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Gebiet der Erfindung
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Die
vorliegende Erfindung betrifft allgemein die Herstellung von Glas,
insbesondere die Herstellung von Spezialgläsern von gleichbleibend
hoher Qualität, beispielsweise von Borosilikatgläsern
mit B2O3-Gehalten
bis 20% oder von hochschmelzenden Aluminusilikatgläsern
mit Schmelztemperaturen bis 1.700° Celsius.
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Hintergrund der Erfindung
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Die
Anforderungen an die Qualität von Gläsern steigen
zunehmend. Dies gilt sowohl für Floatglas als auch für
Spezialgläser, die beispielsweise für die jeweiligen
Anwendungen eine präzise vorgegebene Zusammensetzung und/oder
sehr geringe Verunreinigungskonzentrationen aufweisen sollen. Somit
steigen auch die Anforderungen an die Glasherstellung zunehmend.
Parameter, welche die Qualität von Glas bestimmen, müssen
zuverlässig eingestellt werden können. Gleichzeitig
sollen moderne Glasherstellungsanlagen aus wirtschaftlichen Gründen auch
zunehmend flexibel genutzt werden können. Diese Anlagen,
insbesondere Anlage zur Floatglas- oder Rohrglasherstellung, werden
zumeist im Dauerbetrieb betrieben. Häufig bedingt eine
höhere Qualität von Glas höhere Temperaturen
während der Glasherstellung. Häufig führen
diese Randbedingungen zu einander ausschließenden Prozessparametern.
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Zur
Erhöhung der Qualität von Glas wird im Stand der
Technik in jüngster Zeit zunehmend die Segmentierung der
einzelnen Prozessabschnitte während der Glasherstellung
vorgeschlagen, so offenbart beispielsweise in R. Beerkens,
Proc. Int. Congr. Glass, Vol. 1, Invited Papers, Edinburgh, Scotland,
6 July 2001, 180–192 „Future Industrial Glass Melting
Concepts" oder in R. Beerkens, „Modular Melting
Part 2, Industrial Glass Melting Process Requirements",
American Society Ceramic Society Bulletin, Vol. 83, No. 7, 35 bis
37.
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Zur
Herstellung von hochschmelzenden Gläsern offenbart
US 2007/0022780 A1 ein
mehrkomponentiges Schmelzaggregat vor, mit einem Einschmelzabschnitt,
einer separaten nachgeordneten Kühlwanne, einem nachgeordneten
separaten Läuterbecken und einer nachgeordneten, separaten Rührkammer.
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Höhere
Temperaturen bei der Glasherstellung führen jedoch zu einem
verstärkten Angriff des Materials der Schmelzwannen, was
deren Betriebsdauer reduziert und die Konzentration von Verunreinigungen
im Glas erhöht.
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Zusammenfassung der Erfindung
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Aufgabe
der vorliegenden Erfindung ist es, eine Vorrichtung und ein Verfahren
zur Glasherstellung bereitzustellen, womit eine noch flexiblere
Herstellung von hochwertigem Glas ermöglicht ist, insbesondere
von hochschmelzenden Gläsern, Sondergläsern oder
Spezialgläsern.
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Diese
Aufgabe wird gelöst durch eine Vorrichtung zum Schmelzen
und Läutern eine Glasschmelze nach Anspruch 1 und durch
ein Verfahren zur Glasherstellung nach Anspruch 14. Weitere vorteilhafte
Ausführungsformen sind Gegenstand der rückbezogenen
Unteransprüche.
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Somit
geht die vorliegende Erfindung aus von einer Vorrichtung zum Schmelzen
und Läutern einer Glasschmelze, die einen Einschmelzabschnitt und
einen nachgeordneten und von dem Einschmelzabschnitt getrennten
Läuterabschnitt zum Läutern der Glasschmelze aufweist.
Erfindungsgemäß besteht der Einschmelzabschnitt
aus zwei Einschmelzwannen, die voneinander getrennt und unabhängig
voneinander betrieben werden können und die mit dem nachgeordneten
Läuterabschnitt verbunden sind.
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Diese überraschend
einfache Maßnahme ermöglicht eine flexiblere Herstellung
von Glas. Denn wenn beispielsweise auf eine andere Glassorte einer anderen
Zusammensetzung umgestellt werden soll, so kann dies erfindungsgemäß im
laufenden Betrieb der Anlage erfolgen, indem eine erste der Einschmelzwannen
vollständig abgelassen wird, dann deren Ablauf versperrt
wird und die vorgenannte erste Einschmelzwanne mit einem Glasgemenge
der anderen Zusammensetzung beschickt wird und das andere Glasgemenge
eingeschmolzen wird, während der Betrieb mit der zuvor
verwendeten Glassorte mittels der anderen Einschmelzwanne weiterhin
erfolgen kann. Zum wiederholten Ablassen der Glasschmelze, beispielsweise
zur Umstellung auf eine andere Glassorte in der vorgenannten ersten
Einschmelzwanne, kann jede der beiden Einschmelzwannen über
einen Auslass verfügen, der nicht mit dem nachgeordneten
Läuterabschnitt in Verbindung steht.
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Auch
die Glasfertigung kann erfindungsgemäß flexibler
erfolgen. Soll beispielsweise der Durchsatz einer Glasherstellungsanlage
erhöht werden, so können beide Einschmelzwannen
parallel betrieben werden, um den nachgeordneten Läuterabschnitt
zu speisen. Da die Prozessparameter in jeder der beiden Einschmelzwannen
unabhängig eingestellt und variiert werden können,
kann der Betrieb selbst bei Verwendung derselben Glassorte flexibler
an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden, insbesondere hinsichtlich
des Durchsatzes. Außerdem kann so erfindungsgemäß ein
langsameres und schonenderes Einschmelzen eines Glasgemenges bei
einem vergleichsweise hohen Durchsatz der Anlage realisiert werden.
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Die
erfindungsgemäße Anlage bietet auch Vorteile bei
der Herstellung von hochschmelzenden Gläsern, die häufig
sehr hohe Prozesstemperaturen erfordern. Wenn dadurch eine der Einschmelzwannen
allzu stark angegriffen worden sein sollte, so kann diese während
des laufenden Betriebs der Anlage wieder instand gesetzt werden,
beispielsweise mit einem Metallblech neu ausgekleidet werden. Denn
zur Aufrechterhaltung des Betriebs kann weiterhin die andere Einschmelzwanne
zum Einschmelzen eines Glasgemenges verwendet werden.
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Erfindungsgemäß sind
die beiden Einschmelzwannen voneinander getrennt, so dass eine Glasschmelze
aus der ersten Einschmelzwanne nicht unmittelbar in die zweite Einschmelzwanne
fließen kann. Bevorzugt sind beide Einschmelzwannen räumlich
vollständig voneinander getrennt. Bevorzugt ist jeder der
beiden Einschmelzwannen eine eigene Steuer- oder Regeleinheit zugeordnet,
um die jeweiligen Prozessparameter unabhängig voneinander
einzustellen und/oder zu variieren, insbesondere Temperaturen, Temperaturprofile,
Ansteuerung der Heizelektroden und/oder Strahlungsbrenner, Steuern einer
Gemenge-Einlegeeinrichtung, Steuern von Blasdüsen zum Einblasen
von Gas, beispielsweise Sauerstoff, in die jeweilige Einschmelzwanne
etc.
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Die
beiden Einschmelzwannen können jeweils mit einem Verbindungsmittel
mit dem nachgeordneten Läuterabschnitt verbunden sein,
um den Betrieb noch unabhängiger zu gestalten. Bevorzugt wird
jedoch eine Parallelschaltung der beiden Einschmelzwannen, so dass
diese über ein gemeinsames Verbindungsmittel mit dem nachgeordneten Läuterabschnitt
verbunden sind. Bei dem Verbindungsmittel kann es sich um eine übliche
Rinne oder beliebige andere Verbindungsmittel handeln. Bevorzugt
wird als Verbindungsmittel erfindungsgemäß die Verwendung
von Rohren, beispielsweise aus einem feuerfesten Keramikmaterial,
das auch mit einem Metallblech, insbesondere aus einem Edelmetallblech,
innen ausgekleidet sein kann, oder eines vollständig aus
einem Metall, insbesondere Edelmetall, gefertigten Rohrs. Zum Zusammenführen
der beiden Auslassrohre der beiden Einschmelzwannen kann ein T-Verzweigungsstück
verwendet werden, das in ein Rohr übergeht, das mit dem
nachgeordneten Läuterabschnitt verbunden ist.
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Der
Betrieb der beiden Einschmelzwannen kann noch unabhängiger
voneinander erfolgen, wenn der jeweilige Auslass einer Einschmelzwanne unabhängig
von dem anderen verschließbar ist.
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Bevorzugt
bestehen die Innenoberflächen der beiden Rohre aus einem
elektrisch leitenden Material, insbesondere aus einem Edelmetall,
beispielsweise einem Edelmetallblech, so dass die Rohre elektrisch
widerstandsbeheizt werden können.
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Gemäß einer
weiteren Ausführungsform sind die Rohre und deren Ein-
und Auslässe so ausgelegt, dass eine Rückströmung
der Glasschmelze in den vorgeordneten Abschnitt, also beispielsweise
von dem nachgeordneten Läuterabschnitt zurück
zu dem vorgeordneten Einschmelzabschnitt, vollständig verhindert
ist. Dies kann durch geeignete Ausgestaltung der Ein- und Auslässe
erfolgen. Überraschenderweise hat es sich gezeigt, dass
für den Bereich üblicher Viskositäten,
die im Rahmen der Glasherstellung und Prozessierung von Glasschmelzen
auftreten, eine solche Rückströmung einfach durch
geeignete Wahl des Innendurchmessers der Verbindungsrohre ausreichend
unterdrückt werden kann. Aufwendige Versuchsreihen haben
hier ergeben, dass erfindungsgemäß ein Innendurchmesser
von kleiner oder gleich 150 mm zu diesem Zweck ausreichend ist.
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Die
beiden Einschmelzwannen können gemäß einer
weiteren Ausführungsform unterschiedliche Abmessungen aufweisen,
also unterschiedliche Höhen, Breiten und/oder Längen,
auch unterschiedliche Profile. Zwar handelt es sich bei den Einschmelzwannen
zweckmäßig um im Profil rechteckförmige Wannen.
Gemäß weiteren Ausführungsformen können
jedoch auch abgeschrägte Bodenbereiche, beispielsweise
V-förmige Tröge, Anwendung finden.
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Gemäß einer
weiteren Ausführungsform können die beiden Einschmelzwannen
aus unterschiedlichen Materialien bestehen, beispielsweise die eine
Einschmelzwanne aus einem Zirkonstein und die andere aus Quarzal,
letztere bevorzugt zur Erzielung von besonders guten optischen Eigenschaften
der Gläser. Gemäß einer weiteren Ausführungsform
können die beiden Einschmelzwannen auch mit unterschiedlichen
Materialien ausgekleidet sein, bevorzugt mit Metallblechen, beispielsweise Edelmetallblechen.
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Gemäß einer
weiteren Ausführungsform umfasst die erfindungsgemäße
Vorrichtung ferner zumindest einen weiteren Prozessabschnitt, beispielsweise
einen Feinläuterabschnitt, wobei jede der Einschmelzwannen
unabhängig voneinander mit dem weiteren Prozessabschnitt
verbunden werden kann oder gemäß einer alternativen
Ausführungsform beide Einschmelzwannen mit dem weiteren
Prozessabschnitt verbunden werden können. Zu diesem Zweck können
die beiden Einschmelzwannen jeweils über ein Verbindungsrohr
oder beide Einschmelzwannen über ein gemeinsames Verbindungsrohr
mit dem weiteren Prozessabschnitt unmittelbar verbunden sein, so
dass der zwischengeordnete Läuterabschnitt auch vorübergehend überbrückt
werden kann. Auf diese Weise können die Prozessparameter
und die Prozessierung der Glasschmelze weiter variiert werden, je
nach den Anforderungen an die jeweils herzustellende Glassorte.
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Ein
weiterer Gesichtspunkt der vorliegenden Erfindung betrifft ferner
ein Verfahren zur Herstellung von Glas, bei dem ein Gemenge in einen
Einschmelzabschnitt eingebracht und zu einer Glasschmelze eingeschmolzen
wird, die Glasschmelze in einem nachgeordneten und von dem Einschmelzabschnitt
getrennten Läuterabschnitt geläutert wird und die
Glasschmelze abschließend weiterverarbeitet und zu dem
Glas abgekühlt wird. Dabei findet erfindungsgemäß eine
Vorrichtung, wie vorstehend beschrieben, Anwendung, wobei die beiden
Einschmelzwannen unabhängig voneinander betrieben werden können.
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Ein
weiterer Gesichtspunkt der vorliegenden Erfindung betrifft ferner
die Verwendung einer Vorrichtung, wie vorstehend beschrieben, zur
Herstellung von Glas.
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Figurenübersicht
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Nachfolgend
wird die Erfindung in beispielhafter Weise und unter Bezugnahme
auf die beigefügten Zeichnungen beschrieben werden, woraus sich
weitere Merkmale, Vorteile und zu lösende Aufgaben ergeben
werden. Es zeigen:
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1 eine
schematische Seitenansicht einer Glasherstellungsanlage gemäß der
vorliegenden Erfindung;
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2 in
einer Draufsicht den Einschmelzabschnitt und den nachgeordneten
Läuterabschnitt der Anlage gemäß der 1;
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3 in
einer schematischen Darstellung den Läuterabschnitt gemäß den 1 oder 2 mit
weiteren, nachgeordneten Prozessabschnitten, insbesondere einem
Feinläuterabschnitt; und
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4 in
einem schematischen Flussdiagramm eine Vorgehensweise gemäß der
vorliegenden Erfindung zum Wechseln einer Glassorte während
eines laufenden Betriebs.
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In
den Figuren bezeichnen identische Bezugszeichen identische oder
im Wesentlichen gleichwirkende Elemente oder Elementgruppen.
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Ausführliche Beschreibung
von bevorzugten Ausführungsbeispielen
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Die
Anlage gemäß der 1 besteht
aus zumindest drei sequentiell zu durchlaufenden Abschnitten, nämlich
von links nach rechts aus einem Einschmelzabschnitt, einem Rohläuterabschnitt
und einem Feinläuterabschnitt. Wie nachfolgend dargelegt, können
dem Feinläuterabschnitt weitere Prozessabschnitte folgen.
Der Einschmelzabschnitt 2 dient dem Einschmelzen eines
Einlage-Gemenges zu einer Glasschmelze mit einer gewünschten
Zusammensetzung. Der Einschmelzabschnitt 2 umfasst eine
Einschmelzwanne 10a, in die eine geeignete Einlegeeinrichtung 15,
beispielsweise ein Schaufel- oder Schneckeneinleger, ein Glasgemenge,
das in einem Vorratsbehälter 14 bevorratet ist,
einbringt. Die Einschmelzwanne 10a wird bis zu dem dargestellten Füllstand
mit einer Glasschmelze 14 befüllt. Die Einschmelzwanne 10a ist
nach oben durch einen Deckel bzw. ein Gewölbe 11 abgedeckt.
Im über der Glasschmelze befindlichen Innenraum 12 sind
mehrere Gas- oder Strahlungsbrenner 18 zum Heizen der Oberfläche
der Glasschmelze und des darauf schwimmenden Gemengemantels in geeigneter
Geometrie vorgesehen. Die Glasschmelze 14 wird mittels
geeignet angeordneter Elektroden 16 elektrisch beheizt.
Am Boden 23 der Einschmelzwanne 10a sind mehrere
Blasdüsen 17 zum Einblasen eines Gases verteilt
angeordnet, beispielsweise von Sauerstoff. Die Elektroden können
aus verschiedenen Materialien bestehen, beispielsweise Edelmetalllegierungen
der Edelmetalle Platin, Platin-Rhodium, Platin-Iridium, Iridium
und/oder Molybdän. Bevorzugt werden Elektroden der Legierung
Platin/Rhodium eingesetzt. Die Brenner 18 können
Gas-/Luft-Brenner, Oxi-Fuel-Brenner oder Strahlungsbrenner sein. Bevorzugt
werden Oxi-Fuel-Brenner und Strahlungsbrenner. Strahlungsbrenner
haben den Vorteil, mit einer wesentlich geringeren Energie auskommen
zu können (Energieeinsparpotential bis zu 25%).
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Im
Einschmelzabschnitt 2 wird das Einschmelzen durch ein sogenanntes
Gemenge-Bubbling erleichtert, da durch die im Boden 23 befindlichen Blasdüsen 17 Gas,
beispielsweise Sauerstoff, mit geeigneten Taktraten, beispielsweise
5 Blasen pro Minute bis 30 Blasen pro Minute, bevorzugt 15 Blasen pro
Minute, eingeblasen wird. Dadurch wird das Einschmelzen des Gemenges
für alle denkbaren Glasarten wesentlich beschleunigt.
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Der
Einschmelzabschnitt 2 ist mit dem nachgeordeten Läuterabschnitt 6 über
ein Verbindungsrohr 20 verbunden. Auch der Läuterabschnitt 6 ist
als Läuterwanne 60 ausgebildet, der nach oben
mit einem Deckel bzw. Gewölbe 62 abgeschlossen
ist. Im über der Glasschmelze 64 befindlichen
Innenraum 63 sind mehrere Brenner 18, wie vorstehend
im Zusammenhang mit dem Einschmelzabschnitt 2 beschrieben,
in geeigneter Geometrie angeordnet. In die Glasschmelze 64 ragen
mehrere Elektroden 67 in geeigneter Geometrie hinein. In
den Läuterabschnitt 6, optional auch in einen
oder jeden der nachgeordneten Prozessabschnitte, ist eine Rühreinrichtung 69a eingebaut,
die mehrere Rührflügel 69b aufweist, die
in die Glasschmelze 64 hineinragen. Bevorzugt werden Rührer
aus Edelmetalllegierungen verwendet, beispielsweise aus Edelmetallen,
wie diese vorstehend beschrieben wurden. Die Drehzahlen des Rührers 69a können
im Bereich von knapp oberhalb von 0 Umin bis maximal etwa 100 Umin
liegen. Bevorzugte Drehzahlen liegen im Bereich zwischen etwa 5
bis 10 Umin. Dem Bodenbereich 61 können mithilfe
von Blasdüsen 600 feine Gasblasen zugeführt
werden, um die Schmelze durch sogenanntes Fein-Bubbling mit O2 zu sättigen, um größtmögliches Blasenwachstum
zu gewährleisten. Des weiteren kann in dem Feinläuterabschnitt 6 über
eine Einrichtung 601 ein Läutermittel zugeführt
werden.
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Der
Läuterabschnitt 6 ist mittels eines Verbindungsrohrs 20 mit
dem nachgeordneten Feinläuterabschnitt 7 verbunden,
der ebenfalls als Läuterwanne 70 ausgebildet ist.
In die Glasschmelze 74 ragen mehrere Elektroden 77,
bevorzugt aus Edelmetalllegierungen, wie vorstehend beschrieben,
in geeigneter Geometrie hinein. Die Feinläuterwanne 70 ist
nach oben mittels eines Deckels bzw. Gewölbes 72 abgedeckt.
Im über der Glasschmelze 74 befindlichen Innenraum
sind eine Mehrzahl von Brennern 78, beispielsweise Brennern
der vorgenannten Art, in geeigneter Geometrie angeordnet. Im Feinläuterabschnitt 7 ist
eine Läuterbank oder ein Wall 79 angeordnet, der
sich bevorzugt über die gesamte Breite der Läuterwanne 70 erstreckt,
um die Glasschmelze zu zwingen, zur Oberfläche aufzusteigen,
damit Gasblasen noch effizienter in den Innenraum 73 austreten
können. Am Ende des Feinläuterabschnittes 7 befindet
sich eine Rohr- oder Rinnenanlage 90, die je nach Glastyp veränderlich
dimensioniert werden muss, was dem Fachmann beim Studium der vorliegenden
Beschreibung ohne weiteres ersichtlich sein wird.
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In
der Draufsicht gemäß der 2 erkennt man,
dass der Einschmelzabschnitt 2 aus zwei zueinander parallel
geschalteten Einschmelzwannen 10a, 10b besteht,
die bevorzugt mit identischen Abmessungen, optional jedoch auch
mit unterschiedlichen Abmessungen ausgelegt sind. Man erkennt, dass
die Elektroden 16 entlang den Längsseiten der
jeweiligen Einschmelzwanne 10a, 10b gleichmäßig
verteilt angeordnet sind. Aus den Einschmelzwannen 10a, 10b fließt
die Glasschmelze über Auslassrohre 19 und ein
T-Verzweigungsstück in ein gemeinsames Verbindungsrohr 20,
das mit dem nachgeordneten Läuterabschnitt 6 in
Verbindung steht. Erfindungsgemäß sind die Rohre 19, 20 und
bevorzugt auch sämtliche Verbindungsrohre zu weiteren nachgeordneten Prozessabschnitten
so ausgelegt, dass ein Zurückströmen der Glasschmelze
zurück in den vorgeordneten Prozessabschnitt verhindert
oder zumindest erheblich unterdrückt ist. Hierzu hat sich
ein Innendurchmesser der Rohre 19, 20 und sämtlicher
weiteren Verbindungsrohre von kleiner oder gleich 150 mm bei den üblicherweise
vorherrschenden Viskositäten der Glasschmelze als geeignet
erwiesen. Weitere Maßnahmen zur Verhinderung einer Rückströmung
sind gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform
nicht vorgesehen.
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Bei
den Rohren 19, 20 handelt es sich bevorzugt um
Edelmetallrohre oder Rohre, die zumindest mit einer Edelmetalllegierung
innen ausgekleidet sind, beispielsweise Platin, Platin-Rhodium,
Platin-Iridium, Iridium und/oder Molybdän. Bevorzugt wird
hierbei eine Legierung aus Platin und Rhodium.
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Den
Rohren 19, 20 ist jeweils eine Elektrische Heizeinrichtung 30 zugeordnet,
die über elektrische Verbindungsleitungen 31 mit
der elektrisch leitenden Innenoberfläche der Rohre 19, 20 in
Verbindung steht, um die darin geführte Glasschmelze resistiv
elektrisch zu heizen. Auf diese einfache Weise kann Einfluss auf
die in den Rohren 19, 20 vorherrschende Viskosität
und die jeweiligen Strömungsbedingungen genommen werden.
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Die
Auslässe der Einschmelzwannen 10a, 10b können
unabhängig voneinander verschlossen werden, so dass die
Glasschmelze aus den Einschmelzwannen 10a, 10b je nach
gewählter Betriebsart gleichzeitig durch die Rohre 19, 20 in
den Läuterabschnitt 6 strömen kann oder
nur durch eines der Rohre 19 und den nachgeordneten Rohrabschnitt 20 fließen
kann. Jede der Einschmelzwannen 10a, 10b kann über
einen gesonderten Auslass (nicht dargestellt) verfügen,
um den Inhalt der jeweiligen Einschmelzwanne 10a, 10b vollständig
abzulassen, ohne in einem nachgeordneten Prozessschritt verwendet
zu werden. Dies hat sich zum vollständigen Ablassen einer
Einschmelzwanne im Falle des Wechsels einer Glassorte als besonders
vorteilhaft erwiesen, wie nachstehend ausgeführt. Gemäß der 2 sind
die Einschmelzwannen 10a, 10b jeweils auch über
ein Rohr 26 mit einem dem Läuterabschnitt 6 nachgeordneten
Prozessabschnitt verbunden, wobei die Rohre 26 wahlweise
und unabhängig voneinander zugeschaltet werden können.
Auf diese Weise kann der Läuterabschnitt 6 vorübergehend überbrückt
werden, was noch flexiblere Prozessbedingungen ermöglicht.
Diese Rohre 26 können beispielsweise zu dem in
der 3 dargestellten Feinläuterabschnitt 7 oder
einem beliebigen anderen der ggf. nachgeordneten Prozessabschnitte 8 führen.
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Erfindungsgemäß ist
eine Rückkopplung zwischen den einzelnen Prozessabschnitten
vollständig unterbunden, so dass die Prozessparameter in
den einzelnen Abschnitten unabhängig zu den in dem vor-
oder nachgeordneten Abschnitt gewählten Prozessparametern
eingestellt werden können. Parameteränderungen
in einem Prozessschritt bewirken somit keine oder nur unwesentliche
Veränderungen in den vor- oder nachgelagerten Prozessschritten,
was insbesondere bei der Herstellung von Gläsern mit sehr
hohen Boroxidgehalten, beispielsweise Gläsern mit bis zu
20% B2O3-Gehalten,
erhebliche Vorteile bietet, da die Verdampfungsraten deutlich reduziert
werden können und somit Qualitätseinbußen in
Form von Knoten und Steinen wirkungsvoll verhindert werden können.
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Gemäß einer
bevorzugten weiteren Ausführungsform kann jeder Prozessabschnitt
für sich und unabhängig von den jeweils vor- oder
nachgelagerten Prozessabschnitten abgelassen werden, beispielsweise
zum Elektrodenwechsel. Gemäß einer weiteren bevorzugten
Ausführungsform kann jeder der Prozessabschnitte mittels
eines Verbindungsrohrs von der Art, wie vorstehend anhand der 2 beschrieben,
vorübergehend überbrückt und auch vollständig
abgelassen werden, beispielsweise zu Wartungs- oder Reparaturzwecken.
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Durch
diese quasi variable Verschaltung der einzelnen Prozessabschnitte
können erfindungsgemäß auch die Prozessbedingungen
insgesamt sehr variabel gestaltet werden.
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Die
in den 2 und 3 dargestellten Längen
L1, L2, L3, ..., Lx) und Breiten (W1, W2, ....) der jeweiligen Prozesswannen
können auch grundsätzlich verschieden gewählt
werden. Auch die Profile der einzelnen Prozesswannen können
verschieden gewählt werden.
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Insbesondere
kann in jedem Prozessabschnitt ein an die jeweils verarbeitete Glassorte
angepasstes Temperaturregime vorgegeben werden, und zwar unabhängig
von dem jeweils vor- oder nachgelagerten Prozessabschnitt. Auch
ist der Einsatz unterschiedlicher Brennertypen und Elektroden und/oder
Brenner- und/oder Elektrodenkonfigurationen möglich.
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Ein
weiterer Vorteil ist, dass erfindungsgemäß die
jeweilige Prozesswanne unabhängig von den sich einstellenden
Strömungen betrieben werden kann. Insbesondere können
höhere spezifische Schmelzleistungen und Durchsätze
gefahren werden.
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Gemäß einer
weiteren Ausführungsform können die Prozesswannen
auch aus unterschiedlichen Materialien bestehen, je nach den Anforderungen
der zu verarbeitende Glassorte und wirtschaftlichen Erwägungen.
Beispiele für solche Materialien sind Quarzal, AZS, ZBX,
Sillimannit und dergl.
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Ein
weiterer Vorteil ist, dass in der Anlage gemäß der 1 in
dem Einschmelzabschnitt noch keine Läutermittel verwendet
werden müssen, so dass eine im Wesentlichen reliktfreie
Grobschmelze erzeugt werden kann, die erst in nachgeordneten Läuterabschnitten
weiter umgesetzt wird. Ein erfindungsgemäß ermöglichter
optimierter Einschmelzprozess im Einschmelzabschnitt 2 ermöglicht
außerdem einen höheren Freiheitsgrad bei der Auswahl
der Rohstoffe für das jeweils herzustellende Glas.
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Nachfolgend
wird anhand der 4 das Umrüsten auf
eine andere Glassorte bei laufendem Betrieb einer Glasherstellungsanlage
erläutert. In dem Schritt S1 werden beide Einschmelzwannen 10a, 10b (vgl. 2)
gleichzeitig betrieben und mit denselben Rohstoffen beschickt, so
dass sich die gleiche Glassorte ergibt. Es sei nun angenommen, dass während
des laufenden Betriebs eine der Einschmelzwannen (nachfolgend als
erste Einschmelzwanne bezeichnet) auf eine andere Glassorte umgerüstet werden
soll. Zu diesem Zweck wird in dem Schritt S2 zunächst die
erste Einschmelzwanne von den nachfolgenden Prozessabschnitten getrennt
und vollständig abgelassen. Die erste Einschmelzwanne kann auch
vor dem Trennen von den nachfolgenden Prozessabschnitten vollständig
abgelassen werden. Während die zweite Einschmelzwanne weiter
betrieben und weiterhin mit den gleichen Rohstoffen beschickt wird,
wird die erste Einschmelzwanne mit anderen Rohstoffen beschickt,
für die andere gewünschte Glassorte. Da erfahrungsgemäß Reste
der zuvor verwendeten Glasschmelze mit der anderen Zusammensetzung
relativ lange in einer Einschmelzwanne verbleiben können,
beispielsweise in Fugenbereichen einer Innenauskleidung oder in
Rand- oder Kantenabschnitten, kann die erste Einschmelzwanne in
dem Schritt S2 auch mehrfach mit der neuen Glasschmelze gespült
werden. Ein solcher Zyklus aus Befüllen und vollständigem
Ablassen kann mehrfach wiederholt werden, solange bis die gewünschte
Reinheit der neuen Glasschmelze erreicht ist (Schritte S3 und S4).
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Abschließend
wird die zweite Einschmelzwanne in dem Schritt S5 von den nachfolgenden
Prozessabschnitten abgetrennt und der Betrieb mit der ersten Einschmelzwanne
fortgeführt, was die gewünschte zweite Glassorte
ergibt. Anschließend kann in einem vergleichbaren Prozesszyklus
die zweite Einschmelzwanne auf die neue (zweite) Glassorte umgerüstet
werden.
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Die
Längen und Breiten der in der 2 und 3 in
Draufsicht dargestellten Prozessabschnitte können unterschiedlich
ausgelegt werden. Die Längen, L1, ... Lx) können
von 0,5 m bis 5 m variieren, bevorzugt von 1 m bis 2 m. Die Breiten
(W1, W2, ...) können von 0,5 bis 2 m variieren, bevorzugt
von 0,8 bis 1,5 m. Durch die Variation der Prozessabschnitte in
Länge, Breite, Profil und/oder Anzahl können bei Spezialgläsern
erfindungsgemäß beliebige Durchsätze
in Tonnen pro Tag geschmolzen werden. Wie man in der 1 erkennen
kann, weisen die Verbindungsrohre 19, 20 der einzelnen
Prozessabschnitte beginnend ab dem Einschmelzabschnitt 2 jeweils
einen unterschiedlichen Abstand zum jeweiligen Wannenboden auf.
Dieser Abstand kann im Einschmelzabschnitt 2 etwa 50–80%
des Glasstandes betragen. Bevorzugt wird ein Abstand von etwa 70%.
Im nachgeordneten Rohläuterabschnitt 6 und in
den nachgeordneten weiteren Prozessabschnitten kann dieser Abstand
zu dem jeweiligen Wannenboden 10–30% des jeweiligen Glasstandes
betragen. Bevorzugt wird ein Abstand von etwa 20%.
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Der
Durchsatz einer Glasherstellungsanlage gemäß der
vorliegenden Erfindung liegt typischerweise in einem Bereich von
beispielsweise 0,2 bis 10 Tonnen pro Tag, je nach Glastyp. Hohe
Durchsatzmengen bis 10 Tonnen pro Tag und darüber hinaus können
dadurch realisiert werden, dass die beiden Einschmelzwannen 10a, 10b (vgl. 2)
parallel geschaltet werden können, wie vorstehend beschrieben.
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Wenngleich
die Erfindung vorstehend anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen
beschrieben worden ist, sei darauf hingewiesen, dass diese nur der
Erläuterung des allgemeinen Erfindungsgedankens dienen
sollen, diese jedoch die Auslegung der vorliegenden Erfindung nicht
beschränken sollen. Dem Fachmann auf diesem Gebiet werden
beim Studium der vorliegenden Beschreibung Modifikationen und weitere
Ausführungsformen ersichtlich werden, die mit von der vorliegenden
Erfindung umfasst sein sollen, sofern Sie unter den allgemeinen
Lösungsgedanken und den Schutzbereich der beigefügten
Patentansprüche fallen sollten. Ausdrücklich sei
darauf hingewiesen, dass die zuvor beschriebenen Aspekte der Erfindung
auch in anderer Weise, als vorstehend beschrieben, miteinander kombiniert
werden können.
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- 1
- Anlage
zum Schmelzen und Läutern
- 2
- Einschmelzabschnitt
- 6
- Rohläuterabschnitt
- 7
- Feinläuterabschnitt
- 8
- nachgeordneter
Prozessabschnitt
- 10a,
10b
- Einschmelzwanne
- 11
- Abdeckung
- 12
- Innenraum
- 13
- Glasschmelze
- 14
- Gemenge-Vorratsbehälter
- 15
- Gemenge-Einlegevorrichtung
- 16
- Elektrode
- 17
- Blasdüse
- 18
- Strahlungsbrenner
- 19
- Auslassrohr
- 20
- Verbindungsrohr
- 21
- Auslass
- 22
- Einlass
- 23
- Boden
- 25
- Steigrohr
- 26
- Verbindungsrohr
- 30
- elektrisches
Heizgerät
- 31
- elektrische
Verbindungsleitung
- 60
- Rohläuterwanne
- 61
- Boden
- 62
- Abdeckung
- 63
- Innenraum
- 64
- Glasschmelze
- 65
- Einlass
- 66
- Auslass
- 67
- Elektrode
- 68
- Strahlungsbrenner
- 69a
- Rührer
- 69b
- Rührflügel
- 600
- Blasdüsen
(Feinbubbling)
- 601
- Läutermitteleinspeisung
- 70
- Feinläuterwanne
- 71
- Boden
- 72
- Abdeckung
- 73
- Innenraum
- 74
- Glasschmelze
- 75
- Einlass
- 76
- Auslass
- 77
- Elektrode
- 78
- Strahlungsbrenner
- 79
- Wall
- 80
- Weitere
Prozesswanne
- 87
- Elektrode
- 90
- Auslass
(Rinnenanlage)
- L1
- Länge
der Einschmelzwanne
- W1
- Breite
der Einschmelzwanne
- L2
- Länge
der Rohläuterwanne
- W2
- Breite
der Rohläuterwanne
- L3
- Länge
der Feinläuterwanne
- LX
- Länge
der weiteren Prozesswanne
- H1
- Abstand
des Verbindungsrohrs zum Wannenboden 23
- H1
- Abstand
des Verbindungsrohrs zum Wannenboden 61
-
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
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keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
-
Zitierte Patentliteratur
-
- - US 2007/0022780
A1 [0004]
-
Zitierte Nicht-Patentliteratur
-
- - R. Beerkens,
Proc. Int. Congr. Glass, Vol. 1, Invited Papers, Edinburgh, Scotland,
6 July 2001, 180–192 „Future Industrial Glass
Melting Concepts” [0003]
- - R. Beerkens, „Modular Melting Part 2, Industrial Glass
Melting Process Requirements”, American Society Ceramic
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