-
Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines beschichteten
Bauteils nach dem Oberbegriff von Patentanspruch 1 oder 2 und ein
beschichtetes Bauteil nach dem Oberbegriff des Anspruchs 13.
-
Bei
modernen Verbrennungsmotoren in Kraftwagen treten an Reibflächen,
beispielsweise in Zylinderlaufbuchsen oder bei Pleuel hohe mechanische
Belastungen auf, die zu einem Materialabrieb führen können.
Um die belasteten Materialbereiche verschleißbeständiger
zu machen, werden in vielen Fällen Spritzschichten angewandt.
Bevorzugte, allgemein bekannte Verfahren sind zum Beispiel das sogenannte
Plasmaspritzen, das Flammspritzen oder das Lichtbogendrahtspritzen
oder auch Kaltgasspritzverfahren. Diese, insbesondere thermischen, Spritzverfahren
erhöhen zwar die Verschleißbeständigkeit
des Grundmaterials (Substratmaterials), sie weisen jedoch verfahrensbedingt,
auch eine gewisse Porosität auf. Diese Porosität
liegt bei herkömmlichen Spritzschichten immer oberhalb
etwa fünf Prozent. Durch die Porosität der Spritzschicht
wird deren Festigkeit und Verschleißbeständigkeit
deutlich gesenkt.
-
Üblicherweise
werden die unbehandelten Spritzschichten durch Schleifverfahren
oder durch sogenannte Honverfahren feinbearbeitet. In der
DE 19847608 B4 wird
zudem vorgeschlagen, die Porosität einer Spritzschicht
dadurch zu reduzieren, indem die Spritzschicht durch eine spezielle
Walze verdichtet wird. Durch dieses Walzen wird jedoch nicht der erforderliche
Druck aufgebracht, der zu einer homogenen Oberfläche und
einer homogen verdichteten Schicht führt.
-
Auch
die
DE 10 205 007
587 A1 beschreibt ein Verfahren zur Verdichtung einer thermischen Spritzschicht,
wobei die Verdichtung durch ein mechanisches Verformen erfolgen
soll.
-
Nachteiligerweise
führen bekannte Verfahren hierbei lediglich zu einer moderaten
Verdichtung der Spritzschicht. Die bekannten Verfahren haben den
Nachteil, dass nur geringe Verformungsenergien eingetragen werden
können, ohne dass die Beschichtungen abgeschert, abgelöst
oder zerrüttet werden. Der Grad der Verdichtung und der
Aufhärtung der Beschichtung sind noch unbefriedigend. Die Möglichkeiten
einer lokalen Variation der Oberflächenbehandlung ist mit
den bekannten Verfahren kaum gegeben.
-
Die
Aufgabe der Erfindung liegt darin, eine thermische Spritzschicht
bereitzustellen, die gegenüber dem Stand der Technik eine
niedrigere Porosität und eine höhere Festigkeit
aufweist, sowie geeignete Verfahren zur Herstellung einer derartigen
Beschichtung aufzuzeigen.
-
Diese
Aufgabe wird durch ein Verfahren zum Herstellen eines beschichteten
Bauteils nach dem Oberbegriff von Patentanspruchs 1 und einem Bauteil
mit den Merkmalen des Anspruchs 13 gelöst.
-
Bei
einem solchen Verfahren wird zunächst eine Oberflächenschicht
mittels eines thermischen Spritzverfahrens für eine Oberfläche
des Bauteils aufgebracht und das Bauteil mit der Oberflächenschicht
anschließend durch eine klopfende oder hämmernde
Bearbeitung mittels eines Klopfwerkzeuges nachbehandelt. Erfindungsgemäß ist
hierbei vorgesehen, dass durch die klopfende oder hämmernde Behandlung
des Bauteilseine sehr hohe Verformungsenergie in die Spritzschicht
eingetragen wird, die im Mittel oberhalb 100 kJ/m2 liegt.
-
Es
ist von besonderer Bedeutung, dass durch den gewählten
Prozess des Klopfens oder Hämmerns (im Folgenden auch zusammenfassend nur
Klopfen genannt) eine sehr hohe Energie in die Oberfläche
bzw. Spritzschicht eingetragen werden kann, ohne dass die Schicht
zerrüttet wird, abplatzt oder abgestriffen wird. Es ist
das Wesen des Prozesses, dass Verformungsenergien oberhalb ca. 100 kJ/m2 eingetragen werden können. Je
nach Spritzschicht sind Verformungsenergien oberhalb 150, 200 oder
gar 300 kJ/m2 zweckmäßig.
Die Auswirkung dieser hohen Energien ist eine Verdichtung und ein
Kaltschmieden des Werkstoffs der Spritzschicht.
-
Die
Verformungsenergie kann beispielsweise durch die Differenz zwischen
der kinetischen Energie des Klopfwerkzeugs vor dem Aufprall auf
die Oberfläche und der kinetischen Energie danach ermittelt
werden. Da die Größe der Werkzeugspitze unterschiedlich
gewählt werden kann ist die Energie zweckmäßigerweise
auf die Fläche des jeweiligen Abdrucks des Klopfwerkzeugs
in der Spritschicht bezogen.
-
Die
klopfende oder hämmernde Bearbeitung bringt dadurch, dass
fortlaufend einzelne Abdrücke anstatt Bearbeitungsbahnen
erzeugt werden ganz neue Verfahrensmöglichkeiten mit sich,
die sich grundsätzlich vom bekannten Walzen oder Drücken abheben.
-
Insbesondere
die gewünschte hohe Verformungsenergie der Behandlung erfordert
spezielle Werkzeuge. Ein derartiges prinzipiell geeignetes Werkzeug
ist beispielsweise aus der
DE 10 2006 033 004 A1 bekannt. Dagegen sind
Ultraschallverfahren, wie beispielsweise in der
US 20080035627 A1 oder
WO 2007060284 A1 nur
bedingt geeignet.
-
Es
hat sich nach mehreren Untersuchungen herausgestellt, dass insbesondere
ein Klopfprozess, der ein derartiges periodisches wiederkehrendes Klopfen
umfasst, zu einer besonders homogenen, porenfreien Spritzschicht
führt. Insbesondere hat sich herausgestellt, dass durch
den Klopfprozess eine besonders vorteilhafte Druckeigenspannung
in die Oberfläche der Spritzschicht und zusätzlich
in den Grundkörper des Bauteils eingebracht wird. Die Druckeigenspannung
der thermischen Spritzschicht bewirkt, dass die Schicht durch den
ihr innewohnenden Druck auf das Substrat gepresst wird und somit die
Haftung auf dem Grundkörper erhöht wird. Diese Druckeigenspannung
ist im Gegensatz zu einer Zugeigenspannung besonders vorteilhaft,
da sie ein Abblättern der Schicht verhindert. Bei den metallischen Anteilen
der Spritzschicht findet durch den Klopfprozess quasi ein Kaltschmieden
statt. Hierdurch erfährt der metallische Werkstoff ebenfalls
die durch Schmiedeprozesse bekannte Verfestigung bzw. Aufhärtung.
Die Art der metallischen Oberfläche ist somit nur von untergeordneter
Bedeutung, denn die beschriebenen Effekte lassen sich prinzipiell
auf jeder Art metallischer Oberflächenbeschichtung erzeugen.
-
Der
periodische Klopfprozess ist auch aus dem Grunde sehr vorteilhaft,
da er sich durch viele verschiedene Parameter optimal einstellen
lässt. Einer der Parameter des Klopfprozesses ist eine
Klopffrequenz. Hierunter ist die Frequenz zu verstehen, mit der
ein Klopfwerkzeug auf die Spritzschicht geklopft wird. Diese Klopffrequenz
weist in vorteilhafter Weise mehr als 20 Hz auf. Dabei wird die
Frequenz nach oben im Wesentlichen durch die benötigte
Energie begrenzt, die in das Werkzeug eingetragen werden muss. Daher
sind Werkzeuge mit Frequenzen unterhalb des Ultraschallbereichs
besonders zweckmäßig.
-
Das
Klopfwerkzeug kann in verschiedenen Geometrien ausgestaltet werden.
Neben einer Zylinderform oder einer Tropfenform hat sich eine Kugelform
als Werkzeugspitze des Klopfwerkzeugs besonders bewährt.
Dabei hat sich herausgestellt, dass es besonders vorteilhaft ist,
wenn ein Kugeldurchmesser der Werkzeugspitze zwischen 2 mm und 50
mm gewählt wird.
-
Besonders
vorteilhaft ist es, wenn die Größe des Klopfwerkzeugs
bzw. der Werkzeugspitze, so gewählt werden, dass die Abdruckfläche
in der behandelten Oberfläche im Bereich von Fläche
im Bereich von 0,2 bis 10 mm2 liegt.
-
Je
nach Verformungsenergie oder Geometrie der Werkzeugspitze, können
dabei Vertiefungen unterschiedlicher Tiefe gebildet werden.
-
Es
ist auch von Bedeutung, in welchem Aufprallwinkel das Klopfwerkzeug
auf die Schicht bzw. das Substrat aufschlägt. Dies ist
insbesondere im Vergleich zu den bekannten Verfahren des Walzens ersichtlich,
wo die Kräfte grundsätzlich nur in einem flachen
Winkel (eher tangential) in die Oberfläche eingetragen
werden können und daher hohe Scherkräfte auf die
Beschichtung wirken. Ein Aufprallwinkel zwischen 5 Grad und 90 Grad
hat sich als zweckmäßig erwiesen. Besonders günstig
sind dabei Winkel im Bereich von 45° bis 90° und
60° bis 90°. Ideal ist ein etwa senkrechter Winkel.
-
Das
Verfahren hat den großen Vorteil, dass sich selbst bei
gewölbten oder komplexen Oberflächengeometrien
des Bauteils aufgrund der geringen Abmessungen des Klopfwerkzeugs
noch sehr steile Winkel oder senkrechte Winkel einstellen lassen.
-
Dieser
Aufprallwinkel ist insbesondere bei der Bearbeitung von gekrümmten
Oberflächen von Bedeutung.
-
Ein
weiterer Parameter, mit dem sich das Ergebnis des Klopfprozesses
nachhaltig beeinflussen lässt, ist die Wahl eines sogenannten
Klopfspaltes. Hierunter ist der Hub zu verstehen, den das Klopfwerkzeug
bei jeder Periode von der Oberfläche der Spritzschicht
angehoben wird, um danach wieder auf die Spritzschicht aufzutreffen.
Dieser Klopfspalt liegt in vorteilhafter Weise zwischen 0,01 mm
und 3 mm.
-
Bei
der Verwendung eines pneumatischen Klopfsystems können
auch Klopfspalte deutlich größer als 3 mm günstig
sein. Als Obergrenze sind hierbei etwa 10 mm von Bedeutung.
-
In
einer weiteren erfindngsgemäßen Ausgestaltung
erfolgt das Verdichten und Aufhärten der Spritzschicht
in zwei Schritten. Hierdruch ist es ebenso möglich die
sehr hohen Verformungsenergien in die Spritzschicht einzubringen.
Die Verformungsenergie ist dabei in den beiden Schritten unterschiedlich gewählt,
wobei die Energie beim zweiten Schritt höher liegt.
-
In
einer zweckmäßigen Ausgestaltung der Erfindung
wird dabei in einem ersten Schritt ein Klopfwerkzeug angewandt,
das mit einem kleineren Klopfspalt auf die Spritzschicht niederschlägt.
In einem nächsten Verfahrensschritt wird das Werkzeug verkleinert
und der Abstand zum Substrat, also der Klopfspalt, erhöht.
Bei der Verwendung von Kugeln als Klopfwerkzeuge weist die Kugel
des ersten Schrittes einen größeren Durchmesser
auf, als die Kugel des zweiten Verfahrensschrittes. Hierdurch wird
die Oberfläche in dem ersten Schritt bereits vorverfestigt,
durch den zweiten Verfahrensschritt, der durch den höheren
Klopfspalt und die kleinere Kugel einen punktuell höheren
Energieeintrag bewirkt, wird die Porosität in der Schicht
noch einmal weiter reduziert und die Druckeigenspannung der Schicht
sowie die Aufhärtung weiter erhöht.
-
Es
ist weiterhin besonders vorteilhaft, wenn die Schläge des
Klopfwerkzeuges gegen das Bauteil im zweiten Durchgang des Klopfprozesses
eine höhere Energie aufweisen als die Schläge
des Klopfwerkzeuges gegen das Bauteil im ersten Durchgang. Dabei
sollte die Verformungsenergie im ersten Durchgang nicht höher
sein als 50% der im darauf folgenden Schritt gewählte Verformungsenergie.
Im ersten Durchgang wird die thermische Spritzschicht durch noch
relativ niedrig energetisches Klopfen vorverdichtet, so dass im
zweiten Durchgang höhere Energien eingebracht werden können,
ohne die Oberflächenschicht zu schädigen. Im zweiten
Durchgang werden daher besonders effizient Druckeigenspannungen
sowohl in der Oberflächenschicht als auch im oberflächennahen
Bereich des Grundkörpers des Bauteils aufgebaut, was die
Festigkeit des Bauteils wesentlich verbessert. Bevorzugt liegt die
Verformungsenergie im ersten Schritt bereits oberhalb 100 kJ/mm2.
-
In
vorteilhafter Weise werden durch das genannte Verfahren Spritzschichten
behandelt, die als Gleit- oder Verschleißschutzschcihten
eingesetzt werden. Hierbei handelt es sich um Triboschichten, die
einer tribologischen Beanspruchung ausgesetzt sind.
-
Hierzu
zählen insbesondere Spritzschichten auf Bauteilen, die
Bestandteil eines Verbrennungsmotors sind. Insbesondere Zylinderlaufbuchsen
und Pleuel bzw. Lagerschalen haben sich als besonders geeignete
Bauteile gezeigt, deren Beschichtungen durch das genannte Verfahren
verdichtet, verfestigt und aufgehärtet werden können.
-
Weitere
vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sowie weitere Merkmale
werden anhand der folgenden Figuren näher erläutert.
Dabei werden gleichbedeutende Merkmale in unterschiedlichen Ausgestaltungsformen
jeweils mit denselben Bezugszeichen versehen.
-
Dabei
zeigen:
-
1 den
schematischen Ablauf eines Klopfprozesses in zwei Schritten auf
eine thermische Spritzschicht,
-
2 die
Anwendung des Klopfprozesses an einer gewölbten Oberfläche
eines Grundkörpers,
-
3 eine
thermische Spritzschicht auf einem Grundkörper direkt nach
dem Spritzprozess und
-
4 eine
Spritzschicht nach dem Verdichtungsprozess.
-
Das
Verfahren zur Herstellung einer Spritzschicht umfasst zwei Schritte.
In dem ersten Schritt wird eine thermische Spritzschicht auf einem
Grundkörper 4 aufgebracht. Verfahren zur Herstellung
von thermischen Spritzschichten sind hinreichend bekannt. Es kann
sich hierbei beispielsweise um ein Plasmaspritzen, ein Flammspritzen
oder ein Lichtbogendrahtspritzen handeln. Auch weitere, hierbei
nicht genannte Spritzverfahren können in diesem Verfahren
Anwendung finden. Die so entstandene Spritzschicht 2 wird
insbesondere auf ein Bauteil eines Verbrennungsmotors aufgebracht.
Hierbei bieten sich Zylinderlaufbuchsen oder Pleuel bzw. Lagerschalen an.
Die Spritzschicht 2 wird in einem weiteren Verfahrensschritt
durch einen Klopfprozess verdichtet. Der Klopfprozess ist hierbei
periodisch ausgestaltet, was bedeutet, dass ein Klopfwerkzeug periodisch
angehoben wird und mit einer bestimmten Energie wieder auf die Spritzschicht 2 einschlägt.
Die klopfende Bearbeitung des Bauteils wird dabei in mindestens
zwei separaten Durchgängen durchgeführt, so dass
sich eine besonders gute Reduktion der Porenanzahl der Oberfläche
sowie besonders hohe Druckeigenspannungen im Bauteil ergeben.
-
In 1 ist
schematisch ein derartiger Klopfprozess dargestellt. Hierbei wird
eine ebenfalls schematisch dargestellte Klopfvorrichtung 24,
die an einem Ende ein Klopfwerkzeug in Form einer Kugel 6 aufweist,
periodisch auf und ab bewegt. Diese periodische Auf- und Abbewegung
kann beispielsweise durch eine hier wiederum nur schematisch veranschaulichte
Exzenterlagerung oder auch einen elektromagnetischen Antrieb ausgestaltet
sein.
-
Neben
den Exzenter- und elektromagnetischen Antrieben sind auch noch pneumatische
Antriebe geeignet.
-
Die
Klopfvorrichtung 24 in 1 ist in
mehreren Zuständen dargestellt. Ganz links liegt die Kugel 6 der
Klopfvorrichtung 24 gerade auf einer Spritzschicht 2,
die wiederum auf einen Grundkörper 4 aufgebracht
ist, auf. Spritzschicht 2 und Grundkörper 4 sind
in dieser vereinfachten Darstellung nach 1 als ebene
Flächen dargestellt, was dazu dient, den Klopfprozess schematisch
leichter zu veranschaulichen. In einer nächsten Periode
wird das Klopfwerkzeug angehoben, und es entsteht ein sogenannter Klopfspalt 12.
Dieser Klopfspalt 12 bzw. ein weiterer, höherer
Klopfspalt 14 sind in den beiden rechten Darstellungen
der Klopfvorrichtung 24 gezeigt. Hierbei handelt es sich
um einen oberen Umkehrpunkt, nach dessen Erreichen die Kugel 6 bzw.
eine Kugel 20 wieder auf die Spritzschicht 2 herabfällt.
-
Dieser
periodische Prozess kann sich mit einer Frequenz wiederholen, die
in einem Bereich zwischen 20 Hz und 500 Hz (Klopffrequenz) liegen
kann. Niedrigere Frequenzen bringen in der Regel nicht die gewünschte
Verdichtungswirkung, höhere Frequenzen können
der Schicht 2 schaden. Während des Klopfprozesses
wird entweder das Substrat 4 mit der Spritzschicht 2 oder
die Klopfvorrichtung 24 bewegt. Durch die so entstandene
Relativbewegung zwischen dem Klopfwerkzeug und der Schicht 2 kommt es
zur Verdichtung der Schicht 2 entlang einer vorbestimmten
Linie.
-
Sowohl
der Klopfspalt 12, 14 als auch der Durchmesser
der Kugel 6, 20, die in dem vorliegenden Beispiel
als Klopfwerkzeug ausgestaltet sind, haben sich als Parameter erwiesen,
durch die der Verdichtungsprozess der Spritzschicht 2 maßgeblich
beeinflusst werden kann. Deshalb soll im Weiteren anhand des Beispiels
von 1 auf einen zweistufigen Verdichtungsprozess eingegangen
werden.
-
In
der rechten Hälfte der 1 sind 2 Klopfvorrichtungen 24 dargestellt,
die durch eine gestrichelte Linie voneinander getrennt sind. Die
linke Klopfvorrichtung 24 veranschaulicht einen ersten Schritt
I des Verdichtungsprozesses. Hierbei wird ein Klopfwerkzeug mit
einer Kugel 6 verwendet, die einen ersten Kugeldurchmesser 8 aufweist.
Ferner ist die Klopfvorrichtung 24 im ersten Schritt I
so eingestellt, dass zwischen der Spritzschicht 2 und der
Kugel 6 im oberen Umkehrpunkt der Kugel 6 ein
Klopfspalt 12 besteht. Dieser Klopfspalt 12 ist
relativ gering. Er liegt beispielsweise bei 0,05 mm (bevorzugt zwischen
0,03 mm und 0,07 mm). Der Kugeldurchmesser liegt in diesem Beispiel
bei 16 mm. In diesem Schritt I wird die thermische Spritzschicht 2 vorverdichtet.
Die Kombination aus einem relativ niedrigen Klopfspalt 12 und
einem relativ breiten Kugeldurchmesser 8 führt
dazu, dass pro Flächeneinheit auf die Spritzschicht 2 eine
relativ geringe Energie eingebracht wird.
-
Nach
dem Vorverdichtungsschritt I erfolgt ein weiterer Verdichtungsschritt
II. Dieser Verdichtungsschritt II ist in 1 rechts
der gestrichelten Linie schematisch dargestellt. Die Klopfvorrichtung 24 ist gemäß Schritt
II so ausgestaltet, dass das Klopfwerkzeug in Form einer Kugel 20 besteht,
die einen zweiten Kugeldurchmesser 16 aufweist, der beispielsweise
mit 8 mm Durchmesser nur halb so groß ist, wie der Kugeldurchmesser 8 der
Kugel 6 aus dem Schritt I. Im Weiteren ist die Klopfvorrichtung 24 nach
Schritt II so ausgestaltet, dass ein weiterer Klopfspalt 14 zum
Tragen kommt, der mit beispielsweise 0,8 mm (bevorzugt 0,6 mm bis
1 mm) mehr als sechzehn mal so groß ist, wie der Klopfspalt
aus dem Schritt I. Durch den geringeren Kugeldurchmesser 16 in
Verbindung mit dem höheren Klopfspalt 14 wird
im Schritt II pro Flächeneinheit eine deutlich höhere
Energie in die Spritzschicht 2 eingebracht, als dies im Schritt
I der Fall ist. Die bereits im Schritt I vorverdichtete Spritzschicht 2 wird
an der Oberfläche 30 (vgl. 4) der Spritzschicht 2 weiter
geglättet, und es wird dadurch eine in der Spritzschicht 2 und
auch im Grundkörper 4 induzierte Druckeigenspannung
weiter erhöht. Eine typischerweise zu erreichende Druckeigenspannung
in einer gemäß der Schritte I und II behandelten
Spritzschicht 2 beträgt etwa 70 MPa. Eine mit
der Methode des Standes der Technik behandelte Spritzschicht, die
gewalzt wurde, weist lediglich eine Druckspannung von 30 MPa auf.
Eine nicht behandelte Spritzschicht 2 weist nicht nur keine Druckeigenspannung,
sondern sogar eine für die Festigkeit negative Zugeigenspannung
von 70 MPa auf.
-
In 2 ist
dargestellt, wie eine Klopfvorrichtung 24 auch auf gewölbten
Oberflächen, wie diese beispielsweise bei einem Pleuel
oder bei einer Lagerschale der Fall ist, angewendet werden kann.
Hierbei trifft die Kugel in einem bestimmten Aufprallwinkel 10 auf
die Schicht 2. Der Grundkörper 4 in 2 ist
in schematischer Form einer Pleuelunterhälfte dargestellt.
-
In
den 3 und 4 sind schematisch zwei thermische
Spritzschichten 2 bzw. zwei 2' dargestellt, wobei
die 3 die Ausgangsstrukturen einer thermischen Spritzschicht 2 zeigt,
die 4 zeigt dieselbe Spritzschicht nun als Spritzschicht 2' nach einem
beschriebenen Verdichtungsverfahren. Die thermische Spritzschicht 2 gem. 3 weist
eine sehr raue Oberfläche 28 auf, unterhalb der
Oberfläche 28 umfasst die Spritzschicht 2 viele
große Poren 26. Die Porosität einer Spritzschicht
im Ausgangszustand beträgt in diesem Fall ca. 4%. Nach
der beschriebenen Behandlung durch den periodischen Klopfprozess
liegt eine thermische Spritzschicht 2' vor, die, wie in 4 gezeigt,
eine glatte Oberfläche 30 aufweist, wobei die
Porosität von 4% auf etwa 0,3% reduziert wurde.
-
Durch
das beschriebene Verdichtungsverfahren, insbesondere durch die zwei
Schritte I und II des periodischen Klopfprozesses kann die Topografie
der Oberfläche, also der endgültigen Spritzschichtoberfläche 30 beeinflusst
werden. Nach dem Vorverdichten gem. Schritt I können im
Schritt II gezielt Profile in die Oberfläche 30 der
Spritzschicht 2' eingebracht werden. Diese Profile können
beispielsweise in Form von Öltaschen oder Riefen ausgestaltet
werden. Derartige Öltaschen sind insbesondere bei ölgeschmierten
Bauteilbereichen, wie beispielsweise einer Zylinderlauffläche,
vorteilhaft. Durch gezielte Öltaschen oder Riefen kann
das Öl in diesen Vertiefungen gelagert werden, was als
sogenannte Reservoirs bezeichnet wird. Das in diesen topografischen
Vertiefungen gelagerte Öl kann bei dem Reibprozess zwischen
dem zu beschichtenden Teil und dem darauf bewegten Gegenstück
in vorteilhafter Weise bei Bedarf schmierend wirken.
-
Ein
weiterer Aspekt der Erfindung betrifft die Bauteile, die insbesondere
durch das erfindungsgemäße Verfahren erhältlich
sind. Dabei handelt es sich um Bauteile mit einer thermischen Spritzschicht
aus Metalllegierungen oder einem Metall/Keramik-Verbundwerkstoff.
Als Werkstoffe sind insbesondere aus Lagermetalllegierungen oder
Verschleißschutzwerkstoffe von Bedeutung. Bei den Spritzschichten
kann es sich auch um komplexe mehrlagige Schichtsysteme handeln,
die bspw. aus Gleitlagern, Laufbahnen oder Verschleißschutzbeschichtungen
bekannt sind. Erfindungsgemäß ist die Spritzschicht
durch eine mechanische Nachbehandlung nachverdichtet und aufgehärtet.
-
Bei
der Nachbehandlung handelt es sich um eine klopfende oder hämmernde
mechanische Nachbehandlung.
-
Erfindungsgemäß sind
Beschichtungen mit einer Porosität der Spritzschicht unterhalb
1,5 Vol.% vorgesehen. Besonders bevorzugt liegt die Porosität der
Spritzschicht bei unterhalb 1 Vol.%.
-
Durch
die klopfende oder hämmernde mechanische Nachbehandlung
wird eine ganz charakteristische Oberflächentopographie
erhalten. Die Oberfläche ist nicht mehr eben, sondern weist
eine wellige Topographie auf, welche durch eine Vielzahl von Vertiefungen
geprägt ist. Die Vertiefungen entsprechen dabei den Abdrücken
der aus der hämmernden oder klopfenden Bearbeitung. In
aller Regel lassen sich die einzelnen Abdrücke auch bei
mehrmaliger oder überlagernder Nachbehandlung noch individuell
erkennen.
-
Bevorzugt
weist somit die Oberfläche der Spritzschicht ein Muster
aus nahe beabstandeten, aneinandergrenzenden und/oder sich teilweise überlagernden
Vertiefungen auf. Die Fläche der einzelnen Vertiefungen
liegt dabei bevorzugt im Bereich von 0,2 bis 10 mm2.
Die einzelnen Abdrücke können sich überlagern,
so dass sich ein abgeflachtes Wellenprofil in der Oberfläche
ergibt.
-
Die
Vertiefungen entsprechen bevorzugt in ihrer Geometrie im Wesentlichen
den Werkzeugspitzen der eingesetzten Klopf- oder Hammerwerkzeuge.
-
Das
Muster der Vertiefungen, bzw. Abdrücke, kann unterschiedlich
ausgestaltet sein.
-
In
einer ersten Ausgestaltung ist das Muster durch eine regelmäßige
Abfolge von bahnenförmigen Vertiefungen ausgebildet. Die
Bahnen weisen dabei besonders bevorzugt eine gemeinsame Vorzugsrichtung
auf. Hiermit kann können die Bahnen beispielsweise parallel
oder auch senkrecht zur später erfolgenden Gleit-, bzw.
tribologischen Belastung der Oberfläche ausgerichtet werden.
Dies ist insbesondere dann von Interesse, wenn geschmierte Gleitpaarungen
eingesetzt werden und die Vertiefungen als Schmierstofftaschen ausgebildet
sind, die in etwa senkrecht zur Gleitrichtung verlaufen.
-
Ebenso
ist auch eine ungeordnete Anordnung der Vertiefungen möglich.
Hier ist das Muster durch eine unregelmäßige oder
stochastische Anordnung an Vertiefungen gebildet. Bevorzugt sin
hier auch Fläche und Tiefe der einzelnen Vertiefungen unterschiedlich
ausgebildet. Es hat sich gezeigt, dass gerade die stochastische
Verteilung in geschmierten Gleitpaarungen besonders gute Ergebnisse
liefert. Hierzu zählen beispielsweise Pleuel oder Zylinderlaufbahnen
in Verbrennungsmotoren.
-
Das
Bauteil kann dabei auch mehrere voneinander getrennte nachverdichtete
und aufgehärtete Bereiche aufweisen. Diese können
je nach Anforderungsprofil mit gleichen und/oder unterschiedlichen
Mustern aus Vertiefungen ausgestattet sein.
-
- 2
- Spritzschicht
- 4
- Substrat
- 6
- Kugel
(Klopfwerkzeug)
- 8
- Kugeldurchmesser
- 10
- Aufprallwinkel
- 12
- Erster
Klopfspalt
- 14
- Zweiter
Klopfspalt
- 16
- Zweiter
Kugeldurchmesser
- 20
- Zweite
Kugel
- 22
- Lagerschale
Pleuel
- 24
- Klopfvorrichtung
- 26
- Poren
- 28
- Schichtoberfläche,
ursprünglich
- 30
- Schichtoberfläche,
behandelt
-
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
Diese Liste
der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde automatisiert
erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information
des Lesers aufgenommen. Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen
Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt
keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
-
Zitierte Patentliteratur
-
- - DE 19847608
B4 [0003]
- - DE 10205007587 A1 [0004]
- - DE 102006033004 A1 [0012]
- - US 20080035627 A1 [0012]
- - WO 2007060284 A1 [0012]