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Technisches Gebiet
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Die vorliegende Erfindung betrifft einen Sattel für Reittiere, umfassend mindestens eine Sattelunterlage und zumindest eine Sattelauflage mit einem Mittelstück (Filzbaum). Dieser Sattel ist eine Weiterentwicklung bzw. Ergänzung des Patents
DE 10 2017 104 790 A1 2018.09.13.
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Stand der Technik
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Aus dem Stand der Technik sind Sättel, Sattelunterlagen und Sattelauflagen in unterschiedlichsten Ausführungsformen seit jeher bekannt. Diese Sättel weisen eine geschlossene Lage Leder bzw. bei Ledersätteln einen geschlossenen Baum aus Holz, Kunststoff oder Leder auf. Nachteilig hierbei ist, dass derartige Sättel nicht in der Lage sind, eine ausreichende Druckverteilung und Entlastung für den Reittierrücken im Bereich der Dornfortsätze der Wirbelsäule zu ermöglichen und dies bei gleichzeitiger maximaler Bewegungsfreiheit. Zudem haben die sich derzeit auf dem Markt befindenden Sättel und Reitkissen Aufhängungen für Steigbügel, die über die Wirbelsäule des Reittiers gehen. Diese Aufhängungen belasten die Dornfortsätze und den Widerrist des Reittiers in hohem Masse und führen zu einem parziellen Druck. Das Patent
DE 10 2017 104 790 A1 2018.09.13 löst oben genannte Probleme insoweit, dass das Reittier im Bereich der Dornfortsätze der Wirbelsäule eine ausreichende Entlastung erfährt, sodass das auf den Sattel wirkende Gewicht des Reiters auf die an den Dornfortsätzen der Wirbelsäule angrenzenden Bereiche des Reittierrückens verteilt wird unter gleichzeitiger Entlastung des „Rippenknies“ des Reittiers. Zudem sind derzeit Reitkissen und Filzsättel auf dem Markt, die eine Steigbügelaufhängung besitzen, welche über den Widerrist des Reittiers läuft und dadurch extremen partiellen Druck auf den Widerrist des Reittiers ausübt.
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Darstellung der Erfindung
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Durch die Entwicklung eines Sattelbaums aus Filz wird eine noch größere und flächigere Druckverteilung erreicht. Der Filzbaum besteht aus mindestens 2 Teilen, kann aber je nach Wunsch des Reiters von sehr flexibel bis noch flexibel gestaltet werden. Hierzu werden verschiedenste Filzschichten speziell zugeschnitten und zu einem Sattelbaum zusammengefügt. Aufgabe dieses Sattelbaumes ist es, sich an den Rücken des Reittiers anzupassen und dem Reiter durch das Auslaufen in einer stabilisierenden Wölbung im vorderen Bereich (Pausche) einen noch gestreckteren Sitz und noch mehr Halt zu geben. Zudem ist es möglich, seitlich (rechts und links am Filzbaum) stabile Steigbügelaufhängungen anzubringen, die nicht über die Wirbelsäule des Reittiers gehen und dadurch eine optimale und flächige Druckverteilung ermöglichen.
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Erfindungsgemäß wird die voranstehende Aufgabe gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 in Verbindung mit den kennzeichnenden Merkmalen gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Sattels sind in den abhängigen Unteransprüchen angegeben.
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Erfindungsgemäß ist ein Sattel der eingangs genannten Art dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine Sattelunterlage aus Filz oder ähnlichem Material (Schaumstoff, etc.) unterhalb des Sattelbaumes und zusätzlich die mindestens eine Sattelauflage aus Filz oder ähnlichem Material (Schaumstoff, etc.) oberhalb des Sattelbaumes aufweisen. Im Bereich der Dornfortsätze sind die Auflagen sowohl oben (auf dem Sattelbaum) als auch unten (unterhalb des Sattelbaums) geöffnet. Werden mehr als eine Sattelauflage bzw. Sattelunterlage (Filzschichten) verarbeitet, so werden die verschieden Schichten von klein nach groß gepolstert, um Kanten zu vermeiden.
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In einer besonders vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung sind die mindestens eine Sattelunterlage und die mindestens eine Sattelauflage aus jeweils mindestens zwei seitlich der Wirbelkanäle längs verlaufenden, plattenartigen und elastischen Auflagen gebildet, die für den Reiter entsprechend tailliert werden (im Bereich des Oberschenkels wird die Auflage zurückgeschnitten) und an der Vorderseite in einer stabilisierenden Wölbung (Pausche) auslaufen. Dadurch erhält der Reiter einen noch sichereren und stabileren Sitz.
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Zwischen den jeweils zwei elastischen Auflagen ist eine besonders vorteilhafte Mittelschicht (der Filzbaum) vorgesehen. Die Mittelschicht besteht aus zwei Teilen, die mittig mittels eines Gurtbandes zusammengenäht werden. Diese Mittelschicht kann aus bis zu 6 Lagen Filz bestehen, die zu einem Filzbaum vernäht und dem Rückenschwung des Pferdes angepasst werden.
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Die elastischen Auflagen und die Mittelschicht sind in einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung aus Filz oder ähnlichen Materialien gebildet, die für den Reiter entsprechend tailliert werden (im Bereich des Oberschenkels wird die Auflage zurückgeschnitten) und in einer stabilisierenden Wölbung (Pausche) auslaufen.
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Durch den erfindungsgemäßen Sattel, bestehend aus Sattelunterlage und Sattelauflage sowie der bevorzugten Mittelschicht (Filzbaum vorzugsweise aus zwei Lagen) wird zusätzlich erreicht, dass eine anpassungsfähige und doch stabile Konstruktion erreicht wird, die deutlich mehr Belastung aushält und eine flächigere Druckverteilung bietet.
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Die Konstruktion des oberen und unteren Wirbelkanals ist dabei vorzugsweise so ausgestaltet, dass die Dornfortsätze und die Wirbelsäule des Reittiers frei bleiben und somit entlastet werden.
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Die Sattelunterlage und die Sattelauflage sind vorzugsweise aus Filz gebildet. Sie bestehen aus verschiedenen taillierten Schichten von Filz und sind dadurch extrem anpassbar an den Körperbau des Reittiers und des Reiters. Die Filzschichten werden mittels Klebstoff bzw. Vernähen fest mit der Mittelschicht (dem Filzbaum) verbunden. Die verschieden zugeschnittenen Filzschichten werden sowohl bei der Sattelauflage als auch bei der Sattelunterlage von der kleinsten Filzschicht zur größten Filzschicht gepolstert, um Kanten und Druckstellen zu vermeiden.
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Die Mittelschicht (der Filzbaum) der Sattelkonstruktion wird mit einer rechts und links von der Wirbelsäule des Pferdes in V-Form angebrachten Aufhängung -gedacht für Steigbügelversehen. Die Aufhängung geht nicht über die Wirbelsäule des Reittiers. Diese Aufhängung besteht entweder aus Gurtband, Leder oder ähnlichen Materialien und ist in der Mitte mit einem stabilen Ring oder einer ähnlichen Aufhängung versehen. Je mehr Schichten in der Mittelschicht verarbeitet werden, um so stabiler wird der Sattel.
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Figurenliste
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Weitere Ziele, Merkmale, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten des erfindungsgemäßen Sattels ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels anhand der Zeichnungen. Dabei bilden alle beschriebenen und/oder bildlich dargestellten Merkmale für sich oder in beliebiger Kombination den Gegenstand der Erfindung, unabhängig von der Zusammenfassung in einzelnen Ansprüchen oder deren Rückbeziehung.
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In den Zeichnungen zeigen
- 1 den erfindungsgemäßen Sattel in der Frontansicht;
- 2 den Sattel in der Seitenansicht;
- 3 den Sattel in der Seitenansicht mit v-förmiger Gurtaufhängung;
- 4 den Sattel in der Seitenansicht mit Aufhängung für die Steigbügel;
- 5 den Sattel in der Seitenansicht mit Aufhängung für die Steigbügel und v-förmiger Gurtaufhängung
- 6 die Mittelschicht des Sattels mit der zweiten Auflage
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Ausführung der Erfindung
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Wie aus 1 ersichtlich, weisen die mindestens eine Sattelunterlage (10) und zusätzlich die mindestens eine Sattelauflage (11) jeweils einen entlang der Dornfortsätze der Wirbelsäule des Reittiers verlaufenden Wirbelkanal (100; 110) auf. Die Hülle der Sattelunterlage (10) und der Sattelauflage (11) bestehen vorzugsweise aus einem 2 bis 5 mm starken Wollfilz. Diese Hülle wird aus vorzugsweise vier Einzelteilen gefertigt, die stabil miteinander vernäht werden. Die Mittelschicht (Filzbaum) (12) besteht vorzugsweise aus mindestens zwei zu einem durchgehenden Filzstück zusammengefügten Auflagen. Die Mittelschicht (12) kann aber auch aus zwei oder mehreren Filzlagen bestehen, die zu einem einzigen Filzstück zusammengefügt werden, dem Filzbaum. Darunter werden rechts und links vorzugsweise zwei die Sattelunterlage (10) bildende Filzstücke (die Auflagen 100a, 100b) befestigt. In der Mitte bleibt ein Wirbelkanal (100) frei. Der Wirbelkanal (100) ist vorne am Widerrist (ca. 8 bis 16 cm) und an der Lendengegend (ca. 2 bis 8 cm) breit. Oberhalb der Mittelschicht werden wiederum mindestens zwei speziell zugeschnittene Filzstücke (die Auflagen 110a, 110b) befestigt. An der Lendengegend der Sattelunterlage (hinten) (10) und an der Lendengegend der Sattelauflage (hinten) (11) bleibt wiederum jeweils ein Wirbelkanal (100;110) von ca. 2 cm frei, der gerade durchläuft. Die Schichten werden vernäht bzw. mit einem Spezialkleber verklebt, der die Schichten miteinander verfilzen lässt.
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Damit der Sattel (1) am Widerrist nicht reibt oder drückt, weisen die Mittelschicht (der Filzbaum) (12) und die obere Auflage (110a; 110b) vorteilhafterweise frontseitig eine von hinten und vorne halbkreisähnliche ansteigende Wölbung (1100) auf, die in Form des Rückens des Reittiers angefertigt wird.
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Durch den Rückschnitt (die Taillierung) (1101) am unteren Ende der oberen Auflagen (110a; 110b) wird der Reitersitz gestreckt und somit maximale Bewegungsfreiheit für des Reiterbecken gewährt. Bei der Sattelauflage (11) wird zudem auch die untere Filzschicht zurückgeschnitten, und aus den auslaufenden vorderen Enden entsteht eine Wölbung, die so genannte Pausche.
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Damit kein Druck auf die Dornfortsätze der Wirbelsäule entsteht, werden die Teile 100a und 110a, 100b und 110b auf bzw. unter (12) derartig angeordnet und befestigt, dass oberhalb der Dornfortsätze ein großes und vorteilhaftes Luftkissen entsteht (100,110). Es ermöglicht so dem Reittierrücken das Heben der Rückenmuskulatur ohne Gegendruck, was derzeit nur bei dem Patent
DE 10 2017 104 790 A1 2018.09.13 umgesetzt wird und durch die hier vorliegende Konstruktion noch wesentlich verbessert wurde. Durch diese Einarbeitung des Filzbaums werden Druckspitzen durch die Sitzbeinhöcker des Reiters vermieden bzw. erheblich gemindert und das Reitergewicht noch flächiger verteilt.
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Der Sattel wird vorzugsweise mit einer Länge von ca. 35 bis 45 cm (Standardausführung) angeboten. Die Sattelfläche kann jedoch individuell verlängert werden.
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Der Filzbaum (12) ist vorzugsweise mit einer V-Vergurtung (13) aus Gurtband und Gurtstrippen (15) in den Materialien Gurtband, Biothane und Leder erhältlich. Durch die nach vorne geschnittene V-Vergurtung (13) wird die Belastung des Trapezmuskels beim Reittier vermieden. Des Weiteren wird durch die V-Vergurtung der Schulterbereich des Reittiers nicht betroffen und die Schulter kann sich ohne Probleme bewegen. Außerdem kann sich der Verlauf der Gurtstrippen individuell der Form des Rumpfes des Reittiers anpassen.
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Der erfindungsgemäße Sattel beschränkt sich in seiner Ausführung nicht auf die vorstehend angegebenen bevorzugten Ausführungsformen. Vielmehr sind eine Vielzahl von Ausgestaltungsvariationen denkbar, welche von der dargestellten Lösung auch bei grundsätzlich anders gearteter Ausführung Gebrauch machen. Der erfindungsgemäße Sattel kann u.a. wahlweise ohne oder mit Gurtstrippen ausgestattet sein oder mit anderen Materialien (Lammfellauflage, etc.) ausgestaltet werden.
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Bezugszeichenliste
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- 1
- Sattel
- 10
- Sattelunterlagen
- 11
- Sattelauflage
- 12
- Mittelschicht (Filzbaum)
- 1200
- zweite Mittelschicht
- 13
- Aufhängung der Vergurtung
- 14
- Aufhängung für Steigbügelriemen
- 15
- Gurtstrippen
- 100
- unterer Wirbelkanal
- 110
- oberer Wirbelkanal
- 100a, 100b
- untere Auflagen
- 110a, 110b
- obere Auflagen
- 1100
- halbkreisähnliche Wölbung
- 1101
- Rückschnitt
- 1102
- Pausche
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
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- DE 102017104790 A1 [0001, 0002, 0018]