstrahlung wird
nach energetischer Anregung durch Übergänge der kernnächsten,
inneren Elektronen der Atomhülle zurück in einen
niedriger liegenden Zustand ausgestrahlt. Je nach Anwendung werden
Röntgenstrahlen bisher
bspw. mit Röntgenröhren oder
Elektronenbeschleunigern erzeugt. Wenn für bestimmte Aufgaben, z. B.
in der Röntgenspektroskopie,
chemischen Analytik oder Halbleitertechnologie Röntgenfluoreszenzstrahlung mit
bestimmten Spektrallinien benötigt wird,
stellen Elektronenbeschleuniger- oder Synchrotronanlagen an sich
universell einsetzbare Röntgenquellen
dar. Sie besitzen jedoch den Nachteil eines extremen gerätetechnischen
Aufwandes. Elektronenbeschleuniger sind als flexible, im Labor oder
in der Produktion anwendbare Röntgenquellen
ungeeignet.
-
Eine Alternative stellen Röntgenquellen
dar, mit denen durch hochenergetische Bestrahlung (z. B. Laser-Bestrahlung)
ein Targetmaterial in einen Plasmazustand versetzt wird, in dem
materialspezifisch Röntgenfluoreszenzstrahlung
abgestrahlt wird. Erste Entwicklungen erfolgten mit festen, schichtförmigen Targetmaterialien,
die sich jedoch wegen des bei jeder Plasmaanregung erfolgenden Materialverbrauchs
für praktische
Anwendungen als ungeeignet erwiesen haben. Eine Verbesserung wurde
durch Verwendung flüssiger,
tropfenförmiger
Targetmaterialien erzielt. Bspw. wird gemäß
EP
186 491 in einer evakuierten Kammer mit einem piezoelektrischen Tropfengeber
eine Folge von flüssigen
Tropfen erzeugt, die jeweils durch Laserbestrahlung in einen Plasmazustand überführt werden.
Aus dem Plasmazustand erfolgt die Emission weicher Röntgenstrahlung,
die durch ein Fenster in der Kammer aus tritt. Durch die Verwendung
flüssiger
Targetmaterialien wurde ein erheblicher Fortschritt erzielt, da
mobile Röntgenquellen
zur Erzeugung von Röntgenfluoreszenzstrahlung
mit geringem gerätetechnischem
Aufwand verfügbar
wurden. Diese Röntgenquellen
besitzen bislang jedoch eine Reihe von Nachteilen, die je nach Anwendung
toleriert oder durch besondere Maßnahmen kompensiert werden.
-
Die Röntgenquelle gemäß
EP 186 401 ist auf die Verwendung
von Quecksilber als flüssiges
Targetmaterial beschränkt.
Entsprechend ist die generierbare Röntgenstrahlung auf bestimmte
Spektrallinien eingegrenzt. Ein weiterer Nachteil von Quecksilber
ist dessen relativ hoher Dampfdruck, der Probleme beim Auffangen
des Quecksilbers und Verunreinigungen in der Kammer verursacht.
Flüssige
Metalle sind generell unverträglich
mit den empfindlichen und extrem kostenintensiven Röntgenoptiken.
So können
auf Goldoptiken, die z. B. in der Fresnelzonen-Röntgenmikroskopie Standard sind,
Schäden durch
Quecksilberamalgam-Verbindungen entstehen. Zur Vermeidung von Verunreinigungen
wird in
US 5 459 771 vorgeschlagen,
als Targetmaterial gefrorene Wasserkristalle zu verwenden. Diese
Technik besitzt jedoch den Nachteil eines großen gerätetechnischen Aufwandes bei
der Erzeugung der Kristalle und beim Auffangen des Targetmaterials.
-
Weitere flüssige Targetmaterialien wurden insbesondere
für Anwendungen
in der Röntgenlithographie
vorgeschlagen. Von L. Rymell et al. wird in "Rev. Sci. Instrum."
Band 66, 1995, Seite 4916–4920 die
Verwendung von Ethanol als flüssiges Targetmaterial
beschrieben. Ethanol oder andere monomere Flüssigkeiten besitzen jedoch
den Nachteil, dass durch die Plasmaanregung Targetmoleküle in die Gasphase
gelangen und sich auf Oberflächen
empfindlicher Komponenten ablagern. Die abgelagerten Moleküle werden
von der erzeugten Röntgenstrahlung
zersetzt, wobei im Fall von Alkoholen teerartige Zersetzungsprodukte
entstehen, die sich als unerwünschte
Verunreinigungen in der Röntgenquelle und
insbesondere auf optischen Bauteilen niederschlagen. Zur Verringerung
dieser strahlungsinduzierten Zersetzungen ist eine Abschirmung mit
einem Gasstrahl vorgesehen, durch die der Aufbau jedoch nachteilig
verkompliziert wird. Neben Ethanol werden gemäß WO 97/40650 Ammoniak, Wasser
oder fluorhaltige Flüssigkeiten
als Targetmaterial verwendet. Um einem weiteren generellen Nachteil
herkömmlicher
flüssiger
Targetmaterialien, nämlich
der erschwerten Tropfenbildung in Folge geringer Viskosität, zu begegnen,
wird in WO 97/40650 vorgeschlagen, das Targetmaterial in Form eines
dünnen Strahls
in die Kammer der Röntgenquelle
einzuführen.
Allerdings wird auch bei dieser Technik monomeres Targetmaterial
verwendet, so dass es zu den oben genannten Problemen durch strahlungsinduzierte
Zersetzungen von Niederschlägen
kommt. Die Verwendung von Wasser als Targetmaterial ist auch aus
US 6 377 651 bekannt. In
US 6 324 255 wird vorgeschlagen,
Stickstoff, Kohlendioxid, Krypton oder Xenon als Targetmaterial
zu verwenden.
-
Von L. Malmqvist et al. wird in "Appl.
Phys. Lett." Band 68, 1996, Seite 2627–2629 die Verwendung fluorierter
Kohlenwasserstoffverbindungen (CnFm) vorgeschlagen. Diese sind zwar gut an
die Generierung von Fluor-Linien (λ ≈ 1–2 nm) angepasst, besitzen
jedoch auch mehrere Nachteile. Erstens besitzen die sogenannten
Perfluor-Kohlenwasserstoffe einen hohen Dampfdruck, der die Bildung eines
Flüssigkeitsstrahls
und das Auffangen des Targetmaterials nach der Plasmaanregung erschwert. Bspw.
beträgt
der Dampfdruck von Perfluorpentan bei 0°C schon 0.3 bar. Des Weiteren
ist insbesondere bei Anwendungen im Bereich der Röntgenspektroskopie
auch die Generierung weiterer, langwelligerer Linien, wie z. B.
die Generierung von Kohlenstoff-Emissionen von Interesse. Hierfür werden
bisher jedoch Alkohole als Target verwendet (Rymell et al., siehe
oben).
-
Die Aufgabe der Erfindung ist es,
ein verbessertes Targetmaterial zur plasma-basierten Röntgenstrahlerzeugung
(insbesondere weiche Röntgenstrahlung
oder extreme W-Strahlung) bereitzustellen, mit dem die Nachteile
herkömmlicher
Targetmaterialien überwunden
werden. Das Targetmaterial soll insbesondere die herkömmlichen
Probleme bei der Tropfenbildung und beim Auffangen des Targetmaterials
lösen und
die Erzeugung von Verunreinigungen vermeiden. Eine weitere Aufgabe
der Erfindung ist es, ein verbessertes Verfahren zur Erzeugung von Röntgenstrahlung
bereitzustellen, mit dem die Nachteile der herkömmlichen Techniken überwunden
werden. Schließlich
ist es auch eine Aufgabe der Erfindung, eine verbesserte Röntgenquelle
bereitzustellen, die unter Verwendung des erfindungsgemäßen Targetmaterials
betrieben wird.
-
Diese Aufgaben werden durch ein Targetmaterial,
ein Verfahren und eine Röntgenquelle
mit den Merkmalen gemäß den Patentansprüchen 1,
10 und 20 gelöst.
Vorteilhafte Ausführungsformen
und Anwendungen der Erfindung ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
-
Eine Grundidee der Erfindung ist
es, ein Targetmaterial zur Erzeugung weicher Röntgenstrahlung bereitzustellen,
das aus einer Kohlenwasserstoffverbindung besteht, die mindestens
ein bei Raumtemperatur flüssiges
Polymer umfasst. Die Verwendung flüssiger, polymerer Kohlenwasserstoffverbindungen
besitzt eine Reihe von Vorteilen in Bezug auf die Bereitstellung
des Targetmaterials in einer Röntgenquelle,
die Vermeidung von Verunreinigungen und den Aufbau der Röntgenquelle,
wie im Folgenden dargestellt wird.
-
Erstens ist das erfindungsgemäße Targetmaterial
schwer flüchtig.
Schwer flüchtige
Substanzen können
besonders einfach aus einer Vakuumkammer, in der das Plasma zur
Strahlungserzeugung angeregt wird, entfernt werden. Die Substanzen
können
direkt als Flüssigkeit
in einer Falle aufgefangen und dort unter ihrem eigenen Dampfdruck
abgeschieden werden. Ein weiteres Vakuumsystem zur Evakuierung der
Falle ist nicht zwingend erforderlich, so dass der Aufbau der Röntgenquelle
erheblich vereinfacht wird.
-
Zweitens werden durch das erfindungsgemäße Targetmaterial
Erosionsschäden
in der Vakuumkammer vermindert. Die Erfinder haben festgestellt,
dass Erosionsschäden
durch ein Zusammenwirken der Gasatmosphäre, die sich durch den Dampfdruck
eines flüssigen
Targets immer ausbildet, und der generierten Röntgenstrahlung auftreten können. Durch
die Strahlung werden in der Gasatmosphäre vorliegende Targetmoleküle ionisiert.
Die Ablagerung der Ionen auf Oberflächen in der Vakuumkammer, z.
B. auf Düsen
zur Einbringung des Targetmaterials, bewirken eine Plasmaätzung, durch
die das jeweilige Material erodiert wird. Das erfindungsgemäß polymere
Targetmaterial ist schwer flüchtig, so
dass die Teilchenkonzentration in der Gasatmosphäre und mögliche Erosionsschäden minimiert
werden.
-
Drittens ist der Niederschlag von
polymerem Targetmaterial in der Vakuumkammer unkritisch. Aus den
Polymeren entstehen bei strahlungsinduzierter Zersetzung leicht
flüchtige
Produkte, die ohne Weiteres aus der Vakuumkammer abgepumpt werden
können.
Ein Targetmaterial-Niederschlag kann erfindungsgemäß sogar
als Schutzfilm auf Komponenten der Vakuumkammer wirken, der verhindert,
dass hochenergetische Polymerfragmente direkt auf die Komponenten
gelangen, und ggf. bei einer Reinigung leicht entfernt werden kann.
-
Schließlich verbessern flüssige Polymere
die Strahl- und Tropfenerzeugung in der Röntgenquelle. Ein durchgehender
Strahl oder eine Tropfenfolge aus dem erfindungsgemäßen Targetmaterial
ist über mehrere
Millimeter stabil.
-
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der
Erfindung weist das flüssige
Polymer mindestens eine Etherbindung zwischen Kohlenstoffatomen
auf. Durch die Verwendung eines Kohlenwasserstoffs mit mindestens
einer Etherbindung (oder Sauerstoffbrücke) werden Vorteile erzielt,
die sich ebenfalls auf alle Phasen der plasma-basierten Erzeugung von Röntgenstrahlung
positiv auswirken. Die Sauerstoff-Brückenverbindungen zwischen Kohlenstoffatomen
sind frei drehbar. Dies bewirkt eine hohe molekulare Flexibilität (oder:
niedrige Viskosität)
des Targetmaterials. Die niedrige Viskosität wirkt sich vorteilhaft sowohl
auf die Tropfenbildung als auch auf den Zerfall in niedermolekulare
Bestandteile nach der Plasmaanregung aus. Des Weiteren bewirkt die
Zusammensetzung des Targetmaterials insbesondere aus Fluor, Kohlenstoff
und Sauerstoff einen erweiterten Einsatzbereich des Targetmaterials.
Es wird ein universelles Target für verschiedene Anwendungen
bereitgestellt.
-
Besonders vorteilhaft ist es, wenn
als Targetmaterial ein bei Raumtemperatur (rd. 20°C) flüssiges Polymer
verwendet wird, das mindestens einen partiell fluorierten oder perfluorierten,
polymeren Kohlenwasserstoffether umfasst. Die teilweise oder vollständige Fluorierung
des Polymers fördert
die Bildung leicht flüchtiger
Zersetzungsprodukte bei Röntgenbestrahlung.
-
Vorzugsweise wird als Targetmaterial
ein Perfluorpolyether (PFPE) oder eine Mischung aus mehreren Perfluorpolyethern
verwendet. PFPE-Verbindungen sind hochmolekular, wodurch die Strahl- und
Tropfenerzeugung weiter begünstigt
wird. Des Weiteren zersetzen sie sich durch Aufbrechen von Sauerstoff-Brücken bei
Energiezufuhr, insbesondere nach Anregung des Plasmazustandes in
leicht flüchtige
Verbindungen, die leicht abgepumpt werden können. Dadurch werden Ablagerungen
und Verschmutzungen, insbesondere an optischen Komponenten in der
Röntgenquelle
vermieden. Mit der Erfindung werden vorteilhafterweise die teuren
und empfindlichen Röntgenoptiken
geschützt.
Nicht zersetzte Reste des Targetmaterials können besonders einfach auch
im Vakuum ohne besondere Vorkehrungen zur Kondensation aufgefangen
werden.
-
Gemäß bevorzugten Ausführungsformen
der Erfindung besitzt das Targetmaterial einen Dampfdruck, der bei
Raumtemperatur geringer als 10 mbar, vorzugsweise geringer als 1
mbar, z. B. 10–6 mbar, ist, ein Molekulargewicht
größer als
100 g/mol, vorzugsweise größer als
300 g/mol, z. B. im Bereich 400 bis 8000 g/mol, und/oder bei Raumtemperatur
eine Viskosität,
die im Bereich von 1 bis 1800 cS gewählt ist. Die Massendichte des
Targetmaterials liegt vorzugsweise im Bereich von 1.5 bis 2.5 g/mol,
z. B. 1.8 bis 1.9 g/mol. Durch diese, ggf. in Kombination bereitgestellten
Parameter wird die Tropfenbildung des Targetmaterials und das Auffangen
von Materialresten nach der Plasmaanregung verbessert.
-
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung
ist ein Verfahren zur Erzeugung von weicher Röntgenstrahlung, bei dem das
oben charakterisierte Targetmaterial in Strahl- oder Tropfenform
verwendet wird.
-
Die Bestrahlung des Targetmaterials
erfolgt gemäß einer
bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
in einer Umgebung bei einem Druck, der größer als der Gasdruck des bei der
Bestrahlung freigesetzten Materials ist. Durch die Erhöhung des
Druckes in der Vakuumkammer auf den Dampfdruck des Targetmaterials
wird eine lokale Übersättigung
bei der Plasmaerzeugung und damit eine Tröpfchenbildung in der Vakuumkammer
vermieden. In diesem Fall verbleibt das freigesetzte Gas größtenteils
in der Gasphase. Die Abführung
aus der Vakuumkammer erfolgt durch Pumpen. Vorteilhafterweise werden
somit an die Vakuumbedingungen in der Kammer einer Röntgenquelle
verminderte Anforderungen gestellt, so dass das Verfahren mit geringerem
gerätetechnischem
Aufwand durchgeführt
werden kann.
-
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung
ist eine Röntgenquelle,
die unter Verwendung des oben charakterisierten Targetmaterials
betrieben wird. Die Röntgenquelle
zeichnet sich insbesondere durch mindestens eine Heizeinrichtung
aus, mit der zumindest Teile der Vakuumkammer temperierbar sind.
Mit der Heizeinrichtung ist der Dampfdruck des Targetmaterials höher als
der Druck des Gases einstellbar, das durch die Bestrahlung des Targetmaterials
freigesetzt wird. Durch eine Temperaturerhöhung kann der Dampfdruck erhöht werden,
was Vorteile für
den Aufbau der Vakuumeinrichtung und die Verminderung von Niederschlägen liefert.
-
Wenn die Röntgenquelle mit einer in der
Vakuumkammer angeordneten Bestrahlungsoptik zur Bestrahlung des
Targetmaterials ausgestattet ist, kann es von Vorteil sein, eine
Heizeinrichtung mit der Bestrahlungsoptik zu verbinden, so dass
auf dieser Niederschläge
des Targetmaterials vermieden werden. Durch Erhöhung der Effektivität der Bestrahlung und
Plasmaerzeugung steigt der Wirkungsgrad der Röntgenquelle. Wenn die Bestrahlungsoptik
außerhalb
der Vakuumkammer angeordnet ist, kann vorteilhafterweise auf eine
gesonderte Heizeinrichtung an der Bestrahlungsoptik verzichtet werden.
Es ergibt sich ein vereinfachter Aufbau der Röntgenquelle.
-
Gemäß einer weiteren bevorzugten
Ausführungsform
der Erfindung ist die Röntgenquelle
mit einer Sammeleinrichtung zum kühlmittelfreien Auffangen von
Targetmaterialresten ausgestattet. Die erfindungsgemäße Röntgenquelle
besitzt den Vorteil eines vereinfachten Aufbaus. Durch die Stabilität des Strahls
oder der Tropfenfolge des Targetmaterials wird die Justierung einer
Bestrahlungseinrichtung zur Anregung des Plasmazustands vereinfacht.
Durch den Einsatz einer einfachen Vakuumanlage und die Vermeidung
einer aufwendigen Kühleinrichtung
ist die Röntgenquelle
als mobiles Gerät
für einen
erweiterten Anwendungsbereich in Laboratorien und in der Industrie
geeignet.
-
Gemäß einer bevorzugten Anwendung
der Erfindung wird die Röntgenquelle
mit einer Röntgenlithographieeinrichtung,
z. B. zur Strukturierung von Halbleiteroberflächen kombiniert. Hierbei kann
die Röntgenlithographieeinrichtung
in der Vakuumkammer in unmittelbarer Nähe des Ortes der Röntgenstrahlungserzeugung
angeordnet werden. Dies ist im Unterschied zu den herkömmlichen
Systemen wegen der geringen Tröpfchenbildung
und verminderten Niederschläge
des erfindungsgemäß verwendeten Targetmaterials
erstmalig möglich.
Die Röntgenquelle
kann umgekehrt direkt in eine Röntgenlithographieeinrichtung
integriert werden. Vorzugsweise ist die Röntgenlithographieeinrichtung
mit einer eigenen Heizeinrichtung ausgestattet, so dass ggf. auftretende
Rest-Niederschläge leicht
in die Gasphase überführt und
abgepumpt werden können.
-
Gemäß einer abgewandelten Ausführungsform
der Erfindung kann die Vakuumkammer der Röntgenquelle mit einer zusätzlichen
Vakuumkammer kombiniert werden, die die Röntgenlithographieeinrichtung
enthält.
Durch den vereinfachten Aufbau der erfindungsgemäßen Röntgenquelle können beide
Vakuumkammern auf engem Raum angeordnet werden.
-
Die erfindungsgemäße Röntgenquelle besitzt den besonderen
Vorteil, dass Röntgenstrahlung (oder
entsprechend Strahlung im fernen UV-Bereich) bei dauerhaftem Betrieb
erzeugt werden kann. Die Anlage kann praktisch ununterbrochen (z.
B. über
Tage) arbeiten, was besonders wichtig für industrielle Anwendungen
der Röntgenquelle
ist.
-
Weitere Einzelheiten und Vorteile
der Erfindung werden im Folgenden unter Bezug auf die beigefügten Zeichnungen
beschrieben. Es zeigen:
-
1 und 2: Strukturformeln zur Charakterisierung
des erfindungsgemäß verwendeten
Targetmaterials, und
-
3 bis 6: schematische Darstellungen von
Ausführungsformen
einer erfindungsgemäßen Röntgenquelle.
-
Das erfindungsgemäß in einer Plasma-Röntgenquelle
verwendete Targetmaterial basiert vorzugsweise auf einer bei Raumtemperatur
flüssigen, polymeren
Kohlenwasserstoffverbindung, insbesondere mit mindestens einer Etherbindung.
Ein Baustein einer derartigen Kohlenwasserstoffverbindung ist beispielhaft
in 1 illustriert. Es
wird betont, dass die Umsetzung der Erfindung nicht auf die illustrierten
Beispiele beschränkt
ist. Alternativ zu fluorierten Polyethern können erfindungsgemäß allgemein auch
nicht-fluorierte Polymere, Gemische aus fluorierten und nicht-fluorierten Polymeren
oder Polymere mit einem geringem Lösungsmittel-Anteil (kleiner als
20 Vol.-%) verwendet werden. Ferner kann die Fluorierung zumindest
teilweise durch eine andere Halogenierung, insbesondere eine Chlorierung
ersetzt werden.
-
Das in 1 beispielhaft
gezeigte Targetmaterial besteht aus einer Vielzahl derartig oder
entsprechend aus C, F, O und ggf. H aufgebauten Bausteinen, so dass
ein schwerflüchtiges
Polymer gebildet wird. Die Verwendung des schwerflüchtigen
Polymers vermindert vorteilhafterweise die Anforderungen an das
Vakuumsystem einer Röntgenquelle.
-
Das Targetmaterial bildet insbesondere
einen partiell oder perfluorierten Polyether (PFPE) oder eine Mischung
aus mehreren partiell fluorierten oder perfluorierten Polyethern.
Ein Perfluorpolyether ist beispielhaft in 2 illustriert. Zu dieser Substanzklasse
gehören
auch die PFPE-Verbindungen FOMBLIN (registrierte Marke) und GALDEN
(registrierte Marke).
-
In 3 ist
ein Beispiel einer erfindungsgemäßen Röntgenquelle
schematisch illustriert. Die Röntgenquelle
umfasst eine Targetquelle 10, die mit einer temperierbaren
Vakuumkammer 20 verbunden ist, eine Bestrahlungseinrichtung 30 und
eine Sammeleinrichtung 40. Die Targetquelle 10 umfasst
ein Reservoir 11 für
das Targetmaterial, eine Zufuhrleitung 12 und eine Düse 13 (oder:
eine Tröpfchenkanone 13,
siehe 4). Mit einer
(nicht dargestellten) Betätigungseinrichtung,
die bspw. eine Pumpe oder eine piezoelektrische Fördereinrichtung
umfasst, wird Targetmaterial zur Düse oder Tröpfchenkanone 13 geführt und
von dieser in Form eines Flüssigkeitsstrahls
oder in Form von Tropfen 50 abgegeben und in die Vakuumkammer 20 injiziert.
-
Die Bestrahlungseinrichtung 30 umfasst
eine Strahlungsquelle 31 und eine Bestrahlungsoptik 32, mit
der Strahlung von der Strahlungsquelle 31 auf das Targetmaterial 50 fokussierbar
sind. Die Strahlungsquelle 31 ist bspw. ein Laser, dessen
Licht ggf. mit Hilfe von Umlenkspiegeln (nicht dargestellt) hin zum
Targetmaterial gelenkt wird. Alternativ kann als Bestrahlungseinrichtung
eine Ionenquelle oder eine Elektronenquelle vorgesehen sein, die
mit in der Kammer 20 angeordnet ist.
-
Die Sammeleinrichtung 40 umfasst
einen Aufnehmer 41 z. B. in Form eines Trichters oder einer Kapillare,
der Targetmaterial, das nicht unter Einwirkung der Bestrahlung verdampft
ist, aus der Vakuumkammer entfernt und in einen Sammelbehälter 42 leitet.
Wegen der Verwendung des flüssigen
Polymers als Targetmaterial kann die gesammelte Flüssigkeit vorteilhafterweise
ohne weitere Maßnahmen
im Sammelbehälter 42 aufgefangen
werden. Um ggf. die Gefahr eines Rückstroms von gesammeltem Targetmaterial
in die Vakuumkammer 20 zu vermeiden, kann eine Kühlung des
Sammelbehälters 42 mit
einer Kühleinrichtung
(nicht dargestellt) und/oder eine Vakuumpumpe (nicht dargestellt)
vorgesehen sein.
-
Die Vakuumkammer 20 umfasst
ein Gehäuse 21 mit
mindestens einem ersten Fenster 22, durch das das Targetmaterial 50 bestrahlbar
ist, und mindestens einem zweiten Fenster 23, durch das
die generierte Röntgenstrahlung
austritt. Das zweite Fenster 23 ist optional vorgesehen,
um die generierte Röntgenstrahlung
aus der Vakuumkammer 20 für eine bestimmte Anwendung
auszukoppeln. Falls dies nicht erforderlich ist, kann auf das zweite
Fenster 23 verzichtet werden (siehe unten). Die Vakuumkammer 20 ist
ferner mit einer Vakuumeinrichtung 24 verbunden, mit der
in der Kammer 20 ein Unterdruck erzeugt wird. Dieser Unterdruck
liegt vorzugsweise unterhalb von 10–5 mbar.
Die Bestrahlungsoptik 32 ist ebenfalls in der Vakuumkammer 20 angeordnet.
-
Die Vakuumkammer 20 ist
mit einer Heizeinrichtung 60 ausgestattet, die einen oder
mehrere Thermostaten 61 bis 63 umfasst. Mit den
Thermostaten sind das Gehäuse 21,
der Aufnehmer 41 und/oder die Bestrahlungsoptik 32 temperierbar.
Ggf. kann auch die Targetquelle 10 temperiert werden. Ein Thermostat
umfasst beispielsweise eine an sich bekannte Widerstandsheizung.
-
Die mit der Heizeinrichtung 60 eingestellte Temperatur
wird so gewählt,
dass der Dampfdruck des Targetmaterials den Gasdruck übersteigt,
der durch Bestrahlung des Targetmaterials 50 mit der Bestrahlungseinrichtung 30 gebildet
wird. Dadurch wird erfindungsgemäß eine Übersättigung
der Gasphase in der Vakuumkammer vermieden. Das freigesetzte Polymer
bleibt gasförmig
und kann nahezu quantitativ mit der Vakuumeinrichtung 24 abgepumpt
werden.
-
Das zweite Fenster 23 besteht
aus einem für weiche
Röntgenstrahlung
transparenten Fenstermaterial, z. B. aus Beryllium. Wenn das zweite
Fenster 23 vorgesehen ist, kann sich eine evakuierbare
Bearbeitungskammer 26 anschließen, die mit einer weiteren
Vakuumeinrichtung 27 verbunden ist. In der Bearbeitungskammer 26 kann
die Röntgenstrahlung
zur Materialbearbeitung auf ein Objekt abgebildet werden. Es ist
bspw. eine Röntgenlithographieeinrichtung 70 vorgesehen,
mit der die Oberfläche
eines Halbleitersubstrats bestrahlt wird. Die räumliche Trennung der Röntgenquelle
in der Vakuumkammer 20 und der Röntgenlithographieeinrichtung 70 in
der Bearbeitungskammer 26 besitzt den Vorteil, dass das zu
bearbeitende Material nicht Ablagerungen von verdampftem Targetmaterial
ausgesetzt wird.
-
Die Röntgenlithographieeinrichtung 70 umfasst
bspw. einen Filter 71 zur Selektion der gewünschten
Röntgen-Wellenlänge, eine
Maske 72 und das zu bestrahlende Substrat 73.
Zusätzlich
können
Abbildungsoptiken (bspw. Spiegel) vorgesehen sein, um die Röntgenstrahlung
auf die Einrichtung 70 zu lenken.
-
Bei der abgewandelten Ausführungsform
der Erfindung gemäß 4 ist die Röntgenlithographieeinrichtung 70 in
der Vakuumkammer 20 angeordnet. Zur Vermeidung von Niederschlägen ist
die Einrichtung 70 ebenfalls mit einem Thermostaten 64 verbunden.
Des Weiteren illustriert 4 die
Verwendung einer Tropfenkanone 13 anstelle der oben genannten Düse, wobei
mit der Tropfenkanone eine Tropfenfolge erzeugt wird.
-
Wenn die Bestrahlungsoptik 32 gemäß 5 außerhalb der Vakuumkammer 20 angeordnet wird,
kann vorteilhafterweise auf eine gesonderte Temperierung verzichtet
werden. In diesem Fall muss allerdings das Fenster 22 ausreichend
stabil in Bezug auf die zumindest teilweise fokussierte und ggf.
hochrepetierende Strahlung der Strahlungsquelle 31 sein.
Des Weiteren wird bei dieser Ausführungsform das Targetmaterial 50 relativ
dicht (z. B. im Abstand von wenigen cm) am Fenster 22 vorbeigeführt. Auch
bei dieser Ausführungsform
kann eine Tröpfchenkanone
anstelle der illustrierten Düse 13 verwendet
werden.
-
Wenn flüssige Polymere als Targetmaterial verwendet
werden, deren Dampfdruck so hoch ist, dass eine Temperierung des
Gehäuses
21 nicht
erforderlich ist, so sollten dennoch empfindliche Komponenten der
Vakuumkammer 20, wie z. B. die Abbildungsoptik 32 oder
die Einrichtung 70 geheizt werden. Diese Ausführungsform
der Erfindung ist in 6 illustriert.
Durch die lokale Heizung wird vorteilhafterweise erreicht, dass
das bei der Bestrahlung freigesetzte Targetmaterial bevorzugt auf
den kälteren
Wänden
des Gehäuses 21 abgesetzt
wird. Die empfindlichen, für
die jeweilige Anwendung wichtigen Komponenten werden geschont.
-
Zur erfindungsgemäßen Generation von Röntgenstrahlung
werden mit der Targetquelle 10 ein Strahl oder Tropfen
des Targetmaterials 50 erzeugt. Der Durchmesser des Strahls
oder der Tropfen beträgt
bspw. 10 μm
bis 0.1 mm. Die Strecke, die das Targetmaterial 50 im Vakuum
zurücklegt,
beträgt
typischerweise einige mm bis einige cm. Es wird bspw. eine Tropfenfolge
von 104 Tropfen je Sekunde generiert. Die
Tropfen 50 werden mit der Bestrahlungseinrichtung 30 in
an sich bekannter Weise bestrahlt. Die Bestrahlung erfolgt fokussiert
mit einer derartigen Intensität,
dass das Targetmaterial in einen Plasmazustand überführt wird. Im Plasmazustand
wird weiche Röntgenstrahlung
emittiert und zur ggf. jeweiligen Anwendung durch das zweite Fenster 23 ausgekoppelt.
-
Bei Verwendung hochrepetierender
Laser als Strahlungsquelle kann eine intensive Röntgenstrahlung mit einer Ausgangsleistung
im Bereich von rund 1 W bereitgestellt werden. Die Röntgenstrahlung
umfasst einen Wellenlängenbereich
von bis zu ungefähr
15 nm. Vorteilhafterweise werden insbesondere die Ka-Linie mit λ = 3.37 nm,
F-Linien mit λ =
0.7 nm bis 1.7 nm und die O-Linie mit λ = 13 nm emittiert. Besonders
vorteilhaft ist, dass die Kohlenstoff-Ka-Linie unter Vermeidung störender Graphitablagerungen
generiert werden kann. In der Röntgenmikroskopie
ist die Ka-Linie von starkem Interesse, da diese in das sogenannte
"Wasserfenster" fällt, in
dem keine Röntgenabsorption
durch Wasser auftritt. Durch die dauerhafte Vermeidung von Erosionen und Ablagerungen
ist die erfindungsgemäße Röntgenquelle
für röntgenmikroskopische
und -lithographische Anwendungen hervorragend geeignet. Ein weiterer
Vorteil ist durch die Miniaturisierung des Aufbaus gegeben. Die
Einrichtung 70 (siehe 4)
kann in unmittelbarer Nähe
des Fokus der Bestrahlungseinrichtung 30 angeordnet werden.
-
Die erfindungsgemäße Röntgenquelle wird bspw. mit
den folgenden Parametern betrieben. Es wird mit der Bestrahlungseinrichtung 30 dem
Targetmaterial pulsförmig
eine Energie von 100 μJ
pro Bestrahlungspuls (z. B. Laserschuss) zugeführt. Bei einer Pulsrate von
10 kHz wird eine Ausgangsleistung von 1 W erreicht. Falls pro, Puls
ein Volumen aus dem Targetstrahl verdampft wird, das einem Würfel der
Kantenlänge
20 μm entspricht,
wird bei einer Dichte von z. B. 2 g/ml des Targetmaterials pro Puls eine
Masse von 2·10–8 g
verdampft. Bei der genannten Anregungsrate ergibt sich eine freigesetzte
Masse von 2·10–9 g/s.
Bei einer Molmasse von 1000 g/mol ergibt sich eine Gasmenge von
2·10–7 mol/s,
die mit einer Sauggeschwindigkeit von rund 1000 1/s zur Aufrechterhaltung
eines Vakuums von rund 5·10–6 mbar
abgeführt
wird. Der Dampfdruck des Materials (z. B. 10–5 mbar)
wird (ggf. durch Temperieren) so gewählt, dass er den Kammerdruck
leicht übersteigt,
so dass die oben genannte Tröpfchenbildung
durch Übersättigung
vermieden wird.
-
Wegen der geringen Flüchtigkeit
des erfindungsgemäß verwendeten
Materials kann die Sammeleinrichtung 40 vorteilhafterweise
ohne ein Kühlmittel
und ohne eine Kühleinrichtung
betrieben werden. Es ist insbesondere nicht erforderlich, dass eine sogenannte
Kryofalle oder ein Abscheider zum Kondensieren von Restmaterialien
vorgesehen ist. Der Aufnehmer 41 und der Sammelbehälter 42 sind
direkt miteinander verbunden.
-
Die nicht von der Sammeleinrichtung 40 erfassten
Restmaterialien sind vorteilhafterweise leicht flüchtige Komponenten,
die mit der Vakuumeinrichtung 24 aus der Kammer 20 entfernt
werden können. Die
Vakuumeinrichtungen 24, 27 umfassen bspw. Drehschieber-Ölpumpen.
-
Bevorzugte Anwendungen der erfindungsgemäßen Röntgenquelle
bestehen in der analytischen Chemie, in der Röntgenmikroskopie, in der Röntgenlithographie
und in der Kombination mit weiteren spektroskopischen Messverfahren,
wie z. B. der fs-Spektroskopie.
-
Die Verwendung des erfindungsgemäßen Targetmaterials
ist nicht auf Röntgenquellen
mit freien Strahl- oder Tropfenquellen beschränkt, sondern auch bei anderen
geometrischen Targetformen möglich.