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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben eines mobilen Computergeräts, das wenigstens eine Anzeigevorrichtung, eine Eingabevorrichtung und eine Kamera hat. Die Erfindung betrifft außerdem ein Computerprogramm zur Durchführung eines solchen Verfahrens sowie ein derartiges mobiles Computergerät.
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Es gibt bereits Computerprogramme, z, B. in Form von Apps, mit denen der Anwender selbst seine Sehtauglichkeit prüfen kann, z. B. mit der Android-App „Sehtest“. Bisherige Computerprogramme sind aber nicht geeignet, einen Sehtest zu ersetzen, wie er in einer Augenarztpraxis oder bei einem Optiker durchgeführt wird.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein verbessertes Verfahren und ein entsprechendes Computerprogramm hierfür anzugeben, sowie ein entsprechendes mobiles Computergerät.
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Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zum Betreiben eines mobilen Computergeräts, das wenigstens eine Anzeigevorrichtung, eine Eingabevorrichtung und eine Kamera hat, wobei mittels des mobilen Computergeräts oder eines daran angeschlossenen Zusatzgeräts das Gesicht eines Anwenders des mobilen Computergeräts erfasst wird und der Abstand zwischen wenigstens einem Referenzpunkt im Gesicht des Anwenders und dem mobilen Computergerät ermittelt wird, wobei auf der Anzeigevorrichtung wenigstens ein vom Anwender visuell zu erfassendes Prüfsymbol in einer Größe dargestellt wird, die in Abhängigkeit vom ermittelten Abstand bestimmt wird. Die Erfindung erlaubt standardisierte augenärztliche Untersuchungen, insbesondere standardisierte Untersuchungen und Dokumentation von ophthalmologischen Untersuchungen, mit mobilen Computergeräten.
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Die Erfindung erlaubt eine standardisierte Durchführung eines Sehtests, der mit einem Sehtest bei einem Augenarzt oder Optiker vergleichbar ist, durch den Anwender unter Verwendung des mobilen Computergeräts selbst. Durch das mobile Computergerät kann zugleich eine Dokumentation die Ergebnisse des Sehtests erstellt werden.
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Die Durchführung von ophthalmologischen Untersuchungen können mit mobilen Geräten an jedem Ort insbesondere zu Hause (Home Care Umgebung ) durchgeführt, dokumentiert und im Verlauf dargestellt werden.
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Die bisherigen Untersuchungen werden unter standardisierten Bedingungen in einer Augenarztpraxis oder bei einem Optiker mit definierten Abständen zwischen Auge des zu Untersuchenden und den ophthalmologischen Parametern durchgeführt. Als ein Beispiel sei der Visustest genannt, wo die Sehzeichen in einem definierten Abstand präsentiert werden müssen, um den Sehwinkel und damit die Sehkraft zu bestimmen. Der Abstand Auge - Prüfsymbol beträgt bei z.B. bei der Überprüfung üblicherweise 5 Meter und die Sehschärfe ist als inverses Auflösungsvermögen in Bogenminuten definiert.
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Der Patient muss für die Befunddokumentation immer zum Augenarzt oder Optiker gehen, sich in eine definierte Testumgebung begeben und diese ophthalmologischen Parameter mit spezifischen Einzelgeräten bestimmen. Dies erfordert eine Vorhaltung von Räumlichkeiten, eine Vereinbarung von Terminen, ebenso benötigen insbesondere ältere Personen eine Begleitperson. Spezifische Geräte zur Bestimmung der ophthalmologischen Parameter müssen vorgehalten werden
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Die Erfindung ermöglicht es, ophthalmologische Standarduntersuchungen, wie zum Beispiel die Bestimmung der Sehstärke, auf mobilen Computergeräten, wie zum Beispiel Smartphones, unter Zuhilfenahme der in den Geräten vorhandenen Möglichkeiten der Abstandsmessung und Gesichtserkennung zu Hause durchführen zu können, diese Befunde entsprechend zu dokumentieren und im Verlauf der Dokumentation diese dem Augenarzt zu präsentieren.
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Generell bieten viele mobile Geräte basierend auf Smartphone-Technologien die Möglichkeiten, ophthalmologische Testobjekte darzustellen und so entsprechende ophthalmologische Untersuchungen durchzuführen. Ophthalmologische Untersuchungen können sein: Überprüfung der Sehschärfe, Messung und Bestimmung von Metamorphopsien, Gesichtsfeldbestimmung, Skotombestimmung, Bestimmung der Schielstellung und Befunddokumentationen. Dazu müssen entsprechende Testobjekte, wie z.B. Sehzeichen, Amslernetz, Fixierung auf den mobilen Geräten dargestellt werden.
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Um die Ergebnisse mit den standardisierten Untersuchungen, wie sie beim Augenarzt oder Optiker durchgeführt werden oder auf Grund von Normen festgelegt sind, aber vergleichen zu können, ist es vorteilhaft, den genauen Abstand der Testobjekte zu erfassen. Zusätzlich ist es vorteilhaft, die Untersuchungen für die Augen einzeln oder simultan für beide Augen durchzuführen.
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Mit Hilfe der in mobilen Geräten vorhandenen Abstandsmessungen und Gesichtserkennungen oder mittels mobilen Zusatzgeräten, die mit dem mobilen Gerät verbunden sind, ist es möglich, den Abstand zu jedem Auge einzeln oder zu einem Bezugspunkt zu erfassen.
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Durch die Erfassung des Abstands zwischen Anzeigevorrichtung (Display des mobilen Geräts oder Smartphones) und Auge bzw. Referenzpunkten im Gesicht können die Testgrößen fortwährend softwaremäßig in ihrer Größe so verändert werden, dass der Sehwinkel zwischen Auge und Testobjekt in dem Maße konstant bleibt, dass der entsprechende Sehwinkel den entsprechende DIN Normen oder den ophthalmologischen Standards entspricht, auch wenn sich der Abstand zwischen Referenzpunkt im Gesicht und Display auf dem mobilen Computergerät ändert.
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Diese Erfindung soll es ermöglichen ophthalmologische Untersuchungen nicht nur bei einem Augenarzt, sondern auch an jedem beliebigen Ort zu durchführen zu können.
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Diese Technik soll zur Bestimmung und Kontrolle von ophthalmologischen Parametern im häuslichen Bereichen oder außerhalb standardisierter Umgebungen, wie sie beim Augenarzt, bei Optikern oder Gutachtern zu finden sind, verwendet werden. Beispiele für ophthalmologische Parameter sind Sehschärfe. Schielwinkel, Gesichtsfeld, Metamorphopsien.
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Diese Technik soll Einsatz finden sowohl zur Eigenkontrolle als auch zur Therapiekontrolle von augenärztlichen Erkrankungen, bei denen Therapieentscheidungen von der Erfassung von standardisierten ophthalmologischen Untersuchungen abhängig sind. Dazu gehört z.B. die Therapiesteuerung mittels intravitrealer Injektionen bei retinalen Gefäßerkrankungen wie z.B. bei altersbedingter Makuladegeneration, Gefäßverschlüssen oder bei diabetischer Makulopathie.
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Das mobile Computergerät kann z. B. ein mobiles Computergerät sein, z B. ein Smartphone, ein Tablet, ein Laptop oder ein Notepad. Soweit ein Rechner erwähnt ist, kann es sich um den Hauptprozessor oder irgendeinen Prozessor des mobilen Computergeräts handeln. Die Anzeigevorrichtung kann z. B. ein Display des mobilen Computergeräts sein, insbesondere ein Touchscreen. Als Eingabevorrichtung kann das mobile Computergerät z. B. eines oder mehrere der folgenden Komponenten haben: Touchscreen, konventionelle Tasten oder Schalter, Mikrofon. Es kann auch die Kamera des mobilen Computergeräts selbst als Eingabevorrichtung genutzt werden. Die Kamera des mobilen Computergeräts kann eine beliebige Kamera sein, z. B. die Frontkamera oder rückwärtige Kamera eines Smartphones, oder bei einem Laptop oder Notebook die eingebaute Webcam.
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Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Größe des dargestellten Prüfsymbols auf der Anzeigevorrichtung automatisch kontinuierlich in Abhängigkeit vom jeweils ermittelten Abstand derart angepasst wird, dass es für den Anwender in gleichbleibender Größe erkennbar ist. Dies hat den Vorteil, dass durch die Funktion des mobilen Computergeräts die standardisierte Durchführung eines Sehtests gewährleistet werden kann. Die Größe des Prüfsymbols passt sich automatisch an eine definierte vorgegebene Größe an. Bspw. kann das mobile Computergerät eine Regelungsfunktion haben, durch die der Betrachtungswinkel, mit dem der Anwender mit seinem Auge das Prüfsymbol auf der Anzeigevorrichtung wahrnimmt, automatisch abhängig vom ermittelten Abstand auf einen gleichbleibenden Wert geregelt wird. Dann bleibt der Betrachtungswinkel unabhängig von Bewegungen, die der Anwender mit dem mobilen Computergerät ausführt, konstant.
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Das Verfahren kann zusätzlich eine Warnfunktion haben. Durch die Warnfunktion wird geprüft, ob bei der Veränderung der Größe des dargestellten Prüfsymbols auf der Anzeigevorrichtung ein Höchstwert erreicht oder überschritten wird und ob ein Mindestwert erreicht oder unterschritten wird. Bspw. kann der Höchstwert durch die physikalische Größe der Anzeigevorrichtung definiert sein. Der Mindestwert kann durch die Auflösung der Anzeigevorrichtung definiert sein, z. B. derart, dass bei einer Unterschreitung der Mindestgröße bei gegebener Auflösung keine sinnvolle Darstellung des Prüfsymbols mehr möglich ist. Erkennt die Warnfunktion, dass die Größe des dargestellten Prüfsymbols den Höchstwert erreicht oder überschreitet oder den Mindestwert erreicht oder unterschreitet, kann ein Warnsignal ausgegeben werden. Das Warnsignal kann z. B. ein optisches und/oder akustisches und/oder haptisches Signal sein.
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Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass auf eine Eingabe des Anwenders über die Eingabevorrichtung gewartet wird, und wenn eine Eingabe des Anwenders erfolgt ist, wenigstens ein anderes Prüfsymbol und/oder ein Prüfsymbol in einer anderen Größe auf der Anzeigevorrichtung dargestellt wird. Auf diese Weise kann durch Interaktionen mit dem Anwender der typische Ablauf eines Sehtests durchgeführt werden. Bspw. kann der Sehtest mit der Darstellung relativ großer Prüfsymbole beginnen, und mit jedem richtig erkannten Prüfsymbol kann das Prüfsymbol in einer verringerten Größe dargestellt werden.
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Das Verfahren kann eine Abfrage auf eine Eingabe des Anwenders beinhalten. Solange der Anwender keine Eingabe tätigt, wird das aktuelle Prüfsymbol weiter dargestellt. Wird eine Eingabe getätigt, z. B. eine manuelle Eingabe, eine akustische Eingabe, z. B. eine Spracheingabe, oder eine optische Eingabe, z. B. eine bestimmte Geste, wird diese Eingabe im mobilen Computergerät analysiert und auf Gültigkeit geprüft. Wird festgestellt, dass durch die Eingabe dem mobilen Computergerät mitgeteilt wird, dass der Anwender das Prüfsymbol richtig erkannt hat, kann bei einem Sehtest z. B. die nächste Stufe durchgeführt werden. Nach der letzten Stufe des Sehtests kann dann eine Dokumentation über die Sehfähigkeit des Anwenders erstellt werden.
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Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Ermittlung des Abstands zwischen dem wenigstens einen Referenzpunkt im Gesicht des Anwenders und dem mobilen Computergerät mittels wenigstens einer optischen Sensorvorrichtung des mobilen Computergeräts durchgeführt wird. Der Referenzpunkt kann z. B. das Zentrum eines Auges des Anwenders sein. Bspw. kann das Gesicht des Anwenders mittels der Kamera des mobilen Computergeräts automatisch analysiert werden, z. B. mit bekannten Methoden der Face-Recognition, und hierdurch der wenigstens eine Referenzpunkt im Gesicht des Anwenders ermittelt werden.
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Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass gyroskopisch die räumliche Lage oder Lageänderung des mobilen Computergeräts in wenigstens einer Raumrichtung erfasst wird, wobei auf der Anzeigevorrichtung ein vom Anwender visuell zu erfassendes Prüfsymbol in einer Größe und/oder an einer Position und/oder mit einer Formveränderung dargestellt wird, die in Abhängigkeit von der erfassten räumliche Lage oder Lageänderung bestimmt wird. Auf diese Weise kann automatisch eine sich durch eine Lageänderung des mobilen Computergeräts ergebende Verzeichnung in der Wahrnehmung des Prüfsymbols kompensiert werden. Zudem können automatisch Lageänderungen, die sich z.B. aus einem unruhigen Halten des mobilen Computergeräts durch den Anwender ergeben, kompensiert werden. Für diese Funktion können z.B. in dem mobilen Computergerät vorhandene gyroskopische Sensoren, z.B. Beschleunigungssensoren, verwendet werden.
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In einem unabhängigen Erfindungsaspekt, der allerdings auch vorteilhaft mit den zuvor erwähnten Ausgestaltungen der Erfindung kombiniert werden kann, ist vorgesehen, dass mittels des mobilen Computergeräts oder eines daran angeschlossenen Zusatzgeräts das Fixationsverhalten wenigstens eines Auges des Anwenders erfasst wird, wobei auf der Anzeigevorrichtung wenigstens ein vom Anwender visuell zu erfassendes Prüfsymbol in einer Größe und/oder an einer Position dargestellt wird, die in Abhängigkeit vom Fixationsverhalten bestimmt wird. Dies hat den Vorteil, dass das Fixationsverhalten des Auges des Anwenders automatisch bei der Durchführung der ophthalmologischen Untersuchung berücksichtigt werden kann. Die Untersuchungsergebnisse werden auf diese Weise nicht durch unerwartete Besonderheiten im individuellen Fixationsverhalten negativ beeinflusst.
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Die Ermittlung des Abstands zwischen wenigstens einem Referenzpunkt im Gesicht des Anwenders und dem mobilen Computergerät kann z. B. bei einem Smartphone mittels einer ohnehin in dem Smartphone schon vorhandenen Entfernungsmessungs-Funktion durchgeführt werden. In dem Verfahren muss dann lediglich die im Betriebssystem bereits durch die integrierte Funktion bereits ermittelte Entfernung ausgewertet werden und als Abstandsgröße für die Bestimmung der Größe des Prüfsymbols genutzt werden. Das mobile Computergerät kann für die Entfernungsmessung z. B. mit einer Infrarotdiode ausgestattet sein, die mit einer bestimmten Modulation betrieben wird. Es können dann Reflektionen des von der Infrarotdiode abgegebenen Lichts an dem mobilen Computergerät wieder empfangen werden, z. B. mittels der Kamera, und durch Auswertung der Laufzeit kann die Entfernung bestimmt werden. Eine andere Möglichkeit zur Ermittlung des Abstands besteht darin, dass gezielt eine gewisse Unschärfe des von der Kamera aufgenommen Bilds erzeugt wird, z. B. indem der Fokus der Kamera gezielt variiert wird. Über die Unschärfe-Information lässt sich auch eine Abstandsmessung durchführen.
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Das Fixationsverhalten kann z. B. automatisch durch das mobile Computergerät erfasst werden, indem durch das mobile Computergerät gezielt ein Lichtsignal, z. B. ein Lichtblitz, auf den Anwender abgestrahlt wird. Das Lichtsignal erzeugt auf der Hornhaut eines Auges des Anwenders einen Reflex, der über die Kamera des mobilen Computergeräts automatisch erfasst werden kann. Bspw. kann dieser Hornhautreflex mit Methoden der Face-Recognition lokalisiert werden und dementsprechend automatisch ausgewertet werden. Hierzu kann das mobile Computergerät mit einer Lichtsignal-Abgabevorrichtung ausgestattet sein.
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Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Größe und/oder Position des dargestellten Prüfsymbols auf der Anzeigevorrichtung automatisch kontinuierlich in Abhängigkeit vom Fixationsverhalten angepasst wird. Hierdurch kann z. B. das Prüfsymbol auf der Anzeigevorrichtung derart wiedergegeben werden, dass es für den Anwender in gleichbleibender Größe und/ oder gleichbleibender Position erkennbar ist, sodass das Fixationsverhalten des Anwenders automatisch kompensiert wird.
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Die eingangs genannte Aufgabe wird außerdem gelöst durch ein Computerprogramm mit Programcodemitteln, eingerichtet zur Durchführung eines Verfahrens der zuvor erläuterten Art, wenn das Computerprogramm auf einem Rechner eines mobilen Computergeräts ausgeführt wird. Auch hierdurch können die zuvor erläuterten Vorteile realisiert werden. Das Computerprogramm kann z. B. als App ausgebildet sein.
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Die eingangs genannte Aufgabe wird außerdem gelöst durch ein mobiles Computergerät. Auch hierdurch können die zuvor erläuterten Vorteile realisiert werden.
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Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass mobile Computergerät eine Abstandsmessvorrichtung oder zumindest eine Abstandsmessfunktion hat, durch die der Abstand zwischen wenigstens einem Referenzpunkt im Gesicht des Anwenders und dem mobilen Computergerät ermittelbar ist. Die Abstandsmessfunktion kann z. B. eine vorhandene Funktion des Betriebssystems des mobilen Computergeräts sein.
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Eine Besonderheit der Erfindung ist die Kombination von Entfernungsmessung, Gesichtserkennung und entsprechende Anpassung der Größe der Testobjekte, die auf den mobilen Computergeräten präsentiert werden.
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Mittels der in den mobilen Computergeräten bzw. Smartphones verbauten Entfernungsmessungen kann somit der Abstand zwischen dem mobilen Computergerät und den entsprechenden Referenzpunkte im Gesicht der zu untersuchenden Person gemessen werden. Abstandsmessungen können dabei durchgeführt werden mittels Analyse von Bildern, die mit den in den mobilen Computergeräten verwendeten Kameras aufgenommen werden, durch spezifische optische Sensoren oder durch Lidar (light detection and ranging) Techniken. Hierzu eignen sich insbesondere Kameras und/oder LIDAR-Sensoren. Mithilfe dieser Daten wird mittels Face Recognition Techniken und Augmented Reality Methoden eine 3D-Gesichtsmatrix bestimmt. Damit kann der Abstand zu verschiedenen Referenzpunkten innerhalb dieser Matrix, bspw. zu dem zu prüfenden Auge, bestimmt werden. Die Bezugspunkte im Gesicht für die Entfernungsmessung zur Ausgabeeinheit (z.B. Display eines smart phones) werden mittels Face Recognition Techniken und Augmented Reality Methoden bestimmt.
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Zusätzlich kann das Fixationsverhalten oder der Fixationspunkt der zu untersuchenden Person erfasst und aufgezeichnet werden. Die gemessene Entfernung kann dann verwendet werden, um die Größe des zu bestimmenden Testobjekts an die ophthalmologischen oder internationalen Nomen unmittelbar umzurechnen und auf dem Display des mobilen Computergerätes unmittelbar entsprechend anzupassen. So kann anhand der Gesichtserkennung und einer Erkennung der Augenstellung das Fixationsverhalten erkannt werden. Dieses eignet sich insbesondere zur Untersuchung von Schielerkrankungen. Außerdem kann das dargebotene Testobjekt in seiner Position und ggf. Größe in Bezug zum Fixierpunkt des Patienten verschoben werden. Diese Technologie ist bspw. zur validen Gesichtsfeldmessung, Mikroperimetrie, Amsler-Gitter-Testung und Metamorphopsienerkennung notwendig.
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Diese Verfahren können, falls notwendig, unter Zuhilfenahme von gyroskopischen Sensoren, welche die Neigung des Geräte-Displays angeben, in Ihrer Genauigkeit erhöht werden.
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Zusätzlich können die Sensoren verwendet werden, um festzustellen, ob der Patient ein Auge zukneift oder dieses bspw. mit einer Hand verdeckt, um sicherzustellen, dass nur ein Auge zur Zeit geprüft wird. Ebenso kann sichergestellt werden, dass beide Augen geöffnet und nicht verdeckt sind, wenn binokuläre Funktionen gemessen werden sollen.
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Der Algorithmus, der mittels Entfernungsmessung zur Anpassung der Testgrößen führt, kann als Programm (App) softwaremäßig in dem mobilen Computergerät oder in Form einer Verbindung zu externer Rechenleistung hinterlegt sein.
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Das Prüfsymbol kann ein beliebiges grafisches oder sonstiges Symbol sein, z.B. ein Schriftzeichen oder ein sonstiges Prüfobjekt. Das Prüfsymbol kann auch eine Kombination mehrerer einzelner Symbole bzw. Zeichen sein. Das Prüfsymbol kann z.B. abhängig von wenigstens einer Eigenschaft des Betrachters ausgewählt werden, z.B. abhängig vom Alter. So können z.B. bei Kindern Bilder von Tieren als Prüfsymbole verwendet werden.
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Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels unter Verwendung der 1 und 2 erläutert.
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Die 1 zeigt ein mobiles Computergerät 1 bei der Durchführung eines Sehtests, den ein Anwender 2 selbst durchführt.
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Das mobile Computergerät 1 hat eine Anzeigevorrichtung 10, eine Eingabevorrichtung 11 und eine Kamera 12. Über die Kamera 12 erfasst das mobile Computergerät 1 das Gesicht des Anwenders 2 und führt eine Face-Recognition durch. Bei der Face-Recognition kann z. B. eine kontinuierliche Erstellung einer Gesichtsmatrix durchgeführt werden, in der Referenzpunkte im Gesicht erkannt werden. Durch die Face-Recognition werden bestimmte markante Punkte im Gesicht detektiert, z. B. die Augen. Das mobile Computergerät detektiert in dem Ergebnis der Face-Recognition einen Referenzpunkt 3 im Gesicht des Anwenders, z. B. die Position der Pupille eines Auges.
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Sodann wird ein Sehtest vom Anwender 2 selbst mithilfe des mobilen Computergeräts 1 durchgeführt. Das mobile Computergerät 1 ermittelt z. B. über die Kamera 12 oder einen anderen Entfernungssensor den Abstand d zwischen dem Referenzpunkt 3 und dem mobilen Computergerät 1. Im Laufe des Sehtests wird zunächst ein Prüfsymbol 13 mit einer Größe a auf der Anzeigevorrichtung 10 dargestellt. Dabei wird kontinuierlich die Abstandsmessung durchgeführt, d. h. der Abstand d gibt immer den aktuellen Wert wieder. Das mobile Computergerät 1 passt die Größe (a) des Prüfsymbols 13 auf der Anzeigevorrichtung 10 in Abhängigkeit vom Abstand d kontinuierlich automatisch an, sodass der Betrachtungswinkel a für den Anwender 2 konstant bleibt.
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Der Anwender 2 kann nun eine Eingabe am mobilen Computergerät 1 machen, bspw. per Spracherkennung, Berührung des Touchscreens oder durch Erfassung einer Geste mittels der Kamera 12. Das mobile Computergerät 1 wertet die Eingabe aus und entscheidet in Abhängigkeit hiervon, wie der Sehtest fortgesetzt wird, bzw. ob der Sehtest beendet ist. Bspw. kann der Sehtest nach der Eingabe fortgesetzt werden und ein Prüfsymbol 13 in der nächsten Größe dargestellt werden, z. B. mit einer Größe a', die kleiner ist als die Größe a. Hiernach wird wieder auf eine Eingabe des Anwenders 2 gewartet. Diese Schritte werden solange wiederholt, bis der Sehtest beendet ist. Die Ergebnisse des Sehtests werden dann dokumentiert und können automatisch einem Augenarzt oder Optiker zur Verfügung gestellt werden.
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In Ergänzung kann das mobile Computergerät 1 zusätzlich automatisch das Fixationsverhalten des Anwenders 2 erfassen und in Abhängigkeit vom erfassten Fixationsverhalten die Größe des Prüfsymbols 13 und/ oder die Position des Prüfsymbols 13 auf der Anzeigevorrichtung 10 in Abhängigkeit vom Fixationsverhalten ändern, z. B. derart anpassen, dass das Prüfsymbol 13 für den Anwender 2 unabhängig vom Fixationsverhalten immer konstant erscheint.
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Die 2 zeigt ebenfalls ein mobiles Computergerät 1 bei der Durchführung eines Sehtests, den ein Anwender 2 selbst durchführt. Der Sehtest läuft wie zuvor beschrieben ab. Zusätzlich werden in dem Ablauf gyroskopische Signale 14 berücksichtigt, die z.B. mittels gyroskopischer Sensoren des mobilen Computergeräts 1 bestimmt werden. In Abhängigkeit von den gyroskopischen Signalen 14 erfolgt eine Anpassung der Prüfsymbolgröße a und der Position des Prüfsymbols 13 auf der Anzeigevorrichtung 10 an eine gyroskopisch ermittelte Position und/oder Lage der Anzeigevorrichtung 10 im Verhältnis zum Anwender 2.
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Bezugszeichenliste
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- 1
- mobiles Computergerät
- 2
- Anwender
- 3
- Referenzpunkt
- 10
- Anzeigevorrichtung
- 11
- Eingabevorrichtung
- 12
- Kamera
- 13
- Prüfsymbol
- 14
- gyroskopische Signale
- a
- Größe
- d
- Abstand