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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur automatisierten Identifikation wenigstens einer Verengung wenigstens eines Hohlgefäßes, insbesondere eines Blutgefäßes. Die Erfindung betrifft außerdem eine Recheneinheit zur Ausführung des Verfahrens sowie einen Datenträger, welcher ein das Verfahren umsetzendes Programm aufweist.
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Die Untersuchung von Hohlgefäßen von Patienten auf Anomalien mittels bildgebender Geräte hat im klinischen Alltag eine hohe Bedeutung. So machen CT- oder MR-Angiographien zur Untersuchung des Gefäßsystems eines Patienten ca. 80% der täglichen Untersuchungen mit einem Computertomographiegerät bzw. einem MR-Gerät in einer Klinik aus. Bei nahezu jeder Angiographie wird eine Vielzahl von Bildern erzeugt, beispielsweise werden bei einer CT-Angiographie bis zu 3000 Schichtbilder erzeugt, die zum Auffinden von Anomalien, insbesondere zum Auffinden von Verengungen der Hohl- bzw. der Blutgefäße des Gefäßsystems gesichtet werden müssen. Bei Patienten mit arterieosklerotischer Gefäßerkrankung sind häufig viele Blutgefäße mit Verengungen und teils schweren Verschlüssen vorhanden, die alle in den Schichtbildern gefunden und anhand der Schichtbilder befundet werden müssen.
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Das Auffinden und Befunden von Verengungen von Hohlgefäßen ist aber zeitaufwändig und erfordert auch heute noch viele manuelle Schritte, z. B. die sequentielle Sichtung der erzeugten Schichtbilder, die Veranlassung der Erzeugung geeigneter Multiplanarer Reformationen, die manuelle oder die Veranlassung der automatisierten Erstellung von Mittelinien in Hohlgefäßen zur Veranlassung der Erstellung geeigneter Curved Planarer Reformationen etc., um die Verengungen auffinden, in geeigneter Weise sichten und beurteilen zu können.
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Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde ein Verfahren, eine Recheneinheit und einen Datenträger der eingangs erwähnten Art derart anzugeben, dass zumindest die Voraussetzung für eine schnellere Befundung einer Verengung eines Hohlgefäßes eines Lebewesens geschaffen wird.
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Nach der Erfindung wird diese Aufgabe gelöst durch ein Verfahren zur automatisierten Identifikation wenigstens einer Verengung wenigstens eines Hohlgefäßes wenigstens eines Lebewesens nach Anspruch 1. Ausgangspunkt des Verfahrens ist ein rekonstruierter Bilddatensatz, welcher das wenigstens eine Hohlgefäß des wenigstens einen Lebewesens aufweist. In der Regel ist das wenigstens eine Hohlgefäß in dem Bilddatensatz segmentiert. Dem wenigstens einen Hohlgefäß ist eine Profilverlaufskurve zugeordnet, welche basierend auf der Querschnittsfläche und/oder dem Durchmesser des wenigstens einen Hohlgefäßes das freie Lumen des wenigstens einen Hohlgefäßes kennzeichnet. Die Ermittlung einer derartige Profilverlaufskurve ist im Übrigen in der
DE 10 2009 023 504.3 beschrieben, deren Offenbarung in die vorliegende Patentanmeldung miteinbezogen wird.
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Die Profilverlaufskurve des wenigstens einen Hohlgefäßes wird automatisiert derart ausgewertet, dass eine oder mehrere Verengungen des wenigstens einen Hohlgefäßes identifiziert werden. Durch die automatisierte Auswertung mehrerer Profilverlaufskurven mehrerer Hohlgefäße eines oder mehrerer Lebewesen können mehrere Verengungen mehrerer Hohlgefäße automatisiert identifiziert werden. Die so identifizierten Verengungen können einem Befunder schließlich für eine schnellere Befundung angeboten bzw. visualisiert werden.
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Nach einer Variante der Erfindung wird eine Stelle oder ein Abschnitt des wenigstens einen Hohlgefäßes als Verengung identifiziert, wenn der aus der Profilverlaufskurve stammende Istprofilwert der Querschnittsfläche an der Stelle oder in dem Abschnitt von einem Vergleichsprofilwert der Querschnittsfläche an der Stelle oder in dem Abschnitt um mehr als einen ersten Wert oder einen ersten Prozentsatz und/oder wenn der aus der Profilverlaufskurve stammende Istprofilwert des Durchmessers an der Stelle oder in dem Abschnitt von einem Vergleichsprofilwert des Durchmessers an der Stelle oder in dem Abschnitt um mehr als einen zweiten Wert oder einen zweiten Prozentsatz abweicht. Vorzugsweise beträgt der erste Prozentsatz zwischen 45% und 95%, vorzugsweise 75%, und/oder der zweite Prozentsatz zwischen 25% und 75%, vorzugsweise 50%. Bei einer derartigen Abweichung ist von einer Verengung auszugehen, die begutachtet werden muss. Die angegebenen Prozentsätze sind dabei exemplarisch zu verstehen und können ggf. auch anders gewählt bzw. vorgegeben werden. Für die vorliegende Erfindung wird im Übrigen auch ein Totalverschluss eines Hohlgefäßes als Verengung verstanden.
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Nach einer weiteren Variante der Erfindung wird jede identifizierte Verengung des wenigstens einen Hohlgefäßes quantifiziert, wobei die Querschnittsfläche, der Durchmesser und/oder die Länge der Verengung ermittelt werden. Bevorzugt erfolgt die Ermittlung der Querschnittsfläche, des Durchmessers und der Länge einer identifizierten Verengung anhand der Verlaufsprofilkurve des die Verengung aufweisenden Hohlgefäßes.
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Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung werden mehrere Verengungen in wenigstens einem oder mehreren Hohlgefäßen eines oder mehrerer Lebewesen identifiziert und es erfolgt eine automatisierte Priorisierung der identifizierten Verengungen. Der automatisierten Priorisierung der identifizierten Verengungen liegt die Überlegung zugrunde, die Verengungen nach ihrem Schweregrad zu sortieren bzw. zu ordnen, so dass ein Befunder unmittelbar die schwerwiegendsten Verengungen erkennen und die Befundung dieser Verengungen zuerst vornehmen kann.
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Varianten der Erfindung sehen vor, die Priorisierung der identifizierten Verengungen anhand der Querschnittsflächen, der Durchmesser und/oder der Längen der identifizierten Verengungen vorzunehmen. Vorzugsweise wird für die Priorisierung mehrerer identifizierter Verengungen für jede identifizierte Verengung ein Wertetupel aus der Querschnittsfläche, dem Durchmesser und der Länge der jeweiligen identifizierten Verengung gebildet, wobei für die Priorisierung der identifizierten Verengungen der Querschnittsfläche einer identifizierten Verengung die höchste, dem Durchmesser der identifizierten Verengung die zweit höchste und der Länge der identifizierten Verengung die dritt höchste Bedeutung zugemessen wird. Weisen also beispielsweise zwei identifizierte Verengungen die gleiche Querschnittsfläche und den gleichen Durchmesser auf, wird diejenige der identifizierten Verengungen als schwerwiegender klassifiziert, die eine größere Länge umfasst. Auf diese Weise kann eine Reihenfolge der identifizierten Verengungen nach deren Schweregrad erstellt werden.
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Eine Ausführungsform der Erfindung sieht vor, jeder priorisierten identifizierten Verengung, also beispielsweise jedem Wertetupel wenigstens eine Darstellungsform der jeweiligen identifizierten Verengung zuzuordnen, in der die identifizierte Verengung bei einer Auswahl der identifizierten Verengung dargestellt wird. In der Regel sind jeder identifizierten Verengung mehrere Darstellungsformen zugeordnet, so dass bei einer Aus- oder Anwahl einer bestimmten identifizierten Verengung unmittelbar die die identifizierte Verengung zeigenden, verschiedenen Darstellungen z. B. auf einem Sichtgerät dargestellt werden. Vorzugsweise wird eine identifizierte Verengung eines Hohlgefäßes in einer Curved Planaren Reformation (CPR) und/oder in zwei um 90° zueinander versetzte Curved Planare Reformationen (CPR) und/oder als „Ribbon View” des die identifizierte Verengung aufweisenden Hohlgefäßes dargestellt. Die zwei um 90° versetzten Curved Planaren Reformationen werden erzeugt, um eine Verengung aus verschiedenen Richtungen begutachten zu können. Unter einer „Ribbon View”-Darstellung versteht man eine Art in die Länge gezogene Curved Planare Reformationen eines Hohlgefäßes, bei der die aus der Curved Planaren Reformationen stammenden Grau- oder Farbwerte der Pixel gleich bleiben, die Darstellung des Gefäßes jedoch derart modifiziert wird, dass der an sich gekrümmte Verlauf des Hohlgefäßes geradlinig bzw. geradliniger wird. Betrachtet man das Hohlgefäß also als eine Art gekrümmten Faden, wird dieser Faden bzw. für die Bildgebung das Hohlgefäß in die Länge gezogen, um eine geradlinige Darstellung des Hohlgefäßes zu erhalten. Die „Ribbon-View”-Darstellung wird im Übrigen auch als straightened bzw. geglättete Curved Planare Reformation bezeichnet.
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Eine weitere Ausführungsform der Erfindung sieht vor, jeweils die Profilverlaufskurve eines wenigstens eine identifizierte Verengung aufweisenden Hohlgefäßes vorzugsweise zusammen mit den erwähnten Darstellungsformen der wenigstens einen identifizierten Verengung zu visualisieren, wobei in die Profilverlaufskurve ein Marker eingetragen ist, welcher die identifizierte Verengung kennzeichnet.
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Nach einer Variante der Erfindung wird basierend auf der Priorisierung der identifizierten Verengungen eine Rangliste der Lebewesen bzw. der Patienten erstellt, deren aufgrund ihres Schweregrades identifizierte Verengungen vorrangig zu befunden sind. Eine solche Rangliste kann in einem Speicher eines Befundungsrechners bereitgehalten und bei neu hinzukommenden Patienten kontinuierlich aktualisiert werden.
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Die der vorliegenden Erfindung zugrundeliegende Aufgabe wird auch gelöst durch eine Recheneinheit, die zur Ausführung eines der vorstehend beschriebenen Verfahren eingerichtet ist. Die Recheneinheit kann beispielsweise eine Workstation zur Befundung sein. Die Recheneinheit kann aber auch Teil eines bildgebenden Gerätes zur Erzeugung eines Bilddatensatzes von wenigstens einem Hohlgefäß wenigstens eines Lebewesens beispielsweise eines Computertomographiegerätes, eines MR-Gerätes oder eines Ultraschallgerätes sein.
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Des Weiteren wird die der vorliegenden Erfindung zugrundeliegende Aufgabe gelöst durch einen Datenträger, welcher ein Rechenprogramm aufweist, welches eines der vorstehend beschriebenen Verfahren umsetzt, wobei das Rechenprogramm auf dem Datenträger gespeichert und von einer Recheneinheit von dem Datenträger ladbar ist, um eines der vorstehend beschriebenen Verfahren auszuführen, wenn das Rechenprogramm in der Recheneinheit geladen ist. Bei dem Datenträger kann es sich um einen tragbaren Datenträger, beispielsweise eine CD, oder auch um einen Rechner handeln, von dem das Rechenprogramm beispielsweise über das Internet geladen werden kann.
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Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in den beigefügten schematischen Zeichnungen dargestellt. Es zeigen:
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1 ein Röntgencomputertomographiegerät und
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2, 3 eine Curved Planare Reformation eines Herzkranzgefäßes mit Profilverlaufskurve.
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In den Figuren sind gleiche oder funktionsgleiche Elemente, Komponenten, Gewebe etc. durchwegs mit gleichen Bezugszeichen versehen. Die Darstellungen in den Figuren sind schematisch und nicht zwingend maßstabsgetreu, wobei Maßstäbe zwischen den Figuren variieren können. Auf das in 1 dargestellte Röntgencomputertomographiegerät 1 wird im Folgenden und ohne Einschränkung der Allgemeinheit nur insoweit eingegangen als es zum Verständnis der Erfindung für erforderlich erachtet wird.
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Das in 1 gezeigte Röntgencomputertomographiegerät 1 weist eine Patientenliege 2 zur Lagerung eines zu untersuchenden Patienten P auf. Das Röntgencomputertomographiegerät 1 umfasst ferner eine Gantry 4 mit einem um eine Systemachse 5 drehbar gelagerten Röhren-Detektor-System. Das Röhren-Detektor-System weist einander gegenüberliegend eine Röntgenröhre 6 und eine Röntgendetektoreinheit 7 auf. Im Betrieb geht von der Röntgenröhre 6 Röntgenstrahlung 8 in Richtung der Röntgendetektoreinheit 7 aus, und wird mittels dieser erfasst.
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Die Patientenliege 2 weist einen Liegensockel 9 auf, an dem eine zur eigentlichen Lagerung des Patienten P vorgesehene Patientenlagerungsplatte 10 angeordnet ist. Die Patientenlagerungsplatte 10 ist derart relativ zu dem Liegensockel 9 verstellbar, dass die Patientenlagerungsplatte 10 mit dem Patienten P in die Öffnung 3 der Gantry 4 zur Aufnahme von 2D-Röntgenprojektionen von dem Patienten P, z. B. in einem Sequenzscan oder einem Spiralscan, eingeführt werden kann. Die rechnerische Verarbeitung der 2D-Röntgenprojektionen, d. h. die Rekonstruktion von Schichtbildern oder eines Volumendatensatzes von einer Körperregion des Patienten P basierend auf den 2D-Röntgenprojektionen erfolgt mit einem schematisch dargestellten Bildrechner 11 des Röntgencomputertomographiegerätes 1. Der Bildrechner 11 des Röntgencomputertomographiegerätes 1 ist im Falle des vorliegenden Ausführungsbeispiels der Erfindung mit einer Recheneinheit 12 verbunden, mit der die mit dem Bildrechner 11 rekonstruierten Schicht- oder Volumenbilder gesichtet und befundet werden sollen.
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Mit dem Röntgencomputertomographiegerät 1 soll im Falle des vorliegenden Ausführungsbeispiels der Erfindung eine Untersuchung des Herzens H des Patienten P, insbesondere der Herzkranzgefäße auf Verengungen bzw. Stenosen erfolgen. Hierzu ist die Recheneinheit 12 mit einem entsprechenden Rechenprogramm 13 versehen, das vorliegend mittels eines tragbaren Datenträgers 16 bzw. Speichermediums, beispielsweise einer CD, in die Recheneinheit 12 geladen wurde. Das Rechenprogramm 13 setzt ein Verfahren zur automatisierten Identifikation und Priorisierung von Verengungen in Hohlgefäßen, hier den Herzkranzgefäßen um.
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Zunächst wird mit dem Bildrechner 11 des Röntgencomputertomographiegerätes 1 in an sich bekannter Weise ein Satz von in Richtung der Systemachse 5 hintereinander liegenden, axialen Schichtbildern vom Herzen H des Patienten P basierend auf aufgenommen 2D-Röntgenprojektionen rekonstruiert, der die Herzkranzgefäße des Patienten P aufweist. Dieser Satz von Schichtbildern wird in einem Speicher 14 abgespeichert und steht somit der Recheneinheit 12 zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung.
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Für die Bearbeitung der Schichtbilder ist die Recheneinheit 12 mit einer Software versehen, mit der die Herzkranzgefäße des Herzens H in den Schichtbildern vorzugweise vollautomatisch identifiziert und segmentiert werden. Ggf. kann auch eine manuelle Nachbearbeitung der Schichtbilder erfolgen, sollten nicht alle Herzkranzgefäße automatisch identifiziert und segmentiert worden sein. Von der Software werden schließlich alle automatisch und ggf. manuell identifizierten Herzkranzgefäße automatisiert jeweils mit einer Mittelinie versehen. Des Weiteren werden die identifizierten Herzkranzgefäße von der Software mit Profilverlaufskurven versehen.
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Dieser Vorgang ist exemplarisch in 2 anhand eines Abschnittes eines Herzkranzgefäßes 20 des Herzens H veranschaulicht, das Abnormalitäten in Form von Verengungen aufweist. Für das Herzkranzgefäß 20 wird, wie bereits erwähnt, zunächst die Mittellinie 22 bestimmt. Anschließend wird die schlauchförmige Hülle 23 des Herzkranzgefäßes 20 beispielsweise Pixel für Pixel bzw. Voxel für Voxel entlang des Verlaufs des Herzkranzgefäßes 20 ermittelt, was z. B. mit Hilfe einer Grauwertanalyse in den CT-Bilddaten der rekonstruierten Schichtbilder erfolgen kann. Basierend auf der ermittelten Hülle 23 wird die Profilverlaufskurve 24 für das Herzkranzgefäß 20 entwickelt bzw. abgeleitet, welche rechts neben der Abbildung des Herzkranzgefäßes 20 dargestellt ist.
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Die Profilverlaufskurve 24 verkörpert bzw. veranschaulicht im Falle des vorliegenden Ausführungsbeispiels der Erfindung den Verlauf des Wertes der Querschnittsfläche des freien Lumens des Herzkranzgefäßes 20 entlang des Verlaufs des Herzkranzgefäßes 20, wobei die zu den Querschnittsflächen gehörigen Querschnittsebenen im Falle des vorliegenden Ausführungsbeispiels der Erfindung stets rechtwinklig zur Mittelinie 22 stehen, wie dies für die exemplarisch in 2 eingetragenen Querschnittsebenen 25 bis 29 der Fall ist.
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Für die Querschnittsebenen 25 bis 29 sind in 2 links neben der Darstellung des Herzkranzgefäßes 20 die zu den Querschnittsebenen 25 bis 29 gehörigen fünf Querschnittsdarstellungen 30 bis 34 des Herzkranzgefäßes 20 gezeigt.
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Es wird also deutlich, dass für jede Querschnittsebene anhand des Satzes von Schichtbildern der Wert der Querschnittsfläche des freien Lumens des Herzkranzgefäßes 20 ermittelt werden kann, ebenso wie die verschiedenen Durchmesser einer Querschnittsfläche, die in der Regel nicht kreisförmig ist. Im Falle des vorliegenden Ausführungsbeispiels der Erfindung werden neben dem maximalen Durchmesser D1, insbesondere der minimale Durchmesser D2 einer Querschnittsfläche ermittelt, der ebenfalls die Basis für eine Profilverlaufskurve bilden könnte. Der Verlauf des minimalen Durchmessers des Herzkranzgefäßes 20 entlang des Verlaufs des Herzkranzgefäßes für eine alternative Profilverlaufskurve ist dem Verlauf des maximalen Durchmessers des Herzkranzgefäßes 20 entlang des Verlaufs des Herzkranzgefäßes vorzuziehen, da der minimale Durchmesser hinsichtlich einer Verengung den kritischeren Wert darstellt.
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Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren werden mittels des Rechenprogramms 13 alle Profilverlaufskurve der Herzkranzgefäße des Herzens H auf Verengungen hin ausgewertet, wobei die Verengungen anhand der Profilverlaufskurven identifiziert und anschließend priorisiert werden.
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Im Falle des vorliegenden Ausführungsbeispiels der Erfindung wird eine Stelle oder ein Abschnitt eines Herzkranzgefäßes dann als Verengung identifiziert, wenn der aus der Profilverlaufskurve stammende Istprofilwert der Querschnittsfläche an der betrachteten Stelle oder in dem betrachteten Abschnitt von einem Vergleichsprofilwert der Querschnittsfläche an der betrachteten Stelle oder in dem betrachteten Abschnitt um mehr als 75% abweicht.
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Um dies automatisiert bewerkstelligen zu können, wird nach einer ersten Ausführungsform der Erfindung für jedes Herzkranzgefäß als Vergleichsprofilwert ein Idealprofilwert bestimmt. Hierzu wird auf Basis einer Regressionsanalyse jeweils eine Näherungskurve an eine Profilverlaufskurve angefittet, die den Idealverlauf der Querschnittsfläche des freien Lumens des jeweiligen Herzkranzgefäßes repräsentiert, wie dies in der
DE 10 2009 023 504.3 beschrieben ist.
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Im Falle des vorliegenden Ausführungsbeispiels der Erfindung wurde eine Näherungskurve in Form einer Geraden 35 an die Profilverlaufskurve 24 angefittet, die den Idealverlauf der Querschnittsfläche des freien Lumens des Herzkranzgefäßes 20 repräsentiert. Dabei ist erkennbar, dass das freie Lumen des Herzkranzgefäßes 20 nach unten zu kleiner wird, was auf der natürlichen Verjüngung des Herzkranzgefäßes beruht. Jetzt kann der Verlauf der Profilverlaufskurve 24 automatisiert ohne Interaktion eines Benutzers bzw. eines Befunders auf Verengungen hin ausgewertet werden. Basierend auf der Geraden 35 kann dabei zu jedem aus der Profilverlaufskurve 24 stammenden Istprofilwert einer Querschnittsfläche der korrespondierende Idealprofilwert der Querschnittsfläche angegeben und für die Identifizierung einer Verengung der Istprofilwert zum Idealprofilwert der Querschnittsfläche einer bestimmten Stelle bzw. eines bestimmten Abschnitts des Herzkranzgefäßes in Beziehung gesetzt werden.
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Auf diese Weise werden im Falle des vorliegenden Ausführungsbeispiels der Erfindung zwei Verengungen des Herzkranzgefäßes 20 identifiziert. Die erste Verengung wird an der Stelle 36 identifiziert, der die Querschnittsebene 27 zugeordnet ist. Die zweite Verengung wird an der Stelle 37 identifiziert, der die Querschnittsebene 29 zugeordnet ist.
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Nach einer zweiten Ausführungsform der Erfindung können Verengungen eines Herzkranzgefäßes anhand seiner Profilverlaufskurve auch derart ermittelt werden, dass zunächst die Minima der Profilverlaufskurve des Herzkranzgefäßes ermittelt werden. Anschließend werden in unmittelbarer Nachbarschaft eines jeden Minimums vorzugsweise symmetrisch um das Minimum ein Wert vor und ein Wert nach dem Minimum aus der Profilverlaufskurve ermittelt und aus diesen der Mittelwert gebildet. Die Werte werden dabei in einem Abstand von 1 mm bis 5 mm vor bzw. nach dem Minimum ermittelt, damit diese einerseits nicht in der potentiellen Verengung liegen und andererseits nicht zu weit von dem Minimum entfernt sind und somit nicht mehr für die Gefäßstelle repräsentativ sind. Dieser Mittelwert stellt für das jeweilige Minimum jeweils den Vergleichsprofilwert dar, zu dem das jeweilige Minimum als Istprofilwert in Beziehung gesetzt wird.
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Alternativ können die Werte in unmittelbarer Nachbarschaft eines jeden Minimums, also beispielsweise ein Wert vor und ein Wert nach dem Minimum außerhalb der potentiellen Verengung derart ermittelt werden, dass die Profilverlaufskurve 24 mit der Geraden 35 verglichen wird und diejenigen Werte vor und nach dem Minimum zur Bestimmung des Mittelwertes herangezogen werden, die außerhalb der Verengung liegen. Beispielsweise könnten die Schnittpunkte der Profilverlaufskurve 24 mit der Geraden 35 in der Nachbarschaft eines Minimums zur Bestimmung des Mittelwertes bzw. des Vergleichsprofilwertes herangezogen werden.
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Weicht der Istprofilwert wieder mehr als 75% von dem Vergleichsprofilwert ab, liegt eine Verengung vor. Auch auf diese Weise können die erste Verengung 36 und die zweite Verengung 37 identifiziert werden.
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Für jede der beiden Verengungen 36 und 37 wird jeweils ein Wertetupel aus der zugehörigen Querschnittsfläche, dem minimalen Durchmesser der Querschnittsfläche und der in Richtung der Mittelinie 22 gemessenen Länge der jeweiligen Verengung gebildet. Der Wert der Querschnittsfläche lässt sich dabei jeweils direkt aus der Profilverlaufskurve 24 entnehmen. Der minimale Durchmesser für jede Verengung wurde ebenfalls schon im Rahmen der Ermittlung der Querschnittsfläche ermittelt und liegt für beide Verengungen ebenso vor. Die Länge einer Verengung kann ebenfalls aus der Profilverlaufskurve 24 ermittelt werden, indem bei Fortschreiten entlang des Verlaufs des Herzkranzgefäßes festgestellt wird, wie lange die Bedingung zum Vorliegen einer Verengung erfüllt ist, wonach der Istprofilwert für die Querschnittsfläche mehr als 75% vom Idealprofilwert bzw. von dem Vergleichsprofilwert der Querschnittsfläche abweichen muss.
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Da der zu einer Stenose bzw. einer Verengung gehörige entzündliche Bereich des Hohlgefäßes in der Regel länger ist als die Verengung, kann die Länge der Stenose bzw. der Verengung auch derart ermittelt werden, dass die Profilsverlaufkurve 24 mit der Geraden 35 verglichen wird, wobei die Länge derart bestimmt wird, dass die Profilverlaufskurve 24 im Bereich der Verengung um einen bestimmten Wert, z. B. mindestens der Standardabweichung, von der Geraden 35 abweichen muss. Dadurch ergeben sich zwei die Stenose bzw. die Verengung eingrenzende Werte, die deren Länge festlegen.
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Im Falle des vorliegenden Ausführungsbeispiels der Erfindung weisen die Verengungen 36 und 37 dieselbe Querschnittfläche des freien Lumens und denselben minimalen Durchmesser auf. Die Verengung 37 weist jedoch eine größere Länge als die Verengung 36 auf, so dass der Wertetupel W1 aus der Querschnittsfläche, dem minimalen Durchmesser und der Länge der Verengung 37 höher priorisiert wird als der entsprechende Wertetupel W2 für die Verengung 36.
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Ist die Priorisierung für alle identifizierten Verengungen erfolgt, werden im Falle des vorliegenden Ausführungsbeispiels der Erfindung zu allen Herzkranzgefäßen jeweils zwei bezüglich der Mittelinie des jeweiligen Herzkranzgefäßes um 90° relativ zueinander versetzte Curved Planare Reformationen erzeugt, die mit der jeweiligen Profilkurve des jeweiligen Herzkranzgefäßes verknüpft werden. Des Weiteren wird für jedes Herzkranzgefäße eine „Ribbon View”-Darstellung erzeugt.
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Die priorisierten Wertetupel werden, wie dies in 1 schematisch veranschaulicht ist, gemäß der Reihenfolge ihrer Priorität auf dem Sichtgerät 15 für einen Befunder dargestellt. Der Wertetupel W1 hat dabei die höchste Priorität, der Wertetupel W2 die zweit höchste Priorität usw.. Der Befunder kann über die Eingabemittel, z. B. die Tastatur der Recheneinheit 12 jede einem Wertetupel zugeordnete Verengung beginnend mit der Höchstprioren befunden. Der Befunder ist dabei in der Wahl der zu befundenden Verengung frei, er kann die Wertetupel frei durchblättern und frei die Verengung wählen, die er aktuell befunden möchte.
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Wählt er beispielsweise die Verengung 36 zur Befundung aus, der vorliegend der Wertetupel W2 zugeordnet ist, wird das die Verengung 36 aufweisende Herzkranzgefäß 20 beispielsweise wie in 3 gezeigt auf dem Sichtgerät 15 dargestellt. Im Falle des vorliegenden Ausführungsbeispiels der Erfindung wird also links eine Curved Planare Reformation des Herzkranzgefäßes 20 und rechts die Profilverlaufskurve 24 des Herzkranzgefäßes 20 mit einem Stenosemarker 38 zur Kennzeichnung der Verengung 36 dargestellt. Zusätzlich könnte eine zweite Curved Planare Reformation des Herzkranzgefäßes 20 angezeigt werden, welche um 90° zu der in 3 gezeigten Curved Planare Reformation versetzt ist. Während die erste Curved Planare Reformation des Herzkranzgefäßes 20 beispielsweise eine Art Ansicht von oben des Herzkranzgefäßes 20 zeigt, zeigt die zweite Curved Planare Reformation des Herzkranzgefäßes 20 eine Sicht von der Seite auf das Herzkranzgefäß 20.
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Des Weiteren könnte zusätzlich eine „Ribbon View”-Darstellung des Herzkranzgefäßes 20 angezeigt werden. In der „Ribbon View”-Darstellung würde das Herzkranzgefäß 20 quasi in die Länge bzw. gerade gezogen werden, so dass sein gekrümmter Verlauf geradlinig bzw. geradliniger wird.
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Bevorzugt werden auch die Werte der Querschnittsfläche, des minimalen Durchmessers und der Länge der Verengung 36 angezeigt, was in 3 jedoch nicht der Fall ist. Der Stenosemarker 38 kann ein interaktiver Stenosemarker sein. In diesem Fall kann der Stenosemarker beispielsweise mit einer Computermaus längs der Profilverlaufskurve verschoben werden, wobei jeweils die Bilddarstellungen sofern erforderlich sowie die angezeigten Werte der Querschnittsfläche und des minimalen Durchmessers des Herzkranzgefäßes angepasst werden, die aus der Profilverlaufskurve bekannt sind. Der Wert für die Länge einer Verengung kann nur dann angezeigt werden, wenn an der Stelle des Stenosemarkers eine solche vorliegt.
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Die Priorisierung der identifizierten Verengungen muss sich im Übrigen nicht notwendigerweise auf die identifizierten Verengungen eines Hohlorgans eines Patienten beschränken. Vielmehr kann sich die Priorisierung auf alle zur Befundung anstehenden, identifizierten Verengungen von Hohlorganen verschiedener Patienten beziehen. Des Weiteren kann basierend auf der Priorisierung der identifizierten Verengungen beispielsweise ein Patient, welcher die höchstgradigen, identifizierten Verengungen aufweist, in einer Befundungsliste visuell hervorgehoben werden oder in der Reihefolge der Befundung an Platz eins gesetzt werden. Auf diese Weise kann ein identifizierte Verengungen befundender Arzt sofort den oder die Patienten identifizieren, die vorrangig zu behandeln sind.
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Die Erfindung wurde vorstehend am Beispiel von Herzkranzgefäßen als Hohlgefäßen beschrieben. Die Anwendung der Erfindung ist jedoch nicht auf Herzkranzgefäße beschränkt. Vielmehr können auch andere blutführende Gefäße eines Lebwesens oder andere Hohlgefäße eines Lebewesens mit dem erfindungsgemäßen Verfahren auf das Vorliegen von Verengungen untersucht werden.
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Der der Identifizierung und der Priorisierung von Verengungen zugrundeliegende Bilddatensatz muss im Übrigen nicht notwendigerweise mit einem Röntgencomputertomographen erzeugt werden, sondern kann auch mit einem MR-Gerät oder einem Ultraschallgerät erzeugt werden.
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde automatisiert erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information des Lesers aufgenommen. Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
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Zitierte Patentliteratur
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- DE 102009023504 [0005, 0031]