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Die
vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung
zur Verschleißerkennung
an Komponenten eines Fahrzeugs gemäß dem Oberbegriff der Patentansprüche 1 und
8. Insbesondere betrifft die vorliegende Erfindung eine Vorrichtung
und ein Verfahren zur Bremsbelagsverschleißerkennung bei Kraftfahrzeugen.
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Verschleißerkennung
wird in Kraftfahrzeugen üblicherweise
durch den Einbau entsprechender Sensorik realisiert. Die Sensoren
haben dabei die Aufgabe vor Ort den Verschleiß eines Bauteils oder den Verbrauch
einer Flüssigkeit
ausreichend genau zu messen und den erfassten Wert an ein elektronisches
Steuergerät
zur Auswertung weiterzuleiten. Hinsichtlich des Verschleißes von
Bremsbelägen
gibt es derzeit zwei übliche
Verfahren, den Kunden vor Folgeschäden zu bewahren. Eine erste
Methode basiert auf festen Inspektionsintervallen. Dabei wird beispielsweise
alle 40.000 km die Restdicke des Bremsbelags durch eine Sichtkontrolle überprüft. Belagsdicken
unter 3 mm werden als untere Verschleißgrenze behandelt. Diese Methode
hat den Nachteil, dass sie nicht auf die individuelle Fahrweise
der Kunden beziehungsweise auf die sich ändernden Fahrbedingungen eingeht.
Um alle Kunden vor möglichen Folgeschäden zu schützen, ist
es notwendig, die Inspektionsintervalle so zu verkürzen, dass
auch Kunden mit einem erhöhten
Bremsverschleiß von
der Maßnahme
abgedeckt werden. Diese Methode ist besonders nachteilig bei Komponenten,
bei denen keine Sichtkontrolle möglich
ist. Ein Beispiel hierfür ist
der Zahnriemen, der in festen Intervallen ausgetauscht werden muss,
unabhängig
davon, in welchem Zustand er sich befindet.
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Eine
zweite gängige
Möglichkeit
zur Kontrolle des Verschleißes
von Bremsbelägen
ist eine individuelle, kundengerechte Lösung, bei der die Dicke der
Bremsbeläge
absolut gemessen wird. Dazu sind zusätzliche Sensoren erforderlich,
die heutzutage mittels Kontaktfühler
umgesetzt sind. Diese Fühler wirken
aber nur im Endstadium der Lebensdauer des Belags und ermöglichen
keine Aussage über
den aktuellen Verschleißzustand,
da sie als Digitalschalter wirken. Werden hochwertige Sensoren implementiert,
beispielsweise für
die optische Messung der Restbelagsdicke, sind genaue Aussagen über den Verschleißzustand
möglich.
Darüber
hinaus könnten Vorhersagen über die
Restlebensdauer unter Berücksichtigung
der Fahrgewohnheiten durch diese direkte Messung getroffen werden.
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Nachteilig
wirkt in jedem Fall, dass der Einbau der Sensorik kostspielig und
meist sehr aufwändig
ist. Darüber
hinaus stehen den Systemen zur Auswertung nur wenig Daten und vielfach
in unzureichender Qualität
zur Verfügung.
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In
diesem Zusammenhang ist aus der gattungsbildenden Druckschrift
DE 43 16 993 A1 ein Verfahren
und eine Vorrichtung zur Bestimmung des Zustands einer Fahrzeugbremsanlage
bekannt. Dabei ist die Bremsbelagrestdicke und die Bremsscheibentemperatur
indirekt ohne Zuhilfenahme von entsprechenden Sensoren ermittelbar.
Vielmehr sind hier lediglich Sensoren vorgesehen, die verschiedene
Fahrzeugenergien zu bestimmen erlauben.
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Auch
die Druckschrift
DE
100 29 238 A1 zeigt ein Verfahren zur Überwachung der Stärke der Bremsbeläge einer
Fahrzeug-Bremsanlage. Dabei wird ausgehend von einer Anfangs-Stärke der Bremsbeläge ein anhand
eines Verschleißmodells festgestellter
Verschleiß subtrahiert.
Das Verschleißmodell
basiert auf einem Polynomansatz. Die Überwachung erfolgt für jedes
Rad des Fahrzeugs individuell.
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Des
Weiteren beschreibt die Druckschrift
DE 198 32 167 A1 ein elektromechanisches
Bremssystem. Die Verbindung zwischen einem Pedalmodul und mindestens
zwei Bremsmodulen sowie einem Zentralmodul erfolgt durch einen redundanten
Datenbus. Dadurch ist eine fehlertolerante Architektur gewährleistet.
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Die
Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht somit darin, die Verschleißerkennung
bei Kraftfahrzeugen zu verbessern beziehungsweise zu vereinfachen.
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Erfindungsgemäß wird diese
Aufgabe gelöst durch
eine Vorrichtung zur Verschleißerkennung
an Komponenten eines Fahrzeugs mit einer Signalverarbeitungseinrichtung
zur Aufnahme mehrerer Sensorsignale und zur Ausgabe einer Verschleißgröße bezüglich der
Fahrzeugkomponente auf der Grundlage von mindestens zwei Sensorsignalen,
wobei über die
Verschleißgröße kein
unmittelbares Sensorsignal verfügbar
ist, und die Verschleißgröße anhand
der mindestens zwei Sensorsignale mittels mindestens einer Übertragungsfunktion
indirekt ermittelbar ist, wobei die Signalverarbeitungseinrichtung
an mehrere verschiedene Datennetze unterschiedlichen Typs anschließbar ist,
und die mindestens zwei Sensorsignale von mindestens zwei der mehreren
verschiedenen Datennetze unterschiedlichen Typs stammend zur Ermittlung
der Verschleißgröße verwendbar
sind.
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Darüber hinaus
wird die vorliegende Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren zur Verschleißerkennung
an Komponenten eines Fahrzeugs mit einer Signalverarbeitungseinrichtung
zur Aufnahme mehrerer Sensorsignale und zur Ausgabe einer Verschleißgröße bezüglich der
Fahrzeugkomponente durch Erfassen von mindestens zwei Sensorsignalen
bezüglich
der Komponenten des Fahrzeugs und Berechnen einer Verschleißgröße für eine der
Komponenten aus den mindestens zwei Sensorsignalen, von denen keines
ein direktes Maß für den Verschleiß der Komponente
darstellt, mittels mindestens einer Übertragungsfunktion, wobei
die Signalverarbeitungseinrichtung an mehrere verschiedene Datennetze
anschließbar
ist und wobei die mindestens zwei Sensorsignale über mindestens zwei der mehreren
verschiedenen Datennetze unterschiedlichen Typs zur Ermittlung der
Verschleißgröße zur Verfügung gestellt
werden.
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Vorteilhafte
Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen. Grundsätzlich liegt
der vorliegenden Erfindung der Gedanke zugrunde, die zur Verschleißerkennung
notwendigen Vernetzungsdaten aus verschiedenen Datennetzen (CAN,
MOST, LIN) einem im Fahrzeug vorhandenen zentralen Diagnose-Rechner
in ausreichender Qualität und
Quantität
zur Verfügung
zu stellen. Die Daten sind Eingangssignale einer oder mehrerer spezieller Übertragungsfunktionen
zur Verschleißerkennung (Verschleiß-Algorithmen).
Das Ausgangssignal der Übertragungsfunktion
ermöglicht
dann genaue Rückschlüsse auf
die Verschleißsituation
eines Bauteils.
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Speziell
zur Bremsbelagsverschleißerkennung
bietet sich die Möglichkeit
zur Aufzeichnung geeigneter Fahrzeug-Manöverdaten (CAN-Daten) in dem
zentralen Diagnose-System des Fahrzeugs. Ein entsprechender Algorithmus
berechnet "on-line" und nach jedem Manöver die
aktuelle Verschleißenergie der
Bremsklötze
und vergleicht diese mit der gesamten Belagsenergie im ursprünglichen
Zustand. Das Verhältnis
aus beiden Energien ergibt den relativen Bremsbelagsverschleiß.
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Der
Vorteil der Verschleißerkennung
aus den ohnehin vorhandenen Vernetzungsdaten ist darin zu sehen,
dass der Einbau zusätzlicher
Sensorik entfallen kann, da der Informationsgehalt der Vernetzungsdaten
ausreicht, um vom realen Kundenfahrverhalten indirekt Rückschlüsse auf
die Verschleißsituation
der Bauteile zu ziehen.
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Speziell
hinsichtlich der Bremsbelagsverschleißerkennung kann eine modellbasierte
Diagnose zur Anwendung kommen. Ein derartiges Modell zur Bremsbelagsverschleißerkennung
ermittelt in einem zentralen Diagnose-System den aktuellen Verschleiß der Bremsbeläge, wobei
auch hier der Informationsgehalt der Vernetzungsdaten zur Ermittlung ausreicht.
Hierfür
werden alle relevanten Fahrzeug- und Manöverdaten von einem Datenbus
zyklisch in einer Datei aufgezeichnet und ausgewertet. Dieses Verfahren
ermöglicht
eine effiziente Diagnose und hilft dem Kunden, Analyse- beziehungsweise
Reparaturkosten zu sparen.
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Die
vorliegende Erfindung wird nun anhand der beigefügten Zeichnungen näher erläutert, in
denen zeigen:
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1 eine
Skizze zur Gewinnung von Vernetzungsdaten in einem Kraftfahrzeug;
und
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2 ein
Datenflussdiagramm zur Berechnung einer Verschleißgröße.
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Die
nachfolgend beschriebenen Ausführungsformen
stellen bevorzugte Ausführungsformen der
vorliegenden Erfindung dar.
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Die
elektrischen Komponenten eines Kraftfahrzeugs sind in der Regel über Bussystems
datentechnisch miteinander verbunden. So zeigt 1 ein Kraftfahrzeug 1,
das mit einem Diagnoserechner 2 ausgestattet ist. Der Diagnoserechner 2 sammelt
die über
die Bussysteme CAN, MOST, LIN, TTP etc. erhaltenen Daten von Steuergeräten beziehungsweise Sensoren.
Als typische Beispiele hierfür
seien die Steuergeräte
für den
Motor 3 und das Getriebe 4 genannt. Weitere Quellen
für Vernetzungsdaten
sind beispielsweise die Armaturenbrettinstrumentierung (Kombi) 5,
die elektronische Stabilitätssteuerung (ESP) 6 und
andere beliebige Steuerungssysteme (ECUx – Elektronic Control Unit) 7.
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Der
zentrale Diagnoserechner
2 zeichnet die zur Verschleißerkennung
notwendigen Daten x
1, ..., x
n in
einer "Manöverdatei" auf und berechnet
daraus "on-line" einen Verschleißgrad Y
des jeweiligen Bauteils. Der Verschleißgrad Y als Ausgangsgröße hängt in den
meisten Fällen
nicht nur von den Eingangssignalen x
1 ...
x
n sondern auch von einer oder mehreren Störgrößen z ab.
Eine derartige Störgröße z ist
in vielen Fällen
die Temperatur, die zur Berechnung der Ausgangsgröße Y entsprechend
berücksichtigt
werden muss. In vorteilhafter Weise erfolgt dies dadurch, dass die
Störgröße, im vorliegenden
Fall die Temperatur, mittels einer eigenen Übertragungsfunktion
(z)
für den
Verschleißgrad
Y additiv berücksichtigt wird.
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2 zeigt
symbolisch den Signalfluss zur Berechnung des Verschleißgrads Y
aus den Eingangssignalen x1, x2,
x3, ..., xn und
xp. Das Eingangssignal xp wird
zur Plausibilisierung der aufgezeichneten Daten verwendet und bestätigt somit
die Gültigkeit
der Daten in der "Manöverdatei".
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Die
Genauigkeit der Verschleißerkennung
ist unmittelbar von den gewählten Übertragungsfunktionen
h1 und h2 und damit
vom gewählten
technischen Ansatz abhängig.
So können
in das gewählte
Modell Größen wie
beispielsweise die Energie, Kräfte
etc. Eingang finden. Dabei unterscheidet man globale und lokale
Ansätze.
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Die
in 2 dargestellten Funktionen zur Berechnung des
Verschleißgrads
Y lassen sich wie folgt auch in vektorieller Schreibweise formulieren.
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Dabei
stellt der Verschleißgrad
Y die Summe aus dem Skalarprodukt aus der als Zeilenvektor formulierten Übertragungsfunktion
mit
dem als Spaltenvektor formulierten Eingangssignal
sowie
dem Skalarprodukt aus der als Zeilenvektor formulierten Übertragungsfunktion
mit
der Störgröße z als
Spaltenvektor dar. Vergleicht man den Verschleißgrad Y mit einem konstanten
Referenzwert R ergibt sich ein Verschleißmaß M zu M = Y / R. Somit lässt sich
beispielsweise der Verschleiß eines
Bremsbelags oder eines Kupplungsbelags auf der Basis von Eingangssignalen
ermitteln, die keinen unmittelbaren Bezug zu den aktuellen Belagsdicken
besitzen.
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Speziell
im Hinblick auf den Verschleiß von Bremsbelägen kann
der Verschleiß aus
Geschwindigkeitssignalen und dergleichen als Eingangsgröße mit einer
geeigneten Übertragungsfunktion
berechnet werden. Hierzu wird die Bremsverteilung zwischen Vorder-
und Hinterachse durch die Elektronische Bremskraft (EBV), die in
die ESP als Funktion integriert ist, als eine Eingangsgröße erfaßt. Ferner geht
man davon aus, dass die Bremsanlage unter Normalbedingungen aufgrund
der vorgegebenen Belagsdicke eine bestimmte Bremsenergie aufbringen kann.
Bei jedem Bremsvorgang wird ein Anteil dieser Energie verbraucht.
Die Energie jedes Bremsmanövers
EBremsmanöver wird
festgehalten und addiert, so dass man permanent Kenntnis darüber hat,
welche Bremsenergie EBremse-ist vom Fahrzeug
bislang geleistet worden ist.
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Der
aktuelle Verschleiß ergibt
sich aus dem Quotienten von EBreme-ist und
EBremse-theoretisch, wobei EBremse-theoretisch den
Gesamtenergiebetrag einer neuwertigen Bremsanlage darstellt.
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Zur
Berechnung des Verschleißmaßes M bedarf
es somit noch der exakten Auswertung eines jeden einzelnen Bremsmanövers. Dazu
wird zunächst die
theoretische Bremsenergie E
Bremse-theoretisch eines einzelnen
Bremsmanövers
vom Beginn der Bremsung bis zu deren Ende wie folgt berechnet:
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Diese
theoretische Bremsenergie stellt somit die kinetische Energiedifferenz
des Kraftfahrzeugs dar, wobei m der Masse des Kraftfahrzeugs, v
1 der Geschwindigkeit des Kraftfahrzeugs
zu Beginn des Bremsvorgangs und v
2 der Geschwindigkeit
des Kraftfahrzeugs am Ende des Bremsvorgangs entspricht. Diese theoretische
Bremsenergie eines Bremsmanövers
muss anhand von Korrekturfaktoren den tatsächlichen Umgebungsbedingungen
wie Berg-auf/ab-fahrt, Temperaturzustand der Bremse, Beladungszustand
usw., angepasst werden. Dies erfolgt durch eine Multiplikationskonstante
k.
mit
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Alternativ
zu dieser dargestellten Methode kann der Ansatz ebenso anhand der
verrichteten Arbeit aufgestellt werden. Diese Alternative hätte den Vorteil,
dass man über
den vorhandenen Bremsdruck pBremse sehr
genau über
die Bremsanlagengeometrie die Bremskraft ermitteln kann und anhand
eines Korrelationsfaktors und der Winkelbewegung der Bremsscheibe
die Arbeit berechnen kann.
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In
jedem Fall ist das Verschleißmaß M, das sich
aus dem Energie- oder Arbeitsansatz ergibt, allenfalls eine Nährungsgröße für den tatsächlichen Verschleiß der Bremsanlage.
Es ist jedoch ein sehr guter Anhaltspunkt, der von der Qualität der Aussage zwischen
der Methode der unmittelbaren Belagsmessung und der Methode der
rein zeitlichen Vorhersage liegt. Insbesondere wird durch das erfindungsgemäße Verfahren
die individuelle Fahrweise und der individuelle Einsatz eines einzelnen
Fahrzeugs berücksichtigt,
um den Zustand der jeweiligen Komponente zu ermitteln.
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Ein
weiterer Anwendungsbereich zur Ermittlung eines Verschleißes aus
einer Manöverdatei wäre beispielsweise
die Abnutzung von Reifen.