-
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung sowie ein Verfahren zum Abkanten von Blechen.
-
Aus der internationalen Patentanmeldung mit der Veröffentlichungsnummer
WO 2008/144237 A1 geht eine Vorrichtung zum Abkanten von Blechen hervor, welche eine Auflage aufweist, auf der ein Blech während des Abkantens angeordnet werden kann. Die Auflage weist eine Abschlusskante auf, um die das Blech beim Abkanten gebogen wird. Weiterhin ist eine als Rollbiegeeinrichtung ausgebildete Abkanteinrichtung vorgesehen, die relativ zu der Auflage entlang einer Abkantrichtung in eine Wirkstellung und in eine Passivstellung verlagerbar ist. Es hat sich herausgestellt, dass beim Abkanten insbesondere höherfester Bleche ein Rücksprung des Blechs auftritt, sodass dieses von der Rollbiegeeinrichtung überbogen werden muss. Allerdings zeigt sich auch, dass bei längeren Blechen entlang der Abkantlänge gesehen ein variierendes Rücksprungverhalten auftritt, sodass letztlich das Abkanten in maßlicher Hinsicht nur unzureichend erfolgen kann.
-
Der Erfindung liegt die Aufgabe zur Grunde, eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Abkanten von Blechen zu schaffen, wobei die genannten Nachteile nicht auftreten.
-
Die Aufgabe wird gelöst, indem die Gegenstände der unabhängigen Ansprüche geschaffen werden. Vorteilhafte Ausgestaltungen ergeben sich aus den Unteransprüchen.
-
Die Aufgabe wird insbesondere gelöst, indem eine Vorrichtung zum Abkanten von Blechen geschaffen wird, welche eine Auflage aufweist, die eingerichtet ist zum Halten eines Blechs während des Abkantens. Die Auflage aufweist eine Abschlusskante auf, die eingerichtet ist zum Biegen des Blechs um die Abschlusskante. Es ist eine Abkanteinrichtung vorgesehen, die relativ zu der Auflage entlang einer Abkantrichtung in eine Wirkstellung und in eine Passivstellung verlagerbar ist. Die Abkantrichtung spricht dabei eine Wirkrichtung der Vorrichtung an, mithin die Richtung, in welcher die Abkanteinrichtung relativ zu der Auflage zum Abkanten eines Blechs verlagert wird. Dabei ist die Abkanteinrichtung in ihrer Passivstellung in einem größeren Abstand von dem Blech entfernt, sodass es insbesondere möglich ist, ein fertig abgekantetes Blech aus der Vorrichtung zu entnehmen und ein neues, abzukantendes Blech in der Vorrichtung und auf der Auflage anzuordnen. In der Wirkstellung ist die Abkanteinrichtung näher an der Auflage angeordnet, insbesondere in vorbestimmter Weise maximal weit auf die Auflage zu verlagert, sodass das Blech durch die Abkanteinrichtung um die Abschlusskante herumgebogen wird. Es ist möglich, dass die Auflage Teil eines Untergesenks der Vorrichtung ist, wobei die Abkanteinrichtung Teil eines Obergesenks ist. Die Vorrichtung zeichnet sich dadurch aus, dass die Abkanteinrichtung – in Richtung der Abschlusskante gesehen – eine Mehrzahl von Rollbiegeeinrichtungen aufweist, wobei ein in der Wirkstellung und senkrecht zu der Abschlusskante gemessener Abstand der Rollbiegeeinrichtungen zu der Abschlusskante gruppenweise oder einzeln einstellbar ist. In Zusammenhang mit der Vorrichtung ergeben sich Vorteile im Vergleich zum Stand der Technik. Insbesondere können auch längere Bleche maßlich hoch präzise abgekantet werden, weil entlang der Abkantlänge beziehungsweise der Abschlusskante statt einer Rollbiegeeinrichtung mehrere, kürzere Rollbiegeeinrichtungen angeordnet sind, wobei diese – gruppenweise oder einzeln – in verschieden großer Nähe zu der Abschlusskante und damit zu dem Blech angeordnet werden können. Eine entsprechend verschieden nahe Anordnung von Rollbiegeeinrichtungen führt zu verschieden starken Umbiegungen des Blechs entlang der Abschlusskante, wobei dieses Biegeverhalten auf das lokal verschiedene Rücksprungverhalten des Blechs abgestimmt werden kann, sodass sich letztlich überall entlang der Abschlusskante der gewünschte Abkantwinkel einstellt. Somit ist letztlich eine höhere Qualität und Maßhaltigkeit des Bauteils erreichbar, und es bedarf geringerer Werkzeugeinführungskosten aufgrund der Einstellbarkeit der segmentartigen Rollbiegeeinrichtungen. Auf einen Kantenschlag kann verzichtet werden, sodass hohe Presskräfte und eine damit verbundene Werkzeugbeschädigung vermieden wird. Dieses hat wiederum geringere Werkzeugkosten zur Folge. Es ergibt sich insgesamt eine bessere Qualität über die gesamte Werkzeuglaufzeit, und eine Bauteilqualität kann auch bei Schwankungen der Blechfestigkeit – insbesondere durch Nachstellen der Rollbiegeeinrichtung – gewährleistet werden.
-
Bei einem bevorzugten Ausführungsbeispiel ist vorgesehen, dass die Abkanteinrichtung verlagerbar gehalten ist, wobei die Auflage raumfest angeordnet ist. Alternativ ist es möglich, dass die Abkanteinrichtung raumfest gehalten ist, wobei die Auflage verlagerbar gehalten ist. Es ist auch möglich, dass sowohl die Abkanteinrichtung als auch die Auflage verlagerbar gehalten sind. In Zusammenhang mit der Vorrichtung ist es letztlich wichtig, dass eine Relativbewegung zwischen der Abkanteinrichtung und der Auflage bewirkbar ist.
-
Der relevante Abstand der Rollbiegeeinrichtungen zu der Abschlusskante wird in der Wirkstellung gemessen. Es handelt sich dabei nämlich letztlich um den für den lokalen Biegewinkel und damit auch den letztlich zu erreichenden Abkantwinkel relevanten Abstand. Der Abstand wird außerdem senkrecht zu der Abschlusskante gemessen. Dabei wird typischerweise per Konvention festgelegt, dass sich die Abschlusskante selbst in X-Richtung erstreckt.
-
Bei einem Ausführungsbeispiel der Vorrichtung ist bevorzugt vorgesehen, dass der Abstand zwischen der Rollbiegeeinrichtung und der Abschlusskante senkrecht zu der Abschlusskante und zugleich senkrecht zu der Wirkrichtung einstellbar ist. Die Wirkrichtung wird per Konvention als Z-Richtung bezeichnet. Bei dem hier dargestellten Ausführungsbeispiel erstreckt sich der Abstand also senkrecht zur X-Richtung und zugleich senkrecht zur Z-Richtung. Er erstreckt sich somit in Y-Richtung.
-
Alternativ ist es bei einem Ausführungsbeispiel der Vorrichtung möglich, dass der Abstand senkrecht zur Abschlusskante und parallel zur Wirkrichtung, also per Konvention in Z-Richtung, einstellbar ist. Es wird somit – in Wirkrichtung gesehen – eine Höhe der Rollbiegeeinrichtungen über der Auflage in der Wirkstellung eingestellt.
-
Sowohl eine Einstellung in Y-Richtung als auch eine Einstellung in Z-Richtung des Abstands führen zu einer Variation des Biegewinkels. Weist das Blech ein lokal verschiedenes Rücksprungverhalten auf und wird ein lokaler Biegewinkel hierauf abgestimmt, kann letztlich insbesondere insgesamt ein konstanter Abkantwinkel erreicht werden.
-
Es ist auch ein Ausführungsbeispiel der Vorrichtung möglich, das sich dadurch auszeichnet, dass der Abstand sowohl senkrecht zur Wirkrichtung als auch parallel zur Wirkrichtung, also sowohl in Y- als auch in Z-Richtung, einstellbar ist. Diese Vorrichtung ist besonders flexibel einstellbar. Insbesondere ist damit auch ein diagonaler Abstand in der Y-Z-Ebene zur Abschlusskante einstellbar.
-
Gemäß einer Ausgestaltung der Vorrichtung sind die Rollbiegeeinrichtungen gruppenweise bezüglich des Abstands zu der Abschlusskante einstellbar. Dies kann insbesondere genügen, wenn sich das Rücksprungverhalten des Blechs entlang der Abschlusskante gesehen nur wenig ändert. Insbesondere bei größeren Änderungen des Rücksprungverhaltens des Blechs pro Längeneinheit entlang der Abschlusskante gesehen ist es allerdings vorteilhaft, wenn der Abstand der Rollbiegeeinrichtungen für jede Rollbiegeeinrichtung einzeln einstellbar ist. Besonders bevorzugt ist der Abstand für alle Rollbiegeeinrichtungen unabhängig voneinander einstellbar. Der Abstand einer Rollbiegeeinrichtung hängt also in keiner Weise von dem Abstand der anderen Rollbiegeeinrichtungen zu der Abschlusskante ab. Vielmehr ist für jede Rollbiegeeinrichtung ein eigener Abstand separat einstellbar.
-
Jede der Rollbiegeeinrichtungen weist bevorzugt einen um eine Längsachse drehbar gelagerten Vollzylinder auf, an dem ein Umfangsegment ausgespart ist, das in etwa einen rechten Winkel einschließt. Bei Auftreffen einer Segmentkante auf einem durch die Auflage unterstützten Bereich des Blechs dreht sich der Zylinder unter dem Druck der Absenkung. Die andere Segmentkante wird dadurch in Wirkrichtung verschwenkt und drückt den abzukantenden Abschnitt des Blechs in Wirkrichtung weg beziehungsweise biegt diesen um die Abschlusskante herum. Nach der Abkantung wird die Rollbiegeeinrichtung wieder von der Auflage entfernt, wodurch die Segmentkanten entlastet werden und der Zylinder mittels eines Rückholmechanismus, insbesondere einer Rückholfeder, selbsttätig in seine Ausgangsposition zurückschwenkt. Solche Rollbiegeeinrichtungen sind für sich genommen bekannt, beispielsweise aus der
WO 2008/144237 A1 , sodass hier insofern nicht näher darauf eingegangen wird.
-
Es wird auch ein Ausführungsbeispiel der Vorrichtung bevorzugt, das sich dadurch auszeichnet, dass die Auflage eine Auflagefläche und eine Anschlagsfläche aufweist, wobei die Abschlusskante durch einen Übergangsbereich von der Auflagefläche in die Anschlagsfläche gebildet wird. Der Übergangsbereich ist dabei insbesondere als gedachte Schnittlinie zwischen der Auflagefläche und der Anschlagsfläche ausgebildet, wobei diese Schnittlinie vorzugsweise verrundet ausgestaltet ist, sodass sich ein definiter Biegeradius an der Abschlusskante ergibt. Die Anschlagsfläche schließt vorzugsweise einen Winkel mit der Auflagefläche ein, der von 90° verschieden ist. Insbesondere ist der Winkel bevorzugt kleiner als 90°, sodass ein Überbiegen des Blechs möglich ist. Nur so ist es möglich, Abkantwinkel von 90° oder weniger trotz des Rücksprungverhaltens des Blechs darzustellen.
-
Es wird auch ein Ausführungsbeispiel der Vorrichtung bevorzugt, das sich dadurch auszeichnet, dass diese wenigstens eine Unterlegplatte oder wenigstens einen Abstimmkeil aufweist, durch welche/welchen der Abstand der Rollbiegeeinrichtungen und der Abschlusskante einstellbar ist. Vorzugsweise sind eine Mehrzahl von Unterlegplatten und/oder Abstimmkeilen vorgesehen, insbesondere für jede Rollbiegeeinrichtung mindestens eine Unterlegplatte oder mindestens ein Abstimmkeil. Mit Hilfe eines Baukastens von verschieden ausgestalteten Unterleg platten oder Abstimmkeilen oder auch durch Kombination, insbesondere Hintereinanderschaltung, von mehreren Unterlegplatten oder Abstimmkeilen können eine Vielzahl verschiedener Abstände für die Rollbiegeeinrichtungen eingestellt werden.
-
Die Aufgabe wird auch gelöst, indem ein Verfahren zum Abkanten von Blechen geschaffen wird, wobei eine Vorrichtung nach einem der zuvor beschriebenen Ausführungsbeispiele verwendet wird. Das Verfahren umfasst folgende Schritte: Es wird ein Blech auf die Auflage aufgelegt, sodass ein Abkantbereich des Blechs über die Abschlusskante übersteht. Dabei ist der Abkantbereich derjenige Bereich des Blechs, der umgebogen oder abgekantet werden soll. Die Abkanteinrichtung wird in Wirkrichtung aus der Passivstellung in die Wirkstellung verlagert, und der Abkantbereich des Blechs wird um die Abschlusskante gebogen. In Zusammenhang mit dem Verfahren verwirklichen sich – insbesondere aufgrund der Verwendung einer Vorrichtung nach einem der zuvor beschriebenen Ausführungsbeispiele – die Vorteile, die bereits in Zusammenhang mit der Vorrichtung erläutert wurden.
-
Insgesamt wird im Rahmen des Verfahrens bevorzugt ein Blech auf die als feste Unterlage ausgestaltete Auflage gelegt, wobei der Abkantbereich über die Auflage und insbesondere über die Abschlusskante, übersteht. Anschließend wird die Abkanteinrichtung und damit zugleich die Rollbiegeeinrichtungen auf das Blech in dem Abkantbereich abgesenkt. Es erfolgt dann das Abkanten gemäß der zuvor beschriebenen Funktionsweise der Rollbiegeeinrichtungen. Nach der Abkantung wird die Abkanteinrichtung samt der Rollbiegeeinrichtungen bevorzugt wieder zurück in die Passivstellung verlagert, wodurch die Segmentkanten der Rollbiegeeinrichtungen entlastet werden, und wobei deren Zylinder sich mittels der Rückholeinrichtungen selbsttätig in ihre Ausgangspositionen zurückdrehen.
-
Es wird eine Ausführungsform des Verfahrens bevorzugt, die sich dadurch auszeichnet, dass eine Biegewinkelverteilung entlang der Abschlusskante ermittelt wird, wobei die Abstände der Rollbiegeeinrichtungen zu der Abschlusskante entsprechend der Biegewinkelverteilung eingestellt werden. Die Biegewinkelverteilung gibt dabei an, wie weit der Abkantbereich lokal umgebogen werden muss, um einen vorbestimmten Soll-Abkantwinkel – unter Berücksichtigung des Rücksprungverhaltens des Blechs – zu erreichen. Über die Ermittlung der Biegewinkelverteilung und der entsprechenden Einstellung der Abstände der Rollbiegeeinrichtungen kann also letztlich ein gewünschter Soll-Abkantwinkel entlang der gesamten Länge der Abschlusskante und somit entlang der gesamten Länge des Abkantbereichs des Blechs verwirklicht werden.
-
Es wird auch eine Ausführungsform des Verfahrens bevorzugt, die sich dadurch auszeichnet, dass ein Rücksprungverhalten des Blechs entlang der Abschlusskante bestimmt wird, wobei die Biegewinkelverteilung anhand des Rücksprungverhaltens ermittelt wird. Insbesondere wird bevorzugt ein Soll-Abkantwinkel für den Abkantbereich – entweder in Form lokaler Soll-Abkantwinkel oder besonders bevorzugt in Form eines globalen Soll-Abkantwinkels, der entlang des gesamten Abkantbereichs einzuhalten ist – definiert. Es wird dann das lokale Rücksprungverhalten des Blechs ermittelt, und die Biegewinkelverteilung wird so bestimmt, dass sie derart auf das lokale Rücksprungverhalten des Blechs abgestimmt ist, dass überall die lokalen oder der globale Soll-Abkantwinkel erreicht wird, wenn das Blech mit entsprechend der Biegewinkelverteilung eingestellten Abständen der Rollbiegeeinrichtungen durch die Vorrichtung abgekantet wird. Die Rollbiegeeinrichtungen werden also entsprechend der zuvor ermittelten Biegewinkelverteilung unterschiedlich nah dem Blech zugestellt, sodass dieses letztlich lokal unterschiedlich stark gebogen wird, sodass sich nach dem Rücksprung der gewünschte Abkantwinkel einstellt.
-
Schließlich wird eine Ausführungsform des Verfahrens bevorzugt, die sich dadurch auszeichnet, dass ein rechtwinkliger Abkantwinkel entlang der gesamten Abschlusskante eingestellt wird. Dies stellt eine besonders bevorzugte Ausgestaltung des Verfahrens dar, wobei insbesondere ein rechtwinkliger Abkantwinkel für praktische Anwendungen relevant ist.
-
Im Rahmen des Verfahrens werden im Übrigen vorzugsweise Bleche abgekantet, deren Abkantbereich – entlang der Abschlusskante gemessen – länger ist als 1000 mm, wobei insbesondere eine Abkantlänge mehr als 1000 mm beträgt. Mit Hilfe des Verfahrens ist es auch bei derart langen Bauteilen möglich, geforderte Maßtoleranzen, insbesondere von +/–0,5 mm, einzuhalten.
-
Die Erfindung wird anhand der Zeichnung näher erläutert.
-
Dabei zeigen:
-
1 eine schematische Darstellung einer Ausführungsform des Verfahrens zum Abkanten von Blechen;
-
2 eine schematische Darstellung zweier Ausführungsbeispiele der Vorrichtung, und
-
3 eine weitere schematische Darstellung eines Ausführungsbeispiels der Vorrichtung.
-
1 zeigt eine schematische Darstellung einer Ausführungsform des Verfahrens zum Abkanten von Blechen. Dabei ist bei a) eine Vorrichtung 1 dargestellt, die zum Abkanten des Blechs 3 eingerichtet ist. Die Vorrichtung 1 weist eine Auflage 5 auf, auf welche das Blech 3 aufgelegt werden kann, wobei die Auflage 5 eine Abschlusskante 7 aufweist, um die das Blech 3 beim Abkanten umgebogen wird. Außerdem weist die Vorrichtung 1 eine Abkanteinrichtung 9 auf, die relativ zu der Auflage 5 in einer Abkantrichtung, die in 1 vertikal verläuft, mithin in Wirkrichtung der Vorrichtung 1, aus einer nicht dargestellten Passivstellung in eine bei c) dargestellte Wirkstellung verlagerbar ist. In der Passivstellung ist die Abkanteinrichtung 9 weiter von der Auflage 5 beziehungsweise dem Blech 3 entfernt angeordnet, als dies bei a) dargestellt ist.
-
Die Abkanteinrichtung 9 weist – in Richtung der Abschlusskante 7 gesehen, die sich hier senkrecht zur Bildebene von 1 erstreckt – eine Mehrzahl von Rollbiegeeinrichtungen auf, wobei hier nur eine Rollbiegeeinrichtung 11 schematisch dargestellt ist.
-
Zum Abkanten wird das Blech 3 auf die Auflage 5 gelegt, konkret auf eine Auflagefläche 13 derselben. Das Blech steht dabei mit einem Abkantbereich 15 über die Abschlusskante 7 über.
-
Die Rollbiegeeinrichtung 11 weist einen um eine senkrecht auf der Bildebene von 1 stehende Drehachse drehbaren Vollzylinder 17 auf, der in einer Zylinderaufnahme 19 schwenkbar gelagert ist. An dem Vollzylinder ist ein Umfangsegment ausgespart, wobei der Vollzylinder 17 beidseitig des ausgesparten Segments Segmentkanten aufweist, hier nämlich eine auflageseitige Segmentkante 21 und eine auflageentfernte Segmentkante 23.
-
Ist das Blech 3 auf der Auflage 5 angeordnet, wird die Abkanteinrichtung 9 entlang der Abkant- oder Wirkrichtung aus ihrer Passivstellung abgesenkt, bis – wie in 1a) dargestellt die auflageseitige Segmentkante 21 auf den durch die Auflage 5 unterstützten Bereich des Blechs 3 auftrifft. Die Abkanteinrichtung 9 wird dann weiter abgesenkt, wobei der Vollzylinder 17 verschwenkt wird, und wobei insbesondere die auflageentfernte Segmentkante 23 in Wirkrichtung verschwenkt wird, wie dies bei 1b) dargestellt ist. Dabei drückt diese den Abkantbereich 15 – in Abkantrichtung gesehen – nach unten und biegt diesen um die Abschlusskante 7.
-
In 1c) ist die Wirkstellung der Abkanteinrichtung 9 dargestellt. Hier ist der Vollzylinder 17 vollständig verschwenkt, wobei gemäß der hier konkret dargestellten Ausführungsform des Verfahrens der Abkantbereich 15 in Richtung einer Anschlagsfläche 25 gedrängt ist. Dabei wird der Abkantbereich 15 bevorzugt nicht vollständig gegen die Anschlagsfläche 25 gedrängt, vielmehr verbleibt zwischen dem Blech 3 und der Anschlagsfläche 25 – abweichend von der schematisierten, vereinfachten Darstellung gemäß 1c) – noch ein Freiraum von bevorzugt mindestens einer Blechstärke des Blechs 3. Nach der so erfolgten Abkantung wird die Abkanteinrichtung 9 wieder in Richtung ihrer Passivstellung verlagert, wodurch letztlich beide Segmentkanten 21, 23 entlastet werden, wobei der Vollzylinder 17 mittels eines Rückholmechanismus 27 selbsttätig in seine Ausgangsstellung zurückverlagert wird.
-
Das Blech 3 zeigt dabei ein Rücksprungverhalten, wobei sich der Abkantbereich 15 ausgehend von der zunächst erreichten Position von der Anschlagsfläche 25 entfernt. Dieses Rücksprungverhalten ist insbesondere bei höherfesten und/oder langen Blechen mit – in Richtung der Abschlusskante gesehen – langem Abkantbereich lokal verschieden, sodass das Abkanten mit einer einzigen, langen Rollbiegeeinrichtung 11 maßlich nur unzureichend erfolgen kann.
-
Die Vorrichtung 1 weist daher – entlang der Abschlusskante gesehen – eine Mehrzahl von Rollbiegeeinrichtungen 11 auf, deren in der Wirkstellung und senkrecht zu der Abschlusskante 7 gemessener Abstand zu der Abschlusskante 7 gruppenweise oder einzeln – insbesondere unabhängig voneinander – einstellbar ist.
-
Die Auflagefläche 13 und die Anschlagsfläche 25 schließen vorzugsweise einen Winkel α miteinander ein, der von 90° verschieden ist, wie dies in 1 dargestellt ist. Insbesondere ist dieser Winkel α bevorzugt kleiner als 90°. Die Abschlusskante 7 verläuft dabei bevorzugt entlang einer gedachten Schnittlinie zwischen der Auflagefläche einerseits und der Anschlagsfläche 25 andererseits, wobei sie bevorzugt abgerundet ist.
-
2a) zeigt eine schematische Darstellung eines Ausführungsbeispiels der Vorrichtung 1. Gleiche und funktionsgleiche Elemente sind mit gleichen Bezugszeichen versehen, sodass insofern auf die vorangegangene Beschreibung verwiesen wird. Hierbei ist vorgesehen, dass der Abstand der Rollbiegeeinrichtung 11 von der Abschlusskante 7 senkrecht zu der Abschlusskante 7 und parallel zu der Wirkrichtung, mithin in 2a) in vertikaler Richtung, die auch als Z-Richtung bezeichnet wird, einstellbar ist, was hier durch einen Doppelpfeil P dargestellt ist. Dabei zeigt sich, dass dieser Abstand insbesondere mit Hilfe einer Unterlegplatte 29 einstellbar ist. Wird der in der Wirkstellung gemessene Abstand größer eingestellt, als dies in 1c) dargestellt ist, ergibt sich ein größerer Biegewinkel β, als dies in 2a) dargestellt ist. Auch umgekehrt kann durch Verkleinerung des in Wirkstellung gemessenen Abstands eine Verkleinerung des Biegewinkels β beziehungsweise eine weitere Umbiegung des Abkantbereichs 15 um die Abschlusskante 7 herum bewirkt werden.
-
In 2b) ist schematisch ein zweites Ausführungsbeispiel der Vorrichtung 1 dargestellt. Gleiche und funktionsgleiche Elemente sind mit gleichen Bezugszeichen versehen, sodass insofern auf die vorangegangene Beschreibung verwiesen wird. Bei diesem Ausführungsbeispiel wird der Abstand der Rollbiegeeinrichtung 11 zu der Abschlusskante 7 senkrecht zu der Abschlusskante 7 und senkrecht zu der Wirkrichtung, hier also in horizontaler Richtung und insbesondere in Y-Richtung eingestellt, was durch einen Doppelpfeil P dargestellt ist. Auch diese Einstellung des Abstands kann durch eine Unterlegplatte 29 bewirkt werden. Auch dabei zeigt sich, dass ein größerer Abstand zu einem, größeren Biegewinkel β und ein kleinerer Abstand zu einem kleineren Biegewinkel β führt.
-
3 zeigt eine weitere schematische Darstellung eines Ausführungsbeispiels der Vorrichtung. Gleiche Elemente sind mit gleichen Bezugszeichen versehen, sodass insofern auf die vorangegangene Beschreibung verwiesen wird. Dabei ist hier die Abschlusskante 7 gestichelt angedeutet. Entlang dieser gesehen sind hier beispielhaft vier Rollbiegeeinrichtungen 11, 11', 11'', 11''' nebeneinander angeordnet, welche – in einer Richtung senkrecht zu der Abschlusskante 7 und senkrecht zur Wirkrichtung gesehen, also in Y-Richtung, verschiedene Abstände zu der Abschlusskante 7 aufweisen. Dabei ist insbesondere durch Pfeile P angedeutet, dass die Rollbiegeeinrichtungen 11, 11', 11'', 11''' separat und unabhängig voneinander relativ zu der Abschlusskante 7 zustellbar sind. Somit kann lokal ein Biegewinkel für das Blech 3 verschieden eingestellt werden.
-
Insbesondere wird bevorzugt zunächst ein Rücksprungverhalten des Blechs 3 entlang der Abschlusskante 7 bestimmt, wobei anschließend eine Biegewinkelverteilung anhand des Rücksprungverhaltens ermittelt wird. Die Abstände der Rollbiegeeinrichtungen 11 zu der Abschlusskante 7 werden entsprechend der ermittelten Biegewinkelverteilung eingestellt, und zwar bevorzugt so, dass sich überall entlang der Abschlusskante 7 nach dem Abkanten des Blechs – aufgrund der verschiedenen Umbiegung sowie des verschiedenen Rücksprungverhaltens – ein homogener, konstanter Abkantwinkel ergibt. Dabei wird besonders bevorzugt ein rechtwinkliger Abkantwinkel eingestellt.
-
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde automatisiert erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information des Lesers aufgenommen. Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
-
Zitierte Patentliteratur
-
- WO 2008/144237 A1 [0002, 0013]