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Die Erfindung betrifft Einrichtungen und ein Verfahren in einer Maschine zum Transfer bildgebender Schichten von einer Trägerfolie auf Druckbogen nach dem Oberbegriff der Patentansprüche 1 und 3.
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Es ist bekannt metallische Schichten auf Druckbogen mittels eines Folientransferverfahrens herzustellen. So ist in der
EP 0 569 520 B1 ein Druckmaterial und eine Druckvorrichtung, die dieses Material verwendet, beschrieben. Dabei ist eine Bogen verarbeitende Maschine gezeigt, die einen Anleger und einen Ausleger aufweist, wobei zwischen beiden Aggregaten Druckwerke und ein Beschichtungswerk angeordnet sind. In wenigstens einem der Druckwerke wird ein Klebstoffmuster mittels des Flachdruckverfahrens aufgetragen, um ein so genanntes Kaltfolientransferverfahren auszuführen.
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Beim Transport von Druckbogen durch das Druckwerk wird jeder Druckbogen mit einem Klebstoffmuster versehen. Danach wird der Druckbogen durch das Beschichtungswerk geführt, wobei mittels der Presswalze der auf dem Gegendruckzylinder aufliegende Druckbogen mit dem Folienmaterial in Verbindung gebracht wird. Dabei geht die nach unten liegende metallische Schicht eine enge Verbindung mit den mit Klebstoff versehenen Bereichen auf dem Druckbogen ein. Nach dem Weitertransportieren des Druckbogens haftet die metallische Schicht lediglich im Bereich der mit Klebstoff versehenen Muster an. Der Trägerfolie wird also die metallische Schicht im Bereich der Klebstoffmuster entnommen. Die auf diese Weise verbrauchte Transferfolie wird wieder aufgewickelt. Der Druckbogen wird im beschichteten Zustand ausgelegt.
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Es ist bekannt derartige Beschichtungswerke beispielsweise in Druckwerken von Druckmaschinen einzusetzen. Nachteilig an den bekannten Vorrichtungen ist, dass sie oftmals nicht flexibel genug einsetzbar sind.
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Aus der
EP 1 839 903 A2 ist eine Prägebeschichtung für metallische Bedruckstoffe bekannt. Ein Beschichtungswerk zum Transfer von bildgebenden oder abdeckenden Schichten von einer Transferfolie auf einen Bedruckstoff wird zur Herstellung komplexer Bedruckstoffe aus Folienmaterial eingesetzt. Dabei können Ink-Jet-Systeme der Folienapplikation zur Personalisierung oder für eine Vorbeschichtung zugeordnet sein.
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Aus der
EP 1 736 324 A2 ist ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Herstellen eines beliebigen Musters aus einer metallischen oder metallisierten Schicht auf einem Substrat bekannt. Zum Herstellen eines beliebigen Musters auf einem Substrat wird ein digitales Druckverfahren verwendet. Ein digitaler Datensatz beschreibt das zu druckende Muster. Mit dem digitalen Druckverfahren wird ein aktivierbarer Haftvermittler bereichsweise und passerhaltig mit dem herzustellenden Muster auf die Oberfläche des Substrats digital gedruckt. Der Haftvermittler wird nach dem Kontakt mit der Folie aktiviert, um ein Verkleben der metallischen oder metallisierten Schicht mit der Oberfläche des Substrats im Bereich des herzustellenden Musters zu erreichen.
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In
EP 1 700 692 A2 wird ein Produktionsverfahren für eine Prägeeinrichtung in einer Bogendruckmaschine und eine Vorrichtung zu dessen Durchführung offenbart. Die Erzeugung von Druckbogen in einem Beschichtungsmodul zum Transfer von bildgebenden Schichten von einer Transferfolie auf einen Bedruckstoff soll flexibler gestaltet werden. Hierzu werden in einer Bogen verarbeitenden Maschine mit dem Beschichtungsmodul verschiedene Bearbeitungseinrichtungen verbunden.
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Aufgabe der Erfindung ist es daher ein Verfahren und eine Vorrichtung vorzusehen mittels derer der Übertrag einer bildgebenden Schicht auf einen Druckbogen wirtschaftlich und sicher erfolgen kann, wobei die Vorrichtung einfach handhabbar sein soll.
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Die Lösung dieser Aufgabe ergibt sich in einem Verfahren gemäß den Merkmalen der Patentansprüche 1 bis 2 und in einer Vorrichtung gemäß den Merkmalen des Patentanspruchs 3.
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Es ist vorgesehen, eine Einrichtung für den Kleberauftrag vorzusehen, die eine variable Bilddarstellung ermöglicht. Hierzu wird wenigstens eine Inkjet-Druckeinrichtung dem Transferspalt in dem Beschichtungswerk vorgeordnet.
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Vorzugsweise wird die Einstellbarkeit für die Funktionalität und Betriebsweise des Kaltfolientransfers so angepasst, dass die Verwendung der Inkjet-Druckeinrichtung für den Kaltfolientransfer auf die Bedürfnisse der zu erstellenden Sujets beim Folientransfer abgestimmt wird.
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Die Vorrichtung ist in vorteilhafter Weise dann einsetzbar, wenn eine Verbesserung der Folienausnutzung dadurch erreicht werden soll, dass die Transferfolie in eine oder mehrere Teilfolienbahnen geringerer Breite aufgeteilt wird. In Kombination mit dem vorgenannten Verfahren können so auch unterschiedliche Folienarten nebeneinander eingesetzt werden.
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Im Folgenden wird die Erfindung anhand einer Figur näher dargestellt.
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Dabei zeigt:
- 1 : eine Übersichtsdarstellung einer Druckmaschine mit einer Folientransfereinrichtung.
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In 1 ist eine Bogen verarbeitende Maschine gezeigt, die aus wenigstens zwei Druck- bzw. Applikationswerken 1, 2 sowie ggf. weiteren Druck- und Applikationswerken 10 und einem Anleger 20 mit einem Anlegetisch 21 und einem Ausleger 22 besteht. Die beiden Druck- bzw. Applikationswerke 1, 2 werden für folgende Zwecke eingesetzt:
- Ein Druckbogen wird im ersten Druck- bzw. Applikationswerk 1 mit einem bildgebenden Klebstoffmuster versehen (Bezeichnung jetzt Auftragwerk 1).
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Danach wird im folgenden Druck- bzw. Applikationswerk gemeinsam mit einem Druckbogen eine Transferfolie 5 durch einen Transferspalt 6 geführt, wobei die Transferfolie 5 im Transferspalt 6 gegen den Druckbogen gepresst wird (Bezeichnung jetzt Beschichtungswerk 2).
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Das Auftragwerk 1 kann ein bekanntes Offsetdruckwerk mit einem Farbwerk einem Plattenzylinder, einem Drucktuchzylinder und einem Bogen führenden Druckzylinder 4 sein. Ebenso kann dies ein so genanntes Lackmodul sein, in dem der Drucktuchzylinder als Formzylinder ausgebildet ist. Der Formzylinder wird mit Farbe oder Kleber von einer z.B. als Kammerrakelsystem ausgebildeten Einrichtung anstatt des Farbwerkes versorgt.
Das Beschichtungswerk 2 kann ebenfalls ein bekanntes Offsetdruckwerk sein.
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Der Transferspalt 6 im Beschichtungswerk 2 wird durch eine Presswalze 3 und einen Gegendruckzylinder 4 gebildet. Hierbei kann die Presswalze 3 dem Drucktuchzylinder und der Gegendruckzylinder 4 dem Gegendruckzylinder eines Offsetdruckwerkes entsprechen. Weiterhin kann die Presswalze 3 dem Formzylinder und der Gegendruckzylinder 4 dem Gegendruckzylinder eines Lackmodules einer Bogendruckmaschine entsprechen.
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Die Transferfolien 5 sind mehrschichtig aufgebaut. Sie weisen eine Trägerschicht auf, auf der mittels einer Trennschicht eine bildgebende Schicht aufgebracht ist. Die Trennschicht dient dem erleichterten Abheben der bildgebenden Schicht von der Trägerschicht. Die bildgebende Schicht kann z.B. eine metallisierte Schicht oder eine Glanzschicht oder eine Texturschicht oder eine eingefärbte Schicht oder eine ein oder mehrere Bildmuster enthaltende Schicht sein.
In einem Folienmodul 7 sind eine Folienvorratsrolle 8 und eine Foliensammelrolle 9 dem Beschichtungswerk 2 zugeordnet. Die Transferfolie 5 wird der Folienvorratsrolle 8 ab- und auf die Foliensammelrolle 9 aufgerollt.
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Die Transferfolie 5 wird beim Kaltfolientransfer von der dem Auftragwerk 1 zugewandten Seite des Beschichtungswerkes 2 zum Transferspalt 6 geführt, etwa tangential zur Presswalze 3 durch den Transferspalt 6 und auf der gegenüber liegenden Seite abgeführt.
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Der Transfervorgang der bildgebenden z.B. metallisierten Schicht auf den Bedruckstoff erfolgt in dem Transferspalt 6 zwischen der Presswalze 3 und dem Gegendruckzylinder 4.
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Eine verbesserte Folienausnutzung ergibt sich dadurch, dass die Transferfolie 5 im getakteten Vorschub und/oder quer zur Laufrichtung in eine oder mehrere Teilfolienbahnen geringerer Breite aufgeteilt wird.
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Die Presswalze 3 ist mit einer Pressbespannung versehen. Die Pressbespannung wird in einem Zylinderkanal an Spannvorrichtungen gehalten.
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Das den Folientransfer betreffende Verfahren wird in der beschriebenen Druck- bzw. Applikationsmaschine gemäß 1 wie folgt ausgeführt:
- In Druckmaschinen sind zur Steuerung der Abläufe so genannte Maschinensteuerungen vorgesehen. Diese Maschinensteuerungen beinhaltet alle Einstellmöglichkeiten für die Druckwerke oder Applikationswerke der Druck- oder Applikationsmaschine, die in dem Beschichtungswerk 2 und dem Auftragswerk 1 enthalten sind. Damit ist auch die Einstellung des Spaltmaßes der Oberflächen der Zylinder 3, 4 zueinander in Bezug auf den Transferspalt 6 einstellbar.
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Hierzu kann in Verbindung mit der Maschinensteuerung oder auch separat eine Steuervorrichtung vorgesehen sein, die bei Einstellung der Druckmaschine auf den Kaltfolientransfer für entsprechend Einstellungen in den Druckwerken sorgt.
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Die Maschinensteuerung der Druckmaschine sieht daher vor, dass eine besondere Einstellung für die Betriebsweise Kaltfolientransfer vorgesehen ist.
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Weitere Anwendungsmöglichkeiten des Verfahrens ergeben sich in Verbindung mit der Darstellung nach 1, die so zu interpretieren ist, dass das Druckwerk zwar als Lackmodul 10 dargestellt, funktionell aber auch als Druckwerk zu bewerten ist. Daher könnten an Stelle des gezeigten Lackmodules 10 auch ein Druckwerk oder mehrere Druckwerke eingesetzt sein.
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Die vorliegende Erfindung ermöglicht den Einsatz hochwertiger Digitaldrucksysteme, insbesondere Inkjet im Umfeld einer Bogendruckmaschine. Der Digitaldruck ermöglicht eine Vielzahl von Anwendungen und kann in Kombination mit anderen Verfahren zur Herstellung hochwertiger Druckprodukte genutzt werden.
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Als Medium kann eine Druckfarbe als Kleber verwendet werden, wodurch sich in Verbindung mit dem bekannten Verfahren des Kaltfolientransfers die Möglichkeit eröffnet, dieses hochwertige Verfahren auch in Verbindung mit irgendeiner erwünschten Individualisierung des Druckproduktes zu verwenden.
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Der Kleber wird üblicherweise über ein der Folientransfereinrichtung vor gelagertes Offsetdruckwerk übertragen. Der Kleber kann auch oder zusätzlich ggf. auch in Verbindung mit einer Viskositätsanpassung zwecks Verarbeitung in einem Inkjet-Druckkopf mittels eines solchen digital ansteuerbaren Druckkopfes aufgetragen werden. Auf diesem Wege kann der Folientransfer genutzt werden um individuell konfigurierbare Informationen aufzubringen. So kann ggf. auf das Offsetdruckwerk zum bildmäßigen Auftragen des Klebers verzichtet werden, wenn der Kleber ausschließlich mittels Inkjet-Druckköpfen aufgebracht werden soll, oder es wird eine Zusatzinformation z.B. eine Schrift oder ein Code in Kombination mit einem flächigem Kleberauftrag mittels Offsetdruckplatte aufgetragen.
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Die in 1 dargestellte Bogendruckmaschine ist wie beschrieben zum Kaltfolientransfer geeignet.
Erfindungsgemäß wird nun aber zum Aufbringen von Kleber im ersten Druckwerk oder Auftragwerk 1 am Druckzylinder 4 eine Inkjet-Druckeinrichtung 30 aus einem oder mehreren Inkjet-Druckköpfen angeordnet. Das dort auf einen Druckbogen aufgebrachte Klebersujet wird im zweiten Druckwerk oder Beschichtungswerk 2 mittels der von dem Folienmodul 7 unterhalb der Presswalze 3 auf den Druckbogen aufgelegten Transferfolie 5 mit der auf der Transferfolie 5 angebrachten Beschichtung in Verbindung gebracht, die dabei unter Pressung auf den Druckbogen transferiert wird. Mittels der Inkjet-Druckeinrichtung 30 können variable und personalisierte Klebersujets und damit auch variable Beschichtungen von der Transferfolie 5 auf den Druckbogen aufgebracht werden. Die Inkjet-Druckeinrichtung 30 kann auch in Verbindung mit dem Anlegetisch 21 oder an anderen Stellen auf dem Transportweg des Druckbogens zum Beschichtungswerk hin angeordnet sein.
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Als ebenso denkbare Varianten zur Konfiguration sind hierzu in 1 weitere Inkjet-Druckeinrichtungen 30 an dem Druckzylinder 4 des Beschichtungswerkes 2 und an der Transferfolie 5 vor deren Einlauf in den Transferspalt 6. An allen Positionen können die Inkjet-Druckeinrichtungen 30 für den Kleberauftrag in kleinen Bereichen oder auch für ganzflächige Beschichtung mit Kleber vorgesehen sein.
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Weiterhin können die Aggregate miteinander kombiniert werden, so dass der Kleber auf verschiedene Weise oder in Kombination aufgetragen werden kann. So kann in der Bauform mit einem Offsetdruckwerk als Auftragwerk 1 und einer Inkjet-Druckeinrichtung 30 am Druckzylinder 4 des Auftragwerkes 1 oder des Beschichtungswerkes 2 der Kleber auf einer Teilfläche des Druckbogens ganzflächig über das Auftragwerk 1 und in nicht beschichteten Teilbereichen mittels einer oder mehrerer Inkjet-Druckeinrichtungen 30 aufgetragen werden.
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Weiterhin kann beim Kaltfolientransfer auf einem Druckbogen in einem Teilbereich, auf den ein Folienauftrag vorgenommen werden soll, eine Grundbeschichtung in der Inkjet-Druckeinrichtung 30 am Anlegetisch 21 vorgenommen werden. Dann ist ein vollflächiger Kleberauftrag im folgenden Auftragwerk 1 an dieser vorbeschichteten Position beispielsweise besonders glatt und haftfähig. Diese Ausführung ist für minderwertige Bedruckstoffe gut geeignet.
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Die Haftkraft des Klebers kann weiterhin durch die Kombination mehrere Inkjet-Druckeinrichtungen 30 an Druckzylindern 4 oder an einem Druckzylinder 4 und an der Transferfolie 5 verstärkt oder in der Fläche variiert werden.
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Daher ist es auch sinnvoll, wenn mehrere der Inkjet-Druckeinrichtungen 30 miteinander in der Bogendruckmaschine für den Kaltfolientransfer kombiniert werden. Bei Verwendung der Transferfolie 5 in Teilfolienbahnen ist die Anordnung mehrere Inkjet-Druckeinrichtungen 30 besonders vorteilhaft, da dann auf einfache Weise unterschiedliche Beschichtungssujet erzeugbar und auch gegeneinander auswechselbar sind.
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Schließlich kann das Auftragwerk 1 auch als Inkjet-Druckeinheit ausgebildet sein, so dass dort nur digitaler Kleberauftrag möglich ist
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Für alle Inkjet-Druckeinrichtungen 30 ist vorgesehen, dass sie aus einem oder mehreren Inkjet-Druckköpfen bestehen, die in Transportrichtung gesehen parallel zueinander, in Reihe oder versetzt zueinander angeordnet sein können.
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Die Ansteuerung der Inkjet-Druckeinrichtungen 30 für das jeweils gewünschte Drucksujet, wie etwa Warensicherungsmerkmale, Personalisierungsmerkmale oder Schmuckelemente erfolgt in Verbindung mit der oben beschriebenen Maschinensteuerung. Die Auswahl der Druckkombinationen verschiedener Inkjet-Druckeinrichtungen 30 mit oder ohne Wechselwirkung mit den vorhandenen Druckwerken kann ausgehend von Vorstufendaten erfolgen.
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Eine Qualitätskontrolle kann über eine Inspektionsvorrichtung erfolgen, die etwa am Ausleger 22 oder dem letzten Druckwerk (Lackmodul 10) angeordnet ist. Dann ist es möglich Fehler bei dem Kleberauftrag über die Inkjet-Druckeinrichtungen 30 zu erkennen, diese zu warten oder aber alternative Inkjet-Druckeinrichtungen 30 zu positionieren oder zuzuschalten, die den Kleberauftrag übernehmen können.
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Bezugszeichenliste
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- 1
- Auftragwerk
- 2
- Beschichtungswerk
- 3
- Presswalze
- 4
- Gegendruckzylinder
- 5
- Transferfolie / Folienbahn
- 6
- Transferspalt
- 7
- Folienmodul
- 8
- Folienvorratsrolle
- 9
- Foliensammelrolle
- 10
- Lackmodul
- 30
- Inkjet-Druckeinrichtung