-
Gebiet der Erfindung
-
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Dichtanordnung zur Abdichtung eines in einem Gehäuse eines Bremszylinders beweglich angeordneten Druckkolbens, der an seiner Außenumfangsfläche wenigstens eine sich im Wesentlichen quer zu der Längsachse des Druckkolbens erstreckende Nachlaufbohrung aufweist, die dazu ausgebildet ist, eine Druckkammer des Bremszylinders mit einer Ausgleichskammer des Bremszylinders fluidisch zu verbinden. Die Dichtanordnung umfasst ein Dichtelement, das in dem Gehäuse dichtend anbringbar ist, sowie eine Dichtfläche an der Außenumfangsfläche des Druckkolbens mit einem Übergangsbereich, in den die Nachlaufbohrung mündet, wobei die Dichtfläche mit dem Dichtelement dichtend zusammenwirkt. Die Erfindung betrifft ferner einen Bremszylinder, insbesondere für hydraulische Kraftfahrzeugbremsanlagen, der eine solche Dichtanordnung zur Abdichtung eines in einem Gehäuse des Bremszylinders beweglich angeordneten Druckkolbens aufweist.
-
Hintergrund der Erfindung
-
Eine Dichtanordnung sowie ein Bremszylinder der eingangs erwähnten Art sind beispielsweise in der
DE 10 2006 040 487 B3 beschrieben. Das Gehäuse des Bremszylinders bildet zusammen mit dem Druckkolben eine Druckkammer aus. Der Druckkolben wird bei einer Betätigung der hydraulischen Kraftfahrzeugbremse in einer Betätigungsrichtung in die Druckkammer des Bremszylinders hinein verschoben. Hierdurch baut sich innerhalb der Druckkammer ein Hydraulikdruck auf, durch den eine Bremsreaktion über eine der Druckkammer nachgeschaltete Hydraulikeinheit in den Radbremsen des Fahrzeugs erzielt wird.
-
Weiterhin sind ein Druckmittelkanal in dem Gehäuse sowie eine Nachlaufbohrung in dem Druckkolben vorgesehen, die eine fluidische Verbindung zwischen der Druckkammer und einer Ausgleichskammer ermöglichen.
-
Zur dynamischen Abdichtung des Druckkolbens gegenüber dem Gehäuse ist ein Dichtelement vorgesehen, das mit einer Dichtfläche an der Außenumfangsfläche des Druckkolbens dichtend zusammenwirkt. Die Dichtfläche weist einen Übergangsbereich auf, in den die Nachlaufbohrung mündet.
-
Üblicherweise ist das Dichtelement aus einem elastischen Material hergestellt, das in bestimmten Situationen eine Verformung des Dichtelements ermöglichen soll.
-
Eine Rückstellfeder dient dazu, den Druckkolben in seine Ausgangsstellung zurückzustellen, wenn die Bremse durch schnelles Zurücknehmen des Bremspedals schlagartig gelöst wird. Damit die Rückstellung des Druckkolbens und damit auch ein Lösen der Radbremsen ausreichend schnell erfolgen können, muss ein Druckausgleich zwischen der Druckkammer und der Ausgleichskammer stattfinden. Der Druckausgleich wird in der Praxis oftmals durch eine elastische Verformung des Dichtelements bewirkt, welches in Folge seiner Verformung fluidisch überströmt werden kann. Auf diese Weise kann ausreichend Flüssigkeit aus der Ausgleichskammer über das Dichtelement in die Druckkammer zurückströmen.
-
Während des Druckaufbaus wirkt sich das elastische Verformungsverhalten des Dichtelements jedoch nachteilig aus, da hierdurch der sogenannte „Leerweg” (auch als Leerhub bezeichnet) des Druckkolbens, d. h. der Betätigungsweg bis eine nennenswerte Reaktion der Reibungsbremsen registriert werden kann, vergrößert werden kann.
-
So ist aus der Praxis der sogenannte Blow-Off-Effekt bekannt, bei dem das Dichtelement sich druckbedingt derart verformt, dass sich vorrübergehend der dichtende Kontakt zwischen der Dichtfläche und dem Dichtelement löst. Hierbei kann in unerwünschter Weise Bremsfluid aus der Druckkammer in die Ausgleichskammer entweichen und der bislang aufgebaute Druck in der Druckkammer bricht zusammen (Blow-Off). Dies geschieht beispielsweise dann, wenn das Dichtelement an den Nachlaufbohrungen in dem Druckkolben anliegt, um diese abzudichten, da der in der Druckkammer aufgebaute Druck durch die Nachlaufbohrungen auf das Dichtelement einwirkt und es bezogen auf die Längsachse des Druckkolbens nach radial außen drückt, so dass sich dieses entsprechend radial auswärts verformt. Erst wenn das Dichtelement die Nachlaufbohrungen vollständig überfahren hat, entfällt diese radiale Druckeinwirkung auf das Dichtelement und es kann wieder Druck in der Druckkammer aufgebaut werden. Somit wird der Leerweg des Druckkolbens unerwünscht verlängert.
-
Das Dokument
DE 199 46 415 A1 zeigt ebenfalls eine Dichtanordnung sowie einen Bremszylinder der eingangs erwähnten Art, wobei eine an die Nachlaufbohrungen angrenzende Fläche zur verbesserten Abdichtung genutzt wird, die bei Betätigung des Druckkolbens mit dem Dichtelement in Eingriff gelangt, nachdem dieser die Nachlaufbohrung überfahren hat. Das Problem des verlängerten Leerwegs infolge eines Blow-Off-Effekts kann jedoch auch bei dieser Ausgestaltung auftreten.
-
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine verbesserte Dichtanordnung für einen Bremszylinder einer Kraftfahrzeugbremsanlage vorzusehen, die das Auftreten eines Blow-Off-Effekts verhindert und damit eine Verkürzung des Leerwegs des Druckkolbens und ein schnelleres Antwortverhalten der Bremsanordnung ermöglicht.
-
Zusammenfassung der Erfindung
-
Diese Aufgabe wird durch eine Dichtanordnung der eingangs genannten Art gelöst, bei der die Dichtfläche in ihrem Übergangsbereich in einer achsenthaltenden Schnittansicht entlang der Längsachse des Druckkolbens betrachtet einen nicht-linearen konvex gekrümmten Konturverlauf mit einem zunehmenden Durchmesser aufweist.
-
Dadurch dass der Durchmesser, d. h. der Außendurchmesser des Druckkolbens, im Übergangsbereich der Dichtfläche zunimmt, kann die druckbedingte Verformung des Dichtelements nach radial außen ausgeglichen werden, so dass der vorstehend beschriebene Effekt des „Blow-Off” wirksam verhindert wird. Der nicht-lineare konvex gekrümmte Konturverlauf der Dichtfläche mit einer Zunahme des Durchmessers bewirkt gegenüber einem linearen Verlauf eine verbesserte Wirksamkeit der Dichtanordnung, da der Kolbendurchmesser im Übergangsbereich der Dichtfläche der radialen, druckbedingten Verformung des Dichtelements besser folgen kann. So weiß man aus der Praxis, dass elastische Werkstoffe, wie Gummi, sich bei linear zunehmendem Druck ebenfalls nicht linear verformen. Selbst bei einer bereichsweise stärkeren Zunahme der Deformierung des Dichtelements nach radial außen kann der dichtende Kontakt mit der Dichtfläche somit erhalten bleiben.
-
Ferner kann vorgesehen sein, dass der Durchmesser der Dichtfläche in ihrem Übergangsbereich in einer Rückstellrichtung des Druckkolbens betrachtet zunehmend ausgebildet ist. Die Rückstellrichtung bezeichnet hierbei die Richtung des Druckkolbens bei einer Rückstellbewegung, d. h. eine zu der Betätigungsrichtung entgegengesetzte Bewegungsrichtung des Druckkolbens aus der Druckkammer heraus.
-
Bei einer Weiterentwicklung der Erfindung kann ferner vorgesehen sein, dass der Druckkolben einen bezüglich seiner Betätigungsrichtung vorderen an den Übergangsbereich der Dichtfläche angrenzenden Abschnitt und einen hinteren an den Übergangsbereich der Dichtfläche angrenzenden Abschnitt aufweist. Die Betätigungsrichtung bezeichnet hierbei die Bewegungsrichtung des Druckkolbens in die Druckkammer hinein.
-
Dabei kann der vordere Abschnitt einen ersten Durchmesser aufweisen, der vorteilhaft von einem zweiten Durchmesser des hinteren Abschnitts verschieden ist. Insbesondere kann vorgesehen sein, dass der erste Durchmesser kleiner ist als der zweite Durchmesser. In diesem Fall umfasst die Dichtfläche einen Übergangsbereich zwischen dem vorderen Abschnitt mit dem kleineren Durchmesser und dem hinteren Abschnitt mit dem größeren Durchmesser. Bei dieser Ausführungsform kann der Durchmesser des Druckkolbens im Übergangsbereich der Dichtfläche somit von dem ersten Durchmesser bis zu dem zweiten Durchmesser stetig zunehmen. Gleiches gilt für den sich in der Druckkammer aufbauenden Druck, der durch die Nachlaufbohrung radial auf das Dichtelement einwirkt. Bei einem stetig ansteigenden bzw. zunehmenden Durchmesser des Druckkolbens im Übergangsbereich der Dichtfläche kann somit gewährleistet werden, dass das Dichtelement nicht nur lokal einen dichtenden Kontakt mit der Dichtfläche herstellt, sondern die gesamte der Dichtfläche zugewandte Seite des Dichtelements den dichtenden Kontakt mit der Dichtfläche bereitstellen kann.
-
Weiterhin kann vorgesehen sein, dass der konvex gekrümmte Konturverlauf des Übergangsbereichs der Dichtfläche als Kreissegment mit einem einzigen Krümmungsradius ausgebildet ist. Dies ermöglicht insbesondere eine besonders einfache Herstellung. Alternativ kann jedoch auch vorgesehen sein, dass der konvex gekrümmte Konturverlauf des Übergangsbereichs der Dichtfläche einen ersten Krümmungsradius und wenigstens einen zweiten Krümmungsradius aufweist, der von dem ersten Krümmungsradius verschieden ist. Dies kann bei einer Weiterentwicklung der Erfindung dazu führen, dass der konvex gekrümmte Konturverlauf des Übergangsbereichs der Dichtfläche stufig degressiv, d. h. in der Form einer seitlich geöffneten Parabelhälfte, ausgebildet ist.
-
Ferner kann vorgesehen sein, dass die Dichtfläche in ihrem Übergangsbereich in einer achsenthaltenden Schnittansicht entlang der Längsachse des Druckkolbens betrachtet wenigstens einen ersten Abschnitt mit einem nicht-linearen konkav gekrümmten Konturverlauf sowie einen zweiten Abschnitt mit einem nicht-linearen konvex gekrümmten Konturverlauf mit einem zunehmenden Durchmesser aufweist. Dies ist insbesondere dann vorteilhaft, wenn vorgesehen ist, dass der Übergangsbereich der Dichtfläche harmonisch in die Außenumfangsfläche des vorderen Abschnitts des Druckkolbens mündet. Weiterhin kann vorgesehen sein, dass der Übergangsbereich der Dichtfläche harmonisch in die Außenumfangsfläche des hinteren Abschnitts des Druckkolbens mündet. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass keine Kanten im Übergangsbereich zwischen dem jeweiligen vorderen und/oder hinteren Abschnitt des Druckkolbens und dem Übergangsbereich der Dichtfläche vorhanden sind, welche zu einem unerwünschten Abrieb des kontaktierenden Bereichs des Dichtelements führen könnten.
-
Zudem kann vorgesehen sein, dass der Konturverlauf der Dichtfläche abhängig von einem Verformungsverhalten des Dichtelements ausgebildet ist. Dies ist insbesondere vorteilhaft, da bei einem solchen von dem Verformungsverhalten des Dichtelements abhängigen Konturverlauf der Dichtfläche eine optimale Balance zwischen der für den dichtenden Kontakt notwendigen Flächenpressung zwischen dem Dichtelement und der Dichtfläche und der einer Bewegung des Druckkolbens entgegenstehenden Reibung zwischen Dichtelement und Dichtfläche des Druckkolbens erreicht werden kann, welche zu unerwünschtem Abrieb des Dichtelements führen könnte.
-
Die Erfindung betrifft ferner einen Bremszylinder der eingangs genannten Art, der eine Dichtanordnung mit den vorstehend genannten Merkmalen aufweist.
-
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
-
Nachstehend wird die Erfindung beispielhaft anhand einer bevorzugten Ausführungsform unter Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen beschrieben. Es stellen dar:
-
1 einen Axialschnitt durch einen im Gleichgewichtszustand befindlichen Bremszylinder mit einer erfindungsgemäßen Dichtanordnung;
-
2 einen Axialschnitt durch den in 1 gezeigten erfindungsgemäßen Bremszylinder, wobei der Bremszylinder sich in einem Nicht-Gleichgewichtszustand befindet;
-
3 eine Detailansicht der erfindungsgemäßen Dichtanordnung gemäß den 1 und 2.
-
Beschreibung einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung
-
Die 1 zeigt in axialer Schnittansicht einen Bremszylinder, der beispielsweise als Hauptbremszylinder 10 für hydraulische Kraftfahrzeugbremsanlagen in Plunger- oder Tandembauweise ausgebildet sein kann. Im Falle eines Tandem-Hauptbremszylinders sind die zwei hintereinander angeordneten Druckkreise bezüglich ihres Aufbaus und ihrer Funktionsweise nahezu identisch. Die folgende Beschreibung beschränkt sich deshalb lediglich auf einen Druckkreis. Im Folgenden werden nur die im Hinblick auf die Erfindung relevanten Merkmale des Hauptbremszylinders 10 beschrieben, da die Funktionsweise derartiger Hauptbremszylinder dem Fachmann bekannt ist.
-
Die 1 zeigt in einer axialen Schnittansicht den Hauptbremszylinder 10, der ein zylindrisch ausgebildetes Gehäuse 12 aufweist, in dem ein Druckkolben 14 verschiebbar angeordnet ist. Der Druckkolben 14 wird unter Zwischenschaltung eines nicht gezeigten Bremskraftverstärkers von einem Bremspedal mit einer Kraft beaufschlagt. Ist der Hauptbremszylinder 10 in Tandem-Bauweise aufgebaut, so wird die Bewegung des Druckkolbens 14 durch die Hydrauliksäule auf einen nicht gezeigten zweiten Druckkreis übertragen.
-
Bei einer Betätigung des Druckkolbens 14 wird dieser entlang seiner Längsachse L in eine Druckkammer 16, welche durch das Gehäuse 12 und den Druckkolben 14 begrenzt ist, in Betätigungsrichtung B hineinbewegt. Nach erfolgter Betätigung, d. h. wenn das Bremspedal nicht mehr mit einer Kraft beaufschlagt wird, dient eine Rückstellfeder 18 dazu, den Druckkolben 14 in einer zu der Betätigungsrichtung B entgegengesetzten Rückstellrichtung R zu seiner Ausgangsstellung zurückzubewegen.
-
Zur dynamischen Abdichtung der Druckkammer 16 ist ein Dichtelement 20 vorgesehen, das in einer ringförmigen Nut 30 des Gehäuses 12 untergebracht ist. In der dargestellten Ausführungsform ist die Nut 30 mit ihrem Nutboden 32 und ihren Nutwandungen 34, 36 einteilig in der Gehäusewandung ausgebildet. Alternativ ist es jedoch auch denkbar, wie aus dem Stand der Technik wohlbekannt, die Nut 30 durch mehrere separate Elemente auszubilden, die in das Gehäuse 12 eingesetzt werden.
-
Das Dichtelement 20 umfasst eine Außendichtlippe 22 mit einem an ihrer radial äußeren Seite vorgesehenen Dichtlippenwulst, der in unmittelbarer Nähe des freien axialen Endes der Außendichtlippe 22 angeordnet ist. Dieser Dichtlippenwulst wird durch den in der Druckkammer 16 herrschenden Druck in Anlage mit dem Nutboden 32 gebracht und dichtet somit die Druckkammer 16 gegenüber der Nut 30 ab. Ferner umfasst das Dichtelement 20 eine Innendichtlippe 24, die in Anlage mit dem in dem Gehäuse 12 des Hauptbremszylinders 10 angeordneten Druckkolben 14 gebracht wird und somit die Druckkammer 16 gegenüber dem Druckkolben 14 abdichtet.
-
Das Dichtelement 20 weist zusätzlich einen Dichtelementrücken 26 sowie einen in der Schnittansicht gezeigten axialen Vorsprung auf, der als Stützring 28 bezeichnet wird. An dem freien axialen Ende des Stützrings 28 sind Durchbrüche 28a vorgesehen, die einen Fluidstrom in radialer Richtung gewährleisten. Die axiale Länge des Stützrings 28 überragt die axiale Länge der Außendichtlippe 22 und die axiale Länge der Innendichtlippe 24. Der Stützring 28 ist etwa mittig zwischen der Außendichtlippe 22 und der Innendichtlippe 24 angeordnet.
-
Zwischen der Außendichtlippe 22 und dem Stützring 28 sowie zwischen der Innendichtlippe 24 und dem Stützring 28 sind einseitig offene Ausnehmungen vorgesehen, die zur Dichtwirkung des Dichtelements 20 beitragen.
-
Anstelle der dargestellten Ausführungsform des Dichtelements 20 ist es jedoch auch denkbar, anders ausgeformte Dichtelemente zu verwenden, die geeignet sind, einen dichtenden Kontakt mit dem Druckkolben 14 herzustellen.
-
Das Dichtelement 20 gemäß der hier beschriebenen Ausführungsform ist aus einem federelastischen Material durch ein Spritzgießverfahren hergestellt. Ein besonders geeignetes Material zur Verwendung für das Dichtelement 20 ist beispielsweise Gummi. Der Stützring 28 ist integral mit dem Dichtelement 20 ausgebildet, wie auch die Außendichtlippe 22 und die Innendichtlippe 24. Alternativ kann der Stützring 28 auch aus einem anderen Material hergestellt sein, das eine höhere Festigkeit aufweist als das Material, aus dem die Außendichtlippe 22 und die Innendichtlippe 24 gebildet sind.
-
Das Gehäuse 12 weist einen Druckmittelkanal 40 auf, der mit einer nicht dargestellten Druckmittel-Ausgleichskammer verbunden ist. Von dem Druckmittelkanal 40 gelangt das Druckmittel in einen Zwischenraum 42 und von dort durch in dem Druckkolben 14 vorgesehene Nachlaufbohrungen 44 in die Druckkammer 16. Bei einer Rückstellbewegung des Druckkolbens 14 in Rückstellrichtung R gelangt das Druckmittel durch einen Durchgang 38 in den Bereich der Nut 30. Aufgrund des sich in der Druckkammer 16 bei einer Rückstellbewegung des Druckkolbens 14 einstellenden Unterdrucks wird das Dichtelement 20 derart verformt, dass das Druckmittel ausgehend von dem Durchgang 38 das Dichtelement 20 in der Nut 30 radial außen überströmen kann, um so einen schnellen Druckausgleich in der Druckkammer 16 zu ermöglichen.
-
Im umgekehrten Fall, wenn der Druckkolben 14 sich in Betätigungsrichtung B in die Druckkammer 16 hineinbewegt, erhöht sich der Druck in der Druckkammer 16, sobald die Nachlaufbohrungen 44 des Druckkolbens 14 von der Innendichtlippe 24 des Dichtelements 20 wirksam abgedichtet sind. Der bis zu diesem Punkt zurückgelegte Weg des Druckkolbens 14 wird auch als „Leerweg” des Hauptbremszylinders 10 bezeichnet (Leerhub), da ein Flüssigkeitsaustausch aus der Ausgleichskammer und der Druckkammer 16 über den Druckmittelkanal 40, den Zwischenraum 42 und die Nachlaufbohrungen 44 stattfinden kann. Sobald die Nachlaufbohrungen 44 vollkommen von der Innendichtlippe 24 abgedichtet sind und der Druckkolben 14 weiter nach links in 1 verschoben wird, steigt der Druck in der Druckkammer 16 an und bewirkt, dass die Radbremsen des Kraftfahrzeugs über eine mit der Druckkammer 16 des Hauptbremszylinders 10 verbundene Hydraulikeinheit betätigt werden.
-
Gleichzeitig wirkt der erhöhte Druck in dem Druckraum 16 jedoch auch über die Nachlaufbohrungen 44 auf das Dichtelement 20 in radialer Richtung ein, sobald dieses an den Nachlaufbohrungen 44 anliegt, um mit seiner Innendichtlippe 24 einen dichtenden Kontakt mit einem Übergangsbereich 50 der am Außenumfang des Druckkolbens 14 ausgebildeten Dichtfläche herzustellen. Infolgedessen kann sich das Dichtelement 20 nach radial außen verformen, so dass der dichtende Kontakt zwischen der Innendichtlippe 24 und der Dichtfläche unterbrochen wird. Geschieht dies, so entweicht aufgrund des sich aufbauenden Überdrucks Fluid in die angeschlossene Ausgleichskammer und der angestaute Druck in der Druckkammer 16 bricht zusammen (Blow-Off).
-
Um dieses Problem zu vermeiden, ist die erfindungsgemäße Dichtfläche in einem Übergangsbereich 50 so ausgebildet, dass sie im Bereich der Nachlaufbohrungen 44 einen nicht-linearen konvex gekrümmten Konturverlauf mit einem zunehmenden Durchmesser des Druckkolbens 14 aufweist. Verschiebt sich der Druckkolben 14 in Folge einer Betätigung des Bremspedals in Betätigungsrichtung B gegenüber dem feststehenden Gehäuse 12 und dem darin aufgenommenen Dichtelement 20, so wächst der Durchmesser im Übergangsbereich 50 der Dichtfläche des Druckkolbens 14 in einem solchen Maße an, wie der sich in der Druckkammer 16 aufbauende Druck zu einer radialen Verformung des Dichtelements 20 führt (vgl. 2).
-
In einer optimierten Ausführungsform entspricht somit der Konturverlauf der Dichtfläche in ihrem Übergangsbereich 50 zumindest abschnittsweise dem Verformungsverhalten des Dichtelements 20 in radialer Richtung gemäß dem vom Druckkolben zurückgelegten Weg in die Druckkammer 16 hinein.
-
Der maximale Außendurchmesser des Druckkolbens 14 im Bereich der Dichtfläche ist dabei nicht größer als der Innendurchmesser des Durchgangs 38, so dass der Druckkolben 14 im Bereich seiner gesamten Dichtfläche inklusive dem Übergangsbereich 50 an der hinteren Nutwand 36 und dem Durchgang 38 vorbeigleiten kann.
-
Wie bereits vorstehend ausgeführt, ist das Dichtelement 20 aus einem federelastischen Material, insbesondere aus Gummi, hergestellt. Dementsprechend wird angestrebt, die Reibung an der Kontaktfläche von Innendichtlippe 24 und Außenumfangsfläche 46 des Druckkolbens möglichst gering zu halten, um einen unerwünschten Abrieb an der Innendichtlippe 24 zu vermeiden. Aus diesem Grund weist die Dichtfläche in ihrem Übergangsbereich 50 einen solchen in einer achsenthaltenden Schnittansicht betrachtet verlaufenden Konturverlauf auf, dass sie harmonisch sowohl in die Außenumfangsfläche des in Betätigungsrichtung B betrachtet vorderen Abschnitts 46a als auch in die Außenumfangsfläche des hinteren Abschnitts 46b des Druckkolbens 14 übergeht. Auf diese Weise wird das Auftreten von scharfen Kanten an der Außenumfangsfläche 46 des Druckkolbens vermieden, welche zu einem unerwünscht starken Abrieb an der Innendichtlippe 24 führen könnten.
-
Um einen solchen harmonischen, insbesondere knickfreien Übergang des Dichtflächenabschnitts 50 in die Außenumfangsfläche des vorderen Abschnitts 46a des Druckkolbens 14 zu ermöglichen, weist der Übergangsbereich 50 der Dichtfläche zwei unterschiedlich gekrümmte Abschnitte 56 und 58 auf (vgl. 3). Der an den vorderen Abschnitt 46a des Druckkolbens 14 angrenzende Abschnitt 56 weist hierbei einen nicht-linearen konkav gekrümmten Konturverlauf auf, der in einem Wendepunkt W in den zweiten Abschnitt 58 mündet, welcher einen konvex gekrümmten Konturverlauf besitzt.
-
Der vordere Abschnitt 46a des Druckkolbens weist ferner einen ersten Durchmesser 48a auf, der kleiner ist als der zweite Durchmesser 48b des hinteren Abschnitts 46b.
-
Auf diese Weise nimmt der Durchmesser des Druckkolbens 14 in seinem Übergangsbereich 50, der die beiden Abschnitte 46a und 46b miteinander verbindet, stetig zu.
-
Bei der in den 1 bis 3 gezeigten Ausführungsform der Dichtanordnung weist der konvex gekrümmte Konturverlauf des zweiten Abschnitts 58 des Dichtflächenabschnitts 50 in jedem Bereich über seine Länge 52 denselben Radius 54 auf, er folgt also einer Kreisbahn. Jedoch ist es alternativ auch denkbar, den konvex gekrümmten Konturverlauf derart auszubilden, dass er mehrere unterschiedliche Radien besitzt, d. h. stufig degressiv verläuft. Um eine möglichst optimale Dichtwirkung der Dichtanordnung des Bremszylinders 10 zu gewährleisten, wird der Konturverlauf der Dichtfläche in ihrem Übergangsbereich 50, insbesondere der Konturverlauf des konvexgekrümmten Abschnitts 58, in Abhängigkeit von dem Verformungsverhalten des Dichtelements 20 ausgebildet. Dabei ist insbesondere das radiale Verformungsverhalten des Dichtelements 20 gemäß dem vom Druckkolben 14 zurückgelegten Weg in die Druckkammer hinein ausschlaggebend für die Ausbildung des Konturverlaufs der Dichtfläche, insbesondere in ihrem Übergangsbereich 50.
-
Durch Vorsehen einer erfindungsgemäßen Dichtanordnung in einem Bremszylinder 10 ist es somit möglich, das radiale Verformungsverhalten des Dichtelements 20, das sich aus dem im Bereich der Nachlaufbohrungen 44 radial auf dieses einwirkenden Druck ergibt, insoweit auszugleichen, dass trotz der druckbedingten Verformung des Dichtelements 20 dessen Innendichtlippe 24 dauerhaft in dichtendem Kontakt mit der Dichtfläche 50 bleibt, insbesondere in deren Übergangsbereich 50 an den Nachlaufbohrungen 44, und so der Leerweg des Druckkolbens 14 verkürzt wird.
-
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde automatisiert erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information des Lesers aufgenommen. Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
-
Zitierte Patentliteratur
-
- DE 102006040487 B3 [0002]
- DE 19946415 A1 [0009]