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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb eines Kraftwerks mit
einer Gasturbinenanlage, umfassend wenigstens ein Verdichterteil,
eine Brennkammer und wenigstens eine Turbine, wobei das der Brennkammer
zugeführte Gas einem Gasnetz entnommen wird.
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Ein
derartiges Verfahren ist beispielsweise aus der
DE 100 33 052 A1 bekannt.
Bei dem aus der
DE
100 33 052 A1 bekannten Verfahren wird eine möglichst
flexible Fahrweise der Gasturbine in einem weiten Lastbereich oberhalb
und unterhalb der Nennlast mit hohem Wirkungsgrad angestrebt. Dies
wird insbesondere dadurch erreicht, dass die Ansaugluft der Gasturbine
eine Wärmeübertragungsstufe durchläuft
und dabei der Ansaugluft in Abhängigkeit von der Leistungsabgabe
der Gasturbinenanlage entweder Wärme zugeführt
oder Wärme entzogen wird. Bei steigender Leistungsabgabe
erfolgt eine Abkühlung der Ansaugluft, bei sinkender Leistungsabgabe
deren Erwärmung.
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Die
für die Erwärmung benötigte Energie wird
beispielsweise in Form von Niederdruckdampf aus einem gekoppelten
Dampfturbinenkreislauf bereitgestellt. Zur Kühlung findet
ein Kühlmedium Anwendung, beispielsweise Kaltwasser oder
ein Kältemittel, welches durch Verdampfung seiner Umgebung
Wärme entzieht.
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Dem
in der
DE 100 33 052
A1 beschriebenen Verfahren liegt die Erkenntnis zugrunde,
dass die Leistungsabgabe einer Gasturbinenanlage direkt vom Massenstrom
des zugeführten Arbeitsmittels und indirekt von der Temperatur
der Ansaugluft abhängt. Mit dem Verfahren soll eine Regelung
der Leistungsabgabe der Gasturbine in gewissen Grenzen möglich
sein.
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Insbesondere
die in der
DE 100
33 052 A1 vorgeschlagene Kühlung der Ansaugluft
führt zwar zu einer Leistungssteigerung der Gasturbine.
Dies ist jedoch insbesondere dann nicht vorteilhaft, wenn keine
ausreichenden Kältepotentiale vorhanden sind und Temperatursenken
durch Verdunsten eines Kühlmediums erzeugt werden müssen.
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Der
Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs
genannten Art im Hinblick auf eine Leistungssteigerung der Gasturbine zu
verbessern.
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Die
Aufgabe wird zunächst gelöst durch ein Verfahren
zum Betrieb eine Kraftwerks mit einer Gasturbinenanlage umfassend
wenigstens ein Verdichterteil, eine Brennkammer und wenigstens eine
Turbine, wobei das der Brennkammer zugeführte Gas einem
Gasnetz entnommen wird, wobei sich das Verfahren dadurch auszeichnet,
dass das aus dem Gasnetz entnommene Gas zunächst auf das
für die Gasturbine benötigte Druckniveau entspannt
und anschließend vorgewärmt wird und wobei die
bei der Entspannung des Brenngases entstehende Temperatursenke zumindest
teilweise zur Konditionierung der Verbrennungsluft für
die Gasturbine genutzt wird.
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Dass
der Wirkungsgrad der Gasturbine unter anderem abhängig
von der Temperatur der Verbrennungsluft ist, ist soweit hinlänglich
bekannt, beispielsweise auch aus der
DE 100 33 052 A1 sowie aus zahlreichen anderen
Veröffentlichungen. Je kälter die Verbrennungsluft,
desto höher der Wirkungsgrad, weil kalte Luft bekanntlich
eine höhere Dichte als warme Luft aufweist.
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Aus
einem vorhandenem Gasnetz wird üblicherweise das Brenngas
mit einem deutlich höheren Druck und einer niedrigeren
Temperatur bezogen, als dies für den Betrieb der Gasturbine
erforderlich ist.
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Der
Betriebsdruck einer üblichen Gaspipeline kann bis zu 80
bar betragen, wohingegen das für die Gasturbine erforderliche
Druckniveau etwa 25 bar beträgt. Die Temperatur des der
Gasturbine zugeführten Brenngases sollte etwa 25°C
betragen, das Temperaturniveau des in der Erdgaspipeline zur Verfügung
gestellten Erdgases ist in der Regel kleiner als 25°C.
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Das
aus der Pipeline entnommene Erdgas/Brenngas wird daher üblicherweise
zunächst einer Gasvorwärmung unterzogen und anschließend entspannt.
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Das
Temperaturniveau in der Gasvorwärmung wird üblicherweise
so gewählt, dass das Brenngas nach der Entspannung das
für die Gasturbine benötigte Temperaturniveau
aufweist. Die bei der Gasexpansion anfallende Energie wird dabei
in mechanische Arbeit umgesetzt und beispielsweise zum Antreiben
eines Generators verwendet.
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Bei
der Gasexpansion über ein Drosselventil wird die im Gas
enthaltende Kompressionsenergie nicht genutzt. Erfolgt die Gasexpansion
in einem Turboexpander, wird die Kompressionsenergie des Gases in
mechanischer Arbeit umgesetzt und beispielsweise zum Antreiben eines
Generators verwendet. Die durch Entspannung des Gases entstehende
Kälte (Joule-Thomson-Effect) wird allerdings in beiden Fälle
nicht genutzt, im Gegenteil, das Erdgas wird in der Gasvorwärmung
mittels Einsatz fossiler Brennstoffe durch Aufheizen wiedererwärmt,
damit das Gas nach der Abkühlung durch die Entspannung
das für den Eintritt in die Gasturbine erforderliche Temperaturniveau
erreicht.
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Die
Erfindung nutzt die bei der Entspannung des Gases entstehende Temperatursenke
in zweierlei Hinsicht, einerseits wird der thermodynamische Effekt
als solcher energetisch genutzt, d. h. die erzeugte Kälte
wird genutzt, andererseits wird die Kälte zur Leistungssteigerung
der Gasturbine verwendet.
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Erfindungsgemäß erfolgt
also vorzugsweise zunächst eine Entspannung des Erdgases,
sodann eine Anhebung des Temperaturniveaus beispielsweise mittels
eines geeigneten Wärmetauschers und anschließend
die sonst übliche Gasvorwärmung.
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Alternativ
kann zunächst nur eine teilweise Gasvorwärmung
erfolgen, wobei nach der Abkühlung des Gases bei der Entspannung
beispielsweise in einem Turboexpander jedoch ein Temperaturniveau
erreicht wird, das niedriger ist als das für den Eintritt
in die Gasturbine erforderliche Temperaturniveau. Die weitere Anhebung
des Temperaturniveaus erfolgt dann beispielsweise mittels eines
geeigneten Wärmetauschers. Hierbei entstehende Kälte
wird ebenfalls vom Brenngas auf die Verbrennungsluft übertragen.
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Diese
Vorgehensweise ist insbesondere dann vorteilhaft einsetzbar, wenn
ein bestehendes Kraftwerk (mit vorhandenem Drosselventil zur Gasentspannung)
mit Turboexpandern zwecks Gasentspannung und Nutzung der im Gas
enthaltenen Kompressionsenergie nachgerüstet wird. Dabei wird
das in der Praxis oft bestehende Problem gelöst, dass die
Aufwärmkapazität der vorhandenen Gasvorwärmung
nicht ausreicht, um das für den Eintritt des Brenngases
in die Gasturbine erforderliche hohe Temperaturniveau zu gewährleisten.
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Bei
einer vorteilhaften Variante der Erfindung ist vorgesehen, dass
die Verbrennungsluft unmittelbar in wenigstens einem Wärmetauscher
mittels des entspannten Brenngases abgekühlt wird.
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Alternativ
kann der Verbrennungsluft die Wärme mittels eines Wärmeträgermediums
entzogen werden, das wiederum die der Verbrennungsluft entzogene
Wärme dem Brenngas aufgibt.
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Als
Wärmeträgermedien kommen beispielsweise Thermoöl
oder Wasser oder Glykol oder Wasser-Glykol-Mischungen oder Methanol
in Betracht.
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Die
Verbrennungsluft der Gasturbine kann beispielsweise durch einen
von einem Wärmeträgermedium oder von kaltem Brenngas
durchströmten Wärmetauscher angesaugt werden.
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Als
Wärmetauscher kann beispielsweise ein Lamellenwärmetauscher
vorgesehen sein, der dem Ansaugstutzen des Verdichters vorgeschaltet
ist.
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Alternativ
kann die bereits verdichtete und zumindest teilweise erwärmte
Verbrennungsluft über wenigstens einen mit abgekühltem
Brenngas beaufschlagten Wärmetauscher geführt
werden.
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Eine
Kälteverschiebung von dem Brenngas auf die Verbrennungsluft
kann mittels mehrerer in Reihe geschalteter Wärmetauscher
erfolgen, wobei in diesen Wärmetauschern ein unmittelbarer
Wärmeübergang von dem kalten Brenngas auf die Verbrennungsluft
stattfinden kann. Selbstverständlich sind auch eine Parallelschaltung
oder Kombinationen von Reihen- und Parallelschaltungen von Wärmetauschern
im Rahmen der Erfindung.
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Alternativ
kann ein solcher Wärmeübergang mittels eines Wärmeträgermediums
erfolgen, wobei hierzu ggf. die doppelte Anzahl von Wärmetauschern erforderlich
ist.
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Die
bei der Entspannung des Brenngases entstehende Kälte kann
in vorteilhafter Art und Weise zusätzlich zur Abfuhr von
Kondensationswärme aus einem gekoppelten Dampfturbinenprozess
genutzt werden.
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Vorzugsweise
erfolgt die Entspannung des Brenngases mittels wenigstens eines
Turboexpanders unter zusätzlicher Nutzung mechanischer
Energie.
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Vorteilhafte
Varianten des erfindungsgemäßen Verfahrens werden
anhand dreier Ausführungsbeispiele unter Bezugnahme auf
die beigefügten Zeichnungen erläutert.
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Es
zeigen:
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1 eine
erste Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens,
bei welchem eine direkte Abkühlung der bereits verdichteten
und teilweise erwärmten Verbrennungsluft der Gasturbine
in mehreren Wärmetauschern erfolgt,
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2 eine
alternative Ausgestaltung des Verfahrens gemäß der
Erfindung, bei welcher eine Abkühlung der bereits verdichteten
und teilweise erwärmten Verbrennungsluft der Gasturbine
mittels eines Wärmeträgermediums erfolgt, und
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3 eine
Variante des Verfahrens gemäß der Erfindung, bei
welcher eine Abkühlung der von der Gasturbine angesaugten
Verbrennungsluft mittels eines mit Wärmeträgermedium
beaufschlagten Wärmetauschers erfolgt.
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Die
in den Figuren dargestellte Gasturbine 1 umfasst in bekannter
Art und Weise ein Verdichterteil 2, eine Brennkammer 3 und
eine Turbine 4. In dem Verdichterteil 2 wird Umgebungsluft
als Verbrennungsluft 11 angesaugt, verdichtet und teilweise
erwärmt. Die verdichtete erwärmte Verbrennungsluft 11 wird
in der Brennkammer 3 mit Erdgas aus einer Erdgasleitung 5 vermischt
und verbrannt; in der nachgeschalteten Turbine 4 wird die
Gasmischung entspannt, und zwar unter Freisetzen von mechanischer Arbeit,
die zur Erzeugung von Elektrizität genutzt wird. Das Erdgas
wird beispielsweise aus einer nicht dargestellten Erdgaspipeline
mit einem Druck von etwa 80 bar und einer Temperatur von zwischen
10 und 14°C bereitgestellt. In einer Expansionsstufe 6 wird
das Erdgas zunächst auf einen Druck von 25 bar entspannt,
wobei sich bei einer Eintrittstemperatur von 14°C und einem
Eintrittsdruck von etwa 80 bar hinter der Expansionsstufe bei einem
Druck von 25 bar eine Temperatur von etwa –31°C
einstellt.
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In
der Expansionsstufe 6 können zur Expansion des
Erdgases ein oder mehrere Turboexpander vorgesehen sein. In Turboexpandern
erfolgt die Entspannung des Gases üblicherweise unter Verrichtung
mechanischer Arbeit, die durch einen Kompressor, einen Generator
oder eine Flüssigkeitsbremse aufgenommen werden kann.
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Der
Expansionsstufe nachgeschaltet sind bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel
drei in Reihe geschaltete Wärmetauscher 7, in
welchen das Brenngas/Erdgas mit Wärme aus der Verbrennungsluft
der Gasturbine 1 stufenweise im Gegenstrom beladen werden
kann, wie nachstehend noch erläutert wird. Mittels der
Wärmetauscher 7 kann die Temperatur des Brenngases
auf etwa 10°C angehoben werden. In der nachgeschalteten
Gasvorwärmung 8 wird die Temperatur des Brenngases
dann auf 35°C angehoben.
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Die
Gasvorwärmung kann beispielsweise bei einem GUD-Prozess
bedarfsweise mit Kondensationswärme aus dem Speisewasserkreislauf
des Dampferzeugers betrieben werden.
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Bei
dem Ausführungsbeispiel gemäß 1 wird über
eine Bypassleitung 9 ein Teil der bereits verdichteten
und vorgewärmten Verbrennungsluft hinter dem Verdichter 2 abgezweigt
und über die Wärmetauscher 7 geführt,
die ihre Wärmelast im Gegenstrom dem Brenngas/Erdgas aufgeben.
Die Temperatur des über die Bypassleitung abgezweigten Verbrennungsluftstroms
kann bis zu 400°C betragen. Der Wärmeübergang
in den Wärmetauschern 7 erfolgt bei dem in 1 dargestellten
Beispiel unmittelbar über die Rohrwandungen. Beispielsweise
können die Wärmetauscher 7 als Rohrbündelwärmetauscher
ausgebildet sein.
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Das
in 2 dargestellte Ausführungsbeispiel des
Verfahrens gemäß der Erfindung unterscheidet sich
nur insoweit von dem in 1 dargestellten Ausführungsbeispiel,
als das insgesamt sechs Wärmetauscher 7 vorgesehen
sind, von denen jeweils drei in Reihe geschaltet sind. Hier erfolgt
der Wärmeübergang über ein Wärmeträgermedium,
beispielsweise Methanol, welches in dem zwischen der Expansionsstufe 6 und
der Gasvorwärmung 8 vorgesehenen ersten Wärmetauschern 7a abgekühlt
wird und in drei zweiten Wärmetauschern 7b, die
an die Gasturbine 1 angeschlossen sind, über die
aus der Brennkammer 3 abgezweigte Verbrennungsluft mit Wärme
beladen wird.
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Bei
dem in 3 dargestellten Ausführungsbeispiel ist
ein erster Wärmetauscher 7a zwischen der Expansionsstufe 6 und
der Gasvorwärmung 8 angeordnet, ein zweiter mit
diesem gekoppelter Wärmetauscher 7b ist dem Verbrennungslufteinlass 10 des
Verdichters 2 vorgeschaltet. Der erste Wärmetauscher 7a und
der zweite Wärmetauscher 7b kommunizieren über
ein Wärmetauschermedium miteinander, beispielsweise über
einen Methanolkreislauf. Der zweite Wärmetauscher 7b kann
beispielsweise als luftdurchströmter Lamellenwärmetauscher
ausgebildet sein.
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Bei
entsprechender Auslegung des Wärmetauschers 7b kann
beispielsweise Verbrennungsluft mit etwa 20°C auf eine
Temperatur von 15,4°C abgekühlt werden, das entspricht
einem ΔT von 4,6 K. Die erreichte Leistungssteigerung der
Gasturbine ist etwa 1,2% der Volllast bezogen auf eine Temperaturdifferenz
von 1 Kelvin.
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Bezugszeichenliste
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- 1
- Gasturbine
- 2
- Verdichter
- 3
- Brennkammer
- 4
- Turbine
- 5
- Erdgasleitung
- 6
- Expansionsstufe
- 7a,
b
- Wärmetauscher
- 8
- Gasvorwärmung
- 9
- Bypassleitung
- 10
- Verbrennungslufteinlass
- 11
- Verbrennungsluft
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
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- - DE 10033052
A1 [0002, 0002, 0004, 0005, 0008]