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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb eines Audiosystems eines Fahrzeuges, wobei mittels des Audiosystems Audioinhalte in zumindest einem Innenraumbereich des Fahrzeuges ausgegeben werden.
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Aus der
EP 2 611 213 B1 ist ein Verfahren zum einzelnen Mischen eines ersten Audiosignals und eines zweiten Audiosignals in zwei Wiedergabezonen eines Fahrzeuges bekannt. Das Verfahren umfasst Folgendes:
- - Empfangen des ersten Audiosignals und des zweiten Audiosignals,
- - Bestimmen einer Lautstärke des ersten Audiosignals auf Grundlage eines psychoakustischen Modells eines menschlichen Gehöres,
- - Erstellen von Typinformationen des zweiten Audiosignals, und
- - einzelnes Auswählen für jede der zwei Wiedergabezonen des Fahrzeuges, eines Mischmodus abhängig von den Typinformationen des zweiten Audiosignals, wobei der Mischmodus ein Verhältnis zwischen Signalausgangsverstärkung des ersten und zweiten Audiosignals betrifft,
- - einzelnes Mischen zur Wiedergabe, in jeder der zwei Wiedergabezonen, des ersten und des zweiten Audiosignals auf Grundlage des ausgewählten Mischmodus und auf Grundlage der bestimmten Lautstärken.
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Darüber hinaus beschreibt die
EP 3 393 141 B1 Verfahren zur Regelung einer Einstellung zur einzelnen Lautstärkeregelung zum Abspielen eines Audiosignals in einem Fahrzeugaudiosystem, das eine Vielzahl von Lautsprechern aufweist. Das Fahrzeugaudiosystem weist ein Audiosignalverarbeitungssystem und ein System zur Verarbeitung von einzelnen Klangzonen für eine Vielzahl von Klangzonen in dem Fahrzeug auf. Dabei umfasst das Verfahren die Schritte: Anwenden einer Masterlautstärkeregelungseinstellung auf das Audiosignal; Trennen des Audiosignals in Nieder-, Mittel- und Hochfrequenzkomponenten; Leiten der Niederfrequenzkomponente zu einer Monokonfiguration; Leiten der Mittel- und Hochfrequenzkomponenten zu einer Stereokonfiguration; Anwenden einer unabhängig definierten Einstellung zur einzelnen Lautstärkeregelung zu jeder Klangzone in der Vielzahl von Klangzonen, wobei sich die Einstellung zur einzelnen Lautstärkeregelung von der Masterlautstärkeregelungseinstellung unterscheidet, wobei die Einstellung zur einzelnen Lautstärkeregelung eine Kopfstützenverstärkung und eine Bassverstärkung umfasst und der Schritt des Anwendens einer Einstellung zur einzelnen Lautstärkeregelung ferner die folgenden Schritte umfasst: Anwenden der Kopfstützenverstärkung auf die Stereokonfiguration; und Anwenden der Bassverstärkung auf die Monokonfiguration des Audiosignals zur Wiedergabe auf weniger als allen der Lautsprecher in dem Fahrzeugaudiosystem, wobei die Einstellung zur einzelnen Lautstärkeregelung ferner eine Höhenlautsprecherverstärkung umfasst und der Schritt des Anwendens der Einstellung zur einzelnen Lautstärkeregelung ferner den Schritt des Anwendens der Höhenlautsprecherverstärkung auf die Monokonfiguration des Audiosignals umfasst.
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Die
US 2020 / 0 130 702 A1 beschreibt ein Verfahren zum Schaffen einer haustierfreundlichen Umgebung in einem Kraftfahrzeug mit den Schritten:
- - Empfangen eines codierten Funksignals durch einen Fahrzeugcomputer des Kraftfahrzeugs zum Anpassen einer Vielzahl von Fahrzeugparametern im Kraftfahrzeug,
- - Verstellen einer Tür des Kraftfahrzeugs von einer geschlossenen in eine offene Position durch den Fahrzeugcomputer als Reaktion auf das Signal und
- - Anpassen von einem zusätzlichen Fahrzeugparameter aus der Vielzahl von Fahrzeugparametern durch den Fahrzeugcomputer und als Reaktion auf das Signal von einem ersten Setup auf ein zweites Setup.
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Dabei erfolgt bei einem ein Einstellen einer Art einer wiedergegebenen Audiodatei und eines Pegels der Audioausgabe mittels eines Entertainmentsystems des Fahrzeugs in einem Teil des Fahrzeugs, wenn mittels einer Anordnung von Sensoren eine Anwesenheit eines Haustiers in dem Fahrzeug erkannt wird.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Betrieb eines Audiosystems eines Fahrzeuges anzugeben.
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Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren, welches die in Anspruch 1 angegebenen Merkmale aufweist.
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Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
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In dem erfindungsgemäßen Verfahren zum Betrieb eines Audiosystems eines Fahrzeuges werden mittels des Audiosystems Audioinhalte in zumindest einem Innenraumbereich des Fahrzeuges ausgegeben, wobei die Ausgabe von Audioinhalten in Abhängigkeit eines in dem zumindest einen Innenraumbereich detektierten mitfahrenden Tieres angepasst wird.
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Durch Anwendung des Verfahren ist möglich, dass die Audioinhalte an ein Vorhandensein des mitfahrenden Tieres, beispielsweise eines Hundes, anzupassen, um eine Verminderung von Stress, basierend beispielsweise auf einer zu lauten Ausgabe von Audioinhalten, zu verringern, da ein Tier oftmals sensibler auf eine vergleichsweise laute Ausgabe von Audioinhalten reagieren kann als der Mensch. Dadurch kann ein Fahrkomfort sowohl für einen Fahrer des Fahrzeuges als auch für das mitfahrende Tier, insbesondere auf längeren Fahrten, erheblich gesteigert werden. Weiterhin kann ein Luxusempfinden durch digitale Mittel in dem Fahrzeug gesteigert werden.
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Dabei wird anhand erfasster Signale einer Innenraumüberwachung ein in dem zumindest einen Innenraumbereiches des Fahrzeuges mitfahrendes Tier detektiert. In Abhängigkeit einer erkannten Tierart des mitfahrenden Tieres wird eine für die erkannte Tierart spezifische Hörschwelle ermittelt und anhand der tierartspezifischen Hörschwelle wird zumindest ein Frequenzbereich ermittelt, innerhalb dessen die Ausgabe der Audioinhalte in dem zumindest einen Innenraumbereich des Fahrzeuges angepasst wird, insbesondere um ein Stresslevel des Tieres aufgrund der Ausgabe der Audioinhalte zu verringern.
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Dabei wird das mitfahrende Tier mittels Methoden maschinellen Sehens, beispielsweise mittels einer Objekterkennung und/oder Objektdetektion mittels gefalteter neuronaler Netzwerke, basierend auf der Innenraumüberwachung erkannt und klassifiziert.
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In einer Ausführung werden beziehungsweise wird bei erkannter Tierart anhand erfasster Signale der Innenraumüberwachung eine Rasse und/oder ein Alter des mitfahrenden Tieres ermittelt. Wird beispielsweise ein Hund als Tierart erkannt, so ist es möglich eine Hunderasse zu bestimmen, so dass der mitfahrende Hund beispielsweise der Hunderasse Labrador zugeordnet werden kann. Darüber hinaus sieht das Verfahren vor, ein Alter des mitfahrenden Tieres zumindest annähernd zu bestimmen, insbesondere da sich auch ein Gehör eines Hundes im Alter verschlechtern kann und der Hund gegebenenfalls nicht mehr so gut hört.
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In einer weiteren Ausführung des Verfahrens wird der Innenraumbereich zumindest bei detektiertem mitfahrenden Tier zumindest in zwei Audiozonen unterteilt, in welchen die Audioinhalte in Abhängigkeit der unterschiedlichen Hörschwellen des Tieres und eines menschlichen Insassen, insbesondere eines Fahrers des Fahrzeuges, ausgegeben werden. Die Ausgabe des Audioinhaltes erfolgt also in einer Audiozone des Hundes an dessen Hörschwelle angepasst und die Ausgabe des Audioinhaltes in einer weiteren Audiozone, in welcher sich zumindest der Fahrer befindet, erfolgt entsprechend der Hörschwelle des Fahrers, also der des Menschen. Insbesondere erfolgt die Unterteilung des Innenraumbereiches in die Audiozonen, so dass beispielsweise ein Schalldruck von für das Tier lauter wahrgenommener Frequenzen und/oder Frequenzbänder der ausgegebenen Audioinhalte verringert wird.
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Eine Ausführung des Verfahrens sieht vor, dass zumindest eine Lautstärke bestimmter Frequenzen von ausgegebenen Audioinhalten in der Audiozone des Innenraumbereiches, in welcher sich das mitfahrende Tier befindet, verringert wird. Das heißt, dass der Audioinhalt in der Audiozone des Tieres weniger laut, also leiser, ausgegeben wird, da das Gehör des Tieres im Vergleich viel lärm- und geräuschempfindlicher ist als das Gehör eines Menschen und eine akustische Schmerzschwelle zumeist tiefer liegt als die eines Menschen.
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In einer weiteren Ausführung wird ein Verhalten des mitfahrenden Tieres während eines Fahrbetriebes des Fahrzeuges ohne Ausgabe von Audioinhalten mit einem Verhalten des mitfahrenden Tieres während einer Ausgabe von Audioinhalten verglichen, insbesondere um zu ermitteln, ob der Hund aufgrund der Ausgabe der Audioinhalte gestresst ist, dadurch unruhig ist und somit auch ein Fahrkomfort für den Fahrer des Fahrzeuges verringert sein kann.
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In einer möglichen Ausführung wird das jeweilige Verhalten des Tieres anhand einer Körperhaltung und Körperhaltungsänderungen während des Fahrbetriebes des Fahrzeuges ermittelt wird, so dass bestimmt werden kann, ob das Tier insbesondere wegen der Lautstärke und/oder der Frequenzbereiche der ausgegebenen Audioinhalte unruhig reagiert, so dass die Ausgabe der Audioinhalte gegebenenfalls nochmals angepasst werden muss.
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In einer Ausführung des Verfahrens werden Informationen über das Verhalten des mitfahrenden Tieres während der Ausgabe von Audioinhalten einem Fahrer des Fahrzeuges, insbesondere während eines Fahrbetriebes des Fahrzeuges, akustisch und/oder optisch und/oder haptisch mitgeteilt. Dadurch ist der Fahrer des Fahrzeuges über einen Zustand des mitfahrenden Tieres informiert, wobei dem Fahrer die Möglichkeit gegebenen wird, in Abhängigkeit des Verhaltens des Tieres die Ausgabe der Audioinhalte, beispielsweise durch ein Verringern der Lautstärke, anzupassen. Daraufhin kann vorgesehen sein, dass der Fahrer erneut über das Verhalten des mitfahrenden Tieres akustisch und/oder optisch und/oder haptisch informiert wird, um unter Umständen weitere Anpassungen manuell vorzunehmen, um ein Wohlbefinden des mitfahrenden Tieres zu steigern. Beispielsweise kann die Mitteilung der Informationen in Bezug auf das Verhalten des Tieres an den Fahrer des Fahrzeuges in regelmäßigen zeitlichen Abständen und/oder bei einer erfassten Änderung eines Verhaltens des mitfahrenden Tieres an den Fahrer des Fahrzeuges ausgegeben werden.
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Eine Ausführung des Verfahrens sieht vor, dass bei verschiedenen, in dem Fahrzeug mitfahrenden Tieren oder verschiedenen Rassen einer Tierart die Ausgabe der Audioinhalte in Bezug auf das Tier mit einer niedrigsten akustischen Schmerzschwelle angepasst wird. Das heißt, dass die Ausgabe der Audioinhalte an die Hörschwelle des mitfahrenden Tieres angepasst wird, welches das empfindlichste Gehör für jedes einzelne Frequenzband aufweist. Somit ist es möglich, einen Fahrkomfort während des Fahrbetriebes des Fahrzeuges für alle Mitreisenden, insbesondere für die mitfahrenden Tiere, so angenehm wie möglich zu gestalten.
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Ausführungsbeispiele der Erfindung werden im Folgenden anhand von Zeichnungen näher erläutert.
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Dabei zeigen:
- 1 schematisch ein Diagramm mit verschiedenen Hörschwellen und Hörbereichen,
- 2 schematisch ein weiteres Diagramm mit verschiedenen Hörschwellen und Hörbereichen und
- 3 schematisch ein Fahrzeug mit einem mitfahrenden Tier und einer Vorrichtung zur Anpassung ausgegebener Audioinhalte in dem Fahrzeug.
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Einander entsprechende Teile sind in allen Figuren mit den gleichen Bezugszeichen versehen.
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1 zeigt ein Diagramm D1 mit verschiedenen Hörschwellen H1 bis H3 und Hörbereichen HB1 bis HB3, wobei eine erste Hörschwelle H1 und ein erster Hörbereich HB1 einem Menschen, eine zweite Hörschwelle H2 und ein zweiter Hörbereich HB2 einem Hund, beispielsweise einem Pudel, und eine dritte Hörschwelle H3 und ein dritter Hörbereich HB3 einer Katze zugehörig sind.
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In 2 ist ein weiteres Diagramm D2 mit der ersten Hörschwelle H1 und dem ersten Hörbereich HB1 des Menschen, einer vierten Hörschwelle H4 und einem vierten Hörbereich HB4 einer ersten Hunderasse, einer fünften Hörschwelle H5 und einem fünften Hörbereich HB5 einer zweiten Hunderasse sowie einer sechsten Hörschwelle H6 und einem sechsten Hörbereich HB6 einer dritten Hunderasse dargestellt.
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3 zeigt ein Fahrzeug 1 mit einem Tier 2 im Innenraumbereich und einer Vorrichtung zur Adaption in dem Fahrzeug 1 ausgegebener Audioinhalte, wie beispielsweise Musik, Podcasts etc.
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Im Allgemeinen ist bekannt, dass Tiere 2 eine andere Hörwahrnehmung als Menschen aufweisen. Dabei ist insbesondere ein sogenanntes auditorisches System, also ein Gehör von bestimmten Tierarten und deren Tierrassen für Frequenzbereiche ausgegebener Audioinhalte eines im Fahrzeug 1 verbauten Audiosystems 3, beispielsweise in Form einer Steuereinheit, wobei das Audiosystem 3 zumindest einen Lautsprecher 4 aufweist, empfindlicher als ein menschliches Gehör. Somit kann bei einem in dem Fahrzeug 1 mitreisenden Tier 2 eine Stressreaktion auftreten, wenn eine Audiowiedergabe in dem Fahrzeug 1 nicht an das Gehör des Tieres 2 angepasst ist.
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Im Folgenden wird ein Verfahren zum Betrieb eines Audiosystems 3 eines Fahrzeuges 1 beschrieben, wobei das Verfahren vorsieht, ausgegebene Audioinhalte in Abhängigkeit einer Anwesenheit eines Tieres anzupassen, insbesondere um einen für das Tier potentiell stressauslösenden Faktor zu verringern.
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Hierzu werden zunächst mittels einer Innenraumüberwachung erfasste Signale ausgewertet, um zu ermitteln, ob sich in dem Innenraumbereich des Fahrzeuges 1 ein Tier 2 befindet. Die Innenraumüberwachung umfasst beispielsweise eine Innenraumkamera 5 und/oder zumindest ein Innenraummikrofon 6 und/oder zumindest einen Ultraschallsensor, welche/r beziehungsweise welche im Fahrbetrieb des Fahrzeuges 1 fortlaufend Signale in Form von Bilddaten und/oder Audiosignalen und/oder Sensordaten erfassen beziehungsweise erfasst. Dabei kann die Innenraumüberwachung auch andere geeignete Erfassungseinheiten aufweisen.
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Die erfassten Signale der Innenraumüberwachung werden beispielsweise mittels des Audiosystems 3 und/oder einer anderen geeigneten Steuereinheit ausgewertet. Ein Erkennen des in dem Fahrzeug 1 mitfahrenden Tieres 2 erfolgt mittels Methoden maschinellen Sehens, beispielsweise anhand einer Objekterkennung und/oder Objektdetektion mittels gefalteter neuronaler Netzwerke, insbesondere basierend auf den erfassten Signalen der Innenraumüberwachung.
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Im Fall, dass in dem Innenraumbereich des Fahrzeuges 1 ein Tier 2 erkannt wird, wird zunächst eine Tierart des Tieres 2 bestimmt. Wird ein Hund als mitfahrendes Tier 2 erkannt, dann kann dieser einer Tierrasse, insbesondere einer Hunderasse, zugeordnet werden. Wird ein Hund in dem Fahrzeug 1 erkannt, kann die Hunderasse, zum Beispiel Labrador oder Dackel oder Pudel, bestimmt werden. Hierzu können zum Beispiel vortrainierte Klassifikatoren-Netzwerke verwendet werden.
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In einer Ausführung des Verfahrens kann ein Alter des Tieres 2 erkannt oder zumindest annähernd bestimmt werden. Hierzu können die erfassten Bilddaten der Innenraumkamera 4 mittels gefalteter neuronaler Netzwerke ausgewertet und klassifiziert werden. Dazu werden die Klassifikatoren-Netzwerke während einer Entwicklung mit Bildern und Merkmalen unterschiedlich alter Hunde einer jeweiligen Hunderasse vortrainiert. Alternativ oder zusätzlich können Bewegungen des Tieres 2 ermittelt und eine Bewegungsanalyse durchgeführt werden, um auf ein wahrscheinliches Alter des Tieres 2, insbesondere eines Hundes, schließen zu können. Beispielsweise kann eine Körperhaltung eines Hundes beim Springen in einen Kofferraum oder auf eine Rücksitzbank des Fahrzeuges 1 in den erfassten Bilddaten der Innenraumkamera 4 automatisch erkannt und analysiert werden. Insbesondere weist ein jüngerer Hund andere Bewegungstrajektorien als ein älterer Hund derselben Hunderasse auf.
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Auf Basis der erkannten Tierart des in dem Fahrzeug 1 mitfahrenden Tieres 2, einer gegebenenfalls erkannten Tierrasse sowie des ermittelten zumindest annähernden Alters des Tieres 2 wird eine für die Tierart und gegebenenfalls die Tierrasse spezifische Hörschwelle H1 bis H6, das heißt eine Minimalschwelle M der Schalldruckpegel LP, wobei in den 1 und 2 jeweils die Minimalschwelle für einen Menschen gezeigt ist, für einen Frequenzbereich des im Fahrzeug 1 verbauten Audiosystems 3 ermittelt. Beispielweise kann eine wahrscheinliche Hörschwelle H2 bis H6 des Tieres 2 anhand tabellarisch in dem Audiosystem und/oder einer anderen geeigneten Steuereinheit und/oder in einer datentechnisch mit dem Fahrzeug 1 gekoppelten zentralen Rechnereinheit 7 hinterlegter Werte ermittelt werden. Diese jeweilige Hörschwelle H2 bis H6 definiert Hörbereiche HB2 bis HB6 innerhalb eines Frequenzbereiches des Audiosystems 3, in welchen das Gehör des erkannten Tieres 2 wesentlich empfindlicher ist als das menschliche Gehör. Somit können je nach Tier 2 und Tierrasse unterschiedliche Frequenzbereiche identifiziert werden, innerhalb welcher eine Audiowiedergabe im Fahrzeug 1 angepasst werden sollte.
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Insbesondere verfügen Tiere 2 über eine niederschwellige Wahrnehmung von Geräuschen in bestimmten Frequenzbereichen, das heißt, dass die Minimalschwelle des Schalldruckpegels Lp niedriger ist. Beispielsweise können Katzen über 500 Hz wesentlich besser hören als Menschen und dies bis in einen für eine Beute relevanten Frequenzbereich von 80000 Hz, wobei eine untere Grenze katzenindividuell unterschiedlich sein kann. Ebenso könne bestimmte Hunderassen, beispielsweise Pudel, in bestimmten Frequenzbereichen zum Beispiel über 4 kHz besser hören als Menschen.
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Sind nun diese Frequenzbereiche als Funktion des erkannten, in dem Fahrzeug 1 mitfahrenden Tieres 2 und insbesondere der erkannten Tierrasse aus einer jeweiligen Tabelle extrahiert, so kann zusätzlich eine Information über Unterschiede in einer Lautstärkenwahrnehmung in diesen Frequenzbereichen aus der Tabelle ermittelt werden.
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Funktionen eines Multibandkompressors sowie Filterfunktionen in verschiedenen Frequenzbändern werden vor einer Wiedergabe von Audioinhalten durch eine digitale Signalverarbeitung in den Audiosystem 3 und/oder in einer anderen geeigneten Steuereinheit des Fahrzeuges 1 dergestalt dargestellt und geregelt, dass die Audiowiedergabe an das erkannte Tier 2 sowie an die gegebenenfalls erkannte Tierrasse angepasst wird. Insbesondere wird eine Lautstärke/ein Schalldruck von Frequenzen f und/oder Frequenzbändern verringert, welche das Tier 2 unter Berücksichtigung der Tierrasse und des Alters niederschwelliger wahrnehmen kann, das heißt bei denen das Tier 2 sensibler auf eine laute Audiowiedergabe reagiert als ein menschlicher Nutzer des Fahrzeuges 1. Dabei können zusätzlich die Unterschiede in der Lautstärkenwahrnehmung als Funktion der Frequenz f berücksichtigt werden, so dass insbesondere der Schalldruck der Frequenzen f reduziert wird, bei denen das erkannte Tier 2 und gegebenenfalls die Tierrasse besonders empfindlich ist.
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In einer möglichen Ausführung kann zusätzlich das Alter des Tieres 2 berücksichtigt werden, wobei bei einem älteren Tier 2 von einer Verminderung einer auditorischen Perzeption ausgegangen werden kann und somit der Schalldruck weniger stark verringert werden muss als bei einem jüngeren Tier 2.
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In einer weiteren Ausführung wird der Innenraumbereich des Fahrzeuges 1 in mehrere Audiozonen, insbesondere in zwei Audiozonen, aufgeteilt. Dabei befindet sich in einer Audiozone das mitfahrende Tier 2 und in einer weiteren Audiozone zumindest ein Fahrer des Fahrzeuges 1. Dadurch erfolgt die Audiowiedergabe in den Audiozonen individuell, so dass beispielsweise in der Audiozone des mitfahrenden Tieres 2 der Schalldruck von den vom Tier 2 lauter wahrgenommenen Frequenzen f und/oder Frequenzbändern reduziert wird. Hierbei können bekannte Verfahren wie ein sogenanntes Cross-Talk-Cancellation und/oder eine aktive Geräuschunterdrückung verwendet werden.
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In einer weiteren möglichen Ausführung des Verfahrens kann ein Verhalten eines mitfahrenden Tieres 2 während eines Fahrbetriebes des Fahrzeuges 1 ohne eingeschaltetes Audiosystem 3 ermittelt und mit einem Verhalten während einer Ausgabe von Audioinhalten verglichen werden. Hierzu können beispielsweise die Körperhaltung und Körperhaltungsänderungen des Tieres 2 während des Fahrbetriebes anhand der aufgenommenen Bilddaten der Innenraumkamera 5 mittels Methoden des computergestützten Sehens ausgewertet und Verhaltensweisen, beispielsweise ein Putzverhalten des Tieres 2, extrahiert werden, wobei beide Zuständen, das heißt ein Putzverhalten mit eingeschaltetem Audiosystem 3 und ein Putzverhalten ohne eingeschaltetes Audiosystem 3, miteinander verglichen werden. Weiterhin können bekannte Stressmerkmale des in dem Fahrzeug 1 mitfahrenden Tieres 2 automatisiert ausgewertet werden. Zum Beispiel gilt ein Zittern als Zeichen einer Angstreaktion, wobei übermäßiges Putzen, insbesondere bei Katzen, Rastlosigkeit, Aggressivität etc. Stressmerkmale darstellen können. Des Weiteren können aus Aufnahmen des Innenraummikrofones 6 verstärktes Miauen und Fauchen, vermehrtes Bellen oder Jaulen etc. erkannt und als Merkmal für eine Stressrektion gedeutet werden.
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Somit können Stressreaktionen des individuellen mitfahrenden Tieres 2 erkannt und einem jeweiligen Zustand des Audiosystems 3 zugeordnet werden. Solange das eingeschaltete Audiosystem zu einer verstärkten Stressreaktion des mitfahrenden Tieres 2 führt, kann die tierspezifische und gegebenenfalls tierrassenspezifische Anpassung der Audioausgabe des Audiosystems 3 zu einer Verringerung eines Stresslevels des Tieres 2 bei Nutzung des Audiosystems 3 führen. Insbesondere kann das Stresslevel als Funktion von Einstellungen des Audiosystems 3 quantifiziert werden, wodurch für das mitfahrende Tier 2 individuelle Hörschwellen H2 bis H6 bestimmt und für eine zukünftige tierindividuelle Audioausgabenanpassung im Fahrzeug 1 verwendet werden können.
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In einer weiteren möglichen Ausführung können Informationen über Stressreaktionen und einem aktuellen Stresslevel des mitfahrenden Tieres 2 dem Fahrer des Fahrzeuges 1 während der Fahrt über eine entsprechend ausgebildete Benutzerschnittstelle akustisch, optisch und/oder haptisch mitgeteilt werden.
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Eine weitere Ausführung des Verfahrens sieht vor, dass eine Rückmeldung des Fahrers in dem Fahrzeug 1 für eine automatische Anpassung der Audioausgabe des Audiosystems 3 verwendet wird, um einen Ausgleich unterschiedlicher Interessen zwischen Mensch und mitfahrendem Tier 2 in Bezug auf die Anpassungen des Audiosystem 3 zu realisieren. So kann eine direkte Rückmeldung des Fahrers oder eines anderen Insassen des Fahrzeuges 1 zum Beispiel via Eingabe über die Benutzerschnittstelle und/oder ermittelte, insbesondere erkannte, Emotionen des Fahrers verwendet werden, um zu ermitteln, ob gewählte tieradaptierte Audiosystemeinstellung vom Fahrer des Fahrzeuges 1 toleriert werden. Werden die angepassten Einstellungen des Audiosystems 3 von dem Fahrer als störend wahrgenommen, so kann eine gewichtete Funktion zwischen einem Wohlbefinden des Fahrers und einer Verringerung der Stressreaktion des Tieres 2 maximiert werden.
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Befinden sich mehrere verschiedene mitfahrende Tiere 2 oder verschiedene Tierrassen einer Tierart in dem Fahrzeug 1, so kann eine Anpassung der Ausgabe der Audioinhalte an das Tier 2 mit dem empfindlichsten Gehör für jedes einzelne Frequenzband erfolgen. Insbesondere erfolgt die Anpassung in Bezug auf das Tier 2 mit einer niedrigsten akustischen Schmerzschwelle.
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Bezugszeichenliste
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- 1
- Fahrzeug
- 2
- Tier
- 3
- Audiosystem
- 4
- Lautsprecher
- 5
- Innenraumkamera
- 6
- Innenraummikrofon
- 7
- zentrale Rechnereinheit
- D1, D2
- Diagramm
- H1 bis H6
- Hörschwelle / Minimalschwelle
- HB1 bis HB6
- Hörbereich
- Lp
- Schalldruckpegel
- M
- menschliche Referenz (0dB Schalldruckpegel)
- f
- Frequenz