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Die
vorliegende Erfindung betrifft ein Gewebe, insbesondere für
einen Luftsack, welches wenigstens teilweise aus Hohlfilamentgarnen
aus Polymermaterial besteht.
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Derartige
Gewebe sind beispielsweise aus dem europäischen Patent
EP 0 616 061 B1 von
AKZO bekannt, wobei die dort offenbarten Kontakt- oder Filtergewebe
mit unterschiedlichen Fadendichten und unterschiedlichen Garndurchmessern
gewebt sind. Dies hat zunächst den Nachteil, dass das Gewebe
trotz des Einsatzes von Hohlfäden noch zu schwer ist. Auf
die stetig steigernden Anforderungen der Automobilhersteller an die
Gewichtsreduzierung muss man an dieser Stelle nicht besonders eingehen.
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Die
in dem dort offenbarten Gewebe verwebten Voll- und Hohlfäden
haben den gleichen Titer, da der Erfinder davon ausging, dass die
erforderliche hohe Luftdurchlässigkeit und das hochfeste
Gewebe Voll- und Hohlfäden gleicher Garnfestigkeit und
damit gleicher Materialmasse im Querschnitt erforderlich macht.
Aufgrund der sich dadurch ergebenden unterschiedlichen Durchmesser
von Vollfäden und Hohlfäden ergibt sich bei Verarbeitung
beider Fadentypen zu einer textilen Fläche ein unruhiges
und ungleichmäßig dickes Gewebe mit unterschiedlicher
Fadendichte bei Vollfäden (Fadendichte höher)
und Hohlfäden (Fadendichte geringer). Ungünstig
ist auch, dass derartige Gewebe nur schwer gleichmäßig
zu beschichten sind. Der Einsatz von Hohlfäden erhöht
u. a. auch die Gewebedicke und führt zu voluminöseren
Airbags mit dem Nachteil eines höheren Packvolumens. Die
Gewebe gemäß der
EP 0 616 061 B1 weisen bereichsweise auch
eine unterschiedliche Gewebedichte und damit auch eine ungleichmäßige
Luftdurchlässigkeit auf. Dies ergibt die zur Berechnung der
Gewebedichte (im Gegensatz zur Berechnung in der
EP 0 616 061 B1 ) richtig
angewandte Methode nach Prof. Walz. Eine ungleichmäßige
Luftdurchlässigkeit ist für ein Gewebe für
einen Airbag sehr ungünstig, da damit die Ermittlung der „Standzeit” des
Airbags, also der Zeit, in der dieser aufgeblasen bleibt, also seine eigentliche
Aufgabe erfüllt, nicht zuverlässig möglich
ist.
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Es
ist bekannt, mit Hohlfasern oder diese enthaltenden Hohlfäden
die Wärmekapazität von Geweben zu erhöhen.
Um diesen Effekt zu nutzen setzt die
EP 0 616 061 B1 Hohlfasergarne und Vollfasergarne
unterschiedlicher Dicke ein, was zu den bereits oben genannten Nachteilen
führt.
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Hierzu
beklagt die
EP 0 616
061 B1 außerdem, dass ein Hohlflächenanteil
von über 40% zu einer Versteifung der Faser und damit zu
einer Verschlechterung der Faltbarkeit der Airbaggewebe führe
und stellt beispielhaft fest, dass die ganz oder teilweise aus Hohlfasern
bestehenden Garne einen Garntiter von 200–1100 dtex aufweisen.
Kleinere Titer seien im Hinblick auf die Produktionsleistung problematisch,
und größere Titer können wegen der dann
stark verschlechterten Faltbarkeit der Airbaggewebe nicht zum Einsatz
kommen.
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Wichtig
zu erwähnen ist, dass hier die Herstellung von Hohlfilamenten
durch die Beibehaltung des Garntiters und eine Hinzunahme des jeweiligen
Lumens erfolgt, d. h., im Ergebnis ist die Polymermasse im Hohlfilament-Mantel
gleich der Polymermasse im Vollfilament. Das Lumen kommt hinzu und
vergrößert den Fadendurchmesser. Dadurch werden
bei den in der
EP 0
616 061 B1 beschriebenen Konstruktionen zwar weniger Fäden/cm
benötigt. Die Einbindung (Ondulation) der dickeren Garne
und damit auch der Widerstand gegen das Auseinanderziehen der Webverbindungen
von Kett- und Schussfäden sind jedoch geringer. Des Weiteren
sind die Hohlfilamente umso biegesteifer, je dicker die Fadenwandungen
(Ringfläche) sind und bieten damit – dies ist
ein Nachteil – größeren Widerstand gegen
die Ondulation.
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Der
vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Gewebe für
einen Airbag vorzuschlagen, bei dem die Nachteile des Standes der
Technik vermieden oder zumindest stark verringert sind.
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Die
Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst mit
einem Gewebe, insbesondere für einen Luftsack, welches
wenigstens teilweise aus Hohlfilamentgarnen aus Polymermaterial
besteht und dadurch gekennzeichnet ist, dass das Gewebe eine Gewebedichte DG,
berechnet nach Prof. Walz hat, die gleich der Gewebedichte bei Einsatz
von Vollfilamentgarnen gleichen Durchmessers ist. Mit dem erfindungsgemäßen
Gewebe lässt sich vorteilhafterweise eine Eigenschaft von
Hohlfilamenten gezielt nutzen, indem die Wärmekapazität
oder der Wärmewiderstand des Gewebes bei gleichbleibend
hoher Dichte (LD) und hoher Kammausziehkraft erhöht wird,
und dies mit gegenüber bekannten Geweben geringerem Gewicht.
Vorteilhafterweise bleiben bei dem erfindungsgemäßen
Einsatz von Hohlfasergarnen und Vollfasergarnen die Steifigkeit,
die Gewebedicke und die Gewebedichte konstant. Die Kammausziehkraft
(Maß für die Nahtfestigkeit) steigt vorteilhafterweise
sogar. Das erfindungsgemäße Gewebe eignet sich
insbesondere für Luftsäcke bzw. Airbags für
Personenrückhaltesysteme in Fahr- und Flugzeugen.
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Das
erfindungsgemäße Gewebe ist aufgrund dessen, dass
der Durchmesser von Hohlfasergarnen und Vollfasergarnen gleich ist,
leichter als ein bis auf die Hohlfasern gleichartiges Gewebe, wobei
die Gewichtsreduzierung dem Lumenprozentsatz entspricht. Erfreulicherweise
bleibt die Packungsdichte eines aus dem erfindungsgemäßen
Gewebe hergestellten Airbags konstant, weswegen Änderungen
von Modul-Dimensionen bei Einsatz des erfindungsgemäßen
Gewebes nicht erforderlich sind. Ein weiterer bedeutender Vorteil ergibt
sich dadurch, dass das geringere Gewebegewicht eine vorteilhaft
verbesserte Massenbeschleunigung während des hochdynamischen
Aufblasprozesses ermöglicht. Daneben lassen sich die Hohlfäden
gleicher Dicke z. B. in Kombination mit Vollfäden vorteilhafterweise
zu einer einheitlichen textilen Fläche verarbeiten.
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Die
vorliegende Erfindung geht von einer Gewebekonstruktion aus, bei
der
- – der Garntiter der Hohlfilamente
mit zunehmendem Lumen-%-Satz geringer wird,
- – der Garndurchmesser, die Faden- und die Gewebedichte
gleich bleiben,
- – die Wandungen der Ringflächen der Hohlfilamente
mit zunehmenden Lumen-%-Satz dünner werden und
- – die Formel: Lumen-%-Reduzierung = Gewichtsreduzierung
gilt.
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Definition „Lumen-%-Satz”:
Der Lumenprozentsatz gibt den Anteil des Lumens eines Hohlfilaments
im Verhältnis zum Gesamtquerschnitt des Hohlfilaments an.
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Während
demnach bei aus dem Stand der Technik bekannten Geweben eine (negative)
Zunahme der Versteifung der Hohlfilamente bei zunehmendem Hohlflächenan teil
bekannt ist, ist bei dem erfindungsgemäßen Konstruktionsprinzip
mit zunehmenden Lumen eine dünnere Ringflächenwandung
zu verzeichnen, was erfreulicherweise die Biegesteifigkeit der Hohlfilamente
nicht erhöht.
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Mit
der dünneren Ringflächenwandung wird das Einbinden
der Fäden gleichen Durchmessers wie bei Vollfilamenten
erfolgen. Bei hochdichten Geweben werden die an sich runden Hohlfilamente
an den Abbindepunkten die jeweilige Umlenkung durch ovales Abknicken
bilden, wodurch vorteilhafterweise der Widerstand gegen den Kammauszug
größer wird (mehr Reibungswiderstand).
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Beispielsweise
können erfindungsgemäß Hohlfilamente
in einer Fadenfolge (Kette und/oder Schuss) von Voll- zu Hohlfilamenten,
z. B. 1 Faden Vollfilament und 1 Faden Hohlfilament verwebt werden.
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Beim
Einsatz des erfindungsgemäßen Gewebes kann man
vorteilhafterweise auch einen Hohlfaden als Stickschuss (siehe deutsches
Patent
DE 101 15 890
B2 ) in thermisch besonders belasteten Zonen eines in einem
Stück gewebten Airbags (sog. One-Piece-Woven, OPW) verwenden.
Dies ist deshalb nur mit dem erfindungsgemäßen
Gewebe möglich, da aufgrund des gleichen Durchmessers aller
Fäden ein untragbarer Dick-Dünn-Effekt mit unebener
Gewebe- oder OPW-Oberfläche vermieden werden kann.
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In
einer vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist das Gewebe dadurch
gekennzeichnet, dass die Hohlfilamentgarne einen geringeren Titer
als Vollfilamentgarne gleichen Durchmessers und gleichen Polymers haben,
welches viele im Folgenden noch diskutierte Vorteile aufweist. So
sind die Steifigkeit, die Gewebedicke und die Gewebedichte konstant.
Dies vereinfacht die Herstellung von gleichmäßigen
Geweben (siehe oben). Auch die Kammausziehkraft (Maß für
die Nahtfestigkeit) ist höher als bei bis auf Vollfilamente
vergleichbaren Geweben.
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In
einer weiteren vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist das Gewebe
dadurch gekennzeichnet, dass es Vollfilamentgarne gleichen Durchmessers
und gleichen Polymers aufweist, und dass die Hohlfilamentgarne an
vordefinierten Stellen eines Webrapports in Kette und/oder Schuss
angeordnet sind und in gegenüber Leinwand L1/1 höherbindiger
Webkonstruktion und mit höherer Fadendichte als bei einer
L1/1 Webkonstruktion eingebunden sind. Dies erlaubt vorteilhafterweise
die technologisch und designtechnisch gezielte Anordnung von Hohlfasergarnen
in z. B. thermisch kritischen Bereichen eines Gewebes oder OPW.
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In
einer weiteren vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist das Gewebe
dadurch gekennzeichnet, dass es Vollfilamentgarne gleichen Durchmessers
und gleichen Polymers aufweist, und dass die Hohlfäden als
Stickschuss in thermisch besonders belasteten Zonen eines in einem
Stück gewebten Airbags (sog. One-Piece-Woven, d. h. OPW)
angeordnet sind und in gegenüber Leinwand L1/1 höherbindiger
Webkonstruktion und mit höherer Fadendichte als bei einer
L1/1 Webkonstruktion eingebunden sind.
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In
einer weiteren vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist das Gewebe
dadurch gekennzeichnet, dass der Hohlflächenanteil der
Hohlfasergarne im Bereich von größer/gleich 20%
beträgt. Dieser Hohlflächenanteil hat sich in
Versuchen als besonders günstig herausgestellt.
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In
einer weiteren vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist das Gewebe
dadurch gekennzeichnet, dass die Gewebedichte nach Prof. Walz [DG%]
größer als 100% ist. Die sich dadurch ergebende
Festigkeit des Gewebes ist in einem als Sicherheitsbauteil verwendeten
Airbag von besonderem Vorteil.
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In
einer weiteren vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist das Gewebe
dadurch gekennzeichnet, dass die Gewebedichte nach Prof. Walz [DG%]
größer als 105% ist.
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In
einer weiteren vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist das Gewebe
dadurch gekennzeichnet, dass das Gewicht des Gewebes bei Einsatz
von Hohlfilamenten im Vergleich zu Vollfilamenten im Umfang des Lumenprozenzsatzes
geringer ist. Dieses gegenüber dem aus dem Stand der Technik
bekannten Gewebevarianten geringere Gewicht erlaubt eine besonders
vorteilhaft verbesserte Massenbeschleunigung während des hochdynamischen
Aufblasprozesses des Airbags.
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In
einer weiteren vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist das Gewebe
dadurch gekennzeichnet, dass der zur Ermittlung der Gewebedichte
nach Prof. Walz relevante Effektiv-Titer um den ausgelösten Schrumpf über
dem Ausgangstiter liegt.
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In
einer weiteren vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist das Gewebe
dadurch gekennzeichnet, Hohlfäden als Stickschuss in thermisch
besonders belasteten Zonen eines in einem Stück gewebten
Airbags (sog. One-Piece-Woven, OPW) einzutragen.
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In
einer weiteren vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist das Gewebe
dadurch gekennzeichnet, dass das Polymermaterial Polyester ist und
a) der Garndurchmesser (d), b) die Fadendichte je cm, c) die Gewebedichte
DG, berechnet nach Prof. Walz, d) die Gewebedicke und e) das Gewebegewicht
dem eines Gewebes aus Polyamid 6.6-Vollfilamenten entsprechen.
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Das
erfindungsgemäße Gewebe kann also vorteilhafterweise
auch mit Polyestergarnen mit Hohlfilamenten hergestellt werden,
wobei das höhere spezifische Gewicht des Polyesters gegenüber
dem heute regelmäßig eingesetzten Werkstoff Polyamid
aufgrund der erfindungsgemäß erreichbaren Gewichtsreduzierung von
etwa 21% durch ein entsprechend gewähltes Lumen der Hohlfasern
ausgeglichen wird.
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In
einer weiteren vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist das Gewebe
dadurch gekennzeichnet, dass es eine Fadendichte hat, die gleich
oder höher ist als bei Einsatz von Vollfilamenten gleichen
Durchmessers und gleicher Webkonstruktion.
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in
einer weiteren vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist das Gewebe
dadurch gekennzeichnet, dass es eine Gewebedicke hat, die gleich
oder größer ist als bei Einsatz von Vollfilamentgarnen
gleichen Durchmessers und gleicher Webkonstruktion.
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Zur
Klarstellung wird festgestellt, dass mit dem erfindungsgemäßen
Gewebe auch ein in einem Stück gewebter Airbag (sog. One-Piece-Woven,
OPW) gemeint ist. Es kann ein Airbag also aus einem erfindungsgemäßen
Flachgewebe mit Hohlfasern gleicher Dicke, in Fadenfolge Kette und/oder
Schuss mit Vollfasern oder in OPW-Technologie hergestellt werden.
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Der
Titer eines Garnes ist definiert durch das Gewicht von 10.000 m
Fadenlänge in Gramm (dtex). Demzufolge errechnet sich der
Titer aus der Grundfläche – bei Hohlfilamenten
nur aus der Ringfläche um den Hohlraum herum – der
Fadenmasse, multipliziert mit dem spezifischen Gewicht und der Länge
von 10.000 m.
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Der
Fadendurchmesser d von Hohlfäden wird aus der Gesamtgrundfläche
F
Ring plus F
Lumen nach
folgender Formel errechnet:
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Aus
F
Ring wird unter Berücksichtigung
des Lumenprozentsatzes [Lumen-%] die Gesamtfläche F
ges in mm
2 berechnet.
Der Fadendurchmesser d errechnet sich in Anlehnung an die Formel
nach Prof. Walz zur Berechnung der Gewebedichte wie folgt:
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Zur
hier verwendeten Terminologie verschiedener Begriffe soll folgende
Erklärung dienen: Hohlfasergarne sind Hohlfäden
oder Synthese-Filamentgarne mit Filamenten, welche innen hohl sind,
mit einem Hohlflächenanteil, bezogen auf die Gesamtquerschnittsfläche
der Filamente.
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Die
Gewebedichte [DG] nach Prof. Walz ist definiert in "Die
Gewebedichte I" und "Die Gewebedichte II" in
der Veröffentlichung "Textilpraxis" von
1947, Seiten 330 bis 366, Robert Kohlhammer-Verlag, Stuttgart, Deutschland.
Die Errechnung der Gewebedichte DG setzt die Bestimmung der Garnfeinheiten,
der Einstellungen und die Kenntnis der Dichte des eingesetzten Faserstoffs
voraus. Die Berechnung der Gewebedichte DG% nach Prof. Walz:
Gewebedichte:
DG% = (dk + ds)2·fk·fs
Hierbei gilt: dk/ds = Substanzdurchmesser des Kett- bzw. Schussgarnes
in mm;
fk/fs =
Anzahl Kettfäden bzw. Schussfäden pro cm;
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Die
Substanzdurchmesser der Garne aus Vollfilamenten werden wie folgt
berechnet:
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{Die
obige Formel gilt nur für Leinwandbindungen (Gewebedichte
I). Liegen andere, von der Leinwandbindung verschiedene, höherbindige
Bindungen – also Bindungen oder Webkonstruktionen höher
als Leinwand L1/1 – vor, so sind die errechneten Gewebedichten
mit bestimmten Faktoren zu multiplizieren (z. B. Köper
2:1 = 0,70, Köper 2:2 = 0,56, Köper 3:1 = 0,56,
Köper 4:4 = 0,38, Satin 1:4 = 0,49, Panama 2:2 = 0,56), man
erhält so die Gewebedichte II.}
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Interpretation
der Berechnung der Gewebedichte nach der Formel von Prof. Walz:
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1. Effektiv-Titer:
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Der
Effektiv-Titer errechnet sich beim Vollfaden aus der Kreisfläche
und beim Hohlfaden aus der Ringfläche.
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2. Fadendurchmesser:
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Der
Fadendurchmesser (d) ist relevant für die Berechnung der
Gewebedichte und ergibt sich im Falle von Hohlfilamenten aus der
Gesamtquerschnittsfläche (Ringfläche + Hohlfläche).
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3. Zusammenhang von Fadendicke, Fadendichte
und Bindung:
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Der
Flächenbedarf je Bindungspunkt (bei L1/1) ergibt sich in
mm2 aus (dk + ds)2. Der Quotient
aus 100 mm2: (dk +
ds)2 entspricht
der max. möglichen Anzahl von Bindungspunkten je cm2 = 100%. Das Produkt aus fk × fs entspricht der je cm2 erreichten
Anzahl von Bindungspunkten.
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Die
folgenden Ausführungen werden zur Veranschaulichung durch
die 1 bis 4 gestützt.
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1 zeigt
schematisch einen Ausschnitt einer Webpatrone.
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2 zeigt
schematisch ein Beispiel einer homogenen Polymerplatte.
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3 zeigt
schematisch ein Beispiel einer „Sandwich-Platte”.
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4 zeigt
schematisch die Einbindung von Hohlfilamenten in Kett- und Schussrichtung.
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1 zeigt
schematisch einen Ausschnitt einer Webpatrone für die Bindung
L1/1 und das zugehörige Schnittbild in Kett- und Schussrichtung
gesehen.
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Die
Formel zur Berechnung der Gewebedichte (DG%) nach Prof. Walz leitet
sich demnach ab aus:
(dK + dS)2×fK×fS = DG%
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Als
Fadendurchmesser (d) kommt der geometrisch korrekte Wert in [mm]
in Ansatz, d. h. der Substanzdurchmesser bei Vollfilamenten und
der Gesamtdurchmesser aus Ring- und Hohlfläche (Fges) bei Hohlfilamenten.
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Die
EP 0 616 061 B1 lehrt,
dass schon bei einem Hohlflächenanteil von 20% eine Erhöhung
des Wärmewiderstandes von ca. 175% eintritt. Diese Aussage
basiert auf folgendem Rechenmodell: Die angenommene Fläche
von 1 m
2 mit einem Gewicht von 210 g/m
2 wird dividiert durch das spezifische Gewicht
in q/m
3. Das Ergebnis (
2)
ist die Dicke dv einer homogenen Polymerplatte von 1 m
2,
in dem aufgeführten Beispiel, von 0,18 mm bei PA 6.6.
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2 zeigt
ein Beispiel einer homogenen Polymerplatte von 1 m2 Fläche.
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Die
so ermittelte Wanddicke wird dividiert durch die Wärmeleitzahl
(λ), um im Ergebnis den Wärmewiderstand Rw [K/W]
der Vollfäche zu erhalten. Der Wärmewiderstand
(Rw) der Hohlflächen wird nach dem gleichen Prinzip, z.
B. bei 20% Lumen mit zwei unterschiedlichen Medien verrechnet.
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3 zeigt
ein Beispiel einer „Sandwich-Platte” von 1 m2, bei der die das Lumen L von der „Dicke” 0.036
mm einschließenden „Außenwände” A
eine Dicke dh von 0,09 mm haben.
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Aus
der Summe von Rw der Wandung + Rw der Hohlfläche ergibt
sich der um ca. 175% höhere Wärmewiderstand gegenüber
der Vollfläche. Wenn man den Wärmewiderstand eines
Vollfilaments dem eines Hohlfilaments mit 20% Lumen – berechnet mit
den gleichen Parametern – gegenüberstellt, dann
ergibt sich eine relative Erhöhung von Rw um > 300% im Garnkörper.
In beiden Modellen ist der Wärmedurchgang senkrecht, bzw.
radial zur Wandungsfläche angenommen.
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Das
Modell der
EP 0 616
061 B1 geht von einer geschlossenen Polymerplatte aus,
wobei die Konstruktionsmerkmale einer textilen Fläche (Bindung,
Ondulation) jedoch nicht berücksichtigt werden.
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Das
Modell gemäß der vorliegenden Erfindung basiert
dagegen auf dem geometrisch richtigen Aufbau des Garnkörpers,
erfasst jedoch nur den Wärmedurchgang in radialer Richtung.
Unter Berücksichtigung der Gewebekonstruktion (Einbindung
der Garnkörper, Bindungsart, DG-%) ist die Richtung der
Wärmebeaufschlagung bezogen auf den Garnkörper
unterschiedlich, d. h. radial bis axial. Darüber hinaus
muss bedacht werden, dass bei radialer Wärmebeaufschlagung
der Wärmewiderstand in der Ringfläche geringer
ist als im Lumen und demzufolge die Richtung der Wärmebeaufschlagung
nicht geradlinig verläuft.
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4 zeigt
die Einbindung von in Abschnitten dargestellten Hohlfilamenten K
und S in Kett- und Schussrichtung schematisch im Schnitt dargestellt
als Leinwandbindung (L1/1). Bei einer senkrecht zur textilen Fläche
in Richtung von Pfeil V erfolgenden Wärmebeaufschlagung
erfolgt der Wärmedurchgang dem Fadenverlauf entsprechend
unterschiedlich.
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Dies
führt zu folgendem vorteilhaften Ergebnis: Wenn in einer
textilen Fläche – oder in OPWs – sowohl Vollfilamente
als auch Hohlfilamente verarbeitet werden, dann sind an thermisch
belasteten Flächen die Hohlfilamente vorzugsweise auch
in höherbindigen Webkonstruktionen, z. B. Panama in ggf.
höherer Webdichte bzw. Fadendichte einzutragen (Gewebedichte
II).
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Um
zu zeigen wie die Erfindung ausgeführt werden kann wird
diese im Folgenden anhand von Ausführungsbeispielen kurz
erläutert.
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Es folgen Ausführungsbeispiele
I und II
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In
der vorhergehenden Tabelle A wird ein Vergleich eines Standard-Artikels
(nur Vollfasern) mit zwei Ausführungsbeispielen I und II
(nur Hohlfasern) des erfindungsgemäßen Gewebes
dargestellt. Die Substitution von Vollfilamenten durch Hohlfilamente
gleichen Polymers in einer gleichbleibend dichten textilen Fläche
führt bei gleichem Fadendurchmesser (d) zu einem geringeren
Titer und einem um den Lumenprozentsatz geringeren Gewebegewicht.
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Das
hochdichte Gewebe „Standard-Artikel” (Stand der
Technik) besteht aus Polyamid 6.6 (PA 6.6)-Vollfilamenten und soll
in gleicher Gewebedichte durch eine Flächenkonstruktion
wenigstens teilweise aus PA 6.6-Hohlfilamenten substituiert werden.
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Die
Dichtigkeit des Gewebes wird wegen der LD im Zusammenhang mit unbeschichtetem
Einsatz und hoher Nahtfestigkeit (Kammausziehkraft) benötigt.
Hinsichtlich Festigkeit und Gewicht ist das Gewebe gemäß Standard-Artikel „over-engineered”.
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Ausführungsbeispiel
I
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Das
Ausführungsbeispiel I geht von einem vorhandenen PA 6.6-Garn
in Titer dtex 380/72 mit 20% Lumen aus. Unter Berücksichtigung
der spezifischen Schrumpfwerte – der ausgelöste
Schrumpf steht in einem definierten Verhältnis zum Nenn-Schrumpf
(Heißluftschrumpf des Garnes) und ist abhängig
vom Ausrüstverfahren – wird über die
vorgegebene Gewebedichte von 106,4% nach Prof. Walz auf der Grundlage
des Fadendurchmessers im Fertiggewebe (nach Schrumpf) die entsprechende
Fadendichte der Fertigware (22 × 22 Fd/cm) festgelegt.
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Das
Quadratmeter-Gewicht, berechnet aus Fadendichten, Einarbeitung und
Effektiv-Titer (nach Schrumpf), ist um den Prozentsatz des Lumens
(Lumen-%-satz) geringer, und die Höchstzugkräfte
in N/5 cm reduzieren sich entsprechend.
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Das
Gewebe hat aufgrund seiner Dichte die erforderliche Nahtfestigkeit
(Kammausziehkraft).
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Ausführungsbeispiel
II
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Beim
Ausführungsbeispiel II wird ein Gewebe aus PA 6.6-Hohlfilamenten
mit exakt den gleichen Parametern (DG-%, Fadendurchmesser, Fadendichte)
des Fertiggewebes gemäß „Standard-Artikel” hergestellt. Ausgehend
von dem dazu erforderlichen Effektiv-Titer und unter Berücksichtigung
des Schrumpfwertes (ausgelöster Schrumpf) wird retrograd
der Nenn-Titer als Ausgangswert für das erforderliche Garn
ermittelt.
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Die
Reduktion des Quadratmetergewichts entspricht dem Lumen-Prozentsatz,
und die Höchstzugkräfte in Kett- und Schussrichtung
reduzieren sich aufgrund der unterschiedlichen Fadendichten in Kett-
und Schussrichtung um den gleichen Prozentsatz zu annähernd
gleichen absoluten Werten. Im Blick auf eine biaxiale Zugbelastung
des Gewebes ist diese Gleichwertigkeit von Vorteil. Mit dem Ausführungsbeispiel
II ist die Substitution des sog. Standardgewebes unter verbesserten
technischen Einsatzbedingungen (nicht mehr „over engineered”,
leichter) durch ein Hohl-Filament-Gewebe möglich.
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Ausführungsbeispiel III
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Im
Folgenden wird in Tabelle B noch ein weiteres Ausführungsbeispiel
III erläutert, wobei der bekannte „Standardartikel
aus PA 6.6 unter Einsatz von Polyester-Hohlfilamenten mit gleichen
Fertiggewebe-Parametern nachgestellt wird. Die Vorgehensweise entspricht
dem Ausführungsbeispiel II. Damit lässt sich auch
der Nachweis führen, dass der Werkstoff Polyester, da kostengünstiger,
für Airbaggewebe zum Einsatz kommen kann.
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Das
Gewebe (Standard-Artikel) in dichter Konstruktion aus PA 6.6, dtex
470, 22 × 21 mit DG = 106,4% in L1/1 soll mit gleicher
Dichte und gleicher Fadendicke (Fadendurchmesser) unter Einsatz
eines entsprechenden PES-Hohlfilament-Fadens hergestellt werden.
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Die
Substitution von Vollfilamenten durch Hohlfilamente eines anderen
Polymers in einer gleichbleibend dichten textilen Fläche
führt bei gleichem Fadendurchmesser (d) und einem Lumenprozentsatz,
welcher dem Prozentsatz aus der Differenz des spezifischen Gewichts
beider Polymere entspricht, zu gleichem Titer und gleichem Gewebegewicht.
Siehe Tabelle B. Tabelle B
| Bezeichnung/Dimension | PA-Gewebe
Standardartikel | Gewebe
aus PES-Hohlfilament |
| Ausgangs-Titer
effektiv in dtex | 474/72 | 477 |
| Lumen-% | - | 20 |
| F
Ring [mm2] | - | 0,034582 |
| F
Lumen [mm2] | - | 0,008645 |
| F
Gesamt [mm2] | 0,04158 | 0,043227 |
| D
[mm] | 0,2304 | 0,2349 |
| Kettfaden
[/dm] | 224,8 | 224,8 |
| Schussfaden
[/dm] | 209,2 | 209,2 |
| Einarbeitung-%
[Kette/Schuss] | 11/7 | 2,9/4,8 |
| Gewebegewicht
[g/m2] | 239 | 222 |
| Fadenlänge
in [m/m2] | 4.733 | 4.505,6 |
| Effektiv-Titer
[dtex] | 505 | 492 |
| F
Ring [mm2] | - | 0,03565 |
| F
Lumen [mm2] | - | 0,008645 |
| F
Gesamt [mm2] | 0,044295 | 0,044895 |
| D'
[mm] | 0,2378 | 0,2378 |
| Ausgelöster
Schrumpf [%] | 6,14 | 3
(0,97) |
| DG-% | 106,4 | 106,4 |
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Der
Einsatz des PES-Hohlfilaments mit 20% Lumen (Hohlraum in der Faser)
ermöglicht die Herstellung eines Gewebes gleicher Dichte
und dies trotz des höheren spezifischen Gewichts (+21%)
in der gleichen Gewichtsklasse.
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Unter
Berücksichtigung unterschiedlicher Garn- und Schrumpfwerte
und Einarbeitungsverhältnisse gilt die Formel: Gewichtreduktion
= Lumen-%.
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Der
Einsatz von Hohlfilamenten gleichen Durchmessers in textile Flächen
aus Vollfilamenten (Mischverbau) ergeben bei gleicher Bindungskonstruktion
(z. B. Leinwand L1/1) gleiche Gewebedicke bei gleichzeitiger Gewichtsreduzierung.
In thermisch besonders belasteten Zonen kann die Fadendichte für
Hohlfilamente durch höherbindige Konstruktion bei gleichbleibender
Gewebedicke (DG II) entsprechend erhöht werden.
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Beispiele:
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- a) Flachgewebe mit 1 Faden Voll- und 1 Faden
Hohlfilament im Wechsel in Kett- und Schussrichtung. Das Gewebe
wird leichter bei gleicher übriger Struktur.
- b) Flachgewebe mit vordefinierten Stellen mit Hohlfilamenteintrag
in höherbindiger Webkonstruktion dient dem verbesserten
Wärmewiderstand. Eintrag in Kette und/oder Schuss.
- c) Verwendung von Hohlfilamenten als Stickschuss in OPW – evtl.
in höherbindiger Webkonstruktion – zum Zweck der
Verbesserung des Wärmewiderstandes.
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
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-
Zitierte Patentliteratur
-
- - EP 0616061
B1 [0002, 0003, 0003, 0004, 0005, 0006, 0049, 0054]
- - DE 10115890 B2 [0015]
-
Zitierte Nicht-Patentliteratur
-
- - [DG] nach
Prof. Walz ist definiert in ”Die Gewebedichte I” und ”Die
Gewebedichte II” in der Veröffentlichung ”Textilpraxis” von
1947, Seiten 330 bis 366, Robert Kohlhammer-Verlag, Stuttgart, Deutschland [0034]