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Die
vorliegende Erfindung betrifft eine stabilisierte, antimikrobiell
wirksame Zusammensetzung auf wässriger Basis, die ein Bispyridiniumalkan
umfasst, sowie die Verwendung der Zusammensetzung zur Herstellung
mikrobizid wirksamer kosmetischer und pharmazeutischer Zubereitungen
sowie zur Herstellung mikrobizid ausgerüsteter Artikel
wie Medizinprodukte und biozider Produkte wie Desinfektionsmittel
und antimikrobielle Reiniger. Die Zusammensetzung kann als Rohstoff,
Konzentrat oder Fertigprodukt für die angegebenen Anwendungen
verwendet werden.
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Es
sind Zusammensetzungen und Zubereitungen mit einem Gehalt an Bispyridiniumalkan
(beispielsweise N,N'-(1,10-Decandiyldi-1-[4H]-pyridinyl-4-yliden)bis-(1-octanamin)-dihydrochlorid
(im Fogenden Octenidin)) bekannt. Bei Octenidin handelt es sich
um ein Bispyridiniumalkan mit folgenden mesomeren Grenzstrukturen:
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Anwendungen
derartiger Zusammensetzungen und Zubereitungen sind im Bereich der
Antiseptischmachung von Haut, Schleimhaut, Wunden oder inneren Organen
sowie als bakteriostatisches und Zahnplaque verhinderndes Mittel.
Octenidin wird unter anderem seit vielen Jahren erfolgreich in dem
Schleimhaut- und Wundantiseptikum Octenisept® der
Schälke & Mayr
GmbH, Norderstedt, Deutschland eingesetzt.
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Es
hat sich nun überraschend herausgestellt, dass Formulierungen,
die Bispyridiniumalkan enthalten, bei längerer (z. B. mehrmonatiger)
Lagerung zur Zersetzung neigen. Diese Zersetzung tritt insbesondere
bei bestimmten Formulierungen auf, die speziell Octenidin und gegebenenfalls
bestimmte Hilfsstoffe enthalten. So wurde bei Untersuchungen im
Zusammenhang mit der vorliegenden Erfindung festgestellt, dass sich
Abbauprodukte von Octenidin und bei Einsatz von Octenidin in Kombination
mit bestimmten Hilfsstoffen auch Peroxide und Aldehyde bilden können.
Dies war vor dem Hintergrund der Tatsache völlig überraschend,
dass von Bispyridiniumalkanen, wie Octenidin, eine Instabilität
bisher nicht bekannt war. Überraschend war vor allem, dass
die bisher nicht bekannte Instabilität von Bispyridiniumalkanen
bei Anwesenheit von Hilfsstoffen noch verstärkt wird. Zu
den Bedingungen, die einen ungünstigen Einfluss auf die
Stabilität von Bispyridiniumalkan und – soweit
vorhanden – der bestimmten Hilfsstoffe ausüben
können, zählen höhere Temperaturen oder
thermische Belastung, Lichteinfluss (z. B. Sonnenlicht, UV-Strahlung)
und andere Arten von elektromagnetischer Strahlung.
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Der
Erfindung hat demzufolge die Aufgabe zugrundegelegen, dieses Problem
zu überwinden und Stabilisatoren für Bispyridiniumalkane
zu finden. Die Stabilisatoren sollen in geringer Menge wirksam und
toxikologisch unbedenklich sein und das Auftreten von Zersetzungsprodukten
des Bispyridiniumalkans, von Peroxiden und von Aldehyden vermindern
oder verhindern, insbesondere bei Anwesenheit von Hilfsstoffen.
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Es
wurde nun überraschend gefunden, dass diese Aufgabe durch
eine Zusammensetzung auf wässriger Basis gelöst
wird, die
- a) mindestens ein Bispyridiniumalkan
und
- b) mindestens einen Stabilisator ausgewählt aus Antioxidantien,
Komplexbildnern, Reduktionsmitteln, UV-Filtern, Lichtschutzmitteln
oder Kombinationen dieser Stoffe umfasst.
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Weitere,
optionale Bestandteile sind weitere mikrobizide Wirkstoffe, funktionelle
Additive oder Zusatzstoffe wie Netzmittel, Lösungsmittel,
Emulgatoren, Reinigungskomponenten und Osmolyte. In einer bevorzugten
Ausführungsform sind weitere, optionale Bestandteile:
- c) Hilfsstoff,
- d) Fruchtsäure und/oder Salz davon,
- e) Aroma und/oder Süßstoff
und/oder
- f) Säure, Base und/oder Puffer.
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Bevorzugte
Ausführungsformen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
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Die
Erfindung beruht unter anderem darauf, dass gefunden wurde, dass
durch Einsatz spezieller Stabilisatoren das unter den o. g. Bedingungen
auftretende Zersetzen von Bispyridiniumalkanen, insbesondere Octenidin,
vermindert oder sogar verhindert wird. Ferner wird durch den Zusatz
der Stabilisatoren das Auftreten eines Neck in-Effekts bei Gebinden
mit Bispyridiniumalkane enthaltenden, insbesondere octenidinhaltigen Zubereitungen
reduziert. Außerdem werden das Auftreten von Verfärbungen,
die Bildung von geruchlich und/oder toxikologisch unerwünschten
Komponenten und das Auftreten von Inhomogenitäten wie Niederschlägen
unterdrückt.
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a) Bispyridiniumalkan
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Erfindungsgemäße
Zusammensetzungen enthalten mindestens ein Bispyridiniumalkan. Der
Begriff Bispyridiniumalkan schließt die in der
DE 27 08 331 C2 und
der
DE 102 05 883
A1 offenbarten Bis-[4-(substituierte-amino)-1-pyridinium]-alkane
ein. Während alle Angaben zu Bispyridiniumalkanen für
die gesamte Stoffklasse gelten, gelten sie insbesondere für
das in allen Ausführungsformen der Erfindung bevorzugte
Octenidin.
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Besonders
bevorzugt wird also Octenidin als Komponente a) eingesetzt.
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Bevorzugte
Konzentrationen der Komponente a) betragen 0,0001 bis 99,95 Gew.-%,
vorzugsweise 0,01 bis 20 Gew.-%, bevorzugter 0,05 bis 10 Gew.-%,
insbesondere 0,1 bis 1,0 Gew.-%, beispielsweise etwa 1,0 Gew.-%
oder etwa 0,1 Gew.-%.
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b) Stabilisator
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Erfindungsgemäße
Zusammensetzungen enthalten mindestens einen Stabilisator ausgewählt
aus Antioxidantien, Komplexbildnern, Reduktionsmitteln, UV-Filtern
(organischen, oder anorganischen wie ZnO, TiO2),
Lichtschutzmitteln oder Kombinationen dieser Stoffe.
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Antioxidantien,
die erfindungsgemäß als Stabilisatoren für
Bispyridiniumalkane wirken, sind Acetylcystein, 3-tert.-Butyl-4-hydroxyanisol,
2,6-Di-tert.-butyl-p-kresol, tert.-Butyl-hydrochinon, Kaffeinsäure,
Chlorogensäure, Cystein, Cysteinhydrochlorid, Decyl-mercaptomethylimidazol,
Diamylhydrochinon, Di-tert.-butylhydrochinon, Dicetyl-thiodipropionat,
Digalloyl-trioleat, Dilauryl-thiodipropionat, Dimyristyl-thiodipropionat,
Dioleyl-tocopheryl-methylsilanol, Dinatrium-rutinyl-disulfat, Distearyl-thiodipropionat,
Ditridecyl-thiodipropionat, Dodecylgallat, Erythorbinsäure,
Ethylferulat, Ferulasäure, Hydrochinon, p-Hydroxyanisol,
Hydroxylamin-Hydrochlorid, Hydroxylamin-Sulfat, Isooctyl-thioglycolat,
Kojisäure, Madecassicosid, Methoxy-PEG-7-rutinyl-succinat,
Nordihydroguajaretsäure, Octyl-gallat, Phenylthioglykolsäure,
Phloroglucinol, Propylgallat, Rosmarinsäure, Rutin, Natriumerythorbat,
Natriumthioglykolat, Sorbitylfurfural, Thiodiglykol, Thiodiglykolamid,
Thiodiglykolsäure, Thioglykolsäure, Thiomilchsäure,
Thiosalicylsäure, Tocophereth-5, Tocophereth-10, Tocophereth-12,
Tocophereth-18, Tocophereth-50, Tocophersolan, Tocopherol (z. B.
Vitamin E) und seine Derivate (z. B. Vitamin E-Derivate wie Vitamin
E-acetat, Vitamin E-linoleat, Vitamin E-nikotinat und Vitamin E-succinat), o-Tolylbiguanid,
Tris(nonylphenyl)-phosphit, Dexpanthenol, alpha-Hydroxycarbonsäuren
(z. B. Glykolsäure, Milchsäure, Mandelsäure)
und deren Salze, p-Hydroxybenzoesäureester (z. B. deren
Methyl-, Ethyl-, Propyl- oder Butylester), Dimethyloldimethylhy dantoin,
N-Acylaminosäuren und deren Salze (z. B. N-Octanoylglycin, Lipacide
C8G), Ascorbinsäure und Hinoktiol.
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Die
Tocopherole sind besonders wirksame erfindungsgemäße
Antioxidantien. Weiterhin sind die Tocopherole im Hinblick auf die
mit strengen gesetzlichen Regelungen und Toxizitätstests
verbundenen Anwendungen der erfindungsgemäßen
Zusammensetzungen bei der Herstellung von Kosmetika und Pharmazeutika besonders
wünschenswerte Antioxidantien.
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Tocopherole
kommen in Pflanzenölen vor, besonders reich an Tocopherolen
sind die Samenöle von Soja, Weizen, Mais, Reis, Baumwolle,
Luzerne und Nüssen, Früchte und Gemüse
wie Himbeeren, Hülsenfrüchte, Fenchel, Paprika
und Sellerie.
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Die
physiologische Wirkung der Tocopherole beruht auf ihren Eigenschaften
als Radikalfänger. Somit können die Tocopherole,
wenn sie erfindungsgemäß als Antioxidantien verwendet
werden und somit auch in geringen Mengen in die mit Bispyridiniumalkan
ausgerüsteten Zubereitungen Eingang finden, ihrerseits
selbst in der Zellmembran und in Lipoproteinen als physiologisch
wirksame Antioxidantien wirken. Das alpha-Tocopherol (Vitamin E,
Antisterilitätsfaktor) ist das physiologisch wirksamste
und am weitesten verbreitete natürliche Tocopherol.
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Obwohl
die eingesetzten Tocopherole synthetischen Ursprungs sein können,
sind Tocopherole natürlichen Ursprungs verwendbar. Es können
sterisch einheitliche Enantiomere oder Enantiomerengemische von Tocopherolen
verwendet werden, entsprechend können für die
Derivatisierung zu Acetat, Succinat, Linoleat bzw. Nicotinat Tocopherole
natürlichen und/oder synthetischen Ursprungs und sterisch
einheitliche Enantiomere oder Gemische von Tocopherolen (insbesondere
alpha-Tocopherol) verwendet werden.
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Erfindungsgemäß eingesetzte
Stabilisatoren sind vorzugsweise ausgewählt aus α-Tocopherol, 2,6-Di-tert-butyl-4-methyl-phenol
(BHT), Tocopherolacetat, 2-tert.-Butyl-4-hydroxy-anisol und/oder
3-tert.-Butyl-4-hydroxyanisol (BHA), Dodecylgallat und Ascorbinsäure.
Bevorzugte Stabilisatoren sind Vitamin E, BHA, BHT oder Alkylgallat,
oder Kombinationen dieser Stoffe, insbesondere α-Tocopherol
und BHT.
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Dabei
beträgt eine bevorzugte Menge der Komponente b) 0,0001
bis 2 Gew.-%, beispielsweise 0,002 bis 1,0 Gew.-%, wie 0,005 bis
0,5 Gew.-%.
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c) Hilfsstoff
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Die
erfindungsgemäße Zusammensetzung enthält
gegebenenfalls mindestens einen Hilfsstoff ausgewählt aus
Luftsauerstoff, Sauerstoff freisetzenden Verbindungen, Ozon, Oxidationsmitteln,
Schwermetallsalzen (insbesondere in höheren Oxidationsstufen),
Verunreinigungen (z. B. technisch unvermeidliche Verunreinigungen)
in Stoffen wie Metallsalze (z. B. Schwermetallsalze), Polymerisationsinitiatoren,
Radikalbildnern, Peroxiden, Photosensitizern, Enzymen, Peptiden,
Polymeren, Lösungsmitteln, Ethern und Tensiden wie nichtionischen
Tensiden. Die erfindungsgemäße Zusammensetzung
enthält in einer bevorzugten Ausführungsform gegebenenfalls
einen oder mehrere Hilfsstoff(e) ausgewählt aus nichtionischen
Tensiden, Ethern, Lösungsmitteln und Polymeren.
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Die
Erfindung beruht unter anderem darauf, dass überraschend
gefunden wurde, dass bestimmte Bestandteile, die hier als Hilfsstoffe
bezeichnet werden, sich in Kombination mit a) Bispyridiniumalkan
zersetzen und gegebenenfalls sogar die Zersetzung von Bispyridiniumalkan
fördern, und dass diese Zersetzung in Anwesenheit der erfindungsgemäßen
Stabilisatoren b) verhindert oder zumindest vermindert wird.
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Bevorzugte
nichtionische Tenside, die in erfindungsgemäßen
Zusammensetzungen als Hilfsstoffe b) eingesetzt werden, sind ausgewählt
aus Fettalkoholpolyalkoxylaten, Sorbitanfettsäureestern
und Polyoxyethylensorbitanfettsäureestern, Alkylglykosiden
und alkoxylierten (insbesondere ethoxylierten) Fettsäuremonoglyceriden,
wobei mit 5 bis 100 Ethoxygruppen substituiertes Fettsäuremonoglycerid
bevorzugt ist, insbesondere mit 20 bis 70 Ethoxygruppen, wie beispielsweise
mit etwa 40 Ethoxygruppen, substituiertes Fettsäuremonoglycerid
(d. h. Macrogolglycerolhydroxystearat mit 40 Ethylenoxideinheiten,
das unter den Bezeichnungen Eumulgin HRE 40 PH® von
Cognis und Cremophor RH 40® von
BASF erhältlich ist).
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Zu
den Alkoholpolyalkoxylaten gehören auch Fettalkoholalkoxylate,
z. B. Isodecylethoxylate mit verschiedenen Anteilen Ethylenoxid,
Isotridecylethoxylate, Polyethylenglykolether des Stearyl-, Lauryl-
und Cetyl- und Oleylalkohols. Dabei können die Alkohole
mit Ethylenoxid, Propylenoxid oder beliebigen Mischungen von Ethylenoxid
und Propylenoxid alkoxyliert worden sein. Alkoholpolyalkoxylate
sind u. a. unter den Bezeichnungen Lutensol®,
Marlipal®, Marlox®,
Brij® und Plurafac® bekannt,
wobei Brij35 (Macrogollaurylether 20–23) bevorzugt ist.
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Weiterhin
werden als nichtionische Tenside die meist als Oleate, Stearate,
Laurate und Palmitate vorliegenden Sorbitanester eingesetzt, die
als Polysorbate bezeichnet werden (z. B. Tween®).
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Weiterhin
werden als nichtionische Tenside Alkylglycoside eingesetzt.
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Weiterhin
werden die folgenden Lösungsmittel als Hilfsstoffe b) eingesetzt:
Polyalkylenglykole wie Polyethylenglykol, Polypropylenglykol, Alkylenglykolether
wie Phenoxyethanol, Phenoxypropanole, aromatische Alkohole wie Benzylalkohol
und Glycerinether wie Sensiva SC 50 sowie Propylenglykol und Glycerin.
Vorzugsweise werden Lösungsmittel mit pharmazeutischen
Qualitätsmerkmalen eingesetzt.
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Dabei
beträgt eine bevorzugte Menge der Komponente c) 0,01 ppm
bis 99,99 Gew.-%, wie 0,1 bis 20 Gew.-%, vorzugsweise 0,5 bis 15
Gew.-%, wie 1 bis 10 Gew.-%, beispielsweise etwa 2 Gew.-% oder etwa
5 Gew.-%.
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d) Fruchtsäure und/oder Salz
davon
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Erfindungsgemäße
Zusammensetzungen können ferner d) 0,01 bis 3 Gew.-% von
mindestens einer Fruchtsäure und/oder einem Salz davon
umfassen. Geeignete Fruchtsäuren sind ausgewählt
aus Zitronensäure, Äpfelsäure, Milchsäure,
Mandelsäure, Weinsäure, Gluconsäure,
Fumarsäure und Bernsteinsäure, wobei Natriumgluconat
und Zitronensäure als Komponente d) besonders bevorzugt
ist. Dabei betragen bevorzugte Mengenbereiche der Komponente d)
0,02 bis 2 Gew.-%, vorzugsweise 0,05 bis 1,0 Gew.-%, bevorzugter
0,08 bis 0,5 Gew.-%, insbesondere 0,1 bis 0,3 Gew.-%, wie etwa 0,1
Gew.-%.
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e) Aroma und/oder Süßstoff
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Erfindungsgemäße
Zusammensetzungen können ferner e) 0,025 bis 10 Gew.-%
Aroma und/oder Süßstoff umfassen. Geeignete Süßstoffe
sind ausgewählt aus Alitam, Sucralose, Aspartam, Dulcin,
Neohesperidin DC, Steviosid, Suosan und Thaumatin. Bei Neohesperidin
DC (Neohesperidin-Dihydrochalcon; 1-(4-((2-O-[6-Deoxy-α-L-mannopyranosyl]-β-D-glucopyranosyl)oxy)-2,6-dihydroxyphenyl)-3-[3-hydroxy-4--methoxyphenyl]-1-propanon)
handelt es sich um eine Verbindung mit der folgenden Formel
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Besonders
bevorzugt als Süßstoff sind Sucralose, Aspartam
und/oder Neohesperidin DC. Bevorzugte Mengen der Komponente e) betragen
0,05 bis 5 Gew.-%, vorzugsweise 0,1 bis 3 Gew.-%, bevorzugter 0,2
bis 2 Gew.-%, insbesondere 0,5 bis 1 Gew.-%, wie etwa 0,8 Gew.-%.
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Bevorzugte
Gewichtsverhältnisse betragen
- – Komponente
a): Aroma – von 1:100 bis 50:1, bevorzugt 1:10 bis 2:1;
- – Komponente a): Süßstoff – 1:200
bis 5000:1, bevorzugt 1:10 bis 10:1;
- – Aroma:Süßstoff – 1:20
bis 1000:1, bevorzugt 1:10 bis 100:1.
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Es
werden Aromen bevorzugt, die den bitteren Geschmack des Bispyridiniumalkans
gut überdecken bzw. maskieren und vom Anwender gut akzeptiert
werden.
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f) Säure, Base und/oder Puffer
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Erfindungsgemäße
Zusammensetzungen können ferner Säure, Base und/oder
Puffer zur Einstellung des pH-Werts und/oder der Tonizität
umfassen.
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In
einer weiteren Ausführungsform ist die Komponente f) in
einer Menge vorhanden, die den pH-Wert auf 2 bis 8, vorzugsweise
4 bis 7, bevorzugter 5 bis 6,5, wie 5,5 bis 6,0 einstellt.
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In
einer weiteren Ausführungsform ist die Komponente f) in
einer Menge vorhanden, die die Tonizität auf Werte von
vorzugsweise 250 bis 360 mosmol/kg, bevorzugter von 270 bis 310
mosmol/kg einstellt.
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Weil
erfindungsgemäße Zusammensetzungen als wässrige
Lösungen mit einem vorzugsweise hohen Wassergehalt von
mindestens 50 Gew.-%, bevorzugter mindestens 60 Gew.-%, insbesondere
mindestens 70 Gew.-%, wie mindestens 80 Gew.-%, beispielsweise mindestens
90 Gew.-%, z. B. mindestens 94 Gew.-% Wasser vorliegen, sind sie
typischerweise einphasig und klar.
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Erfindungsgemäß hat
sich die Anwesenheit von verschiedenen Inhaltsstoffen als nicht
notwendig oder sogar nachteilig herausgestellt. Diese Inhaltsstoffe
sind demzufolge in bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung
in Zusammensetzungen in geringer Menge (wie weniger als 2 Gew.-%
und vorzugsweise weniger als 1 Gew.-%) und insbesondere nicht enthalten:
- – Vorzugsweise sind erfindungsgemäße
Zusammensetzungen frei von quartärer Ammoniumverbindung, wie
sie gemäß der US 2005/0 169 852 A1 zwingend vorgeschrieben
ist. Im Gegensatz zu den erfindungsgemäß vorhandenen
Bispyridiniumalkanen führen die herkömmlichen
quartären Ammoniumverbindungen wie beispielsweise Cetylpyridiniumchlorid
und Benzalkoniumchlorid zu einer unerwünschten starken Schaumentwicklung
beim Gurgeln.
- – Vorzugsweise sind erfindungsgemäße
Zusammensetzungen frei von aromatischem Alkohol. Aromatische Alkohole
wie Benzylalkohol und Phenoxyethanol können im Sinne der
Erfindung destabilisierende Produkte oder Zwischenprodukte bilden
wie Aktivsauerstoffverbindungen (z. B. Peroxide) und Aldehyde. Phenoxyethanol
besitzt ferner einen negativen, pelzigen Geschmack.
- – Bevorzugte erfindungsgemäße Zusammensetzungen
sind frei von Wasserstoffperoxid oder Peroxid freisetzenden Verbindungen,
wie sie gemäß der EP 0 252 278 A2 zwingend vorgeschrieben sind.
Nachteile von Peroxiden sind schlechte Schleimhautverträglichkeit
und begrenzte Stabilität in der Formulierung.
- – Erfindungsgemäße Zusammensetzungen
sind ferner vorzugsweise frei von Betain und/oder Aminoxid, zwei
Wirkstoffklassen, die gemäß der US 4 420 484 A1 vorgeschlagen
werden. Handelsübliche Betaine, wie beispielsweise Kokosamidopropylbetain,
führen zum unerwünscht starken Schäumen
von wässrigen Zusammensetzungen. Ferner wird angenommen,
dass mit der Anwesenheit von Aminoxiden das Auftreten von Nitrosaminen
einhergeht, die als krebserregend bekannt und deshalb bedenklich
sind.
- – Erfindungsgenmäße Zusammensetzungen
sind ferner vorzugsweise frei von Aldehyden, wie sie gemäß der DE 42 01 391 zwingend vorgeschrieben
sind. Aldehyde sind toxikologisch bedenklich.
- – Bevorzugte erfindungsgemäße Zubereitungen
sind ferner frei von Silikonölen. Silikonöle besitzen
typischerweise eine geringe Wasserlöslichkeit und ihre
Anwesenheit behindert oder verhindert somit die Herstellung der
bevorzugten einphasigen Zusammensetzung.
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Bevorzugte
erfindungsgemäße Zusammensetzungen besitzen einen
Gehalt an Fettalkohol von weniger als 10 Gew.-%, wie weniger als
5 Gew.-%, insbesondere weniger als 3 Gew.-% beispielsweise weniger
als 1 Gew.-%. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform
ist kein Fettalkohol enthalten.
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Besonders
bevorzugt ist eine Zusammensetzung, die
- a)
0,1 bis 5,0 Gew.-%,
bevorzugter 0,2 bis 3,0 Gew.-%,
insbesondere
0,5 bis 2,0 Gew.-%,
wie etwa 1,0 Gew.-% Octenidin,
- b) 0,001 bis 0,1 Gew.-%,
bevorzugter 0,002 bis 0,05 Gew.-%,
insbesondere
0,005 bis 0,04 Gew.-%
Stabilisator ausgewählt aus α-Tocopherol
und BHT und
- c) 0,5 bis 30 Gew.-%,
bevorzugter 1,0 bis 20 Gew.-%,
insbesondere
2,0 bis 10 Gew.-%,
wie etwa 5,0 Gew.-% ethoxyliertes Fettsäuremonoglycerid,
oder insbesondere Fettalkoholalkoxylat
enthält
und vorzugsweise aus den genannten Komponenten a) bis c) und als
Rest Wasser besteht.
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Ferner
bevorzugt ist eine Zusammensetzung auf wässriger Basis
in Form einer Mundspüllösung, die
- a) 0,01 bis 1,0 Gew.-%,
bevorzugter 0,02 bis 0,5 Gew.-%,
insbesondere
0,05 bis 0,2 Gew.-%,
wie etwa 0,1 Gew.-% Octenidin,
- b) 0,01 bis 1,0 Gew.-%,
bevorzugter 0,02 bis 0,2 Gew.-%,
insbesondere
0,03 bis 0,1 Gew.-%,
wie etwa 0,05 Gew.-% α-Tocopherol,
- c) 0,2 bis 20 Gew.-%,
bevorzugter 0,5 bis 10 Gew.-%,
insbesondere
1,0 bis 5,0 Gew.-%,
wie etwa 2,0 Gew.-% Fettalkoholethoxylat,
oder insbe
sondere ethoxyliertes Fettalkoholmonoglycerid,
- d) 0,05 bis 5,0 Gew.-%,
bevorzugter 0,1 bis 2,0 Gew.-%,
insbesondere
0,2 bis 1,0 Gew.-%,
wie etwa 0,5 Gew.-% Fettsäure(salz)
- e) 0,08 bis 8,0 Gew.-%,
bevorzugter 0,2 bis 5,0 Gew.-%,
insbesondere
0,5 bis 2,0 Gew.-%,
wie etwa 0,8 Gew.-% Aroma und/oder Süßstoff
sowie
- f) 0,05 bis 5,0 Gew.-%,
bevorzugter 0,1 bis 2,0 Gew.-%,
insbesondere
0,2 bis 1,0 Gew.-%,
wie etwa 0,5 Gew.-% Polyol wie Glycerin
umfasst
und vorzugsweise aus den genannten Komponenten a) bis e) und g)
und als Rest Wasser besteht.
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Darüber
hinaus ist eine Zusammensetzung in Form eines gebrauchsfertigen
Produkts bevorzugt, die
- a) 0,01 bis 0,1 Gew.-%
Octenidin,
- b) 0,001 bis 0,004 Gew.-% α-Tocopherol und/oder BHT
und
- c) etwa 0,5 Gew.-% Fettalkoholalkoxylat wie Brij35
umfasst
und die gegebenenfalls durch Zusatz von Natriumchlorid isotonisch
eingestellt ist.
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Die
Erfindung betrifft darüber hinaus die Verwendung der antimikrobiell
wirksamen Zusammensetzung (bzw. von deren Komponenten a) und b)
sowie gegebenenfalls c), d), e) und/oder f)) als Mundspüllösung
oder Mundantiseptikum oder zur Herstellung einer Mundspüllösung
oder eines Mundantiseptikums. Ein weiteres bevorzugtes Anwendungsgebiet
ist die generelle Haut-, Schleimhaut- und Wundantisepsis. Die Mundantisepsis
ist ein beispielhaftes Anwendungsgebiet für eine Schleimhautantisepsis.
Die wichtigsten Indikationen sind:
- – antimikrobielle
Mundspülung vor zahnärztlichen und kieferchirurgischen
Eingriffen;
- – Prophylaxe und Therapie der chemo- oder radiotherapieinduzierten
Mucositis;
- – Verbesserung der Mundhöhlenhygiene bei immunsupprimierten
Patienten;
- – antimikrobielle Mundspülung nach akzidentieller
Aufnahme infektiösen Materials in die Mundhöhle;
- – vor und ggf. nach operativen Eingriffen;
- – antimikrobielle Mundpflege bei Kieferfrakturen mit
intermaxillärer Immobilisation;
- – Wurzelkanalantiseptik;
- – Karies- und Parodontosebehandlung;
- – Implantologie;
- – zusätzliche Mundspülungen zur täglichen
habituellen Mundhygiene bei besonderen Patientengruppen (z. B. Immunsuppression);
- – Reduzierung der Plaqueentstehung u. Gingivitisprophylaxe
bei Patienten, deren Zähne manuell nicht zu reinigen sind;
- – vor und während einer Zahnbehandlung zur
Reduzierung der Keimzahl in Aerosolen;
- – Vorbeugung oder Reduzierung der Bakteriämie
bei Risikopatienten (z. B. Endokarditisprophylaxe);
- – Vorbeugung von Infektionen bei Intensivpatienten;
- – Vorbeugung von Infektionen eines künstlich
beatmeten Patienten;
- – vor intraoralen Injektionen und
- – Behandlung von Trägern multiresistenter
Mikroorganismen in der Mundhöhle (z. B. MRSA).
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Die
Erfindung betrifft insbesondere die Verwendung der Zusammensetzung
zur Herstellung mikrobizid wirksamer kosmetischer und pharmazeutischer
Zubereitungen sowie zur Herstellung mikrobizid ausgerüsteter Artikel
wie Medizinprodukte und biozider Produkte wie Desinfektionsmittel
und antimikrobielle Reiniger. Die Zusammensetzung kann als Rohstoff,
Konzentrat oder Fertigprodukt für o. a. Anwendungen verwendet
werden. Speziell betrifft die Erfindung auch die Verwendung der
oben genannten Komponenten a) und b), und gegebenenfalls c), d),
e) und/oder f) zur Herstellung einer Mundspüllösung
und eines Mundantiseptikums, insbesondere zur Bekämpfung
von MRSA und/oder E. faecalis.
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Alle
Indikationen können mit einer Mundspüllösung
und/oder einem Mundantiseptikum mit Octenidin zur Anwendung kommen.
Vorzugsweise sind es die Behandlung bei Befall mit multiresistenten
Erregern, wie z. B. MRSA (methicillinresistentem S. aureus) und
die Behandlung der Parodontitis und des Wurzelkanals. Vergleiche
der Wirksamkeit gegen den bei der Wurzelkanalinfektion wichtigen
Keim E. faecalis zeigen, dass die erfindungsgemäß bevorzugte
Formulierung deutlich besser wirkt als das Handelsprodukt Chlorhexamed
forte®.
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Ferner
betrifft die Erfindung die Verwendung der o. g. Stabilisatoren zur
Verminderung oder Verhinderung der Zersetzung von Bispyridiniumalkan
und insbesondere einer Kombination von a) Bispyridiniumalkan und
c) Hilfsstoff, insbesondere zur Verminderung oder Verhinderung der
Bildung von Abbauprodukten des Bispyridiniumalkans, von Peroxiden
und/oder Aldehyden. In die sem, die Stabilisierung von Bispyridiniumalkan und
insbesondere die Stabilisierung einer Kombination von a) Bispyridiniumalkan
und c) Hilfsstoff betreffenden Aspekt der Erfindung sind als Stabilisatoren
auch Sucralose, Ringerlösung und Alkalichloride wie isotonische Kochsalzlösung
geeignet.
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Die
Vorteile der Erfindung ergeben sich insbesondere aus den folgenden
Beispielen.
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Beispiele
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Angaben
in Gew.-%, wenn nicht anders angegeben.
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Methoden
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Peroxid-Bestimmung
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Die
Bestimmung des Peroxid-Gehaltes erfolgt mittels Teststäbchen,
Merck-Nr. 10011.0001. Bei den Teststäbchen überträgt
Peroxidase Peroxid-Sauerstoff auf einen organischen Redoxindikator
und es entsteht ein blaues Oxidationsprodukt. Die Peroxidkonzentration
wird dann halbquantitativ durch visuelle Beurteilung der Reaktionszone
des Analysenstäbchens mit den Feldern einer Farbskala ermittelt.
Die Abstufungen der Farbskala sind 0,5–2–5–10–25
mg/L. Da diese Konzentrationen im Versuchsverlauf zu gering sind,
wird zusätzlich folgender Peroxid-Schnelltest verwendet:
Merck-Nr. 1.10081.1. Der Messbereich beträgt 1–3–10–30–100
mg/L Peroxid.
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Aldehyd-Bestimmung
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Die
Bestimmung des Aldehyd-Gehaltes erfolgt ebenfalls mittels Teststäbchen,
Merck-Nr.: 1.10036.0001. Formaldehyd bildet mit 4-Amino-3-hydrazin-5-mercapto-1,2,4-triazol
ein purpurrotes Tetrazin. Die Formaldehydkonzentration wird halbquantitativ
durch visuellen Vergleich der Reaktionszone des Teststäbchens
mit den Feldern einer Farbscala ermittelt. Die Abstufungen der Farbscala
sind 10–20–40–60–100 mg/L.
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Octenidin-Bestimmung
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Die
Bestimmung des Octenidin-Gehalts erfolgt mittels Flüssigchromatographie.
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Dabei
wird das Octenidin nach Aufarbeitung auf einer RP18-Phase chromatographiert
und im UV-Bereich mit Hilfe eines Photodiodenarray-Detektors detektiert.
Die Identifizierung erfolgt sowohl über die Retentionszeit
als auch über das spezifische UV-Spektrum. Eine Quantifizierung
erfolgt durch Zugabe eines internen Standards.
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Herstellung
von A: Alles zusammengeben und bis zur klaren Lösung rühren.
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Herstellung
von B und C: Octenidin, Brij35 und Wasser zusammengeben, bis zur
klaren Lösung rühren. Anschließend alpha-Tocopherol
zugeben und lösen.
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Herstellung
von D–P: Zunächst wird das Brij35 aufgeschmolzen
und die jeweiligen Stabilisatoren werden eingerührt. Dann
wird das Wasser zugegeben, abschließend das Octenidin.
Die Lösung wird bis zur Klarheit gerührt.
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Herstellungsvorschrift
(Beispiele Q bis S): Gereinigtes Wasser wird vorgelegt und unter
Rühren werden Octenidin, Glycerin 85% und Natriumgluconat
hinzugefügt und gerührt bis vollständig
gelöst. Aus dem Macrogolglycerolhydroxystearat 40 EO und
dem Aroma sowie dem Tocopherol wird eine separate Vorlösung
hergestellt. Die Vorlösung wird ebenfalls unter Rühren
dazugegeben und gerührt bis vollständig gelöst.
Unter Rühren werden danach das Aspartam und Citronensäure-Monohydrat
hinzugegeben und bis zur vollständigen Lösung
gerührt. Beispiel 3
| | T** | U | V | W | X |
| BHT | - | 0,005 | 0,01 | 0,02 | 0,04 |
| Octenidin | 1,00 | 1,00 | 1,00 | 1,00 | 1,00 |
| Brij35 | 5,00 | 5,00 | 5,00 | 5,00 | 5,00 |
| Nullwert |
| Octenidin
in % | 0,952 | 0,944 | 0,936 | 0,945 | 0,940 |
| Peroxid
in ppm | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Aldehyde
in pppm | 20 | 20 | 20 | 20 | 10–20 |
| 3 Monate
+40°C |
| Octenidin
in % | 0,942 | 0,959 | 0,932 | 0,948 | 0,963 |
| Peroxid
in ppm | 3 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Aldehyde
in pppm | 20 | 15–20 | 15–20 | 15–20 | 15–20 |
| Aussehen
der Lösung | klar | klar | klar | klar | klar |
| 3 Monate
+60°C |
| Octenidin
in % | 0,819* | 0,946 | 0,945 | 0,939 | 0,944 |
| Peroxid
in ppm | 10 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Aldehyde
in pppm | 50 | 10–20 | 20 | 10–20 | 20 |
| Aussehen
der Lösung | klar | klar | klar | klar | klar |
- * = zusätzliche Peaks bei der
HPLC-Untersuchung.
- ** = Vergleich.
-
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
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-
Zitierte Patentliteratur
-
- - DE 2708331
C2 [0010]
- - DE 10205883 A1 [0010]
- - US 2005/0169852 A1 [0038]
- - EP 0252278 A2 [0038]
- - US 4420484 A1 [0038]
- - DE 4201391 [0038]