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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zum automatischen Vorausbestimmen
der Struktur endlackierter Oberflächen eines aus einem Ausgangsmaterial
wie einem Stahlfeinblechcoil herzustellenden Bauteils in Abhängigkeit
von der jeweiligen Oberflächenstruktur
des Bauteils in den einzelnen Stufen eines M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
und eines diesem nachgeordneten N-stufigen Bauteillackierprozesses.
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Die
Blechumformung gehört
nach wie vor zu den bedeutendsten Fertigungsverfahren im Automobilbau.
Hierbei erweist sich immer noch die Optimierung der mit den zur
Zeit bekannten Tiefziehprozessen herstellbaren Topographien als
schwierig, da noch nicht bekannt ist, welche geometrischen Eigenschaften
der Blechoberfläche
eine optimales Erscheinungsbild der lackierten Top-Oberfläche garantieren.
Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Appearance endlackierter
Bauteiloberflächen
und insbesondere die Oberflächenstruktur
stark von der Qualität
des verwendeten Ausgangsmaterials wie z. B. der Blechqualität beeinflusst
werden.
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Bei
angestrebten verkürzten
Lackierprozessen, bei denen im Unterschied zum Standardlackierprozess
die Prozessschritte Füllerapplikation,
Füllertrocknung
und Füllerschleifung
entfallen und die Gesamtschichtdicke des Lackes reduziert ist, wird
besonders deutlich, dass sich die Texturierung des verwendeten Stahlfeinblechs
auf das Erscheinungsbild der endlackierten Oberfläche des
aus dem Stahlfeinblech hergestellten Bauteils bemerkbar macht. Messungen
haben ergeben, dass unterschiedliche Blechqualitäten bei konstantem Lackierprozess
unterschiedliche Lackierergebnisse, besonders in der langen Welle,
liefern.
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Die
Beurteilung der geometrischen Eigenschaften von Blechoberflächen, insbesondere
durch flächige (3D)
Kenngrößen und
deren Einfluss auf das nach der Lackierung erreichbare Erscheinungsbild
(Appearance) der Bauteiloberflächen
ist gegenwärtig
noch nicht durchgehend möglich.
Auch können
die Möglichkeiten
der zur Zeit verfügbaren
Texturierungsverfahren noch nicht voll genutzt werden, da nicht
bekannt ist, welche geometrischen Eigenschaften der Topographie
z. B. das tribologische Materialverhalten beim Tiefziehprozess und somit
die tiefgezogene Blechoberfläche
beeinflussen. Andererseits stellt die vorgegebene Blechqualität beim Lackierprozess
einen wichtigen Einflussfaktor auf das Erscheinungsbild der endlackierten
Bauteiloberfläche dar.
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Das
dominierende Verfahren zur Messung der Oberflächenmikrostruktur im Maschinenbau
ist gegenwärtig
das Tastschnittverfahren, bei dem durch mechanisches Abtasten der
Oberfläche
mit einer Diamantnadel das Oberflächenprofil induktiv in ein
den Höhenänderungen
des Profils proportionales Spannungssignal umgewandelt und digital
ausgewertet wird.
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In
der DIN-Norm 4287 sind per Definition Kenngrößen zur Beschreibung der Oberflächenbeschaffenheit
wie Rauheits-, Welligkeits- und Primärprofil durch das Tastschnittverfahren
bestimmt. Die Auflösung
des Tastschnittverfahrens sowohl vertikal als auch horizontal ist
jedoch aufgrund der Tastspitzengeometrie begrenzt. Der Verschleiß und die
elastische Verformung der Tastspitze und der Oberfläche vergrößern die
Messungenauigkeit.
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Das
Tastschnittverfahren liefert das Ist-Profil der Oberfläche, das
sich wegen der nichtlinearen Filterung durch die Tastspitze (reale
Abmessung) von dem wahren Oberflächenprofil
unterscheidet. Feinste Oberflächenstrukturen
mit großen
Oberflächensteigerungen
können
dabei nicht korrekt wiedergegeben werden. Zudem reichen Kenndaten
nach dem Tastschnittverfahren DIN 4287 (Ra,
Rz, ...) erfahrungsgemäß nicht zur flächigen Beschreibung
von Blechqualitäten
aus, da Linienparameter (2D) hierzu nur bedingt verwendbar sind. Das
Tastschnittverfahren ist daher für
eine flächige
und onlinefähige
Qualitätskontrolle
von unterschiedlichen Blech- und KTL-Qualitäten nicht geeignet.
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Aus
der
DE 100 03 194
A1 ist ein Verfahren bekannt, mit dem bei der Herstellung
von Lackoberflächen während der
Produktion eines Lackaufbaus die Oberflächenrauhigkeit optisch streuender
Oberflächen,
wie Feinblechoberflächen,
für eine
Qualitätskontrolle
an allen unter der Endlackierung liegenden Oberflächen zu vermessen
ist, wobei mit einer berührungslosen
Methode die Welligkeit der Oberflächenstruktur der Feinblechoberfläche, oder
der phosphatierten Oberfläche,
oder des kathodischen Tauchlackes oder des Füllerlackes erfass wird. Aus
den erhaltenen Topographie-Profilen wird dann mit Hilfe von rechnerischen
Filterungs-Methoden der Rauhigkeitsverlauf in einem vorgegebenen
Wellenbereich berechnet, um Welligkeiten, die zum Entstehen des
Orangenschalen-Effektes führen,
während
der Produktion des Lackaufbaus an allen unter der Endlackierung
liegenden Oberflächen
zu erkennen und damit die Produktionsprozesse zu optimieren.
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Mit
dem berührungslosen
Messverfahren der Weißlichtinterferometrie,
dem Autofokussensor-Verfahren und der konfokalen Mikroskopie sind
hingegen unterschiedliche Blechqualitäten online-fähig flächig zu messen.
Die konfokale Mikroskopie ist wie die das Linein messende Autofokussensor-Verfahren
online-fähig einsetzbar.
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Mit
der Weißlichtinterferometrie
(WLI) ist eine sehr hohe vertikale Auflösung (> 10 nm) zu erreichen. Die horizontale
Auflösung
beträgt
wenige μm
und ist objektivabhängig.
Von Vorteil ist weiterhin, dass keine Wechselwirkung mit der zu
untersuchenden Oberfläche
stattfindet. Das Weißlicht
wird von oben senkrecht auf die zu prüfende Oberfläche gerichtet
und kann somit ungehindert alle Oberflächenpunkte-Hinterschnitte ausgenommen – erreichen,
womit die Erfassung höchster
Höhen und
tiefster Tiefen der flächigen
Topographiemessung möglich
ist.
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Beim
Autofokussensor-Verfahren, das z. B. auf CNC-gesteuerten optischen
Dreikoordinatenmessgeräten
zum Einsatz kommt, wird auf der Probenoberfläche ein kohärenter Laserstrahl mit Hilfe
eines Messobjektivs fokussiert. Das reflektierte Licht wird auf
einen Fokusdetektor gelenkt, der Abweichungen vom Idealfokus im
Bereich weniger nm genau registriert. Bei einer Abstandsänderung
fährt die
Probenoberfläche
aus dem Fokus heraus. Die gemessene Abweichung von Fokus wird über einen
Regelkreis an die Optikverstelleinheit weitergeleitet. Die Stellung
der Optik ist somit ein absolutes Maß für die Höhenkoordinate des Oberflächenpunktes.
Durch die Nachführung
der Fokussierlinse wird der Brennpunkt des Laserstrahls während der
Vorschubbewegung immer genau auf die zu scannende Bauteiloberfläche nachgefahren.
Das Stellsignal an der Fokussierlinse entspricht dann dem Oberflächenprofil.
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Eine
Erweiterung des Messprinzips auf Flächenmessung ist mit dem konfokalen
Mikroskop realisiert, wobei die Bauteiloberfläche punktförmig durch eine rotierende
Scheibe abgetastet wird. Alternativ kann auch mit dem Autofokussensor-Verfahren
eine flächenhafte
Messung durch parallele Linienmessungen erzeugt werden.
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Die
Auswertung der Messwerte, die mit den oben beschriebenen Verfahren
zur flächigen
Messung unterschiedlicher Blechqualitäten gewonnen werden, mittels
eines nachgeschalteten Prozeßrechners
bietet eine Vielzahl sowohl linien- als auch flächiger Kenngrößen zur
Charakterisierung und somit zur Bewertung unterschiedlicher Blechqualitäten.
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Ziel
der vorliegenden Erfindung ist daher die Verifikation der eindeutigen
Charakterisierung unterschiedlicher Bauteiloberflächen durch
Flächen-Kenngrößen, die
durch genormte Kenngrößen wie
Linienparameter nicht gelingt.
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Der
Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs
genannten Art zur automatischen Vorausbestimmung der Struktur endlackierter Überflächen eines aus
einem Ausgangsmaterial wie einem Stahlfeinblechcoil oder einem Kunststoffrohling
herzustellenden Bauteils zur Verfügung zu stellen, mit dem die
Qualität
der endlackierten Bauteiloberfläche
in jedem Stadium des Bauteilherstellungsprozesses und des nachfolgenden
Bauteillackierprozesses im Hinblick auf die vorgegebenen Sollkenngrößen der
Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche zu überwachen und in Korrelation
zu bringen ist.
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Diese
Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch
ein Verfahren zum automatischen Vorausbestimmen der Struktur endlackierter
Oberflächen
eines aus einem Ausgangsmaterial wie einem Stahlfeinblechcoil herzustellenden
Bauteils in den einzelnen Stufen eines M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
bzw. eines diesem nachgeordneten N-stufigen Bauteillackierprozesses,
wobei mittels Steuerungsschleifen des Bauteilherstellungsprozesses
und des nachgeordneten Bauteillackierprozesses folgende aufeinanderfolgend
Verfahrensschritte ausgeführt
werden:
- – in
einer Null-Stufe wird die Oberfläche
des angelieferten Stahlfeinblechcoils mittels eines flächenhaft
messenden Topographiemeßsystems
topographisch vermessen,
- – aus
den Topographiemeßdaten
werden mittels eines dem Topographiemeßsystem nachgeschalteten Prozeßrechners
die klassischen Rauheitsparameter (Ra, Rz, usw.) sowie flächenhafte
Rauheitsparameter (maximale offene Leerflächenzahl usw.) und über diese
die charakteristische Blechqualität des verwendeten Stahlfeinblechcoils
mit der Spitzenzahl Rpc usw. bestimmt,
- – die
ermittelte charakteristische Blechqualität wird von einem dem Prozeßrechner
nachgeschalteten ersten Signal-Komparator mit dem deklarierten Istwert
der charakteristischen Blechqualität des angelieferten Stahlfeinblechcoils
in der Null-Stufe verglichen,
alternativ wird in der Null-Stufe
- – durch
ein n. i. O.-Signal des ersten Signal-Komparators
entweder
der notwendigen Austausch des Stahlfeinblechcoils angezeigt und
zugleich die Einleitung der ersten Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
blockiert oder
- – durch
ein i. O.-Signal des ersten Signal-Komparators der Prozeßrechner
aktiviert zur Ermittlung von Kenngrößen aus den Topographiemessdaten
des Stahlfeinblechcoils in der Null-Stufe mittels einer vorbestimmten
Rechenfunktion, wobei die erhaltenen Kenngrößen eine Vorhersage der erreichbaren
Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche bezogen auf den deklarierten
Istwert der charakteristischen Blechqualität des in der Nullstufe angelieferten
Stahlfeinblechcoils symbolisieren,
- – diese
Vorhersage wird dann in einem dem Prozeßrechner nachgeschalteten zweiten
Signal-Komparator mit in diesem gespeicherten Sollkenngrößen der
Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche hinsichtlich einer Korrelation
verglichen, alternativ wird
- – durch
ein erstes n. i. O.-Signal des zweiten Signal-Komparators, das oberhalb
eines vorbestimmten Schwellwertes liegt, ebenfalls der notwendige
Austausch des in der Nullstufe angelieferten Stahlfeinblechcoils
angezeigt und zugleich die Einleitung der ersten Stufe des M-stufigen
Bauteilherstellungsprozesses blockiert, oder
- – entweder
durch ein i. O.-Signal des zweiten Signal-Komparators oder durch
ein zweites n. i. O.-Signal des letzteren, das maximal einem vorbestimmten
Schwellwert entspricht, unmittelbar der Start der ersten Stufe des
M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses freigegeben, in der das
Bauteil dann aus dem Stahlfeinblechcoil gewonnen wird,
wobei
beim Auftreten des zweiten n. i. O.-Signals des zweiten Signal-Komparators
zugleich eine von diesem zu mindestens einer der Stufen des M-stufigen
Bauteilherstellungsprozesses und/oder des N-stufigen Bauteillackierprozesses
geführte
Korrekturschleife aktiviert wird zur Kompensation der durch das
zweite n. i. O.-Signal des zweiten Signal-Komparators signalisierten
Fehler der Null-Stufe im Vollzug der mindestens einen nachfolgenden
Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses und/oder N-stufigen
Bauteillackierprozesses,
- – anschließend wird
die Oberfläche
des in der ersten Stufe des M-stufigen Bauteilprozesses gewonnenen Bauteils
mittels des flächenhaft
messenden Topographiemeßsystems
topographisch vermessen,
- – dann
werden aus den Topographiemeßdaten
der ersten Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses von
dem dem Topographiemeßsystems
nachgeschalteten Prozeßrechner
mittels der vorbestimmten Rechnungsfunktion Kenngrößen ermittelt,
die eine Vorhersage der erreichbaren Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche bezogen
auf die erste Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
symbolisieren,
- – die
sich ergebende Vorhersage wird dann in dem zweiten Signal-Komparator
mit den in diesem gespeicherten Sollkenngrößen der Struktur der endlackierten
Bauteiloberfläche
hinsichtlich einer Korrelation verglichen, alternativ wird
- – durch
ein drittes n. i. O.-Signal des zweiten Signal-Komparators, das
oberhalb eines vorbestimmten Schwellwertes liegt, die Unbrauchbarkeit
des in der ersten Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
gewonnenen Bauteils angezeigt und zugleich die Einleitung der zweiten
Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses blockiert, oder
- – entweder
durch ein i. O.-Signal des zweiten Signal-Komparators oder durch
ein viertes n. i. O.-Signal des letzteren, das maximal dem vorbestimmten
Schwellwert entspricht, unmittelbar der Start der zweiten Stufe des
M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses freigegeben,
wobei
beim Auftreten des vierten n. i. O.-Signals des zweiten Signal-Komparators
zugleich von diesem eine Korrekturschleife, die mindestens zu einer
der ersten Stufe nachfolgenden Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
und/oder des Bauteillackierprozesses geführt ist, aktiviert wird zur
Kompensation der durch das vierte n. i. O.-Signal des zweiten Signal-Komparators
signalisierten Fehler der ersten Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
im Vollzug der mindestens einen nachfolgenden Stufe des M-stufigen
Bauteilherstellungsprozesses und/oder des N-stufigen Bauteillackierprozesses,
- – anschließend werden
für die
zweite und jede weitere Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses sowie
für jede
Stufe des nachfolgenden N-stufigen Bauteillackierprozesses die im
Zusammenhang mit der ersten Stufe beschriebenen Verfahrensschritte
zur Ermittlung der Vorhersage der Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche mit
den entsprechenden Steuerungsschleifen durchgeführt, wobei
- – in
der letzten Stufe des N-stufigen Bauteillackierprozesses die in
dieser erreichte Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche nur
noch mit den in dem zweiten Signal- Komparator gespeicherten Sollkenngrößen der
Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche hinsichtlich Korrelation
verglichen wird.
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Vorzugsweise
erfolgt die Ermittlung der jeweiligen Kenngrößen, die die Vorhersage der
erreichbaren Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche bezogen
auf die jeweilige Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
wie des diesem nachfolgenden N-stufigen Bauteillackierprozesses
symbolisieren, mittels der vorgegebenen Rechenfunktion,
- – indem
die flächige
Messung der Topographie der Bauteiloberfläche des Stahlfeinblechcoils
in jeder Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses und des
N-stufigen Bauteillackierprozesses als L-fache Linienmessung interpretiert
wird,
- – für jede Linienmessung
das Spektrum (Amplitude als Funktion der Wellenzahl bzw. Wellenlänge) mittels Fourier-Transformation
ermittelt wird,
- – für jede einzelne
Wellenzahl eine Mittelwertbildung über die erhaltenen L-Spektren
durchgeführt
wird,
- – die
erhaltenen Mittelwerte als Funktion der Wellenzahl bzw. der Wellenlänge dargestellt
werden und somit ein Mittleres Spektrum erhalten wird und
- – aus
dem Mittleren Spektrum ein bestimmter Wellenzahlbereich/Wellenlängenbereich
ausgewählt
und das Integral über
letzteren oder der Mittelwert gebildet wird, dessen Wert die die
Vorhersage symbolisierenden Kenngrößen darstellt.
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Bevorzugt
wird als Topographiemeßsystem
ein Weißlichtinterferometer
oder ein konfokales Mikroskop verwendet.
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Das
erfindungsgemäße Verfahren
ermöglicht
in vorteilhafter Weise eine online-fähige, mit vorgegebenen Sollwerten
korrelierende Vorausbestimmung und Beeinflussung der Struktur der
zu erreichenden endlackierten Oberfläche eines z. B. aus einer Kunststoffbahn
oder einem Stahlfeinblechcoil herzustellenden Bauteils in Abhängigkeit
von der jeweiligen Oberflächenstruktur
des Bauteils in dessen einzelnen Herstellungs- und nachfolgenden
Lackierstufen.
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Die
Erfindung wird nun anhand der Zeichnungen erläutert. In diesen sind:
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1 ein
Blockschaltbild, aus dem schematisch ein Steuerungssystem zur Durchführung des
erfindungsgemäßen Verfahrens
hervorgeht, und
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2a ein
Diagramm, in dem die aus dem mittleren Spektrum sich ergebende mittlere
Amplitude über Wellenlängenbereiche
Wa: 0,1 mm bis 0,3 mm, Wb:
0,3 mm bis 1,0 mm; Wc: 1,0 mm bis 3,0 mm
und Wd: 3,0 mm bis 10,0 mm aufgetragen und
Kurven von Topographiemesswerten von sechs unterschiedlich strukturierten
Blechen mit identischer Lackierung unmittelbar auf dem Blech dargestellt
sind,
-
2b in
Vergrößerung der
Teil des Diagramms in 1 im Bereich der mittleren von
0 bis 2,0,
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3 ein
Diagramm, das dem Diagramm der 1 entspricht,
mit entsprechenden Kurven der Topographiemesswerte, jedoch bei Lackierung
einer auf das Blechbauteil aufgebrachten KTL-Beschichtung,
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4 ein
dem Diagramm, das dem Diagramm der 1 entspricht,
mit entsprechenden Kurven der Topographiemesswerte, jedoch bei Messung
auf einer auf die KTL-Beschichtung aufgebrachten Decklackbeschichtung,
und
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5 eine
schematische Darstellung des prinzipiellen Schichtaufbaus auf der
Bauteiloberfläche
unter Kennzeichnung der zur Topographiemessung jeweils verwendeten
Messgeräte.
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Aus 1 geht
ein Steuerungssystem mit Steuerungsschleifen hervor, mittels der
aufeinanderfolgende Verfahrensschritte eine Verfahrens zum automatischen
Vorausbestimmen der Struktur endlackierter Oberflächen eines
aus einem Ausgangsmaterial wie z. B. einem Stahlfeinblechcoil herzustellenden
Bauteils in Abhängigkeit
von der jeweiligen Oberflächenstruktur
des Bauteils auszuführen
sind, und zwar in einer Stufe 0 der Anlieferung des Ausgangsmaterials,
in den einzelnen Stufen 1 bis M eines M-stufigen eines Bauteilherstellungsprozesses
und in den einzelnen Stufen 1 bis N eines anschließenden N-stufigen
Bauteillackierprozesses.
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Die
Oberfläche
des in der Null-Stufe angelieferten Stahlfeinblechcoils wird in
dieser mittels eines flächenhaft
messenden Topographiemesssystems T topographisch vermessen. Dann
werden die Topographiemesswerte W einem dem Topographiemesssystem
T nachgeschalteten Prozessrechner P eingegeben, von dem aus den
Topographiemesswerten W die klassischen Rauheitsparameter Ra, Rz
usw. sowie flächenhaften Rauheitsparameter
R wie die maximale offene Leerflächenzahl
usw. und über
diese die charakteristische Blechqualität Qe des
angelieferten Stahlfeinblechcoils mit der Spitzenzahl Rpc usw. bestimmt
werden.
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Die
vom Prozessrechner P ermittelte charakteristische Blechqualität Qe wird einem diesem nachgeschalteten ersten
Signal-Komparator SK1 eingegeben, in dem
der deklarierte Istwert der charakteristischen Blechqualität QIst des in der Stufe 0 angelieferten Stahlfeinblechs
gespeichert worden ist. Vom ersten Signal-Komparator SK wird dann
die vom Prozessrechner P ermittelte charakteristische Blechqualität Qe mit dem gespeicherten deklarierten Istwert
der charakteristischen Blechqualität QIst des
in der Stufe 0 angelieferten Stahlfeinblechcoils verglichen.
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Ergibt
sich durch diesen Vergleich am Ausgangs des ersten Signal-Komparators
SK ein n. i. O.-Signal, so wird damit der notwendige Austausch des
Stahlfeinblechcoils in der Stufe 0 angezeigt. Zugleich wird schaltungsmäßig die
Einleitung der Stufe 1 des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
blockiert und somit die Erzeugung eines möglichen Materialausschusses
verhindert.
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Tritt
hingegen am Ausgang des ersten Signal-Komparators SK1 ein
i. O.-Signal auf, so wird schaltungsmässig der Prozessrechner P aktiviert,
um aus den Topographiemesswerten W des Stahlfeinblechcoils in der
Stufe 0 mittels einer vorgegebenen Berechnungsfunktion A neue Kenngrößen K zu
ermitteln, wobei die erhaltenen Kenngrößen K eine Vorhersage V der
erreichbaren Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche bezogen
auf den deklarierten Istwert der charakteristischen Blechqualität QIst des in der Stufe 0 angelieferten Stahlfeinblechcoils
symbolisieren.
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Die
sich ergebende Vorhersage V wird dann vom Prozessrechner P einem
zweiten Signal-Komparator SK2 zugeführt, in
dem die Sollkenngrößen S der
Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche gespeichert sind. Im zweiten
Signal-Komparator SK2 wird hierauf die erhaltene
Vorhersage V mit den gespeicherten Sollkenngrößen S der Struktur der endlackierten
Bauteiloberfläche
auf Korrelation verglichen.
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Wird
durch den Vergleich am Ausgang der zweiten Signal-Komparators SK2 ein erstes n. i. O1.-Signal erhalten,
das oberhalb eines vorbestimmten Schwellwertes liegt, so wird ebenfalls
der notwendige Austausch des in der Stufe 0 angelieferten Stahlfeinblechcoils
angezeigt und zugleich schaltungsmäßig die Einleitung der Stufe
1 des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses blockiert und die
Erzeugung eines möglichen
Materialausschusses abermals verhindert.
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Ergibt
sich hingegen durch den Vergleich am Ausgang des zweiten Signal-Komparators SK2 ein i. O-Signal oder ein zweites n. i.
O2.-Signal, das maximal dem vorbestimmten
Schwellwert entspricht, so wird schaltungsmäßig unmittelbar der Start der
Stufe 1 des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses freigegeben und
das Bauteil dann in der Stufe 1 aus dem angelieferten Stahlfeinblechcoil
hergestellt.
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Für den Fall,
dass am Ausgang des zweiten Signal-Komparators SK2 das
zweite n. i. O2.-Signal auftritt, wird zugleich
schaltungsmäßig eine
vom zweiten Signal-Komparator
SK2 zu mindestens einer der Stufen des M-stufigen
Bauteilherstellungsprozesses und/oder des N-stufigen Bauteillackierprozesses
geführte
Korrekturschleife KS aktiviert. Über
diese aktivierte Korrekturschleife KS werden die durch das zweite
n. i. O2.-Signal des zweiten Signal-Komparators
SK2 signalisierten Fehler der Stufe 0 bei
der Ausführung
der mindestens einen nachfolgenden Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
und/oder N-stufigen Bauteillackierprozesses kompensiert.
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Im
Anschluss an die Herstellung des Bauteils aus dem Stahlfeinblechcoil
in der Stufe 1 des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses wird
die Oberfläche
des Bauteils mittels des flächenhaft
messenden Topographiemesssystems T topographisch vermessen und dann
werden aus den Topographiemesswerten W1 der
Stufe 1 des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses von dem Prozessrechner
P, der dem Topographiemesssystem T nachgeschaltet ist, mittels der
vorbestimmten Berechnungsfunktion A die neuen Kenngrößen K ermittelt, die
eine Vorhersage V1 der erreichbaren Struktur
der endlackierten Bauteiloberfläche
bezogen auf die Stufe 1 des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
symbolisieren.
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Die
Ermittlung der jeweiligen Kenngrößen K, die
die Vorhersage V der erreichbaren Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche auf
die Stufe 0 wie die jeweilige Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
und des diesem nachfolgenden N-stufigen Bauteillackierprozesses
symbolisieren, erfolgt vorzugsweise, indem
- – die flächigen Messung
der Topographie der Oberfläche
des Stahlfeinblechcoils bzw. der Bauteiloberfläche in jeder Stufe des M-stufigen
Bauteilherstellungsprozesses und des N-stufigen Bauteillackierprozesses
als L-fache Linienmessung interpretiert wird,
- – für jede Linienmessung
das Spektrum (Amplitude der Wellenzahl bzw. Wellenlänge) mittels
Fourier-Transformation ermittelt wird,
- – für jede einzelne
Wellenzahl eine Mittelwertbildung über die erhaltenen L-Spektren
durchgeführt
wird,
- – die
erhaltenen Mittelwerte als Funktion der Wellenzahl bzw. der Wellenlänge dargestellt
werden und somit ein Mittleres Spektrum erhalten wird und
- – aus
dem Mittleren Spektrum ein bestimmter Wellenzahlbereich/Wellenlängenbereich
ausgewählt
und das Integral über
letzteren oder der Mittelwert gebildet wird, dessen Wert die die
Vorhersage V symbolisierenden Kenngrößen K darstellt.
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Die
sich ergebende Vorhersage V1 der erreichbaren
Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche bezogen auf die Stufe 1
des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses wird dann in dem zweiten
Signal-Komparator SK2 mit den in diesem
gespeicherten Sollkenngrößen S der
Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche hinsichtlich einer Korrelation
verglichen.
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Ergibt
sich bei dem Vergleich am Ausgang des zweiten Signal-Komparators
SK2 ein drittes n. i. O3.-Signal,
das oberhalb eines vorbestimmten Schwellwertes liegt, so wird hierdurch
die Unbrauchbarkeit des in der Stufe 1 des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
gewonnenen Bauteils angezeigt und zugleich schaltungsmäßig die
Einleitung der Stufe 2 des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
blockiert.
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Tritt
jedoch am Ausgang des zweiten Signal-Komparators SK2 ein
i. O.-Signal oder ein viertes n. i. O4.-Signal
auf, das maximal dem vorbestimmten Schwellwert entspricht, so wird
schaltungsmäßig unmittelbar der
Start der Stufe 2 des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses freigegeben.
Hierbei wird beim Auftreten des vierten n. i. O4.-Signals
am Ausgang des zweiten Signal-Komparators SK2 zugleich
von diesem die Korrekturschleife KS, die mindestens zu einer der
Stufe 1 nachfolgenden Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
und/oder des Bauteillackierprozesses geführt ist, aktiviert, um die
durch das vierte i. n. O4.-Signal des zweiten
Signal-Komparators SK2 signalisierten Fehler
der Stufe 1 des Bauteilherstellungsprozesses bei der Ausführung der
mindestens einen nachfolgenden Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses und/oder
des N-stufigen Bauteillackierprozesses zu kompensieren.
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Anschließend werden
für die
Stufe 2 und jede weitere Stufe des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
sowie für
jede Stufe des nachfolgenden N-stufigen Bauteillackierprozesses
die im Zusammenhang mit der Stufe 1 beschriebenen Verfahrensschritte
zur Ermittlung der Vorhersage V der Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche mit
den entsprechenden Steuerungsschleifen durchgeführt. Hierbei wird in der letzten
Stufe NL des N-stufigen Bauteillackierprozesses
die in dieser erreichte Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche nur noch
mit den in dem zweiten Signal-Komparator SK2 gespeicherten
Sollkenngrößen S der
Struktur der endlackierten Bauteiloberfläche hinsichtlich einer Korrelation
verglichen.
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Aus
den Diagrammen der 2a, 2b, 3 und 4 gehen
mit den wave-scan vergleichbare, aus Mittleren Spektren ermittelte
Größen hervor,
die auf Messungen auf unterschiedlich strukturierten Blechen mit
identischer Lackierung basieren In den Diagrammen sind die mittleren
Amplituden über
Wellenlängenbereichen
aufgetragen.
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Wie
der in 5 schematisch dargestellte prinzipielle Schichtaufbau
zeigt, wurden zur Charakterisierung der unterschiedlichen Blechqualitäten Q vor
und nach der kathodischen Tauchlackierung (KTL-Beschichtung) folgende
Topographiemessgeräte
eingesetzt:
- – Flächig messendes oder parallel
linienförmig
messendes Topographiemessystem H
-
Die
Lackierqualität
nach der Decklackierung (Farbschicht(en) + Klarlack) wurde beurteilt
mittels:
- – wave-scan-Messgerät I (Messstrecke
10 cm) und
- – Glanz/Haze-Messgerät GH
-
Mit
dem wave-scan-Messgerät
I können
je nach Wellenlänge
folgende Messgrößen ermittelt
werden:
| – Dullness
(du) | Wellenlänge | < 0,1 mm |
| – Wa | Wellenlänge | 0,1
mm–0,3
mm |
| – Wb | Wellenlänge | 0,3
mm–1,0
mm |
| – Wc | Wellenlänge | 1,0
mm–3,0
mm |
| – Wd | Wellenlänge | 3,0
mm–10
mm |
| – We | Wellenlänge | 10
mm–30
mm |
| – Shortwave
(SW) | Wellenlänge | 0,3
mm–1,2
mm |
| – Longwave
(LW) | Wellenlänge | 1,2
mm–12
mm |
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In
jedem der Diagramme der
2a,
2b,
3 und
4 sind
die Messwerte, die auf sechs unterschiedlich strukturierten Blechen
ermittelt worden sind, wie folgt bezogen auf die Blechtextur T
1 bis T
6 gekennzeichnet
und jeweils zu einem Kurvenzug verbunden:
| Kreuzsymbol: | Textur
T1 |
| Kreissymbol: | Textur
T2 |
| Quadratsymbol: | Textur
T3 |
| Rautensymbol: | Textur
T4 |
| Dreieckssymbol: | Textur
T5 |
| Sternsymbol: | Textur
T6 |
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- 0
- Stufe
der Anlieferung des Ausgangsmaterials (z. B. Stahlfeinblechccoil)
- 1H–MH
- Stufen
des M-stufigen Bauteilherstellungsprozesses
- 1L–NL
- Stufen
des N-stufigen Bauteillackierprozesses
- T
- Topographiemesssystem
- W
- Topographiemesswerte
- P
- Prozessrechner
- A
- vorgegebene
Berechnungsfunktion
- R
- klassische
und flächenhafte
Rauheitsparameter
- Qe
- ermittelte
charakteristische Blechqualität
- QIst
- deklarierter
Ist-Wert der charakteristischen Blechqualität
- SK1
- erster
Signal-Komparator
- SK2
- zweiter
Signal-Komparator
- K
- Kenngrößen
- V
- Vorhersage
- S
- Sollkenngrößen
- KS
- Korrekturschleife
- H
- flächig messendes
oder parallel linienförmig
messendes Topographiemessystem
- I
- wave-scan-Messgerät
- GH
- Glanz/Haze-Messgerät
- T1 bis T6
- Blechtexturen