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Die
vorliegende Erfindung betrifft eine metallhaltige Zusammensetzung,
ein Verfahren zur Herstellung von elektrischen Kontaktstrukturen
auf elektronischen Bauteilen sowie ein mit einer derartigen Kontaktierung
versehenes elektronisches Bauteil.
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Silicium-Solarzellen
besitzen üblicherweise sowohl auf der Vorderseite als auch
auf der Rückseite metallische Kontakte. Gerade die Kontakte
auf der Vorderseite haben mehrere Aufgaben zu erfüllen
und stellen daher hohe Ansprüche an das Kontaktierungsverfahren
und auch an das Kontaktmaterialsystem. Die Vorderseitenkontakte,
müssen sowohl
- • den elektrischen
Kontakt zum Halbleiter herstellen, dafür sorgen, dass der
Strom möglichst ver lustfrei abtransportiert werden kann,
- • eine hinreichend gute mechanische Haftung aufweisen,
- • als auch ihrerseits wiederum kontaktierbar sein, z.
B. für Zellverbinder, bei der Verschaltung zu einem Modul.
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All
diese Aufgaben in einem Materialsystem zu vereinen, bedeutet Kompromisse
einzugehen und entweder auf einen guten elektrischen Kontakt zu Gunsten
der Leitfähigkeit zu verzichten oder Einbußen
bei der elektrischen Leitfähigkeit zu akzeptieren um einen
guten elektrischen Metall-Halbleiterübergang zu bekommen.
Die Kontakte auf der Vorderseite werden im Zuge der Optimierung
der Solarzelle hinsichtlich einer verbesserten Effizienz immer schmäler.
Dies hat zur Folge, dass die Abschattung minimiert wird, dies wiederum
verursacht einen größeren Strom, welcher, um ihn
verlustarm aus der Zelle zu transportieren, eine hohe Leitfähigkeit
in den Kontaktfingern erfordert. Die derzeit zur Verfügung stehenden
Materialsysteme können zwar mit der entsprechenden Technik
in dünnen Leiterbahnen auf die Solarzelle gedruckt werden,
was eine geringe Abschattung der Zelle bedeutet, jedoch sind diese
hinsichtlich des elektrischen Kontaktwiderstandes und der mechanischen
Haftung nicht optimiert, so dass der Gewinn aufgrund der geringen
Abschattung durch Verluste beim Kontaktwiderstand überkompensiert
wird. Darüber hinaus ist bei einer Kontaktbreite von < 50 μm
die mechanische Haftung häufig nicht mehr gegeben. Bei
Solarzellen, die einen hochohmigen Emitter besitzen (> 70 Ohm/square) ist
eine Kontaktbildung mit den bestehenden Materialsystemen nur schwer
möglich.
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Um
das Problem zu umgehen, alle Anforderungen, wie hohe elektrische
Leitfähigkeit, guter elektrischer Kontakt, hohe mechanische
Haftung und eine gute Lötbarkeit in einem Materialsystem
bzw. in einem Druckschritt zu realisieren, gibt es die Möglichkeit
der zweistufigen Kontaktierung (
WO 2007/085448 ).
Dabei wird in einem ersten Druckschritt eine dünne Schicht,
sog. Seed Layer, aufgebracht, welche speziell für den elektrischen
Kontakt und für die mechanische Haftung verantwortlich
ist. Diese Schicht kann z. B. durch InkJet-Druck, Aerosol-Druck,
Tampondruck oder Feinlinien-Siebdruck realisiert werden. In einem
weiteren Prozessschritt wird eine Metallschicht aufgebracht, welche
darauf optimiert ist, eine sehr gute elektrische Leitfähigkeit zu
besitzen und ihrerseits gut kontaktierbar zu sein.
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Der
eigentliche Kontakt wird, nachdem die Tinte/Paste aufgebracht wurde,
in einem Temperaturschritt, dem Kontaktfeuern, ausgebildet. Dabei schmilzt
bei einer Temperatur von etwa 500°C die Glasfritte auf
und benetzt die Antireflexschicht, bei Temperaturen um 750°C
durchdringt die Glasschmelze, in der bei dieser Temperatur auch
Silber gelöst ist, die Antireflexschicht und dringt weiter
in das Silicium vor, beim Abkühlen wird das gelöste
Silber aus der Schmelze ausgeschieden und kristallisiert direkt
an der Siliciumoberfläche in Form von kleinen Silberkristalliten.
Das abgekühlte Glas bildet zwischen dem Volumensilber des
Fingers und den Silberkristalliten eine isolierende Barriere, welche
an manchen Stellen dünn genug ist, so dass ein Strom aus
der Zelle in die Kontakte fließen kann.
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Diese
zweite Metallschicht kann z. B. realisiert werden durch galvanische
Verstärkung der ersten Schicht oder durch das Aufdrucken
weiterer, besonders gut leitfähiger Metallschichten auf
die erste Kontaktschicht.
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Mit
allen genannten Drucksystemen sind Linienbreiten unter 50 μm
realisierbar, ein guter elektrischer Kontakt konnte bisher jedoch
nur mit aufgedampften Metallkontakten realisiert werden. Diese Technologie
ist aus der Mikroelektronik bekannt, aber für die Anwendung
in der PV-Industrie zu kostenintensiv. Für den direkten
Druck von Metalltinten/Pasten zum Aufbringen der Seed Layer und
Kontaktierung der Solarzelle gibt es bisher keine spezielle Paste/Tinte.
Diejenigen, die verwendet werden, entsprechen von der Zusammensetzung
der einer Siebdruck-Vorderseiten-Paste. Eine solche Paste/Tinte besteht
zu ca. 60 bis 80 Gew.-% aus einem gut leitenden Metall, z. B. Silber,
zu ca. 2 bis 5 Gew.-% aus einer Glasfritte und zu 20 bis 40 Gew.-%
aus einem organischen Vehikelsystem, über das maßgeblich
die Rheologie der Tinte/Paste eingestellt wird. Die Kontakte, soweit
diese in einem einzigen Druckschritt realisiert werden, z. B. Siebdruck,
besitzen typischerweise eine Auftragshöhe von ca. 15 μm
und eine Breite von 120 μm. Das heißt, dass in
diesem Fall eine wesentlich größere Kontaktfläche
zur Verfügung steht und daher die Anforderungen an die
Kontakteigenschaften der Paste geringer sein können. Außerdem
ist bekannt, dass sich die spezifischen Kontakteigenschaften bei
reduzierter Metallschichthöhe verschlechtern.
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Zusammensetzungen
zur Herstellung von Kontakten durch Feuerung sind aus verschiedenen Literaturstellen
bekannt, z. B.
US 6,036,889 ,
US 2004/0151893 ,
US 2006/0102228 ,
US 4,153,907 sowie
US 6,814,795 . Allen bekannten
Formulierungen ist ein erhöhter Kontaktwi derstand gemein,
sobald dünne Kontaktstrukturen auf niederdotierten Emittern verwendet
werden.
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Um
eine Wirkungsgradsteigerung von Solarzellen zu erzielen, ist es
besonders wichtig, eine Kontakttinte/Paste zu entwickeln, mit der
es möglich ist, auf hochohmigen Emittern, dünne
Kontakte zu erstellen, mit einem geringen Übergangswiderstand
zwischen Metall und Halbleiter (Metallkontakt und Solarzelle).
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Somit
war es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Zusammensetzung
bereitzustellen, mit der möglichst niedrig-ohmige Übergangswiderstände zwischen
Metall und Halbleiter bei gleichzeitigen dünnen Kontakten,
die über dies eine starke mechanische Anhaftung am Substrat
aufweisen, realisierbar sind. Ebenso war es Aufgabe der vorliegenden Erfindung,
ein Verfahren zur Herstellung von elektrischen Kontaktstrukturen
auf elektronischen Bauteilen anzugeben, sowie die erfindungsgemäß herstellbaren
elektronischen Bauteile anzugeben.
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Diese
Aufgabe wird bezüglich der metallhaltigen Zusammensetzung
mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1, bezüglich des
Verfahrens zur Herstellung einer elektronischen Kontaktstruktur
mit den Merkmalen des Patentanspruchs 14 sowie bezüglich des
elektronischen Bauteils mit den Merkmalen des Patentanspruchs 18
gelöst. Die jeweiligen abhängigen Ansprüche
stellen dabei vorteilhafte Weiterbildungen dar.
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Um
den elektrischen Kontakt bei dünnen Linienbreiten (< 50 μm)
und vor allem geringen Auftragshöhen < 2 μm zu verbessern, werden
erfindungsgemäß Materialsysteme bereitgestellt,
die speziell den Übergangswiderstand vom Metall zum Halbleiter
verbessern und gleichzeitig eine hohe Haftung aufweisen. Die erfindungsgemäßen
Zusammensetzungen enthalten:
- a) in einer Menge
von 20 bis 80 Gew.-% bezogen auf 100 Gew.-% der Zusammensetzung
mindestens ein elektrisch leitfähiges Metallpulver und/oder
ein Pulver einer metallischen Legierung und/oder mindestens eine
metallorganische Verbindung des leitfähigen Metalls,
- b) mindestens ein erstes oxidisches Material, ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Gläsern, Keramiken, Metalloxiden
mit einem Schmelzpunkt unterhalb 1000°C und/oder von in
den zuvor genannten Gläsern, Keramiken und/oder Metalloxiden
enthaltenen Metallen abgeleitete metallorganischen Verbindungen
und/oder Mischungen hieraus, sowie
- c) mindestens ein zweites oxidisches Material, ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Keramiken und/oder Metalloxiden mit
einem Schmelzpunkt von mindestens 1100°C und/oder von in den
zuvor genannten Keramiken und/oder Metalloxiden enthaltenen Metallen
abgeleitete metallorganischen Verbindungen und/oder Mischungen hieraus.
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Bei
der erfindungsgemäßen Zusammensetzung handelt
es sich beispielsweise um eine Kombination aus Silber und Glas bzw.
niederschmelzendem Oxid und einem „reinen” hochschmelzenden Oxid,
somit eine Kombination aus Silber und Oxiden, wobei der Oxidanteil
vergleichsweise hoch und der Silberanteil vergleichsweise niedrig
ist. Die Quelle für Oxide und Silber können dabei
auch der Fachwelt bekannte MOD (metallorganische Dekompositions-Materialien)
sein.
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Besonders
vorteilhaft ist hierbei, dass ein Materialsystem mit einem reduzierten
Silberanteil auch eine Kostensenkung in der Herstellung bedeutet.
Darüber hinaus ist es mit der vorliegenden Erfindung erstmals
möglich, Solarzellen mit einem hochohmigen Emitter und
damit einem hohen Wirkungsgradpotential, mit schmalen, niederohmigen
Kontakten zu kontaktieren. Bisher sind Kontaktbreiten von mindestens
80 μm notwendig, um Emitter mit einem Schichtwiderstand > 100 Ohm/square niederohmig ρc < 10
mOhmcm2 zu kontaktieren. Mit der erfindungsgemäßen
Zusammensetzung können Emitter > 100 Ohm/square mit Kontakten < 20 μm
mit einem spezifischen Kontaktwiderstand ρc < 2 mOhmcm2, kontaktiert werden. Somit ist es erstmalig
möglich, Solarzellen mit einem hohen Wirkungsgradpotential, z.
B. konnten aktuell 20.3% mit einem Schichtwiderstand von 110 Ω/square
auf einer 2 × 2 cm2 Zelle erreicht
werden, kostenreduziert zu kontaktieren.
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Besonders
bevorzugte Zusammensetzungen ergeben sich, wenn zusätzlich
mindestens eine organische Komponente d), ausgewählt aus
der Gruppe bestehend aus
- aa) Lösemitteln,
bevorzugt Lösungsmittel mit einem Siedepunkt > 100°C; insbesondere
Lösungsmittel ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus Terpineol, Ethylenglykolether, Glykolether, Diethylenglykolmonobutylether,
N-Methylpyrrolidon, Ethylenglykol und/oder Mischungen hieraus,
- bb) Bindemitteln, insbesondere Ethylcellulose und/oder
- cc) Dispergiermitteln, ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus hydroxyfunktionellen Carbonsäureestern mit pigmentaffinen
Gruppen, Copolymeren mit sauren Gruppen, Alkylolammoniumsalze eines Block-Copolymeren
mit sauren Gruppen und/oder Mischungen oder Lösungen hieraus
enthalten
ist.
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Weiterhin
ist es vorteilhaft, wenn das elektrisch leitfähige Metall
gemäß Merkmal a) des Patentanspruchs 1 ausgewählt
ist aus der Gruppe bestehend aus Metallen mit einer elektrischen
Leitfähigkeit von mindestens 40·106 S/m,
bevorzugt mindestens 55·106 S/m,
insbesondere Silber ist und/oder die mindestens eine metallorganische
Verbindung des leitfähigen Metalls ausgewählt
ist aus der Gruppe bestehend aus metallorganischen Dekompositionsmaterialien
(MOD), bevorzugt aus Metallsalzen von Fettsäuren, insbesondere
Metallresinate, besonders bevorzugt aus Silberresinat, Silberneodecanoat und/oder
Silber(hexafluoroacetylacetonat)(1,5-cyclooctadien) sowie Mischungen
hieraus.
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Bevorzugt
ist das erste oxidische Material b) ausgewählt aus der
Gruppe bestehend aus Glasfritten, vorzugsweise Bleiglas- und/oder
Bismutglasfritten; Blei-II-oxid; Bismuttrioxid und/oder die von
den enthaltenen Metallen der ersten oxidischen Verbindung abgeleiteten
metallorganischen Verbindungen sind ausgewählt aus der
Gruppe bestehend aus metallorganischen Dekompositionsmaterialien
(MOD), bevorzugt aus Metallsalzen von Fettsäuren, insbesondere
Metallresinate, besonders bevorzugt aus Bismutresinat, Bismutneodecanoat,
Bismut-2-ethylhexanoat sowie Mischungen hieraus.
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Ebenso
ist es bevorzugt, wenn das zweite oxidische Material c) ausgewählt
ist aus der Gruppe bestehend aus ZnO, ZnO:Al, SnO, TiO, TiO2, MgO und/oder die von den enthaltenen Metallen
der zweiten oxidischen Verbindung abgeleiteten metallorganischen
Verbindungen ausgewählt sind ausgewählt aus der
Gruppe bestehend aus metallorganischen Dekompositionsmaterialien
(MOD), bevorzugt aus Metallsalzen von Fettsäuren, insbesondere
Metallresinate, besonders bevorzugt aus Zinkresinat und/oder Zinkneodecanoat
sowie Mischungen hieraus.
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Als
Quelle für die zuvor genannten Oxide bzw. leitfähige
Metalle können somit auch metallorganische Verbindungen
oder Metallsalze, die allgemein unter dem Fachbegriff metallo organic
decompositions (MOD) bekannt sind, dienen. Metallsalze von Fettsäuren,
auch oft als Resinate bezeichnet, wie Silber-Neodekanoat, Ag(hfa)
(COD), Bismut-2-ethylhexanoat, Bismut-Neodecanoat, Zink-Neodecanoat sind
besonders geeignet.
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Besonders
vorteilhaft ist hierbei die Kombination mit einem weiteren Resinat,
welches zu einem Metalloxid verbrennt, welches einen Schmelzpunkt über
1000°C besitzt, wie Zink-Resinate, z. B. Zink-Neodecanoate.
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Gerade
die Zugabe von Zinkoxid, als Oxidpulver oder als Zinkresinat, verstärkt
die Bildung von Silberkristalliten, die bei der Kontaktbildung auf
Solarzellen für den elektrischen Kontakt verantwortlich sind.
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Die
Kristalldichte, ein Maß für die Kontaktqualität,
ist bei der Anwesenheit von ZnO im Kontaktmaterialsystem deutlich
erhöht.
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Es
muss sich dabei explizit nicht um ein Glassystem handeln, was ein
weiterer wesentlicher Unterschied zu bisherigen Veröffentlichungen
ist. Bisher werden Oxi de immer in Form von Glas mit dem Kontaktmetall,
gemischt.
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Ebenso
ist die Möglichkeit gegeben, dass die nieder- bzw. hochschmelzenden
Oxide a) bzw. b) als Glas, d. h. als Oxidgemisch oder als jeweils
feines Oxid als Coating um ein Silberpartikel vorliegen können.
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Mischungen
von Resinaten und Pulvern sind in allen Kombinationen denkbar. Besonders
vielversprechend ist die Kombination von Silberpulver mit Resinaten
(Bismut-Resinat, Zink-Resinat), um eine Kontakttinte bzw. -paste
herzustellen.
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Bezüglich
der Mengenanteile auf je 100 Gew.-% der Zusammensetzung sind bezüglich
der Einzelkomponenten a) bis d) unabhängig voneinander
die jeweiligen im Folgenden angegebenen Bereichsangaben bevorzugt:
- • Komponente a): in einer Menge von
25 bis 75 Gew.-%, bevorzugt von 30 bis 70 Gew.-%;
- • Komponente b): in einer Menge von 0,1 bis 20 Gew.-%,
bevorzugt zwischen 1 und 10 Gew.-%, besonders bevorzugt zwischen
1,5 und 7,5 Gew.-%;
- • Komponente c): in einer Menge von 1 bis 80 Gew.-%,
bevorzugt zwischen 3 und 70 Gew.-%;
- • Komponente d): in einer Menge von 0 bis 50 Gew.-%,
bevorzugt zwischen 10 und 40 Gew.-%, besonders bevorzugt zwischen
20 und 30 Gew.-%.
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Die
erfindungsgemäße Zusammensetzung kann in verschiedenen,
einsatzbereiten Formulierungen vorliegen. Als eine bevorzugte Ausführungsform ist
die Zusammensetzung in Form einer Inkjettinte oder Aerosoltinte
ausgeführt, die sich durch eine Viskosität η < 1000 mPas, bevorzugt η < 100 mPas auszeichnet.
Ebenso ist es jedoch möglich und vorteilhaft, wenn die
Zusammensetzung in Form einer beispielsweise durch Siebdruck zu
applizierenden Paste ausgeführt ist, wobei die Paste sich
durch eine Viskosität 10 Pas < η < 300 Pas auszeichnet. Die Viskositäten
können dabei beispielsweise durch Zugabe eines geeigneten
organischen Stoffes d) nach allgemeinen, dem Fachmann bekannten
Prinzipien z. B. hinsichtlich der Wahl des Stoffes oder seiner Menge bzw.
eines Gemisches aus Stoffen variiert bzw. eingestellt und somit
für den jeweiligen Einsatzzweck abgestimmt werden.
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Unabhängig
von der Konsistenz der Zusammensetzung und unabhängig von
den eingesetzten Partikeln liegen ebenso jeweils unabhängig
voneinander das mindestens eine elektrisch leitfähige Metall
a), das mindestens eine oxidische Material b) und/oder das mindestens
eine oxidische Material c) als Partikel bzw. Pulver vor, wobei die
durchschnittlichen Partikelgrößen d50 jeweils
unabhängig voneinander zwischen 1 nm und 10 μm
liegen.
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Auch
hier muss zwischen den Drucktechniken unterschieden werden, beispielsweise
ist bei Inkjettinten ein d50 < 200 nm nötig,
bevorzugt < 100
nm, während bei Aerosolapplikationen ein d50 < 1 μm und bei
Siebdruck, besonders Feinliniensiebdruck, ein d50 < 10 μm,
besonders bevorzugt d50 < 5 μm, insbesondere geeignet
ist.
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In
einer alternativen bevorzugten Ausführungsform ist die
erfindungsgemäße Zusammensetzung frei von Partikeln.
Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Komponenten a) bis
c) lediglich die zuvor genannten MODs (metallorganische Dekompositions-Materialien)
beinhalten. Diese Ausführungsform ist insbesondere für
niedrigviskose Zusammensetzungen geeignet und bietet besondere Vorzüge,
wenn strukturell sehr feine, d. h. schmale, Kontaktstrukturen hergestellt
werden sollen.
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Selbstverständlich
ist es ebenso vorteilhaft, wenn die erfindungsgemäßen
Zusammensetzungen sowohl partikelfreie als auch partikelhaltige
Bestandteile a) bis c) in Kombination miteinander enthalten.
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Erfindungsgemäß wird
ebenso Verfahren zur Herstellung einer elektrischen Kontaktstruktur
auf einem elektronischen Bauteil angegeben, bei dem
- a) eine wie voranstehend beschriebene Zusammensetzung in einer
die herzustellende Kontaktstruktur wiedergebenden Form auf das elektronische
Bauteil appliziert wird und
- b) das mit der Zusammensetzung versehene Bauteil in einem Kontaktfeuerschritt
auf eine Temperatur zwischen 400 und 900°C erhitzt wird.
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Erfindungsgemäß ist
es somit vorgesehen, dass die Zusammensetzung bereits in einer die
endgültige Kontaktstruktur wiedergebenden Form auf dem
Bauteil appliziert wird, also beispielsweise in Form von Leiterbahnen.
Ebenso ist es jedoch möglich, dass, wenn die Anfertigung
in größeren leitfähigen Flächen
erfolgen soll, eine entsprechende flächige Applikation
der Zusammensetzung möglich ist. Dabei erfolgt die Applikation
bevorzugt bereits in den Proportionen bezüglich Länge,
Breite und Höhe in Form der später gewünschten
Dimension der Leiterstruktur. Durch die Eigenheit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung
ist ein gutes Anhaften der Zusammensetzung am Bauteil möglich,
so dass gewährleistet ist, dass möglichst schmale
und doch mechanisch sehr stabile Leiterbahnen hergestellt werden
können; ebenso ist durch die Art der Zusammensetzung gewährleistet,
dass nach dem abschließenden erhitzenden Schritt eine optimale
Verbindung der hergestellten leitfähigen Struktur mit dem
Bauteil gewährleistet ist.
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Bevorzugt
wird die erfindungsgemäße Zusammensetzung durch
Siebdruck, Aerosoldruck, Inkjetdruck, Tampondruck, Schablonendruck,
Dispensen und/oder Kombinationen hieraus appliziert.
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Vorteilhafte
Temperaturbereiche des Erhitzungsschrittes b) liegen zwischen 700
und 850°C.
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Ebenso
ist es bevorzugt, wenn eine Applikation in Form von Leiterbahnen
mit einer Breite von < 50 μm,
bevorzugt < 40 μm,
besonders bevorzugt < 35 μm
erfolgt.
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Erfindungsgemäß wird
ebenso ein elektronisches Bauteil, insbesondere Solarzelle, mit
einer elektrischen Kontaktstruktur bereitgestellt, wobei das elektronische
Bauteil eine nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
herstellbare elektrische Kontaktstruktur aufweist.
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Die
Erfindung wird anhand der nachfolgenden Ausführungen und
Beispiele sowie der beigefügten Figur näher erläutert,
ohne die Erfindung auf die im Folgenden angegebenen speziellen Parameter
zu beschränken.
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Die
erfindungsgemäß bereitgestellten Zusammensetzungen,
insbesondere Pasten/Tinten setzen sich zusammen aus
- • einem leitfähigen Metall, vor allem Silber,
- • einem Glassystem, vorzugsweise Bleiglas oder Bismutglas,
welches auch durch ein gut benetzendes Metalloxid, Bleioxid (PbO)
oder Bismutoxid (Bi2O3)
ersetzt werden kann.
- • Zusätzlich zu dem Metall und der Glasfritte/benetzendem
Oxid wird ein weiteres Metalloxid mit einem Schmelzpunkt weit oberhalb
der Kontaktfeuertemperatur von ca. 750°C eingesetzt. Als Beispiele
seien genannt: ZnO (Schmelzpunkt Smp. 1800°C), ZnO:Al (Smp.
1800°C), SnO (Smp. 1127°C), TiO2 (Smp
1830°C), MgO (Smp 2800°C), vorzugsweise ZnO, ZnO:Al.
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Die
Verwendung eines dieser Oxide oder in Kombination, verringert zwar
die elektrische Leitfähigkeit der Kontakte, jedoch verbessern
diese Oxide maßgeblich sowohl die mechanische Stabilität
als auch den elektrischen Metall-Halbleiterübergang. In Kombination
mit einem benetzenden Oxid oder Glasfritte und dem Kontaktmaterial,
Silber, ist ein solches Materialsystem als Seed Layer sehr gut geeignet.
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Der
hohe Schmelzpunkt bewirkt, dass die Oxide beim Kontaktfeuern nicht
völlig aufschmelzen, sondern als Feststoffpartikel in der
Kontaktstruktur vorliegen und dazu beitragen, dass die Schichten besser
miteinander „verzahnen”, und somit die Haftung
erhöht wird. Darüber hinaus ist es denkbar, dass die
bei dem Kontaktfeuern freiwerdenden Gase (N2, H2 aus der vorderseitigen Antireflexschicht (SiNx-Schicht) bzw. organische Verbrennungsprodukte,
H2O und CO2 aus
der gedruckten Kontakttinte) besser aus dem Kontakt entweichen können
und daher die Kontaktstruktur kompakter und weniger porös ist.
Beides wirkt sich positiv auf die mechanische Haftung und auf den
elektrischen Kon takt aus.
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Darüber
hinaus verbessert sich maßgeblich der elektrische Kontakt
vor allem beim Einsatz von ZnO oder ZnO:Al. Sowohl ZnO, erhitzt
auf über 430°C, als auch das mit Aluminium dotierte
Zinkoxid besitzen eine hohe elektrische Leitfähigkeit,
was dazu führt, dass der Strom besser durch die Glasschicht
fließen kann. Ein weiterer denkbarer Strompfad geht vom
Silberkristallit über einen leitfähigen Oxidpartikel
zum Kontaktsilber. Aufgrund der Eigenschaft, dass ZnO ein n-Typ
Halbleiter ist, ist es möglich, auch hochohmige Emitter
(> 70 Ohm/square)
mit einer Kontakttinte/Paste, die dieses Oxid enthält,
niederohmig zu kontaktieren. Die verwendeten Oxide, besonders ZnO,
fördern auch das Wachstum der Silberkristallite und damit
deren Dichte, welche für die Kontaktbildung entscheidend
sind. Somit werden erstmalig Pasten bzw. Tinten mit wesentlich besseren
Kontakteigenschaften hergestellt und auf Silicium-Solarzellen getestet.
Es konnten mit sehr dünnen Kontaktlinien (30 μm)
sehr gute elektrische Parameter auf Solarzellen mit hochohmigen
Emitter (Kontaktwiderstand, Füllfaktor und Wirkungsgrad
der Zellen) erreicht werden.
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Die
neu entwickelte Drucktinte kann als Saatschicht, z. B. im Aerosol-Druckverfahren,
InkJet-Verfahren, im Feinlinien-Siebdruckverfahren oder im Tampondruckverfahren
auf die Solarzelle aufgebracht werden.
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Je
nachdem, welches Druckverfahren eingesetzt wird, ist es notwendig,
die Rheologie der Paste/Tinte anzupassen. Bei einer Feinliniensiebdruckpaste
liegt die Viskosität bei η > 1 Pas, bei einer Aerosoltinte sollte
die Viskosität η < 1 Pas sein und bei einer InkJet-Tinte
ist es notwendig, die Viskosität auf η < 100 mPas zu reduzieren.
Da es bei diesen Kontaktpasten/Tinten in erster Linie auf einen
guten elektrischen und mechanischen Kontakt ankommt, kann der Anteil
an einem zusätzlichen Metalloxid, z. B. ZnO, stark variiert
werden und variiert in einem Bereich von 3 Gew.-% bis 70 Gew.-%.
Je höher der Metalloxidanteil, desto niederohmiger ist
der Metall-Halbleiterübergang und umso geringer ist die elektrische
Querleitfähigkeit des Kontaktes. Der Anteil an der benetzenden
Glasfritte, Bleiglasfritte oder Bismutglasfritte oder den benetzenden
Metalloxiden, PbO, Bi2O3 kann
zwischen 1 Gew.-% und 10 Gew.-% geändert werden, der Anteil
liegt bevorzugt bei 2 bis 3 Gew.-%. Im gleichen Maße wie
der Metalloxidanteil variiert, wird der Anteil an leitfähigem
Metall (Silber) verändert und bewegt sich zwischen 30 Gew.-%
und 70 Gew.-%.
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Ausführungsbeispiele:
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Beispiel 1
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Seed Layer-Tinte/Paste mit hohem Silbergehalt
und Bleiglasfritte:
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- • 60 Gew.-% Silber,
- • 2 Gew.-% Bleiglasfritte,
- • 10 Gew.-% ZnO,
- • 28 Gew.-% N-Methylpyrrolidon, Diethylenglykolmonobutylether,
Disperbyk 180/182,
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Beispiel 2
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Seed Layer-Tinte/Paste mit hohem Silbergehalt
und Bismutglasfritte:
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- • 60 Gew.-% Silber,
- • 2 Gew.-% Bismutglasfritte,
- • 10 Gew.-% ZnO,
- • 28 Gew.-% N-Methylpyrrolidon, Diethylenglykolmonobutylether,
Disperbyk 180/182,
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Beispiel 3
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Seed Layer-Tinte/Paste mit hohem Oxidanteil:
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- • 35 Gew.-% Silber,
- • 2 Gew.-% Bleiglasfritte,
- • 35 Gew.-% ZnO,
- • 28 Gew.-% N-Methylpyrrolidon, Diethylenglykolmonobutylether,
Disperbyk 180/182,
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Beispiel 4
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Seed Layer-Tinte/Paste ohne Bleiglasfritte,
dafür mit benetzendem Oxid:
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- • 60 Gew.-% Silber (Ag),
- • 5 Gew.-% Bismutoxid (Bi2O3),
- • 10 Gew.-% Zinkoxid (ZnO),
- • 28 Gew.-% N-Methylpyrrolidon, Diethylenglykolmonobutylether,
Disperbyk 180/182,
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Beispiel 5
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Seed Layer-Tinte/Paste, bei der die Oxide
als Resinate vorliegen und nur Silber in Partikelform vorhanden
ist
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- • 60 Gew.-% Silber (Ag),
- • 10 Gew.-% Zinkresinat (Zinkneodekanoate),
- • 5 Gew.-% Bismutresinat (Bismutneodekanoate),
- • 25 Gew.-% N-Methylpyrrolidon, Diethylenglykolbutylether,
Disperbyk 182, Xylol,
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Beispiel 6
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Seed Layer-Tinte/Paste – partikelfrei
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- • 40 Gew.-% Silberresinat,
- • 10 Gew.-% Zinkresinat,
- • 5 Gew.-% Bismutresinat,
- • 45 Gew.-% Xylol, NMP, Toluol.
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Durch
den Einsatz von leitfähigen, hochschmelzenden Oxiden, wie
Zinkoxid in Kombination mit einem gut benetzenden, niederschmelzenden Oxid,
wie Bismutoxid, oder einer gut benetzenden Glasfritte, wie Bleiglasfritte
oder Bismutglasfritte, ist es möglich, hochohmige Emitter
(Rsh > 70 Ohm/square)
zu kontaktieren und gleichzeitig eine gute Haftung zu erzielen.
Der Anteil an Zinkoxid kann dabei bis zu 35 Gew.-% erhöht
werden, wobei der Anteil an Silber stark reduziert wird.
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Der
Aufbau einer durch das erfindungsgemäße Verfahren
unter Verwendung der erfindungsgemäßen Zusammensetzung
herstellbare elektronische Bauteil, wie im vorliegenden Fall einer
beschichteten Solarzelle, ist in 1 dargestellt.
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In 1 ist
ein Halbleiterbauelement 1, z. B. aus Silicium, dargestellt.
An der der Metallisierung zugewandten Oberfläche sind Silberkristallite 2 angeordnet.
In diesen Bereichen der Oberfläche ist eine Glasschicht 3 abgeschieden,
die durch eine Antireflexschicht 4 in den Silberkristallit-freien
Bereichen unterbrochen ist. Auf der Oberfläche sind wei terhin leitfähige
Oxidpartikel 6 dargestellt, die sowohl in die Silberschicht 5 als
auch die Glasschicht 3 eingebettet sein können.
Abschließend ist eine leitfähige Metallschicht 7,
z. B. aus Silber oder Kupfer, aufgebracht.
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
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- - WO 2007/085448 [0004]
- - US 6036889 [0008]
- - US 2004/0151893 [0008]
- - US 2006/0102228 [0008]
- - US 4153907 [0008]
- - US 6814795 [0008]