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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bildanalyse und/oder Bildbearbeitung eines IR-Bildes wobei in dem IR-Bild mittels Segmentierung wenigstens ein Objekt ausgezeichnet und zur Weiterverarbeitung bereitgestellt wird und für das segmentierte Objekt wenigstens ein weiterer Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt ausgeführt wird.
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Die Erfindung betrifft weiter ein Wärmebildkamera-Set mit einer Wärmebildkamera und Bildverarbeitungsmitteln.
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Es ist bekannt, mit Wärmebildkameras IR-Bilder aufzunehmen. Dabei wird das IR-Bild erstellt, indem das Ausgangssignal eines IR-Strahlungsdetektors ausgewertet und verarbeitet wird. Ein IR-Bild kann somit aus Rohdaten des Detektors, aus offset-korrigierten Daten des Detektors oder aus radiometrischen Daten bestehen. Das IR-Bild kann als Einzelbild oder als Teil einer IR-Videosequenz aufgenommen worden sein.
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Zur Visualisierung von IR-Bildern ist es üblich, das aufbereitete Messergebnis in Falschfarben-Darstellungen darzustellen.
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Dazu wird eine Farbpalette verwendet, welche die Umsetzung von Temperaturmesswerten in einfach visuell zu erfassende Farbwerte vorgibt.
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Es hat sich herausgestellt, dass bei großen Kontrasten in den IR-Bildern unbefriedigende Ergebnisse in der Darstellung erreicht werden. Beispielsweise kann dies auftreten, wenn sogenannte hot spots vor oder hinter wesentlich kühleren Umgebungen betrachtet werden.
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Die Farbpalette, die oft eine mehr oder weniger lineare Umsetzung der Temperaturwerte in Farbwerte erlaubt, bedarf dann einer Anpassung auf den individuell dargestellten Fall.
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Um aussagekräftige Messwerte zu erhalten, ist es zudem erforderlich, möglichst genau den Emissionsgrad und den Reflexionsgrad der betrachteten Szene zu kennen. Die Aufnahme von IR-Bildern erfordert daher in der Regel die langjährige Erfahrung eines Spezialisten, ohne welche sich leicht Mess- oder Verarbeitungsfehler einschleichen können.
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Aus
US 2008 / 0 123 956 A1 ist eine Technik zur Abbildung eines Winkelsichtfeldes eines Bildschirms in Abhängigkeit einer Betrachterposition bekannt, bei welcher Rote-Augen-Regionen in einem aufgenommenen Bild detektiert werden, die zu den aktuellen Positionen eines oder mehrerer Betrachter gehören.
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Aus der
US 2007 / 0 223 815 A1 ist eine Vorrichtung zum Segmentieren von Konturen von Objekten in einem Bild bekannt, mit den folgenden Schritten: Erfassungsmittel zum Empfangen eines Eingangsbildes, das mindestens ein Objekt enthält, wobei das Bild Pixeldatensätze von mindestens zwei Dimensionen umfasst; Auswahlmittel zum Auswählen eines Referenzpunktes innerhalb des Objekts des Eingangsbildes; und Verarbeitungsmittel zum: Erzeugen einer Koordinatenkarte eines Abstandsparameters zwischen den Pixeln des Eingangsbildes und dem Referenzpunkt; Verarbeiten des Eingangsbildes, um ein kantenerkanntes Bild aus dem Eingangsbild zu erzeugen; Berechnen mindestens eines statistischen Moments des Abstandsparameters in Bezug auf ein Pixel p des Eingangsbildes, wobei die Gewichtungsfaktoren von dem kantenerfassten Bild und von einem Filterkern abhängen, der auf einer Fensterfunktion definiert ist, die auf dem Pixel p zentriert ist; und Analysieren des mindestens einen statistischen Moments, um zu bewerten, ob das Pixel p innerhalb des Objekts liegt.
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Aus der
US 2006 / 0 098 870 A1 ist ein Verfahren bekannt das folgendes umfasst:(a) Empfangen eines vom Benutzer ausgewählten Punktes in einem Bild;(b) Durchführen einer Wasserscheidentransformation an dem vom Benutzer ausgewählten Punkt, um ein primäres Objekt zu bestimmen; und (c) Hinzufügen einer benachbarten Wasserscheide-Region zu dem primären Objekt auf der Grundlage von Regionskonkurrenz und einer Glättungsbeschränkung, um ein aktualisiertes Objekt zu bilden.
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Aus Lehmann T. et al. 1997, Bildverarbeitung für die Medizin, Springer Verlag, ist die Nutzung von Infrarotbilder in der Medizin bekannt.
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Aus Haasdonk B. 2005, Digitale Bildverarbeitung, Einheit 11, Klassifikation, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, sind Standardmethoden der Objektklassifikation bekannt.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Erstellung von aussagekräftigen IR-Bildern zu vereinfachen.
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Erfindungsgemäß sind zur Lösung der Aufgabe die Merkmale von Anspruch 1 vorgesehen. Insbesondere ist somit erfindungsgemäß bei einem Verfahren der eingangs genannten Art vorgesehen, dass in einem Lernmodus für das segmentierte Objekt wenigstens ein Merkmal extrahiert und in dem Lernmodus in einem Merkmalsraum wenigstens eine objektbezogene Information zu dem segmentierten Objekt hinterlegt wird, wobei objektbezogene Informationen einzelnen Objektklassen zugeordnet werden, sodass für die segmentierten Objekte, welche in die jeweiligen Objektklassen fallen, bestimmte Einstellungen für die Bildaufbereitung automatisch vorgenommen werden, - und dass in einem Anwendungsmodus zu wenigstens einem aus dem IR-Bild (5) extrahierten Merkmal wenigstens eine objektbezogene Information in dem zugehörigen Punkt oder Bereich des Merkmalsraumes ausgelesen und zur Einstellung für die Bildaufbereitung automatisiert ausgewählt wird.
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Die Erfindung bietet so den Vorteil, dass die Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritte zur Aufbereitung der aufgenommenen Messdaten, des IR-Rohbildes, in intelligenter Weise an den dargestellten Inhalt des IR-Bildes angepasst werden können. Es ist mit der Erfindung nicht mehr erforderlich, den gewünschten Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt für das gesamte IR-Bild gleichermaßen durchzuführen, sondern es ist eine maßgeschneiderte und zielgerichtete Aufbereitung möglich. Die segmentierten Objekte sind somit voneinander und vom Hintergrund separierbar und anschließend einzeln mit Bildanalyse- oder Bildverarbeitungsschritten manipulierbar.
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Beispielsweise kann vorgesehen sein, dass die Segmentierung die Auswahl wenigstens eines Bildpunktes in dem IR-Bild umfasst. Von Vorteil ist dabei, dass das Objekt für den Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt dadurch ausgezeichnet werden kann, dass zunächst ein dem Objekt zugeordneter Bildpunkt ausgewählt wird und dass für diesen Bildpunkt in einem an sich aus der Verarbeitung von Fotografien im sichtbaren Spektralbereich bekannten Segmentierungsalgorithmus das Objekt ausgewählt wird.
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Hierbei kann vorgesehen sein, dass parallel zu dem IR-Bild ein VIS-Bild im sichtbaren Spektralbereich aufgenommen wird und dass für das VIS-Bild die Segmentierung durchgeführt wird und dass anschließend das segmentierte Objekt anhand einer Korrespondenz zwischen IR-Bild und VIS-Bild im IR-Bild ausgezeichnet wird. Bevorzugt erfolgt jedoch die Segmentierung direkt im IR-Bild.
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Günstig ist es, wenn die Segmentierung automatisiert durchgeführt wird. Dies kann beispielsweise dadurch erfolgen, dass zunächst ein Bildpunkt als Seed point oder Startpunkt und ein Startmodell als Bereich des IR-Bildes (oder VIS-Bildes) festgelegt werden und dass in dem Startmodell ein Strukturelement, ein sogenanntes Texon, als derjenige Baustein des Bildes bestimmt wird, für welchen die Intensitätsverteilung oder ein anderes strukturelles Merkmal bei Variation über das Startmodell der gesamten Intensitätsverteilung oder dem gesamten strukturellen Merkmal des Startmodells am ähnlichsten ist. Hierbei kann anschließend die Region außerhalb des Startmodells im bearbeiteten Bild ermittelt werden, die eine hohe Ähnlichkeit mit dem Texon aufweist, und es kann die so ermittelte Region mit Hilfe einer Entwicklungsgleichung propagiert werden. Das durch die Propagierung entstandene Modell kann nun erneut als Startmodell verwendet werden, bis eine Konvergenz des Verfahrens feststellbar ist.
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Bei einer Ausgestaltung der Erfindung kann vorgesehen sein, dass wenigstens zwei segmentierbare Objekte in dem IR-Bild zur Auswahl bereitgestellt werden. Beispielsweise können im IR-Bild die sinnvoll möglichen Segmentierungen zunächst automatisch rechnergestützt erkannt und anschließend zur Auswahl angeboten werden.
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Von Vorteil ist dabei, dass der Benutzer auf einfache Weise kritische Aufnahmesituationen, in denen mehrere Objekte jeweils Kandidaten für Messfehler darstellen und/oder eine individuelle Nachbearbeitung erfordern, individuell bearbeiten kann.
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Zur Automatisierung der Segmentierung ist es günstig, wenn die Segmentierung wenigstens eine Merkmalsdetektion umfasst. Von Vorteil ist dabei, dass während der Segmentierung bereits Informationen über eine Objektklasse, zu welcher das segmentierte Objekt gehört, gewinnbar sind. Zu diesen Informationen kann in einer Zuordnungstabelle wenigstens ein objektbezogener Parameter ausgelesen werden, mit welchem der Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt parametrierbar ist oder parametriert wird, beispielsweise gemäß einer Voreinstellung.
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Besonders günstig ist es, wenn die Merkmalsdetektion wenigstens eine Kanten- und/oder Eckendetektion umfasst. Zur automatisierten Erkennung von Objekten kann vorgesehen sein, dass die Segmentierung wenigstens eine Detektion geschlossener Linien oder Konturen umfasst. Von Vorteil ist dabei, dass vollständig abgebildete Objekte einfach anhand von geschlossenen Linien identifizierbar sind. Besonders günstig ist es, wenn die Detektion nach der Polar-Log-Methode erfolgt, welche aus der Objekterkennung in der sichtbaren Fotografie- und Bildbearbeitung bekannt ist. Bei dieser wird die sogenannte Edge-map in einen Polar-Raum transformiert, um die Ränder eines Objekts schneller auffinden zu können. Besonders günstig ist es, wenn das Zentrum der Polar-Log-Darstellung in den oder einen anfangs ausgewählten Bildpunkt gelegt wird.
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Bei einer Ausgestaltung der Erfindung kann vorgesehen sein, dass das IR-Bild mit einer Wärmebildkamera aufgenommen wird.
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Hierbei kann die Wärmebildkamera mit einem Sensorfeld (FPA) von Bolometern oder in Scannertechnik ausgerüstet sein.
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Eine besonders einfache Weiterverarbeitung des IR-Bildes wird ermöglicht, wenn das segmentierte Objekt über eine Ausgabeeinheit ausgegeben wird.
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Beispielsweise kann vorgesehen sein, dass das segmentierte Objekt an einer Anzeigeeinheit angezeigt wird, sodass ein Nutzer das Ergebnis eines erfindungsgemäß für das segmentierte Objekt ausgeführten, objektbezogenen Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt direkt wahrnehmen oder begutachten kann.
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Beispielsweise kann vorgesehen sein, dass der Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt ein Mitführen eines Cursors umfasst. Von Vorteil ist dabei, dass über eine Sequenz von IR-Bildern die Bewegung eines aus dem IR-Bild segmentierten Objektes verfolgt werden kann.
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Beispielsweise kann vorgesehen sein, dass der Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt eine Berechnung einer exakten Temperatur einer auf das segmentierte Objekt bezogenen Relativposition umfasst. Von Vorteil ist dabei, dass die Auswahl derjenigen Bildpunkte, für welche die Temperaturen nicht nur näherungsweise, sondern mit einem aufwendigen Rechenverfahren exakt bestimmt werden, in intelligenter Weise auf den konkreten Bildinhalt abgestimmt werden kann.
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Es kann vorgesehen sein, dass der Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt eine Auswahl einer Farb- und/oder Grauwertpalette einer Falschfarbendarstellung umfasst. Von Vorteil ist dabei, dass große Kontraste in den Bildern dadurch aufbereitet werden können, dass für besonders heiße oder besonders kalte Objekte eine andere Farbpalette genutzt wird, als für den Bildhintergrund. Alternativ oder zusätzlich kann dies genutzt werden, um uninteressante Bildbereiche des IR-Bildes auszublenden oder mit reduzierter Intensität darzustellen.
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Es kann auch vorgesehen sein, dass der Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt eine Eingabe oder Auswahl von wenigstens einem Emissions- und/oder Reflexionsgradwert umfasst. Von Vorteil ist dabei, dass die unterschiedlichen IR-optischen oder strahlungsphysikalischen Eigenschaften der dargestellten Objekte in dem verarbeiteten IR-Bild individuell eingestellt werden können.
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In einer Speichereinheit können die auszeichenbaren Objekte zu Objektklassen, zusammengefasst sein, wobei zu jeder Objektklasse objektbezogene Informationen wie Emissions-, Reflexions- und/oder Transmissionsgrade hinterlegt sind.
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Beispielsweise kann vorgesehen sein, dass in einem Lernmodus für das segmentierte Objekt wenigstens ein Merkmal extrahiert wird. Auf diese Weise können Objektklassen geschaffen werden, die jeweils ein eigenes Set von Parametern besitzen, sodass ein später segmentiertes Objekt anhand von extrahierten Merkmalen automatisch dieser Objektklasse zugeordnet werden kann.
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Der Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt kann auch ein Ein- oder Ausblenden des segmentierten Objekts oder des Komplements zu dem segmentierten Objekt in dem aufgenommenen IR-Bild umfassen.
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Es können auch weitere Arten von Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritten vorgesehen sein.
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Es kann vorgesehen sein, dass in einem oder dem Lernmodus in einem Merkmalsraum wenigstens eine objektbezogene Information zu einem segmentierten Objekt hinterlegt wird. Von Vorteil ist dabei, dass objektbezogene Informationen, wie Emissions-, Reflexions- und/oder Transmissionsgrad, den einzelnen Objektklassen zugeordnet werden können, sodass für die segmentierten Objekte, welche in die jeweiligen Objektklassen fallen, bestimmte Einstellungen für die Bildaufbereitung automatisch vorgenommen werden können.
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Es kann auch vorgesehen sein, dass die Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritte individuelle Analysefunktionen definieren, beispielsweise die Ermittlung eines minimalen Temperaturwerts, eines maximalen Temperaturwerts, eines Mittelwerts und dergleichen, für das segmentierte Objekt.
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Beispielsweise kann ein im Lernmodus extrahiertes Merkmal die geometrische Form des Objektes sein.
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Der Lernmodus kann bei einer Wärmebildkamera oder in der Software zur Aufbereitung von aufgenommenen IR-Bildern bereits werkseitig durchgeführt worden sein, oder es kann auch dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt sein, in einem Lernmodus individuelle Anwendungsfälle zu bearbeiten.
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Zur Anwendung der gelernten Regeln kann vorgesehen sein, dass in einem Anwendungsmodus zu wenigstens einem aus dem IR-Bild extrahierten Merkmal wenigstens eine objektbezogene Information in dem zugehörigen Punkt oder Bereich eines Merkmalsraums ausgelesen wird. Beispielsweise kann dies mit Hilfe einer Support Vector Machine eingerichtet sein. Von Vorteil ist dabei, dass nicht nur entschieden werden kann, welcher Objektklasse ein sogeben segmentiertes Objekt zugehört, sondern dass für das segmentierte Objekt die Einstellungen und Prozeduren, welche für die zugehörige Objektklasse angewendet werden sollen, automatisiert ausgewählt werden können.
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Besonders günstig ist es dabei, wenn die Dimension des Merkmalsraums derart eingerichtet ist oder erweitert wird, dass die Objektklassen durch Hyperebenen voneinander trennbar sind.
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Zur Lösung der Aufgabe ist bei einem Wärmebildkamera-Set der eingangs genannten Art vorgesehen, dass Bildverarbeitungsmittel zur Segmentierung wenigstens eines Objekts in einem mit der Wärmebildkamera aufgenommenen IR-Bild eingerichtet sind. Von Vorteil ist dabei, dass Objekte mittels Segmentierung ausgezeichnet werden können, für welche mit den Bildverarbeitungsmitteln ein individueller Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt ausführbar ist.
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Bei einer Ausgestaltung der Erfindung kann vorgesehen sein, dass die Bildverarbeitungsmittel in einem an die Wärmebildkamera angeschlossenen oder anschließbaren PC ausgebildet und eingerichtet sind und im online-Modus oder (nach der Datenübertragung der IR-Bilder) im offline-Modus betätigt werden.
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Eine besonders kompakte Ausgestaltung der Erfindung kann jedoch vorsehen, dass die Bildverarbeitungsmittel in die Wärmebildkamera integriert sind. Von Vorteil ist dabei, dass die Aufbereitung des aufgenommenen IR-Bildes bereits in der Wärmebildkamera erfolgen kann.
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Es kann vorgesehen sein, dass eine Ausgabeeinheit ein berührempfindliches Display aufweist, welches zur Auswahl eines segmentierten und/oder segmentierbaren Objektes und/oder eines Bildpunktes eingerichtet ist. Von Vorteil ist dabei, dass der Nutzer auf einfache Weise direkt festlegen kann, welches Objekt segmentiert werden soll. Besonders günstig ist es dabei, wenn die Ausgabeeinheit an der Wärmebildkamera ausgebildet ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei Auswahl eines Bildpunktes die Bildverarbeitungsmittel das zugehörige Objekt automatisch durch Segmentierung ermitteln können, indem automatisch, also rechnergestützt, diejenigen Punkte ermittelt werden, die inhaltlich mit dem ausgewählten Bildpunkt zusammenhängen. Durch die Möglichkeit der Auswahl eines segmentierten und/oder segmentierbaren Objektes aus mehreren Objekten kann der Nutzer in die Lage versetzt werden, zwischen zwei oder mehreren segmentierten Objekten im IR-Bild auszuwählen. Der vorgesehene Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt kann dann für das ausgewählte Objekt durchgeführt werden, während der Rest des IR-Bildes unbearbeitet bleibt oder mit einem anderen Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt aufbereitet wird.
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Zur automatischen, inhaltsgerechten Auswahl des Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschrittes kann vorgesehen sein, dass in einer Speichereinheit ein Merkmalsraum eingerichtet ist, dessen Punkte und/oder Bereiche mit Einträgen für objektbezogene Informationen belegbar sind. Von Vorteil ist dabei, dass die objektbezogenen Informationen direkt zur Festlegung des objektbezogenen Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschrittes, beispielsweise zur Auswahl einer Farbpalette und/oder zur Festlegung eines Analyseprogramms, bereitgestellt und verwendbar sind. Vorzugsweise ist eine Speichereinheit in die Wärmebildkamera integriert.
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Besonders günstig ist es, wenn bei dem erfindungsgemäßen Wärmebildkamera-Set Mittel zur Ausführung eines erfindungsgemäßen Verfahrens ausgebildet und eingerichtet sind. Dies kann beispielsweise durch geeignete Programmierung der Bildverarbeitungsmittel in einer Datenverarbeitungseinheit erreicht sein.
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Die Erfindung wird nun anhand eines Ausführungsbeispiels näher beschrieben, ist aber nicht auf dieses Ausführungsbeispiel beschränkt. Weitere Ausführungsbeispiele ergeben sich durch Kombination einzelner oder mehrerer Merkmale der Schutzansprüche untereinander und/oder mit einzelnen oder mehreren Merkmalen des Ausführungsbeispiels.
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Es zeigt:
- 1: eine Wärmebildkamera eines erfindungsgemäßen Wärmebildkamera-Sets in einer Schrägansicht von vorn,
- 2: die Wärmebildkamera gemäß 1 in einer Schrägansicht von hinten und
- 3: eine Prinzipdarstellung zur Erläuterung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
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1 und 2 zeigen in dreidimensionalen Schrägdarstellungen jeweils unterschiedliche Ansichten eines im Ganzen mit 1 bezeichneten erfindungsgemäßen Wärmebildkamera-Sets, welches eine Wärmebildkamera 2 umfasst.
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Die Wärmebildkamera weist in an sich bekannter Weise eine IR-Optik 3 mit einem hinter der IR-Optik 3 im Inneren der Wärmebildkamera 2 angeordneten IR-Strahlungsdetektor 4 auf.
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Die Wärmebildkamera 2 ist somit mit entsprechender Auswertelektronik zur Aufnahme von IR-Bildern 5 (vgl. 3) eingerichtet.
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Im Inneren der Wärmebildkamera 2 ist in einer Datenverarbeitungseinheit ein Bildverarbeitungsmittel 6 ausgebildet und eingerichtet.
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Das Bildverarbeitungsmittel 6 ist so durch Programmierung eingerichtet, dass Objekte in einem aufgenommenen IR-Bild 5 segmentiert werden können.
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Zur Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird daher zunächst mit der Wärmebildkamera 2 ein IR-Bild 5 aufgenommen, welches in 3 beispielhaft dargestellt ist.
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Das IR-Bild 5 stellt eine Szene 6 mit mehreren Objekten 7, 8 in einer Falschfarbendarstellung dar, wobei zur Berechnung der Falschfarbenwerte eine Farb- und/oder Grauwertpalette 9 verwendet wurde.
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Die dargestellten Objekte 7, 8 im IR-Bild 5 machen aufgrund der gewählten Farb- und/oder Grauwertpalette 9 im IR-Bild 5 eine Aufbereitung des Objekts 7 erforderlich, während die Objekte 8 beispielsweise keine weitere Nachbearbeitung erfordern oder für einen Weiterverarbeitung nicht relevant sind.
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Daher wird in einem Segmentierungsschritt 10 das Objekt 7 automatisch segmentiert.
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Dies geschieht dadurch, dass das IR-Bild 5 zunächst an einer Anzeigeeinheit 11 dargestellt wird und dass ein Nutzer einen Bildpunkt 12, den der Nutzer inhaltlich dem gewünschten Objekt 7 zuordnen kann, auswählt.
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Die Auswahl kann beispielsweise dadurch erfolgen, dass die Anzeigeeinheit 11 (vgl. 2) als berührempfindliches Display ausgebildet ist, und der Nutzer den Bildpunkt 12 durch entsprechende Berührung der Anzeigeeinheit 11 an der entsprechenden Position auswählt.
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Alternativ oder zusätzlich kann ein Cursor 13 mit Bedienelementen 14 (vgl. 2) auf die Position des Bildpunktes 12 verfahren werden, und es kann der unter dem Cursor 13 liegende Bildpunkt 12 ausgewählt werden.
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Das Bildverarbeitungsmittel 6 in der Wärmebildkamera 2 segmentiert nun rechnergestützt das zu dem Bildpunkt 12 gehörende Objekt 7, indem es eine geschlossene Kontur 16 automatisch, also rechnergestützt ermittelt, welche das Objekt 7 im IR-Bild 5 umgibt.
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Dies kann beispielsweise dadurch geschehen, dass Kanten 17 in dem IR-Bild 5 mit einer Kantendetektion gesucht werden, und dass die detektierten Kanten 17 zu geschlossenen Konturen 16 zusammengesetzt werden.
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Das zu segmentierende Objekt 7 ergibt sich in diesem Fall aus derjenigen Kontur 16, in deren Innerem der zuvor ausgewählte Bildpunkt 12 liegt.
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Für das segmentierte Objekt 7 wird nun wenigstens ein Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt 18 ausgeführt, während die weiteren Objekte 8, welche nicht zur Weiterverarbeitung bereitgestellt wurden, unverändert belassen oder sogar in der Darstellungsintensität reduziert werden.
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Im dargestellten Ausführungsbeispiel gemäß 3 besteht der Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt 18 in der Auswahl einer geänderten Farb- und/oder Grauwertpalette 19, welche für das Objekt 7 geeigneter ist als die Farb- und/oder Grauwertpalette 9.
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Für viele Anwendungen ist es nützlich, dass die nicht dem Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt 18 unterworfenen Teile des IR-Bildes, insbesondere die Objekte 8, gemeinsam mit dem aufbereiteten segmentierten Objekt 7 angezeigt oder ausgegeben werden.
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Statt oder zusätzlich zu der Auswahl einer Farb- und/oder Grauwertpalette 19 kann für das Objekt 7 auch ein geänderter Emissionsgradwert und/oder ein geänderter Reflexionsgradwert angewendet werden, mit dem oder mit denen für das Objekt 7 sich ein geänderter Temperaturwert gegenüber dem Ausgangswert ergibt.
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Es kann auch vorgesehen sein, dass für das Objekt 7 ein anderer Vergrößerungsfaktor und/oder ein anderer Helligkeitswert als für den nichtsegmentierten Bildanteil des IR-Bildes 5 angewendet wird.
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Das so aufbereitete IR-Bild 5 wird anschließend erneut an der Anzeigeeinheit 11 ausgegeben.
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In der Wärmebildkamera 2 (oder in weiteren Ausführungsbeispielen in einem angeschlossenen PC) befindet sich ferner eine Speichereinheit 20, in welcher ein Merkmalsraum eingerichtet ist, dessen Punkte und/oder Bereiche mit Einträgen für objektbezogene Informationen belegt sind.
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Das Bildverarbeitungsmittel 6 extrahiert für das segmentierte Objekt 7 eine vorgegebene Anzahl und Art von Merkmalen und ermittelt, welche Objektklassen in einem festgelegten Merkmalsraum zu dem Satz von extrahierten Merkmalen gehört.
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Anschließend wird die zu der Objektklasse hinterlegte objektbezogene Information, beispielsweise eine objektspezifische Farb- und/oder Grauwertpalette, ein Vergrößerungsfaktor, ein Helligkeits- oder Transparenzwert oder ein auszuführendes Analyseprogramm, automatisch aus einer Zuordnungstabelle ausgelesen, und das Bildverarbeitungsmittel wendet diese Information in einem Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt 18 automatisch auf das segmentierte Objekt 7 an.
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Wird die Wärmebildkamera 2 zur Aufnahme neuerer Bilder bewegt, so wandert das Objekt 7 über das IR-Bild 5.
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Das Bildverarbeitungsmittel 6 erkennt diese Bewegung und führt den Cursor 13 so nach, dass dessen Relativposition in Bezug auf das jeweils dargestellte Objekt 7 immer einen festen Wert einnimmt.
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Somit kann beispielsweise an der Bildposition 12 des Cursors 13 die Temperatur des segmentierten Objekts 7 über mehrere IR-Bilder 5 einer Video-Sequenz verfolgt werden, auch wenn sich das Objekt 7 zwischen den einzelnen IR-Bildern 5 bewegt oder verändert
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Bei dem Wärmebildkamera-Set 1, welches wenigstens eine Wärmebildkamera 2 und ein Bildverarbeitungsmittel 6 umfasst, ist ein Verfahren zur Bildanalyse- und/oder Bildbearbeitung eines mit der Wärmebildkamera 2 aufgenommenen IR-Bildes 5 eingerichtet, bei welchem ein angewähltes Objekt 7 in dem IR-Bild 5 automatisch rechnergestützt segmentiert und einem objektbezogenen Bildanalyse- oder Bildbearbeitungsschritt 18 unterworfen wird.