DE102018119832A1 - Verfahren und Vorrichtung zum Betrieb eines autonom fahrenden Fahrzeuges - Google Patents
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Abstract
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Betrieb eines autonom fahrenden Fahrzeuges (1) in einer Blockadesituation auf einer Fahrspur (F1, F2). Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass bei einer erfassten Blockadesituation auf einer gegenläufigen Fahrspur (F2) das Fahrzeug (1) derart beabstandet zu einem vorausfahrenden Fahrzeug (2) an einem ermittelten Haltepunkt in den Stillstand versetzt wird, dass einem entgegenkommenden weiteren Fahrzeug (5), welches beabsichtigt, die Blockadesituation zu umfahren, ausreichend Rangierraum zur Verfügung gestellt wird.
Description
- Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Betrieb eines autonom fahrenden Fahrzeuges in einer Blockadesituation auf einer Fahrspur.
- Aus der
DE 10 2016 203 086 A1 sind ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Fahrerassistenz bekannt. Bei dem Verfahren führt ein Ego-Fahrzeug ein Fahrmanöver automatisch durch, wobei während der Ausführung des Fahrmanövers Objekte in der Umgebung des Ego-Fahrzeuges erkannt werden. Die Objekte werden klassifiziert, wobei Engstellen bildende stationäre Objekte und entgegenkommende Fahrzeuge klassifiziert werden. Anschließend erfolgt ein Vorausberechnen der Bewegung des Ego-Fahrzeuges und der Bewegung von entgegenkommenden Fahrzeugen. Zudem werden Freiflächen in der Umgebung der Engstellen bildenden stationären Objekte ermittelt und es werden erste Blockadesituationen ermittelt, bei denen eine Weiterfahrt des Ego-Fahrzeuges an einer Engstelle aufgrund eines entgegenkommenden Fahrzeuges nicht mehr möglich ist und/oder es werden zweite Blockadesituationen ermittelt, bei denen durch das Ego-Fahrzeug kein Ende der Engstelle erkennbar ist. Bei Ermitteln einer Blockadesituation wird eine Halt-Position bestimmt, an der das Ego-Fahrzeug bis zur Auflösung der Blockadesituation stoppt. - Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein gegenüber dem Stand der Technik verbessertes Verfahren und eine verbesserte Vorrichtung zum Betrieb eines autonom fahrenden Fahrzeuges in einer Blockadesituation anzugeben.
- Die Aufgabe wird erfindungsgemäß hinsichtlich des Verfahrens durch die in Anspruch 1 und hinsichtlich der Vorrichtung durch die in Anspruch 3 angegebenen Merkmale gelöst.
- Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
- Ein Verfahren zum Betrieb eines autonom fahrenden Fahrzeuges in einer Blockadesituation auf einer Fahrspur sieht erfindungsgemäß vor, dass bei einer erfassten Blockadesituation auf einer gegenläufigen Fahrspur, das Fahrzeug derart beabstandet zu einem vorausfahrenden Fahrzeug an einem ermittelten Haltepunkt in den Stillstand versetzt wird, dass einem entgegenkommenden weiteren Fahrzeug, welches beabsichtigt, die Blockadesituation zu umfahren, ausreichend Rangierraum zur Verfügung gestellt wird.
- Dabei ist unter ausreichendem Rangierraum zu verstehen, dass das weitere Fahrzeug das stehende Fahrzeug ungehindert passieren kann.
- Durch Anwendung des Verfahrens kann ein Rückstau auf der gegenläufigen Fahrspur bedingt durch die Blockadesituation zumindest verringert werden, da sich das autonom fahrende Fahrzeug durch sein Halten gegenüber dem entgegenkommenden Fahrzeug kooperativ verhält.
- Zudem kann das Risiko eines Auftretens einer Stresssituation sowohl für Insassen des Fahrzeuges als auch für Insassen des entgegenkommenden Fahrzeuges wesentlich verringert werden.
- Insbesondere ist die Anwendung des Verfahrens auf urbanen Fahrbahnabschnitten mit Lichtsignalanlagen oder anderweitig auftretenden Staugeschehen, beispielsweise wegen haltenden Lieferverkehrs an einer Post oder einer Bäckerei zum Entladen oder Beladen, geeignet.
- Ausführungsbeispiele der Erfindung werden im Folgenden anhand von Zeichnungen näher erläutert.
- Dabei zeigen:
-
1 schematisch eine Blockadesituation auf einer gegenläufigen Fahrspur und ein an einem Haltepunkt stehendes Fahrzeug und -
2 schematisch eine Blockadesituation auf der gegenläufigen Fahrspur ohne haltendes Fahrzeug nach dem Stand der Technik. - Einander entsprechende Teile sind in allen Figuren mit den gleichen Bezugszeichen versehen.
-
1 zeigt einen FahrbahnabschnittF mit zwei gegenläufigen FahrspurenF1 ,F2 , wobei sich auf einer FahrspurF1 zwei Fahrzeuge1 ,2 befinden. Ein Fahrzeug1 steht in einem vorgegebenen Abstand zu einem an einer HaltlinieH an einer Lichtsignalanlage3 stehendem vorausfahrenden Fahrzeug2 . - Eine gegenläufige Fahrspur
F2 ist wegen eines auf dieser stehenden Fahrzeuges4 blockiert. - Das Fahrzeug
1 fährt im autonomen Fahrbetrieb, wobei eine Fahraufgabe des Fahrzeuges1 vollumfänglich von einem Assistenzsystem ausgeführt wird. - Weiterhin weist das Fahrzeug
1 eine nicht näher dargestellte Umgebungssensorik mit einer Vielzahl von Erfassungseinheiten auf, die im und/oder am Fahrzeug1 angeordnet sind. Dabei sind die Erfassungseinheiten derart ausgerichtet, dass eine Umgebung des Fahrzeuges1 und sich in dieser befindende Objekte erfasst werden. Beispielsweise ist zumindest eine Erfassungseinheit als Kamera ausgeführt. - Erfasste Signale werden einer ebenfalls nicht näher dargestellten Auswerteeinheit zugeführt, wobei die Signale mittels Algorithmen zur Erfassung und Interpretation einer Umgebungssituation ausgewertet und verarbeitet werden.
- Insbesondere werden die Signale in Bezug auf eine Erkennung einer Straßengeometrie, einer Lokalisierung des Fahrzeuges
1 , zur Erfassung der Objekte und deren Assoziation zum FahrbahnabschnittF und den FahrspurenF1 ,F2 verwendet. Es wird also eine relevante Fahrsituation detektiert. - Gemäß dem in
1 gezeigten Ausführungsbeispiel wird anhand der erfassten Signale der Umgebungssensorik ermittelt, dass die gegenläufige FahrspurF2 wegen des stehenden Fahrzeuges4 blockiert ist, wobei das dem Fahrzeug1 vorausfahrende Fahrzeug2 wegen der Rot zeigenden Lichtsignalanlage3 an der HaltlinieH steht. Alternativ oder zusätzlich zur Ermittlung, dass die gegenläufige FahrspurF2 wegen des stehenden Fahrzeuges4 blockiert ist, anhand erfasster Signale der Umgebungssensorik können auch mittels einer Fahrzeug-zu-Fahrzeugkommunikation und/oder mittels einer Fahrzeug-zu-Infrastrukturkommunikation übermittelte Informationen berücksichtigt werden. - Eine durch das stehende Fahrzeug
4 bedingte Blockadesituation auf der gegenläufigen FahrspurF2 wird von dem Fahrzeug1 erfasst, wobei sich dem stehenden Fahrzeug4 auf der gegenläufigen FahrspurF2 ein weiteres Fahrzeug5 von hinten nähert. Das weitere Fahrzeug5 beabsichtigt, das stehende Fahrzeug4 zu umfahren, wobei das weitere Fahrzeug5 hierzu einen Fahrtrichtungsanzeiger aktiviert, welcher die Absicht signalisiert. - Um dem weiteren Fahrzeug
5 ein Umfahren des stehenden Fahrzeuges4 und somit der Blockadesituation zu ermöglichen, so dass ein Rückstau auf der gegenläufigen FahrspurF2 zumindest verringert werden kann, wird das im autonomen Fahrbetrieb fahrende Fahrzeug1 an einem ermittelten Haltepunkt in den Stillstand versetzt, so dass dem weiteren Fahrzeug5 ausreichend Rangierraum zur Verfügung steht. Dabei ist unter ausreichendem Rangierraum zu verstehen, dass das weitere Fahrzeug5 das stehende Fahrzeug4 ungehindert in einem Zug umfahren kann. - Der Haltepunkt des Fahrzeuges
1 , um dem weiteren Fahrzeug5 ausreichend Rangierraum zur Verfügung zu stellen, wird ermittelt, indem eine für Standardfahrzeuge und Nutzfahrzeuge bestimmte Fahrzeugbreite und Lenkradien hinterlegt sind, anhand derer der Haltepunkt abgeleitet werden kann. - In einer vergleichsweise einfachen Ausführung zu Ermittlung des Haltepunktes wird eine dem Fahrzeug
1 zugewandter Eckbereich des stehenden Fahrzeuges4 herangezogen und eine fest definierte Distanz in Richtung des Fahrzeuges festgelegt, wobei die Distanz den Haltepunkt bestimmt. - In Bezug auf diesen Haltepunkt wird eine Anhaltetrajektorie für das Fahrzeug
1 auf der FahrspurF1 ermittelt und einer Steuerung des Assistenzsystems zugrunde gelegt. - Das Fahrzeug
1 verhält sich bei einer solchen Blockadesituation gegenüber dem weiteren Fahrzeug5 kooperativ, wenn eine Prädiktion ergibt, dass das Fahrzeug1 aufgrund einer Stauung vorausfahrender Fahrzeuge2 und/oder aufgrund einer zu beachtenden Rot anzeigenden Lichtsignalanlage3 die Blockadesituation nicht zügig passieren kann. D. h. dass das Fahrzeug1 an dem ermittelten Haltepunkt automatisch in den Stillstand versetzt wird, wenn das Fahrzeug1 voraussichtlich länger als eine vorgegebene Zeitdauer im Bereich der Blockadesituation verweilen wird. Die vorgegebene Zeitdauer liegt vorteilhafterweise in der Größenordnung von weniger oder gleich einer halben Minute. Beispielsweise beträgt die vorgegebene Zeitdauer30 Sekunden oder 20 Sekunden oder 10 Sekunden oder 5 Sekunden. - Ein nachgelagerter Anfahrzeitpunkt des Fahrzeuges
1 wird anhand einer Weiterfahrt des stehenden vorausfahrenden Fahrzeuges2 ermittelt. Leitet in einer solchen Blockadesituation das weitere Fahrzeug5 keine Umfahrung ein, setzt das Fahrzeug1 , beispielsweise nach einer vorgegebenen Zeitdauer, seinen Fahrbetrieb fort. - Eine weitere Ausführungsform sieht vor, dass das oben beschriebene Verfahren auch bei zähfließendem Verkehr eingesetzt werden kann, um gegebenenfalls wartende entgegenkommende weitere Fahrzeuge
5 im Sinne einer Art Reißverschlussverfahren passieren zu lassen. - In einer weiteren möglichen Ausführungsform hält das Fahrzeug
1 auch dann an dem ermittelten Haltepunkt, wenn eine Wahrscheinlichkeit besteht, dass während einer Wartezeit in der Blockadesituation ein weiteres Fahrzeug5 erscheinen könnte. - Insbesondere eignet sich das Verfahren für fahrerlose Fahrzeuge
1 wie sogenannte Shuttle und Robotaxis sowie für autonom fahrende Nutzfahrzeuge. -
2 zeigt eine Blockadesituation der gegenläufigen FahrspurF2 , ohne dass das Fahrzeug1 gemäß dem in1 beschriebenen Verfahren an einem ermittelten Haltepunkt automatisch in den Stillstand versetzt wird. Das Fahrzeug1 stellt dem weiteren Fahrzeug5 also keinen Rangierraum kooperierend zur Verfügung, um die Blockadesituation umfahren zu können. - Das Fahrzeug
1 schließt zu dem an der Haltlinie stehenden vorausfahrenden Fahrzeug2 auf, so dass das weitere Fahrzeug5 das die Blockadesituation hervorrufende stehende Fahrzeug4 nicht umfahren kann. Das weitere Fahrzeug5 muss warten und ein Rückstau wird erzeugt, wobei sich diese Situation negativ auf eine Gesamtsituation auswirkt. - Bezugszeichenliste
-
- 1
- Fahrzeug
- 2
- vorausfahrendes Fahrzeug
- 3
- Lichtsignalanlage
- 4
- stehendes Fahrzeug
- 5
- weiteres Fahrzeug
- F
- Fahrbahnabschnitt
- F1
- Fahrspur
- F2
- gegenläufige Fahrspur
- H
- Haltlinie
- ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
- Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde automatisiert erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information des Lesers aufgenommen. Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
- Zitierte Patentliteratur
-
- DE 102016203086 A1 [0002]
Claims (3)
- Verfahren zum Betrieb eines autonom fahrenden Fahrzeuges (1) in einer Blockadesituation auf einer Fahrspur (F1, F2), dadurch gekennzeichnet, dass bei einer erfassten Blockadesituation auf einer gegenläufigen Fahrspur (F2) das Fahrzeug (1) derart beabstandet zu einem vorausfahrenden Fahrzeug (2) an einem ermittelten Haltepunkt in den Stillstand versetzt wird, dass einem entgegenkommenden weiteren Fahrzeug (5), welches beabsichtigt, die Blockadesituation zu umfahren, ausreichend Rangierraum zur Verfügung gestellt wird.
- Verfahren nach
Anspruch 1 , dadurch gekennzeichnet, dass das Fahrzeug (1) an dem ermittelten Haltepunkt automatisch in den Stillstand versetzt wird, wenn das Fahrzeug (1) voraussichtlich länger als eine vorgegebene Zeitdauer im Bereich der Blockadesituation verweilen wird. - Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach
Anspruch 1 oder2 , gekennzeichnet durch eine Auswerteeinheit zum Erkennen einer Blockadesituation auf einer gegenläufigen Fahrspur (F2) und zur Ermittlung eines Abstandes zu dem vorausfahrenden Fahrzeug (2) und zur Ermittlung des Haltepunktes anhand erfasster Signale zumindest einer Erfassungseinheit einer Umgebungssensorik.
Priority Applications (1)
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|---|---|---|---|
| DE102018119832.9A DE102018119832A1 (de) | 2018-08-15 | 2018-08-15 | Verfahren und Vorrichtung zum Betrieb eines autonom fahrenden Fahrzeuges |
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Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
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| DE102018119832A1 true DE102018119832A1 (de) | 2020-02-20 |
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| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE102018119832A1 (de) |
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE102020205635A1 (de) | 2020-05-05 | 2021-11-11 | Robert Bosch Gesellschaft mit beschränkter Haftung | Verfahren und Vorrichtung zum Betreiben eines Fahrzeugs bei einem Verkehrsstillstand |
| WO2022037829A1 (de) * | 2020-08-17 | 2022-02-24 | Daimler Ag | Verfahren zum betrieb eines automatisiert fahrenden fahrzeuges |
-
2018
- 2018-08-15 DE DE102018119832.9A patent/DE102018119832A1/de active Pending
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