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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Färben von Holzzierteilen für Fahrzeuge sowie ein Fahrzeug mit einem Holzzierteil.
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Aus der deutschen Offenlegungsschrift
DE 10 2014 011 138 A1 ist es bekannt, ein Holzzierteil für ein Kraftfahrzeug bleichfrei vorzubehandeln, indem das Holz thermisch und/oder elektromagnetisch gealtert wird. Danach erfolgt eine Grundierung mittels eines Lackes oder Primers, wobei ein Tintenauftrag mittels eines Druckverfahrens durchgeführt wird. Dieses Verfahren gewährleistet allerdings kein natürliches Aussehen des Holzzierteils, wobei es zudem an einer gewünschten hohen Präzision des Druckes und aufgrund der instantanen Aushärtung der Tintentropfen an der Möglichkeit eines Farbverlaufes zur Bildung von Mischfarben mangelt.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Färben von Holzzierteilen für Fahrzeuge sowie ein Fahrzeug mit einem solchen Holzzierteil zu schaffen, wobei die genannten Nachteile nicht auftreten.
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Die Aufgabe wird gelöst, indem die Gegenstände der unabhängigen Ansprüche geschaffen werden. Vorteilhafte Ausgestaltungen ergeben sich aus den Unteransprüchen.
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Die Aufgabe wird insbesondere gelöst, indem ein Verfahren zum Färben von Holzzierteilen für Fahrzeuge geschaffen wird, welches folgende Schritte aufweist: Eine Solventtinte wird flächig auf eine Sichtfläche eines Holzzierteils aufgetragen, und eine wasserbasierte Tinte wird zumindest bereichsweise auf die Solventtinte aufgetragen. Mithilfe des Verfahrens ist es möglich, prozesssicher ein gefärbtes Holzzierteil mit natürlichem Aussehen zu schaffen, welches zudem problemlos umformbar ist. Diese Vorteile werden insbesondere dadurch erreicht, dass eine wasserbasierte Tinte auf eine flächig aufgetragene Solventtinte aufgetragen wird. Dabei werden die spezifischen Eigenschaften der verschiedenen Tintensysteme ausgenutzt, wobei die Solventtinte ihre Stärke in einer hohen Farbintensität hat, wobei sie aber schwieriger bezüglich ihrer Präzision zu handhaben ist, und wobei die wasserbasierte Tinte ihre Stärke in der Präzision hat, jedoch in der Einstellung der Farbwiedergabe anspruchsvoller ist. Die beiden Tintensysteme werden zur optimierten Dekorwiedergabe in vorteilhafter Weise kombiniert, wobei die Solventtinte insbesondere zum Grundieren eingesetzt wird, wobei dann ein bereichsweiser, insbesondere lokaler Auftrag, insbesondere ein Muster, mit der wasserbasierten Tinte erzeugt wird.
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Vorteilhaft an dem hier vorgeschlagenen Verfahren ist insbesondere, dass das Holzzierteil – insbesondere da kein rein oberflächlicher Farbauftrag erfolgt – ein natürliches Aussehen erhält, wobei die Maserung klar zu sehen ist. Durch die Solventtinte wird der Farbeindruck in hoher Intensität, und durch die wasserbasierte Tinte die hohe Präzision der Färbung gewährleistet. Durch die Kombination der Tinten können sich auch Mischfarben durch Verlauf bilden.
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Als Holzzierteil wird insbesondere ein Furnier gefärbt. Dabei ist es möglich, dass das Furnier auf einem Träger angeordnet, insbesondere auf den Träger kaschiert ist, wobei der Träger Holz oder Kunststoff aufweisen, oder aus Holz oder Kunststoff bestehen kann. Auch andere Materialien für den Träger sind möglich. Es ist möglich, dass zwischen dem Träger und dem Furnier ein Kaschiervlies angeordnet ist.
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Unter einer Solventtinte wird eine lösemittelbasierte Tinte verstanden, wobei das Lösemittel nicht Wasser ist. Besonders bevorzugt weist die Solventtinte also ein nichtwässriges, gegebenenfalls hydrophobes Lösemittel auf. Demgegenüber wird unter einer wasserbasierten Tinte eine Tinte verstanden, welche als Lösemittel Wasser oder ein wässriges System, insbesondere eine wässrige Lösung, insbesondere also ein wässriges Lösemittel, aufweist.
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Unter einer Sichtfläche des Holzzierteils wird eine Fläche verstanden, die bestimmungsgemäß bei Verwendung des Holzzierteils, insbesondere im Innenraum eines Fahrzeugs, einem Betrachter zugewandt ist.
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Vorzugsweise wird das Holzzierteil im Bereich der Sichtfläche mit der Solventtinte grundiert. Die Sichtfläche wird vorzugsweise mit der wasserbasierten Tinte bedruckt.
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Dabei kann bevorzugt ein Direktdruckverfahren und/oder ein Digitaldruckverfahren verwendet werden, wobei eine Übertragung eines vorgegebenen Musters von einer Datenverarbeitungseinrichtung, insbesondere einem Computer, auf eine zugehörige Druckeinrichtung möglich ist. Es ist möglich, dass das Holzzierteil zum Bedrucken relativ zu einer Tintenquelle bewegt wird. Auch ist es möglich, dass die Tintenquelle relativ zu dem Holzzierteil bewegt wird. Auch eine Kombination solcher Relativbewegungen ist vorstellbar. Vorzugsweise wird zumindest eine der Tinten durch eine Tintenbestrahlung auf die Sichtfläche aufgetragen. Dies kann durch eine sogenannte Ink-Jet-Druckmaschine durchgeführt werden, die beispielsweise im Continuous-Ink-Jet-Modus oder in einem Drop-on-Demand-Modus betrieben werden kann. Es ist auch möglich, wenigstens eine der Tinten durch Sublimation auf das Holzzierteil aufzutragen.
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Es ist möglich, dass auf der wasserbasierten Tinte ein Dekorträger, beispielsweise eine Folie, oder ein Haftvermittler angeordnet wird. Optional kann auf der wasserbasierten Tinte oder auf dem Dekorträger oder Haftvermittler ein Deck- und/oder Schutzlack angeordnet werden, wobei der Deck- und/oder Schutzlack insbesondere Polyurethan oder Polymethylmethacrylat aufweisen kann.
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Es ist bevorzugt vorgesehen, dass eine weiße Solventtinte flächig auf die Sichtfläche aufgetragen wird, wodurch die Sichtfläche mit der Solventtinte weiß grundiert wird. Vorzugsweise wird eine farbige wasserbasierte Tinte zumindest bereichsweise auf die Solventtinte aufgetragen, wobei das Holzzierteil im Bereich der Sichtfläche mit der farbigen wasserbasierten Tinte bedruckt werden kann. Es ist möglich, dass mehr als eine wasserbasierte Tinte zum Einsatz kommt, wobei insbesondere verschiedene Farben Verwendung finden können, sodass ein Mehrfarbdruck mit einer Mehrzahl wasserbasierter Tinten verwirklicht werden kann.
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Es ist bevorzugt auch möglich, dass das Holzzierteil insbesondere nach dem Auftragen der wasserbasierten Tinte hinterspritzt wird. Dies kann insbesondere dazu dienen, die Stabilität des Holzzierteils zu erhöhen. Das Hinterspritzen kann insbesondere nach einem Umformschritt erfolgen, der bevorzugt nach dem Auftragen der wasserbasierten Tinte erfolgt.
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Die Farbbildung durch das Bedrucken insbesondere mit der wasserbasierten Tinte erfolgt bevorzugt so, dass kleine Tintentröpfchen sich auf der Oberfläche ablagern, wobei die spezifische Viskosität der wasserbasierten Tinte und die Oberflächeneigenschaften der Sichtfläche das Fließverhalten der Tintentröpfchen beeinflussen. Durch die geringe Größe der Pigmente der wasserbasierten Tinte können diese auch in kleinste Strukturen an der Sichtfläche gelangen. Durch die spezifische Wechselwirkung zum Holz setzen sich die Tintentröpfchen an die Holzstrukturen. Das Lösemittel schlägt weg oder trocknet, wobei die Pigmente der Tinte – und insbesondere auch Bindemittel, welche die Pigmente einbetten beziehungsweise als nicht sichtbares Material für die Haftung der Pigmente sorgen – zurückbleiben.
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Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass die wasserbasierte Tinte lokal, insbesondere in Form eines Musters, aufgetragen wird. Somit ist bevorzugt vorgesehen, dass mittels der wasserbasierten Tinte eine Bedruckung des Holzzierteils im Bereich der Sichtfläche, insbesondere mit einem Muster, vorzugsweise einem geometrischen Muster, oder auch mit einem Bild, Piktogramm, einem Text oder dergleichen erfolgt. Es ist allerdings auch ein vollflächiger Auftrag der wasserbasierten Tinte möglich.
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Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass das Holzzierteil vor dem Auftragen der Solventtinte vorbehandelt wird. Besonders bevorzugt ist dabei eine bleichfreie Vorbehandlung möglich, es ist aber auch möglich, dass das Holzzierteil alternativ oder zusätzlich zu einer bleichfreien Vorbehandlung gebeizt wird.
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Besonders bevorzugt wird das Holzzierteil vor dem Auftragen der Solventtinte thermisch und/oder durch Bestrahlen, insbesondere durch Bestrahlen mit elektromagnetischer Strahlung, vorbehandelt. Dies erfolgt bevorzugt derart, dass ein Alterungsprozess des Holzzierteils, insbesondere eine Verfärbung und/oder eine Veränderung der Oberflächenstruktur, beschleunigt und besonders bevorzugt abgeschlossen wird. Dies heißt insbesondere, dass die Vorbehandlung bevorzugt solange durchgeführt wird, bis danach keine oder nur eine geringe Verfärbung oder Veränderung der Oberfläche, insbesondere der Sichtfläche, des Holzzierteils eintritt. Eine Bestrahlung mit elektromagnetischer Strahlung kann insbesondere mit Licht, bevorzugt mit UV-Licht, erfolgen. Gegebenenfalls kann die Vorbehandlung auch einschließen, dass das Holzzierteil einer vorbestimmten Feuchte ausgesetzt wird, insbesondere um den Alterungsprozess schonend, rissfrei und gleichmäßig zu gestalten.
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Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass das Holzzierteil nach dem Auftragen der Solventtinte und vor dem Auftragen der wasserbasierten Tinte getrocknet wird. Insbesondere wird das Holzzierteil im Bereich der eingezogenen Solventtinte durchgetrocknet. Dabei erfolgt die Trocknung insbesondere derart, dass zum einen das restliche Holz noch genügend Restfeuchtigkeit aufweist, um nicht spröde zu werden und/oder zu reißen, wobei zum anderen nicht zu viel Flüssigkeit für den nachträglichen Eintrag der wasserbasierten Tinte vorhanden ist. Insbesondere wird so ein unerwünschter und unkontrollierter Verlauf der wasserbasierten Tinte vermieden.
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Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass das Holzzierteil nach dem Auftragen der wasserbasierten Tinte umgeformt wird. Auf diese Weise kann dem Holzzierteil eine beliebige Form verliehen werden. Für diesen Prozess müssen die verwendeten Tinten hitzestabil und umformbar sein, das heißt, dass bei der Umformung keine Risse entstehen und die Umformstellen gleichmäßig eingefärbt bleiben, wobei auch die Farben trotz der Hitzeeinwirkung zerstörungsfrei bleiben müssen. Gegenüber Hitze stabile Farbsysteme weisen bevorzugt anorganische Pigmente auf. Die verwendeten Tinten müssen außerdem feuchtedurchlässig sein, damit die für den Umformprozess nötige Prozessfeuchte einstellbar ist.
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Trocknungszeiten für die Tinten können im Herstellungsprozess durch die Hitze in einer Umformpresse verkürzt oder ersetzt werden. Somit entsteht ein weiterer Vorteil auch gegenüber einer Beizefarbgebung, bei welcher die Trockenzeit nicht mit einem weiteren Verfahrensschritt kombiniert werden kann.
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Vorzugsweise wird das Holzzierteil vor dem Umformen befeuchtet, wodurch die Umformung leichter und insbesondere prozesssicher durchgeführt werden kann. Es ist alternativ oder zusätzlich möglich, dass das Holzzierteil während des Umformens befeuchtet wird.
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Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass als wasserbasierte Tinte eine polymerisierbare wasserbasierte Tinte verwendet wird. Die wasserbasierte Tinte ist bevorzugt derart polymerisierbar, dass sie nach Aushärtung keine Reaktion mit einer feuchten Atmosphäre beim Umformen zeigt, wobei kein Farbverlust zu befürchten ist. Bei der Umformung des Holzzierteils können sich die Pigmente der wasserbasierten Tinte hin- und herbewegen, sodass bis zu einem Versagen des Holzes keine Rissgefahr in dem Farbeintrag besteht.
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Die Pigmente der Solventtinte und/oder der wasserbasierten Tinte weisen vorzugsweise einen Durchmesser auf, der kleiner ist als die halbe Wellenlänge des sichtbaren Lichts, also insbesondere kleiner als mindestens die Hälfte von 420 nm bis höchstens die Hälfte von 780 nm. Bevorzugt werden nanoskalige Pigmente verwendet, die vorzugsweise einen Durchmesser von mindestens 50 nm bis höchstens 200 nm aufweisen. Solche Pigmente haben die Eigenschaft, transparent zu sein, so dass die gewünschte Durchsicht der Holzstruktur durch die Farbe nicht beeinflusst wird.
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Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass als Solventtinte und als wasserbasierte Tinte Tinten verwendet werden, die eine Oberflächenenergie von mindestens 28 mJ/m2 bis höchstens 30 mJ/m2 aufweisen, wobei die Tinten bevorzugt eine Oberflächenenergie von 29 mJ/m2 aufweisen. Solche Tinten eignen sich in besonders günstiger Weise zum Auftragen auf ein Holzzierteil und insbesondere auch aufeinander, wobei sie insbesondere im Bereich der Sichtfläche in das Holzzierteil einziehen können.
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Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass als Solventtinte und als wasserbasierte Tinte Tinten verwendet werden, welche eine Viskosität von mindestens 3 mPas bis höchstens 6,5 mPas, vorzugsweise von mindestens 3,5 mPas bis höchstens 6 mPas aufweisen.
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Es zeigt sich, dass die Tinten, insbesondere die farbgebende Tinte – beispielsweise CMYK-Tinten und/oder Sonderfarben – nicht ausbluten sollen, wobei die chemische und rheologische Zusammensetzung der Tinten auf das Holz des Holzzierteils abgestimmt sein müssen. Dazu zählt, dass die Viskosität, die Oberflächenenergie und die chemische Reaktivität es ermöglichen müssen, dass die Tinten schneller aushärten und/oder trocknen, als sie auf dem Substrat verlaufen. Alternativ kann die Flüssigkeit auch beliebig einziehen, die Pigmente sollen sich aber an den Stellen festsetzen, auf welche sie aufgebracht wurden.
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Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Tinten in die Sichtfläche mit einer Eindringtiefe von mindestens 5 μm bis höchstens 100 μm, vorzugsweise bis höchstens 50 μm, vorzugsweise bis höchstens 25 μm, vorzugsweise von mindestens 10 μm bis höchstens 20 μm, eingebracht werden. Damit erfolgt eine oberflächennahe Einbringung der Tinten, was insbesondere sicherstellt, dass zum einen geringe Mengen an Tinten eingesetzt werden können, wobei zum anderen ein Ausbluten der Tinten nicht zu befürchten ist.
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Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass von der Solventtinte von wenigstens 10 ml/m2 bis höchstens 110 ml/m2, vorzugsweise von mindestens 15 ml/m2 bis höchstens 100 ml/m2 aufgetragen werden. Zusätzlich oder alternativ ist vorgesehen, dass von der wasserbasierten Tinte von mindestens 10 ml/m2 bis höchstens 50 ml/m2, vorzugsweise von mindestens 15 ml/m2 bis höchstens 45 ml/m2 aufgetragen werden. Die Menge der einzutragenden Tinten wird so relativ gering gehalten, was sowohl Kostenvorteile als auch Vorteile in Hinblick auf eine Präzision der Bedruckung des Holzzierteils aufweist.
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Die Aufgabe wird schließlich auch gelöst, indem ein Fahrzeug geschaffen wird, welches ein Holzzierteil aufweist, das erhältlich ist durch eine der zuvor beschriebenen Ausführungsformen des Verfahrens. Vorzugsweise ist das Holzzierteil gemäß einer der zuvor beschriebenen Ausführungsformen des Verfahrens gefärbt. In Zusammenhang mit dem Fahrzeug verwirklichen sich insbesondere die Vorteile, die bereits in Zusammenhang mit dem Verfahren erläutert wurden.
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Das Holzzierteil ist vorzugsweise in einem Innenraum des Fahrzeugs angeordnet, wobei die Sichtfläche des Holzzierteils einem Insassen des Fahrzeugs zugewandt ist.
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In Zusammenhang mit der Erfindung, insbesondere mit dem Verfahren zeigt sich noch Folgendes:
Es wird bevorzugt ein pigmentiertes, lichtechtes, nach Aushärtung hitzeresistentes Tintensystem flächig und gleichmäßig auf ein flaches Holzfurnier als Holzzierteil vor einem Umformprozess aufgebracht. Das Tintensystem besitzt die chemischen Eigenschaften, in die Holzstruktur einzuziehen, sodass kein Materialauftrag und keine Überdeckung der Oberfläche stattfinden, und die Wertanmutung der Echtholzoberfläche erhalten bleibt, insbesondere für Zierteile aus offenporigem Holz oder mit einer dünnen Lackschicht.
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Dies heißt, dass die Tinte komplett im Holz versinkt, wobei die Eintragsmenge gering gehalten wird, wobei zudem die Oberflächenstruktur nicht durch Quellen oder das Aufstellen von Fasern beeinflusst oder aufgeraut wird. Der Materialeintrag bleibt oberflächennah. Um dies zu ermöglichen, benötigt die Tinte spezielle Eigenschaften in Hinblick auf ihre Viskosität und chemische Zusammensetzung, wie auch ihrer Oberflächenenergie, sodass ein geeignetes Verlaufen bei gleichzeitig für das Holz optimalem Reaktionsverhalten entsteht. Das Holz wird chemisch nicht verändert.
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Genauer bedeutet dies, dass die Pigmente der Tinte über das flüssige Lösungsmittel-Bindemittelsystem, aus welchem Tinten im Allgemeinen bestehen, ähnlich wie beim Beizen, in das Holz hineingesaugt werden, wobei das Lösemittel verdunstet oder wegschlägt. Zurück bleibt der ausgetrocknete oder durch Vernetzung ausgehärtete Farbpigmente-Bindemittelverbund, welcher sich in die Holzstruktur hineinlegen und sich teilweise an die Holzbestandteile anbinden kann. Solche Eigenschaften werden durch wasserbasierte Tinten und Solventtinten erfüllt. Für den weiteren Herstellungsprozess des Holzzierteils bedeutet dies, dass das Holzzierteil rissfrei umformbar ist, da sich die Pigmente im Holz mitbewegen, solange das Holz selbst an der Oberfläche nicht reißt.
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Die eingebrachten Tinten dürfen die Oberfläche gegen Wasser nicht abschließen, da der anschließende Umformprozess nur unter Feuchteeintrag prozesssicher funktioniert, weshalb bevorzugt keine Lasur verwendet wird.
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Die hier als vorteilhaft beschriebenen Eigenschaften werden durch Tintensysteme wie Solventtinten einerseits und wasserbasierte Tinten andererseits erfüllt. Diese können insbesondere nach einem Grundieren und Durchtrocknen eines Furniers im Digitaldruckverfahren aufgebracht werden. Das Durchtrocknen ist dabei vorteilhaft, da sonst zu viel Flüssigkeit in den Fasern ist, welche die neu aufgebrachte Tinte zum Verlaufen bringen kann, da sie nicht mehr aufgenommen werden kann.
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Das hier vorgeschlagene Verfahren ermöglicht das Bedrucken von einem Holzzierteil mit hoher Qualität insbesondere für die Weiterverarbeitung im Herstellungsprozess des Holzzierteils für den Automobilbereich. Eine günstige und definierte Farbgebung wie durch Muster, Farbverläufe und Bilder, wird zusätzlich zur Option, Holz farbgebend zu Beizen oder zu Färben, möglich. Je nach Tintensystem, insbesondere bezüglich Solventtinten und wasserbasierten Tinten, wird eine hohe Qualität von Farbe und/oder Präzision für einen neuartigen, definierten Dekordruck möglich. Selbst in einer Kombination mit einer thermischen Vorbehandlung, einem Vorgrundieren und/oder Beizen, ist eine in Form und Farbe definierte Farbgebung möglich.
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Die Erfindung wird im Folgenden anhand der Zeichnung näher erläutert. Dabei zeigt die einzige Figur eine schematische Darstellung einer Ausführungsform des Verfahrens nach Art eines Flussdiagramms.
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Die einzige Figur zeigt eine schematische Darstellung einer Ausführungsform des Verfahrens zum Färben von Holzzierteilen für Fahrzeuge in einem Flussdiagramm. In einem ersten Schritt S1 wird ein Holzzierteil bereitgestellt, welches bevorzugt als Furnier ausgebildet ist. Dabei kann das Furnier auf einen Träger kaschiert sein, wobei vorzugsweise zwischen dem Träger und dem Furnier ein Kaschiervlies angeordnet sein kann.
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In einem zweiten Schritt S2 erfolgt bevorzugt eine Vorbehandlung des Holzzierteils, insbesondere eine bleichfreie Vorbehandlung. Es ist insbesondere möglich, dass eine thermische Vorbehandlung und/oder eine Vorbehandlung durch Bestrahlen mit elektromagnetischer Strahlung, insbesondere mit UV-Strahlung, durchgeführt wird. Alternativ oder zusätzlich ist auch ein Beizen des Holzzierteils möglich.
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In einem dritten Schritt S3 wird eine Solventtinte auf eine Sichtfläche des Holzzierteils flächig aufgetragen. Insbesondere wird das Holzzierteil vorzugsweise im Bereich der Sichtfläche mit der Solventtinte grundiert. Dabei wird besonders bevorzugt eine weiße Solventtinte verwendet, sodass das Holzzierteil auf der Sichtfläche weiß grundiert wird.
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In einem vierten Schritt S4 wird eine wasserbasierte Tinte zumindest bereichsweise, insbesondere lokal, auf die Solventtinte aufgetragen. Die wasserbasierte Tinte wird insbesondere in Form eines Musters, beispielsweise eines geometrischen Musters, eines Piktogramms, eines Bildes, eines Textes, oder dergleichen auf die Solventtinte aufgetragen. Insbesondere wird das Holzzierteil im Bereich der Sichtfläche auf der Solventtinte bereichsweise mit der wasserbasierten Tinte bedruckt.
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Es ist im Übrigen möglich, dass das Holzzierteil in einem nicht dargestellten Verfahrensschritt zwischen dem dritten Schritt S3 und dem vierten Schritt S4, das heißt nach dem Auftragen der Solventtinte und vor dem Auftragen der wasserbasierten Tinte getrocknet wird.
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In einem fünften Schritt S5 wird das Holzzierteil bevorzugt befeuchtet, wobei es in einem sechsten Schritt S6 bevorzugt umgeformt wird. Hierdurch wird insbesondere aus dem Holzzierteil ein Formteil hergestellt.
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Es ist möglich, dass das Holzzierteil in einem siebten Schritt S7 hinterspritzt wird, wobei das Hinterspritzen insbesondere auf einer der Sichtfläche abgewandten Seite des Holzzierteils, also insbesondere im Bereich einer der Sichtfläche abgewandten Rückfläche, erfolgt.
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In einem achten Schritt S8 wird bevorzugt ein Dekorträger oder ein Haftvermittler auf die Sichtfläche und insbesondere auf die wasserbasierte Tinte aufgetragen, wobei beispielsweise eine Folie zur Anwendung kommen kann.
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In einem neunten Schritt S9 wird bevorzugt auf die Sichtfläche, insbesondere auf die wasserbasierte Tinte und/oder auf den Dekorträger oder Haftvermittler ein Deck- und/oder Schutzlack aufgebracht, wobei der Deck- und/oder Schutzlack insbesondere Polyurethan und/oder Polymethylmethacrylat aufweisen kann.
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Es ist möglich, dass das Holzzierteil in einem zehnten Schritt S10 nachbearbeitet wird.
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Vorzugsweise wird eine polymerisierbare wasserbasierte Tinte verwendet. Die Solventtinte und die wasserbasierte Tinte weisen bevorzugt eine Oberflächenenergie von mindestens 28 mJ/m2 bis höchstens 30 mJ/m2, vorzugsweise von 29 mJ/m2 auf. Die Solventtinte und die wasserbasierte Tinte weisen bevorzugt eine Viskosität von mindestens 3 mPas bis höchstens 6,5 mPas, vorzugsweise von mindestens 3,5 mPas bis höchstens 6 mPas auf. Die Tinten werden in die Sichtfläche bevorzugt mit einer Eindringtiefe von mindestens 5 μm bis höchstens 25 μm, vorzugsweise von mindestens 10 μm bis höchstens 20 μm eingebracht.
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Von der Solventtinte werden bevorzugt von mindestens 10 ml/m2 bis höchstens 110 ml/m2, vorzugsweise von mindestens 15 ml/m2 bis höchstens 100 ml/m2 auf die Sichtfläche aufgetragen. Von der wasserbasierten Tinte werden bevorzugt mindestens 10 ml/m2 bis höchstens 50 ml/m2, vorzugsweise von mindestens 15 ml/m2 bis höchstens 45 ml/m2 aufgetragen.
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Das derart hergestellte und insbesondere gefärbte Holzzierteil wird bevorzugt in einem Fahrzeug eingesetzt, insbesondere in einem Fahrzeuginnenraum.
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Es zeigt sich, dass mittels des hier vorgeschlagenen Verfahrens insbesondere ein Furnier zur Umsetzung neuer Designvorstellungen bedruckt werden kann, wobei dadurch erst hochwertige Druckergebnisse möglich werden, die insbesondere den folgenden Ansprüchen genügen:
Die Farbgebung wirkt natürlich, das heißt das Holz des Furniers soll verfärbt werden, es soll also nicht nur eine oberflächige Farbschicht aufgebracht werden. Letzteres geschieht beispielsweise im Druck mit UV-härtenden Systemen, wobei sich ein abgeschlossener Film auf der Holzoberfläche bildet, welcher je nach Substrat mehr oder minder mechanisch oder chemisch haftet.
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Es ist eine hohe Präzision erzielbar, sodass ein Beifahrer auch auf langer Fahrt bei ausgiebiger Betrachtung noch immer Gefallen an dem Holzzierteil findet. Dies bedeutet insbesondere, dass er keine Pixel, keine Pünktchen oder dergleichen entdeckt.
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Die Holzmaserung bleibt sichtbar, und die Oberflächenstruktur, welche für die Lichtreflexion spezifisch für Holz verantwortlich ist, bleibt erhalten. Die Färbung soll die Struktur höchstens geringfügig beeinflussen.
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
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- DE 102014011138 A1 [0002]