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Stand der Technik
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Die
Erfindung geht aus von einem Verfahren zur Aktivierung und/oder
Ansteuerung von mindestens einem Schutzsystem zur Beeinflussung
einer Fahrzeugzeugbewegung nach der Gattung des unabhängigen
Patentanspruchs 1, von einer korrespondierenden Auswerte- und Steuereinheit
zur Durchführung des Verfahrens zur Aktivierung und/oder
Ansteuerung von mindestens einem Schutzsystem zur Beeinflussung
einer Fahrzeugzeugbewegung nach der Gattung des unabhängigen
Patentanspruchs 7 und von einem Insassenschutzsystem mit einer solchen
Auswerte- und Steuereinheit nach der Gattung des unabhängigen
Patentanspruchs 10.
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Aktive
und passive Insassenschutzsysteme spielen bei der Fortentwicklung
von Fahrzeugen eine immer größer werdende Rolle.
Um eine optimale Schutzwirkung erzielen zu können, ist
eine sehr frühe Unfallerkennung erforderlich. Grundlage
für eine solche Unfallerkennung und die Aktivierung der
Insassenschutzsysteme bilden Sensorsysteme, die einen oder mehrere
Sensoren umfassen, die beispielsweise zu einer oder mehren Sensoreinheiten
zusammengefasst sind und deren Signale zur Erkennung eines Aufpralls
mit einem Objekt und/oder zur Erkennung eines Überschlags
des Fahrzeugs ausgewertet werden, um anschließend Insassenschutzmittel
zu aktivieren, welche als irreversible Rückhaltesysteme, wie
z. B. Airbags oder pyrotechnische Gurtstraffer, und/oder reversible
Rückhaltesysteme, wie z. B. elektromotorische Gurtstraffer,
ausgeführt sein können. Für die einzelnen
Sensoren können die verschiedensten Sensorprinzipien, wie
beispielsweise Beschleunigungs-, Druck-, Körperschallsensoren,
piezoelektrische und/oder optische Sensoren usw. benutzt werden.
Zudem sind voraus schauende Sensorsysteme, so genannte Precrashsensorsysteme,
bekannt, die beispielsweise Video- oder Radarsensoren aufweisen,
um einen bevorstehenden Kontakt mit einem Objekt zu erkennen und
eine Objektklassifikation durchzuführen.
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Außerdem
ist es bekannt durch eine Secondary-Collision-Mitigation-Funktion
(SCM-Funktion) im Falle einer erfolgten Primärkollision
eine Bremsfunktion zu aktivieren, um Bewegungsenergie aus dem Fahrzeug
zu nehmen bzw. um eine Sekundärkollision zu vermeiden.
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So
wird beispielsweise in der Offenlegungsschrift
DE 10 2005 013 448 A1 eine
Sicherheitsvorrichtung für Kraftfahrzeuge beschrieben.
Die beschriebene Sicherheitsvorrichtung weist ein Sensorsystem zur
Erfassung des Verkehrsumfelds, eine Prädiktionseinrichtung
zur Erkennung einer Kollisionsgefahr und ein Aktuatorsystem zur
Auslösung einer Reaktion in Abhängigkeit von der
Kollisionsgefahr auf. Eine Selbstkontrolleinrichtung ist dazu ausgebildet,
eine Vorhersage der Prädiktionseinrichtung mit dem tatsächlichen
Geschehen zu vergleichen und in Abhängigkeit von einer
festgestellten Diskrepanz zumindest eine Teildeaktivierung des Aktuatorsystems
zu veranlassen. Das Sensorsystem umfasst einen oder mehre Sensoren
zur Ortung von Objekten im Umfeld des Fahrzeugs, beispielsweise
Radarsensoren, Lidar-Sensoren, Videosensoren usw. Das Aktuatorsystem
kann beispielsweise Warnsignalgeber und/oder Mittel zum Eingreifen
in das Bremssystem, das Antriebssystem und/oder das Lenksystem aufweisen,
um eine Kollision zu vermeiden oder wenn dies nicht mehr möglich
sein sollte, zumindest die Kollisionsfolgen zu mildern.
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Offenbarung der Erfindung
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Das
erfindungsgemäße Verfahren zur Aktivierung und/oder
Ansteuerung von mindestens einem Schutzsystem in einem Fahrzeug
mit den Merkmalen des unabhängigen Patentanspruchs 1 hat demgegenüber
den Vorteil, dass die Funktionalität einer Umfeldinformationserfassung überprüft
wird, wobei unter Berücksichtigung des Überprüfungsergebnisses
Umfeldinformationen erfasst und zur Bestimmung einer aktuellen Unfallsituation
ausgewertet werden, und wobei eine vorgegebene Bremskraft einer
nach einem erkannten Primäraufprall aktivierten Bremsfunktion
an die ermittelte aktuelle Unfallsituation angepasst wird.
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Die
erfindungsgemäße Auswerte- und Steuereinheit zur
Aktivierung und/oder Ansteuerung von mindestens einem Schutzsystem
zur Beeinflussung einer Fahrzeugzeugbewegung mit den Merkmalen des
unabhängigen Patentanspruchs 7 hat demgegenüber
den Vorteil, dass die Auswerte- und Steuereinheit über
mindestens eine Schnittstelle die Funktionalität einer
Umfeldsensorik überprüft, welche Umfeldinformationen
erfasst, wobei die Auswerte- und Steuereinheit unter Berücksichtigung
des Überprüfungsergebnisses die Umfeldinformationen,
welche die Umfeldsensorik der Auswerte- und Steuereinheit über
die mindestens eine Schnittstelle zur Verfügung stellt,
zur Bestimmung einer aktuellen Unfallsituation auswertet, und wobei
die Auswerte- und Steuereinheit die vorgegebene Bremskraft der ausgeführten Bremsfunktion
des mindestens einen Schutzsystems über mindestens eine
Schnittstelle an die ermittelte aktuelle Unfallsituation anpasst.
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Die
erfindungsgemäße Auswerte- und Steuereinheit zur
Aktivierung und/oder Ansteuerung von mindestens einem Schutzsystem
zur Beeinflussung einer Fahrzeugzeugbewegung kann beispielsweise in
einem Insassenschutzsystem mit einer Umfeldsensorik mit den Merkmalen
des unabhängigen Patentanspruchs 10 eingesetzt werden.
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Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung ermöglichen durch eine Vernetzung
der Umfeldsensorik mit der Auswerte- und Steuereinheit zur Aktivierung
von Schutzsystemen eine adaptive und situationsangepasste Steuerung
bzw. Regelung der Bremsfunktion, um den Anhaltevorgang des verunfallten
Fahrzeug zu optimieren. Daher wird anstatt einer vorgegebenen konstanten
Bremskraft eine an die Situation angepasste Bremskraft aktiviert.
Während des automatischen Bremsvorgangs nach der Primärkollision
ist es auch möglich, den Bremsdruck adaptiv an sich ändernde
Bedingungen anzupassen. Durch die Überprüfung
der Funktionalität der Umfeldsensorik kann in vorteilhafter
Weise festgestellt werden, auf welche Informationen noch Verlass
ist, und welche Sensoren durch die Primärkollision beschädigt
sind. Diese Überprüfung läuft dann während
des angepassten Bremsvorgangs kontinuierlich im Hintergrund mit.
Sobald ein Sensor ausfällt, wird dessen Information verworfen
und es können entsprechende Rückfallebenen aktiviert
werden, die jeweils eine andere Bremskraft vorgeben. Sind alle Umfeldsensoren unbrauchbar,
so bleibt die vorgegebene Bremskraft als letzte Rückfallebene
erhalten und wird nicht verändert.
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Durch
die in den abhängigen Ansprüchen aufgeführten
Maßnahmen und Weiterbildungen sind vorteilhafte Verbesserungen
des im unabhängigen Patentanspruch 1 angegebenen Verfahrens
zur Aktivierung und/oder Ansteuerung von mindestens einem Schutzsystem
zur Beeinflussung einer Fahrzeugzeugbewegung sowie der im unabhängigen
Patentanspruch 7 angegebenen Auswerte- und Steuereinheit zur Aktivierung
und/oder Ansteuerung von mindestens einem Schutzsystem zur Beeinflussung einer
Fahrzeugzeugbewegung und des im unabhängigen Patentanspruch
10 angegebenen Insassenschutzsystems möglich.
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Besonders
vorteilhaft ist, dass die Umfeldinformationen zur Erfassung und
Klassifikation von Objekten ausgewertet werden. So kann beispielsweise ein
Annäherungsgeschwindigkeit und ein aktueller Abstand eines
der Objekte vor und hinter dem Fahrzeug ermittelt werden. Der Überwachungsbereich sollte
im Front- und Heckbereich sehr breit, idealerweise mit 360° angelegt
werden, um möglichst alle Objekte im Fahrzeugumfeld erkennen
zu können. Ist dies nicht möglich, so können
Information von seitlichen Umfeldsensoren zusätzlich mit
in die Auswertung einbezogen werden. So kann die vorgegebene Bremskraft
der ausgeführten Bremsfunktion beispielsweise unverändert
aufrechterhalten werden, wenn bei der Auswertung der Umfeldinformationen kein
anderes Objekt im Fahrzeugumfeld erkannt wird. Zudem kann die vorgegebene
Bremskraft der ausgeführten Bremsfunktion verringert werden,
wenn bei der Auswertung der Umfeldinformationen mindestens ein Objekt,
das sich von hinten an das Fahrzeug annähert, und kein
Objekt im nahen Vorfeld des Fahrzeugs erkannt werden. Durch die
automatische Verringerung der Bremsverzögerung kann auch
das Risiko verringert werden, dass ein Objekt des nachfolgenden
Verkehrs auf das automatische abgebremste Fahrzeug auffährt.
Des Weiteren kann die vorgegebene Bremskraft der ausgeführten
Bremsfunktion erhöht werden, wenn bei der Auswertung der Umfeldinformationen
mindestens ein Objekt im nahen Vorfeld des Fahrzeugs erkannt wird.
Durch die automatische Erhöhung der Bremsverzögerung
kann das Risiko einer Sekundärkollision mit den erkannten Objekten
im Vorfeld verringert werden. Außerdem kann die vorgegebene
Bremskraft der ausgeführten Bremsfunktion auch erhöht
werden, wenn bei der Auswertung der Umfeldinformationen mindestens
ein Objekt erkannt wird, dass sich von einer Seite an das Fahrzeug
annähert. Auch hier kann durch die automatische Erhöhung
der Bremsverzögerung das Risiko einer weiteren Kollision
verringert werden.
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In
Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Auswerte-
und Steuereinheit zur Aktivierung und/oder Ansteuerung von mindestens
einem Schutzsystem zur Beeinflussung einer Fahrzeugzeugbewegung
nach einem erkannten Primäraufprall, wertet die Auswerte-
und Steuereinheit die von der Umfeldsensorik erfassten Umfeldinformationen zur
Erfassung und Klassifikation von Objekten aus.
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Die
Auswerte- und Steuereinheit ist zur Beeinflussung der Bremskraft über
mindestens eine Schnittstelle beispielsweise mit einem ESP-System und/oder
einem Bremssystem vernetzt. Zusätzlich erhält
die Auswerte- und Steuereinheit über mindestens eine Schnittstelle
Informationen von verschiedenen Umfeldsensoren aus dem Fahrzeug
bzw. von einem zentralen Umfelddatenserver, mit dem die Auswerte-
und Steuereinheit ebenfalls vernetzt sein kann. Der zentrale Umfelddatenserver
ist beispielsweise so ausgeführt, dass alle im Fahrzeug über
die Umfeldsensorik erfassten oder über eine Kommunikationsverbindung
von anderen Quellen, wie beispielsweise anderen Fahrzeugen, empfangenen
Informationen bzw. Daten, welche das Umfeld des Fahrzeugs betreffen,
gesammelt und zum Abruf durch die Auswerte- und Steuereinheit über
mindestens eine Schnittstelle bereitgestellt werden. Nachdem die
Umfeldinformationen in der Auswerte- und Steuereinheit angekommen
sind, werden diese in einem Situations-Erfassungs-Algorithmus verarbeitet, welcher
die aktuelle Unfallsituation des Umfelds ermittelt. In Abhängigkeit
dieser aktuellen Unfallsituation werden die Bremsfunktionen über
mindestens eine Schnittstelle adaptiv und situationsgerecht angesteuert.
Die Situationsüberwachung läuft parallel zur Sensorüberwachung
kontinuierlich mit, damit der Bremsverlauf bei einer sich plötzlich ändernden
Situation ebenfalls an diese neue Situation angepasst werden kann.
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In
weiterer Ausgestaltung erhält die erfindungsgemäße
Auswerte- und Steuereinheit die vorgegebene Bremskraft der ausgeführten
Bremsfunktion unverändert aufrecht, wenn bei der Auswertung der
Umfeldinformationen kein anderes Objekt erkannt wird. Die Auswerte-
und Steuereinheit verringert die vorgegebene Bremskraft der ausgeführten Bremsfunktion,
wenn bei der Auswertung der Umfeldinformationen mindestens ein Objekt,
das sich von hinten an das Fahrzeug annähert, und kein
Objekt im nahen Vorfeld des Fahrzeugs erkannt werden. Des Weiteren
erhöht die Auswerte- und Steuereinheit die vorgegebene
Bremskraft der ausgeführten Bremsfunktion, wenn bei der
Auswertung der Umfeldinformati onen mindestens ein Objekt im nahen Vorfeld
des Fahrzeugs und/oder mindestens ein sich von einer Seite an das
Fahrzeug annäherndes Objekt erkannt werden.
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In
Ausgestaltung des Insassenschutzsystems umfasst die Umfeldsensorik
beispielsweise eine Radarsensoreinheit und/oder eine Lidarsensoreinheit
und/oder eine Videosensoreinheit und/oder Ultraschallsensoreinheit.
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Ausführungsbeispiele
der Erfindung sind in den Zeichnungen dargestellt und werden in
der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.
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Kurze Beschreibung der Zeichnungen
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1 zeigt
ein schematisches Blockdiagramm eines Ausführungsbeispiels
eines erfindungsgemäßen Insassenschutzsystems
mit einer Auswerte- und Steuereinheit zur Aktivierung und/oder Ansteuerung
von mindestens einem Schutzsystem zur Beeinflussung einer Fahrzeugzeugbewegung.
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2 zeigt
eine schematische Darstellung einer ersten Beispielsituation nach
einer erkannten Primärkollision.
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3 zeigt
eine schematische Darstellung einer zweiten Beispielsituation nach
einer erkannten Primärkollision.
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4 zeigt
eine schematische Darstellung einer dritten Beispielsituation nach
einer erkannten Primärkollision.
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5 zeigt
eine schematische Darstellung einer vierten Beispielsituation nach
einer erkannten Primärkollision.
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6 zeigt
ein schematisches Flussdiagramm eines Ausführungsbeispiels
eines erfindungsgemäßen Verfahrens zur Aktivierung
und/oder Ansteuerung von mindestens einem Schutzsystem zur Beeinflussung
einer Fahrzeugzeugbewegung.
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Ausführungsformen der Erfindung
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Wie
aus 1 ersichtlich ist, umfasst das dargestellte Ausführungsbeispiel
eines Insassenschutzsystems in einem Fahrzeug 1 eine Auswerte- und
Steuereinheit 10, eine Umfeldsensorik 20 mit einer
Radarsensoreinheit 22, einer Lidarsensoreinheit 24,
einer Videosensoreinheit 26 und einer Ultraschallsensoreinheit 28,
eine Crashsensorik 30, die Sensoren zur Aufprallerkennung
umfasst, eine Drehratensensorik 40, die Sensoren zur Erfassung der
Fahrzeugbewegung umfasst, ein erstes Schutzsystem 50 in
Form von Personenschutzmitteln, wie Airbags, Gurtstraffer usw.,
und weitere Schutzsysteme zur Beeinflussung einer Fahrzeugzeugbewegung in
Form eines ESP-Systems 62, eines Bremssystems 64 und
von Fahrerassistenzsystemen, von denen beispielhaft ein ACC-System
(Adaptive Cruise Control System) 66 dargestellt ist. Wie
aus 1 weiter ersichtlich ist, kommuniziert die Auswerte-
und Steuereinheit 10 mit den weiteren Schutzsystemen 62, 64, 66 über
eine erste Schnittstelle 10.1, mit der Umfeldsensorik 20 über
eine zweite Schnittstelle 10.2, mit der Crashsensorik 30 und
mit der Drehratensensorik 40 über eine dritte
Schnittstelle 10.3 sowie mit dem ersten Schutzsystem 50 über
eine vierte Schnittstelle 10.4.
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Im
dargestellten Ausführungsbeispiel wertet die Auswerte-
und Steuereinheit 10 zur Erkennung eines Primäraufpralls
zumindest die Signale der Crashsensorik 30 aus und ermittelt
bei der Auswertung der Signale die Crashart und die Crashschwere. Alternativ
kann für diese Aufgaben eine weitere nicht dargestellte
Auswerte- und Steuereinheit verwendet werden. In Abhängigkeit
von der ermittelten Crashart und der ermittelten Crashschwere des
Primäraufpralls aktiviert die Auswerte- und Steuereinheit 10 entsprechende
Personenschutzmittel des ersten Schutzsystems 50. Zudem
aktiviert die Auswerte- und Steuereinheit 10 nach einem
erkannten Primäraufprall über entsprechende Steuersignale
mindestens eine Bremsfunktion innerhalb des ESP-Systems 62 und/oder
des Bremssystems 64 mit einer vorgegebenen Bremskraft.
Des Weiteren überprüft die Auswerte- und Steuereinheit 10 nach
dem Primäraufprall die Funktionalität der Umfeldsensorik 20,
welche die Umfeldinformationen erfasst, die von der Auswerte- und
Steuereinheit 10 zu Ermittlung der Unfallsituation ausgewertet
werden. Hierbei führt die Auswerte- und Steuereinheit 10 die
Bestimmung der aktuellen Unfallsituation unter Berücksichtigung
des Überprüfungsergebnisses durch, und verwirft
Informationen bzw. Daten, die von als defekt bzw. beschädigt
erkannten Sensoren zur Verfügung gestellt werden. Durch
die Überprüfung der Funktionalität der Umfeldsensorik 20 kann
in vorteilhafter Weise festgestellt werden, auf welche Informationen
bzw. Daten noch Verlass ist, und welche Sensoren durch die Primärkollision
beschädigt wurden. Erfindungsgemäß passt
die Auswerte- und Steuereinheit 10 über entsprechende
Ansteuersignale die vorgegebene Bremskraft der ausgeführten
Bremsfunktion des mindestens einen Schutzsystems 62, 64 an
die ermittelte aktuelle Unfallsituation an. Diese Überprüfung
der Umfeldsensorik 20 läuft dann während
des angepassten Bremsvorgangs kontinuierlich im Hintergrund mit.
Sobald ein Sensor ausfällt, wird dessen Information verworfen
und es können entsprechende Rückfallebenen aktiviert
werden, die jeweils eine andere Bremskraft vorgeben. Sind alle Umfeldsensoren unbrauchbar,
so wird die vorgegebene Bremskraft nicht verändert. Die
Auswerte- und Steuereinheit 10 wertet die von der Umfeldsensorik 20 erfassten
Umfeldinformationen zur Erfassung und Klassifikation von Objekten 3, 5, 7 im
Fahrzeugumfeld, d. h. in einem Bereich 21 vor dem Fahrzeug 1 und
in einem Bereich 23 hinter dem Fahrzeug 1 aus.
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2 bis 5 zeigen
verschiedene Beispielsituationen des Fahrzeugs 1, in denen
Ausführungsformen der Erfindung nach einem erkannten Primäraufprall,
beispielsweise nach einer Kollision mit der Leitplanke, unterschiedlich
reagieren.
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Wie
aus 2 ersichtlich ist, befindet sich in der dargestellten
Situation weder vor noch hinter dem verunfallten Fahrzeug 1 nach
dem Primäraufprall ein Objekt, beispielsweise ein anderes
Fahrzeug. Daher erkennt die Auswerte- und Steuereinheit 10 bei
der Auswertung der Umfeldinformationen weder im Fahrzeugvorfeld 21 noch
im Bereich 23 hinter dem Fahrzeug 1 ein anderes
Objekt, und die Auswerte- und Steuereinheit 10 erhält
die vorgegebene Bremskraft der ausgeführten Bremsfunktion
unverändert aufrecht.
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Wie
aus 3 ersichtlich ist, befinden sich in der dargestellten
Situation hinter dem verunfallten Fahrzeug 1 nach dem Primäraufprall
zwei Objekte 3, beispielsweise andere Fahrzeuge. Daher
erkennt die Auswerte- und Steuereinheit 10 bei der Auswertung der
Umfeldinformationen im Fahrzeugvorfeld 21 kein anderes
Objekt. Im Bereich 23 hinter dem Fahrzeug 1 erkennt
die Auswerte- und Steuereinheit 10 jedoch die beiden anderen
Fahrzeuge 3, die sich von hinten an das Fahrzeug 1 annähern.
Daher verringert die Auswerte- und Steuereinheit 10 die vorgegebene Bremskraft
der ausgeführten Bremsfunktion, um den Bremsweg zu verlängern
und eine Auffahren der nachfolgenden Fahrzeuge 3 zu verhindern.
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Wie
aus 4 ersichtlich ist, befinden sich in der dargestellten
Situation sowohl vor als auch hinter dem verunfallten Fahrzeug 1 nach
dem Primäraufprall zwei Objekte 3, 5,
beispielsweise andere Fahrzeuge. Daher erkennt die Auswerte- und
Steuereinheit 10 bei der Auswertung der Umfeldinformationen im
Fahrzeugvorfeld 21 zwei andere Objekte 5 und im Bereich 23 hinter
dem Fahrzeug 1 ebenfalls zwei Objekte 3, die sich
von hinten an das Fahrzeug 1 annähern. Um einen
Sekundäraufprall mit den Objekten 5 im Fahrzeugvorfeld 21 zu
verhindern, erhöht die Auswerte- und Steuereinheit 10 die
vorgegebene Bremskraft der ausgeführten Bremsfunktion,
um den Bremsweg zu verkürzen und eine Auffahren auf die vorausfahrenden
Fahrzeuge 5 zu verhindern.
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Wie
aus 5 ersichtlich ist, befinden sich in der dargestellten
Situation sowohl vor als auch hinter dem verunfallten Fahrzeug 1 nach
dem Primäraufprall ein Objekt 7, 5, beispielsweise
andere Fahrzeuge, wobei sich das Fahrzeug 7 vor dem Fahrzeug 1 von
der Seite annähert. Daher erkennt die Auswerte- und Steuereinheit 10 bei
der Auswertung der Umfeldinformationen im Fahrzeugvorfeld 21 das
andere Objekt 7 und im Bereich 23 hinter dem Fahrzeug 1 das Objekt 3,
das sich von hinten an das Fahrzeug 1 annähert.
Um einen Sekundäraufprall mit dem Objekt 7 im
Fahrzeugvorfeld 21 zu verhindern, erhöht die Auswerte-
und Steuereinheit 10 die vorgegebene Bremskraft der ausgeführten
Bremsfunktion, um den Bremsweg zu verkürzen und eine Zusammenprall
mit dem sich seitlich annähernden Fahrzeug 7 zu
verhindern.
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Wie
aus 6 ersichtlich ist, erkennt das erfindungemäße
Verfahren zur Aktivierung und/oder Ansteuerung von mindestens einem
Schutzsystem 62, 64 zur Beeinflussung einer Fahrzeugzeugbewegung
in einem Schritt S10 einen Primäraufprall und aktiviert
in einem Schritt S20 eine Bremsfunktion mit einer vorgegebenen Bremskraft.
In einem Schritt S30 wird die Funktionalität der Umfeldinformationserfassung überprüft.
Anschließend werden in einem Schritt S40 unter Berücksichtigung
des Überprüfungsergebnisses die Umfeldinformationen
erfasst und in einem Schritt S50 zur Bestimmung einer aktuellen
Unfallsituation ausgewertet. In einem Schritt S60 wird die vorgegebene
Bremskraft der ausgeführten Bremsfunktion an die ermittelte
aktuelle Unfallsituation angepasst. Anschließend wird in
einem Schritt S70 überprüft, ob das Fahrzeug 1 steht
oder sich bewegt. Steht das Fahrzeug 1, dann wird das erfindungsgemäße
Verfahren beendet. Ist das Fahrzeug 1 noch in Bewegung,
dann wird zum Schritt S30 zurück gesprungen und die Schritte
S30 bis S60 werden wiederholt.
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Ausführungsformen
der Erfindung verknüpfen in vorteilhafter Weise Informationen
bzw. Daten der Umfeldsensorik mit mindestens einer Bremsfunktion,
um beispielsweise über eine Auswerte- und Steuereinheit
die Bremskraft der aktivierten Bremskraft adaptiv und situationsangepasst
zu steuern und zu optimieren. Dazu wird im Wesentlichen statt einer vorgegebenen
konstanten Bremskraft eine an die Situation angepasste Bremskraft
aktiviert. Während des automatischen Bremsvorgangs nach
der Primärkollision ist es auch möglich, den Bremsdruck
adaptiv sich ändernden Bedingungen anzupassen, wenn beispielsweise
plötzlich ein Objekt vor dem Fahrzeug auftaucht, so kann
der Bremsdruck hochgeregelt werden, um eine Kollision zu vermeiden.
Die Auswerte- und Steuereinheit wertet Informationen bzw. Daten
von verschiedenen Umfeldsensoren aus dem Fahrzeug bzw. von einem
zentralen Umfelddatenserver aus, mit welchen die Auswerte- und Steuereinheit vernetzt
ist. Aus diesen Informationen kann die Auswerte- und Steuereinheit
beispielsweise eine Annäherungsgeschwindigkeit und/oder
ein aktueller Abstand der Objekte vor und hinter dem Fahrzeug ermittelt
werden. Zudem überstimmen Ausführungsformen der
Erfindung Einstellungen von Bremsfunktionen, die von anderen Systemen,
wie beispielsweise von Fahrerassistenzsystemen vorgegeben werden.
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
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- - DE 102005013448
A1 [0004]