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Die
vorliegende Erfindung betrifft eine Hörvorrichtung mit
einem Filterbank-System, das eine mehrstufige Analysefilterbank
und/oder eine mehrstufige Synthesefilterbank aufweist, um ein Eingangssignal
der Hörvorrichtung durch mehrere Filterbankkanäle
in mehrere Teilbandsignale zu zerlegen und/oder um Teilbandsignale
mehrerer Filterbankkanäle wieder zusammenzufügen.
Unter dem Begriff „Hörvorrichtung” wird
jedes im oder am Ohr tragbare, schallausgebende Gerät,
insbesondere ein Hörgerät, ein Headset, Kopfhörer
und dergleichen, verstanden.
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Hörgeräte
sind tragbare Hörvorrichtungen, die zur Versorgung von
Schwerhörenden dienen. Um den zahlreichen individuellen
Bedürfnissen entgegenzukommen, werden unterschiedliche
Bauformen von Hörgeräten wie Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO),
Hörgerät mit externem Hörer (RIC: receiver
in the canal) und In-dem-Ohr-Hörgeräte (IdO),
z. B. auch Concha-Hörgeräte oder Kanal-Hörgeräte
(ITE, CIC), bereitgestellt. Die beispielhaft aufgeführten Hörgeräte
werden am Außenohr oder im Gehörgang getragen.
Darüber hinaus stehen auf dem Markt aber auch Knochenleitungshörhilfen,
implantierbare oder vibrotaktile Hörhilfen zur Verfügung.
Dabei erfolgt die Stimulation des geschädigten Gehörs
entweder mechanisch oder elektrisch.
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Hörgeräte
besitzen prinzipiell als wesentliche Komponenten einen Eingangswandler,
einen Verstärker und einen Ausgangswandler. Der Eingangswandler
ist in der Regel ein Schallempfänger, z. B. ein Mikrofon,
und/oder ein elektromagnetischer Empfänger, z. B. eine
Induktionsspule. Der Ausgangswandler ist meist als elektroakustischer
Wandler, z. B. Miniaturlautsprecher, oder als elektromechanischer
Wandler, z. B. Knochenleitungshörer, realisiert. Der Verstärker
ist üblicherweise in eine Signalverarbeitungseinheit integriert.
Dieser prinzipielle Aufbau ist in 1 am Beispiel
eines Hinterdem-Ohr-Hörgeräts dargestellt. In
ein Hörgerätegehäuse 1 zum Tragen
hinter dem Ohr sind ein oder mehrere Mikrofone 2 zur Aufnahme
des Schalls aus der Umgebung eingebaut. Eine Signalverarbeitungseinheit 3,
die ebenfalls in das Hörgerätegehäuse 1 integriert
ist, verarbeitet die Mikrofonsignale und verstärkt sie.
Das Ausgangssignal der Signalverarbeitungseinheit 3 wird
an einen Lautsprecher bzw. Hörer 4 übertragen,
der ein akustisches Signal ausgibt. Der Schall wird gegebenenfalls über
einen Schallschlauch, der mit einer Otoplastik im Gehörgang
fixiert ist, zum Trommelfell des Geräteträgers übertragen.
Die Energieversorgung des Hörgeräts und insbesondere
die der Signalverarbeitungseinheit 3 erfolgt durch eine
ebenfalls ins Hörgerätegehäuse 1 integrierte
Batterie 5.
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Schallsignale,
die mit einem oder mehreren Mikrofonen einer Hörvorrichtung
und insbesondere eines Hörgeräts aufgenommen werden,
werden häufig mittels einer oder mehrer frequenzselektiver
digitaler Analyse-Filterbänke (AFB) in K Teilbandsignale zerlegt.
Die Teilbandsignale werden dann einer teilbandspezifischen Signalmanipulation
unterzogen. Schließlich werden die manipulierten Teilbandsignale mittels
einer digitalen Synthese-Filterbank (SFB) resynthetisiert. Dabei
erfolgt die Zerlegung und Resynthese durch eine aus mindestens zwei
kaskadierten Stufen zusammengesetzte Filterbank bzw. eine partiell
mindestens zweistufige (Analyse) Filterbank zur Zerlegung des Eingangssignals
in K Teilbandsignale mit verminderter Abtastrate. Das Filterbanksystem
ist hierbei so konzipiert, dass die zu manipulierenden K Teilbandsignale
unterschiedliche Bandbreite Bi mit i = 1,
... I aufweisen, wobei 2 ≤ I < K ist.
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Das
gesamte Filterbank-System besteht also aus einer mehrstufigen AFB
und einer mehrstufigen SFB. Bei den einzelnen Filterbänken
kann es sich jeweils um herkömmliche komplex modulierte
Filterbänke handeln.
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Die
oben skizzierte Filterbank zur Erzeugung von Teilbandsignalen unterschiedlicher
Bandbreiten Bi , mit
i = 1, ..., I und 2 ≤ I < K
bewirkt eine Verzögerung (Gruppenlaufzeit) der K Teilbandsignale,
die abhängig ist von der jeweiligen Signal- bzw. Kanalbandbreit
Bi. Dadurch ergeben sich zwischen den Teilbandsignalen
bzw. Teilbandsignalgruppen unterschiedlicher Bandbreite Bi Sprünge in der Gesamtsignalverzögerung,
die sich störend auf die Signalqualität auswirken.
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Die
Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht somit darin, die Signalqualität
bei der Verarbeitung von Signalen in Hörvorrichtungen mit
Hilfe mehrstufiger Filterbänke zu verbessern.
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Erfindungsgemäß wird
diese Aufgabe gelöst durch eine Hörvorrichtung
mit einem Filterbank-System, das eine mehrstufige Analysefilterbank und/oder
eine mehrstufige Synthesefilterbank aufweist, um ein Eingangssignal
der Hörvorrichtung durch mehrere Filterbank-Kanäle
in mehrere Teilbandsignale zu zerlegen und/oder um Teilbandsignale
mehrerer Filterbank-Kanäle wieder zusammenzufügen,
wobei das Filterbank-System mit mindestens einem Entzerrungsfilter
ausgestattet ist, um Unterschiede der Frequenzgänge zwischen
Filterbank-Kanälen auszugleichen.
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In
vorteilhafter Weise ist es mit dem Entzerrungsfilter (Equalizer)
möglich, die unterschiedlichen Gruppenlaufzeiten und gegebenenfalls
unterschiedliche Betragsverläufe der Frequenzgänge
der Filterbank-Kanäle auszugleichen bzw. Laufzeitsprünge
zu verschleifen oder zu glätten.
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Somit
können Unstetigkeitsstellen im Frequenzgang des Filterbank-Systems
beseitigt und damit zusammenhängende Störungen
unterdrückt werden.
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Vorzugsweise
ist sowohl die Analyse-Filterbank als auch die Synthese-Filterbank
mehrstufig aufgebaut, und das Entzerrungsfilter ist zwischen zwei
hierarchischen Ebenen von Fil tern des Filterbank-Systems angeordnet.
Alternativ kann das Entzerrungsfilter in der untersten Stufe der
Analyse-Filterbank oder der Synthese-Filterbank angeordnet sein.
Damit sind nur ein oder mehrere Equalizer notwendig, die bei der
niedrigsten Abtastrate arbeiten und somit weniger Rechenleistung
erfordern.
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Weiterhin
alternativ kann das Entzerrungsfilter in der obersten Stufe der
Synthese-Filterbank angeordnet sein. Vorteilhaft daran ist, dass
der Gruppenlaufzeit-/Betragsfrequenzgang-Übergang über die
maximale Frequenzbreite, nämlich die gesamte Signalbandbreite
verteilt werden kann.
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Vorzugsweise
wird das Entzerrungsfilter in der Synthese-Filterbank angeordnet.
Hiermit lassen sich auch Verzerrungen, die von der Analyse-Filterbank
herstammen, entzerren.
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Vorzugsweise
sind in dem Filterbank-System mindestens zwei Paare nebeneinander
liegender Filterbänke vorhanden, die im Verhältnis
zueinander unterschiedliche Bandbreite besitzen, so dass bei jedem
Filterbankpaar jeweils zwei Filterbank-Kanäle verschiedener
Breite nebeneinander liegen, und im breiteren der jeweils zwei Filterbankkanäle
ist je ein Entzerrungsfilter zur Gruppenlaufzeiterhöhung
angeordnet. Damit lässt sich ohne weiteres ein stetiger Übergang
der Gruppenlaufzeit an den Teilbandgrenzen erreichen.
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Die
vorliegende Erfindung wird anhand der beigefügten Zeichnungen
näher erläutert, in denen zeigen:
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1 den
prinzipiellen Aufbau eines Hörgeräts gemäß dem
Stand der Technik;
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2 die
Struktur einer gesamten Filterbank-Kaskade aus AFB und SFB mit Equalizer;
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3 ein
Gruppenlaufzeitdiagramm über mehrere Teilbänder
der Filterbänke von 2;
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4 die
Struktur eines Entzerrungsfilters realisiert als Kaskade von rekursiven
Strukturen zweiter Ordnung;
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5 eine
Allpassstruktur mit minimaler Multipliziereranzahl;
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6 einen
Signalflussgrafen eines Allpasses ersten Grades;
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7 einen
Signalflussgrafen eines Allpasses zweiten Grades;
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8 ein
Gruppenlaufzeitdiagramm mit Sprungkompensation;
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9 die
Spezifikation eines komplexen Entzerrungsfilters und
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10 die
Spezifikation eines reellen Entzerrungsfilters.
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Die
nachfolgend näher geschilderten Ausführungsbeispiele
stellen bevorzugte Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung
dar.
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In 2 ist
eine Filterbank-Kaskade bestehend aus einer mehrstufigen Analyse-Filterbank (AFB)
und einer mehrstufigen Synthese-Filterbank (SFB) dargestellt. Die
beispielhafte Filterbank dient zur Signalverarbeitung in einer Hörvorrichtung
und insbesondere in einem Hörgerät. Die eingangsseitige Filterbank
(FB1) der AFB zerlegt das Eingangssignal in vier Kanäle.
Die ausgangsseitigen Filterbänke FB2A, FB2B, FB2C und FB2D
zerlegen die vier Kanäle weiter in letztlich 24 Kanäle.
Der unterste Kanal der FB1 wird dabei durch die FB2A in zwölf
Kanäle zerlegt, während die übrigen drei
Kanäle der FB1 mit Hilfe der ausgangsseitigen Filterbänke
FB2B, FB2C und FB2D jeweils in vier Kanäle zerlegt werden.
Die Eingangsabtastrate der FB1 beträgt beispielsweise 4 kHz.
Die Abtastrate zwischen den beiden Filterbankstufen fZw beträgt
im gewählten Beispiel 6 kHz. Die Abtastraten in den Teilbandkanälen
am Ausgang der AFB beträgt in den hohen Frequenzgruppen
also nach den Filterbänken FB2B, FB2C und FB2D jeweils
3 kHz. Die Abtastrate nach der Filterbank FB2A der unteren Frequenzgruppe
beträgt 1,2 kHz. Es erfolgt hier also in vorteilhafter
Weise eine Abwärtstastung.
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Nach
der AFB wird eine teilbandspezifische Signal-Manipulation durchgeführt,
die in 2 jedoch nicht dargestellt ist. Der Übersicht
halber schließt sich an die AFB in 2 unmittelbar
die SFB zur Resynthese des Signals an. Die SFB ist hinsichtlich
der Filterbänke in den einzelnen Stufen symmetrisch zu
der AFB aufgebaut. Demnach befinden sich in der untersten Stufe
der SFB die Filterbänke FB3A, FB3B, FB3C und FB3D, die
jeweils zwölf bzw. vier Teilbandsignale zu einem Signal
zusammenfügen. Die vier resultierenden Signale mit einer
Abtastrate von 6 kHz werden der höheren Synthesestufe FB4 zugeführt,
die die Signale zu einem Ausgangssignal mit einer Abtastrate von
24 kHz zusammensetzt.
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Die
breiteren Filterbänke FB2A und FB3A in der unteren Frequenzgruppe
führen hier auch zu einer erhöhten Gruppenlaufzeit τg gegenüber der nächst
höheren Frequenzgruppe mit den schmäleren Filterbänken
FB2B und FB3B. Dies kann 3 anschaulich entnommen werden.
Der Übersicht halber sind dort lediglich die Wirkungen
der Filterbänke FB3A, FB3B und FB3C der Synthese-Filterbank
eingezeichnet. An der Grenze zwischen den beiden Filterbänken
FB3A und FB3B ergäbe sich ein Gruppenlaufzeitsprung, der
gestrichelt eingezeichnet ist. Ein derartiger Sprung würde
jedoch zu Störungen im Ausgangssignal führen.
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Erfindungsgemäß wird
daher der Filterbank FB3B ein Entzerrungsfilter (Equalizer EQ) nachgeschaltet.
Dieses Entzerrungsfilter EQ erhöht die Gruppenlaufzeit
der Filterbank FB3B an der oberen (höherfrequenten) Bandkante
auf den Wert der Gruppenlaufzeit der Filterbank FB3A an deren unterer Bandkante.
Somit ergibt sich der in 3 durchgezogene, stetige Verlauf
zwischen den beiden Filterbänken FB3A und FB3B. Störungen
im Ausgangssignal aufgrund von Gruppenlaufzeitunterschieden der
Filterbänke können so größtenteils
vermieden werden. Das Entzerrungsfilter EQ kann aber auch an anderen Stellen
in dem AFB-SFB-System angeordnet sein. Dadurch wäre beispielsweise
der gepunktete Übergang der Gruppenlaufzeit von dem Wert
der Filterbank FB3A zum Wert der Filterbank FB3C in 3 möglich
(näheres siehe unten).
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Entsprechend
dem Grundgedanken der vorliegenden Erfindung wird ein AFB-SFB-System
generell mit mindestens einem Entzerrer (Equalizer EQ) ausgestattet,
um Gruppenlaufzeitunterschiede und/oder Dämpfungs-/Verstärkungsunterschiede zwischen
Filterbank-Kanälen unterschiedlicher Bandbreite Bi zu vermindern. Dabei sollte sich die Entzerrungsfunktion
stets auf den Fall beziehen, dass die Teilbandsignale der AFB-SFB-Filterbank keiner
Manipulation unterworfen sind, also ein so genannter „Ruhezustand” vorliegt.
Ziel des Angleichungsverfahrens ist dabei nicht die absolute Angleichung
der Eigenschaften der Filterbank-Kanäle unterschiedlicher
Bandbreite, sondern die abrupten, auf einen sehr schmalbandigen
Frequenzbereich beschränkten Übergänge
der Übertragungseigenschaften auf ein breiteres Frequenzband
auszudehnen, um damit störende Artefakte zu vermeiden.
Allgemein sollen also mit dem Entzerrungsfilter Gruppenlaufzeiten
in gewissen Teilbändern erhöht bzw. Dämpfungen/Verstärkungen
in gewünschter Weise verändert werden. In einem
Spezialfall könnte so auch in Anlehnung an das Beispiel
von 3 die Gruppenlaufzeit der Filterbank FB3B an der
oberen Bandkante vom Wert der Gruppenlaufzeit der Filterbank FB3C
auf den Wert der Gruppenlaufzeit der Filterbank FB3A an der unteren
Bandkante erhöht werden.
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Nachfolgend
werden weitere Ausführungsbeispiele für eine Anordnung
von einem oder mehreren Entzerrungsfiltern EQ in dem Filterbanksystem dargestellt:
Beispielsweise
kann ein Entzerrungsfilter EQ auch in die AFB integriert werden.
Insbesondere könnte es analog zu dem Beispiel von 2 zwischen
den Ausgang der Filterbank FB1 und den Eingang der Filterbank FB2B
geschaltet sein. Bei mehreren Mikrofonen, die auch mehrere AFB erfordern,
würde dies zu einem erhöhten Aufwand führen.
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Entsprechend
einem weiteren Ausführungsbeispiel könnte ein
Entzerrungsfilter auf der untersten Ebene der Teilbänder
im breiteren (3 kHz) Kanal mit der niedrigsten Mittenfrequenz vorgesehen
sein. In diesem Fall wird der Übergangsbereich nur über einen
Kanal (der Bandbreite 3 kHz) ausgedehnt, während er sich
bei einer Anordnung des Entzerrungsfilters in einer höheren
Ebene beispielsweise über 3 × 3 kHz erstrecken
kann. Alternativ muss in vier benachbarten 3 kHz-Kanälen
jeweils ein Entzerrungsfilter eingesetzt werden. Vorteil beim Einsatz nur
eines oder zweier Entzerrungsfilter auf dieser untersten Ebene ist,
dass sie bei niedrigster Abtastrate arbeiten können und
somit in der Regel weniger Rechenleistung erfordern.
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Bei
einem weiteren Ausführungsbeispiel wird das Entzerrungsfilter
EQ in der höchsten Ebene des kaskadierten Filterbank-Systems
hier am Ausgang der Filterbank FB4, angeordnet. Zwar erfordert dies eine
höhere Abtastrate und damit einen höheren Aufwand,
aber der Gruppenlaufzeit – bzw. Betragsfrequenzgang -Übergang
kann über die maximale Frequenzbreite, d. h. die gesamte
Signalbandbreite verteilt werden (vgl. gepunktete Linie in 3)
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In
einem weiteren Ausführungsbeispiel besitzt das Filterbank-System
mehr als zwei unterschiedliche Bandbreiten. An jedem Übergang
zwischen benachbarten Kanälen unterschiedlicher Bandbreite
ist ein Entzerrungsfilter EQ vorgesehen. Dabei ist das Entzerrungsfilter
jeweils in dem Kanal mit der größeren Bandbreite
anzuordnen, da es dort die Gruppenlaufzeit erhöhen muss.
Im Fall einer Betragsfrequenzgangsentzerrung kann das verstärkende
oder abschwächende Entzerrungsfilter EQ auch in dem jeweils
anderen Kanal angeordnet sein.
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Wie
die oben dargestellten Ausführungsbeispiele zeigen, bringt
die erfindungsgemäße Einführung von Entzerrern
bzw. Entzerrungsfiltern EQ in einzelnen Filterbank-Kanälen
auf unterschiedlicher hierarchischer Ebene eine Vermeidung abrupter Übergänge
der Dämpfung/Verstärkung und/oder der Gruppenlaufzeit.
Besondere Vorteile ergeben sich, wenn eine möglichst kleine
Anzahl von Entzerrungsfiltern EQ eingesetzt wird, indem sie an denjenigen Stellen
angeordnet werden, wo sie am wirksamsten sind. Sie können
aber auch dort angeordnet werden, wo sie am wenigsten Rechenaufwand
verursachen.
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Das
Entzerrungsfilter EQ, mit dem auf einem sehr schmalbandigen Frequenzbereich
beschränkte Übergänge der Übertragungseigenschaften
auf ein breiteres Frequenzband ausgedehnt werden können, kann
auf vielfältige Art und Weise realisiert werden. Nachfolgend
sind einige konkreten Realisierungsformen aufgezählt.
- 1. Rekursive (IIR) Realisierung des Entzerrers
EQ mit einer der beiden Direktformen (= 1. und 2. kanonische Form
aus Karl-Dirk Kammeyer, Kristian Kroschel: „Digitale
Signalverarbeitung, Filterung und Spektralanalyse mit MATLAB-Übungen",
6. Auflage, Teubner Verlag 2006, Kapitel 4.1, Seiten 78 ff.)
mit hoher Koeffizientenempfindlichkeit. Eine weitere Realisierungsmöglichkeit
besteht in der Kaskadenform (= 3. kanonische Form; hierzu ebenso K-D
Kammeyer et al. a. a. O.) mit geringer Koeffizientenempfindlichkeit. 4 zeigt
eine derartige Struktur des Entzerrungsfilters EQ. Es verhält
sich beispielsweise wie ein Allpass und stellt eine herkömmliche
Kaskade aus rekursiven Filtern zweiter Ordnung dar. Die Filterkoeffizienten
von EQ sind beispielsweise mit der MATLAP-Funktion tf2sos in diese
Form umzurechnen. Aus dem Allpass sechster Ordnung ergeben sich so
drei Sektionen (γ = 2, 3) zweiter Ordnung mit dem Verstärkungsfaktor
gγ, dem Koeffizienten des FIR-Teils b0,γ, b1,γ,
b2,γ und den Koeffizienten des IIR-Teils
a1,γ, a2,γ.
Schließlich lässt sich der Entzerrer EQ auch mit
einer Parallelform (= 4. kanonische Form; vgl. ebenso K-D
Kammeyer et al. a. a. O.) mit geringer Koeffizientenempfindlichkeit
realisieren.
- 2. Nichtrekursive (FIR) Realisierung des Entzerrers EQ mit einer
der beiden Direktformen (= 1. und 2. kanonische Form) mit in diesem
Fall geringer Koeffizientenempfindlichkeit, aber auch mit der Kaskadenform
(= 3. kanonische Form) mit geringer Koeffizientenempfindlichkeit
(vgl. hierzu ebenso K-D Kammeyer et al. a. a. O.).
- 3. Ausführung des Entzerrers zur kombinierten Entzerrung
von Betragsfrequenzgang und Gruppenlaufzeit: Realisierung als IIR-System
oder als FIR-System mit nicht symmetrischer Impulsantwort (Koeffizienten)
gemäß obiger Punkte 1 bzw. 2.
- 4. Ausführung des Entzerrers zur ausschließlichen
Entzerrung von Betragsfrequenzgängen von Filterbankkanälen:
Realisierung als IIR-System oder als linearphasiges FIR-System mit
symmetrischer Impulsantwort (Koeffizienten) gemäß obiger Punkte
1 bzw. 2.
- 5. Ausführung des Entzerrers zur ausschließlichen
Entzerrung der Gruppenlaufzeit von Filterbankkanälen: Realisierung
als IIR-Allpass gemäß obigem Punkt 1. Außerdem
kann der Entzerrer gemäß 5 als sehr
effizienter Allpass realisiert werden (vgl. K-D Kammeyer
et al., Kapitel 4.3 „Allpässe").
Die Allpassstruktur von 5 ist zwar bezüglich
der Speicher nicht kanonisch, da 2n Speicherelemente für
ein System n-ter Ordnung benötigt werden, sie kommt dafür
aber mit der Minimalzahl von Multiplizierern, nämlich n
+ 1, aus. Vom Standpunkt des Realisierungsaufwandes bietet diese
Struktur gegenüber der kanonischen Form daher Vorteile.
- Der Entzerrer kann auch hier in Kaskadenform realisiert sein,
wobei jeder Block erster oder zweiter Ordnung ein bzw. zwei Verzögerungsglieder und
einen (zwei) Mulizplizierer benötigt. Ein entsprechender
kanonischer Allpass erster Ordnung mit einem einzigen Multiplizierer
ist in 6 wiedergegeben, während ein kanonischer
Allpass zweiter Ordnung mit zwei Multiplizierern in 7 dargestellt
ist.
- 6. Die Angleichung der Gruppenlaufzeit kann stetig durch einen
Allpass in dem Entzerrungsfilter EQ erfolgen. In 8 ist
der Gruppenlaufzeitsprung 10 dargestellt, der ohne das
Laufzeitfilter EQ auftritt. Damit die Gruppenlaufzeit möglichst monoton
verändert wird, sind die einzelnen Übergangsbereiche 11, 12, 13 und 14 der
Filterübertragungsfunktionen H0,
H1, H2 der Filterbänke
FB3A, FB3B und FB3C zu beachten. Soll die Gruppenlaufzeit anstelle
des Sprungs 10 monoton verlaufen, so kann durch das Entzerrungsfilter
EQ beispielsweise die Gruppenlaufzeit addiert werden, die sich in 8 unter
der gestrichelten Linie 15 ergibt, welche die Übergangsbereiche 12 und 13 verbindet
(vgl. auch 3). Möchte man des
Weiteren die Gruppenlaufzeit für höhere Frequenzen möglichst
niedrig halten, so kann der Übergangsbereich für
die Gruppenlaufzeit weiter eingeschränkt werden. Der Verlauf
der Gruppenlaufzeit kann dann entsprechend der durchgezogenen Linie 16 etwas
steiler gehalten werden.
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Das
Entzerrungsfilter EQ kann weiter dadurch optimiert werden, dass
ein möglichst einfacher Allpass entworfen wird, der die
Spezifikation nach 8 näherungsweise enthält.
Dazu ist in 9 zunächst die komplexwertige
Spezifikation (resultierend aus der Verarbeitung der Signale durch
beispielsweise komplex modulierte Filterbank) eines Allpasses normiert
auf die Abtastrate fzw im Teilband aufgetragen.
Dabei beschreibt die gestrichelte Linie 17 einen Abfall
der zusätzlich eingeführten Gruppenlaufzeit, der
technisch für eine einwandfreie Überlagerung mindestens
der Teilbänder nötig ist, und die durchgezogene
Linie 18 einen steileren Abfall im Sinne einer möglichst
niedrigen Gruppenlaufzeit für höhere Frequenzen.
Anstelle eines komplexen Entzerrers gemäß 9 kann
aber gegebenenfalls auch ein reeller Entzerrer entsprechend 10 verwendet werden.
Die durch die symmetrischen Anteile entstehenden Artefakte stören
hier nicht. Der Aufbau eines reellen Filters ist jedoch deutlich
einfacher als der eines komplexen Filters, so dass hier das reelle
Filter zu bevorzugen ist.
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Die
oben geschilderten Realisierungsformen ermöglichen einzeln
oder in Kombination miteinander in einer oder mehreren hierarchischen
Ebenen einen Entzerrer in einzelnen Filterbankkanälen zu
verwirklichen, um abrupte Übergänge der Dämpfung/Verstärkung
und/oder der Gruppenlaufzeit zu vermeiden.
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Nicht-Patentliteratur
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- - Karl-Dirk
Kammeyer, Kristian Kroschel: „Digitale Signalverarbeitung,
Filterung und Spektralanalyse mit MATLAB-Übungen”,
6. Auflage, Teubner Verlag 2006, Kapitel 4.1, Seiten 78 ff. [0037]
- - K-D Kammeyer et al. [0037]
- - K-D Kammeyer et al. [0037]
- - K-D Kammeyer et al. [0037]
- - K-D Kammeyer et al., Kapitel 4.3 „Allpässe” [0037]