-
Technisches Gebiet
-
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Öffnen von Schlössern gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
-
Stand der Technik
-
Aus dem Stand der Technik sind Vorrichtungen (auch als Decoder bezeichnet) zum Öffnen von Schlössern bekannt, die einen an einer an einem ersten Griffstück versehenen Schubaufnahme axial verschieblichen und innerhalb der Schubaufnahme drehbaren Werkzeughalter für ein Pickwerkzeug zum Eindringen in den Schlüsselkanal eines Schlosses und anschließendem Betätigen eines oder mehrerer darin enthaltener Sperrelemente umfasst. Derartige Vorrichtung sind mit einem Werkzeughalter ausgestattet, der mit einem zweiten Griffstück verbunden ist oder ein solches umfasst, wobei ein mit dem zweiten Griffstück und dem Werkzeughalter gemeinsam axial verschiebliches und mit diesen verbundenes Profilteil mit einer Skala vorgesehen ist, mittels der durch Verschiebung der Bauteile (zweites Griffstück, Profilteil und Werkzeughalter) in oder entgegen die Richtung der Schubaufnahme die Schubweite oder -tiefe des Werkzeughalters in Bezug auf die Schubaufnahme angezeigt wird. Nachteilig an diesen Vorrichtungen ist, dass diese wenig flexibel in ihrer Handhabung und Anwendung sind, da sie keine bzw. nur schwerlich auswechselbare Bauteile umfasst.
-
Darstellung der Erfindung
-
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die vorgenannten Nachteile zu beseitigen und eine Vorrichtung zu schaffen, welche einfach und flexibel in ihrer Handhabung und Anwendung ist.
-
Erfindungsgemäß wird die voranstehende Aufgabe gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 in Verbindung mit den kennzeichnenden Merkmalen gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der erfindungsgemäßen Vorrichtung sind in den abhängigen Unteransprüchen angegeben.
-
Gekennzeichnet ist die vorliegende Erfindung durch ein an der Vorrichtung einfach austauschbares Profilteil mit einer Skala und/oder mit einer sonstigen Anzeige zur (optischen) Darstellung von Messwerten, insbesondere der Schubweite oder -tiefe, welches aus einem zylindrischen Hohlkörper gebildet ist, welcher auf einem mit dem (hinteren) das Pickwerkzeug bzw. dessen Werkzeughalter führenden Griffstück an der Vorrichtung verbundenen oder an diesem ausgebildeten Aufnahmeteil axial verschieblich und in wenigstens einer Richtung des Aufnahmeteils auswechselbar angeordnet ist.
-
Kurzbeschreibung der Zeichnungen
-
Weitere Ziele, Merkmale, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der erfindungsgemäßen Vorrichtung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels anhand der Zeichnungen.
-
In den Zeichnungen zeigen
- 1 die erfindungsgemäße Vorrichtung in einer vorteilhaften Ausführungsform in einer perspektivischen Explosionsansicht;
- 2 den zweiten Griff mit Aufnahmeteil und mehreren austauschbaren Profilen in einer perspektivischen Explosionsansicht;
- 3 die Schubaufnahme mit mehreren austauschbaren Positionierringen in einer perspektivischen Explosionsansicht.
-
Ausführung der Erfindung
-
Wie aus 1 ersichtlich, umfasst die erfindungsgemäße Vorrichtung 1 mindestens einen an oder innerhalb einer mit einem ersten Griffstück 100 versehenen Schubaufnahme 10 axial verschieblichen und innerhalb der Schubaufnahme 10 drehbaren Werkzeughalter 11 für ein Pickwerkzeug 110 zum Eindringen in den Schlüsselkanal eines Schlosses und anschließendem Betätigen eines oder mehrerer darin enthaltener Sperrelemente.
-
Der Werkzeughalter 11 ist mit einem zweiten Griffstück 12 verbunden oder umfasst ein solches, wobei ein mit dem zweiten Griffstück 12 und dem Werkzeughalter 11 gemeinsam axial verschiebliches und mit diesen 11, 12 verbundenes Profilteil 13 mit einer Skala 130 vorgesehen ist, mittels der durch Verschiebung der Bauteile 11, 12, 13 in oder entgegen die Richtung der Schubaufnahme 10 die Schubweite oder -tiefe des Werkzeughalters 11 in Bezug auf die Schubaufnahme 10 angezeigt wird. Die Anzeige erfolgt hierbei vorzugsweise in der Weise, dass durch die Verschiebung der Bauteile 11, 12, 13 die Skala 130 bzw. das Profilteil 13 in einen Bereich der Schubaufnahme 10 eingeführt bzw. aus diesem wieder herausgeführt wird. Der noch außerhalb der Schubaufnahme 10 befindliche und für den Anwender sichtbare Bereich der Skala 130 zeigt die Schubweite oder - tiefe des Werkzeughalters 11 an.
-
Erfindungsgemäß ist das Profilteil 13 aus einem zylindrischen Hohlkörper (vorzugsweise in Form einer Hülse) gebildet, welcher auf einem mit dem zweiten Griffstück 12 verbundenen oder an diesem ausgebildeten Aufnahmeteil 120 axial verschieblich und in wenigstens einer Richtung des Aufnahmeteils 120 auswechselbar angeordnet ist.
-
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist an einem freien Ende der Schubaufnahme 10 jedenfalls ein Aufnahmeprofil 101 angeordnet oder ausgebildet, an dem ein um die Längsachse L der Vorrichtung 1 drehbar aufgenommener Positionierring 14 auswechselbar angeordnet ist. Der Innendurchmesser des Positionierrings 14 sollte dabei vorteilhafterweise größer sein als der Außendurchmesser des Profilteils 13, damit das Profilteil 13 in bzw. durch den Positionierring 14 geführt werden kann.
-
Weiterhin können das Aufnahmeprofil 101 und/oder das Aufnahmeteil 120 zylindrisch ausgebildet sein.
-
In einer weiteren bevorzugten Ausführung der Erfindung ist an dem Profilteil 13 mindestens ein erstes Verbindungs- oder Fixiermittel vorgesehen, um das Profilteil 13 an dem Griffstück 12 durch entsprechende Verbindung des ersten Verbindungs- oder Fixiermittels mit dem zweiten Griffstück 12 und/oder mit einem an dem zweiten Griffstück 12 vorgesehenen und mit dem ersten Verbindungs- oder Fixiermittel entsprechend korrespondierenden zweiten Verbindungs- oder Fixiermittel reversibel zu fixieren.
-
Ganz besonders vorteilhaft kann gemäß der zuvor genannten Ausführung der Erfindung an dem Profilteil 13 mindestens eine in Längsrichtung L gerichtete Öffnung oder mindestens ein Gewinde 131 ausgebildet sein, um das Profilteil 13 durch entsprechende Verschraubung 132 an dem zweiten Griffstück 12 reversibel zu fixieren.
-
Am Positionierring 14 ist vorzugsweise mindestens ein Verbindungs- oder Fixierteil vorgesehen, um den Positionierring 14 an dem Aufnahmeprofil 101 reversibel zu fixieren. Hierzu kann am Umfang des Positionierrings 14 mindestens eine quer zur Längsrichtung L gerichtete Öffnung oder mindestens ein Gewinde 140 ausgebildet sein, um den Positionierring 14 durch entsprechende Verschraubung 141 an dem Aufnahmeprofil 101 reversibel zu befestigen.
-
In einer weiteren denkbaren Ausführungsform der Erfindung umfasst die Skala 130 zahlreiche in Umfangsrichtung des Profilteils 13 beabstandet angeordnete Vertiefungen 1300 und/oder Erhöhungen, die mit der Schubaufnahme 10 oder dem Positionierring 14 in Wirkverbindung stehen, um dem Nutzer bei der Verwendung der Skala 130 ein haptisches und/oder akustisches Feedback zu geben und/oder ein Einrasten einer Vertiefung 1300 und/oder Erhöhung an der Schubaufnahme 10 oder dem Positionierring 14 zu ermöglichen. Hierzu ist es denkbar, dass am Umfang des Positionierrings 14 mindestens eine zweite quer zur Längsrichtung L gerichtete Öffnung oder mindestens ein zweites Gewinde 142 ausgebildet ist, um durch Einführung oder Eindrehen eines entsprechenden Formteils 143 in die zweite Öffnung oder das zweite Gewinde 141 eine - wie zuvor beschriebene - Wirkverbindung mit den Vertiefungen 1300 und/oder Erhöhungen zu bewirken.
-
Funktionsweise der Erfindung
-
Im Nachstehenden werden Anwendungsmöglichkeiten und die Funktionsweise der erfindungsgemäßen Vorrichtung anhand von Ausführungsbeispielen erörtert.
-
In einer besonders vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung vereint die erfindungsgemäße Vorrichtung drei Werkzeuge in einem, die durch einen einfachen Umbau, zum Einsatz kommen können. Folgende drei Systemen sind erstellbar: a) Scheiben-Decoder zum zerstörungsfreien Öffnen von Scheiben-Schließsystemen; b) Bohrmulden-Decoder zum zerstörungsfreien Öffnen von Bohrmulden-Schließsystemen; c) Hobbs'sche-Haken zum zerstörungsfreien Öffnen vom Tresorschlüsselsystemen. Je nach gewünschtem Werkzeug können die individuellen Öffnungsbauteile in Form von Pickwerkzeugen angebaut werden, um den entsprechenden Decoder zu erhalten. Die in den Fign. dargestellten Bauteile sind nur ein Teil der möglichen Ausführungen, beinhalten aber die Basiskomponenten, um das gewünschte Werkzeug zu erstellen.
-
Aufbau- und Funktionsbeschreibung Scheiben-Decoder
-
Die erfindungsgemäße Vorrichtung 1 kann als Scheiben-Decoder zur zerstörungsfreien Öffnung von entsprechenden Schließsystemen verwendet werden. Auf Grund der Bauweisen von unterschiedlichen Schließsystemen sind vorzugsweise auswechselbare Pick- oder Spannwerkzeuge 110 vorgesehen. Durch den Austausch entsprechender Pick- oder Spannwerkzeuge 110 kann die zur Öffnung notwendige Spannung im unteren, sowie im oberen Bereich des Schließsystems aufgebracht werden. Es besteht auch die Möglichkeit, mit zwei Pick- oder Spannwerkzeugen 110 gleichzeitig zu arbeiten und beide abwechselnd zum Spannen und Picken zu verwenden. Über die Schubaufnahme 10 und das zweite Griffstück 12 wird durch eine leichte Drehbewegung die sogenannte Vorspannung erzeugt. Diese wird nun für den weiteren Öffnungsvorgang gehalten. Anschließend erfolgt über die beiden Bauteile 10, 12 das Ertasten der einzelnen Scheiben im Schließsystem, um diese in Position zu setzten.
-
Über die austauschbare Skala 130 oder nicht dargestellte Anzeige und den ebenfalls austauschbaren Positionierring 14, 14' wird die Position des Pick- oder Spannwerkzeugs 110 im Schließsystem ermittelt. Die Skala 130 kann für das entsprechende Schließsystem getauscht werden. Hier ist - wie beschrieben - eine passende Teilung vorzugsweise graviert, die dem Nutzer eine Information über die Positionstiefe der einzelnen Bauteile gibt. Über den Positionierring 14, 14' kann nun die einzelne Scheibe in Position gedreht werden. Als Anhaltspunkt dient hierzu ebenfalls eine gravierte Teilung auf dem Positionierring 14, 14'. Nach dem Setzen einer Scheibe, wird dieser Vorgang so oft wiederholt, bis sich das Schließsystem öffnen lässt. Die Schließsysteme verfügen über unterschiedliche Anzahlen von Scheiben. In der Regel sind es fünf bis sieben Schließungen, die einzeln über den Scheibensetzer in Position gebracht werden müssen. Dies ist aber vom Hersteller und Modell abhängig. Teilweise existieren Schließsysteme mit bis zu elf Schließungen.
-
Aufbau- und Funktionsbeschreibung Bohrmulden-Decoder
-
Die erfindungsgemäße Vorrichtung 1 kann weiterhin als Bohrmulden-Decoder zur zerstörungsfreien Öffnung von entsprechenden Schließsystemen verwendet werden. Im Bereich der Bohrmulden-Schließsysteme gibt es unterschiedliche Hersteller sowie zahlreiche Schlüsselprofile. Um hier eine bestmögliche Öffnungschance zu haben, können mehrere Bauteile an der Vorrichtung 1 ausgetauscht werden, um die Vorrichtung 1 als Bohrmulden-Decoder auf den entsprechenden Schließzylinder anzupassen.
-
Ähnlich wie beim Scheiben-Decoder wird auch hier mit einem Teil eines Pick- oder Spannwerkzeugs 110 die Vorspannung erzeugt und mit einem weiteren Pick- oder Spannwerkzeug 110 der Kernstift gesetzt (in Position gebracht). In diesem Beispiel ist die Skala 130 mit einer Rasterung 1300 und dem entsprechenden Positionierring 14 mit Rasterung 144 (3) eingebaut. Durch das nach vorne Schieben eines entsprechenden Pick- oder Spannwerkzeugs 110 wird die Position über einem Kernstift erreicht. Die Rasterung 1300 auf der Skala 130 gibt in diesem Fall die Lage vor. Je nach Schließzylinder wird die Skala 130 mit der entsprechenden Teilung eingebaut. Ist nun die erste Position erreicht, wird durch eine Drehbewegung versucht, den Kernstift zu setzen. Hierzu wir mit einem Pick- oder Spannwerkzeug 110 der Zylinderkern etwas auf Spannung gebracht. Gleichzeitig wird mit einem Pick- oder Spannwerkzeug 110 versucht, den Kernstift zu setzen. Durch die Lasergravur hat der Benutzer einen Anhaltspunkt, wie weit er das Pick- oder Spannwerkzeug 110 gedreht hat und bekommt somit ein Gefühl dafür, wie weit der Kernstift gedrückt ist. Das Erreichen der gesetzten Position zeigt sich im Gefühl bei der Vorspannung, sowie im Gefühl des Stiftsetzers, dass sich der Zylinderkern leicht weiterdrehen lässt. Diese Art des Pickens (Setzens) der Sperrelemente (bspw. in Form von Kernstiften) wird nun so lange an allen Stiftpositionen durchgeführt, bis das Schloss geöffnet werden kann. Die Skalen 130 und der Positionsring 14, 14' ohne Rastfunktion sind in der Handhabung gleich. Jedoch gibt es hier keine Vorpositionierung, wie mit der Rasterung. Ohne diese Funktion ist der Benutzer „freier“ in der Handhabung. Es gibt Benutzer, die dies bevorzugen, da Sie so mehr Einfluss auf die Position des Pick- oder Spannwerkzeugs 110 nehmen können.
-
Aufbau- und Funktionsbeschreibung Hobbs'sche-Haken (Tresoröffnung)
-
Ähnlich wie beim Bohrmulden-Decoder oder Scheiben-Decoder, wird eine entsprechende Skala 130 an der Vorrichtung 1 montiert. Ebenfalls wird ein Positionierring 14, 14' montiert. Im nächsten Schritt kann eine zusätzliche (nicht dargestellte) Drehhilfe am zweiten Griffstück 12 (Griff-Spanner) angeschraubt werden. Hier können nun bis zu drei Griffe eingeschraubt werden. Von der Ergonomie her sind ein bis zwei Griffe gleichzeitig angedacht. Durch diesen Anbau kann genügend Kraft einen montierten Spanner ausgeübt werden. Bei Tresorschließsystemen wird meistens mehr Kraft benötigt als bei der Öffnung von Bohrmulden- oder Scheiben-Schließsystemen. Außerdem zieht man teilweise auch am Spanner, um das Herunterfallen der Hebel zu vermeiden. Zusätzlich ist beim Zurückdrehen ein Feingefühl erwünscht, um so beispielsweise aus den False Gates zu kommen.
-
Bei der weiteren Montage wird der Spanner durch das Pick- oder Spannwerkzeug 110 geschoben. Anschließend wird diese Einheit von vorne durch die Schubaufnahme 10 gesteckt. Ein längerer Stab des Spanners wird nun bis zum Anschlag in das zweite Griffstück 12 geschoben und vorteilhafterweise durch Gewindestifte fixiert. Das Pick- oder Spannwerkzeug 110 wird ebenfalls durch Gewindestifte im vorderen Bereich der Schubaufnahme 10 fixiert.
-
Liste der Bezugsziffern
-
- 1
- Vorrichtung
- 10
- Schubaufnahme
- 11
- Werkzeughalter
- 12
- zweites Griffstück
- 13
- Profilteil
- 13', 13"
- Austausch-Profilteile
- 14
- Positionierring
- 14'
- Austausch-Positionierring
- 100
- erstes Griffstück
- 101
- Aufnahmeprofil an der Schubaufnahme
- 110
- Pick- oder Spannwerkzeug
- 120
- Aufnahmeteil am zweiten Griffstück
- 130
- Skala am Profilteil
- 131
- Gewinde am Profilteil
- 132
- Verschraubung (Schrauben)
- 140
- Gewinde am Positionierring
- 141
- Verschraubung (Schraube)
- 142
- zweites Gewinde am Positionierring
- 143
- Formteil (Schraube)
- 144
- Rasterung am Positionierring
- 1300
- Vertiefungen und/oder Erhöhungen der Skala
- L
- Längsrichtung der Vorrichtung / Schubaufnahme