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Die
vorliegende Erfindung betrifft ein kontinuierliches Verfahren zur
Herstellung von Hydroxyalkyl(meth)-acrylaten, insbesondere von solchen
Hydroxyalkyl(meth)-acrylaten, die mehr als eine (Meth)-acrylatgruppe
pro Molekül aufweisen.
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Hydroxyalkyl(meth)acrylate
sind bekannt. Sie werden unter anderem für die Umsetzung
mit isocyanathaltigen Verbindungen zur Herstellung von Urethan(meth)acrylaten
und ungesättigten Polyurethandispersionen verwendet (siehe
z. B.
EP 1700873 A1 ).
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Sie
sind insbesondere Bestandteile von Beschichtungsmitteln, die durch
radikalische Polymerisation ausgehärtet werden (siehe z.
B.
EP 1541609 A2 ).
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Unter
Hydroxyalkyl(meth)acrylaten werden hier und im Folgenden spezielle
Ester der Acrylsäure oder der Methacrylsäure mit
der allgemeinen Formel (1) verstanden:
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Dabei
ist R1 = H oder CH3 und n eine ganze Zahl
(1, 2, 3,...). R2 ist eine beliebige Gruppe, die bevorzugt über
ein Stickstoff- oder Sauerstoffatom angebunden ist, z. B. Alkoxy-,
Alkenoxy-, Alkinoxy-, Phenoxy-, Amino-, Carboxy-, Acryloyloxy-,
Methacryloyloxy- und andere.
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Ein
spezieller Vertreter der Hydroxyalkyl(meth)acrylate ist 3-Acryloyloxy-2-hydroxypropylmethacrylat, im
Folgenden auch als GAMA bezeichnet:
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Es
ist bekannt, dass Acrylat- und/oder Methacrylatgruppen enthaltende
Verbindungen temperatur- und/oder scherempfindlich sind und eine
spontane Polymerisation durch mechanische und/oder thermische Belastung
auftreten kann (siehe z. B.
EP
1 293 547 B1 ).
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Die
Exothermie der Polymerisation kann zum Auftreten so genannter Hot
Spots führen, was bei der Herstellung von Hydroxyalkyl(meth)acrylaten
im günstigsten Fall zu uneinheitlichen und nicht reproduzierbaren
Produkten führt, was im ungünstigsten Fall jedoch
das Durchgehen der Reaktion bedeuten kann. Insbesondere bei Hydroxyalkyl(meth)acrylaten,
bei denen die Gruppe R2 in der Strukturformel (1) eine weitere Acrylat-
oder Methacrylatfunktion umfasst, ist das Gefährdungspotential
bei absatzweise geführter Produktion besonders hoch, da
bei solchen Verbindungen eine hohe Konzentration an temperatur-
und/oder scherempfindlichen Gruppen vorliegt. Ein Vertreter dieser
besonders gefährlichen Verbindungen ist GAMA. Die Herstellung
von solchen Verbindungen stellt demnach höchste Ansprüche
an die Sicherheit. Nach dem Stand der Technik werden solche Verbindungen
unter genau kontrollierten Bedingungen durchgeführt, um
das Auftreten von Hot Spots zu vermeiden. Die Temperatur wird weit
unterhalb derjenigen Temperatur gehalten, bei der Hydroxyalkyl(meth)acrylate
Folgereaktionen, z. B. eine spontane Polymerisation, eingehen können.
Die geringen Temperaturen führen zu langen Reaktionszeiten
und daher zu einer geringen Raumzeitausbeute. Die Reaktionsansätze
werden entsprechend klein gewählt, um bei Auftreten von
ungewollten Folgereaktionen die Gefährdung für
die Umgebung zu minimieren. Die in Batch-Verfahren umgesetzten Mengen
sind nach dem Stand der Technik entsprechend gering.
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In
EP-A1 693359 ist beispielsweise
ein Batch-Verfahren zur Herstellung von GAMA beschrieben, bei dem
Glycidylmethacrylat mit Acrylsäure bei einer Temperatur
von 80°C durch Katalyse mit schwach lewissauren Boranverbindungen
wie beispielsweise Trisdimethylaminoboran zu GAMA umgesetzt werden.
Die Reaktionszeiten betragen 24 bis 48 Stunden und mehr.
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Insofern
unterliegt die Synthese von Hydroxyalkyl(meth)acrylaten einer Reihe
von Anforderungen, die einer schnellen und unkomplizierten Herstellung
entgegenstehen. Dies gilt insbesondere für solche Hydroxyalkyl(meth)acrylate
gemäß der Strukturformel (1), bei denen R2 eine
Acrylat- oder Methacrylatfunktion umfasst. Es wäre wünschenswert,
die Synthese von Hydroxyalkyl(meth)acrylaten bei höheren
Temperaturen als im Stand der Technik beschrieben durchführen
zu können, um die Reaktionszeiten zu verkürzen.
Hier besteht aber die Gefahr, dass Folgereaktionen, insbesondere
die radikalische Polymerisation der ungesättigten Doppelbindung
des (Meth)acrylats einsetzt. Dies gilt in besonderem Maße
für Hydroxyalkyl(meth)acrylate gemäß der
Strukturformel (1), bei denen R2 eine weitere Acrylat- oder Methacrylatfunktion
umfasst.
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Ausgehend
vom Stand der Technik stellt sich somit die Aufgabe, ein Verfahren
zur Herstellung von Hydroxyalkyl(meth)acrylaten bereitzustellen,
das ein höhere Raumzeitausbeute bei vergleichbarer Produktqualität
als die im Stand der Technik beschriebenen Verfahren ermöglicht.
Das Verfahren soll insbesondere die Herstellung von Hydroxyalkyl(meth)acrylaten
ermöglichen, die als Gruppe R2 in der Strukturformel (1)
eine Acrylat- oder Methacrylatfunktion aufweisen.
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Gegenstand
der vorliegenden Erfindung ist daher ein Verfahren zur Herstellung
von Hydroxyalkyl(meth)acrylaten, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens
eine Verbindung A und mindestens eine Verbindung B kontinuierlich
in einem Reaktionsapparat zusammengeführt werden und als
Reaktionsmischung bei einer Temperatur von +20°C bis +200°C
durch den Reaktionsapparat gefördert werden, wobei die
mindestens eine Verbindung A mindestens eine Epoxidgruppe aufweist,
wobei die mindestens eine Verbindung B mindestens eine nukleophile
Gruppe aufweist, die unter nukleophilem Angriff zur Öffnung
einer Epoxidgruppe geeignet ist, und wobei A und/oder B mindestens
eine (Meth)acrylatgruppe aufweisen.
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Kontinuierliche
Reaktionen im Sinne der Erfindung sind solche, bei denen der Zulauf
der Edukte in den Reaktor und der Austrag der Produkte aus dem Reaktor
gleichzeitig aber räumlich getrennt stattfinden, während
bei diskontinuierlicher Reaktion die Reaktionsfolge Zulauf der Edukte,
chemische Umsetzung und Austrag der Produkte zeitlich nacheinander
ablaufen. Die kontinuierliche Verfahrensweise ist von wirtschaftlichem Vorteil,
da Reaktorstillzeiten infolge von Befüllungs- und Entleerungsprozessen
und lange Reaktionszeiten infolge sicherheitstechnischer Vorgaben,
reaktorspezifischer Wärmetauschleistungen als auch Aufheiz-
und Abkühlungsprozesse, wie sie bei Batch-Verfahren auftreten,
vermieden werden.
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Das
erfindungsgemäße Verfahren ist dadurch gekennzeichnet,
dass mindestens eine Verbindung A und mindestens eine Verbindung
B kontinuierlich in einem Reaktionsapparat zusammengeführt
werden und als Reaktionsmischung durch den Reaktionsapparat gefördert
werden. Entlang der Verweilstrecke durch den Reaktionsapparat erfolgt
die kontinuierliche Umsetzung von A und B zu einem Hydroxyalkyl(meth)acrylat
gemäß Strukturformel (1).
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Die
kontinuierliche Umsetzung erfolgt unter Druck von 0–30
bar, bevorzugt von 0–10 bar, besonders bevorzugt im Bereich
von 0–4 bar und bei Temperaturen von +20°C bis
+200°C, bevorzugt im Bereich von +80°C bis +160°C
und besonders bevorzugt im Bereich von +90°C bis +120°C.
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Neben
den Verbindungen A und B können weitere Komponenten in
der Reaktionsmischung enthalten sein oder dieser entlang der Reaktionsstrecke
zugeführt werden. Die weiteren Komponenten können
z. B. eine oder mehrere Verbindungen A und/oder B, Lösemittel
und/oder Katalysator umfassen.
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Die
Dosiergeschwindigkeiten aller Komponenten hängen in erster
Linie von den gewünschten Verweilzeiten bzw. zu erreichenden
Umsätzen ab. Je höher die maximale Reaktionstemperatur,
desto kürzer sollte die Verweilzeit sein. In der Regel
haben die Reaktionspartner in der Reaktionszone Verweilzeiten zwischen
20 Sekunden (20 sek.) und 400 Minuten (400 min.), bevorzugt zwischen
40 min. und 400 min., ganz besonders bevorzugt zwischen 90 min.
und 300 min.
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Die
Verweilzeit kann beispielsweise durch die Volumenströme
und das Volumen der Reaktionszone gesteuert werden. Der Reaktionsverlauf
wird vorteilhaft durch verschiedene Messeinrichtungen verfolgt.
Dazu geeignet sind insbesondere Einrichtungen zur Messung der Temperatur,
der Viskosität, der Wärmeleitfähigkeit und/oder
des Brechungsindex in strömenden Medien und/oder zur Messung
von Infrarot- und/oder Nahinfrarotspektren.
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Die
Komponenten können dem Reaktor in getrennten Strömen
zudosiert werden. Bei mehr als zwei Stoffströmen können
diese auch gebündelt zugeführt werden. Es ist
möglich, Stoffströme in unterschiedlichen Anteilen
an verschiedenen Stellen dem Reaktor zuzuführen, um auf
diese Weise gezielt Konzentrationsgradienten einzustellen, z. B.
um die Vollständigkeit der Reaktion herbeizuführen.
Die Eintrittsstelle der Stoffströme in der Reihenfolge
kann variabel und zeitlich versetzt gehandhabt werden. Zur Vorreaktion
und/oder Vervollständigung der Reaktion können
mehrere Reaktoren auch kombiniert werden.
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Die
Stoffströme können vor der Zusammenführung
durch einen Wärmetauscher temperiert werden, d. h. auf
eine Temperatur von –20°C bis +200°C,
bevorzugt +10°C bis +140°C, besonders bevorzugt
+20°C bis +120°C gebracht werden.
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Bevorzugt
erfolgt die Zusammenführung der Komponenten, insbesondere
der Verbindungen A und B, unter Verwendung von Mischelementen, die
eine intensive Vermischung der Reaktionspartner bewirken. Vorteilhaft
ist der Einsatz eines Intensiv-Mischers (μ-Mischer), mit
dessen Hilfe die Reaktionslösungen sehr schnell miteinander
vermischt werden, wodurch ein möglicher radialer Konzentrationsgradient
vermieden wird. Die Verwendung von Mikroreaktoren/Mikromischern
bewirkt eine reduzierte Scherung der Reaktionsmischung, die bei
den scherempfindlichen (Meth)acrylaten zu einer sichereren Prozessfahrweise
führt und zudem eine erhöhte Produktqualität
bedeutet.
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Nach
der Zusammenführung/Mischung der Reaktionspartner werden
diese durch den Reaktionsapparat, der ggf. weitere Mischelemente
enthält, gefördert. Weitere Mischelemente entlang
der Reaktionsstrecke führen zu einer bevorzugten engeren
Verweilzeitverteilung. Der Reaktionsapparat ist dadurch gekennzeichnet, dass
er ein Verweilvolumen von mindestens 60 min. bis 300 min. zur Verfügung
stellt.
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Die
erfindungsgemäß zu verwendenden Reaktionsstrecken
zeichnen sich weiterhin durch ihre hohe Wärmeübertragungsleistung
aus, welche durch die spezifische Wärmeübertragungsrate
in W/(K·m3) gekennzeichnet sind,
also Wärmeübertrag pro Kelvin Temperaturdifferenz
zum Wärmeträgermedium bezogen auf das freie Volumen
des Reaktors. Die erfindungsgemäß einzusetzenden
Reaktionsstrecken sind dadurch charakterisiert, dass sie eine Wärmeübertragungsrate
von 10 bis 750 kW/(K·m3), bevorzugt
50 bis 750 kW/(K·m3) und besonders
bevorzugt 100 bis 750 kW/(K·m3)
ermöglichen.
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Insbesondere
werden durch diese hohen Wärmeübertragungsraten
Temperaturdifferenzen zwischen dem Reaktorinhalt und dem Kühlmedium
gering gehalten, so dass eine sehr enge Temperaturkontrolle möglich ist,
die sich positiv auf die Stabilität des Prozesses und auch
hinsichtlich potentieller Belagbildung an den Oberflächen
auswirkt.
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Bevorzugt
erfolgt die Umsetzung der Edukte in mikrostrukturierten Mischern
in Kombination mit intensiven Wärmetauschern, welche neben
einer effizienten Temperaturkontrolle eine enge Verweilzeit ermöglichen.
Durch diese strikte Prozesskontrolle wird eine im Vergleich zum
bestehenden Prozess deutlich höhere Reaktionstemperatur
ermöglicht, so dass eine drastische Verkürzung
der Verweilzeit realisiert werden kann. Insbesondere dieses ist überraschend,
da die verwendeten Reaktionstemperaturen bereits im Bereich einer exothermen
Produktfolgereaktion, welcher mittels Differentialthermoanalyse
(DTA) bestimmbar ist, liegen.
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Geeignete
Reaktionsapparate sind z. B. Intensivwärmetauscher, wie
z. B. CSE-XR-Typen der Firma Fluitec. Ebenfalls denkbar sind Verknüpfungen
von Mikroreaktoren mit anderen größer strukturierten
Wärmetauschern, wie z. B. der Firma Fluitec oder Sulzer.
Wesentliches Merkmal bei diesen Verknüpfungen ist die Anordnung
der einzelnen Reaktortypen entsprechend der jeweilig erwarteten,
notwendigen Wärmeleistung der einzelnen Apparate unter
Berücksichtung der auftretenden Viskositäten bzw.
Druckverluste.
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Es
bietet sich auch die Verwendung der Mikroreaktionstechnik (μ-Reaktionstechnik)
unter Einsatz von Mikroreaktoren an. Die verwendete Bezeichnung ”Mikroreaktor” steht
dabei stellvertretend für mikrostrukturierte, vorzugsweise
kontinuierlich arbeitende Reaktoren, die unter der Bezeichnung Mikroreaktor,
Minireaktor, Mikrowärmetauscher, Minimischer oder Mikromischer
bekannt sind. Beispiele sind Mikroreaktoren, Mikrowärmetauscher,
T- und Y-Mischer sowie Mikromischer verschiedenster Firmen (z. B.
Ehrfeld Mikrotechnik BTS GmbH, Institut für Mikrotechnik
Mainz GmbH, Siemens AG, CPC-Cellulare Process Chemistry Systems GmbH,
und anderen), wie sie dem Fachmann allgemein bekannt sind, wobei
ein „Mikroreaktor” im Sinne der vorliegenden Erfindung üblicherweise
charakteristische/bestimmende innere Abmessungen von bis zu 1 mm aufweist
und statische Mischeinbauten enthalten kann.
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Neben
der Wärmeübertragungseigenschaften der Reaktionsstrecke
ist ebenfalls eine enge Verweilzeitverteilung im Reaktorsystem von
Vorteil, so dass das für den gewünschten Umsatz
notwendige Verweilvolumen möglichst klein gehalten werden
kann. Erreicht wird dieses üblicherweise durch die Verwendung
von statischen Mischelementen oder von Mikroreaktoren, wie oben
beschrieben. Typischerweise erfüllen ebenso Intensivwärmetauscher
wie z. B. der CSE-XR-Typ diese Anforderung hinreichend.
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Es
ist denkbar, mehrere Reaktoren hintereinander zu schalten. Jeder
dieser Reaktoren ist vorteilhaft mit einer Kühl- und/oder
Heizvorrichtung z. B. einem Mantel, durch den eine temperierte Wärmeträgerflüssigkeit
geleitet wird, versehen.
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Die
Verwendung mehrerer unabhängig temperierbarer Heiz-/Kühlzonen
ermöglicht es zum Beispiel, das strömende Reaktionsgemisch
zu Beginn der Reaktion, also kurz nach dem Vermischen, zu kühlen
und freiwerdende Reaktionswärme abzuführen und
gegen Ende der Reaktion, also kurz vor dem Austrag aus dem Reaktor,
zu heizen, um einen möglichst vollständigen Umsatz
zu erreichen. Die Kühl- und Heizmitteltemperatur kann dabei
zwischen +25 und +250°C, bevorzugt unter +200°C
liegen. Die Temperatur des Reaktionsgemischs wird neben Heizung
und/oder Kühlung auch durch die Reaktionswärme
beeinflusst. Bei Anwesenheit von ethylenisch ungesättigten
Verbindungen ist es zweckmäßig, bestimmte Temperaturobergrenzen
nicht zu überschreiten, weil sonst das Risiko einer ungewollten
Polymerisation steigt. Für ungesättigte Acrylate
sollte die maximale Reaktionstemperatur Werte von +250°C
nicht übersteigen. Bevorzugt werden +200°C nicht überschritten.
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Im
Gegensatz zu den bestehenden Semi-Batch oder Batch-Prozessen ist
bei dem kontinuierlich geführten, erfindungsgemäßen
Verfahren eine sichere und produktkonforme Herstellung bei deutlich
höherer Raumtzeitausbeute und verringertem Hold-up in der
Anlage möglich. Insbesondere aus der sicherheitstechnischen
Sicht ermöglicht das erfindungsgemäße
Verfahren die Produktion von Hydroxyalkyl(meth)acrylaten auch im
größeren Maßstab, da durch das kontinuierliche
Verfahren der Hold-up im Reaktor deutlich verringert werden kann.
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Das
erfindungsgemäße Verfahren ist dadurch gekennzeichnet,
dass mindestens eine Verbindung A mit mindestens einer Verbindung
B kontinuierlich umgesetzt wird, wobei die mindestens eine Verbindung
A mindestens eine Epoxidgruppe aufweist, die mindestens eine Verbindung
B mindestens eine nukleophile Gruppe aufweist, die unter nukleophilem
Angriff zur Öffnung einer Epoxidgruppe geeignet ist, und
A und/oder B mindestens eine (Meth)acrylatgruppe aufweisen.
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Bevorzugt
umfassen die mindestens eine Verbindung A und die mindestens eine
Verbindung B jeweils mindestens eine (Meth)acrylatgruppe.
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Als
Verbindungen A sind sowohl Monoepoxidverbindungen als auch polyfunktionelle
Epoxide, insbesondere di- oder trifunktionelle Epoxide, geeignet.
Zu nennen sind beispielsweise epoxidierte Olefine, Glycidylether(cyclo)aliphatischer
oder aromatischer Polyole und/oder Glycidylester von gesättigten
oder ungesättigten Carbonsäuren. Als Monoepoxidverbindung
besonders geeignet sind beispielsweise Glycidylacrylat, Glycidylmethacrylat,
Versaticsäureglycidylester, Butylglycidylether, 2-Ethylhexylglycidylether,
Phenylglycidylether, o-Kresylglycidylether oder 1,2-Epoxybutan.
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Als
Polyepoxidverbindungen besonders geeignet sind Polyglycidylverbindungen
vom Bisphenol-A- oder Bisphenol-F-Typ sowie deren perhydrierten
Derivate oder Glycidylether mehrfunktioneller Alkohole wie Butandiol,
Hexandiol, Cyclohexandimethanol, Glycerin, Trimethylolpropan oder
Pentaerythrit.
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Ebenfalls
ist es möglich epoxyfunktionelle Polymerisate von Vinylmonomeren
wie z. B. monofunktionelle Acrylate, Methacrylate oder Styrol unter
anteiliger Verwendung von z. B. Glycidylmethacrylat einzusetzen.
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Als
Verbindungen B sind z. B. Mono-, Di- oder höher funktionelle
Carbonsäuren geeignet. Als Monocarbonsäuren kommen
gesättigte und bevorzugt ungesättigte Carbonsäuren
in Frage wie Benzoesäure, Cyclohexancarbonsäure,
2-Ethylhexansäure, Capronsäure, Caprylsäure,
Caprinsäure, Laurinsäure, natürliche und
synthetische Fettsäuren, insbesondere Acrylsäure,
Methacrylsäure, dimere Acrylsäure oder Crotonsäure. Geeignete
Dicarbonsäuren sind Phthalsäure, Isophthalsäure,
Tetrahydrophthalsäure, Hexahydrophthalsäure, Cyclohexandicarbonsäure,
Maleinsäure, Fumarsäure, Malonsäure,
Bernsteinsäure, Glutarsäure, Adipinsäure, Azelainsäure,
Pimelinsäure, Korksäure, Sebacinsäure,
Dodecandisäure sowie hydrierte Dimerfettsäuren.
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Es
ist möglich die Dicarbonsäuren in Form ihrer – soweit
verfügbaren – Anhydride unter Zusatz einer entsprechenden
Menge Wasser einzusetzen. Neben den reinen Säuren können
auch säurefunktionelle Polyester oder entsprechende Reaktionsgemische,
die mit einem Überschuss an Säure hergestellt
wurden, eingesetzt werden. Solche Gemische, insbesondere enthaltend
Polyether- und/oder Polyesteracrylate mit z. B. überschüssiger Acrylsäure,
sind beispielsweise in
EP-A
0 976 716 ,
EP-A
0 054 105 und
EP-A
0 126 341 beschrieben.
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Ebenfalls
ist es möglich, säurefunktionelle Polymerisate
z. B. Polyacrylate von Vinylmonomeren wie z. B. monofunktionelle
Acrylate, Methacrylate oder Styrol unter anteiliger Verwendung von
z. B. Acrylsäure oder Methacrylsäure einzusetzen.
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Das
Equivalentverhältnis von Säure zu Epoxid kann
in weiten Bereichen variiert werden. Bevorzugt ist jedoch ein Equivalentverhältnis
von 1,2 zu 1,0 bis 1,0 zu 1,2, insbesondere 1,05 zu 1,00 bis 1,00
zu 1,05.
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In
einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens erfolgt die Umsetzung von Acrylsäure, Methacrylsäure
und/oder dimerer Acrylsäure mit Glycidylacrylat und/oder
Glycidylmethacrylat, besonders bevorzugt erfolgt eine Umsetzung
von Glycidylmethacrylat mit Acrylsäure. Die Umsetzung der
Säure mit der Glycidylverbindung erfolgt im Equivalentverhältnis
0,90 zu 1,00 bis 1,30 zu 1,00, bevorzugt von 1,01 zu 1,00 bis 1,20
zu 1,00. Es kann insbesondere zweckmäßig sein,
einen leichten Überschuss an einer Komponente zu verwenden,
um zu besonders niedrigen Restgehalten der anderen Komponente im
Verfahrensprodukt zu gelangen. Beispielsweise sind mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren bei geeigneter Wahl der Equivalentverhältnisse
Restgehalte an Acrylsäure oder Glycidylmethacrylat unter
0,1 Gew.-% sicher zu realisieren.
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Die
Reaktion wird bevorzugt katalysiert durchgeführt. Als Katalysatoren
kommen die in der Literatur als Katalysatoren für die Reaktion
von Glycidylverbindungen mit Carbonsäuren bekannten Verbindungen
wie z. B. tert. Amine, tert. Phosphine, Ammonium- oder Phosphoniumverbindungen,
Thiodiglykol, Zinn-, Chrom-, Kalium- und Cäsiumverbindungen
in Betracht. Bevorzugt sind solche, die frei von Amin- oder Ammoniumverbindungen
sind. Insbesondere bevorzugt ist Triphenylphosphin.
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Bevorzugt
wird die Reaktion in Anwesenheit von Stabilisatoren für
Acrylate und Methacrylate durchgeführt. Neben sauerstoffhaltigem
Gas eignen sich chemische Stabilisatoren zur Vermeidung vorzeitiger
Polymerisation in einer Menge von 0,001–1 Gew.-%, bevorzugt
0,005–0,05 Gew.-% bezogen auf die Menge der ungesättigten
Verbindungen. Solche Stabilisatoren sind beispielsweise in Houben-Weyl,
Methoden der organischen Chemie, 4. Auflage, Band XIV/1, Georg Thieme
Verlag, Stuttgart 1961, Seite 433 ff.beschrieben. Als Beispiele
seien genannt: Natriumdithionit, Natriumhydrogensulfid, Schwefel,
Hydrazin, Phenylhydrazin, Hydrazobenzol, N-Phenyl-β-naphthylamin,
N-Phenyl-ethanoldiamin, Dinitrobenzol, Picrinsaeure, p-Nitroso-dimethylanilin,
Diphenylnitrosamin, Phenole, wie para-Methoxyphenol, 2,5-Di-tert.-Butylhydrochinon, 2,6-Di-tert.-butyl-4-methylphenol,
p-tert-Butyl-brenzcatechin oder 2,5-Di-tert.-amyl-hydrochinon, Tetramethylthiuramdisulfid,
2-Mercaptobenzthiazol, Dimethyl-dithiocarbaminsäure-natriumsalz,
Phenothiazin, N-Oxyl-Verbindungen wie z. B. 2,2,6,6-Tetramethylpiperidin-N-Oxid
(TEMPO) oder eines seiner Derivate. Bevorzugt sind 2,6-Di-tert.-butyl-4-methylphenol
und para-Methoxyphenol sowie deren Mischungen.
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In
einer bevorzugten Ausführungsform erfolgt das erfindungsgemäße
Verfahren unter Ausschluss von Sauerstoff (anaerobe Bedingungen),
unter Einsatz eines Stabilisators wie beispielsweise Phenothiazin.
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Stabilisatoren
wie Phenothiazin können eine leichte Färbung verursachen.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform erfolgt das
erfindungsgemäße Verfahren unter Verwendung von
Sauerstoff als Stabilisator, der vorzugsweise über eine
Membran in das Reaktionsgemisch eingepresst werden kann. Anstelle
von reinem Sauerstoff sind auch Gasgemische wie beispielsweise Luft
einsetzbar.
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Die
Reaktion kann in Anwesenheit eines gegenüber Edukten und
Produkten inerten organischen Lösemittels, das bevorzugt
auch inert gegenüber Isocyanaten ist, durchgeführt
werden. Beispiele sind Lacklösemittel wie Butylacetat,
Solventnaphtha, Methoxypropylacetat oder Kohlenwasserstoffe wie
Cyclohexan, Methylcyclohexan oder Isooktan.
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Die
entstandenen Hydroxyalkyl(meth)acrylaten können sofort
weiter umgesetzt werden, z. B. mit isocyanathaltigen Verbindungen
zur Herstellung von Urethan(meth)acrylaten und ungesättigten
Polyurethandispersionen, oder zunächst gelagert oder transportiert
werden. Bevorzugt erfolgt der weitere Umsatz ohne weitere Reinigung
wie z. B. Extraktion oder Destillaton mit isocyanalthaltigen Verbindungen.
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Gegenstand
der Erfindung ist auch die Verwendung der nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren hergestellten Hydroxyalkyl(meth)acrylate als Komponente
in mit aktinischer Strahlung härtbaren Massen und bei der
Synthese von Komponenten für mit aktinischer Strahlung
härtbaren Massen.
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Insbesondere
eignen sich die mittels erfindungsgemäßen Verfahren
hergestellten Hydroxyalkyl(meth)acrylate zur Herstellung von durch
radikalische Polymerisation härtbaren Bindemitteln für
beispielsweise Lacke, Klebstoffe, Dichtstoffe und andere.
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Die
Erfindung wird nachstehend anhand von Beispielen erläutert
ohne sich jedoch hierauf zu beschränken.
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Beispiel 1: Vorrichtung zur Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens
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1 zeigt
schematisch einen Aufbau zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens. Es sind zwei Vorlagen 1 und 2 vorhanden,
aus denen die Edukte dem Reaktor getrennt zugeführt werden
können. Bevorzugt befindet sich in einer der Vorlagen eine
Verbindung A, die eine Epoxidgruppe aufweist, und in der jeweils
anderen Vorlage eine Verbindung B, die eine nukleophile Gruppe aufweist.
A und/oder B weisen mindestens eine (Meth)acrylatgruppe auf. Bevorzugt
weisen sowohl A als auch B eine (Meth)acrylatgruppe auf.
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Im
vorliegenden Beispiel werden Glasgefäße mit einem
Fassungsvermögen von 5 L als Vorlagen verwendet.
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Die
Edukte werden in einem Mischer 10 zusammengeführt.
Im vorliegenden Beispiel wird jeweils 1 Membrankolbenpumpe (Lewa
ecodos 6S1x3) pro Dosierstrom eingesetzt. Als Mischer wird ein Kaskadenmischer
der Fa. Ehrfeld Mikrotechnik BTS GmbH verwendet.
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Nach
der Vermischung der Edukte wird das Reaktionsgemisch durch eine
Reaktionsstrecke geführt, die im vorliegenden Beispiel
durch 5 Fluitec Wärmetauscher des Typs CSE_XR gebildet
wird, wobei die Wärmetauscher 12 (DN25) ein Volumen
von jeweils ca. 0,37 L, die Wärmetauscher 13 (DN50)
ein Volumen von jeweils ca. 1,7 L und der Wärmetauscher 18 (DN80)
ein Volumen von ca. 4 L aufweisen.
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An
die in Reihe geschalteten Wärmetauscher schließt
sich im vorliegenden Beispiel ein Rohrreaktor 21 (DN100)
mit einem Volumen von ca. 8 L an, der mit statischen Mischelementen
ausgerüstet ist. Die Temperierung der Reaktionsstrecke
erfolgt mittels 2 Kreisläufen, die jeweils parallel angeschlossen
sind und durch Thermostaten (1x Huber (WK1), 1x Lauda (WK2)) temperiert
werden. An den Rohrreaktor 21 schließt sich ein IKSM
Rohrreaktor als Nachkühler mit einer Wasserkühlung
WK3 an.
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Zwischen
den Reaktoren 18 und 21 befindet sich eine Begasungseinrichtung,
bestehend aus einer mit dem Reaktionsmedium durchströmten,
keramischen Membran des Typs Inopor nano (TiO2,
0,9 nm, Trenngrenze 450D) und einem umfassenden Gasraum, beaufschlagt
mit Druckluft. Der Druck auf der Gasseite wird etwa 0,2–0,4
bar höher eingestellt als der Druck im Inneren der Membran.
Die Begasungseinrichtung wird unter ihrem blasenbildenden Betriebspunkt
betrieben, d. h. es entsteht keine Gasphase auf der Seite des Reaktionsmediums.
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Beispiel 2: Synthese von 3-Acryloyloxy-2-hydroxypropylmethacrylat
(GAMA)
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Es
wird die Vorrichtung aus Beispiel 1 eingesetzt. Alle verwendeten
Chemikalien sind kommerziell z. B. bei der Fa. Sigma Aldrich erhältlich.
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Die
Vorlage 1 wird mit einer GMA-Lösung der folgenden
Zusammensetzung befüllt:
Glycidylmethacrylat (GMA):
98,2 Gew.-%
Triphenylphosphin (TPP): 1,5 Gew.-%
Phenothiazin:
0,004 Gew.-%
Di-tert.Butylmethylphenol (Inhibitor KB) 0,22
Gew.-%
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Die
Vorlage 2 wird mit Acrylsäure befüllt.
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Die
Reaktionsapparatur wird leer auf 80°C temperiert. Aus der
Vorlage 1 wird Edukt mit einer Massenflussrate von 3,07
kg/h dosiert; aus der Vorlage 2 wird Edukt mit einer Massenflussrate
von 1,56 kg/h dosiert.
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Die
Reaktoren werden jeweils mit einer Massenflussrate von 500 kg Thermostatöl
(Silikonöl) pro Stunde temperiert (WK1, WK2).
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Nach
dem Start der Dosierungen wird die Anlage langsam geflutet. Sobald
die Reaktoren des ersten Wärmekreislaufes (WK1) gefüllt
sind, wird in diesem langsam die Temperatur in mehreren Schritten
auf 110°C Manteltemperatur angehoben. Im gleichen Maße
wird mit den Reaktoren des zweiten Temperierkreislaufes (WK2) verfahren,
sobald diese gefüllt sind, wobei hier eine Manteltemperatur
von 110°C eingestellt wird. Nach weiteren 3 Verweilzeiten
wird das Produkt (GAMA) erhalten.
- Ergebnis: Restmonomergehalt:
0,5 Gew.-% Acrylsäure, 0.48 Gew.-% GMA
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
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- - EP 1700873
A1 [0002]
- - EP 1541609 A2 [0003]
- - EP 1293547 B1 [0007]
- - EP 1693359 [0009]
- - EP 0976716 A [0038]
- - EP 0054105 A [0038]
- - EP 0126341 A [0038]
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Zitierte Nicht-Patentliteratur
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- - Houben-Weyl,
Methoden der organischen Chemie, 4. Auflage, Band XIV/1, Georg Thieme
Verlag, Stuttgart 1961, Seite 433 ff. [0043]